Forderung nach Verbot für Kastenstände sei „tiefster Fundamentalismus von Fanatikern“

In der Wochenzeitung des steirischen Bauernbundes „Neues Land“ schreibt Josef Kaltenegger am 15. September 2011, dass die Forderung nach einem Verbot für Schweine-Kastenstände „tiefster Fundamentalismus von Fanatikern“ wäre. Es ist bemerkenswert, dass die LobbyistInnen der Tierindustrie dauernd mit solchen Kraftausdrücken um sich werfen müssen. Natürlich, konservative Personen gegen AktivistInnen aufzubringen, die sogar so „weit“ gehen, ihr Demonstrationsrecht in Anspruch zu nehmen, gelingt am Besten mit Vorwürfen von Radikalismus, Fundamentalismus oder gar Extremismus. Aber in diesem Zusammenhang klingen diese Vorwürfe nicht nur zahnlos, sie nehmen denjenigen, die sie vorbringen, völlig ihre Glaubwürdigkeit.

Mehr als 72% der 300.000 Mutterschweine Österreichs müssen momentan 365 Tage im Jahr im Kastenstand verbringen. Dieser ist 1,9 m lang und 65 cm breit, in etwa so groß also, wie die ausgewachsenen Mutterschweine selbst. Es soll ernsthaft „tiefster Fundamentalismus von Fanatikern“ sein, das zu kritisieren? Es ist fundamentalistisch und fanatisch, den Vorschlag von Minister Stöger, die Zeit in diesem Kastenstand von 12 auf 1 ½ Monate pro Jahr zu reduzieren, zu unterstützen? Wer so etwas von sich gibt, schießt sich doch aus jeder vernünftigen Diskussion hinaus!

Was meint Herr Kaltenegger eigentlich, was nicht-fanatische und nicht-fundamentalistische TierschützerInnen bzgl. Kastenständen fordern sollen? Gibt es eine harmlosere Forderung, als den Verordnungsentwurf von Minister Stöger?

Wenn diese Einschränkung von Kastenständen bereits fundamentalistisch und fanatisch ist, was wäre dann die Forderung, Schweine nur noch mit Weidenauslauf zu halten? Da gehen uns bereits die Superlative aus! Und was wäre die Forderung, überhaupt keine Schweine mehr schlachten und essen zu dürfen?

Jetzt lässt sich wenigstens allen unbedarften Personen, die diese Propagandamethode der Tierindustrie und ihrer Handlanger in der  ÖVP nicht kennen, ein eklatantes Beispiel entgegen halten.

Aber Kalteneggers Artikel enthält noch eine Kuriosität. Ein Foto von 5 Männern mit gleichen grünen Kniestümpfen und Lederhosen, denen das Bild die Köpfe abschneidet, ist mit folgenden Worten unterschrieben: Sie vermummen sich und zeigen kein Gesicht, die Tierschutzaktivisten. Sie sind aggressiv und bösartig und wollen die Gewalt zur Regel erklären, dem muss man einen Riegel vorschieben.

Sind jetzt diese Männer in Kniestrümpfen und Lederhosen die „Tierschutzaktivisten“? Also solche Aktivisten sind mir bisher noch nie untergekommen. Darüber hinaus gibt es in der Praxis etwa doppelt so viele Frauen wie Männer unter den TierschutzaktivistInnen. Wer ist „aggressiv und bösartig“ und will „die Gewalt zur Regel erklären“? Mir sind zahlreiche Fälle von Gewalt im Tierschutz bekannt, aber ausnahmslos immer ging die Gewalt von den TiernutzerInnen aus und war gegen die TierschützerInnen gerichtet. Das beginnt bei Kundgebungen gegen Pelz vor Kleider Bauer und geht über Proteste gegen die Jagd und gegen Zirkusse bis zu Aktionen gegen die Nutztierquälerei. Eine Zusammenschau ist hier zu finden:

https://martinballuch.com/?p=283

In dem Zusammenhang erinnere ich auch an den Vorfall im März 2004, als der damalige ÖVP-Agrarsprecher Robert Lutschounig mir unprovoziert ins Gesicht schlug, und an den Juli 1997, als ein Schweinefabriksbetreiber eine Tierschützerin mit der Schrotflinte anschoss. Die Gewalt ist immer nur von einer Seite ausgegangen, und zwar sowohl die gegen Menschen als auch die gegen Schweine. Es ist erschütternd, mit was für einer Hartnäckigkeit die VerteidigerInnen des Status Quo jeden neuen Vorschlag für eine Reform kriminalisieren wollen. Haben die aus dem Tierschutzprozess denn gar nichts gelernt?

Hier Kalteneggers Artikel:

2 thoughts on “Forderung nach Verbot für Kastenstände sei „tiefster Fundamentalismus von Fanatikern“

  1. Martin C. says:

    Wenn die Argumente fehlen, dann wird es untergriffig. Hiermit nährt der Bauernbund nur das weitläufige Klischee des einfach gestrickten bornierten Bauernstandes.

  2. Roman says:

    Ich habs schon auf facebook geschrieben:
    die hetzkampagne die die fpö gegen ausländer und linke schleudert, betreibt der bauernbund(/ÖVP) scheinbar gegen tierrechtler und aktivisten…
    aber das ist ja eigentlich eh nix neues…
    (und das am foto sind vermummte tierschützer in lederhosen… mhm… wiedermal weiß man nicht ob man lachen oder weinen soll)

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