Natur

Buchrezension „Alpengletscher“

Kürzlich erst fiel mir auf, dass ich schon eine ewige Zeit nicht mehr noch im Dunkeln aufgestanden bin, um im Hochgebirge einen Berg weit über 3000 m zu besteigen, vielleicht auf einer schwierigen Route, wie ich das früher so oft getan habe. Die Nervosität beim Losgehen im Dunkeln, das erste Sonnenlicht, das die Stimmung hebt. Und dann die unendliche Schönheit dieser Bergregionen, die ihre Ästhetik daraus beziehen, dass sie vom Menschen weitgehend unberührt sind. Schade, dass ich aufgrund meiner Vaterschaft momentan nicht mehr zum Hochgebirgsbergsteigen komme.

Da fiel mir das Buch „Alpengletscher“ vom Tyrolia-Verlag in die Hände. Es ist in erster Linie ein Buch mit unfassbar großartigen Fotos aus der vergletscherten Bergwelt der Alpen. Wunderschön aufbereitet, die Bilder einfühlsam ausgewählt, lässt einen das Buch in diese wilde Welt eintauchen. Und mich hat es in die Zeit meiner vielen Touren zurück versetzt.

Bernd Ritschel kann das, Berge zu fotografieren. Er hat bereits einige Bildbände zu den Bergen herausgebracht und hält Vorträge und Fotoworkshops. Seine Bilder zeigen nicht nur das Können eines Profis, sondern auch die Liebe eines naturaffinen Menschen zu dieser Landschaft.

Die Gletscher verschwinden. Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Ich selbst habe noch Eiswände in den Hohen Tauern erklettert, die heute nicht mehr existieren. Und auf der Übergossenen Alm am Hochkönig oder auf den Gletschern des Dachsteins, beides Berge unter 3000 m, verschwindet die Eiswelt so rasch, dass man allen nur empfehlen kann, noch einen letzten Blick darauf zu werfen, bevor sie endgültig weg sind.

Die Hintergründe zu dieser Entwicklung, vom Klimawandel bis zur Gletscherforschung, werden auch in diesem Buch beleuchtet. Andrea Fischer ist als Wissenschafterin die für diese Einsichten verantwortliche Autorin. Zwar stehen die Fotos in diesem Buch bei weitem im Vordergrund, doch hat man, nachdem man die Texte gelesen hat, ein bisschen mehr Verständnis für das, was man auf den Fotos sieht.

Mich hat dieses Buch jedenfalls davon überzeugt, dass ich mir wieder die Zeit nehmen will, ins Hochgebirge zu gehen. Wenigstens einige wenige Tage im Jahr.

Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas

Das Buch heißt „Verlorene Welten“, ist 2019 in zweiter Auflage im Klett-Cotta Verlag erschienen und vom Schweizer Aram Mattioli, Universitäts-Professor für Neueste Geschichte an der Uni Luzern, geschrieben. Der Spoiler gleich zu Beginn: ein großartiges Buch, das bei weitem Beste über die Geschichte der Indianer_innen Nordamerikas, das ich bisher gelesen habe. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Und zwar nicht, weil es so spannende Wild-West Geschichten erzählt, sondern weil es in deutlichen Worten klar macht, dass die Unterdrückung und weitgehende Vernichtung der Ureinwohner_innen Nordamerikas ein ungeheuerliches Verbrechen war und ist.

Zu Anfang reflektiert der Autor über 3 Seiten hinweg, welche Bezeichnungen er verwenden wird und welche nicht. So empfindet er das Wort „Stamm“ als abwertend und ersetzt es durch Nation. Auch das Amerikanische Wort „Indian“ oder „American Indian“ ist für ihn abwertend, deswegen verwendet er First Peoples, Native Americans oder das deutsche Wort „Indianer“. Letzteres wurde in seinen Augen nie abwertend verwendet. Deshalb bleibe auch ich bei „Indianer_innen“.

Das Buch rekonstruiert sehr schön den Werdegang der Westexpansion durch die USA. Unter dem englischen König wurden die Appalachen 1763 als westliche Siedlungsgrenze festgelegt. Nach der Revolution und der Unabhängigkeitserklärung der USA, legte die neue Regierung den Mississippi als neue Grenze fest. Bis 1824 wird ein Indianerbüro im Kriegsministerium gegründet. Zum dem Zeitpunkt sah man die Indianer_innen also als feindliche Macht außerhalb des eigenen Staates an. Mit dem „Indian Removal Act“ legte man sich auf die Linie fest, die Indianernationen auf amerikanischem Staatsgebiet über den Mississippi nach Westen zu deportieren.

Diese Deportationen waren richtige Todesmärsche über tausende Kilometer. Wer nicht mithalten konnte, wurde erschossen. Die Cherokee z.B. verloren auf diesem Marsch 1838 ein Viertel ihrer Nation. Auf diese Weise gründete man das „Indian Territory“ im heutigen Bundesstaat Oklahoma, das schließlich am 22. April 1889 durch den ersten „Oklahoma Land Run“ erst wieder unter weißen Siedler_innen aufgeteilt wurde. Das ist ein Vorgang, der ständig wiederholt wird: man gibt einer Indianernation per Vertrag eine Region, die zwar deutlich kleiner als ihr eigentliches Gebiet war, aber wo sie immerfort würden leben können. Und dann verkleinert man diese Region zu Reservaten, die später weiter verkleinert werden, bis die Indianer_innen völlig verelenden.

Im Goldrausch von Kalifornien, der 1849 beginnt, kommen die Indianer_innen der Pazifikküste unter die Räder. Ein Mob von Neusiedler_innen massakriert sie ohne jede staatliche Kontrolle. Mehrere Bundesstaaten erlassen sogar Gesetze, dass Weiße Indianer_innen jederzeit ungestraft töten dürfen, ja es wird sogar Kopfgeld auf Indianer_innen ausgesetzt. Wer den Beweis der Ermordung eines Indianers oder einer Indianerin erbringt, bekommt das Geld. Und Soldaten der US-Armee werden mit Preisgeldern belohnt, wenn sie an Massakern teilgenommen haben.

1853 schließlich entsteht die Idee, alle Indianernationen in Reservate zu zwängen. Das Indianerbüro wird vom Kriegs- ins Innenministerium verlegt. Die Indianer_innen werden also von jetzt ab als innerstaatliches Problem gesehen. Mit dem Homestead Act 1862 von Präsident Lincoln beginnt die radikale Unterwerfung der Prärie-Indianer_innen, die 1886 endet. Die US-Armee verübt dennoch am 29. Dezember 1890 ein letztes Massaker an einer Indianernation, den Lakota am Wounded Knee.

Gab es um 1500 in Nordamerika noch etwa 10 Millionen Indianer_innen und keine Weiße, so waren es 1750 nach zahlreichen großen Pandemien nur noch 1,5 Millionen Indianer_innen und bereits 1,25 Millionen weiße Siedler_innen. Im Jahr 1900 schließlich lebten nur mehr 237.000 Indianer_innen auf 2,3 % der Fläche der USA, während 76 Millionen Weiße den Rest beanspruchten. 1907 beantragten tausende Indianer_innen beim Kongress die Gründung eines eigenen indianischen Bundesstaates mit dem Namen „Sequoyah“. Doch Präsident Theodore Roosevelt, der Cowboy als Präsident und große Indianerhasser, lehnte ab. Er hatte 1886 in einer öffentlichen Rede gemeint: „Ich gehe nicht so weit zu sagen, nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer, aber das trifft auf 9 von 10 von ihnen zu, wobei ich mir den 10. lieber nicht zu genau anschaue.“

Wildes versus zivilisiertes Leben

Die Verfassung der USA von 1776 gilt als weltweit erste Menschenrechtsdeklaration. Und dennoch waren eigentlich und unausgesprochen nur Weiße gemeint. Es gab weiterhin Sklaverei von Schwarzen und es gab Massaker an Indianer_innen, die nicht als Personen gesehen wurden. Indianer_innen galten vor Gericht z.B. nicht als Zeug_innen. Die Begründung dafür war ein tief sitzender Rassismus, der in Essenz Indianer_innen (und Schwarze) mehr mit Tieren als mit Menschen gleich setzte. Der „primitive“ Mensch im wilden Naturzustand versus der „höherentwickelte“ Mensch in der Zivilisation.

Gutmeinende, aufgeklärte Bürger_innen der USA sahen die Lösung des „Indianerproblems“ in der Umerziehung zum zivilisierten Menschen. Tausende Indianerkinder wurden mit Gewalt ihren Eltern entrissen und in verschiedenen Internaten quer durch die USA zwangserzogen. Man schnitt ihnen die Haare – weil anständige Männer kurze Haare haben -, man steckte sie in Anzüge, man zwang sie nur noch englisch zu sprechen, man drillte sie militärisch, man bestrafte sie mit Gewalt und man versuchte ihnen elementare Bildung einzutrichtern. Allerdings ging man davon aus, dass sie eh nichts verstehen würden und in der Gesellschaft nicht aufsteigen könnten, und so beließ man es bei einem Minimum.

Dieser Ethnozid (O-Ton Autor Mattioli), dieser Versuch, das Indianische in den Indianer_innen zu töten und sie zu zwangsassimilieren, führte zu furchtbaren Tragödien, Selbstmorden und vielen missbrauchten Kinderseelen. Auf jeder dieser Schulen mussten große Friedhöfe für die gestorbenen Schüler_innen errichtet werden.

In der Tierrechtsbewegung gibt es das Ansinnen, alle Wildtiere zu zivilisieren, um die Gewalt unter den Tieren zu reduzieren. Diese Einstellung dürfte jener gegenüber den Indianer_innen damals ähnlich sein. Zweifelsohne wollten die Indianer_innen diesen „Segen“ der Zivilisation nicht. Ich gehe davon aus, dass es bei Wildtieren nicht anders ist.

Die Wildnis zivilisieren

In den publizierten Meinungsäußerungen damals schwingt ständig die Ansicht mit, die Wildnis sei lebens- und menschenfeindlich, sie müsse daher zivilisiert werden. Die große Prärie z.B. wurde gezielt in Acker- und Weideland umgewandelt, worauf man total stolz war. Endlich war das Land produktiv und nutzbar. Dafür mussten neben den Indianer_innen auch z.B. die Bisons und die Wölfe sterben. Die Bisons schoss man systematisch zusammen. Von zig Millionen noch vor 200 Jahren blieben lediglich 800 übrig, die man in einem rasch eingerichteten Reservat zu schützen begann. Aber nicht, um Wildtiere oder gar eine Wildnis zu erhalten. Sondern mit dem klaren Kalkül, sie als jagdbares Großwild für die Jägerschaft zu verfügbar zu halten. Präsident Theodore Roosevelt war stolzer Großwildjäger und auf ihn ging diese Idee zurück.

Dasselbe hat man in Österreich gemacht, ein paar 100 Jahre davor. D.h. man hat die Wildnis zivilisiert, indem man den Wald in den Bergen gerodet, Bison, Auerochse, Elch und Wisent, und später auch Luchs, Wolf und Bär ausgerottet und Almen errichtet hat. Und heute ist man darauf immer noch stolz.

Die Murmeltierjagd hat begonnen!

Gerade von einer Woche im Wald zurück, wird mir bewusst: die Jagdzeit auf Murmeltiere hat begonnen. Zumindest bei uns in der Steiermark. In Tirol und anderswo dauerts noch bis Mitte August, aber dennoch bleiben überall 2 Monate für diese Billigjagd. Der Abschuss kostet nur € 500, mit € 100 Rabatt, wenn man nicht trifft. Der Abschuss einer Gemse ist 4 x so teuer.

Das Bild oben zeigt eine Begegnung mit einem Murmeltier auf der Wetterinalm. „Wunderschöne“ Almzubringerstraße, nicht wahr? Da merkt man gleich, hier ist Natur. Das Murmeltier lebt dort unbekümmert, schert sich nicht um Wanderer, und auch nicht um meinen Hundefreund, der dabei war. Er selbst ist sowieso total friedlich mit allen Tieren.

Im letzten Herbst war ich mit meiner Familie in den Hohen Tauern einige Tage auf einer Alm, nachdem die Kühe runtergebracht worden waren. Wir freundeten uns mit einer Murmeltierfamilie dort an. Und da kam ein Jäger mit seinem 14 jährigen Sohn und einem 17 jährigen Jagdführer aus dem Tal herauf. Der 14 jährige wollte zum Geburtstag ein Murmeltier erschießen. Nichts leichter, als auf diese fast handzahmen Murmeltiere zu ballern, die mit uns gespielt hatten. Während sich diese Jäger freuten, fühlte ich mich als Verräter. Wie kann man nett zu Tieren sein, wenn dann andere diese Annäherung ausnutzen, um zu töten? Ich habe von diesem Vorfall berichtet: https://martinballuch.com/eine-ganz-normale-murmeltierjagd/

Warum wollen Menschen eigentlich Murmeltiere erschießen? Diese Frage ist falsch gestellt. Es macht ihnen halt einfach Spaß, sonst würden sie nicht dafür bezahlen. Aber wie ist das gerechtfertigt? Erstaunlicherweise mit dem Schutz der Kühe auf der Alm, und weil sich die Almwiesen weniger gut mähen lassen würden, wenn dort Murmeltierbauten angelegt worden sind. Das wurde mir als Argument von vielen Seiten bestätigt, findet sich aber auch hier in diesem Artikel des deutschen Tagesspiegel, siehe https://m.tagesspiegel.de/gesellschaft/pauschalangebote-fuer-murmeltierjaeger-wie-das-geschaeft-mit-der-jagd-auf-die-nagetiere-laeuft/26054960.html?utm_referrer=http%3A%2F%2Fm.facebook.com%2F&fbclid=IwAR1tI6KOYRkiIPLKtM2twYi6ErR_tK3IY_YNhiocYfOcvCtb-ZbcMxyMNzs#layer

Tagesspiegel vom 1. August 2020

Dabei war das Murmeltier hierzulande bereits von der Jägerschaft ausgerottet. Lernen wir je dazu? Können wir irgendwann diese seltsame Tötungslust überwinden? Werden wir irgendwann die Totalnutzung der Natur zurückschrauben, eine Wildnis ermöglichen und diese dann den Wildtieren überlassen, die uns keinen Nutzen bringen?

Prof. Kotrschal und Doz. Poteser zu Almen

An und für sich sollen Fakten für sich selbst sprechen. Es dürfte nicht notwendig sein, anerkannte Fachautoritäten zu zitieren, um den eigenen, bereits durch Fakten belegten Worten mehr Gewicht zu verleihen. Im Fall meiner Kritik an Almen hat aber die gesamte Almbauernschaft zum Shotstorm intern aufgerufen und meine Beiträge 1500 Mal geteilt. Die Botschaft: der Balluch ist ein singulär Verrückter. Niemand sonst würde etwas so Absurdes sagen. Da braucht man dann gar nicht auf die Fakten und Argumente einzugehen.

Lassen wir Univ-Prof. Dr. Kurt Kotrschal zu Wort kommen, siehe https://tierisch.heute.at/a/50692642/w%C3%B6lfe–der-tod-f%C3%BCr-die-heimische-almwirtschaft

Wortwörtlich steht in diesem Artikel u.a.:

Den Almwiesen geht es nicht gut

Ökologisch wertvoll sind etwa die bunten Borstgrasrasen der Almen. Ihr Erhaltungszustand ist aber nur in Frankreich günstig, in Österreich, Deutschland und Slowenien unzureichend und in Italien sogar schlecht. Daran ist aber nicht der Wolf schuld. Oft werden zu viele Tiere aufgetrieben, was zu Überweidung führt.

Immer mehr an verspritzter Gülle tötet die wertvolle Fauna und Flora der Almwiesen.

Sie verarmen genetisch und werden durch Über- bzw. Unternutzung geschädigt. Um das Verbuschen der Almwiesen zu verhindern, werden sie „geschwendet, die Alpenrosen, Wacholdersträucher, etc. mit schweren Maschinen gehäckselt. Das vernichtet nicht nur die Zwergsträucher, sondern vernichtet auch empfindlichen Böden, die in diesen Höhenlagen tausende Jahre brauchen, um zu entstehen.

Almen auch ohne Beweidung?

Tatsächlich sind keine der als bedroht gelisteten Pflanzen- und Tierarten der Almen an Weidewirtschaft gebunden. Die Befürchtung ist also unbegründet, diese Arten gingen durch die Aufgabe der Beweidung verloren. Alpine Matten können gar nicht bewalden, da sie oberhalb der Baumgrenze liegen. Verschwinden werden nur die Almen unter der Baumgrenze, wo Beweidung ökologisch sogar schädlich ist. Darüber bildet alpines Grasland die charakteristische Vegetation. Gerade sie wird aber durch eine ungeregelte Beweidung geschädigt.

Die hier zitierten Fakten ähneln den von mir angeführten, siehe https://martinballuch.com/fakten-zu-ein-kritischer-blick-auf-almen/

Ein Artikel im medi.um von Doz. Dr. Michael Poteser, promovierter Biologe und Umwelttoxikologe, schlägt in dieselbe Kerbe. Es geht hier darum, die wirtschaftliche Nutzung wenigstens von einigen Teilen der Österreichischen Berge einzustellen und die Wildnis wieder Wildnis sein zu lassen.

Wörtlich: Unsere Sichtweise ist vom echten Naturerlebnis so entwöhnt, dass Naturschutz für uns schon der Schutz des bestellten Feldes ist, nichts anderes ist der wirtschaftlich genutzte Wald. Diese Einstellung aber führt zu der schweren Krise, in der sich die Biodiversität in diesem Land befindet. Wir brauchen Naturräume, die von der Last wirtschaftlicher Nutzung [z.B. durch Almen] befreit sind, um neben dem weitaus überwiegenden Anteil schwer belasteter Natur zumindest ein kleines Reservoir an ökologischer Vielfalt zu erhalten.

Mit anderen Worten: Es gibt Menschen, die glauben, Almen sind ein Naturraum und Rinder kommen dort natürlich vor, ja sind dort zu Hause. Und Naturschutz bedeutet dann diese Almen zu schützen und die Rinder dort zu lassen. Das ist eine sehr naturferne Ansicht. Wer einmal ein nicht wirtschaftlich genutztes, sondern unberührtes Stück Natur gesehen und gefühlt hat, kennt den Unterschied. Naturschutz widerspricht Naturnutz in jeder Form.

Doz. Dr. Poteser sagt in dem Artikel auch: Österreich ist ein verhältnismäßig kleines Land. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wird das gesamte Staatsgebiet wirtschaftlich genutzt und es gibt Naturräume bescheidener Größe, in welchen sich ökologische Systeme ohne den direkten Einfluss des Menschen entfalten können. […] [D]ie Natur [wird] nur so weit geduldet […], wie sie nicht die kommerziellen Erträge schmälert

Almen sind hier mit Naturräumen jedenfalls nicht gemeint. Almen sind wirtschaftlich genutzte Flächen, für die genau diese Aussage gilt: Natur, wie Wolf, Bär oder Bison, wird nur so weit geduldet (also gar nicht), soweit sie die kommerziellen Erträge nicht schmälert.

Von Almen und der Zerstörung von Naturlandschaften

In Afrika nimmt die Bevölkerung stetig zu. Von verschiedenen Seiten wird berichtet, dass dadurch immer mehr Wälder gerodet, Wildtiere vertrieben und große Rinderweiden angelegt werden, die sich immer näher an die Grenze der letzten Nationalparks schieben. Fotos zeigen das erschreckende Ausmaß dieser gnadenlosen Expansion der menschlichen Nutzung von Natur. Ähnliches können wir aus Südamerika lesen, wo der rechtsradikale Präsident von Brasilien der zunehmenden Rodung und Umwandlung von Wald in Rinderweiden nicht nur keinen Riegel vorschiebt, sondern das Ganze auch noch fördert. Die riesigen Waldbrände sind ja, wie wir wissen, extra deshalb ausgelöst worden, um Wald in Weideland zu verwandeln. Und in den USA ist die Geschichte von Buffalo Bill legendär, der die frei lebenden Bisons in der Prärie abgeknallt hat, um Rinderweiden zu schaffen. Heute grasen riesige Rinderherden, wo früher Bisons gelebt haben.

Was diese Geschichten gemeinsam haben, ist das Vorgehen der Menschheit, Wildnis zu zerstören und durch Weiden für ihre domestizierten Tiere zu ersetzen. Und zwar nicht nur dort, wo sie selbst leben, sondern auch weit entfernt mitten in einer ursprünglichen Wildnis, die dadurch keine mehr ist. Das ist sowohl aus Sicht des Klimawandels problematisch, als auch aus Sicht des Schutzes von Ökosystem und Arten, und aus Tierschutzsicht. Letzteres, weil Wildtiere, die in ihren angestammten Gebieten ein Recht auf Leben haben, ausgerottet oder zumindest vertrieben, jedenfalls nicht toleriert werden.

Nun, was sind Almen anderes als die Vernichtung von Wildnis, um Weiden für domestizierte Tiere zu schaffen? Selbst wenn diese Vernichtung schon einige hundert Jahre her sein sollte, obwohl es auch Wildnis gibt, die erst kürzlich zu einer Alm umfunktioniert wurde, wie z.B. das Rosskar im Hochschwab. Wir haben in Europa und insbesondere in Österreich die Wildnis total an den Rand gedrängt. Nur mehr maximal 2 % des Landes ist wild und ein verschwindender Teil der Biomasse an Landwirbeltieren stammt von Wildtieren.

Dennoch gibt es ein ganz seltsam positives Image für Almen in Österreich. Fast ist es ein Sakrileg, Almen zu kritisieren. Ich kenne jedenfalls keine öffentliche Almkritik. Also fange ich einmal damit an. Wie stark dieses Image wirkt, zeigt sich in folgendem Beispiel: Sagen wir, ich würde eine Alm pachten und dann dort 100 Hunde unbeaufsichtigt sich selbst überlassen und täglich ausreichend Nahrung hinauf bringen. Diese Hunde verbellen Wanderer, greifen zuweilen die Hunde von Wanderern an und töten dabei ab und zu einen Menschen, und sie bedrohen Kleinkinder. Ja, und sie koten natürlich jeden Tag, ohne dass das entfernt wird. Wie würde die Öffentlichkeit reagieren? Mit Fassungslosigkeit. Ich wäre verantwortungslos, würde harmlose Wanderer bedrohen und und und. Aber, was sind Rinder auf einer Alm anderes? Auch sie sind zuweilen aggressiv zu Wanderern, greifen immer wieder deren Hunde an, töten ab und zu Menschen und bedrohen Kleinkinder. Was ist jetzt genau der Unterschied? Dass die Almbauernschaft und etwaige andere Personen entrüstet schreien, wie verrückt ich nicht sei, so einen Vergleich zu bringen, beeindruckt mich nicht. Bei jedem Mensch-Tier Vergleich, bei jedem Vergleich zwischen Sklaverei und Tierausbeutung, höre ich dasselbe. Dennoch sehe ich keinen prinzipiellen Unterschied. Dass viele Menschen da so einen fundamentalen Unterschied sehen, ohne ihn benennen zu können, beweist nur die Gehirnwäsche. Es gibt keinen Unterschied, der in diesem Zusammenhang relevant wäre.

Wenn man eine Fotosafari in Afrika bucht, z.B. in Botswana, Kenia oder Uganda, dann ist man, wenn man aus Europa kommt, total erstaunt. Nur kurz mit dem oben offenen Bus in die Landschaft gefahren, und schon sieht man große Säugetiere jeder Art, von Elefanten über Nashörner, Nilpferde und Antilopen bis zu Löwen und Hyänen. Auch Krokodile wird man antreffen. Warum ist das so anders wie bei uns in Europa? Zunächst mag man denken, das liege an der afrikanischen Tierwelt, die es so in Europa nie gab. Das stimmt aber nicht.

Wenn man Tim Flannery’s Buch liest, siehe https://martinballuch.com/europa-ein-plaedoyer-fuer-wildnis-und-gegen-die-invasive-nutzung-der-natur/, dann merkt man erst, dass alle diese Tiere vormals auch in Europa gelebt haben. Hier gab es Elefanten verschiedener Arten, ebenso Nashörner, Antilopen, Pferde, Löwen, Hyänen, Wölfe, Höhlenbären und Säbelzahntiger, aber auch zahlreiche Hirscharten, Elche (bis vor ganz kurzem in großer Zahl in Österreich), Auerochsen, Bisons, Wisente usw. Doch der Mensch hat sie alle in Europa sukzessive ausgerottet. Und genau nach demselben Schema: er drang in die Wildnis vor, rodete den Wald um Weiden zu schaffen, setzte dort seine domestizierten Tiere darauf und rottete einerseits alle Beutegreifer aus, die „seinen“ Tieren gefährlich werden könnten, aber andererseits auch alle Nahrungskonkurrenten unter den Pflanzenessern. Am Schluss waren alle Tiere weg, die größer sind als der Fuchs. Dass Rothirsch, Reh, Steinbock und Gemse überlebten, ist dem Interesse des Adels auf die Jagd nach diesen Tieren „zu verdanken“. Jedenfalls war das kein altruistischer Akt des Artenschutzes, sondern ebenfalls ein egoistisches Selbstinteresse des Menschen, das sich in diesem Fall zufällig positiv ausgewirkt hat.

Man könnte also heute noch, genauso wie in Afrika, ständig große Wildtiere sehen, hätten wir sie nicht ausgerottet und die Wildnis durch Almen ersetzt. So klar und deutlich muss man das sagen. Aber könnte man nicht jetzt, weil wir gescheiter geworden sind, die Rückkehr einiger der großen Arten ermöglichen? Offenbar nicht. Wir sehen, was dann passiert. In den rumänischen Südkarpaten und in Polen hat man Bisons ausgesetzt. Ich habe sie schon in freier Wildbahn getroffen. In Österreich unmöglich, weil die Almbauernschaft Konkurrenz wittert. Im winzigen Slowenien gibt es 950 Bären, sowie Wölfe und Luchse. Dieselben Tiere wandern auch in Österreich ein, werden aber ständig erneut abgeknallt und mit großem Hass bekämpft, weil sich die domestizierten Tiere auf der Alm nicht schützen ließen. Soll man einen Zaun um die Alm ziehen, fragt die Almbauernschaft. Ginge nicht, daher müssten die Wildtiere weg bleiben.

Müssen sie wirklich? Warum lassen wir nicht die Almen auf? Zu einer aufgeklärten Einsicht in die Zusammenhänge gehört, dass wir erkennen, dass wir die Natur viel zu sehr missbraucht und benutzt haben. Wir haben dem ursprünglich Wilden und den Wildtieren bei uns keinen Platz mehr gelassen. Und der richtige Schritt dorthin wäre die Auflassung der Almen. Dann könnte die Wildnis wieder wild werden.

Aber ist das nicht eine unzulässige Einschränkung für die domestizierten Tiere, allen voran den Rindern? Ist die Alm nicht der bestmögliche Platz für sie? Naja, warum sollen Rinder vorgehen? Eigentlich haben domestizierte Tiere in der Wildnis nichts zu suchen. Die sollte für Wildtiere reserviert bleiben. Aber die Rinder und alle anderen sogenannten „Nutztiere“ kann man ja, wenn man unbedingt welche haben will, auf Weiden in der Zivilisation halten. Mitten im Tal, am Dorfrand. Was spricht da dagegen? Dort sind sie unter Menschen, können versorgt werden, leben so frei, wie das für domestizierte Tiere möglich ist, und man kann sie umzäunen. Dann könnten auch die großen Beutegreifer wieder zurückkehren und kein Mensch müsste sich auf den Almen vor den Rindern fürchten.

Das wäre also der erste Schritt Richtung Wiedergutmachung: Wir lassen die Almen auf und halten sämtliche sogenannten „Nutztiere“ auf Weiden im Freiland in der Zivilisation. Im eigentlichen Kulturland. Und lassen ansonsten wieder die Natur das Ruder übernehmen. Auf jeder Ebene wäre damit etwas gewonnen. Und eines baldigen Tages könnten wir den Ruf der Wildnis auch wieder in unseren österreichischen Bergen hören.

PS: Dass ein Rückbau von Zivilisationsrückständen in den Bergen überhaupt kein Problem ist, sondern einem aufgeklärten Verständnis entspricht, beweist der Alpenverein. Er baut definitiv keine neuen Hütten mehr und entfernt sogar immer wieder alte. Mit dem erklärten Ziel, die Wildnis wieder in die Berge einziehen zu lassen und zivilisatorische Infrastruktur abzuziehen. Ein sehr vernünftiger Beschluss, dem jetzt auch die Almen folgen sollten.

Auch für Menschen gefährliche Tiere haben ein Recht auf Leben

Ein strahlend sonniger Tag bei uns in der Obersteiermark. Meine kleine Tochter springt fröhlich bloßfüßig um unsere Hütte herum. Da sehe ich eine Bewegung im hohen Gras, keine 5 m neben ihr. Ich schaue nach und, tatsächlich, eine Kreuzotter. Also eine Giftschlange. Tödlich für so 2-jährige Menschen, wenn sie zubeißt.

Diese Schlange wohnt keine 50 m von uns entfernt. Ich habe gesehen, wie sie dort in ein Loch kriecht. Naja, kein Wunder, Schlangen können ja nicht besonders weit wandern, an einem Tag. Das heißt sie wird sich bis auf Weiteres immer in Hüttennähe aufhalten. Da ist Vorsicht geboten!

Das Geschrei der Jägerschaft und der Tierhalter_innen, dass der Wolf unbedingt weg muss, wird oft damit begründet, dass er insbesondere für Kinder eine Gefahr sei. Zwar töten Rinder mehr Menschen als Wölfe, aber die Rinder bringen Geld, und da drückt man gerne ein Auge zu. Der Wolf bringt kein Geld. Der bringt gar nichts, in Geldbeträgen gesprochen, und was nichts nützt, das ist auch nichts wert, in unserer so netten Gesellschaft. Ist unsere Giftschlange eigentlich etwas „wert“?

Ich habe den Bürgermeister einer Osttiroler Gemeinde, der tapfer unsere Kinder vor Wölfen schützen will, und deshalb für deren Ausrottung plädiert, gefragt, ob er meint, mein Kind ist mehr durch den Wolf als durch diese Giftschlange bedroht. Immerhin bleibt sie immer in unsere Nähe und kann auch nicht besonders schnell weglaufen, d.h. man kann schon versehentlich drauf treten und dann wird sie beißen. Sollte unser tapferer Bürgermeister nicht schnellsten dafür sorgen, dass diese Giftschlange getötet wird? Seltsamerweise hat er nicht geantwortet. Ich glaube, er will gerne die Wölfe töten, aber die Giftschlangen sind ihm nicht wichtig. Offenbar geht es ihm doch nicht um unsere Kinder.

Nun, liebe Menschen, die ihr auch Wölfe töten wollt, um Kinder zu retten. Wie steht es mit Euch? Sollte diese Giftschlange getötet werden? Aber wenn wir diese töten, warum nicht die, die ein bissel weiter weg wohnen? Da geht mein Kind auch wandern. Eigentlich sind Giftschlangen doch überall gefährlich, oder nicht? Wie der Wolf!

Und darum gehts: sollten wirklich alle Tierarten ausgerottet werden, die uns keinen Nutzen bringen, oder die uns gar gefährlich werden könnten? Aber dann bitte nicht die Bienen vergessen, die töten in Österreich mehr Menschen als alle anderen Tiere. Und die Rinder! Aber halt, Bienen und Rinder sind ja zu etwas „nütze“.

Nein. Das ist nicht mein Zugang zur Natur. Jedes Tier hat ein Recht auf Leben, auch jene, die uns gefährlich werden können. Ich würde diese Giftschlange, die in der Nähe meiner Hütte lebt, niemals töten. Und die Wölfe natürlich auch nicht. Wir sollten den Wildtieren den Großteil der Natur in Österreich und anderswo zur freien Verfügung übergeben und endlich einmal zurück stecken. Zu was sind wir Menschen denn nütze?

Die Almhaltung und der Tierschutz

Im Buch „Zoopolis“ diskutiert Will Kymlicka, Professor für Politikwissenschaften an der Queens Uni in Ontario, Kanada, das Mensch-Tier Verhältnis. Dabei trennt er in domestizierte Tiere, die nur mit dem Menschen zusammen leben können, in Kulturfolger, die freiwillig und selbstbestimmt in die menschliche Gesellschaft kommen, und echte Wildtiere, die unabhängig vom Menschen in der Wildnis leben. Für alle diese Tiere, so argumentiert Kymlicka überzeugend, gibt es andere Lösungen für ein Zusammenleben oder Koexistieren mit minimalen Konflikten.

Wildtiere sollen selbstbestimmt leben können. Sie haben ein Recht auf ihren eigenen Lebensraum, ohne Einwirkung oder Einfluss des Menschen. Domestizierte Tiere dagegen können das nicht. Sie müssen sich mit dem Menschen ihren Lebensraum teilen und können keine vollständige Unabhängigkeit erlangen. Tierschutz bedeutet also jetzt, den Wildtieren ihren Lebensraum zu lassen und gleichzeitig für die domestizierten Tiere möglichst viel Freiheit mit echter Lebensqualität.

Eine Alm bietet Letzteres für die Tiere, die dort weiden dürfen. Maximale Freiheit und bestmögliche Lebensqualität. Doch die Alm schränkt gleichzeitig den Lebensraum der Wildtiere ein und nimmt ihnen ihr Recht auf Wildnis und Naturlandschaft. Nirgends kann man das besser sehen, als bei der Forderung der Almbauernschaft, den Wolf wieder auszurotten. Als Tierschützer_in muss man sich also fragen: was geht vor, das Lebensrecht des Wolfes oder das Recht auf Freiheit und Lebensqualität der Almtiere?

Ein bisschen erinnert mich das an die Diskussion über Jagdgatter, die jetzt in ganz Österreich verboten wurden, wenn auch mit Ausnahmen. Natürlich geht es den Wildschweinen im Jagdgatter besser, als den Schweinen in einer Tierfabrik. Abgesehen davon, dass sie bei der Gatterjagd einem absolut grauenvollen, lange andauernden Leid ausgesetzt werden, bleibt aber das Argument, dass Jagdgatter den Wald zerstören, also den Lebensraum von Wildtieren, und ihn auch noch mit Zäunen durchschneiden. Für mich war also immer schon neben dem sehr wichtigen Argument der Tierquälerei bei der Gatterjagd selbst, auch das Argument, dass die Wildtiere ein Recht auf Lebensraum haben, entscheidend. Der Mensch in seiner unendlichen Gier nimmt sich da einfach große Waldgebiete, zäunt sie sich ein und nutzt sie für seinen Lustgewinn – die Gatterjagd – ohne auch nur die geringste Rücksicht auf das Recht der Wildtiere.

Bei der Diskussion über die natürlich Einwanderung der Wölfe hören wir das „Argument“ von Jägerschaft und Almbauernschaft ständig: es gäbe keine Naturlandschaft in Österreich, nur mehr Kulturlandschaft, und deshalb hätten hier größere Wildtiere – außer man kann sie jagdlich nutzen – nichts verloren. Erstens stimmt das nicht wirklich, weil es auch hierzulande noch viele wilde Winkel gibt. Aber zweitens ist das ja nicht in Stein gemeißelt: wir könnten Kulturlandschaft, wie die Almen, aufgeben und wieder wild – also zu Naturlandschaft – werden lassen. Was spricht dagegen und wie sollte man das als Tierschützer_in beurteilen?

Faktum ist, dass das Tierschutzideal zweifellos eine große Naturlandschaft, in der sich die Wildtiere frei und ungestört entfalten können, beinhaltet. Faktum ist auch, dass die Tierhaltung auf Almen nur 3-4 Monate im Jahr andauert. Danach setzt die Ausbeutung und Tierquälerei ein. Jede Milchkuh, auch wenn sie als Kalbin kurzzeitig auf der Alm war, wird dann künstlich geschwängert und ihr Kind wird per Tiertransport ins Ausland geschafft. Auch wenn ein Ochse ein paar Monate auf der Alm war, wird er die meiste Zeit seines Lebens auf Vollspaltenboden stehen und grausam im Schlachthof getötet. Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass die Almhaltung ein Teil eines sehr brutalen Ausbeutungssystems ist, das wir als Tierschützer_innen als Ganzes niemals gutheißen dürfen.

Abgesehen davon gibt es den auch für Tiere sehr wichtigen Aspekt des Klimawandels und der Ressourcenbelastung durch die Tierindustrie, auch bei kurzzeitiger Almhaltung. Die meisten Almen sind völlig überweidet, sodass auch die Natur sehr darunter leidet, die wiederum den Lebensraum für Wildtiere bieten soll.

Unterm Strich ist also in meinen Augen klar: Die Almhaltung ist nicht an sich gut, vielmehr wäre es gut, wenn es viel weniger Rinder gäbe und damit einhergehend viel weniger Almen. Die Wildtiere haben ein Recht auf Lebensraum, der nicht von Menschen genutzt wird. Die domestizierten Tiere sind Teil der menschlichen Gesellschaft und nicht der Wildnis. Wenn sie in Letztere gebracht werden, dann leidet die Gemeinschaft der Wildtiere darunter. Domestizierte Tiere und Menschen sollten sich daher ihre Kulturlandschaft teilen, aber den viel größeren Bereich des Landes ungenutzt und unberührt lassen, und den Wildtieren zur Selbstorganisation zur Verfügung stellen.

Fakten zu: ein kritischer Blick auf Almen

Ich habe vor kurzem 6 Tage im westlichen Teil des Toten Gebirges in der Obersteiermark verbracht und mein Schlafplatz war sozusagen von 4 Almen eingekreist. Es war praktisch nicht möglich, mit meiner kleinen Tochter und schon gar nicht mit meinem uralten Hund, der keiner Kuh mehr davon laufen kann, auch nur ein bisschen zu wandern, ohne auf Kuh- oder Ochsenherden zu treffen. Zusätzlich war alles zugeschissen. Bei einer Wanderung auf einen nahen Gipfel musste ich gefühlte 100 Kackhaufen von Rindern übersteigen, konnte mich nirgends hinsetzen und nicht einmal meinen Rucksack abstellen, vom Gestank und der Menge Fliegen ganz zu schweigen. Das hat mich motiviert, bei meiner Rückkehr diesen kritischen Beitrag über Almen zu schreiben: https://martinballuch.com/ein-kritischer-blick-auf-almen/

Dabei hat sich gezeigt, dass es manche Personen als Sakrileg sehen, wenn man Almen kritisiert. Offenbar muss man als guter Österreicher Almen mögen. Dass zumindest in einem gewissen Teil der Bevölkerung diese Ansicht tatsächlich vorherrscht, merkt man spätestens daran, dass von seiten der Almbauernschaft damit gedroht wird, sie würden die Almen verlassen, wenn der Wolf nicht wieder ausgerottet wird. Ich glaube daher, es ist an der Zeit, meine angeführten Argumente im obigen Blogeintrag nun mit einigen Fakten zu unterlegen.

Da gibt es zunächst einmal den Mythos, dass wenn eine Alm aufgelassen wird und die Natur zurückkommt, diese ein unansehnliches Gestrüpp wäre, das niemand betreten wollen würde. Na schauen wir uns das einmal bei mir zu Hause am Hochschwab genauer an:

Schüttbaueralm, 1220 m, aufgelassen zwischen 1910 und 1927

Das ist die Schüttbaueralm auf 1220 m, seit etwa 100 Jahren aufgelassen. Es hat sich ein wunderschöner, lockerer Baumbestand gebildet. Es gibt (zum Glück) keine Forststraße auf diese ehemalige Alm, weil sie zu einer Zeit aufgelassen wurde, zu der man diese noch nicht so bauen konnte, wie heute. Die Folge ist, dass dieser Ort wunderschön ist, ein Mischwald durch den man wandern kann, und der große Ruhe ausstrahlt. Ich bin mir sicher, dass kein Mensch dieser Erde an dieser Stelle lieber eine dicke Forststraße, eine Herde Kühe und einen Haufen Kacke antreffen würde. Das ist undenkbar.

Nächstes Beispiel:

Hochalm, 1600 m, vor 1910 aufgelassen

Die ehemalige Alm ist die hellgrüne Fläche in der Mitte des Kessels, damals umgeben von Wiesen ohne Latschenfelder. Sie hieß Hochalm, lag auf 1600 m, also hier über der Baumgrenze, und wurde von Erzherzog Johann als eine sehr große Alm mit vielen Tieren beschrieben. Schaut man genau, sieht man, dass dort jetzt leider eine Jagdhütte steht. Aber obwohl ich häufig vorbeikomme, habe ich dort noch nie einen Jäger gesehen. Vermutlich bleiben die lieber unten bei den Forststraßen, ist bequemer. Da diese Alm bereits vor 1910 aufgelassen wurde, führt auch hier keine Forststraße hinauf. Vor Ort sieht man übrigens die Grundmauern von etwa 1 Dutzend Almhütten noch immer stehen. Zum Glück sind die weg, sehr erfreulich. Man sieht auch, dass im Fall von aufgelassenen Almen über der Baumgrenze die Latschenfelder zurückkehren. Sehr vorteilhaft für das Klima, weil auch diese Pflanzen gut 20 cm dicke Stämme ausbilden. Zum Wandern können sie mühsam sein, aber wie man sieht ist das hier nicht der Fall. Das Gras wird hier etwa 20-30 cm hoch und es wächst eine Vielzahl von Pflanzen. Ein wunderschönes, natürliches Ökosystem, das den Bewuchs auf jeder Alm in den Schatten stellt. Die Auflassung ist also auch hier eine Erfolgsstory.

Ein weiteres Beispiel:

Trawiesalm, 1240 m, vor 1910 aufgelassen

Ein Foto der weithin bekannten Trawiesalm, 1240 m, an einem der am häufigsten begangenen Wege auf den Hochschwab-Hauptgipfel. Sie ist ebenfalls schon vor 1910 aufgelassen worden. In meinen Kindheitstagen habe ich noch die alte Almhütte gesehen, die mittlerweile völlig verfallen und verrottet und unter einer Grasmatte versteckt ist. Hier ist ein Wäldchen entstanden, das wunderschön ist. Kein Mensch kann durch diese ehemalige Almfläche gehen, ohne sich über die Schönheit der Landschaft zu freuen. Hier ist auch eine Quelle, aus der zur Zeit der Almwirtschaft sicher nicht getrunken hätte werden können, weil die Kühe einfach überall hin kacken, und so auch in den Quellbereich. Auf der Trawiesalm trifft man immer wieder fröhliche junge Menschen, die hier zelten. Ein bisschen abseits vom Weg, zwischen den Bäumen, sind lauschige Zeltplätze. Auch das wäre zur Zeit der Almwirtschaft sicher nicht möglich gewesen.

Will die Almbauernschaft ernsthaft damit „drohen“, dass alle Almen zu so wunderschönen Plätzen werden könnten, wenn wir nicht wieder den Wolf ausrotten? Was für eine „Drohung“! Ja, bitte, ich würde mich freuen, wenn es überall so aussehen würde. Das wäre großartig!

In meinem ersten Blogeintrag erwähne ich, dass Almen zu Lawinentoten führen. Ich beziehe schon seit sehr vielen Jahren die Unfallberichte des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit. Und da finden sich immer wieder schreckliche Lawinenunfälle auf Almen, die ohne Alm nicht passiert wären. Hier ein Beispiel:

Lawinentote (Pfeil: Auffindungsort) auf der Stoißer Alm, 1333 m, am 5. 1. 2019

Am 5. Jänner 2019 wanderte eine 20 jährige Frau über die Stoißer Alm und wurde von einer Lawine verschüttet. Sie starb an der Unfallsstelle. Am linken Rand ist die Almhütte zu sehen. Der Bereich der Lawine wurde gerodet, um für eine Alm Platz zu schaffen. Deshalb gibt es hier keinen Bannwald mehr, der diese Lawine aufgehalten hätte. Im Hintergrund sieht man den Baumbestand ohne Alm. Dort ist keine Lawine abgegangen. Damit ist klar: diejenigen, die hier unbedingt eine Alm haben wollten, sind für den Tod dieser Frau verantwortlich.

Man könnte viele Beispiele dieser Art bringen. Hier zum Beispiel der Tirolerkogel:

Lawinentote am Tirolerkogel, 1330 m

Auf diesem Foto des Tirolerkogels sieht man deutlich, wie für die Alm der Wald gerodet worden ist. Vor wenigen Jahren fuhr dort eine Frau im Winter mit der Rodel über die Forststraße ab und wurde von einer Lawine getötet. Im Waldbereich daneben hat es keine Lawine gegeben.

Die Almbauernschaft verbreitet gerne die Behauptung, dass die Wanderer, und zwar vor allem jene, die auch in Pensionen nächtigen und Geld in der Region lassen, Almen lieben würden, und dem Wald vorziehen. Das ist aber nicht richtig. Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die das Gegenteil belegen.

Quelle: Pröbstl-Haider, U., Nina Mostegl und Anne Schlegel 2019: „Touristische Bedeutung des Wolfes“, in „Der Wolf. Im Spannungsfeld von Land- & Forstwirtschaft, Jagd, Tourismus und Artenschutz“, herausgegeben von Klaus Hackländer, Leopold Stocker Verlag, S. 129-148.

In diesem Artikel wird eine Untersuchung an der BOKU in Wien vorgestellt, in deren Rahmen 1003 Personen, davon 16,9 % Mountainbiker_innen und 83,1 % Wanderer, zu ihren Präferenzen bzgl. der Landschaft befragt wurden. Zunächst wurden den Teilnehmer_innen an der Studie verschiedene Bilder derselben Landschaft vorgelegt, wobei mittels Computer die Bewaldung zunehmend hinzugefügt, und die Forststraße und die Almhütte zunehmend entfernt bzw. verdeckt wurden. Dabei zeigte sich: am beliebtesten war jenes Foto mit dem meisten Wald und der wenigsten Alm.

In einer detaillierteren Untersuchung ergab sich dann, dass es zwei Wanderer-Typen gibt. Wanderer Typ 1 (72,5 % aller Befragten) stammt eher aus dem urbanen Raum, ist eher jünger (Mittel 47 Jahre) und höher gebildet, und bevorzugt mehr Wald und unberührte Natur, und weniger Alm und weniger durch den Menschen beeinflusste Landschaften. Der Wanderer Typ 2 dagegen (10,6 % der Befragten, also mit Abstand die Minderheit) stammt eher aus dem ländlichen Raum, ist eher älter (Mittel 51 Jahre) und weniger gebildet, und bevorzugt vom Menschen genutzte und geprägte Landschaften und Almen. Wanderer Typ 2 ist übrigens auch rabiat gegen den Wolf, während Wanderer Typ 1 nichts gegen den Wolf hat. Die Mountainbiker_innen mit 16,9 % sind im Mittel noch jünger (40 Jahre) mit einem noch höheren Bildungsgrad, und sie werten unberührte Landschaften und einen Wald höher als Almen.

Ammer und Pröbstl (Ammer U., Ulrike Pröbstl 1991: „Freizeit und Natur“, Hamburg, Berlin: Paul Parey) zeigen, dass ein Waldanteil von 50-70 % als positiver eingestuft wird, als waldfreie Almen. Hunziker (Hunziker M (2000): „Einstellungen der Bevölkerung zu möglichen Landschaftsentwicklungen in den Alpen“, Birmensdorf: Eidgenössische Forschungsanstalt WSL) bestätigt, dass die Urlauber_innen einer zunehmenden Verwaldung wesentlich weniger kritisch gegenüberstehen, als häufig angenommen wird.

Zur Bodenerosion auf alpinen Grasmatten gibt es nicht nur wissenschaftliche Untersuchungen. In praktisch jedem Wanderführer und von jedem Alpinen Verein wird darauf hingewiesen, dass man nicht parallel zu einem Weg gehen soll, weil dadurch die Grasnarbe zertrampelt wird und Erosion greifen kann. In einer Diplomarbeit von Raphaela Robens an der Uni München wurde die Erosion durch Trittbelastung genau heraus gearbeitet. Tritt man auf einen hochalpinen Rasen, dann wird durch das Gewicht die Grasnarbe physisch beschädigt. Bei Wiederholung löst sich der Trittrasen auf, es entstehen Vegetationslücken, Bodenteilchen werden gelöst und der Boden verdichtet. Die Erosion greift jetzt durch Regen und Schnee. In der Diplomarbeit wird auch explizit erwähnt, dass „Weidevieh“ durch sein größeres Gewicht die Grassoden löst, Pflanzen überrollt und die Böschungen destabilisiert. Die Folge ist, dass der dünne Erdboden abgelöst wird und unter Umständen der ganze Hang zu rutschen beginnt.

Typische Bodenerosion auf einer Alm

Wer die Quellschutzgebiete für die Wiener Wasserleitung im Hochschwab kennt, weiß, dass da mit verschiedenen Mitteln verhindert wird, dass jemand das unmittelbare Quellgebiet betritt geschweige denn dort seine Notdurft verrichtet. Der Grund ist klar: im Quellbereich abgesetzter Kot liefert permanent Kotbakterien in das Wasser und verseucht somit die Wasserqualität. Quellen auf Almen, die nicht in einer Weise eingefasst sind, dass die Rinder dort nicht hin können, werden auf diese Weise zwangsläufig verseucht. Kühe koten überall, wo sie leben. Sie koten daher auch auf die Quellen und sie koten auf die Bachverläufe darunter. Wasser, das von einer Alm kommt, darf daher nicht getrunken werden, ohne vorher sterilisiert zu werden, entweder chemisch oder durch Abkochen.

Kriechbaum et al. (Kriechbaum, Splechtna, Pennerstorfer, Pröbstl und Seiberl 2019: „Wolf ODER Artenvielfalt auf Almen: Ist das die Frage?“, in Der Wolf. Im Spannungsfeld von Land- & Forstwirtschaft, Jagd, Tourismus und Artenschutz“, herausgegeben von Klaus Hackländer, Leopold Stocker Verlag, S. 113-128) analysieren die Biodiversität auf Almen und kommen zu dem Schluss, dass mit Ausnahme der Bürstlingsrasen sämtliche auf Almwiesen anzutreffenden Pflanzenarten und 38 Lebensraumtypen nicht von einer Beweidung abhängig sind, d.h. auch ohne Beweidung vorkommen.

In demselben Artikel krisitieren die Autor_innen, dass zunehmend auf Almen Gülle ausgebracht werde, oft mit modernen Geräten auf den Zubringerstraßen, die mit Hochdruck den Kot 60 m weit auf große Flächen und steile Hanglagen verspritzen. Der Einsatz von Kraftfutter bei Milchkühen führt so zu einer völligen Überdüngung.

Zwischen dem Jahr 2000 und 2016 ist die Besatzdichte auf Almen um 65 % angestiegen. Magerweiden auf Hochalmen vertragen maximal 0,25 Großvieheinheiten pro Hektar, auf Mittelalmen sind es 0,75. Doch in von den Autor_innen untersuchten Almregionen in der Steiermark waren es im Durchschnitt 1,3 Großvieheinheiten pro Hektar, was deutlich über der maximalen Besatzdichte liegt. Von extensiver Weidewirtschaft kann nicht mehr gesprochen werden. Die zu intensive Beweidung wirkt sich sehr ungünstig auf die Pflanzengesellschaften aus. In ganz Österreich betrug die durchschnittliche Besatzdichte auf Almen im Jahr 2017 genau 1,05 Großvieheinheiten pro Hektar, mit steigendem Trend. Die Autor_innen schließen, dass die Sinnhaftigkeit von Beweidung anzuzweifeln ist, „da geeignete Lebensbedingungen für naturschutzfachlich relevante Arten an eine deutliche Extensivierung der Beweidung gebunden sind. Sollte dies nicht oder nur schwer möglich sein, wäre aus ökologischer Sicht das Endstadium Naturwald den gegenwärtigen (intensiven) Weideflächen vorzuziehen. Eine punktuelle oder kleinflächige Verbrachung und Verbuschung [ist] aus zoologischer und naturschutzfachlicher Sicht grundsätzlich positiv. Gründe dafür sind das Ausweich-, Refugial- und Wiederbesiedlungspotenzial dieser Flächen, ein stetes Angebot von Blüten (Nahrung, Lebensraum), ein stetiges Angebot an hoher Vegetation […] und kleinklimatisch günstige, stabilere Bedingungen in diesen Bereichen. Diese Einschätzung deckt sich mit zahlreichen anderen Studien.

Dass Rinder auf Almen, und zwar nicht nur Kühe, die ihre Kinder schützen, sondern auch Ochsen und Kalbinnen, aggressiv auf Hunde reagieren, ist allgemein bekannt. Bisher nirgends gelesen habe ich, dass sie durchaus auch auf Kleinkinder, egal ob in der Tragetasche oder zu Fuß, aggressiv reagieren können. Das ist mir nicht nur kürzlich im Toten Gebirge passiert, sondern gerade eben wieder erneut:

Diese Kalbinnen starren auf ein Kind, in dem sie offenbar nicht einen Menschen erkennen.

Als sich meine Tochter bewegt hat, zuckte eine der beiden Kalbinnen zusammen und senkte den Kopf. Eine dritte kam im vollen Galopp angerannt. Sie haben nicht anders reagiert, als wäre meine Tochter ein Hund gewesen.

Personen mit Beweidungsrecht auf Almen haben auch oft das Recht, dort eine Hütte zu bauen. Wird das Beweidungsrecht immer weiter gereicht, entstehen so auf Almen häufig ganze Hüttendörfer, wie hier auf der Augstwiesenalm:

Hüttendörfer auf Almen sind keine Seltenheit

Edna Hillmann von der ETH Zürich hat die Auswirkung von Kuhglocken auf 25 Schweizer Almen untersucht. Diese Glocken, die oft 5 kg schwer sind, werden den Tieren umgehängt, damit man sie schnell finden kann. Bei der Untersuchung wurde festgestellt, dass die Glocken einen Lärm von 100 – 113 Dezibel erzeugen, also etwa die Lautstärke eines Presslufthammers. Sowohl wegen dem Lärm als auch nur wegen dem Gewicht, aßen die Tiere mit Glocken deutlich weniger und hatten eine niedrigere Frequenz ihrer Kauschläge als die Kühe ohne Glocken.

„Europa“: ein Plädoyer für Wildnis und gegen die invasive Nutzung der Natur

Tim Flannery ist Biologe und Paläobiologe aus Australien mit europhiler Neigung. Insider_innen ist er für seine spannenden, informativen und sehr bereichernden Bücher bekannt, wie zuletzt „Die Klimawende“ von 2015 oder eben jetzt „Europa. Die Ersten 100 Millionen Jahre“, erschienen im Insel Verlag.

Dieses Buch ist ein Höllenritt durch die 100 Millionen Jahre, seitdem man von dem Kontinent Europa sprechen kann. Anfänglich ein Archipel im Tethysmeer, mit Inseln wie Hateg, auf denen giraffengroße Vögel mit 3 m langem Schnabel die Gegend unsicher gemacht haben, entwickelt sich eine Landmasse, auf der vor 30 Millionen Jahren Tiere wie das „Höllenschwein“ gelebt haben, oder der Hoplitomeryx auf der mittlerweile versunkenen Mittelmeerinsel Gargano, ein Hirsch mit 5 Hörnern, eines davon zwischen den Augen.

Ja, und dann kamen die Menschenaffen. Der erste vor etwa 25 Millionen Jahren entwickelte sich noch in Afrika, doch schon Griphopithecus (Urahn der heutigen Großen Menschenaffen) entsteht vor 17 Millionen Jahren in Europa, Nacholapithecus (der letzte gemeinsame Vorfahre von den Großen Menschenaffen) vor 13 Millionen Jahren ebenfalls in Europa, Hispanopithecus (Vorfahre von Gorilla, Schimpanse und Mensch) vor 11 Millionen Jahren ebenfalls in Europa und Graecopithecius, der früheste Vorfahre der menschlichen Abstammungslinie, vor 7 Millionen Jahren ebenfalls in Europa.

Dann verschwinden die Menschenaffen wieder und es kommen die Eiszeiten. Bis Homo erectus aus Afrika vor 1,8 Millionen Jahren in Europa einwandert. Vor 800.000 Jahren etwa beginnen die Neandertaler in Europa als einzige Menschenaffen zu leben. Sie dürften sich hauptsächlich als Jäger_innen von der eiszeitlichen Megafauna ernährt haben. Deshalb war ihre Populationsdichte sehr gering. Und dann kam vor 38.000 Jahren der heutige Mensch nach Europa, Homo Sapiens, und ab da ging es nur noch bergab.

Lustig: Homo Sapiens hatte eine deutlich höhere Populationsdichte als der Neandertaler, weil er eine wesentlich mehr pflanzenbasierte Ernährung hatte. Wie wir wissen sinkt die Populationsdichte einer Tierart, je mehr sie nur von Fleisch lebt. Wölfe sind viel seltener als Braunbären, z.B., die ja mehrheitlich vegetarisch leben. Laut Flannery war es die höhere Populationsdichte, die es dem Homo Sapiens ermöglichte, in kürzester Zeit den Neandertaler auszurotten: nicht aber ohne sich vorher mit ihm zu paaren und einen Gutteil seiner Gene zu übernehmen. Bis heute sind 40 % der Gene der Neandertaler in den jetzt lebenden Menschen vorhanden.

Dennoch, und weniger lustig: mit Hilfe seiner Feuerstein-Pfeil- und -Speerspitzen rottete der Mensch systematisch alle Tierarten aus, von den größten zu immer kleineren. Zuerst starb der Waldelefant in Europa aus, dann das Waldnashorn, dann das Steppennashorn, das Wollnashorn, der Höhlenbär, die Höhlenhyäne, das Wollmammut, der Riesenhirsch, der Moschusochse (in Europa), die Saiga-Antilope (in Europa), Leopard, Löwe, Steinbock (fast), Auerochse, Wisent, Bison, Elch, Rentier usw. Das lässt sich, laut Flannery, gut beweisen, weil Klimaänderungen dafür nicht verantwortlich sein können, und weil überall dort Restpopulationen existierten, wo es noch keine Menschen gab, die dann sofort mit Erscheinen des Menschen erloschen. Hirsch, Reh, Wolf und Bär überlebten nur in marginaler Zahl in isolierten Orten. Lediglich die kleineren Tiere ab Fuchsgröße konnte der Mensch nicht ausrotten, obwohl er sich redlich bemühte, weil er ihrer nicht in ausreichender Zahl habhaft werden konnte.

Jetzt versteht man, warum der Wald heute, was größere Säugetierarten betrifft, so leer wirkt. In Nordamerika, mit einer viel geringeren Populationsdichte, gibt es immerhin noch den Schwarzbär und den Puma. Und in Afrika kann sieht man auf einer Safari mit Leichtigkeit jeden Tag zahllose große Tiere, vom Elefanten über die Giraffen bis zu den Löwen. Ich brauche es nicht dazu erwähnen: Hirsch und Reh hat der Mensch sich extra für die Jagd gezüchtet, weshalb sie überleben durften. Aber alles andere musste gehen. Und nun sterben die Vogelarten und die Insekten rasant aus.

Doch es gibt Licht am Horizont. Zuletzt entwirft Flannery eine Utopie, die mich sehr beeindruckt. Er lädt uns zu einer Zeitreise 280 Jahre in die Zukunft ein. Die Menschen in Europa sind vernünftig geworden. Sie haben sich nicht weiter vermehrt und sind auf eine pflanzenbasierte Ernährung umgeschwenkt. Die meisten Menschen leben in Megastädten, umgeben von groß angelegten Treibhäusern, in denen sie ihre Nahrung ganzjährig anbauen. Doch zwischen diesen Megastädten herrscht die Wildnis und der Urwald. Keine Nutzung, weder forstlich noch landwirtschaftlich. Anfänglich, so entwirft Flannery die zukünftige Entwicklung, habe man noch große Nationalparks angelegt, in denen wieder eine Megafauna mit Waldelefant und Waldnashorn, Löwe, Leopard, Hyäne, Auerochse, Bison, Riesenhirsch usw. leben konnte. Dann, schließlich, wurden diese Nationalparks zusammengeschlossen und nahmen letztlich praktisch die gesamte Fläche ein. Menschen, die sich dieser Naturwelt ohne Waffen und invasiver Nutzung aussetzen wollen, leben im Urwald und den von der Steppenfauna geöffneten Wiesen. Der Rest der Menschheit in den Metropolen, die unterirdisch miteinander verbunden sind.

Europa hätte damit, so Flannery, die Zukunftsvision für die Menschheit entwickelt und die Verantwortung für die Erhaltung der Tierarten und der wilden Natur übernommen, um Afrika und Asien zu entlasten.

Wow, kann ich nur sagen. Wenn sich die Menschheit in diese Richtung entwickeln würde, dann könnte ich sie wieder lieb gewinnen. Ich wäre der erste, der sich um einen Platz im Urwald anstellen würde!

Flannery endet mit den Worten: „Hoffen wir, dass die heutige Generation eine Geburtshelferin mit Weitblick ist!“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ein kritischer Blick auf Almen

Die Bauernschaft und die Jägerschaft trompeten seit Erscheinen des ersten Wolfes in Österreich unisono, dass es nur die Alternative gäbe Wolf oder Almen. Beides vertrage sich nicht. Nun, erstens stimmt das überhaupt nicht. Wer einmal in den rumänischen Südkarpaten wandern war, wird bestätigen, dass dort überall bewirtschaftete Almen sind, und gleichzeitig alle Reviere mit Wolfsrudeln besetzt. Also sind die österreichischen Almbauern und Almbäuerinnen entweder zu blöd, Wolf und Almwirtschaft zusammen zu bringen, oder sie verweigern es absichtlich, aus Rumänien zu lernen. Vielleicht haben sie auch einfach keinen Respekt vor der Natur und wollen ohne Rücksicht nutzen, was sie können. Oder sie sind zu faul, umzudenken.

Wie auch immer, so baut ihr Schlachtruf „Wolf oder Alm“ darauf auf, dass man Almen für etwas Positives und Schützenswertes hält. Und tatsächlich gibts da eine Folklore, dass Almen irgendwie toll und naturnah wären. Dieser seltsamen Fantasterei möchte ich diesen Blog widmen. Nein, Almen sind grauenhaft. Sie zerstören Natur, verletzen und töten Menschen, und sie verhindern jede erholsame Wanderung. Bevor ich ins Detail gehe, möchte ich dennoch betonen, dass es für die betroffenen Rinder sicher besser ist, auf einer Alm zu sein, als – wie die restlichen 8-9 Monate des Jahres sowieso – unten im Tal in einem Stall, womöglich auch noch am Hals angekettet.

  1. Almen töten Menschen. Wiederholt sind auf Almen in den letzten Jahren Menschen von Rindern zertrampelt und getötet worden. Das betrifft zwar in erster Linie Menschen, die mit Hunden wandern, aber auch Kinder in Tragegurten. Seltsamerweise werden Rinder, wie ich selbst erst letzte Woche erleben musste, auch ziemlich aggressiv, wenn man mit einem Kleinkind in der Tragetasche vorbei wandert. Wenn fast überall Rinder gehalten werden, wird so die Wanderung mit einem Kleinkind zum Spießrutenlauf. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  2. Almen töten Menschen. Almen sind ja kein Naturraum. Sie entstehen durch Rodung von Bäumen und Latschen. Oft durch Brandrodung. Was bleibt ist eine Freifläche ohne Bannwald. Und das kann im Winter gefährlich werden. Regelmäßig sterben Menschen in Lawinen auf Almen, wie z.B. erst letzten Winter, weil sich ohne Bannwald Lawinen lösen, über die Freifläche fegen und Schi- oder Schneeschuhwanderer einfach töten. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  3. Almen verletzen Menschen. Auf Almen leben Rinder, oft über 100. Und die hinterlassen überall ihren Kot. So eine Kuhflade ist eine zeitlang sehr rutschig, wie eine Bananenschale, insbesondere wenn sie noch innen feucht ist. Eine Freundin von mir ist versehentlich auf eine solche Kuhflade getreten und hat sich dabei den Meniskus zerstört. Er wurde operativ entfernt und wenig später bekam sie ein Keramikknie. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  4. Almen verletzen Menschen. Almen sind oft abgezäunt. Das soll verhindern, dass die Rinder von einer zur nächsten Alm wechseln und sich dadurch mischen. Diese Zäune sind nicht selten mit Stacheldraht versehen. Will man da drüber steigen, kann man sich leicht verletzen. Eine Wanderkollegin stach sich einmal ein solches verschmutztes Drahtstück in den Oberschenkel, sodass sich eine Blutvergiftung entwickelte. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  5. Almen sind Kothaufen. Wer mit einem Hund auf einer Wiese spazieren geht, ist zumeist gesetzlich verpflichtet, den Kot des Hundes wegzuräumen. Nicht so bei Rindern auf der Alm. Dabei produziert ein Rind so viel Kot wie 20 Hunde. 100 Rinder auf einer Alm entsprechen also 2000 Hunden! Und so schauen unsere Berge auch aus! Will man über eine Alm auf einen Gipfel wandern, muss man oft 100 Kothaufen oder mehr übersteigen. Will man rasten, muss man den unerträglichen Kotgestank ertragen. Und oft gibt es keinen Platz mehr, sich hinzusetzen und den Rucksack abzustellen. Wer, bitte schön, wandert gerne in einer derart zugeschissenen Natur? Kein normaler Mensch, jedenfalls. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  6. Almen fördern die Erosion. Die alpinen Vereine werden nicht müde, die Wanderer dazu anzuhalten, insbesondere im Bereich alpiner Rasen auf den Wegen zu bleiben. Der Grund ist einfach: alpine Rasen, deren Narbe durch schwere Schuhe zerstört wurde, wachsen nur wenige Zentimeter pro Jahr wieder zu. Gehen mehrere Menschen also über dieselbe Rasenfläche, bricht bald der Rasen dauerhaft auf. Es fehlt dann das Netzwerk von Wurzeln, um die Erosion aufzuhalten. Man sieht das oft an steileren Stellen, wo Wanderer Abkürzungen nehmen. Im Extremfall rutscht dann der Hang weg. Umso schlimmer ist das aber bei Rindern! Die gehen natürlich, wo sie wollen, auch abseits von Wegen, und überall auf den Almen findet man Erosion und zerstörte Grasnarben. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  7. Almzäune zerschneiden Lebensräume. Die meisten Almen sind abgezäunt, wie gesagt, um das Wechseln der Tiere von einer zur anderen Alm zu verhindern. Aber Zäune zerschneiden den Naturraum. Wildtiere laufen im Dunkeln dagegen und verletzen sich am Stacheldraht. Einmal habe ich gesehen, wie ein Reh so schnell in einen Almzaun gelaufen ist, dass es sich das Genick gebrochen hat. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  8. Almen haben überdüngte Böden. Auf den allermeisten Almen werden deutlich mehr Tiere gehalten, als die Natur dort an Kot verträgt. Das Gebirge ist von vornherein ein sehr sensibles Ökosystem. Die harschen Winter und die kurzen Sommer machen es den Lebewesen schwer, dort zu bestehen. Eine drastische Überdüngung, wie das auf den meisten Almen jährliche Praxis ist, führt zu einer Versauerung des Bodens und vernichtet autochthone Pflanzengesellschaften. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  9. Almen schädigen das Klima. Es ist seit langem bekannt, dass die Rinderhaltung ein massiver Klimakiller ist. Die Haltung auf Almen verbessert da die Klimabilanz nicht, zumal das CO2-Äquivalent ja in Form von Methan aus den Mägen der Rinder kommt. Aber ich spreche von den Almen an sich. Und die sind, wie gesagt, durch Rodung entstanden. Ein Wald, vor allem ein alter Wald, bindet aber sehr viel CO2 in seinen Holzstämmen. Ohne Wald fehlt diese CO2-Senke und die Klimakrise beschleunigt sich. Das trifft auch auf Almen oberhalb der Baumgrenze zu. Dort wachsen nämlich Latschen, die auch Stämme von 20 cm Durchmesser und mehr bilden können. Auch die würden tagaus tagein CO2 aus der Atmosphäre ziehen. Aber aufgrund der Almen gibt es diese Latschenfelder nicht mehr und die Klimakrise wird verschlimmert, statt behoben. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  10. Almen vernichten Wald. Es erstaunt mich immer wieder, wie offensichtlich für viele Menschen hierzulande der Skandal ist, dass im Regenwald brandgerodet wird, um Weiden für Rinder zu erzeugen. Aber die Brandrodung unserer heimischen Bannwälder, um via Almen ebenfalls Weiden für Rinder zu erzeugen, soll irgendwie gut und naturverträglich sein? Nein, Ökosysteme werden dadurch zerstört, hier wie da. Umfragen ergeben seit 20 Jahren bereits, dass die Menschen für ihre Erholung eine Landschaft mit 80 % Wald bevorzugen. Durch die Vernichtung des Waldes schädigen Almen also nicht nur die Natur, sondern verhindern auch die optimale Erholungswirkung für Menschen. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  11. Almen erfordern Forststraßen. Almzubringer nennen sie das. Und es sei selbstverständlich notwendig. Von wem könne man verlangen, zu Fuß auf die Alm zu gehen? Noch dazu mit Rindern? Die Folge sind Forststraßen, die schon im Wald zur Holzgewinnung die schlimmsten Narben in die Natur reißen, die aber über der Baumgrenze überhaupt nur mehr den Almen geschuldet sind. Jeder kleinste Winkel wird erschlossen, jede wunderschöne Almwiese mit Baggern zu einer Großbaustelle, deren Resultat eine oft 5 m breite, unterschotterte Straße ist. Befahren zumeist von faulen Jäger_innen, die zwar von der Natur schwärmen, aber in Wahrheit heute keinen Schritt mehr gehen wollen, um Tiere zu erschießen. Überall gibt es mittlerweile Bürgerinitiativen gegen diese Almzubringer. Menschen wollen die letzten Reste unberührter Natur retten. Doch die Almwirtschaft fährt über diese Bedürfnisse rücksichtslos drüber. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  12. Almen verseuchen das Quellwasser. Wie wunderschön, wenn klares Wasser direkt aus dem Berg sprudelt. Nichts schmeckt besser! Außer es sprudelt auf einer Alm. Dann darf man das Wasser nicht trinken, sondern muss es abkochen, wie z.B. auf der Henaralm im Toten Gebirge. Wer es dennoch einfach so trinkt, darf kotzen gehen, wie mein Wanderkollege. Jeder Wanderführer warnt davor, aus einem Bach zu trinken, in dessen Oberlauf eine Alm liegt. Und aus gutem Grund. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!
  13. Almen produzieren massenweise Fliegen. Wer auf hochalpinem Rasen wandert, wird normalerweise wenig Fliegen antreffen. Im Almbereich kann man sich kaum hinsetzen und jausnen, weil da so viele Fliegen kommen. Die Erklärung ist einfach. Fliegen legen ihre Eier auch in Kothaufen und Kuhfladen. Dort schlüpfen dann die Gülle- und Kotmaden, die sich am Kot gütlich tun, zu Fliegen werden und wieder ihre Eier legen. Kein Wunder, dass nicht nur die Kühe sondern auch die Wanderer auf der Alm im Fliegenschwarm ertrinken. Vielen Dank, liebe Almbauern und -bäuerinnen!

Wie ist das mit Wölfen? Töten die regelmäßig Menschen, oder verletzen sie? Zerstören die Ökosysteme, verschandeln die Natur, kacken unsere Berge zu, vernichten den Wald und bedrohen das Klima? Wenn – ja, wenn! – es darum ginge, Wald oder Wolf, dann wäre die vernünftige Antwort klar: der Wolf ist ein positiver Faktor im Ökosystem und keine Gefahr für Menschen, die Alm ein extrem negativer Faktor und sehr wohl eine Gefahr für Menschen.

Das einzige Argument, das für Almen vorgebracht werden kann, ist, dass eine Wiese im Mittel eine größere Artenvielfalt aufweist, als ein Wald oder ein Latschenfeld. Auch wenn die Wiese künstlich geschaffen wurde. Naja, es gibt gerade über der Baumgrenze sehr viele natürliche Wiesen, die ohne die Überdüngung durch Almen sogar eine viel größere Artenvielfalt hätten. Und unter der Baumgrenze sind die natürlichen Wiesen nur deshalb rar, weil die Menschheit in ihrer unendlichen Weisheit die großen Säugetiere ausgerottet hat, wie den Auerochsen und den europäischen Steppenbison bzw. deren Hybrid, das Wisent, die solche Freiflächen schaffen würden. Diese Tiere wären mir 1000 x lieber, als die Haufen domestizierter Rinder aus der Hochleistungszucht, ob für den Fleischansatz oder die Milchproduktion, auf den Almen. In den Südkarpaten bin ich wilden Bisons begegnet, die mühsam nachgezüchtet und dort wieder ausgesetzt worden sind. Es war ein wunderschönes Erlebnis. Bei der Begegnung mit den völlig verkoteten Almen dreht sich mir der Magen um.

Und das ist meine Vision: weg mit den Almen, eine vegane Gesellschaft ohne Rindernutzung, und wieder Einbürgerung von Auerochse und europäischem Bison. Rumänien zeigt, dass zumindest Letzteres funktionieren könnte. Würden wir vegan leben, dann könnten 75 % der Ackerflächen wieder renaturiert werden. Genügend Platz für Wolf, Bär, Luchs und Bison!

Eine interessante Utopie aus berufenem Munde, die diese Vision auf die Spitze treibt, beschreibt Tim Flannery in seinem Buch „Europa. Die Ersten 100 Millionen Jahre“. Ganz ohne Almen. https://martinballuch.com/europa-ein-plaedoyer-fuer-wildnis-und-gegen-die-invasive-nutzung-der-natur/

Wissenschaftliche Referenzen und weitere Fakten zu diesem Beitrag finden sich hier: https://martinballuch.com/fakten-zu-ein-kritischer-blick-auf-almen/