Fleisch

Wir brauchen dringend eine Fleischsteuer!

Die Logik ist frappierend. Gestern habe ich in einem Supermarkt das Angebot gesehen: ein ganzes Huhn um € 3,99. Wie, bitte schön, kann man ein befruchtetes Ei ankaufen, ein Kücken ausbrüten, das dann bis ins Erwachsenenalter mästen inklusive Infrastruktur wie Halle, Licht, Ventilator und letztlich auch Nahrung, und zusätzlich den Tiertransport und die Schlachtung finanzieren für so wenig Geld, dass beim Verkauf des geschlachteten Huhns um 4 Euro noch ein Gewinn übrig bleibt?!?! Klar ist: dem Huhn kann so keine Lebensqualität geboten werden. Überhaupt keine. Es muss aus einer Qualzucht stammen, die ein wahnsinnig rasches Wachstum ermöglicht, und sein ganzes Leben in einer vollautomatisierten Massentierhaltung verbringen. Die Schlussfolgerung ist selbstverständlich: nur wenn man deutlich mehr für das Fleisch bezahlt, kann man beginnen darüber nachzudenken, wie man das Leben der sogenannten Nutztiere besser gestaltet.

Diese eigentlich augenscheinliche Selbstverständlichkeit dürfte im Parlament jedenfalls von (fast) niemandem begriffen werden. Wie anders lässt sich erklären, dass man unisono gegen eine Fleischsteuer ist? Dabei geht es ja nur darum, den Mehrwertsteuersatz für Fleisch von 10 auf 20 % zu erhöhen, also Fleisch nicht mehr als Grundnahrungsmittel sondern als Luxusprodukt zu klassifizieren. Und genau das ist es doch! Ein Grundnahrungsmittel ist es jedenfalls nicht. Sämtliche Ernährungsexpert_innen erzählen uns, dass viel zu viel Fleisch gegessen wird. Und dazu kommt noch die Klimakrise: der neueste Sonderbericht des IPCC erklärt klipp und klar, dass die Fleischproduktion für gut ein Drittel (!) der Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Erschütternd ist im Übrigen, dass für pflanzliche Alternativen, wie Sojamilch, als Luxusprodukte der höhere Steuersatz gilt. Obwohl sie klimafreundlicher, tierfreundlicher und gesünder sind!

Im Beispiel oben würde der Preis des Huhns durch die Anhebung im Steuersatz von 4 Euro auf 4 Euro 30 Cent ansteigen. De facto ergibt eine Umschlagsrechnung, dass der durchschnittliche Haushalt durch diese Steueranhebung für alle Fleischsorten um 4,50 Euro pro Monat (!) belastet würde. Der Staat würde aber dennoch 50 Millionen Euro pro Jahr einnehmen, die man zweckgebunden in eine Verbesserung der Haltungsform investieren könnte.

Diese Maßnahme ist also nicht nur gut, sie ist notwendig. Ein erster Schritt. Im besten Fall geht der Fleischkonsum dadurch zurück, was zu unser aller Vorteil ist. Aber selbst wenn nicht, erhalten die Tierbetriebe 50 Millionen Euro pro Jahr zweckgebunden für Tierschutz. Und wenn man das Biofleisch aus der Steuererhöhung ausnimmt, dann schrumpft auch noch der preisliche Abstand zwischen konventionell und bio, sodass die bessere Biohaltung bevorzugt wird. Wie kann man da dagegen sein?

Man kann. Sämtliche Parteien außer der Liste JETZT haben sich gegen diese Maßnahme ausgesprochen. Die Begründungen sind abenteuerlich. Die FPÖ schwadroniert von Heimatschutz und meint damit offenbar, die Billigfleisch produzierenden Massentierhaltungen davor zu „schützen“, dass am Ende die Konsument_innen nicht mehr so viel Billigfleisch essen. Die Tiere zu schützen ist jedenfalls kein Teil von diesem Heimatschutz aus Sicht der FPÖ. Die lässt diese Partei wieder einmal im Regen stehen.

Von der ÖVP kann man sowieso nichts Anderes erwarten, als gegen jede vernünftige Tierschutzmaßnahme zu sein. Aber die Grünen? Auch sie sind dagegen! Dagegen, dass Fleisch teurer und dadurch seltener gegessen wird. Obwohl es Klimakiller Nummer 1 ist. Und obwohl dadurch immenses Tierleid erzeugt wird. Die Grünen wollen die Landwirt_innen vor einer solchen Maßnahme schützen. Das ist eine Bankrotterklärung. Auffällig ist allerdings, dass die Grünen mit Irmi Salzer, Tom Waitz und Sarah Wiener an der Spitze und als Tierschutzsprecher_innen durchgehend Personen haben, die selbst von der Tierproduktion leben. Kann es sein, dass man dann nicht mehr wirklich den Tierschutz im Fokus hat? Eine Tierschutzmaßnahme verteuert immer das Tierprodukt. Und wer will das schon, wenn man vom Verkauf selbiger Tierprodukte lebt? Klar ist, dass niemand, der selbst Tiere hält, um daraus Fleisch, Milch oder Eier herzustellen, wirklich rückhaltlos für die Interessen der Tiere eintreten wird. Das zeigt sich jetzt einmal mehr. Abgesehen davon, dass Irmi Salzer allen Ernstes die Meinung verbreitet hat, dass die Landwirt_innen im Allgemeinen ihre Tiere eh gut halten, die Skandale seien Ausnahmen. Die berühmten Einzelfälle sozusagen. Sind sie nicht. Die große Mehrheit der sogenannten Nutztiere werden in Österreich unter absolut katastrophalen Bedingungen gehalten. Wer da von Einzelfällen spricht, hat entweder keine Ahnung, oder will die Tierschutzkritik einfach herunter spielen.

Übrigens auch die Partei „Die Linke“ in Deutschland ist gegen die Fleischsteuer. Die armen Konsument_innen müssten (etwas: z.B. 30 Cent pro ganzem Huhn) mehr bezahlen und das könne man ihnen nicht zumuten, auch wenn dadurch Geld lukriert wird, mit dem die Haltungssysteme verbessert werden. Argumentiert wird klassenkämpferisch: Arme könnten sich nicht mehr so viel Fleisch leisten. Klar ist damit, dass die Linke andere Prioritäten als den Tierschutz hat. Fleisch muss auf jeden Fall teurer werden, soll sich irgendetwas für die Tiere verbessern. Es ist niemandes Recht, billig Fleisch zu beziehen. Wie kommen die Tiere in den Tierfabriken dazu, für so eine Forderung herhalten zu müssen?

Was bleibt ist wieder einmal die Einsicht, dass heute im Parlament – und sogar beim Tierschutzvolksbegehren! – Menschen das Sagen haben, für die Tierschutz kein wichtiges Thema ist. Jedenfalls ein weniger Wichtiges, als „der Schutz“ von Konsument_innen, Landwirt_innen oder auch „der Heimat“ vor einem höheren Fleischpreis. Und das ist wirklich beschämend!

Der VGT hat sich klar für die Fleischsteuer ausgesprochen: https://vgt.at/presse/news/2019/news20190808mn.php

Ich habe für die Liste JETZT als unabhängiger Kandidat eine Presseaussendung verfasst: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20190809_OTS0095/partei-jetzt-liste-pilzballuch-ja-zur-fleischsteuer

Steinzeiternährung (Paleo-Diät): Vegan, mit ein bisschen Fleisch als Beilage

Seit David Hume stimmen wir überein, dass aus dem (natürlichen) Sein nicht geschlossen werden kann, was sein soll, weil es sich dabei um den sogenannten naturalistischen Fehlschluss handelt. Nur, weil Steinzeitmenschen Fleisch gegessen haben, ist es für uns heute nicht zwingend ethisch ok, das ebenso zu tun. Und dennoch ist es auch ethisch nicht ganz unwichtig, was unsere VorfahrInnen gegessen haben, denn höchstwahrscheinlich ist unser Körper daran evolutionär adaptiert und man sollte vermutlich niemanden zwingen, etwas nicht zu essen, was er unbedingt zum Überleben braucht. Abgesehen davon ist es immer eine lustige Diskussion, wenn FleischesserInnen sich auf die Steinzeit – und die Löwen! – rauszureden versuchen.

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Gesundheitsaspekte veganer Ernährung und die UreinwohnerInnen von Neuguinea

Fleisch statt Yamswurzeln heißt Herz-Kreislauf-Erkrankung statt Gesundheit

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Es wurde viel über die „Urkost“ des Menschen geschrieben, ein älterer Artikel von mir z.B. ist http://archiv.veggie-planet.at/warumvegan/tierrechte/die_natuerliche_nahrung_des_homo_sapiens.html. An welche Nahrungsform sind wir evolutionär angepasst und welche Nahrungsmittel überlasten unseren Körper und führen zu Krankheiten? Gibt es überhaupt soetwas wie eine „Urkost“? Faktum ist jedenfalls, dass bei Menschen, die viele gesättigte Fettsäuren essen, die Arterienwände durch Fettablagerungen schmäler werden (Arteriosklerose), während das bei Hunden nie passiert, wieviel Fett welcher Art sie auch immer zu sich nehmen.

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Vegetarismus“boom“ und Geflügelfleischproduktion

 

Gestern war ich an der Handelsakademie in Traun zunächst zur Präsentation eines Tierschutzprojekts zweier Maturantinnen und dann zu einer Diskussion über Vegetarismus mit SchülerInnen dieser Schule eingeladen, die ein Journalist der Kirchenzeitung organisiert hatte. 10% der TeilnehmerInnen des Gesprächs ernährten sich vegetarisch, das ist wahrscheinlich kein repräsentativer Schnitt. Zwei Burschen meinten, sie hätten zwar Verständnis für Vegetarismus, würden aber selbst nicht vegetarisch leben wollen, weil die Gesellschaft sich sowieso nicht verändern werde, das wäre sozusagen verlorene Liebesmüh. Ein Mädchen erklärte, dass sie nur noch weißes Fleisch von Geflügel, aber kein rotes von Schwein oder Rind esse.

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