The show must go on – Kampagne für ein Kastenstandverbot bei Mutterschweinen

Kaum war der Freispruch Realität, musste ich mich schon in die Kampagne gegen Kastenstände stürzen. Warum nimmst Du Dir keine Auszeit, wurde ich oft gefragt. Das hat zwei Gründe. Erstens besteht jetzt ein öffentliches Interesse an unserem Fall und wir müssen dieses Interesse gleich nützen, bevor es abflaut, um wichtige Fortschritte zu erzielen. Dazu gehören auf jeden Fall Reformen im Polizei- und Justizapparat – und da werde ich mich sehr bald wieder zu Wort melden – wie auch entsprechende Konsequenzen bei den Verantwortlichen, inklusive Schadensersatz. Das ist sehr wichtig, um solche Ermittlungen zukünftig zu verhindern.

Aber gleichzeitig gibt es im Tierschutz in diesen Wochen die einmalige Chance, endlich einen Fortschritt in der Schweinehaltung zu erzielen. Das ist mir deshalb so wichtig, weil wir seinerzeit 2004, beim erfolgreichen Kampf für ein Legebatterieverbot und ein Bundestierschutzgesetz, die Schweine im Regen stehen gelassen haben. Für die Schweine wurde das schlechteste Landesgesetz die neue Bundesregelung, für Schweine bilden nur die EU-Mindestrichtlinien den einzigen, sehr marginalen Schutz. Die Schweineindustrie ist die mächtigste aller Tierindustrien in Österreich, 2 Drittel des in Österreich produzierten und gegessenen Fleisches stammt von Schweinen. Eine so große Industrie dazu zu bewegen, aus ethischen Gründen den Schweinen mehr Lebensqualität zu bieten und dafür teurer zu produzieren, ist ein sehr schwieriges Unterfangen.

Doch jetzt gibt es diese Chance, eine breite Diskussion über ein Kastenstandverbot ist entbrannt. Kastenstände sind 1,9 m lange, 60 cm breite und weniger als 1 m hohe Gitterkäfige für Mutterschweine, die gerade noch mit ihren schweren Körpern da hinein passen. Die Schweine in den Kastenständen können sich weder umdrehen noch einen Schritt gehen. Selbst das Niederlegen fällt ihnen schwer, den Kopf müssen sie dazu unter den Futtertrog quetschen. 3 von 4 der 300.000 österreichischen Mutterschweine müssen heute ihr ganzes Leben in einem solchen körpergroßen Gitterkäfig verbringen. Ab 2013 soll die Zeit im Kastenstand aufgrund einer EU-Vorgabe auf 6 Monate pro Jahr reduziert werden. Doch diese Kastenstände sind auch in der halben Lebenszeit ein Alptraum für die Tiere. Ich weiß wovon ich spreche, war ich doch selbst von 4.-5. Mai 24 Stunden lang in einem Kastenstand am Stephansplatz in Wien eingesperrt. Bei jeder Bewegung stößt man an die Gitterstäbe, ein Niederlegen, ohne sich zwischen die Metallstangen quetschen zu müssen, ist nicht möglich. Eine solche Art der Tierhaltung ist mit jedem ethischen Tierschutzgedanken unvereinbar.

Das SPÖ-Gesundheitsministerium hat jetzt eine neue Schweinehaltungsverordnung erarbeitet, nach der die Zeit im Kastenstand für die Mutterschweine auf etwas mehr als 1 ½ Monate pro Jahr reduziert wird. Das ÖVP-Landwirtschaftsministerium legt sich quer und scheint sein Vetorecht gegen Tierschutzverordnungen nutzen zu wollen. Die ÖVP zeigt sich dabei wieder als langer Arm der Tierindustrie, eine Lobbypartei, die keinen – auch konservativen – Werten mehr eine Bedeutung gibt, sondern nur die Interessen der Agrarindustrie vertritt. Wir versuchen natürlich mit allen Mitteln, eine Verschärfung der Schweinehaltungsverordnung bis zum Kastenstandverbot zu erreichen.

Dass es überhaupt einen neuen Verordnungsentwurf gibt, könnte bereits eine Folge des Tierschutzprozesses sein. Bisher stellte immer die ÖVP den/die für das Tierschutzressort zuständigeN GesundheitsministerIn. Dafür war 2008 die Justizministerin von der SPÖ. Ministerin Maria Berger gab damals die Weisung, dass wir Tierschutzgefangene 2008 nach 105 Tagen aus der U-Haft entlassen wurden. Danach gab es Wahlen und das Justizministerium wurde rasch auf Schwarz umgefärbt. Wollte man sicherstellen, dass es eine Weisung zur Anklage in der Tierschutzcausa geben werde? Der Trick gelang, die Anklage durch Ministerin Bandion-Ortner kam. Doch die ÖVP musste dafür im Tausch das Tierschutzressort, d.h. das gesamte Gesundheitsministerium, abgeben. Wer zuletzt lacht, lacht am Besten: Das Tierschutzressort in SPÖ-Hand lieferte eine neue Schweinehaltungsverordnung und die Anklage im Tierschutzprozess durch das ÖVP-Justizministerium scheiterte.

Man wird also verstehen, dass ich jetzt die einmalige Chance nutzen und mithelfen möchte, das Kastenstandverbot zu erreichen. Wer uns dabei unterstützen will, kann das z.B. durch ein einfaches Protestemail tun:

https://vgt.at/actionalert/kastenstand/emailappell/index.php

Vielen Dank!

2 thoughts on “The show must go on – Kampagne für ein Kastenstandverbot bei Mutterschweinen

  1. Martin C. says:

    Nach all den Strapazen durch den Prozess und seiner Vorgeschichte wäre eine längere Erholungspause durchaus angebracht und vernünftig gewesen, allerdings wäre es auch leichtsinnig den momentan herrschenden Aufwind nicht zu nutzen – das war wohl so nicht im Sinne der Drahtzieher der Tierschutz-Hetze.

    Nachdem sich die ÖVP schon längst selbst in jeder Weise disqualifiziert hat, so verdient sich das Einlenken der SPÖ zum Thema Kastenstand doch einiges an Anerkennung, auch wenn mich die Ablehnung des Untersuchungsausschusses zum Tierschutzprozess seitens der Sozialdemokraten einigermaßen enttäuscht hat, da zeigt sich dann leider doch das schon länger schwächelnde Rückgrat dieser Partei.

  2. regina says:

    lieber martin balluch, ich hatte schon gemailt und auch postkarten verschickt, wie sicher viele andere auch. ich bewundere deine/eure energie, daß ihr euch sofort wieder ins zeug legt und daran arbeitet, daß die zustände in österreich sowohl für menschliche als auch nichtmenschliche tiere erträglicher werden. meine unterstützung bleibt euch erhalten!

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