Wildtiere

Anzeige wegen Wolfsabschuss

Der Wolf ist ein sehr wichtiger und wertvoller Teil des heimischen Ökosystems. Diese Erkenntnis ist unbestritten. Leider gibt es auch Zeitgenoss:innen unter uns, denen Ökosysteme und Natur völlig egal sind. Denen es nur darum geht, zu ihrem Vorteil zu nutzen was zu nutzen ist, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf Tiere und Natur. Diese naturfernen Menschen haben keinerlei Verständnis für Naturzusammenhänge, für Wildnis und Natur ohne menschlichen Einfluss. Wenn sie Wolfsgeheul hören, dann empfinden sie nichts, gar nichts. Keinerlei emotionale Regung. Innerlich tot. Der stumpfsinnig egoistische Zugang: „Natur“ gut, wenn nutzbar, Natur schlecht, wenn unnütz. Da der Wolf für sie keinen Nutzen hat, ist er schlecht. Fertig. Weiter reicht die Denkkapazität nicht mehr.

Es gibt noch einen zweiten Aspekt in der Wolfsdebatte. Bei sehr vielen aus der Jägerschaft scheint eine unbändige Lust vorzuherrschen, einen Wolf zu erschießen. Die wesentliche und vermutlich einzige emotionale Regung in Zusammenhang mit Wildtieren dieser Menschen ist das Erbeuten von Trophäen möglichst großer und gefährlicher männlicher Tiere. Das geht vom Rehbock über den Hirsch bis zum Bär, Luchs und Wolf. Normale Menschen haben diese seltsame Lust nicht in ihrem Gefühlsrepertoir, weshalb es mir schwer fällt, sie einzuordnen. Woher kommt das? Was, genau, daran ist so lustvoll? Auch Literatur wie jene von Paul Parin, die wirklich sehr schwer zu verkraften ist, hat meinem Verständnis nicht auf die Sprünge geholfen. Faktum bleibt: diese Zeitgenoss:innen sind bereit, sehr viel Geld für so einen Abschuss zu bezahlen. Und wenn dann „kostenlos“ ein Wolf vor die Flinte läuft, juckt der Finger so sehr, dass das Hirn ausschaltet.

Ja, und drittens dünken sich solche naturfernen Menschen über jedem Natur- und Artenschutzgesetz. Für sie ist Natur- oder Artenschutz nur ein Luxusproblem der Städter:innen, das sie mit ihrem Nutzungsdenken und der Lust, Tiere abzuknallen, ignorieren können. Da kann der Wolf noch so sehr geschützt sein, die naturferne Gilde sieht es als lustiges Kavaliersdelikt, ihn trotzdem zu töten. Und damit hält man nicht einmal hinter den Berg. In der Bubble ihrer naturfern stumpfsinnigen Umgebung verfangen, glauben sie doch tatsächlich, sich so zu verhalten sei akzeptabel und normal. In Wahrheit bilden sie eine kleine, weltfremde Minderheit.

Ein gewisser Herr Marco Vögele postete öffentlich auf einer Facebookgruppe Fotos von einem Wolf in Pertisau in Tirol:

Derselbe Marco Vögele schreibt unter diese Fotos wörtlich „Für meine Herde der Schutz ist Abschießen vom Wolf“ und „jeder Almbauer ist für den Abschuss“:

Weiters lässt sich unter diesen Fotos ein Herr Hopfgartner, der schon öfters wegen ähnlich naturferner Postings aufgefallen ist, in einer das Gesetz verachtenden, kindischen Weise darüber aus, dass der Wolf auf der Alm zu erschießen sei. Darunter Marco Vögele: „so schaugs aus“:

Und auf die Frage eines Dominik Wurzrainer, ob er den Wolf erschossen habe, schreibt Vögele „schweigen“:

Also entweder Marco Vögele ist ein kindischer Angeber oder er hat ein Verbrechen begangen. Ein Verbrechen sowohl an dem Tier, als auch an der Natur. Und er hätte dann den strengen Artenschutz der EU ignoriert. Außerhalb der naturfernen Bubble dieser Personen ist das sicherlich kein Kavaliersdelikt.

Deshalb hat der VGT nun Anzeige gegen Marco Vögele erstattet. Er wird verdächtigt, am 15. Mai 2021 in Pertisau einen Wolf getötet zu haben.

Ein Plädoyer für den Fuchs

Offensichtlich sehr tierfreundliche Menschen haben mir geschrieben, dass ein Jäger auf ihrem Grund gegen ihren Willen einen Hochstand errichtet hat, und sie wüssten gerne, wie sie dagegen vorgehen könnten. Jedenfalls waren sie daran interessiert, ihren Grund jagdfrei stellen zu lassen. Das geht ja momentan noch nicht in Österreich, aber unser Antrag zur Jagdfreistellung liegt gerade beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf. Doch dann sprachen sie mit dem Jäger und der erklärte ihnen, er würde dort bloß Füchse schießen wollen und das sei ja gelebter Tierschutz, weil Füchse auf sehr grausame Weise Rehe töten würden.

Deshalb habe ich dieses Plädoyer für den Fuchs verfasst und diesen mitfühlenden Menschen geschickt:

Ich setze mich seit Jahrzehnten auch für den Schutz von Füchsen ein. In England gibt es Fuchsjagden mit Hundemeute, die von der hochadeligen Jägerschaft hoch zu Ross begleitet werden. Ich war 8 Jahre lang 2 Mal pro Woche unterwegs, um Füchse vor diesen Jäger:innen und ihren Hunden zu retten. Man jagt dort den Fuchs nicht, weil er Schaden oder Leid anrichtet, sondern weil sein Geruch so stark ist, dass die Hundemeuten die Fuchsspur bei der Jagd nicht verlieren. Da der Fuchs keine direkten natürlichen Feinde hat und auch nie hatte, bestand evolutionär keine Notwendigkeit, seinen Geruch zu kaschieren. Diese Fuchsjagden sind eine viele hundert Jahre alte Tradition des Adels. Ich habe in diesen Jahren sehr viel Fuchsleid gesehen, Füchse, die von Hunden zerrissen wurden, Füchse, die aus einem Sack vor Hunden ausgelassen wurden, Füchse, die aus ihrem Bau gegraben wurden und die mit letzter Kraft ihre Kinder verteidigt haben. Ich habe damals zahlreiche Füchse gerettet und ins Wildtierspital gebracht und ihnen dort ein Gehege gebaut.

Auch das vom VGT unterstützte Tierparadies Schabenreith rettet regelmäßig Füchse, oftmals auch Fuchskinder, nachdem ihre Eltern von Jägern und Jägerinnen getötet worden sind. Jetzt momentan sind 3 Fuchsbabies und 2 erwachsene Füchse dort. Die Babies dürfen sogar im Bett der Betreiberin schlafen und werden täglich mit der Flasche ernährt. Ich war letztes Wochenende dort und habe die entzückenden kleinen Tiere streicheln und liebkosen dürfen. Das Foto oben ist dabei entstanden.

Der Betreiber des Tierparadieses Schabenreith war als Kind mit seinem Vater, der Jäger war, bei Baujagden auf Füchse dabei. Er hat mir erzählt, dass sie damals Terrier in die Fuchsbauten haben hinein laufen lassen. Diese sollten die Füchse unter der Erde stellen und aus dem Bau jagen, wo man sie dann töten kann. Doch insbesondere wenn ganze Fuchsfamilien mit Kindern unter der Erde wohnen, dann verteidigt die Mutter ihre Kleinen bis zum Ende. Es kommt zu einem Kampf mit dem Terrier. Der Mann hat erzählt, dass sie damals oft viele Meter tief unter die Erde graben mussten, um die Terrier wieder heraus zu bekommen. Die Fuchskinder, die dabei zutage befördert wurden, hat man eiskalt mit der Schaufel erschlagen. Ein entsetzliches Verhalten!

Ich muss daher sagen, auch wenn das pathetisch klingt, ich liebe Füchse sehr und habe eine jahrzehntelange besondere Beziehung zu ihnen.

Ist das Verhalten der Füchse ethisch verwerflich? Beutegreifer müssen Tiere töten, um zu überleben. Das ist natürlich für sie, es bleibt ihnen keine andere Wahl. Man kann ihnen daraus keinen ethischen Vorwurf machen. Das beginnt beim kleinen Mauswiesel und geht bis zum Wolf. Es gibt einiges an wissenschaftlicher Literatur zu Füchsen. Füchse vermehren sich nicht ungebremst, sondern sie leben territorial. Wenn eine Familie – oft bestehend aus Vater, Mutter und Kindern, zuweilen auch mit Onkeln und Tanten – ein Territorium besetzt, dann kommen dort keine neuen Füchse hinein. Die Fuchsdichte hängt also nur von der Territoriumsgröße der Fuchsfamilien ab, und die wiederum von der Verfügbarkeit von Nahrung. In der Stadt Wien z.B. ist die Fuchsdichte am höchsten in Österreich, weil die Füchse dort mehr Nahrung finden. Und zwar nicht etwa in den Waldgürteln am Stadtrand, sondern mitten im voll verbauten Stadtbereich. Die Füchse zeigen sich dabei intelligent genug, den Straßenverkehr zu verstehen.

Füchse essen in der Sommerzeit sehr viele Regenwürmer. Das ist zeitweise, besonders in feuchten Monaten, ihre Hauptnahrung. Zusätzlich isst ein Fuchs im Mittel 7000 Mäuse pro Jahr. Wo also Füchse erbarmungslos verfolgt werden, explodiert oft die Mäusepopulation. Natürlich ist der Tod von den Mäusen in gewissem Sinn brutal – obwohl ich glaube, dass sie aufgrund des Stresses und ihres Adrenalinpegels beim Fang durch den Fuchs nicht oder nicht lange leiden. Aber davon unabhängig ist dieses Fuchs-Maus Verhältnis Teil des Ökosystems. Gäbe es nicht Beutegreifer, die Mäuse fangen, dann würde die Mäusepopulation rasch überhand nehmen, weil Mäuse vermehren sich schnell und leben nicht territorial. Füchse essen aber auch Obst wie Zwetschgen und Kirschen, und auch Aas. Sie sind keine reinen Karnivoren, wie die Katzen.

Füchse spielen im Ökosystem eine wichtige Rolle. Ja, manchmal gelingt es Füchsen, Rauhfusshühner wie Auerhühner oder Schneehühner zu fangen, oder Hasen. Dass Füchse ausgewachsene Rehe töten, halte ich für ein Märchen. Beim Rehkitz mag es manchmal anders sein, aber ich habe Rehmütter gesehen, die Füchse aktiv vertrieben haben. Doch warum sich mehr um das Rehkitz sorgen, als um den Fuchs und dessen Kinder, die auch ernährt werden müssen? Hasen, ob Feld- oder Schneehasen, sind auch freudig bei der Vermehrung und können große Schäden in der Landwirtschaft anrichten. Ist es da in gewissem Sinn nicht gut, dass der Fuchs als Hasenjäger für ein gewisses ökologisches Gleichgewicht sorgt?

Neben dem Fuchs gibt es noch einige andere Beutegreifer, die z.B. Hasen und Rehkitze jagen, darunter vor allem die Greifvögel bis zum Steinadler. Aus mir unerfindlichen Gründen ist es zwar richtigerweise verboten, Greifvögel zu töten, aber Füchse werden in Österreich fast überall wie besessen verfolgt und vernichtet. Wussten Sie, dass die Jägerschaft hierzulande mehr Füchse als Hirsche tötet? Es gibt einen regelrechten Hass auf die Füchse unter den Jägern und Jägerinnen, und das ist mir vollkommen unbegreiflich. Der Fuchs ist ein ganz wesentlicher Teil des Ökosystems und für eine intakte Natur wertvoll und unersetzbar. Wenn nun jemand behauptet, man müsse die Fuchspopulation kontrollieren, weil sie sonst zu groß wird, so ist das, wie gesagt, falsch. Erstens hat die Stadt Wien im Jahr 2015 beschlossen, auf ihren 58.000 ha Grund, ein Gutteil davon in der Obersteiermark am Hochschwab und in NÖ an der Rax (Quellenschutzgebiete), keine Füchse mehr zu bejagen. Das ist jetzt 6 Jahre her und es zeigt sich, dass das Ökosystem besser funktioniert und die Fuchspopulation nicht überhand nimmt. Zweitens leben Füchse eben territorial, woraus sich dieses Ergebnis erklärt. Und drittens sind Füchse in der Lage, zur Not Ausfälle von 70 % in einem Jahr durch mehr Nachwuchs zu ersetzen. Verfolgt man also Füchse, dann reproduzieren sie mehr. Ich bin sehr froh, dass Füchse so reagieren, weil sonst wären sie in Österreich längst ausgerottet worden – wie Wolf, Bär und Luchs.

Ich hatte einmal eine enge Freundschaft mit einem durch einen Jäger verletzten Fuchs, der in einem Wildtierspital untergekommen ist. Durch seine schwere Verletzung konnte er sich nur im Rollstuhl bewegen. Außer im Wasser, da war er nicht mehr behindert. Der Fuchs namens Eddy war sehr liebevoll und anhänglich, und liebte es, zu kuscheln. Faktum ist, dass Füchse ähnlich wie Hunde reagieren und mit ihnen eine zweiseitige Beziehung möglich ist. Ein Buch über Füchse, das mich sehr begeistert hat, ist jenes von David MacDonald „Running with the Fox“. Ich halte gerade ein weiteres instruktives Buch aus dem Bayrischen Nationalpark über den Fuchs in der Hand, das „Rotfuchs und Dachs“ heißt. Ich bin überzeugt, dass Sie auch die Füchse liebgewinnen würden, wenn sie sich mit ihnen beschäftigen. Auf der Fölzalm am Hochschwab hat ein „Hausfuchs“ gelebt, der völlig frei war, aber jeden Tag mitten durch den Schankraum in die Küche gewandert ist und dort Essen bekommen hat.

Die Gewalt, die Füchse ihren Beutetieren gegenüber ausüben, relativiert sich rasch, wenn wir uns anschauen, was wir Menschen den Tieren antun. Wie brutal lebt und stirbt das typische Tier, dessen Fleisch hierzulande gegessen wird? Stichworte Tierfabrik, Tiertransport, Massenschlachthof. Sehr grausam. Aber selbst wenn Menschen vegan leben, sind sie für deutlich mehr Gewalt gegen Tiere verantwortlich, als jeder Fuchs. Alleine ein Windrad zur Energieproduktion tötet pro Tag 32 Vögel. Der Strom, den wir nutzen, bringt in Wahrheit maßloses Leid über die Tierwelt, ob kalorisch, Wasser- oder eben Windkraft. Wenn wir mit dem Auto fahren, töten wir nicht nur versehentlich Tiere, sondern allein schon durch den Straßenbau wurden zahlreiche Tiere getötet. Wenn Nahrung angebaut wird, werden Tiere getötet, nicht zuletzt durch den Einsatz von Pestiziden. In jeder Stadt werden Ratten und Mäuse vom Kammerjäger zu Millionen vergiftet. Die Liste ist endlos. Wir Menschen, selbst wenn wir sehr vorsichtig sind, bringen viel mehr Leid über die Tierwelt, als jeder Fuchs das je könnte. Wir sollten daher zuerst vor der eigenen Türe kehren. Wer im Glashaus sitzt, sollte keine Steine werfen.

Ich würde Sie daher sehr bitten, den Fuchs auch aus seinen Augen zu betrachten. Dass er überleben will, dass er seine Kinder füttern will. Er hat es meiner Meinung nach verdient, von uns Menschen in Ruhe und Frieden gelassen zu werden.

Ekelhafter Wolfshass in Deutscher Jagdzeitung

In der Deutschen Jagdzeitung erschien am 15. Februar 2021 ein Artikel mit dem Titel „Notwehr gegen Wolf – Handlungsempfehlungen“. Der Autor, ein Jurist dieser Zeitung und natürlich Jäger, hasst den Wolf so abgrundtief, dass ich mich wirklich fragen muss, wie das zustande kommt. Woher stammt dieser unbändige Hass? Ich dachte Jäger:innen lieben doch die Natur und da gehören die Beutegreifer dazu. Wie kann man ein Tier so hassen, das mit unseren Hunden ganz eng verwandt ist und jederzeit fruchtbare Nachkommen zeugen könnte?

Der Autor lässt im Text durchblicken, warum er Wölfe so hasst. Er nennt die Tiere „jagdliche Mitesser“ und schreibt, dass die Jagdstrecke wegen der Wölfe immer dürftiger würde. Ist das nicht natürlich? Seit wann ist natürlich doch nicht mehr gut im Sinne der Jagd? Argumentieren die Jäger:innen nicht immer, sie müssten „leider“ Rehe und Hirsche töten, weil es keine Beutegreifer mehr gibt und sie müssten diese ersetzen? Kaum gibt es sie, werden sie als „jagdliche Mitesser“ und Jagdstreckenreduzierer zutiefst gehasst und vernichtet. Einmal mehr wird klar: Argumente für die Jagd sind immer vorgeschoben, in Wahrheit geht es um die Freude am Töten und sonst gar nichts.

Der wirklich abartige Artikel beginnt mit einem Vergleich zwischen pornografischen Videos und Videos, in denen Wölfe erschossen werden. Beides erregt den Autor offenbar ähnlich, zumindest anfangs:

Dieser seltsam veranlagte Autor lässt dann seinem Hass auf Wölfe freien Lauf. Er sagt sogar, dass er sich freut, wenn Wölfe Opfer von Verkehrsunfällen werden:

Genau so über Menschen gesprochen, wäre das als Hetze strafbar. Warum ist das dann bei Tieren ok? Noch dazu, wenn das dahingehend real ist, dass dieser Mensch für Menschen schreibt, die tatsächlich Wölfe lynchen?

Dann versucht der Autor Szenarien zu finden, in denen er den Jäger:innen empfehlen kann, Wölfe zu töten. Da fällt ihm Notwehr ein. Das ist für ihn gegeben, wenn jemand einen Wolf trifft, der nicht gleich wegläuft. In seinen Augen reicht es, wenn eine Situation jederzeit „in Schaden umschlagen“ kann. Und das sei bei der Präsenz von Wölfen der Fall.

Ich war 15 Jahre in den rumänischen Südkarpaten wandern. Natürlich immer ohne Waffe. Immer wieder bin ich Bären begegnet, die nicht unbedingt gleich weggelaufen sind. Und einmal Wölfen. Nie ist mir etwas passiert oder war ich gefährdet, auch wenn ich alleine und mit dem Zelt unterwegs war. Eine Notwehrsituation in der beschriebenen Form ließe sich ganz leicht konstruieren.

Doch weil die Wölfe dafür vermutlich dem Menschen nicht nahe genug kommen, schlägt der Autor zusätzlich vor, den Wolf zu töten, weil er den eigenen Hund gefährden würde:

Er selbst würde jedenfalls einen Wolf in diesem Fall sofort töten. Aber ganz traut er der Rechtslage nicht. Also kommt die Empfehlung, den Wolf zu töten und dann tief zu vergraben und es niemandem zu erzählen:

Ich bin in den Karpaten auch mit meinem Hund Wölfen begegnet. Sie waren 70 m entfernt und sind nicht davon gelaufen. In der Nacht umkreisten sie im 50 m Abstand unser Zeit, wie ich durch die Spuren sehen konnte. Nie fühlte ich mich in Gefahr, niemand hat meinem Hund etwas zuleide getan. Aber diese „Notwehrsituation“ zu konstruieren und absichtlich herbei zu führen, wäre ganz einfach. Solche Menschen sollten keine Waffen trafen dürfen!

Diese Vorschläge stehen in einem offiziellen Jagdmagazin! Da darf ein Mensch gegen Wölfe hetzen, sich über ihre Leiden freuen und ihre rechtswidrige Ermordung empfehlen! Unfassbar!

Wilderness and wild animal suffering (again!)

There are some people, who really think that human civilisation is a blessing even for animals, not the least for wild animals, and that wilderness is the epitome of cruelty and violence. As if everything was better than that. Only hopeless romantics admire the wild and in reality the more civilisation the better. Even to the point that humans should here and now interevene with wildlife.

I couldn’t disagree more.

Every intervention of humans with wild animals so far was a desaster. The best for all involved has always been not to intervene. If you feed wild animals, for example, because you think they suffer in winter, than you produce a lot of problems. For a start, ruminants change their digestive system in winter for a different kind of food and if this is not cared for, they suffer with digestive problems or even starve in front of stacks of food. Further, they come and stay closer together the whole winter, which causes illnesses and parasitic infections. Thirdly, they become dependent on humans, do not move much, and must be cared for from that moment on. And last but not least, they overpopulate and would destroy their habitat if nothing is done about that. If they are not fed, then they would not reproduce as much and some of them would die, but most survive, spread out in the habitat and form a happy, healthy, wild and independent population. Which is better? And which causes less suffering? The answer is obvious: not feeding.

Last weekend, I did a little walk in a narrow valley along a small river in the middle of a forest. Beautiful? Well, I was on a road. And the trees around me were all planted by humans, who had harvested the tree generations before. It was a place that had the hallmarks of human usage. But then I saw an old tree, surely 400 years old, standing there beside the street:

And I imagined the primeval forest that wood had been some 200 years ago, when this tree was in its prime. And I imagined how the place would have looked like, with so many old trees about, without roads and clear cuttings, but with wolves, bears, elks, bison and auerochs. And, yes, that place must have been like paradise then. Its aura, its aesthetic beauty, its smell, its feel. By far surpassing any place with human intervention. I would have felt so different, walking there then, with a close nit group of familiar human fellows.

Harari writes in his book brief history of humankind that before the neolithic revolution, ie before domestication and settlement building, when our forebears here at this place were hunter gatherers, they had to work only 4 hours a day to feed themselves. Harari also writes that their food was much more nutritious and healthy, the population density was far lower and therefore they had fewer illnesses. They were just generally better off. And then I look at a company I recently visited, for car cleaning. The people there work 8 hours a day cleaning cars all the time every day. For me, gathering food in the woods is what I do enjoy in my spare time. Cleaning cars I never would. Hence, the life of hunter gatherers was not just a lot less effort. Every second of that life was joyful – apart from the occasional violent conflict. But could there be anything worse than having to do tedious work all day long and rott in a city?

Harari writes that the neolithic revolution was a bad deal for humans on all fronts. And the idustrial revolution equally. What about wild animals then?

Some while back, I witnessed a driven shoot of deer in a 200 ha wood. 12 deer were shot. All had been healthy and happy individuals. Those, who argue that the wild is a place of misery for the animals, claim that we only see the healthy ones, while those suffering and dying are out of view. Where were they on this occasion? The hunt was supported by many dogs running through the undergrowth and flushing out deer. It seems to me that no sick deer could have been overlooked. As a consequence, the upshot of this hunt was that in these 200 ha of forest, 12 lively and happy deer had lived, until humans brought that to an abrupt and violent end. Were those 200 ha the big exception? Would the next 200 ha have shown a different result? I doubt it. There was nothing special about this place. Fact is that most wild animals are happy most of the time.

Now, those who insist on the misery of wilderness for animals usually point to other animal species, who supposedly suffer. Namely those who procreate in large numbers, the r strategists. Like the tadpoles. They are born in huge numbers and most die before they become frogs. True. This spring, in the Corona lockdown, I visited a little pond with hundreds of tadpoles every day for months. I saw them grow in their jelly, I saw them slip out into the pond water, I saw them gather in there in big flocks, I saw them scuttle around, diving, swimming and sometimes getting very close to each other, while others swam further away alone. I never saw any of them suffer or starve or die. It seemed to me that most were happy during those months. And it makes sense. Evolution would drive animals to be such that they are generally happy under their living circumstances, because that is conducive to them multiplying. Hence, those who feel best under their living conditions procreate more and produce offspring with similar feelings.

And one day I saw a snake in the pond, a grass snake. And most of the tadpoles, who by then had already feet and big bellies, were gone. Eventually the snake left, well fed. And he or she was happy. Most of the tadpoles had died a violent death, no doubt. There were only a dozen or so left, who had managed to hide somewhere while the snake had hunted. So, yes, 95 % of the tadpoles had only some 5 months of life. But it was a happy life, a free life, full of enjoyment. Something you cannot say about humans at a car wash factory. The tadpoles were never bored, they never had to do streneous work, they never were torn in stress between doing this or that or that first, and they never seemed to be ill. They were only stressed on that dreadful day when the snake arrived. Otherwise their lives were well worth living.

You might say, better a boring and streneous life, but long, than only 5 months with a violent end. I am not so sure. But one thing I am sure about: most of the tadpoles were happy most of the time. And if humans were to intervene in one way or other, it would only lead to misery and suffering. If you save the tadpoles from the snake, what is she or he to eat? And if you fetch them in a bucket and shelter and feed them, where will hundreds of frogs live afterwards? And their children?

Looking at the fact, that human civilisation is leading to billions of farmed animals under most miserable conditions in factory farms, where in contrast to wild animals most suffer most of the time, billions of animals hunted and killed violently by humans, billions of humans either starving or being miserable because of the daily work routine they despise and the bordom and dreadfulness of a life in a concrete jungle without apparent sense, chasing from one hedonic pleasure to the next, I clearly see life in the wild superior. In all senses of this word. Even if it might come to an untimely and violent end. Better free and happy, for a shorter while, in a largely untouched wilderness, than caught in the hamster wheel of civilisation.

The presence of wolves REDUCES animal suffering

Tobias Leenaert is at it again. Speaking about wolves coming back into Europe, his strict utilitarianism led him to the statement: „As far as I’m concerned, those wolves can just get lost“. He posted a picture of a sheep presumably killed by a wolf and accompanied that with the usual propaganda of animal industries and the hunting fraternity. You would have thought a person promoting the cause for animals should know better. But the repeated attacks on wildlife from this corner of the movement is nothing new, see https://martinballuch.com/a-summary-why-life-in-the-wilderness-is-better-than-in-a-technological-mass-society/

Ok, so lets approach this issue from the same angle as Leenaert. We disregard autonomy, we disregard basic rights, and we just compare suffering with and without the presence of wolves. A good example for an area with wolves are the Southern Carpathians. Wolves have always lived there and were never exterminated. And besides, I know this area very well and have been out there on weeks hiking with a tent for more than 10 years. I take that as the basis for my comparison.

Wolves kill the weak, the frail and the sick

While for a society with a monopoly of power, like ours, the weak, frail and sick must be supported, this is not so easy in the wilderness, where at most such support can come from the social circle of an individual. Make no mistake: sickness is far less common for wild animals than for humans and their domestic animals in a mass society, because in mass societies bad germs constantly go around and new illnesses are produced on a regular basis. In addition, wild food is generally far healthier and more nutritious than the food rich in fat and sugar, as in our society. But still, sometimes some wild animals are weak and sick.

So, if we have old or particularly weak individuals in the wild, they might suffer, as they cannot get food or move about easily. The wolves do kill such individuals far more often than healthy individuals. Hence they reduce suffering for them.

Furthermore, if weak individuals are able to procreate in the wild, their offspring are more likely to be weak and less healthy as well. Fact is, wolves therefore have the effect to produce more healthy communities of their prey species‘. This effect was already documented with the first Austrian wolf pack.

Wolves help reduce exploding animal populations

In Austria without wolves, there are far more stag and deer than nature can support. Without predators, such populations would crash one day with a pandemic of starvation and disease. Wolves therefore help to prevent such a desaster.

Leenaert, though, might argue, that human hunters prevent those crashes. And human hunters are supposedly more humane than wolves. But this is not so. I have been observing hunts for 3 decades. In fact, human hunters are not more humane. I have done statistics of how often hunts only maim but not kill their game animals. Only 33 % of deer are dead straight away, when they are shot at, but 11 % live on for a while and 56 % escape injured, only to die much later in agony. For wild boar, 53 % escape injured and for pheasants that number is 27 %. With wolves the opposite is true. If the animal can escape the wolf, than he or she is unharmed, and if the wolf gets him or her, then they are dead. They do not escape injured, especially not in as large numbers.

In Austria and elsewhere, hunters want to have large numbers of game animals, and therefore feed them almost everywhere. This feeding causes untold animal suffering. That is because the animals suffer from stress in so close proximity of each other, the animals become dependent on the feeding and stay in the nearby area instead of spreading out, the animals become sick due to germs spreading at such densely populated areas and especially because at the feeding sites there is a lot of dung and there are parasites abound. And the animals damage their natural environment especially by eating young trees and the bark of older trees. If wolves are present, those feeding sites are abandoned, because otherwise the wolves would just wait there for their prey. And with that, all the problems and the suffering associated with those feeding sites disappear.

Wolves cause less fear than human hunters

A number of scientific studies have shown that game animals are constantly in stress when they are hunted by humans. This is because guns have a long range and the animals are not equipped to deal with that. Hence, death can happen unforeseen anytime. The opposite is true when wolves are present. Generally, the prey species hunted by wolves are well equipped to escape a wolf and they feel therefore safe. In addition, they can see, hear or smell the wolf coming, and they can stay in an area where they are sure to realise the presence of wolves before they come dangereously close. Hence, wolves reduce the suffering due to fear by animals.

The presence of wolves leads to fewer deaths of domestic animals

What might sound contradictory at first sight is actually true: wolves reduce the death toll of domestic animals. In Switzerland, about 10.000 sheep die each year on their pastures due to bad wheather and neglect. When the wolves arrived, the sheep were better shepherded. In consequence, today only 5000 sheep die each year on their pastures, most of them still due to bad wheather and neglect. But the numbers have come down because the sheep husbandry has improved with the presence of wolves.

Apart from that, if a domestic animal dies due to a wolf attack, this is arguably with less suffering than if this animal was slaughtered by humans. Especially sheep, the primary domestic victim of wolves, are often sent on long live animal transports, especially into the Middle East. And there the slaughter is horrendeously cruel, in addition to the suffering on the duration of the travel. But also in European slaughterhouses, there is a lot of cruelty involved at the slaughter. The sheep are first driven together, which causes panic. Then they are put on transport lorries, which makes them panic even more. At the slaughterhouse, usually the sheep have to wait long periods of time, always smelling the death of the other animals and hearing their screams. When it comes to their slaughter, they often are not stunned, or not stunned properly, and sometimes regain consciousness during the bleeding from their cut throats. Death in a slaughterhouse is the most horrific death imaginable. The death due to wolves is a mercy in comparison.

Wolves kill animals who kill animals

The last argument I want to put forth now, I dislike profusely. But Leenaert and other Utilitarians must accept it. Foxes kill mice. In fact, a study revealed that each fox kills about 20 mice a day or 7000 mice a year. And they kill sometimes hares and birds and amphibians and so forth. Similar statistics are true for jakals and lynx. Fact is that wolves do kill foxes, jakals and lynx. It is well known that the number of foxes, jakals and lynx is balanced out with the number of wolves. The more of the latter the fewer of the former and the other way round. Hence, wolves do, by killing those predators, save the victims of them. A similar argument could be made with wild boar. In areas where wild boar are abundant, they are the primary prey species of wolves. But wild boar eat a lot of animals, especially ground dwelling ones, like amphibians, mice, moles and so forth. By killing wild boar and reducing their numbers, wolves are saving those animals.

Summary

Wolves are at the moment in Europe returning to their original habitat on their own accord. Before, they have been systematically exterminated by humans with the most cruel methods, in order to breed live stock that humans can use and abuse. In fact, humans have exterminated all mammals larger than foxes in Europe, with the exception of very few species, and those they saved mostly for hunting purposes. In Europe, there used to be different species of elefant, some species of mammoth, also 3 species of rhino and 3 species of bison, and there were horses, lions, sabre tooth cats, hyenas, 2 species of bear, tigers, elk, 5 species of stag, antilopes and so forth. This multitude of animals all disappeared so that humans could breed their livestock unhindered and eat the body and mother milk of those species. Humans would have exterminated all mammals, probably, if they had managed. But those species smaller than foxes they could not get easily enough.

This wave of exterminations led to a barren landscape, devoid of big animals. Otherwise it would be in Europe as lively as today in Africa. Slowly, humans do realise what they have done. And slowly measures are taken to stop this mass slaughter of wild animals. One sign is the return of the wolf into his natural habitat. So far, wolves are still protected from being attacked again by humans. Statements like the one from Tobias Leenaert play into the hands of the exterminators. Animal industries and the hunting fraternity try to twist the truth and claim that wolves are terribly dangereous and blood thirsty, while in reality those characteristics apply to humans much more.

Actually, wolves have a right to life and protection, so that they can live their lives in a self-determined way. But even if these rights are denied, I have argued that the presence of wolves leads to a lot less suffering for the other animals. If reducing suffering was our primary concern, the best we could do as humans is withdraw from the natural habitats around us as much as we can and let wildlife take its own course. That would be for the better of everyone involved. And suffering would be reduced enormously.

Prof. Kotrschal und Doz. Poteser zu Almen

An und für sich sollen Fakten für sich selbst sprechen. Es dürfte nicht notwendig sein, anerkannte Fachautoritäten zu zitieren, um den eigenen, bereits durch Fakten belegten Worten mehr Gewicht zu verleihen. Im Fall meiner Kritik an Almen hat aber die gesamte Almbauernschaft zum Shotstorm intern aufgerufen und meine Beiträge 1500 Mal geteilt. Die Botschaft: der Balluch ist ein singulär Verrückter. Niemand sonst würde etwas so Absurdes sagen. Da braucht man dann gar nicht auf die Fakten und Argumente einzugehen.

Lassen wir Univ-Prof. Dr. Kurt Kotrschal zu Wort kommen, siehe https://tierisch.heute.at/a/50692642/w%C3%B6lfe–der-tod-f%C3%BCr-die-heimische-almwirtschaft

Wortwörtlich steht in diesem Artikel u.a.:

Den Almwiesen geht es nicht gut

Ökologisch wertvoll sind etwa die bunten Borstgrasrasen der Almen. Ihr Erhaltungszustand ist aber nur in Frankreich günstig, in Österreich, Deutschland und Slowenien unzureichend und in Italien sogar schlecht. Daran ist aber nicht der Wolf schuld. Oft werden zu viele Tiere aufgetrieben, was zu Überweidung führt.

Immer mehr an verspritzter Gülle tötet die wertvolle Fauna und Flora der Almwiesen.

Sie verarmen genetisch und werden durch Über- bzw. Unternutzung geschädigt. Um das Verbuschen der Almwiesen zu verhindern, werden sie „geschwendet, die Alpenrosen, Wacholdersträucher, etc. mit schweren Maschinen gehäckselt. Das vernichtet nicht nur die Zwergsträucher, sondern vernichtet auch empfindlichen Böden, die in diesen Höhenlagen tausende Jahre brauchen, um zu entstehen.

Almen auch ohne Beweidung?

Tatsächlich sind keine der als bedroht gelisteten Pflanzen- und Tierarten der Almen an Weidewirtschaft gebunden. Die Befürchtung ist also unbegründet, diese Arten gingen durch die Aufgabe der Beweidung verloren. Alpine Matten können gar nicht bewalden, da sie oberhalb der Baumgrenze liegen. Verschwinden werden nur die Almen unter der Baumgrenze, wo Beweidung ökologisch sogar schädlich ist. Darüber bildet alpines Grasland die charakteristische Vegetation. Gerade sie wird aber durch eine ungeregelte Beweidung geschädigt.

Die hier zitierten Fakten ähneln den von mir angeführten, siehe https://martinballuch.com/fakten-zu-ein-kritischer-blick-auf-almen/

Ein Artikel im medi.um von Doz. Dr. Michael Poteser, promovierter Biologe und Umwelttoxikologe, schlägt in dieselbe Kerbe. Es geht hier darum, die wirtschaftliche Nutzung wenigstens von einigen Teilen der Österreichischen Berge einzustellen und die Wildnis wieder Wildnis sein zu lassen.

Wörtlich: Unsere Sichtweise ist vom echten Naturerlebnis so entwöhnt, dass Naturschutz für uns schon der Schutz des bestellten Feldes ist, nichts anderes ist der wirtschaftlich genutzte Wald. Diese Einstellung aber führt zu der schweren Krise, in der sich die Biodiversität in diesem Land befindet. Wir brauchen Naturräume, die von der Last wirtschaftlicher Nutzung [z.B. durch Almen] befreit sind, um neben dem weitaus überwiegenden Anteil schwer belasteter Natur zumindest ein kleines Reservoir an ökologischer Vielfalt zu erhalten.

Mit anderen Worten: Es gibt Menschen, die glauben, Almen sind ein Naturraum und Rinder kommen dort natürlich vor, ja sind dort zu Hause. Und Naturschutz bedeutet dann diese Almen zu schützen und die Rinder dort zu lassen. Das ist eine sehr naturferne Ansicht. Wer einmal ein nicht wirtschaftlich genutztes, sondern unberührtes Stück Natur gesehen und gefühlt hat, kennt den Unterschied. Naturschutz widerspricht Naturnutz in jeder Form.

Doz. Dr. Poteser sagt in dem Artikel auch: Österreich ist ein verhältnismäßig kleines Land. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wird das gesamte Staatsgebiet wirtschaftlich genutzt und es gibt Naturräume bescheidener Größe, in welchen sich ökologische Systeme ohne den direkten Einfluss des Menschen entfalten können. […] [D]ie Natur [wird] nur so weit geduldet […], wie sie nicht die kommerziellen Erträge schmälert

Almen sind hier mit Naturräumen jedenfalls nicht gemeint. Almen sind wirtschaftlich genutzte Flächen, für die genau diese Aussage gilt: Natur, wie Wolf, Bär oder Bison, wird nur so weit geduldet (also gar nicht), soweit sie die kommerziellen Erträge nicht schmälert.

Von Almen und der Zerstörung von Naturlandschaften

In Afrika nimmt die Bevölkerung stetig zu. Von verschiedenen Seiten wird berichtet, dass dadurch immer mehr Wälder gerodet, Wildtiere vertrieben und große Rinderweiden angelegt werden, die sich immer näher an die Grenze der letzten Nationalparks schieben. Fotos zeigen das erschreckende Ausmaß dieser gnadenlosen Expansion der menschlichen Nutzung von Natur. Ähnliches können wir aus Südamerika lesen, wo der rechtsradikale Präsident von Brasilien der zunehmenden Rodung und Umwandlung von Wald in Rinderweiden nicht nur keinen Riegel vorschiebt, sondern das Ganze auch noch fördert. Die riesigen Waldbrände sind ja, wie wir wissen, extra deshalb ausgelöst worden, um Wald in Weideland zu verwandeln. Und in den USA ist die Geschichte von Buffalo Bill legendär, der die frei lebenden Bisons in der Prärie abgeknallt hat, um Rinderweiden zu schaffen. Heute grasen riesige Rinderherden, wo früher Bisons gelebt haben.

Was diese Geschichten gemeinsam haben, ist das Vorgehen der Menschheit, Wildnis zu zerstören und durch Weiden für ihre domestizierten Tiere zu ersetzen. Und zwar nicht nur dort, wo sie selbst leben, sondern auch weit entfernt mitten in einer ursprünglichen Wildnis, die dadurch keine mehr ist. Das ist sowohl aus Sicht des Klimawandels problematisch, als auch aus Sicht des Schutzes von Ökosystem und Arten, und aus Tierschutzsicht. Letzteres, weil Wildtiere, die in ihren angestammten Gebieten ein Recht auf Leben haben, ausgerottet oder zumindest vertrieben, jedenfalls nicht toleriert werden.

Nun, was sind Almen anderes als die Vernichtung von Wildnis, um Weiden für domestizierte Tiere zu schaffen? Selbst wenn diese Vernichtung schon einige hundert Jahre her sein sollte, obwohl es auch Wildnis gibt, die erst kürzlich zu einer Alm umfunktioniert wurde, wie z.B. das Rosskar im Hochschwab. Wir haben in Europa und insbesondere in Österreich die Wildnis total an den Rand gedrängt. Nur mehr maximal 2 % des Landes ist wild und ein verschwindender Teil der Biomasse an Landwirbeltieren stammt von Wildtieren.

Dennoch gibt es ein ganz seltsam positives Image für Almen in Österreich. Fast ist es ein Sakrileg, Almen zu kritisieren. Ich kenne jedenfalls keine öffentliche Almkritik. Also fange ich einmal damit an. Wie stark dieses Image wirkt, zeigt sich in folgendem Beispiel: Sagen wir, ich würde eine Alm pachten und dann dort 100 Hunde unbeaufsichtigt sich selbst überlassen und täglich ausreichend Nahrung hinauf bringen. Diese Hunde verbellen Wanderer, greifen zuweilen die Hunde von Wanderern an und töten dabei ab und zu einen Menschen, und sie bedrohen Kleinkinder. Ja, und sie koten natürlich jeden Tag, ohne dass das entfernt wird. Wie würde die Öffentlichkeit reagieren? Mit Fassungslosigkeit. Ich wäre verantwortungslos, würde harmlose Wanderer bedrohen und und und. Aber, was sind Rinder auf einer Alm anderes? Auch sie sind zuweilen aggressiv zu Wanderern, greifen immer wieder deren Hunde an, töten ab und zu Menschen und bedrohen Kleinkinder. Was ist jetzt genau der Unterschied? Dass die Almbauernschaft und etwaige andere Personen entrüstet schreien, wie verrückt ich nicht sei, so einen Vergleich zu bringen, beeindruckt mich nicht. Bei jedem Mensch-Tier Vergleich, bei jedem Vergleich zwischen Sklaverei und Tierausbeutung, höre ich dasselbe. Dennoch sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied. Dass viele Menschen da so einen fundamentalen Unterschied sehen, ohne ihn benennen zu können, beweist nur die Gehirnwäsche. Es gibt keinen Unterschied, der in diesem Zusammenhang relevant wäre.

Wenn man eine Fotosafari in Afrika bucht, z.B. in Botswana, Kenia oder Uganda, dann ist man, wenn man aus Europa kommt, total erstaunt. Nur kurz mit dem oben offenen Bus in die Landschaft gefahren, und schon sieht man große Säugetiere jeder Art, von Elefanten über Nashörner, Nilpferde und Antilopen bis zu Löwen und Hyänen. Auch Krokodile wird man antreffen. Warum ist das so anders wie bei uns in Europa? Zunächst mag man denken, das liege an der afrikanischen Tierwelt, die es so in Europa nie gab. Das stimmt aber nicht.

Wenn man Tim Flannery’s Buch liest, siehe https://martinballuch.com/europa-ein-plaedoyer-fuer-wildnis-und-gegen-die-invasive-nutzung-der-natur/, dann merkt man erst, dass alle diese Tiere vormals auch in Europa gelebt haben. Hier gab es Elefanten verschiedener Arten, ebenso Nashörner, Antilopen, Pferde, Löwen, Hyänen, Wölfe, Höhlenbären und Säbelzahntiger, aber auch zahlreiche Hirscharten, Elche (bis vor ganz kurzem in großer Zahl in Österreich), Auerochsen, Bisons, Wisente usw. Doch der Mensch hat sie alle in Europa sukzessive ausgerottet. Und genau nach demselben Schema: er drang in die Wildnis vor, rodete den Wald um Weiden zu schaffen, setzte dort seine domestizierten Tiere darauf und rottete einerseits alle Beutegreifer aus, die „seinen“ Tieren gefährlich werden könnten, aber andererseits auch alle Nahrungskonkurrenten unter den Pflanzenessern. Am Schluss waren alle Tiere weg, die größer sind als der Fuchs. Dass Rothirsch, Reh, Steinbock und Gemse überlebten, ist dem Interesse des Adels auf die Jagd nach diesen Tieren „zu verdanken“. Jedenfalls war das kein altruistischer Akt des Artenschutzes, sondern ebenfalls ein egoistisches Selbstinteresse des Menschen, das sich in diesem Fall zufällig positiv ausgewirkt hat.

Man könnte also heute noch, genauso wie in Afrika, ständig große Wildtiere sehen, hätten wir sie nicht ausgerottet und die Wildnis durch Almen ersetzt. So klar und deutlich muss man das sagen. Aber könnte man nicht jetzt, weil wir gescheiter geworden sind, die Rückkehr einiger der großen Arten ermöglichen? Offenbar nicht. Wir sehen, was dann passiert. In den rumänischen Südkarpaten und in Polen hat man Bisons ausgesetzt. Ich habe sie schon in freier Wildbahn getroffen. In Österreich unmöglich, weil die Almbauernschaft Konkurrenz wittert. Im winzigen Slowenien gibt es 950 Bären, sowie Wölfe und Luchse. Dieselben Tiere wandern auch in Österreich ein, werden aber ständig erneut abgeknallt und mit großem Hass bekämpft, weil sich die domestizierten Tiere auf der Alm nicht schützen ließen. Soll man einen Zaun um die Alm ziehen, fragt die Almbauernschaft. Ginge nicht, daher müssten die Wildtiere weg bleiben.

Müssen sie wirklich? Warum lassen wir nicht die Almen auf? Zu einer aufgeklärten Einsicht in die Zusammenhänge gehört, dass wir erkennen, dass wir die Natur viel zu sehr missbraucht und benutzt haben. Wir haben dem ursprünglich Wilden und den Wildtieren bei uns keinen Platz mehr gelassen. Und der richtige Schritt dorthin wäre die Auflassung der Almen. Dann könnte die Wildnis wieder wild werden.

Aber ist das nicht eine unzulässige Einschränkung für die domestizierten Tiere, allen voran den Rindern? Ist die Alm nicht der bestmögliche Platz für sie? Naja, warum sollen Rinder vorgehen? Eigentlich haben domestizierte Tiere in der Wildnis nichts zu suchen. Die sollte für Wildtiere reserviert bleiben. Aber die Rinder und alle anderen sogenannten „Nutztiere“ kann man ja, wenn man unbedingt welche haben will, auf Weiden in der Zivilisation halten. Mitten im Tal, am Dorfrand. Was spricht da dagegen? Dort sind sie unter Menschen, können versorgt werden, leben so frei, wie das für domestizierte Tiere möglich ist, und man kann sie umzäunen. Dann könnten auch die großen Beutegreifer wieder zurückkehren und kein Mensch müsste sich auf den Almen vor den Rindern fürchten.

Das wäre also der erste Schritt Richtung Wiedergutmachung: Wir lassen die Almen auf und halten sämtliche sogenannten „Nutztiere“ auf Weiden im Freiland in der Zivilisation. Im eigentlichen Kulturland. Und lassen ansonsten wieder die Natur das Ruder übernehmen. Auf jeder Ebene wäre damit etwas gewonnen. Und eines baldigen Tages könnten wir den Ruf der Wildnis auch wieder in unseren österreichischen Bergen hören.

PS: Dass ein Rückbau von Zivilisationsrückständen in den Bergen überhaupt kein Problem ist, sondern einem aufgeklärten Verständnis entspricht, beweist der Alpenverein. Er baut definitiv keine neuen Hütten mehr und entfernt sogar immer wieder alte. Mit dem erklärten Ziel, die Wildnis wieder in die Berge einziehen zu lassen und zivilisatorische Infrastruktur abzuziehen. Ein sehr vernünftiger Beschluss, dem jetzt auch die Almen folgen sollten.

Auch für Menschen gefährliche Tiere haben ein Recht auf Leben

Ein strahlend sonniger Tag bei uns in der Obersteiermark. Meine kleine Tochter springt fröhlich bloßfüßig um unsere Hütte herum. Da sehe ich eine Bewegung im hohen Gras, keine 5 m neben ihr. Ich schaue nach und, tatsächlich, eine Kreuzotter. Also eine Giftschlange. Tödlich für so 2-jährige Menschen, wenn sie zubeißt.

Diese Schlange wohnt keine 50 m von uns entfernt. Ich habe gesehen, wie sie dort in ein Loch kriecht. Naja, kein Wunder, Schlangen können ja nicht besonders weit wandern, an einem Tag. Das heißt sie wird sich bis auf Weiteres immer in Hüttennähe aufhalten. Da ist Vorsicht geboten!

Das Geschrei der Jägerschaft und der Tierhalter_innen, dass der Wolf unbedingt weg muss, wird oft damit begründet, dass er insbesondere für Kinder eine Gefahr sei. Zwar töten Rinder mehr Menschen als Wölfe, aber die Rinder bringen Geld, und da drückt man gerne ein Auge zu. Der Wolf bringt kein Geld. Der bringt gar nichts, in Geldbeträgen gesprochen, und was nichts nützt, das ist auch nichts wert, in unserer so netten Gesellschaft. Ist unsere Giftschlange eigentlich etwas „wert“?

Ich habe den Bürgermeister einer Osttiroler Gemeinde, der tapfer unsere Kinder vor Wölfen schützen will, und deshalb für deren Ausrottung plädiert, gefragt, ob er meint, mein Kind ist mehr durch den Wolf als durch diese Giftschlange bedroht. Immerhin bleibt sie immer in unsere Nähe und kann auch nicht besonders schnell weglaufen, d.h. man kann schon versehentlich drauf treten und dann wird sie beißen. Sollte unser tapferer Bürgermeister nicht schnellsten dafür sorgen, dass diese Giftschlange getötet wird? Seltsamerweise hat er nicht geantwortet. Ich glaube, er will gerne die Wölfe töten, aber die Giftschlangen sind ihm nicht wichtig. Offenbar geht es ihm doch nicht um unsere Kinder.

Nun, liebe Menschen, die ihr auch Wölfe töten wollt, um Kinder zu retten. Wie steht es mit Euch? Sollte diese Giftschlange getötet werden? Aber wenn wir diese töten, warum nicht die, die ein bissel weiter weg wohnen? Da geht mein Kind auch wandern. Eigentlich sind Giftschlangen doch überall gefährlich, oder nicht? Wie der Wolf!

Und darum gehts: sollten wirklich alle Tierarten ausgerottet werden, die uns keinen Nutzen bringen, oder die uns gar gefährlich werden könnten? Aber dann bitte nicht die Bienen vergessen, die töten in Österreich mehr Menschen als alle anderen Tiere. Und die Rinder! Aber halt, Bienen und Rinder sind ja zu etwas „nütze“.

Nein. Das ist nicht mein Zugang zur Natur. Jedes Tier hat ein Recht auf Leben, auch jene, die uns gefährlich werden können. Ich würde diese Giftschlange, die in der Nähe meiner Hütte lebt, niemals töten. Und die Wölfe natürlich auch nicht. Wir sollten den Wildtieren den Großteil der Natur in Österreich und anderswo zur freien Verfügung übergeben und endlich einmal zurück stecken. Zu was sind wir Menschen denn nütze?

„Unter wilden Bären“ – ein Buch über die Bären Sloweniens

Ich bin seit jeher total begeistert davon, in Wäldern zu wandern und mit dem Zelt zu übernachten, in denen es auch Bären gibt. 15 Jahre lang bin ich dafür extra in die rumänischen und polnischen Karpaten gereist. Noch heuer will ich es in Slowenien probieren. Dieses Buch hat mich überzeugt.

950 Bären soll es in Slowenien geben, steht in diesem Werk aus dem Frederking & Thaler Verlag, erschienen 2019, von 3 österreichischen Autor_innen, von denen zwei bei mir um die Ecke in der Obersteiermark wohnen. Wenn das stimmt, ist das eine ungeheuerliche Populationsdichte. Slowenien ist gerade einmal so groß wie Niederösterreich, mit ähnlich vielen Einwohner_innen. Eine ähnliche Kultur, ähnliche Bevölkerungsdichte – warum ist das dann bei uns nicht möglich? Die Antwort lautet leider, dass sich die Jägerschaft in Österreich nicht an Gesetze hält und dabei so gut politisch vernetzt ist, dass sie nicht von der Polizei verfolgt wird. Im Jahr 2009 trieb sich der Bär Roẑnik im Stadtpark von Lubljana herum, wurde von den slowenischen Behörden ohne Verletzung vertrieben und wanderte nach Österreich. Innerhalb von 2 Tagen war er tot. Erschossen mutmaßlich von einem Jäger und Fleischhauer, in dessen Auto man seine Haare gefunden hat. Im Jahr 2017 erlitt der Bär Rudolf ein ähnliches Schicksal.

Dabei war um 2000 herum im niederösterreichisch-steirischen Grenzgebiet eine veritable Bärenpopulation vorhanden. 2 Mal ging ein Bär zu Mittag durch das Dorf in meiner Nähe, 1 Mal sah ich einen Bären auf 1200 m bei mir am Hochschwab in einem See schwimmen. 31 Jungtiere sollen bis 2007 hier geboren worden sein, doch alle verschwanden nacheinander – und endeten ausgestopft in den Kellern der Jägerschaft. Eine sehr tragische Geschichte, die der zweiten Ausrottung der Bären in Österreich.

Doch zurück zur Erfolgsgeschichte der Bären in Slowenien. Für Menschen, die sich für unsere mitteleuropäische Bärenpopulation interessieren, ist dieses Buch ein Muss. Ich habe ehrlich noch nie so viele so gute Fotos von wild lebenden Bären gesehen! Großartig, amüsant, imposant – in jedem Fall beeindruckend. Auch die Informationen zu den Bären in diesem Buch sind sehr wertvoll. So lernen wir, dass seit 1966 kein Mensch mehr von einem Bären in Slowenien getötet worden ist. Und wer meint, auch einer sei bereits zu viel, sollte das Interview mit dem Sohn des Opfers lesen, der überhaupt keinen Groll gegen die Bären hegt. Sein Vater ist damals im Winter versehentlich durch die Schneedecke in die Winterhöhle einer Bärin eingebrochen. Unfälle passieren, meint der Sohn, der zu dieser Zeit 9 Jahre alt war.

Interessant ist auch das Faktum, dass diese 950 Bären erstaunlich wenig Schaden anrichten, jedenfalls deutlich weniger, als in Regionen mit viel weniger Bären. Die Begründung: Eine etablierte Bärenpopulation hat sich an ihre Naturregion angepasst und kann sich leicht selbst versorgen. Gleichzeitig sind die Menschen dort auf die Präsenz von Bären eingestellt und schützen ihre Nutztiere und Bienenstöcke. Es ist also möglich, mit so vielen Bären im dicht besiedelten Mitteleuropa zusammen zu leben. Keine Ausrede mehr!

Oja, eine gibt es, und die wird auch im Buch erwähnt. Die Almen! Natürlich gibt es auch in Slowenien welche, allerdings nur im alpinen Teil, wo deutlich weniger Bären leben. Im Süden gibt es nur Waldberge, wie in Österreich im Wienerwald oder zwischen Hochschwab und Ötscher. Und hier werden die Autor_innen verhalten kritisch. Deutliche, klare Worte finden sie dazu nicht, nennen aber die biologische Vielfalt auf Almen eine „gebetsmühlenartig wiederholte“ Rechtfertigung. Dann zitieren sie den Biologen Erich Weigand vom Nationalpark Kalkalpen: „Der Ursprung der Artenvielfalt liegt eben nicht in der Kulturlandschaft, sondern rührt vom möglichst wilden, naturbelassenen Umland“ her. Und dann sagen sie: „Mit den großen Raubtieren lässt sich vielleicht nicht mehr jede Alm bewirtschaften, aber führt das automatisch in den touristischen Ruin? Oder fürchten wir uns einfach vor so viel wiedererstarkter Wildnis?“

In Slowenien boomt der Bärentourismus. Man kann Fotohütten mieten und auf Fotosafari gehen, oder auch an einer der vielen Futterstellen Bären beobachten. Insgesamt überwiegen die Einnahmen durch Bärentourismus bereits bei weitem die Schäden, die sie anrichten. Aber auch die Jagd ist leider wieder erlaubt. Jährlich werden Quoten von 10-20 % festgelegt. Die Abschüsse verkauft man für gut € 3000 pro Bär an Trophäenjäger_innen aus Deutschland und Österreich. Sofort wird klar, warum bei uns die Bären sterben müssen: die Jägerschaft will sich die € 3000 ersparen!

„Seit vielen Jahren habe ich das große Privileg, in unberührter Natur mit wilden Bären zusammenleben zu dürfen“, so Reno Sommerhalder im Nachwort. „Es gibt keine Worte, die angemessen beschreiben könnten, wie sich das anfühlt. Man muss den regelmäßigen Aufenthalt in der Wildnis selbst erleben“. Genau so ist es.

Die Almhaltung und der Tierschutz

Im Buch „Zoopolis“ diskutiert Will Kymlicka, Professor für Politikwissenschaften an der Queens Uni in Ontario, Kanada, das Mensch-Tier Verhältnis. Dabei trennt er in domestizierte Tiere, die nur mit dem Menschen zusammen leben können, in Kulturfolger, die freiwillig und selbstbestimmt in die menschliche Gesellschaft kommen, und echte Wildtiere, die unabhängig vom Menschen in der Wildnis leben. Für alle diese Tiere, so argumentiert Kymlicka überzeugend, gibt es andere Lösungen für ein Zusammenleben oder Koexistieren mit minimalen Konflikten.

Wildtiere sollen selbstbestimmt leben können. Sie haben ein Recht auf ihren eigenen Lebensraum, ohne Einwirkung oder Einfluss des Menschen. Domestizierte Tiere dagegen können das nicht. Sie müssen sich mit dem Menschen ihren Lebensraum teilen und können keine vollständige Unabhängigkeit erlangen. Tierschutz bedeutet also jetzt, den Wildtieren ihren Lebensraum zu lassen und gleichzeitig für die domestizierten Tiere möglichst viel Freiheit mit echter Lebensqualität.

Eine Alm bietet Letzteres für die Tiere, die dort weiden dürfen. Maximale Freiheit und bestmögliche Lebensqualität. Doch die Alm schränkt gleichzeitig den Lebensraum der Wildtiere ein und nimmt ihnen ihr Recht auf Wildnis und Naturlandschaft. Nirgends kann man das besser sehen, als bei der Forderung der Almbauernschaft, den Wolf wieder auszurotten. Als Tierschützer_in muss man sich also fragen: was geht vor, das Lebensrecht des Wolfes oder das Recht auf Freiheit und Lebensqualität der Almtiere?

Ein bisschen erinnert mich das an die Diskussion über Jagdgatter, die jetzt in ganz Österreich verboten wurden, wenn auch mit Ausnahmen. Natürlich geht es den Wildschweinen im Jagdgatter besser, als den Schweinen in einer Tierfabrik. Abgesehen davon, dass sie bei der Gatterjagd einem absolut grauenvollen, lange andauernden Leid ausgesetzt werden, bleibt aber das Argument, dass Jagdgatter den Wald zerstören, also den Lebensraum von Wildtieren, und ihn auch noch mit Zäunen durchschneiden. Für mich war also immer schon neben dem sehr wichtigen Argument der Tierquälerei bei der Gatterjagd selbst, auch das Argument, dass die Wildtiere ein Recht auf Lebensraum haben, entscheidend. Der Mensch in seiner unendlichen Gier nimmt sich da einfach große Waldgebiete, zäunt sie sich ein und nutzt sie für seinen Lustgewinn – die Gatterjagd – ohne auch nur die geringste Rücksicht auf das Recht der Wildtiere.

Bei der Diskussion über die natürlich Einwanderung der Wölfe hören wir das „Argument“ von Jägerschaft und Almbauernschaft ständig: es gäbe keine Naturlandschaft in Österreich, nur mehr Kulturlandschaft, und deshalb hätten hier größere Wildtiere – außer man kann sie jagdlich nutzen – nichts verloren. Erstens stimmt das nicht wirklich, weil es auch hierzulande noch viele wilde Winkel gibt. Aber zweitens ist das ja nicht in Stein gemeißelt: wir könnten Kulturlandschaft, wie die Almen, aufgeben und wieder wild – also zu Naturlandschaft – werden lassen. Was spricht dagegen und wie sollte man das als Tierschützer_in beurteilen?

Faktum ist, dass das Tierschutzideal zweifellos eine große Naturlandschaft, in der sich die Wildtiere frei und ungestört entfalten können, beinhaltet. Faktum ist auch, dass die Tierhaltung auf Almen nur 3-4 Monate im Jahr andauert. Danach setzt die Ausbeutung und Tierquälerei ein. Jede Milchkuh, auch wenn sie als Kalbin kurzzeitig auf der Alm war, wird dann künstlich geschwängert und ihr Kind wird per Tiertransport ins Ausland geschafft. Auch wenn ein Ochse ein paar Monate auf der Alm war, wird er die meiste Zeit seines Lebens auf Vollspaltenboden stehen und grausam im Schlachthof getötet. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass die Almhaltung ein Teil eines sehr brutalen Ausbeutungssystems ist, das wir als Tierschützer_innen als Ganzes niemals gutheißen dürfen.

Abgesehen davon gibt es den auch für Tiere sehr wichtigen Aspekt des Klimawandels und der Ressourcenbelastung durch die Tierindustrie, auch bei kurzzeitiger Almhaltung. Die meisten Almen sind völlig überweidet, sodass auch die Natur sehr darunter leidet, die wiederum den Lebensraum für Wildtiere bieten soll.

Unterm Strich ist also in meinen Augen klar: Die Almhaltung ist nicht an sich gut, vielmehr wäre es gut, wenn es viel weniger Rinder gäbe und damit einhergehend viel weniger Almen. Die Wildtiere haben ein Recht auf Lebensraum, der nicht von Menschen genutzt wird. Die domestizierten Tiere sind Teil der menschlichen Gesellschaft und nicht der Wildnis. Wenn sie in Letztere gebracht werden, dann leidet die Gemeinschaft der Wildtiere darunter. Domestizierte Tiere und Menschen sollten sich daher ihre Kulturlandschaft teilen, aber den viel größeren Bereich des Landes ungenutzt und unberührt lassen, und den Wildtieren zur Selbstorganisation zur Verfügung stellen.