VGT-Kampagnen

Ende der Trophäenjagd auf Grundbesitz der Stadt Wien innerhalb der Stadtgrenzen!

In den Jahren bis 2015 habe ich noch die großen Jagdgesellschaften im Lainzer Tiergarten in Wien gesehen. Zig Autos am Parkplatz irgendwo innerhalb, jedes mit Fahrer:in. Ich frage einen davon, auf was er da wartet. Er sagt, er sei der Chauffeur von Manager XY und der sitze da drin im Lainzer Tiergarten auf einem Jagdstand und ballert auf Tiere. Das waren riesige Events damals, es wurden 1500 Wildschweine, Rothirsche, Mufflons und Damhirsche abgeknallt. Die Schädeldecken bzw. Zähne wurden abgesägt, ausgekocht und als Trophäen überreicht. Bis 2015 ganz normal.

Doch dann, im März 2015, begann unsere Kampagne gegen die Gatterjagd. Beim Personal der Stadt Wien hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits einiges geändert, die Forstdirektion wollte die Jagdstrategien überdenken. Man ging nicht gegen unsere Demos vor dem Lainzer Tiergarten vor, sondern lud uns zum Gespräch unter professioneller Moderation. Die „Arbeitsgruppe Lainzer Tiergarten“ war geboren, die bis heute weiter existiert.

Das Ergebnis wurde am 16. Dezember 2015 in einer gemeinsamen Pressekonferenz präsentiert. Mit einem Wermutstropfen: knapp vor Beginn teilte man mir mit, dass die Stadt Wien in einem Punkt einen Rückzieher mache. Man wolle am Verkauf von Trophäenabschüssen bis auf weiteres festhalten. Also, ja, man werde die Fütterungen im Lainzer Tiergarten einstellen und die Populationsdichte der Wildschweine innen den Verhältnissen außen anpassen, und, ja, man wolle nur noch nach ökologischen Kriterien den Bestand von Wildschweinen und Rehen und sonst keiner anderen Tierart mehr reduzieren, und, ja, es werde zuletzt Grünbrücken über die Tiergartenmauer geben, sodass die Tiere ein und aus gehen können, aber, nein, der Verkauf von Trophäenabschüssen solle bestehen bleiben. Ein Rückschlag.

Doch das Projekt entwickelte sich. Am 4. April 2017 trat das Wiener Gatterjagdverbot in Kraft. Weiterhin wurden aber Trophäenabschüsse verkauft. Ja, die Stadt Wien war nach den Bundesforsten der zweitgrößte Jagdanbieter Österreichs. Der Großteil davon bezog sich allerdings auf Abschüsse von kapitalen Trophäenträgern auf Grundbesitz der Stadt Wien am Hochschwab, der Rax und im Wienerwald, insgesamt über 50.000 ha.

Doch dann, am 1. Februar 2021 war es soweit. Die Forstdirektion von Wien verkündete das Ende der Trophäenjagd im Lainzer Tiergarten und auf dem gesamten Grundbesitz der Stadt innerhalb der Stadtgrenzen. Abschüsse werden nur mehr, wenn ökologisch notwendig weil der Wald Schaden nimmt, von Berufsjäger:innen erledigt, die keine Trophäen erhalten. Und das bezieht sich, wie gesagt, nicht nur auf den Lainzer Tiergarten, sondern auch auf den Maurer Wald und weitere Flächen, die der Stadt gehören.

Zunächst hat man also auf diesen Flächen aufgehört, sie als Reviere zu verpachten, sondern man hat nur mehr Einzelabschüsse verkauft. Dann wurde die Jagd auf alle anderen Tiere als auf Paarhufer beendet, d.h. z.B. keine Bejagung von Vögeln oder von Beutegreifern wie dem Fuchs. Diese beiden Aspekte gelten bereits für den gesamten Grundbesitz der Stadt Wien, also auch in der Steiermark und in Niederösterreich. Und jetzt legt man das Wildtiermanagement zumindest einmal innerhalb des Wiener Stadtgebietes in die Hände von bezahlten Berufsjäger:innen. Keine Hobby- und Sonntagsjäger:innen mehr, keine Trophäenabschüsse. Ein sehr großer Fortschritt!

Wie man am Abschuss des Bären Arthur in den rumänischen Karpaten sehen kann, ist das Erbeuten von Trophäen das Herzstück der Jagdleidenschaft. Die konventionelle Jägerschaft füttert Paarhufer, um möglichst viel Nachwuchs zu haben, weil im Mittel alle 70 Tiere eines ein besonders großes Geweih (Rothirsch und Rehbock) oder Gebiss (Wildschweineber) entwickelt. Die Behörden machen aber Auflagen, eine Mindestabschussquote einzuhalten, weil sonst der Wald verbissen wird. Doch die Jägerschaft will das nicht. Sie will zwar viele große männliche Tiere schießen, aber möglichst keine weiblichen, damit es viel Nachwuchs gibt. Und so wird getan, als ob man sich um die Tiere sorge, und man sucht die Unterstützung der Tierschützer:innen. Doch Achtung, die Jägerschaft ist der sprichwörtliche Wolf im Schafspelz. Das Füttern und die Kritik am Abschuss weiblicher Tiere entspringt keinem Mitgefühl oder Tierschutzgedanken, sondern der Lust auf kapitale Trophäen. Nur darum geht es.

Und deshalb ist dieser Schritt der Stadt Wien nicht zu unterschätzen. Wieviele Millionen Euro die Stadt dafür an Abschusstaxen verliert, kann ich nicht sagen, aber wenig ist es sicher nicht, wenn man bedenkt, dass z.B. im Jagdgatter Esterhazy im Burgendland der Abschuss eines kapitalen Rothirschs 22.000 Euro kostet. Eines einzigen Hirschs, wohlgemerkt. Wie fanatisch muss man sein, um so viel Geld für eine abgesägte und ausgekochte Schädeldecke zu bezahlen. Das ist für normale Menschen überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.

Die Stadt Wien hat also zumindest auf eigenem Grund und innerhalb der Stadtgrenzen die Trophäenjagd beendet. Dieser Gedanke lässt sich in Zukunft auf den gesamten Grundbesitz der Stadt Wien, auch in der Steiermark und in Niederösterreich, ausdehnen. Vielleicht können wir sogar die Bundesforste dazu bringen, ebenfalls nachzuziehen. Die Jagd sollte einem vernünftigen Wildtiermanagement weichen. Es darf nicht um Jagdherrlichkeit und Trophäen gehen, sondern darum, nach Kriterien des Tierschutzes und der Ökologie ein Gleichgewicht zu schaffen, das sich möglichst ohne Eingriffe durch den Menschen selbst erhält. Große Beutegreifer, wie Wolf, Luchs und Bär, würden da wesentlich dazu beitragen. Erst ein derartiges Ökosystem garantiert den Erhalt einer Vielfalt von Arten und ist auch ausreichend stabil, um den Klimawandel zu überstehen.

Schweine, vom Vollspaltenboden gerettet

Letztes Wochenende habe ich wieder einmal das Tierparadies Schabenreith am Ziehberg bei Kremsmünster besucht. Eigentlich war ich in professioneller Mission, bin aber im Tierparadies über Nacht geblieben. Ich kenne die Betreiber:innen schon viele Jahrzehnte. Und da ich mich ja gerade gegen die Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden engagiere, habe ich viel Zeit auf der Wiese bei den geretteten Tieren verbracht. Man kann dabei immer etwas lernen.

Immer wieder kommen gerettete Schweine ins Tierparadies, zeitweise waren 26 Schweine dort. Nach dem Tod eines 14 jährigen Tieres sind es aber jetzt nur mehr vier. Die Schweine leben in einem geräumigen Stall mit einigen Buchten mit tiefer Stroheinstreu. Sie können sich aussuchen, in welche Bucht sie sich legen. Alle sind permanent offen. Ebenso offen ist die Stalltüre. Die Schweine können also jederzeit hinaus. Und dort erwarten sie 4 ha Wiese. Das ist so groß, dass man die Tiere suchen muss, wenn sie dort herum streunen. Da gibt es auch Büsche und Bäume, später im Jahr wird das Gras so hoch, dass die Schweine darin verschwinden.

Ich habe mich einfach zu ihnen gesetzt und sie still beobachtet. Zwei sind gute Freunde, die sich absondern. Die anderen beiden sind eher Einzelgänger, sie treten aber mit Menschen sehr gerne in Kontakt. Sie mögen es, gestreichelt zu werden, und sie kuscheln auch gerne.

Hier heraußen in der frischen Bergluft, abseits von Straßen und Menschen, atmen wir alle freier. Es ist eine Welt für sich. Ein Paradies eben. Schon zeitig in der Früh kommen die Schweine heraus und streunen durch die Wiese. Sie wühlen im Boden, schmatzen und grunzen, und scheinen auch Gras zu essen. Über Stunden hinweg untersuchen sie hochkonzentriert und dabei sichtlich vergnügt ihre Umgebung. Wenn die Sonne hoch am Himmel steht, dann kommen alle vier Schweine zur Siesta in den Stall. Sie vergraben sich im tiefen Stroh und schlafen. Am Nachmittag dann, nach einem ausgiebigen Mal mit frischem Obst und Gemüse, gehts wieder hinaus in die Wiese. Dabei kann man die Schweine auch fröhlich galoppieren sehen, und springen, wie Ziegenböcke.

Alles, wirklich alles, was Schweine ausmacht, können sie in der Tierfabrik auf Vollspaltenboden nicht ausleben. Es beginnt schon damit, was sie dort zu essen bekommen. Ein undefinierbarer Fraß, in völlig verdreckten Trögen, meistens mit Kot vermischt, der darin schwimmt. Da die Schweine dort so eng stehen, können sie nur kacken, wo sie gerade sind, und das ist manchmal über dem Futtertrog. Bei den Schweinen im Tierparadies habe ich keinen Kot gesehen. Das Stroh war sauber und roch angenehm. In der Schweinefabrik ist alles mit Kot verklebt und es stinkt so unerträglich nach Ammoniak, dass einem die Atemwege brennen. Im Tierparadies schlafen die Schweine im weichen, tiefen Stroh, oder liegen draußen auf dem Gras in der Wiese. In der Schweinefabrik gibt es nur den Betonboden mit scharfkantigen Spalten. Im Tierparadies sind die Tiere, bis auf die Siesta, ständig unterwegs und untersuchen mit großem Interesse ihre vielgestaltige Umgebung. In der Schweinefabrik gibt es nur einen kahlen Boden und kahle Wände, sonst gar nichts. Auf der 4 ha großen Wiese kommen sich nur Freunde unter den Schweinen nahe. In der Tierfabrik kleben sie gezwungenermaßen aufeinander, mit 0,55 m² Bodenfläche pro 85 kg schwerem Schwein. Da muss man ja aggressiv werden, und kann den Wutausbrüchen der anderen Tiere – bei Menschen würden wir Hüttenkoller dazu sagen – nicht entkommen. Im Tierparadies können die Schweine in der Sonne baden, ins Abendrot blinzeln oder den Morgentau von den Blättern lecken. In der Tierfabrik gibt es keine Sonne, keine frische Luft, keine grünen Pflanzen und keinen Morgentau. Das ganze Leben nicht. Die Schweine im Tierparadies sind nicht verletzt. Manche laborieren noch von ihren Wunden aus der Zeit auf dem Vollspaltenboden. Aber die typischen Kratz- und Bisswunden, die in der Schweinefabrik allgegenwärtig sind, sowie die geschwollenen Gelenke und das ständige Husten, bleiben im Tierparadies aus. Hier werden die Tiere gut 15 Jahre alt.

Die Schweineindustrie und ihre Lobby in der ÖVP sagen gerne, wir Tierschützer:innen wüssten nichts von Schweinen. Dabei bin ich mir sicher, dass weder die Landwirtschaftsministerin Köstinger noch der Sprecher der Schweinebörse Schlederer je, so wie ich gerade eben, 2 Tage mit Schweinen auf der Wiese verbracht haben. Ich bin mir sicher, niemand aus der Schweineindustrie kennt die Interessen und den Tagesablauf von freien Schweinen. Stattdessen wissen sie, wieviel Antibiotika notwendig sind, um die Todesrate in der Tierfabrik unter 15 % zu drücken. Und sie wissen, wieviel von welchem Fraß man verfüttern muss, um maximale Zuwachsraten an Körpermasse zu erreichen. Nur, das hat in Wahrheit mit Schweinen nicht viel zu tun.

Ich komme von diesen zwei Tagen nachdenklich und aufgebracht zurück. Nachdenklich stimmt mich das ungeheuerliche Ausmaß an Leiden, das wir mit dem Vollspaltenboden diesen Tieren antun. Versetzt man sich nur ein bisschen in die Schweine hinein, mit dem Wissen über sie von den Artgenossen im Freien, dann kann man eigentlich nur weinen. Wütend macht mich deswegen diese totale Ignoranz seitens der ÖVP und der Schweinelobby. Woche für Woche deckt der VGT neue Fakten aus Schweinefabriken auf, und wo man hinsieht herrscht brutale Kälte. Weniger Sadismus – obwohl das auch – sondern mehr die komplette Unfähigkeit, mit diesen Wesen mitzufühlen, sich in sie hinein zu versetzen. Man bietet den Tieren nur das absolute Minimum, sodass nicht mehr als 15 % an der Haltung sterben, und der Rest gerade noch bis zum Schlachthof überlebt. Alles orientiert sich an der Profitmaximierung. Ein System ohne Herz und Hirn.

Wir müssen das ändern.

Unfassbar: 24/7 ununterbrochen im körpergroßen Käfig

Ich war gerade draußen im Wald in den Bergen. Frische Luft, die Weite der Landschaft, Bewegung, Körpergefühl. Und dann schaue ich auf das Bild oben, ein Mutterschwein während der Schwangerschaft im sogenannten Kastenstand. Die Größe dieser Kastenstände lässt sich im Gesetz ablesen: 65 cm breit und 190 cm lang. Für ein Muttertier von deutlich über 100 kg! Wie im Bild ersichtlich, ist dieser Käfig gerade einmal körpergroß. Das Schwein kann sich nicht einmal umdrehen und keinen einzigen Schritt gehen. Und wenn es sich niederlegen will, dann ist es zwischen den Gitterstäben eingequetscht.

Das alles lässt sich so leicht sagen. Aber was es in Wirklichkeit für das gefangene Tier bedeutet, ist kaum zu fassen. Ich schließe meine Augen. Ein körpergroßer Käfig, die Gitterstäbe sind auf allen Seiten gleichzeitig zu spüren. Keinen einzigen Schritt gehen! Und zwar tagaus tagein, jeden Tag, jede Woche, jedes Monat, das ganze Leben.

Wenn ich das auf mich einwirken lasse, frage ich mich, was es eigentlich Schlimmeres gibt. Was kann einem im Leben widerfahren, das es an Furchtbarkeit mit dieser völlig hoffnungslosen Situation aufnimmt? Nichts, glaube ich. Gar nichts. Dazu kommt, dass uns die Evolution nicht auf so eine Gefangenschaft vorbereitet hat. Wir können mit einem Gewaltakt umgehen, mit dem Verlust ganz enger Partner:innen oder Freund:innen. Aber nie in unserer evolutionären Geschichte waren wir Tiere so eingesperrt. Nie war es von Vorteil, wenn ein Tier mit einer derartigen Situation leichter fertig wird, sodass es diese Voraussetzung an seine Kinder weitergegeben hätte.

Nein, die Ausrede, das seien ja nur Tiere, höre ich mir gar nicht an. Warum sollte ein Schwein weniger leiden, wenn es derart eingesperrt ist? Ein Schwein hat genau dasselbe Bedürfnis nach Bewegung wie ein Mensch, nicht mehr und nicht weniger.

Bis 2012 war das lebenslange Einsperren der Mutterschweine in solchen Käfigen die Norm, also nicht nur erlaubt, sondern ganz normal und überall verbreitet. Dann trat eine EU-Richtlinie in Kraft, die die Zeit im Kastenstand auf die Hälfte des Lebens reduzierte. Noch immer unendlich grauenvoll: die Hälfte des Lebens, und zwar jeweils Wochen hintereinander, im körpergroßen Käfig eingesperrt! Wir vom VGT wollten das nicht hinnehmen und haben deshalb schon 2011 eine Kampagne für ein Verbot dieser Kastenstände in Österreich durchgeführt. Wir waren bedingt erfolgreich. Einerseits dürfen die Mutterschweine pro Geburtszyklus (etwa 140 Tage) jetzt „nur mehr“ 10 Tage um die Befruchtung und „die kritischen Tage“ (also etwa 6) um die Geburt im Kastenstand gehalten werden. Andererseits gilt das für jene Betriebe, die dafür umbauen müssen, erst ab 2033! Das sind jedenfalls nur mehr 16 von 140 Tagen im Kastenstand, also 11,4 % des Lebens. Ein gewisser Lichtblick, keine Frage, aber eine zivilisierte Gesellschaft sperrt niemanden in körpergroße Käfige ein, auch nicht für 1 Sekunde.

Erschreckend war, mit was für einer Vehemenz unser Kampagnenziel, den Kastenstand abzuschaffen, bekämpft worden ist. Die findige Tierindustrie erfand für den Kastenstand den Euphemismus „Ferkelschutzkorb“. Also einen körpergroßen Käfig, in dem Muttertiere auf lange Zeit eingesperrt sind, einen Schutzkorb zu nennen, ist schon einmal eine bodenlose Frechheit. Das „Ferkelschutz“ kommt daher, dass die Schweineindustrie behauptet hat, nicht eingesperrte Mütter würden ihre Ferkel erdrücken. Selbst der damalige SPÖ-Clubchef Josef Cap hat mir gegenüber diese grauenhaften Kastenstände als „Ferkelschutzkörbe“ verteidigt und war strikt gegen jedes Verbot. Und die ÖVP hat natürlich, in guter tierfeindlicher Tradition, blockiert, wo sie nur konnte. Und als sie nicht mehr konnte, weil die Bevölkerung ungeduldig wurde, hat sie sich eine Übergangsfrist von 21 (!) Jahren, also bis 2033, für Neubauten ausbedungen.

Einer der vehementen Gegner unserer Forderung, einer also, der keinerlei Einschränkung dieser Kastenstandhaltung wollte, war ein gewisser ÖVP-Funktionär. Er demonstrierte sogar dagegen, dass die Mutterschweine vor diesen Kastenständen geschützt werden. Und er kam selbst aus einem solchen Betrieb, einer Schweinefabrik, in der die Schweine in Kastenständen gehalten werden.

Wir konnten seine Schweinefabrik vor Kurzem aufdecken. Versteckte Kameras haben über Monate hinweg gefilmt, was in diesem Betrieb vor sich gegangen ist. Die Aufnahmen – mehrere Terabyte von Daten – zeigen u.a. diesen Mann, wie er seine Schweine tritt. Das muss man sich vorstellen! Nicht nur, dass die Tiere im körpergroßen Käfig eingesperrt sind, der Mensch geht an den gefangenen Tieren vorbei, und statt dass ihm das Herz schwer wird, tritt er die Tiere! Tritt er die gefangenen Mütter! Hier ein Bild davon:

Ist diese Brutalität schon erschütternd genug, so übersteigt die folgende Aufdeckung meine Vorstellungskraft. Die monatelangen Aufnahmen zeigen, dass der Betreiber dieser Schweinefabrik die Mutterschweine lebenslang ununterbrochen 24/7 in den Kastenständen hält. Wie zur Steinzeit im Tierschutz, wie vor 2012! Entgegen aller – eh schon so schlechten – Tierschutzbestimmungen!

Mir stockt der Atem, wenn ich mir das Leid dieser Tiere vorstelle. Es sträubt sich alles in mir, diese Vorstellung zuzulassen. Was für ein absolut furchtbares Los! Der Vollspaltenboden ist schon schlimm genug, aber lebenslang im körpergroßen Kastenstand, dieser Gedanke ist wirklich nicht mehr zu ertragen.

Dazu kommt, dass dieser Mann, der also die Mutterschweine 24/7 im Kastenstand hält und sie auch noch einfach so tritt, sich sehr engagiert hat, um das Kastenstandverbot zu verhindern. Er hat den scheußlichen Euphemismus „Ferkelschutzkorb“ mitgetragen, um die Öffentlichkeit zu verwirren und das Leid der Muttertiere zu verschleiern. Und was schließlich dem Fass den Boden ausschlägt: „trotzdem“ er die Mutterschweine 24/7 in Kastenstände (aka Ferkelschutzkörbe) einsperrt, sterben bei ihm die Ferkel wie am Fließband. Die Mistkübel vor der Tür quellen über mit toten Ferkeln! Er gibt zu, dass 500 (!) Ferkel bei ihm pro Jahr sterben, aber die Dunkelziffer könnte deutlich höher sein.

Heute versuchen wir ein Verbot des Vollspaltenbodens zu erreichen. Auch heute blockiert die ÖVP, blockieren ihre Funktionär:innen, pöbeln uns Betreiber:innen von Schweinefabriken an. Wir wüssten nicht, wie toll der Vollspaltenboden für die Schweine sei. Und man könne ihn nicht abschaffen, sonst wäre die Welt im Zusammenbruch. Jetzt wissen wir, was wir von solchen Typen zu halten haben. Für die sind Schweine einfach Biomaschinen ohne jedes Gefühl.

Die Staatsanwaltschaft hat jedenfalls Ermittlungen gegen den Besitzer der Schweinefabrik eingeleitet. Sie hat auch alle Filmaufnahmen von uns bekommen. Aber wie immer, wenn es um Tiere geht, wird denjenigen, die sie misshandeln, nicht viel passieren, fürchte ich. Ob ich noch erleben darf, dass das einmal anders wird?

Gatterjagd Burgenland: Sollen wir eine Volksabstimmung machen?

Das Amt der Burgenländischen Landesregierung hat uns offiziell mitgeteilt, dass wir 14.178 gültige Stimmen für eine Abstimmung über das Gatterjagdverbot im Burgenland abgegeben haben. Und das innerhalb von 6 Wochen. 12.000 Stimmen wären nötig gewesen, und das innerhalb von 8 Wochen. Zuletzt sind bei uns über 26.000 Unterschriften aufgelegen. Wir haben es also trotz hartem Lockdown, trotz Weihnachtsfeiertage und trotz der größten Kälte im Jahr geschafft.

Die Landesregierung hat das erkannt und sofort reagiert. Sofort wurde ein Initiativantrag eingebracht. Eine neue Jagdgesetznovelle, die den § 170 (3) aus dem Jahr 2017 wieder enthält. Wir erinnern uns: Am 9. März 2017 war mit § 170 (3) im Jagdgesetz das Gatterjagdverbot erlassen werden. Dieser Paragraph spezifiziert, dass alle Jagdgatter im Burgenland bis zum 1. Februar 2023 aufgelöst werden müssen. Mit einer überraschenden Jagdgesetznovelle am 10. Dezember 2020 hat die Landesregierung diesen Paragraphen wieder ersatzlos aus dem Jagdgesetz gestrichen. Dagegen hat sich unsere Initiative für eine Volksabstimmung gerichtet. Erfolgreich.

Die Sachlage ist nun die. Bis die Volksabstimmung stattfinden – und das wäre etwa Anfang Juni – würde das Jagdgesetz vom 10. 12. 2020 nicht in Kraft treten. Wird die Volksabstimmung gewonnen, d.h. wählen mehr Menschen mit „NEIN“ als mit „JA“ zu diesem Gesetz bzw. zur Gatterjagd, dann würde das Gesetz komplett gekippt und das Gatterjagdverbot von 2017 bleibt aufrecht. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit, sagt uns jedenfalls das Amt der Burgenländischen Landesregierung und der Burgenländische Verfassungsdienst, die Volksabstimmung wieder zurück zu ziehen. Das könnten wir tun, so lange die Landesregierung noch nicht beschlossen hat, dass die Volksabstimmung stattfindet. Das hat sie noch nicht, und sie hat bis zum 4. März (also 4 Wochen nach Ende der Abgabefrist der Unterschriften für eine Volksabstimmung) dafür Zeit.

Wenn wir die Volksabstimmung zurück ziehen, dann tritt die Jagdgesetznovelle vom 10. 12. 2020 sofort in Kraft und damit ist § 170 (3) wieder aufgehoben und die Gatterjagd ist wieder erlaubt. Also warum sollten wir das tun? Naja, die Landesregierung hat bereits eine Jagdgesetznovelle in den zuständigen Ausschuss geschickt, der nächste Woche tagt. Und, wie gesagt, in dieser Novelle steht § 170 (3) wieder drin. Am 4. März, also genau am Tag des Ablaufs der Frist für den Beschluss für eine Volksabstimmung, gibt es eine Landtagssitzung, an dem dieses Gesetz beschlossen werden könnte. Wenn wir die Volksabstimmung zurück ziehen und dieses Gesetz beschlossen wird, dann wird das Gatterjagdverbot kurz wieder aufgehoben und gleich wieder eingeführt. Die Übergangsfrist von 6 Jahren (ab 2017) ist dann zwar kurzzeitig unterbrochen, aber man versichert mit seitens des Verfassungsdienstes, dass das nichts zur Sache tun würde. Trotzdem müssten die Jagdgatter mit dem 1. Febraur 2023 schließen.

Gibt es keine Volksabstimmung, ersparen wir uns die Arbeit, die Zeit, den Aufwand und das Geld, die gesamte Bevölkerung des Burgenlandes darüber zu informieren und zum Hingehen zu bewegen. Sicher, gäbe es die Volksabstimmung zum Nulltarif und würden dort satte 80 % gegen die Gatterjagd stimmen und gäbe es eine Wahlbeteiligung von 60 % oder mehr, dann wäre das ein unüberhörbares Signal für den Tierschutz in ganz Österreich. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Landesregierung mit ihrem Schritt, ein neues Jagdgesetz zu erlassen, die Luft aus der Initiative rausgenommen hat. Es würde sehr schwer werden, die Menschen zu mobilisieren, dorthin zu gehen, wenn es in ihren Augen ja um gar nichts mehr ginge. Dabei ginge es um was: wenn fast niemand hingeht außer ein paar Gatterjagdbefürworter:innen, die dann bei der Volksabstimmung die Mehrheit bilden, dann würde das Gatterjagdverbot aufgehoben werden müssen, egal was die Landesregierung jetzt tut. Die Volksabstimmung wäre also nicht nur mühsam, sie wäre auch ein Risiko, bei dem es fast nichts zu gewinnen gibt, weil die Wahlbeteiligung vermutlich sehr gering wäre.

Vertrauen wir der Landesregierung, und sie beschließt tatsächlich sofort das Gatterjagdverbot erneut, dann haben wir, was wir wollen, ohne Aufwand. Aber kann man der Landesregierung vertrauen? Sie hat schon einmal einfach so das Gatterjagdverbot aufgehoben. Was, wenn sie die Jagdgesetznovelle mit dem Gatterjagdverbot, die jetzt beim Ausschuss liegt, einfach auf die lange Bank schiebt und nicht beschließt? Wären wir in der Lage, genügend öffentlichen Druck zu erzeugen, sie quasi dazu zu zwingen? Oder würden die Medien im vorauseilenden Gehorsam – es geht vermutlich um Werbeeinschaltungen durch die Landesregierung in Millionenhöhe – jede schärfere Kritik zurück halten?

Wir haben nur noch weniger als 3 Wochen, um zu entscheiden. Noch nie war ich bei einer politischen Richtungsentscheidung so hin und her gerissen. Wie würden wir uns ärgern, wenn wir die Volksabstimmung zurück ziehen, und hinein gelegt werden. Und wie würden wir uns ärgern, wenn wir die Volksabstimmung durchziehen und fast niemand geht hin.

Ich bin für gut gemeinte Ratschläge dankbar.

5 Jahre Mayr-Melnhof Facebook Prozess

Anfang 2015 begann der VGT seine Kampagne gegen die Gatterjagd in Österreich. Niemand wusste damals von Jagdgattern. 3 Jahre später war der Begriff „Gatterjagd“ allgemein bekannt und es waren in jedem Bundesland Verbote dieser Praxis erlassen worden, wenn auch hier und dort ein bisschen aufgeweicht. Neben Wien mit dem Lainzer Tiergarten, dem Burgenland und Niederösterreich, mussten wir uns natürlich auch den Jagdgattern in Salzburg widmen. Dort ist Mayr-Melnhof der Gatterjägermeister und betreibt ein Jagdgatter in der Antheringer Au nördlich von Salzburg, mitten in einem Vogelschutz- und Natura 2000 Gebiet.

Mayr-Melnhof ist und war nicht gewohnt, kritisiert zu werden. Viele erzählen mir, dass sie Angst vor seinen Klagen haben. Als Sonnyboy der Salzburger Schickeria kannte er nur positive mediale Berichterstattung. Kritiker:innen von ihm und seinen Machenschaften zogen es vor, lieber zu schweigen.

Ja, und dann kam der VGT und dokumentierte seine Gatterjagd. Zunächst filmte ich den Abschuss ausgesetzter Zuchtenten im Gatter – einem Vogelschutzgebiet! Diese Praxis ist mittlerweile verboten und beendet. Als nächstes standen wir außerhalb des Gatterzauns, als Mayr-Melnhof eines seiner brutalen Wildschweinmassaker durchführte, siehe Foto oben. Seine Reaktion: Besitzstörungsklage.

Mit mir diskutieren werde er nicht, ließ er verlauten, immerhin sei ich doppelter Doktor und er nur ein bescheidener Bauer. Seinem Verhalten nach sah er es in Wahrheit aber unter seiner Würde an, mit Tierschützer:innen überhaupt zu sprechen. Stattdessen schickte er seinen Anwalt und zitierte mich vor Gericht. Auch das eine Taktik. Statt den Verein, klagte er hauptsächlich mich persönlich. Das Ziel ist offensichtlich, so könnte er mich einschüchtern und vor allen anderen an mir ein Exempel statuieren. Einen Mayr-Melnhof kritisiert man eben nicht öffentlich.

Doch die Besitzstörungsklage am Bezirksgericht Oberndorf wurde abgewiesen. Die erste von vielen verlorenen Klagen gegen mich. Das hielt Mayr-Melnhof aber nicht davon ab, gleich nachzusetzen. Am Stephansplatz in Wien hatten wir in einer satirischen Zeremonie die Gatterjagd Awards an bekannte Gatterjäger verliehen. Mayr-Melnhof erhielt dort das „Herz aus Stein“. Grund genug, mich wegen Beleidigung auf einige 1000 Euro Schmerzensgeld zu klagen. Aber auch diese Klage verlor er am Handelsgericht in Wien. Es folgte eine Reihe von Klagserweiterungen, wegen einem Faschingsumzug mit einer Mayr-Melnhof Puppe und wegen einer Klo-Aktion in Salzburg nach dem Motto „Die Gatterjagd stinkt zum Himmel“. Bis in die höchste Instanz wurden aber alle seine Klagsbegehren abgewiesen. An Gerichtskosten musste er uns rund € 18.000 überweisen.

Und schon kam die nächste Klage. Medienrechtlich diesmal, eine Privatanklage. Eine junge Frau hatte in Salzburg ein Pickerl auf einen Poller geklebt, auf dem Mayr-Melnhof als Tierquäler zu sehen war. Er klagte mich – wen sonst. Den beiden jungen Frauen, die damals erwischt worden waren, schrieb er zweimal Briefe, um sie in sein Schloss einzuladen. Warum wohl? Er hatte sie auch geklagt, dann aber gemeint, sie seien ja nur von mir verführt worden. Wollte er ihnen anbieten, von der Privatanklage gegen sie Abstand zu nehmen, wenn sie dafür zu Kronzeuginnen gegen mich würden? Naheliegend, eine typische Taktik in solchen Situationen. Doch die Frauen blieben standhaft – und wurden prompt freigesprochen. Das Pickerl sei nicht beleidigend gewesen, meinte der Richter.

Gegen den VGT und mich erweiterte Mayr-Melnhof die Anklage dennoch ein halbes Dutzend weitere Male. Letztlich wollte er über € 100.000 Kränkungsgeld dafür, dass unbekannte Personen auf Facebookseiten, auf die ich keinen Zugriff habe, ihn beleidigt hätten. Ich sei dafür verantwortlich.

Das war vor 5 (!) Jahren. Der Prozess läuft heute noch. Am 15. Jänner 2021 begann das Verfahren nun bereits zum 3. Mal in der ersten Instanz am Landesgericht Salzburg. In der ersten Runde vor 4 Jahren hatte mich der Richter zu € 40.000 Kränkungsgeld verurteilt. In der Berufung war das auf € 34.000 reduziert worden. Der Oberste Gerichtshof schließlich hob das Urteil aber letztlich völlig auf.

Der Prozesstag am 15. Jänner 2021 ist rasch erzählt. Harter Lockdown, das Gerichtsgebäude darf erst 15 Minuten vor Prozessbeginn betreten werden. Das gilt jedenfalls für das niedrige Volk. Mayr-Melnhof ging lächelnd an uns vorbei und wurde durchgewunken, ohne jede Kontrolle. Auf unsere insistierende Beschwerde hin – das sei versehentlich passiert – wurde er wieder heraus geholt. Beim Betreten etwas später aber dasselbe noch einmal: während meine Begleiter:innen und ich gescannt und abgetastet werden, und meine Tasche durchsucht wird, könnte Mayr-Melnhof eine Maschinenpistole ins Gerichtsgebäude mitnehmen, es fiele nicht auf, weil für ihn alle Tore geöffnet werden, ohne jede Kontrolle.

Das ist genau das Problem. Mayr-Melnhof erlebt so die Gesellschaft. Er wird bevorzugt behandelt, er darf, was andere nicht dürfen. Am Landesverwaltungsgericht vor Jahren wollte ich eine Kamera mitnehmen, um einen Vorfall nachzustellen. Es wurde mir beim Eingang verboten. Mayr-Melnhof kam mit der gleichen Kamera aus demselben Grund und wurde durchgewunken. Klar, dass jemand mit so einer Realitätserfahrung die Welt nicht mehr versteht, wenn jemand wie ich ihn öffentlich kritisiert, und als Reaktion klagt – Geld hat er ja genug – oder sogar Gewalt ausübt. Aber davon in einem anderen Blogeintrag.

Im Prozess werde ich von Mayr-Melnhofs Anwalt als „Tierrechts-Trump“ bezeichnet, mit Bezug zum Sturm aufs Kapitol. So wie Trump seine Fans aufgewiegelt habe, so würde ich – als „Alleinherrscher“ im Tierschutz – die Menschen aufwiegeln, Mayr-Melnhof zu beleidigen. Mit dem feinen Unterschied, der unerwähnt blieb, dass ich niemanden direkt dazu aufgefordert habe, sondern lediglich faktisch wahre Kritik geübt habe, immer in Bezug auf Tierquälerei und Tierschutz.

Als Zeugin tritt Alexandra Benedik für Mayr-Melnhof auf. Er hat sie als Spitzel im VGT benutzt, siehe https://martinballuch.com/alexandra-benedik-tierschutzsprecherin-der-kpoe-als-spitzel-fuer-die-jaegerschaft-im-vgt/. Sie ließ sich in interne VGT-Emaillisten von Aktivist:innen eintragen und dürfte Mayr-Melnhof alles brühwarm weitergeleitet haben, weil er Emails dieser Listen vor Gericht vorgelegt hat. Jeden einzelnen der Tierschützer:innen beim VGT muss sie ebenfalls für Mayr-Melnhof mit Namen und Foto identifiziert haben, weil er mit diesem Wissen hausieren ging und sogar Listen erstellte, die in Jagdkreisen kursierten. Und sie gab ihm persönliche Emailkorrespondenz zwischen mir und ihr weiter, in der sie versucht hatte, ganz im Stil eines Agent Provocateur, mich zu radikalen Aussagen zu bewegen.

Ein deja-vu aus Zeiten des Tierschutzprozesses, inklusive Spitzel. „Radikale“ Emails von mir sollen meine Schuld beweisen, weil ich selbst keine Straftat begangen habe. Doch im Gegensatz zum Tierschutzprozess zieht in Salzburg offenbar so eine Argumentation, zumindest wenn Mayr-Melnhof sich als armes Opfer darstellen kann. Der Richter sprach mich schuldig. Er verpflichtete mich zur Zahlung von € 7.200 Kränkungsgeld an Mayr-Melnhof. Aber darüber hinaus erklärte er mich für schuldig, selbst Mayr-Melnhof beleidigt zu haben. Und zwar dadurch, dass ich unterlassen hätte, auf andere einzuwirken, die Beleidigungen zu löschen. Niemand bezweifelt, dass ich die Beleidigungen auf Facebook nicht geschrieben habe, dass ich sie nicht einmal gelesen habe und dass ich auch nicht die Möglichkeit hatte, sie zu löschen. Und dennoch sei ich schuldig. Als Mastermind der Kampagne gegen die Gatterjagd, und insbesondere gegen die Gatterjagd von Mayr-Melnhof. In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter, er wisse, dass er sich mit diesem Urteil auf dünnes Eis begebe und sei neugierig, ob es halten werde. Laut Medienanwältin Maria Windhager ist diese Schuldkonstruktion absolutes Neuland in der Rechtsprechung in Österreich.

Die gute Nachricht zuletzt: zu 72 der 128 Anklagepunkte wurde ich aber freigesprochen. Das heißt von den Gerichtskosten, die gegen € 100.000 gehen, wird Mayr-Melnhof den Großteil bezahlen müssen. Und der VGT wurde in allen Punkten freigesprochen. Auch das wie im Tierschutzprozess. Dort hatte der Staatsanwalt immer betont, dass ich das kriminelle Hirn sei, das den armen VGT nur missbrauche. So scheint das auch der Richter in diesem Verfahren zu sehen.

Ich werde auf jeden Fall berufen. Zunächst gehts zum Oberlandesgericht Linz, dann zum Obersten Gerichtshof in Wien und zuletzt zum Europäischen Gerichtshof in Straßburg. So schnell gebe ich nicht klein bei.

Mayr-Melnhof hat im übrigen bereits die nächste Privatanklage gegen mich eingebracht. Sie wird – aus nicht nachvollziehbaren Gründen – auch in Salzburg am selben Gericht und vom selben Richter verhandelt. Das ist auch sehr seltsam an diesem Fall. Mediendelikte werden immer dort verhandelt, wo der Medienverantwortliche ansässig ist. In diesem Fall bin ich der Medienverantwortliche, allerdings wohne ich nicht in Salzburg. Dort hat Mayr-Melnhof aber ein Heimspiel. Immer, wenn die Prozesse in Salzburg sind, gehen sie schlecht aus, überall sonst gewinne ich. Die Begründung für die Übertragung nach Salzburg: Das Pickerl – erinnern Sie sich? Der Beginn dieses Verfahrens – sei in Salzburg geklebt worden. Obwohl es schon längst nicht mehr um dieses Pickerl geht, werden alle weiteren medienrechtlichen Verfahren gegen mich in Salzburg verhandelt, solange Mayr-Melnhof Privatanklage erhebt, bevor das ursprüngliche Verfahren abgeschlossen ist. Eine unendliche Geschichte also.

In der neuen Privatanklage geht es um eine Presseaussendung, in der ich Mayr-Melnhof objektiv wahr kritisiert habe. So etwas hält dieser Mensch eben nicht aus. Nur eines sollte er wissen: seine Klagswut wird mich niemals davon abhalten, für die Tiere die Stimme zu ergreifen und seine Tierquälereien – und seine Gewalt gegen Menschen – öffentlich zu brandmarken!

Volksabstimmung: die 2. Hürde im Visier

Volksabstimmung ist das Einzige, was ich in den letzten Wochen denken kann. Volksabstimmung, Stimmen zählen, Unterschriften nummerieren, in Sackerln für jede Gemeinde aufteilen. Wussten Sie, dass man 2 kg (in Worten: 2 Kilogramm!) Heftklammern braucht, um eine Volksabstimmung im Burgenland zu erreichen? Und nicht nur das. Selbst mein kleines Töchterchen, siehe Foto, wird eingespannt. Für die Stimmübergabe bei der Landesregierung hat sie sich sogar ein Hirschgeweih gebastelt und ein Plakat gemalt. Das andere Plakat stammt von ihren Freund:innen aus ihrem Kindergarten.

Wenn ich so mit verschiedenen Personen spreche, wird mir klar, dass man sich von außen den Aufwand nicht vorstellen kann, den man sich mit dem Projekt Volksabstimmung einhandelt. Deshalb hier kurz eine Darstellung.

Zuerst muss man die Stimmen sammeln, zumeist auf der Straße, momentan in großer Kälte. Und aufgrund des harten Lockdowns praktisch ohne Menschen auf der Straße. Im Mittel sind 280 Unterschriften pro Tag notwendig, um nach 8 Wochen genügend Stimmen zu haben. Im harten Lockdown kommt ein Sammeltisch auf der Straße in 4 Stunden auf vielleicht 40 Unterschriften.

Diese Unterschriften landen letztlich in unserem Büro. Dort werden sie geprüft, es wird die Gemeinde und der politische Bezirk ausgefüllt und dann wird der Antrag auf Volksabstimmung (A6 Zettel) vom Antrag auf Wahlrechtsbestätigung (A4) getrennt. Beides wird separat in Sackerln gesteckt, für jede Gemeinde eines (oder mehrere, je nach Anzahl der Unterschriften). 171 Gemeinden gibts im Burgenland, also entstehen 171 Häufchen mit Unterschriften nebeneinander, wenn wir die gesammelten Unterschriften jeden Sonntag und Mittwoch aufarbeiten. Zum Glück hat unser Büro einen so langen Gang!

Dann werden die Sackerln mit den Wahlrechtsbestätigungen auf Gemeinderouten aufgeteilt. An einem Tag kann man bis zu 15 Gemeinden anfahren und die Bestätigungsanträge abgeben. Am nächsten Tag muss man dieselbe Route erneut fahren, um die Bestätigungen wieder abzuholen. Dabei stellt sich heraus, dass gut 10 % der Unterschriften von Menschen stammen, die sich entweder beim Ausfüllen verschrieben haben, oder die nicht wahlberechtigt sind. Es bleiben also nur 90 % übrig.

Wenn die Wahlrechtsbestätigungen aus den Gemeinden zurück kommen, dann werden sie wieder mit den zugehörigen Anträgen auf Volksabstimmung derselben Person zusammengeführt. Kein leichtes Unterfangen bei 1500 Zetteln im Mittel jede Woche. Die beiden Zettel, die Bestätigung des Wahlrechts und der Antrag auf Volksabstimmung, werden nun zusammengeheftet und nummeriert. Dann werden sie zur Landesregierung gebracht, die noch einmal 0,5 % davon für ungültig erklärt.

Was für ein ungeheuerlicher Aufwand! So sieht das aber das Volksabstimmungsgesetz im Burgenland vor, das aus einer Zeit stammt, als es noch keine Computer gab. Es arbeiten wirklich gut 100 Menschen an diesem Projekt, und müssen für Monate ihre Wochenenden und jede freie Minute opfern, damit die Arbeit bewältigt wird. Dabei ginge alles viel einfacher: online unterschreiben oder Unterschriften im Landhaus abgeben und das Amt der Landesregierung, das sowieso alles noch einmal prüft, checkt auch die Wählerevidenz. Seit es Computer gibt, sollte das sehr einfach gehen.

Und dennoch sind wir am Ball. Niemand hätte das anfangs für möglich gehalten, aber wir liegen knapp unterm Plansoll. Letzten Donnerstag haben mein Töchterchen und ich (siehe oben), zusammen mit der Sprecherin des Projekts, die das Foto aufgenommen hat, 7251 von den Gemeinden bestätigte Stimmen der Landesregierung überreicht. Und das trotz hartem Lockdown, der sich durch die gesamte Zeit des Stimmensammelns zieht, und trotz der denkbar ungünstigsten Zeit des Jahres über Weihnachten und Neujahr, wegen der Kälte, der vielen Feiertage und dem Weihnachtsurlaub. Der Schlüssel zum Erfolg: so viele idealistische Menschen, die sich engagieren, aber auch so viele Burgenländer:innen zu Hause, die von sich aus die Formulare ausfüllen, unterschreiben und uns zuschicken.

Das wird historisch, das wird das erste Mal in der Geschichte Österreichs, dass „von unten“ auf Landesebene eine Volksabstimmung erzwungen wird, und noch dazu über ein Tierschutzthema. Ich bin so gespannt, ob es gelingt, wie diese Volksabstimmung ablaufen wird und vor allem wie sie ausgeht.

Wer uns noch helfen und unterschreiben will, kann sich auf der Webseite https://gatterjagdverbot.at/ informieren und die Formulare runterladen oder sie sich von uns zuschicken lassen.

Volksabstimmung: die 1. Hürde ist genommen

Nachdem die SPÖ im Alleingang gegen die Stimmen der Opposition im Burgenländischen Landtag am 10. Dezember 2020 das Gatterjagdverbot aufgehoben hatte, haben wir das Projekt „Volksabstimmung“ ausgelöst. Laut Volksabstimmungsgesetz mussten wir innerhalb von 7 Tagen nach Beschluss 1500 von den Gemeinden bestätigte Unterschriften für den Landtag wahlberechtigter Burgenländer:innen vorlegen, die einen Antrag auf eine Volksabstimmung über die Aufhebung des Gatterjagdverbots fordern. Wir haben 2204 abgegeben. Heute wurde uns bestätigt, dass wir damit die 1. Hürde genommen haben.

Die Aufhebung des Gatterjagdverbots ist damit bis zum 4. Februar 2021 gesperrt und tritt nicht in Kraft. Bis dahin müssen jetzt 12.000 Unterschriften zusammenkommen.

Unsere Aufgabe ist sehr schwer. Das merkt man erst so richtig, wenn man sie umzusetzen versucht:

  • Ab heute 28. 12. 2020 gilt ein harter Lockdown für mindestens 3 Wochen, d.h. dass sehr wenige Menschen auf der Straße sind, die man um eine Unterschrift bitten könnte.
  • Wir haben Weihnachten und Neujahr mitten in der Sammelperiode, in der es auf jeden Werktag ankommt, um genügend Stimmen zusammen zu bekommen.
  • Die Unterschriften müssen nicht nur gesammelt, sondern dann auch noch bei den 171 Gemeinden des Burgenlandes zur Bestätigung vorgelegt werden. Das ist nicht nur wahnsinnig zeitaufwendig und mühsam, zumal viele Gemeinden das Volksabstimmungsgesetz nicht kennen oder sich keine Zeit nehmen wollen (der Lockdown hilft hier auch nicht gerade). Zusätzlich werden 10 % der Unterschriften aus verschiedenen Gründen abgewiesen, u.a. auch weil die Schrift nicht leserlich genug ist.

Dazu kommt noch, dass das Amt der Landesregierung offenbar einen sehr hohen Prüfmassstab anlegt, welche Unterschriften sie akzeptieren. Von den ersten 2204 Unterschriften haben sie 58 zurückgewiesen. Der kleinste Fehler beim Ausfüllen des Formulars führt dazu, dass die Unterschrift als ungültig eingestuft wird. Und viele Menschen füllen die Formulare in großer Eile aus und machen dabei leider auch Fehler.

Mittlerweile haben wir 2992 Unterschriften abgegeben und weitere 1700 vorliegen, die wir demnächst abgeben werden. Würden wir so weitermachen, dann gingen sich die 12.000 bis 4. Februar vermutlich aus. Doch leider kommt jetzt der Lockdown. Wir haben angefragt, ob nicht die 3 Wochen des Lockdowns an die Frist angehängt werden könnten, da wir ja dadurch schwer gehandicapt sind. Doch die Landesregierung hat eiskalt abgelehnt.

Ich möchte daher noch einmal an alle Menschen appellieren, die mithelfen wollen, das Gatterjagdverbot im Burgenland zu retten. Wer für den Landtag wahlberechtigt ist, unterschreibt bitte die Formulare und schickt sie z.B. an den VGT, Meidlinger Hauptstraße 63/6, 1120 Wien. Man kann sich die Formulare hier herunter laden: www.gatterjagdverbot.at

Wer sich Formulare postalisch bestellen will, schreibt an kontakt@gatterjagdverbot.,at oder ruft beim VGT an: 01 9291498.

Das ist die einzige Chance, das Gatterjagdverbot zu retten. Bitte helft uns! Zum Beispiel, indem Ihr selbst im Burgenland sammelt, Freundes-, Verwandten- oder Bekanntenkreise im Burgenland kontaktiert, und Euch bekannte Menschen aus dem Burgenland überzeugt, in deren sozialem Umfeld zu sammeln.

Volksabstimmung Gatterjagdverbot: wir brauchen Ihre Hilfe!

Als die SPÖ-Landesregierung im Burgenland im Alleingang den Beschluss im Landtag fasste, ihr eigenes Gatterjagdverbot wieder aufzuheben, blieb nur eine letzte Möglichkeit, das zu verhindern: eine Volksabstimmung. Die Burgenländische Landesverfassung sieht im Artikel 33 die Möglichkeit vor, „von unten“ eine Volksabstimmung über einen Landtagsbeschluss zu erzwingen, wenn innerhalb von 8 Wochen nach Beschlussfassung 12.000 von den Gemeinden bestätigte Unterschriften bei der Landesregierung abgegeben worden sind. Bestätigt werden muss dabei die Wahlberechtigung für den Landtag. Das ist aber eine ganz schön schwere Aufgabe, weil 12.000 sind 5 % der Wahlberechtigten. Und es bleiben keine 8 Wochen zum Sammeln, weil die Unterschriften von den Gemeinden bestätigen zu lassen, ein weiterer, sehr großer Zeitaufwand ist.

Wir haben dennoch diese Möglichkeit ergriffen und bereits in den ersten 15 % der Tage 30 % der Unterschriften gesammelt. Verschiedene Teams von Tierschützer:innen sind täglich (außer Sonntag) von Neusiedl bis Jennersdorf auf der Straße sammeln pro Tag bis zu 400 Stimmen. Weitere 100 Unterschriften kommen jeden Tag mit der Post herein. Diese stammen vor allem von Personen, die von sich aus Unterschriften sammeln, und von den Tierschutzorganisationen des Burgenlands, die ihre Mitglieder bitten, zu unterschreiben.

Wir sind also wirklich sehr gut unterwegs. Mit dem heutigen Tag haben wir:

  • 2203 Unterschriften bereits abgegeben
  • 26 weitere sind mit Bestätigung der Gemeinde zur Abgabe fertig
  • 1642 Unterschriften aus 154 Gemeinden warten darauf, von den Gemeinden bestätigt zu werden

Macht zusammen 3871. Doch jetzt droht der Lockdown! Ab Ende dieser Woche, nach 2 Feiertagen, wird kein Geschäft mehr offen haben und niemand mehr auf der Straße sein. Dadurch brechen die soliden 400 Unterschriften pro Tag weg, die wir bisher auf der Straße gesammelt haben. Das Scheitern des ganzen Projekts droht!

Deshalb möchte ich hier dazu aufrufen, uns nach Möglichkeit durch eine Unterschrift zu unterstützen – wenn Sie im Burgenland zum Landtag wahlberechtigt sind:

  • Schreiben Sie dem VGT (vgt@vgt.at) oder rufen Sie uns an (01 9291498) und wir schicken Ihnen umgehend die Formulare samt frankiertem Rückkuvert zur Unterschrift!
  • Gehen Sie auf die Webseite www.gatterjagdverbot.at und laden sich dort die Formulare herunter, drucken sie aus und schicken sie an den VGT, Meidlinger Hauptstraße 63/6, 1120 Wien!

Es darf nicht sein, dass der Coronalockdown einfach eine Volksabstimmung über die Gatterjagd verhindert. Jetzt müssen wir die Stärke des Burgenlands nützen: es gibt große Netzwerke von Bürgerinitiativen und NGOs, die Menschen kennen sich alle gegenseitig. Wir müssen per Mundpropaganda die fehlenden Unterschriften zusammen bekommen. Bitte helfen Sie mit. Wenn Sie jemanden aus dem Burgenland kennen, kontaktieren Sie ihn/sie und fragen Sie, ob die Personen nicht unterschreiben wollen. Vielleicht könnten diese Menschen auch wiederum weitere fragen. Wenn Sie selbst aus dem Burgenland kommen, bitte nützen Sie Ihre gesamte Verwandtschaft, Ihre Bekannten, Ihre Kolleg:innen und sammeln Sie Unterschriften. Gegen die Gatterjagd sind alle. Und gegen die Willkür, einfach das Gatterjagdverbot ohne Anlass und sachliche Begründung aufzuheben, auch. Sie werden offene Türen einrennen, wenn Sie um Unterschriften bitten. Doch die Mehrheitsmeinung kann sich nicht durchsetzen, wenn diejenigen, die unterschreiben würden, gar nichts davon erfahren.

Das wird sehr knapp. Jede Stimme zählt. Ab dem Lockdown wird es wirklich kritisch!!

Tierschutzgipfel zu Schweinen

Am 15. Dezember 2020 fand nun endlich der lang ersehnte Tierschutzgipfel zu Schweinen statt. Er hätte schon vor Monaten stattfinden sollen, doch Corona kam dazwischen. Jetzt, im Lockdown, ging das Treffen sowieso nur noch online. Etwa 60 Personen waren anwesend, darunter nur 3 aus dem Tierschutz, und 2 davon vom VGT. Einer davon wiederum war ich.

Unter einem Tierschutzgipfel zu Schweinen stellt man sich einen offenen Meinungsaustausch vor, politisch (im Sinne von einer Diskussion der Forderungen an die Regierung) wie fachlich. Doch in Wahrheit gab es 3 Fachvorträge und lediglich 2 Wortmeldungen. Eine davon kam von mir. Nach 3 1/2 Stunden blieb man also reichlich unbefriedigt zurück. In Zukunft sollten die Tierschutzgipfel viel mehr Zeit für Diskussionen vorsehen, und bestenfalls Impulsvorträge zulassen. Einer der Vorträge kam noch dazu vom „Verband Österreichischer Schweinebauern“ (VÖS) und war damit alles andere als neutral und objektiv. Dem sollte eigentlich ein Vortrag von Tierschutzseite gegenübergestellt werden.

Ok, Kritik beiseite. Es ist natürlich ein großer Fortschritt, dass es überhaupt einen solchen Gipfel gibt. Im Burgenland diskutiert die SPÖ-Alleinregierung grundsätzlich nicht mit NGOs und dem Tierschutz. Da hört man sich nur die eine Seite, also die Landwirtschaftskammer und den Landesjagdverband, an. Ein mittelalterliches Verständnis von Demokratie, noch dazu von einer Regierung, die in eigenen Veranstaltungen das Mitgestalten der Bevölkerung in Gesetzesmaterien feiert und von dialogischer Demokratie labert. Das ist die Ursache von Politikverdrossenheit: diese ewige Verlogenheit der Politik, dieses ständige Scheinwelten aufbauen, dieses A sagen und B meinen, und in Wahrheit autoritär nur für das eigene Klientel regieren. Im Fall der SPÖ-Regierung im Burgenland besteht dieses Klientel noch dazu aus Großgrundbesitz und ehemaligem Adel. Erschreckend!

So lernen wir, dass 43 % der Schweine in Österreich ein AMA-Gütesiegel tragen, und dass das Schlachtgewicht der Schweine in Österreich mittlerweile von 110 kg noch vor 10 Jahren auf 123 kg angestiegen ist, obwohl die Tiere gleich lang gemästet werden, dass also die Tiere noch rascher wachsen.

Ja, und dann sagt der Sprecher der Schweinebäuer:innen wörtlich: „Schweden ist viel besser im Tierschutz als Österreich“. Oho. Hört, hört! Bisher klingt mir nur das ständige „Österreich ist Nummer 1 im Tierschutz“ der Landwirtschaftsministerin, und wir seien das Vorzeigeland, im Ohr. Jetzt gibt selbst die Schweineindustrie zu – wenn die Öffentlichkeit nicht dabei ist – dass wir in Österreich die viel besseren Standards anderer Länder knallhart untergraben, in dem wir billig am untersten Ende der EU-Vorgaben produzieren. Ein bisschen mehr Ehrlichkeit in der Öffentlichkeit würde vielleicht dazu führen, dass die Menschen häufiger Schweinefleisch kaufen, das nach echt verbesserten Standards produziert wurde. Aber so kann man jammern, die Menschen würden nur auf den Preis schauen, und verweigert damit jede Änderung.

Die VÖS hat in ihrem Vortrag auch den alten Treppenwitz neu aufgelegt, dass die Schweinehalter:innen das allergrößte Interesse am Wohlbefinden ihrer Tiere hätten, weil ja nur gesunde und glückliche Tiere viel gutes Fleisch produzierten. Und wie war das mit den Pelzfarmen und den Legebatterien? Hatten Pelzfarmer:innen und Legebatteriebetreiber:innen auch das Wohl der Tiere im Sinn? In winzigen Gitterkäfigen? Und waren Pelze und Eier schlecht, weil die Tiere so litten? Ich könnte auch Bärengallenfarmen oder Gänsestopffarmen anführen. Nein, man kann auch aus brutalst ausgebeuteten Tieren große Profite schöpfen. Da gibt es keinen Zusammenhang.

Schweine-Experte Prof. Baumgartner von der Vet Uni Wien lieferte in seinem Vortrag sogar den Beweis, dass es den Schweinen in Österreich sehr schlecht geht. Er sagte, der Schwanz der Schweine sei ein „Eisbergindikator“ für ihr Wohlbefinden. D.h. können die Schweine ohne kupierte oder abgebissene Schwänze leben, dann ist das ein Hinweis darauf, dass sie wenigstens eine minimale Lebensqualität geboten bekommen. Aber in Österreich werden 95 % der Schwänze abgeschnitten. Also bekommen sie nicht einmal das.

In meinem Diskussionsbeitrag wies ich darauf hin, dass es diese Diskrepanz zwischen den Interessen der Schweinehalter:innen und den Interessen der Schweine gibt. Diese Interessen sind nicht deckungsgleich. Und deshalb brauchen die Schweine eine von der Landwirtschaft unabhängige Interessensvertretung, nämlich den Tierschutz. Und das sollte sich auch darin widerspiegeln, dass Tierschützer:innen an den Arbeitsgruppen zwischen den Tierschutzgipfeln teilnehmen können, was bis jetzt nicht der Fall war.

Und ich betonte, dass andere Beispiele zeigen, dass erst eine gesetzliche Weichenstellung eine Entwicklung zu Verbesserungen in der Tierhaltung auslöst. Im Jahr 2012 erreichten wir ein etwas mickriges Kastenstandverbot. Es gibt Ausnahmen von 10 Tagen im Deckstall und von „den kritischen Tagen“ (vermutlich 1 Woche) bei der Geburt. Schlimm genug. Doch immerhin bedeutet das, dass die Mutterschweine statt 365 Tage im Jahr wie noch 2012 nur 36 Tage im Jahr ab 2033 in dem körpergroßen Käfig festgehalten werden dürfen. Eine Reduktion auf 10 %.

Noch einmal: Die Reduktion der Nutzung des Kastenstands um 90 % über den Zeitraum von 21 (!) Jahren ist ausschließlich durch das von uns erkämpfte gesetzliche „Verbot“ des Kastenstands zustande gekommen. Das Gesetz war der Auslöser für die Entwicklung in der Praxis. Dasselbe gilt für die Haltung von Legehennen. Niemals wären wir heute bei 2 Drittel Boden- und 1 Drittel Freilandhaltung, wenn es kein Legebatterieverbot gegeben hätte. Deshalb brauchen wir jetzt ein Verbot der Schweinehaltung auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu. Sonst wird der Vollspaltenboden einfach bleiben.

Die EU-Kommission hat festgestellt, dass Österreich die EU-Vorgabe, dass die Schwänze von Schweinen nicht routinemäßig gekürzt werden dürfen, ständig flächendeckend bricht. Will Österreich also keine hohen Strafen zahlen, dann muss es handeln. Doch die Haltung so zu verändern, dass die Schwänze nicht kupiert werden müssen, bedeutet genau das, was der VGT seit 1994 fordert: weg mit dem Vollspaltenboden und her mit Stroheinstreu. Dann und nur dann kann man die EU-Vorgaben einhalten, zu denen auch ein „physisch angenehmer Boden“ gehört. Die Schweineindustrie meint zwar, dass auch andere EU-Staaten den Vollspaltenboden benützen. Aber das heißt nicht, dass er EU-rechtskonform ist. Erstens haben diese Staaten genauso ein Verfahren wegen dem routinemäßigen Schwanzkupieren am Hals und zweitens „wo kein Kläger da kein Richter“. Wenn niemand den Rechtsstaat einfordert, dann wird er auch nicht eingehalten. Wenn man das EU-Recht brechen kann ohne Konsequenzen, dann wird das die Industrie auch immer tun.

Wir brauchen also zweierlei: ein klares Verbot der Haltung von Schweinen auf Vollspaltenboden mit verpflichtender Stroheinstreu, und die Möglichkeit mittels Verbandsklagerecht die Schweineindustrie zur Verantwortung zu ziehen, wenn sie sich nicht an die Gesetze hält.

PS: Warum, werde ich gefragt, hört man in letzter Zeit so wenig vom Vollspaltenboden in der Schweinehaltung? Bis vor wenigen Monaten war das doch noch in aller Munde. Da muss man sich bei der Burgenländischen SPÖ „bedanken“. Der ist nämlich die seltsame Idee eingefallen, das von ihr selbst im März 2017 beschlossene Gatterjagdverbot jetzt wieder aufzuheben. Und wenn wir zulassen, dass mühsam erkämpfte Tierschutzstandards einfach so wieder aufgehoben werden können, dann brauchen wir sie gar nicht mehr erkämpfen. Morgen gibts wieder Legebatterien, und übermorgen Pelzfarmen. Der SPÖ ist es also gelungen, unsere Kampagne gegen den Vollspaltenboden zu stoppen. Der Oppositionspartei SPÖ! Eine Kampagne gegen die Regierung zu stoppen! Sehr intelligent.

Aber keine Sorge. Wir werden die Kampagne sofort wieder aufgreifen, wenn wir das Gatterjagdverbot im Burgenland erfolgreich verteidigt haben. Bitte helft uns dabei!

Die Brutalität der Gatterjagd

Allein schon das Konzept einer Gatterjagd ist abartig. Man sperrt Tiere ein, die man dann jagt. Erinnert stark an das Kolosseum zur Römerzeit. Man kann sich die Überreste zweier solcher Arenen in Carnuntum heute noch ansehen. Dort hat man auch vor zahlenden Zuschauer:innen solche Jagden veranstaltet. Oder auch im Hetztheater in Wien. Die Jagdgatter bei uns sind aber heute größer. Ändert das etwas im Prinzip? Sie können größer sein, weil es keine Zuschauer:innen gibt, die gegen Geld die Angst und die Schmerzen der Tiere sehen wollen. Und sie sind größer, damit die zahlenden Jagdgäste so tun können, als wären sie in der Wildnis, als würden sie zufällig auf einen Hirsch mit Weltrekordgeweih treffen. Nicht auf einen, den man 10 Jahre lang mit besonderem Futter extra dafür gezüchtet hat.

Doch die unmittelbar größte Brutalität im Jagdgatter ist die Treibjagd. Nicht nur, weil da die Tiere (5 x im Jahr, wenn es nach der Landesregierung im Burgenland geht!) bis zu 8 Stunden hin und her gehetzt und beschossen werden. Sondern auch, weil die in Panik flüchtenden Tiere kein gutes Ziel abgeben und sehr häufig nur angeschossen und verletzt werden.

2014 haben wir eine Gatterjagd in Kaumberg beobachtet und nachher mit dem Helfer gesprochen, der für die hohe Herrschaft die Tiere füttert und die Toten entsorgt. Er wirkte auch sehr gatterkritisch. Und er sagte, bei der Jagd seien 98 Wildschweine erschossen und 60 so schwer verletzt worden, dass er sie dann in den nächsten Tagen erst tot im Gebüsch liegend gefunden hat. Das hier ist eines davon, durch den Zaun fotografiert:

Gerade eben erschossen schaut es nicht aus. Eines von 60 (!) Opfern dieser Jagd, die langsam und qualvoll zugrunde gingen. 60 von 158 Tieren ging es so!

Auch bei Mayr-Melnhof mussten wir mitansehen, wie ein Wildschwein bei der Gatterjagd nur angeschossen wurde und verzweifelt und blutend an uns vorbeilief:

In einem niederösterreichischen Gatter mussten wir zuschauen, wie ein Jagdgast einem Wildschwein in den Bauch schoss, sodass diesem die Gedärme aus dem Körper fielen. Doch es hatte noch die Kraft, bis zu uns zum Zaun zu flüchten. Wo es dann zusammenbrach. Aus dem Gatter schien sich kein Mensch zu kümmern, weil während einer Treibjagd gibt es keine Nachsuche nach angeschossenen Tieren.

Ja, und heuer, bei einer Gatterjagd im Südburgenland, in Güssing, bei Mensdorff-Pouilly, mussten wir wieder einmal ein angeschossenes Wildschwein dokumentieren. Das Foto davon ist ganz oben. Leider die Regel, nicht die Ausnahme.

Es gibt nur eine Antwort: Die Gatterjagd muss im Burgenland verboten bleiben. Bitte helft mit, eine Volksabstimmung gegen die Aufhebung des Gatterjagdverbots zu erreichen. Alle Infos und Formulare zum Runterladen befinden sich hier: www.gatterjagdverbot.at