Wildnis

Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas

Das Buch heißt „Verlorene Welten“, ist 2019 in zweiter Auflage im Klett-Cotta Verlag erschienen und vom Schweizer Aram Mattioli, Universitäts-Professor für Neueste Geschichte an der Uni Luzern, geschrieben. Der Spoiler gleich zu Beginn: ein großartiges Buch, das bei weitem Beste über die Geschichte der Indianer_innen Nordamerikas, das ich bisher gelesen habe. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Und zwar nicht, weil es so spannende Wild-West Geschichten erzählt, sondern weil es in deutlichen Worten klar macht, dass die Unterdrückung und weitgehende Vernichtung der Ureinwohner_innen Nordamerikas ein ungeheuerliches Verbrechen war und ist.

Zu Anfang reflektiert der Autor über 3 Seiten hinweg, welche Bezeichnungen er verwenden wird und welche nicht. So empfindet er das Wort „Stamm“ als abwertend und ersetzt es durch Nation. Auch das Amerikanische Wort „Indian“ oder „American Indian“ ist für ihn abwertend, deswegen verwendet er First Peoples, Native Americans oder das deutsche Wort „Indianer“. Letzteres wurde in seinen Augen nie abwertend verwendet. Deshalb bleibe auch ich bei „Indianer_innen“.

Das Buch rekonstruiert sehr schön den Werdegang der Westexpansion durch die USA. Unter dem englischen König wurden die Appalachen 1763 als westliche Siedlungsgrenze festgelegt. Nach der Revolution und der Unabhängigkeitserklärung der USA, legte die neue Regierung den Mississippi als neue Grenze fest. Bis 1824 wird ein Indianerbüro im Kriegsministerium gegründet. Zum dem Zeitpunkt sah man die Indianer_innen also als feindliche Macht außerhalb des eigenen Staates an. Mit dem „Indian Removal Act“ legte man sich auf die Linie fest, die Indianernationen auf amerikanischem Staatsgebiet über den Mississippi nach Westen zu deportieren.

Diese Deportationen waren richtige Todesmärsche über tausende Kilometer. Wer nicht mithalten konnte, wurde erschossen. Die Cherokee z.B. verloren auf diesem Marsch 1838 ein Viertel ihrer Nation. Auf diese Weise gründete man das „Indian Territory“ im heutigen Bundesstaat Oklahoma, das schließlich am 22. April 1889 durch den ersten „Oklahoma Land Run“ erst wieder unter weißen Siedler_innen aufgeteilt wurde. Das ist ein Vorgang, der ständig wiederholt wird: man gibt einer Indianernation per Vertrag eine Region, die zwar deutlich kleiner als ihr eigentliches Gebiet war, aber wo sie immerfort würden leben können. Und dann verkleinert man diese Region zu Reservaten, die später weiter verkleinert werden, bis die Indianer_innen völlig verelenden.

Im Goldrausch von Kalifornien, der 1849 beginnt, kommen die Indianer_innen der Pazifikküste unter die Räder. Ein Mob von Neusiedler_innen massakriert sie ohne jede staatliche Kontrolle. Mehrere Bundesstaaten erlassen sogar Gesetze, dass Weiße Indianer_innen jederzeit ungestraft töten dürfen, ja es wird sogar Kopfgeld auf Indianer_innen ausgesetzt. Wer den Beweis der Ermordung eines Indianers oder einer Indianerin erbringt, bekommt das Geld. Und Soldaten der US-Armee werden mit Preisgeldern belohnt, wenn sie an Massakern teilgenommen haben.

1853 schließlich entsteht die Idee, alle Indianernationen in Reservate zu zwängen. Das Indianerbüro wird vom Kriegs- ins Innenministerium verlegt. Die Indianer_innen werden also von jetzt ab als innerstaatliches Problem gesehen. Mit dem Homestead Act 1862 von Präsident Lincoln beginnt die radikale Unterwerfung der Prärie-Indianer_innen, die 1886 endet. Die US-Armee verübt dennoch am 29. Dezember 1890 ein letztes Massaker an einer Indianernation, den Lakota am Wounded Knee.

Gab es um 1500 in Nordamerika noch etwa 10 Millionen Indianer_innen und keine Weiße, so waren es 1750 nach zahlreichen großen Pandemien nur noch 1,5 Millionen Indianer_innen und bereits 1,25 Millionen weiße Siedler_innen. Im Jahr 1900 schließlich lebten nur mehr 237.000 Indianer_innen auf 2,3 % der Fläche der USA, während 76 Millionen Weiße den Rest beanspruchten. 1907 beantragten tausende Indianer_innen beim Kongress die Gründung eines eigenen indianischen Bundesstaates mit dem Namen „Sequoyah“. Doch Präsident Theodore Roosevelt, der Cowboy als Präsident und große Indianerhasser, lehnte ab. Er hatte 1886 in einer öffentlichen Rede gemeint: „Ich gehe nicht so weit zu sagen, nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer, aber das trifft auf 9 von 10 von ihnen zu, wobei ich mir den 10. lieber nicht zu genau anschaue.“

Wildes versus zivilisiertes Leben

Die Verfassung der USA von 1776 gilt als weltweit erste Menschenrechtsdeklaration. Und dennoch waren eigentlich und unausgesprochen nur Weiße gemeint. Es gab weiterhin Sklaverei von Schwarzen und es gab Massaker an Indianer_innen, die nicht als Personen gesehen wurden. Indianer_innen galten vor Gericht z.B. nicht als Zeug_innen. Die Begründung dafür war ein tief sitzender Rassismus, der in Essenz Indianer_innen (und Schwarze) mehr mit Tieren als mit Menschen gleich setzte. Der „primitive“ Mensch im wilden Naturzustand versus der „höherentwickelte“ Mensch in der Zivilisation.

Gutmeinende, aufgeklärte Bürger_innen der USA sahen die Lösung des „Indianerproblems“ in der Umerziehung zum zivilisierten Menschen. Tausende Indianerkinder wurden mit Gewalt ihren Eltern entrissen und in verschiedenen Internaten quer durch die USA zwangserzogen. Man schnitt ihnen die Haare – weil anständige Männer kurze Haare haben -, man steckte sie in Anzüge, man zwang sie nur noch englisch zu sprechen, man drillte sie militärisch, man bestrafte sie mit Gewalt und man versuchte ihnen elementare Bildung einzutrichtern. Allerdings ging man davon aus, dass sie eh nichts verstehen würden und in der Gesellschaft nicht aufsteigen könnten, und so beließ man es bei einem Minimum.

Dieser Ethnozid (O-Ton Autor Mattioli), dieser Versuch, das Indianische in den Indianer_innen zu töten und sie zu zwangsassimilieren, führte zu furchtbaren Tragödien, Selbstmorden und vielen missbrauchten Kinderseelen. Auf jeder dieser Schulen mussten große Friedhöfe für die gestorbenen Schüler_innen errichtet werden.

In der Tierrechtsbewegung gibt es das Ansinnen, alle Wildtiere zu zivilisieren, um die Gewalt unter den Tieren zu reduzieren. Diese Einstellung dürfte jener gegenüber den Indianer_innen damals ähnlich sein. Zweifelsohne wollten die Indianer_innen diesen „Segen“ der Zivilisation nicht. Ich gehe davon aus, dass es bei Wildtieren nicht anders ist.

Die Wildnis zivilisieren

In den publizierten Meinungsäußerungen damals schwingt ständig die Ansicht mit, die Wildnis sei lebens- und menschenfeindlich, sie müsse daher zivilisiert werden. Die große Prärie z.B. wurde gezielt in Acker- und Weideland umgewandelt, worauf man total stolz war. Endlich war das Land produktiv und nutzbar. Dafür mussten neben den Indianer_innen auch z.B. die Bisons und die Wölfe sterben. Die Bisons schoss man systematisch zusammen. Von zig Millionen noch vor 200 Jahren blieben lediglich 800 übrig, die man in einem rasch eingerichteten Reservat zu schützen begann. Aber nicht, um Wildtiere oder gar eine Wildnis zu erhalten. Sondern mit dem klaren Kalkül, sie als jagdbares Großwild für die Jägerschaft zu verfügbar zu halten. Präsident Theodore Roosevelt war stolzer Großwildjäger und auf ihn ging diese Idee zurück.

Dasselbe hat man in Österreich gemacht, ein paar 100 Jahre davor. D.h. man hat die Wildnis zivilisiert, indem man den Wald in den Bergen gerodet, Bison, Auerochse, Elch und Wisent, und später auch Luchs, Wolf und Bär ausgerottet und Almen errichtet hat. Und heute ist man darauf immer noch stolz.

Prof. Kotrschal und Doz. Poteser zu Almen

An und für sich sollen Fakten für sich selbst sprechen. Es dürfte nicht notwendig sein, anerkannte Fachautoritäten zu zitieren, um den eigenen, bereits durch Fakten belegten Worten mehr Gewicht zu verleihen. Im Fall meiner Kritik an Almen hat aber die gesamte Almbauernschaft zum Shotstorm intern aufgerufen und meine Beiträge 1500 Mal geteilt. Die Botschaft: der Balluch ist ein singulär Verrückter. Niemand sonst würde etwas so Absurdes sagen. Da braucht man dann gar nicht auf die Fakten und Argumente einzugehen.

Lassen wir Univ-Prof. Dr. Kurt Kotrschal zu Wort kommen, siehe https://tierisch.heute.at/a/50692642/w%C3%B6lfe–der-tod-f%C3%BCr-die-heimische-almwirtschaft

Wortwörtlich steht in diesem Artikel u.a.:

Den Almwiesen geht es nicht gut

Ökologisch wertvoll sind etwa die bunten Borstgrasrasen der Almen. Ihr Erhaltungszustand ist aber nur in Frankreich günstig, in Österreich, Deutschland und Slowenien unzureichend und in Italien sogar schlecht. Daran ist aber nicht der Wolf schuld. Oft werden zu viele Tiere aufgetrieben, was zu Überweidung führt.

Immer mehr an verspritzter Gülle tötet die wertvolle Fauna und Flora der Almwiesen.

Sie verarmen genetisch und werden durch Über- bzw. Unternutzung geschädigt. Um das Verbuschen der Almwiesen zu verhindern, werden sie „geschwendet, die Alpenrosen, Wacholdersträucher, etc. mit schweren Maschinen gehäckselt. Das vernichtet nicht nur die Zwergsträucher, sondern vernichtet auch empfindlichen Böden, die in diesen Höhenlagen tausende Jahre brauchen, um zu entstehen.

Almen auch ohne Beweidung?

Tatsächlich sind keine der als bedroht gelisteten Pflanzen- und Tierarten der Almen an Weidewirtschaft gebunden. Die Befürchtung ist also unbegründet, diese Arten gingen durch die Aufgabe der Beweidung verloren. Alpine Matten können gar nicht bewalden, da sie oberhalb der Baumgrenze liegen. Verschwinden werden nur die Almen unter der Baumgrenze, wo Beweidung ökologisch sogar schädlich ist. Darüber bildet alpines Grasland die charakteristische Vegetation. Gerade sie wird aber durch eine ungeregelte Beweidung geschädigt.

Die hier zitierten Fakten ähneln den von mir angeführten, siehe https://martinballuch.com/fakten-zu-ein-kritischer-blick-auf-almen/

Ein Artikel im medi.um von Doz. Dr. Michael Poteser, promovierter Biologe und Umwelttoxikologe, schlägt in dieselbe Kerbe. Es geht hier darum, die wirtschaftliche Nutzung wenigstens von einigen Teilen der Österreichischen Berge einzustellen und die Wildnis wieder Wildnis sein zu lassen.

Wörtlich: Unsere Sichtweise ist vom echten Naturerlebnis so entwöhnt, dass Naturschutz für uns schon der Schutz des bestellten Feldes ist, nichts anderes ist der wirtschaftlich genutzte Wald. Diese Einstellung aber führt zu der schweren Krise, in der sich die Biodiversität in diesem Land befindet. Wir brauchen Naturräume, die von der Last wirtschaftlicher Nutzung [z.B. durch Almen] befreit sind, um neben dem weitaus überwiegenden Anteil schwer belasteter Natur zumindest ein kleines Reservoir an ökologischer Vielfalt zu erhalten.

Mit anderen Worten: Es gibt Menschen, die glauben, Almen sind ein Naturraum und Rinder kommen dort natürlich vor, ja sind dort zu Hause. Und Naturschutz bedeutet dann diese Almen zu schützen und die Rinder dort zu lassen. Das ist eine sehr naturferne Ansicht. Wer einmal ein nicht wirtschaftlich genutztes, sondern unberührtes Stück Natur gesehen und gefühlt hat, kennt den Unterschied. Naturschutz widerspricht Naturnutz in jeder Form.

Doz. Dr. Poteser sagt in dem Artikel auch: Österreich ist ein verhältnismäßig kleines Land. Bis auf ganz wenige Ausnahmen wird das gesamte Staatsgebiet wirtschaftlich genutzt und es gibt Naturräume bescheidener Größe, in welchen sich ökologische Systeme ohne den direkten Einfluss des Menschen entfalten können. […] [D]ie Natur [wird] nur so weit geduldet […], wie sie nicht die kommerziellen Erträge schmälert

Almen sind hier mit Naturräumen jedenfalls nicht gemeint. Almen sind wirtschaftlich genutzte Flächen, für die genau diese Aussage gilt: Natur, wie Wolf, Bär oder Bison, wird nur so weit geduldet (also gar nicht), soweit sie die kommerziellen Erträge nicht schmälert.

„Europa“: ein Plädoyer für Wildnis und gegen die invasive Nutzung der Natur

Tim Flannery ist Biologe und Paläobiologe aus Australien mit europhiler Neigung. Insider_innen ist er für seine spannenden, informativen und sehr bereichernden Bücher bekannt, wie zuletzt „Die Klimawende“ von 2015 oder eben jetzt „Europa. Die Ersten 100 Millionen Jahre“, erschienen im Insel Verlag.

Dieses Buch ist ein Höllenritt durch die 100 Millionen Jahre, seitdem man von dem Kontinent Europa sprechen kann. Anfänglich ein Archipel im Tethysmeer, mit Inseln wie Hateg, auf denen giraffengroße Vögel mit 3 m langem Schnabel die Gegend unsicher gemacht haben, entwickelt sich eine Landmasse, auf der vor 30 Millionen Jahren Tiere wie das „Höllenschwein“ gelebt haben, oder der Hoplitomeryx auf der mittlerweile versunkenen Mittelmeerinsel Gargano, ein Hirsch mit 5 Hörnern, eines davon zwischen den Augen.

Ja, und dann kamen die Menschenaffen. Der erste vor etwa 25 Millionen Jahren entwickelte sich noch in Afrika, doch schon Griphopithecus (Urahn der heutigen Großen Menschenaffen) entsteht vor 17 Millionen Jahren in Europa, Nacholapithecus (der letzte gemeinsame Vorfahre von den Großen Menschenaffen) vor 13 Millionen Jahren ebenfalls in Europa, Hispanopithecus (Vorfahre von Gorilla, Schimpanse und Mensch) vor 11 Millionen Jahren ebenfalls in Europa und Graecopithecius, der früheste Vorfahre der menschlichen Abstammungslinie, vor 7 Millionen Jahren ebenfalls in Europa.

Dann verschwinden die Menschenaffen wieder und es kommen die Eiszeiten. Bis Homo erectus aus Afrika vor 1,8 Millionen Jahren in Europa einwandert. Vor 800.000 Jahren etwa beginnen die Neandertaler in Europa als einzige Menschenaffen zu leben. Sie dürften sich hauptsächlich als Jäger_innen von der eiszeitlichen Megafauna ernährt haben. Deshalb war ihre Populationsdichte sehr gering. Und dann kam vor 38.000 Jahren der heutige Mensch nach Europa, Homo Sapiens, und ab da ging es nur noch bergab.

Lustig: Homo Sapiens hatte eine deutlich höhere Populationsdichte als der Neandertaler, weil er eine wesentlich mehr pflanzenbasierte Ernährung hatte. Wie wir wissen sinkt die Populationsdichte einer Tierart, je mehr sie nur von Fleisch lebt. Wölfe sind viel seltener als Braunbären, z.B., die ja mehrheitlich vegetarisch leben. Laut Flannery war es die höhere Populationsdichte, die es dem Homo Sapiens ermöglichte, in kürzester Zeit den Neandertaler auszurotten: nicht aber ohne sich vorher mit ihm zu paaren und einen Gutteil seiner Gene zu übernehmen. Bis heute sind 40 % der Gene der Neandertaler in den jetzt lebenden Menschen vorhanden.

Dennoch, und weniger lustig: mit Hilfe seiner Feuerstein-Pfeil- und -Speerspitzen rottete der Mensch systematisch alle Tierarten aus, von den größten zu immer kleineren. Zuerst starb der Waldelefant in Europa aus, dann das Waldnashorn, dann das Steppennashorn, das Wollnashorn, der Höhlenbär, die Höhlenhyäne, das Wollmammut, der Riesenhirsch, der Moschusochse (in Europa), die Saiga-Antilope (in Europa), Leopard, Löwe, Steinbock (fast), Auerochse, Wisent, Bison, Elch, Rentier usw. Das lässt sich, laut Flannery, gut beweisen, weil Klimaänderungen dafür nicht verantwortlich sein können, und weil überall dort Restpopulationen existierten, wo es noch keine Menschen gab, die dann sofort mit Erscheinen des Menschen erloschen. Hirsch, Reh, Wolf und Bär überlebten nur in marginaler Zahl in isolierten Orten. Lediglich die kleineren Tiere ab Fuchsgröße konnte der Mensch nicht ausrotten, obwohl er sich redlich bemühte, weil er ihrer nicht in ausreichender Zahl habhaft werden konnte.

Jetzt versteht man, warum der Wald heute, was größere Säugetierarten betrifft, so leer wirkt. In Nordamerika, mit einer viel geringeren Populationsdichte, gibt es immerhin noch den Schwarzbär und den Puma. Und in Afrika kann sieht man auf einer Safari mit Leichtigkeit jeden Tag zahllose große Tiere, vom Elefanten über die Giraffen bis zu den Löwen. Ich brauche es nicht dazu erwähnen: Hirsch und Reh hat der Mensch sich extra für die Jagd gezüchtet, weshalb sie überleben durften. Aber alles andere musste gehen. Und nun sterben die Vogelarten und die Insekten rasant aus.

Doch es gibt Licht am Horizont. Zuletzt entwirft Flannery eine Utopie, die mich sehr beeindruckt. Er lädt uns zu einer Zeitreise 280 Jahre in die Zukunft ein. Die Menschen in Europa sind vernünftig geworden. Sie haben sich nicht weiter vermehrt und sind auf eine pflanzenbasierte Ernährung umgeschwenkt. Die meisten Menschen leben in Megastädten, umgeben von groß angelegten Treibhäusern, in denen sie ihre Nahrung ganzjährig anbauen. Doch zwischen diesen Megastädten herrscht die Wildnis und der Urwald. Keine Nutzung, weder forstlich noch landwirtschaftlich. Anfänglich, so entwirft Flannery die zukünftige Entwicklung, habe man noch große Nationalparks angelegt, in denen wieder eine Megafauna mit Waldelefant und Waldnashorn, Löwe, Leopard, Hyäne, Auerochse, Bison, Riesenhirsch usw. leben konnte. Dann, schließlich, wurden diese Nationalparks zusammengeschlossen und nahmen letztlich praktisch die gesamte Fläche ein. Menschen, die sich dieser Naturwelt ohne Waffen und invasiver Nutzung aussetzen wollen, leben im Urwald und den von der Steppenfauna geöffneten Wiesen. Der Rest der Menschheit in den Metropolen, die unterirdisch miteinander verbunden sind.

Europa hätte damit, so Flannery, die Zukunftsvision für die Menschheit entwickelt und die Verantwortung für die Erhaltung der Tierarten und der wilden Natur übernommen, um Afrika und Asien zu entlasten.

Wow, kann ich nur sagen. Wenn sich die Menschheit in diese Richtung entwickeln würde, dann könnte ich sie wieder lieb gewinnen. Ich wäre der erste, der sich um einen Platz im Urwald anstellen würde!

Flannery endet mit den Worten: „Hoffen wir, dass die heutige Generation eine Geburtshelferin mit Weitblick ist!“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Flucht in den Urwald!

In Österreich gibt es schon ganz erstaunlich schöne Naturjuwelen! Natürlich, wir haben keine großen Urwälder mehr, aber wie ein Fleckerlteppich ziehen sich Primärwälder und naturnahe Sekundärwälder durch die Berge Ostösterreichs. Platz genug, um aus der Zivilisation zu flüchten.

Letzte Woche war es wieder einmal so weit. Ich musste mit dem Zelt hinaus in den unberührten Wald. 7 km vom nächsten Haus, 22 km vom nächsten Dorf und 45 km vom nächsten richtigen Ort entfernt, haben wir unser Zelt aufgeschlagen. Ein echter Urwald. Einer der wenigen.

Wir wollten einfach einmal dort bleiben. Uns hinlegen und die Baumriesen entlang in den Himmel schauen, der langsam düster wird. Der Schrei des Waldkauzes, Wühlspuren einer Wildschweingruppe, Kot von Rothirschen und Rascheln im Unterholz. Dann kam ein Gewitter.

Es ist so wunderbar, diese Urgewalten zu spüren. Unangenehm vielleicht, hilflos ausgeliefert, aber mit einem Urvertrauen der Natur gegenüber. Um wieviel schöner wäre es, würden hier Bär, Wolf und Luchs die Wälder durchstreifen! Almen gibt es weit und breit nicht, im zig Kilometer Umkreis.

Am nächsten Tag streifen wir durch den Wald. Da, ein Schrei, ein Adler, keine 15 m über uns zwischen den Bäumen! Später treffen wir auch eine Höllenotter. Und sehen ein Mäuschen einen umgefallenen Urwaldriesen entlang huschen.

In der Fantasie stelle ich mir vor, wie unfassbar schön es wäre, wenn von hier bis Wien kein Mensch leben würde, keine Forststraßen und Kahlschläge den Wald verunstalten, keine Jagdstände und Hirschgatter die Natur verschandeln. Ich würde mich so frei fühlen, so wunderbar. Und in dieser Umgebung gelingt mir das auch für einige Augenblicke. Ich habe die Wildnis gespürt.

Ich bin so froh, dass meine Tochter das erleben darf. Und sie ist glücklich hier. Wildnis und Natur sind für sie bereits wie selbstverständlich. Mit allem kann sie spielen! Da merke ich erst, wie das Plastikspielzeug in der Zivilisation lediglich ein schwacher Ersatz für das Wirrwarr von Ästen, Tannenzapfen, Moosen, Blumen und all der Dinge ist, die man im Wald so findet. Als wir auf ein Feld von Walderdbeeren stoßen, klatscht sie begeistert in die Hände.

Hat sie keine Angst gehabt, im dunklen Wald, fragt mich eine Frau, nachdem wir zurück gekommen sind. Nein. Überhaupt nicht. Keine Spur. Die Gefahr in der Zivilisation Gewalttäter_innen oder Kinderpornograf_innen in die Hände zu fallen, ist viel höher, wie uns das Beispiel in Deutschland zeigt, als im Urwald Opfer der Naturgewalten zu werden. Unvergleichbar viel höher. Meine Tochter empfindet die wilde Natur nicht als feindlich, sondern als freundlich.

Es ist so wichtig dieses Wilde zu erhalten, als Eigenwert für sich selbst und für die Tiere, die dort unbehelligt wohnen, aber auch für unsere nachkommenden Generationen!

Buchrezension: „Wildkräuter Outdoor Küche für Kinder“, Freya Verlag

In der Natur mit Kindern und vegan – eine Kombination so ganz nach meinem Geschmack. Unsere Kinder bestimmen die Zukunft unserer Gesellschaft, und da insbesondere, wie mit der Natur und den Tieren umgegangen wird. Deshalb halte ich es für sehr wichtig, mit den eigenen Kindern sehr häufig draußen in möglichst unberührter Natur zu sein. Damit meine ich nicht, in den Bergen von einem Gipfel zum nächsten zu rasen, sondern einfach draußen sein, der Natur zuhören, sie ansehen und alles auf sich wirken lassen. Am besten geht das natürlich, wenn man gleich über Nacht draußen bleibt.

Nur leider wird immer noch ein naturnahes Leben mit dem Jagen und Töten von Tieren verbunden. Die Natur sei nun einmal hart, dort gelte das Recht des Stärkeren. Der Abenteurer Nicolas Vanier berichtet stolz, dass er seine 1 ½ jährige Tochter dazu gebracht hat, bis zum Knöchel im Blut eines Elchs zu stehen, den er selbst geschossen hat, ohne sich unwohl zu fühlen. Und Gatterjägermeister Mayr-Melnhof freut sich darüber, dass sich seine Tochter zum 10. Geburtstag den Abschuss eines Hasen wünscht. Wie schön wäre aber die Gesellschaft, wenn unsere Kinder stattdessen die rückhaltlose Liebe zu den Tieren lernen würden. Wenn sie sie zu achten und zu respektieren lernen, und sie zu schützen, nicht zu töten! Könnten wir so nicht eine ganz andere Welt schaffen?

Dieses Buch zweier Schwestern, Jennifer Frank-Schagerl und Corinna Frank, Erlebnis- und Kräuterpädagoginnen, ist ein Schritt in diese Richtung. Es verbindet das Outdoorabenteuer zwanglos mit einem veganen Grillessen am Lagerfeuer, noch dazu mit von den Kindern selbst gesammelten Pflanzen. 15 Kräuter werden vorgeschlagen, die sich dadurch auszeichnen, dass es sie fast überall gibt und dass man sie kaum mit Giftpflanzen verwechseln kann. Tatsächlich wachsen alle diese Pflanzen bei mir in der Obersteiermark ums Haus. Und sie schmecken!

Dazu gibt es in diesem Buch 36 Rezepte, wie diese Pflanzen leicht und rasch am Lagerfeuer zu einem leckeren Essen zubereitet werden können. Diese reichen von einem mit Kräutern garnierten Steckerlbrot, über Haferflocken-Brennessel-Suppe oder Hirtentäschel-Bohnen-Nuggets, bis zu Süßigkeiten wie heiße Gundelreben-Schokolade. Die Ideen sind dabei so simpel, dass sie leicht umsetzbar sind. Gleichzeitig wirken sie geschmacklich so interessant, dass ich einige mit meiner Tochter ausprobieren werde. Abgesehen davon hat das Buch ein kinderverträgliches, lustiges Layout.

Die Natur kann Kindern sehr viel geben, fürs ganze Leben. Doch wir wollen keine Blutspur hinterlassen, nicht Angst und Schrecken unter den Tieren verbreiten, sondern bescheiden und respektvoll staunen. Dieses Buch kann dabei helfen, das Naturerlebnis mit unseren Kindern in diese Richtung zu lenken.

18 Stunden 15 Minuten auf der Königsetappe des Niedere Tauern Höhenwegs

Vor ziemlich genau 31 Jahren war es, als ich mit einer Gruppe von Personen über den „02“-Weitwanderweg die gesamten Niederen Tauern überschreiten wollte. Das Buch, das den Weg beschrieb, warnte vor der „Königsetappe“ von der Edelrautehütte zur Planneralm. Diese Überschreitung dauere 14 Stunden reine Gehzeit, es gebe dazwischen keine Übernachtungsmöglichkeit. Als auch der Wirt auf der Edelrautehütte die gleichen Töne anschlug, beschloss die Gruppe diese Tour mit Fahrzeugen außen herum gute 70 km über die Straßen im Tal zurückzulegen.

Nur meine Freundin und ich wagten das Unternehmen. Aber aus einer Mischung aus Unsicherheit und mangelnder Fitness seitens meiner Partnerin drehten wir nach einem Teil der Strecke um und ließen uns abends wieder von der Edelrautehütte abholen. Auf der Planneralm war man wenig überrascht. Das sei die Norm, nicht die Ausnahme, wenn die Leute umkehren. Ich beschloss irgendwann einmal wieder zu kommen.

Ein Jahr später kehrte ich wieder und kam diesmal von der anderen Seite, von Südwesten, genauer von Oberwölz und dem Greimberg, und zog mit einem Zelt in mehreren Tagen durch die „Königsetappe“ letztlich bis zum Ötscher. Doch die Etappe in einem durch zu gehen, blieb ein Wunschtraum.

Und der hat sich letzten Sonntag erfüllt. Noch im Dunkeln verließen wir zu zweit um 4:30 Uhr früh die Edelrautehütte. 22 benannte Gipfel und 3600 Höhenmeter verteilt über rund 25 km lagen vor uns. Am Großen Hengst begann es im Osten zu dämmern. Am höchsten Punkt der Tour, am Kleinen Bösenstein in 2400 m Höhe, war die Sicht völlig klar und es versprach, ein schöner Tag zu werden.

Doch dann begannen die Berge zu brodeln und zu kochen. Über die nächsten paar Gipfel kamen wir noch unbehelligt, bis der Nebel plötzlich aus dem Tal bis zu uns herauf vorstieß. Und mit ihm kam ein heftiger Sturm und ein Nieselregen, der sich durch den Wind besonders unangenehm ausmachte. Es war bereits nach kurzer Zeit nicht mehr möglich, trocken zu bleiben. An umzudrehen war auch nicht mehr zu denken, dafür waren wir zu tief in die Etappe vorgedrungen. Also blieb nur im dichten Nebel vorsichtig nach dem Weg zu suchen, und der Wetterunbill zu trotzen.

Den Großen Geierkogel Nordostgrad mussten wir durch waschelnasses Gras und feuchte Felsen senkrecht hinauf klettern, ohne viel zu sehen. Nach dem übernächsten Gipfel verloren wir den Weg. Da diese Tour offenbar doch sehr selten begangen wird, gibt es kaum Trittspuren. Systematisch und mit Kompasshilfe suchten wir die Hochebene ab, bis wir endlich wieder auf Markierungen stießen. Vor 31 Jahren hat es diese hier im Mittelteil der Etappe noch nicht gegeben. Jetzt halfen sie uns aus der Misere.

Doch Wind, Nebel und Regen hielten an. Es blieb schwierig, nicht nur am Weg zu bleiben, sondern auch nicht umgeblasen zu werden. Nach 14 Stunden und 3000 Höhenmetern überschritten wir mit der Breiteckkoppe unseren 19. Gipfel. Da begann die Nebeldecke aufzureißen. Wir konnten gerade noch 2 Stunden den Fernblick genießen, bevor die Sonne tiefrot am westlichen Horizont unterging. Und wir blieben im Stockdunkeln zurück.

Der Weg hier war wenig ausgeprägt markiert und prompt haben wir ihn verloren. Da war guter Rat teuer. Sollten wir uns hier zwischen die Latschen legen, um die Nacht ohne Schlafsacke und Matte zu verbringen? Der klare Himmel mit den unendlich vielen Sternen und einem aufgehenden Mond ließ uns aber anhand der Bergkonturen erahnen, wohin wir gehen müssten. Und so zogen wir quer weglos über einen Bergrücken in den nächsten Sattel und fanden dort tatsächlich den Weg wieder. Ein letzter Gipfel noch, und um 22 Uhr sahen wir erstmals wieder die Lichter menschlicher Behausungen tief unter uns. Das musste die Planneralm sein, unser Ziel. Wenig später, nach genau 18 Stunden und 15 Minuten Gehzeit, trafen wir dort ein.

Schlafplatz gab es aber keinen mehr, sämtliche Gastwirtschaften hatten geschlossen. Ebenso die Plannerhütte. Mittlerweile war es fast Mitternacht. Da zeigte sich überraschend die Türe in die JUFA Jugendherberge offen. In der Rezeption war niemand mehr, aber endlich konnten wir aus den Schuhen raus. Sollten wir uns nun hier auf den Boden legen? Nein, zufällig war eines der Gastzimmer offen und nicht besetzt. In dieser Notsituation legten wir uns einfach so dort in das Bett. Den Rest würden wir am nächsten Morgen klären.

Am nächsten Tag war die Wirtin durch unsere Eigeninitiative keinesfalls verärgert, sondern belustigt. Normalerweise, so erklärte sie, sei sowohl die Eingangstür als auch jedes nicht bezogene Zimmer abgesperrt. Wie durch ein Wunder hatten wir also doppelt Glück gehabt.

Im Rückblick ist klar, dass diese Etappe des Niedere Tauern Höhenwegs eine ernste Tour ist. Bei besserem Wetter wird man sicher schneller durch kommen, allerdings ist dann die Blitzgefahr nicht zu unterschätzen. Jedenfalls ist die Gegend sehr einsam und wild. Wir haben keinen Menschen, aber dafür Steinböcke getroffen, die allerdings keinerlei Angst vor uns zeigten. Nirgendwo war eine Alm oder stießen wir auf Kühe, Schafe oder andere Nutztiere. Wäre das nicht auch eine gute Gegend für den Wolf?

Österreich ist landschaftlich wunderschön. Umso wichtiger, dass wir diese Natur erhalten und nicht zerstören, dass wir sie nicht zu Tode nutzen, sondern einen Gutteil den Wildtieren überlassen, die genau so das Recht haben, hier zu wohnen, wie wir.

Sonnenaufgang
Unerschrockene Steinböcke
Die Berge beginnen zu kochen
Nebel fällt ein
Nach kurzer Zeit waschelnass
Nach 11 Stunden Sturm, Nebel und Regen taucht die Sonne auf
… und geht gleich wieder unter!

Österreich reines Kulturland? Nein!

Ja, ich weiß. Ich gehe oft genug durch Fichtenmonokulturen in Österreich, wo sich eine Forststraße ständig mit der nächsten kreuzt. Einige Mitmenschen nutzen diesen Umstand als Argument, um völlig das Wilde in der Natur hierzulande aufzugeben. Alles wäre Kulturland, so die Ausrede, und deshalb könnten wir doch gleich Kahlschläge durchführen und künstlich neu Aufforsten, den Bau von Forststraßen unter dem Vorwand der Förderung unterentwickelter Regionen steuerlich finanzieren und, natürlich, Luchs, Bär und Wolf draußen halten, während Rehe und Hirsche ohne Unterlass für die Jagd gefüttert und aufgemästet werden.

Nein, so einfach ist das nicht. Kulturland zeichnet sich dadurch aus, vom Menschen aus dem ökologischen Gleichgewicht gebracht worden zu sein, sodass unbedingt menschliche Hilfe nötig wäre, um das Ökosystem am Laufen zu halten. Das ist glücklicherweise in weiten Teilen unserer Bergwelt nicht der Fall.

Ich bin gerade aus dem westlichen Teil des Toten Gebirges zurück, wo ich 10 Tage verbracht habe. Dort fand ich einen weiten alpinen Urwald vor. Ich sah einen Hirsch – aber weder Futterstellen noch Jagdstände. Dort gibt es keine einzige Forststraße. In den Randzonen mögen sich eine handvoll Almen befinden, aber die Natur ist weitgehend unberührt. Und das nicht nur auf wenigen 100 ha, sondern so weit das Auge reicht:

Urwaldwildnis im Toten Gebirge

Nur zwei Tage davor habe ich den Schiffwald im Hochschwab besucht. Das ist ein riesiges Waldgebiet, das der Stadt Wien gehört, und das vollständig außer Nutzung gestellt worden ist. Auch hier keine Forststraßen, keine Jagdstände und keine Fütterungen. Der Wald strahlt eine außergewöhnliche Ruhe und Harmonie aus. Eine wundervolle Gegend!

Der Schiffwald im Hochschwab ist außer Nutzung gestellt

Aber damit noch lange nicht genug. Nur eine Woche davor habe ich den größten verbrieften Urwald Mitteleuropas besucht, den Rothwald am Dürrenstein. Er ist nach außen durch Wälder gebuffert, die man erst in guten 3 Stunden durchwandern muss, um bis zu seinem Rand vorzudringen. Und dann breitet sich eine unberührte Wildnis aus, ebenfalls ohne Forststraßen oder jagdliche Einrichtungen. Überall liegen riesige alte Baumstämme herum, während der Jungwuchs gute 5 m hoch ist. Auch dieser Wald ist beruhigend groß, auf diesem Bild reicht er die Hänge bis zur Baumgrenze hinauf:

Der Rothwald ist der größte Urwald Mitteleuropas

Und nur wenige Wochen davor habe ich wieder einmal den kleinen aber feinen Urwald bei Dürradmer besucht. Auch da müssen erst 4 Stunden Anmarschzeit eingeplant werden. Doch dann wird man für alle Mühen entschädigt! Bis 1400 m reicht dieses unter dem höchsten IUCN-Schutz stehende Waldgebiet hinauf. Ein Stück Natur, das hoffentlich auch noch für unsere Nachkommen im Urzustand erhalten bleiben wird.

Eine wunderschöne Urlandschaft bis 1400 m

Ja, es gibt sie noch, wunderschöne Wildnisgebiete. Auch bei uns in Österreich. Keine Rede von Kulturlandschaft, keine Notwendigkeit irgendwie einzugreifen. Daraus schließe ich zweierlei. Erstens müssen wir diese Kleinode unbedingt erhalten. Unter keinen Umständen dürfen die irgendeinem Nutzungswahn zum Opfer fallen. Diese Landschaften sind gerade deshalb so schön, weil sie wild und unberührt sind. Sie kommen am allerbesten ohne Menschen aus.

Und zweitens sei den Gegner_innen der Wölfe, insbesondere der Jägerschaft und den Unverbesserlichen unter den Nutztierhalter_innen, ins Stammbuch geschrieben, dass es sehr wohl unberührte Wildnis in Österreich gibt, von der sie offenbar keine Ahnung haben. Und die ist bei weitem groß genug, um den großen Beutegreifern Luchs, Bär und Wolf Platz zu bieten. Also lassen wir diese Tiere einfach in Frieden bis dorthin einwandern. Den Rest regelt die Natur von selbst.

Endlich wieder im Urwald zu Besuch!

Im Wissenschaftsmagazin New Scientist wurde vor einigen Monaten eine Studie über die Bevölkerungsdichte in Europa in der Steinzeit vorgestellt. 400 Ausgrabungen hat man analysiert. Über die Zeitperiode zwischen vor 40.000 und 33.000 Jahren soll es demnach zwischen Spanien und Polen im Mittel etwa 35 Gruppen von Homo Sapiens zu je 42 Individuen gegeben haben. Insgesamt also 1500 Menschen in einer Region, in der heute mehrere 100 Millionen Menschen leben. Wie frei man damals atmen konnte! Unvorstellbar, irgendwie, so eine geringe Bevölkerungsdichte. Wir haben das Pech, in einer Zeit zu leben, in der die höchste Bevölkerungsdichte aller Zeiten herrscht. Mit all ihren immensen Problemen.

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Endlich: zwei Wölfe sind jetzt bei mir in den Bergen nachgewiesen!!

Es war im Jahr 2008, als ich das erste Mal Wolfsrudel heulen hörte, und zwar gleich drei zur selben Zeit aus verschiedenen Richtungen. Wir hatten schon seit Tagen immer wieder Wolfsspuren gesehen. Wir befanden uns im Fagaras-Gebirge in den Südkarpaten. Es war gegen 22 Uhr, wir hatten unsere Zelte aufgestellt und saßen um das Lagerfeuer herum. Plötzlich, ganz deutlich kam ein Heulen von weit her über die Berge, und wurde sofort von zwei weiteren Rudeln beantwortet, die deutlich näher bei uns waren. Ich erinnere mich an diesen Moment heute noch mit unbändiger Freude. Ein absolut großartiges Erlebnis, das ich niemals missen möchte!

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Wir haben viel zu viele Almen in unseren Bergen!

Gleich zu Beginn: ich finde dieses Urteil gegen den Landwirt, dessen Kühe auf einer Alm eine Frau getötet haben und der dafür zu einer Schadenersatzzahlung von gut € 500.000 verurteilt wurde, katastrophal. Ich hoffe sehr, dass es in der nächsten Instanz aufgehoben wird. Unter den gegebenen Umständen ist es eindeutig am besten, dass die Kühe weiterhin auf die Alm dürfen, und die Wanderer weiterhin ungehindert durchgehen können. Konflikte mit Kühen, sowie Hunde als Wanderpartner, gehören in die Eigenverantwortung. Man kann ja nicht auch den Bergbesitzer wegen hinunter fallender Steine oder wegen Blitzen beim Wandern klagen. Ich will jedenfalls keineswegs, dass jemand verpflichtet wird, Steine und Blitze zu verhindern. Genauso wenig Konflikte mit Kühen. Wir brauchen mehr Eigenverantwortung am Berg.

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