Tierschutz

Ein Plädoyer für den Fuchs

Offensichtlich sehr tierfreundliche Menschen haben mir geschrieben, dass ein Jäger auf ihrem Grund gegen ihren Willen einen Hochstand errichtet hat, und sie wüssten gerne, wie sie dagegen vorgehen könnten. Jedenfalls waren sie daran interessiert, ihren Grund jagdfrei stellen zu lassen. Das geht ja momentan noch nicht in Österreich, aber unser Antrag zur Jagdfreistellung liegt gerade beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte auf. Doch dann sprachen sie mit dem Jäger und der erklärte ihnen, er würde dort bloß Füchse schießen wollen und das sei ja gelebter Tierschutz, weil Füchse auf sehr grausame Weise Rehe töten würden.

Deshalb habe ich dieses Plädoyer für den Fuchs verfasst und diesen mitfühlenden Menschen geschickt:

Ich setze mich seit Jahrzehnten auch für den Schutz von Füchsen ein. In England gibt es Fuchsjagden mit Hundemeute, die von der hochadeligen Jägerschaft hoch zu Ross begleitet werden. Ich war 8 Jahre lang 2 Mal pro Woche unterwegs, um Füchse vor diesen Jäger:innen und ihren Hunden zu retten. Man jagt dort den Fuchs nicht, weil er Schaden oder Leid anrichtet, sondern weil sein Geruch so stark ist, dass die Hundemeuten die Fuchsspur bei der Jagd nicht verlieren. Da der Fuchs keine direkten natürlichen Feinde hat und auch nie hatte, bestand evolutionär keine Notwendigkeit, seinen Geruch zu kaschieren. Diese Fuchsjagden sind eine viele hundert Jahre alte Tradition des Adels. Ich habe in diesen Jahren sehr viel Fuchsleid gesehen, Füchse, die von Hunden zerrissen wurden, Füchse, die aus einem Sack vor Hunden ausgelassen wurden, Füchse, die aus ihrem Bau gegraben wurden und die mit letzter Kraft ihre Kinder verteidigt haben. Ich habe damals zahlreiche Füchse gerettet und ins Wildtierspital gebracht und ihnen dort ein Gehege gebaut.

Auch das vom VGT unterstützte Tierparadies Schabenreith rettet regelmäßig Füchse, oftmals auch Fuchskinder, nachdem ihre Eltern von Jägern und Jägerinnen getötet worden sind. Jetzt momentan sind 3 Fuchsbabies und 2 erwachsene Füchse dort. Die Babies dürfen sogar im Bett der Betreiberin schlafen und werden täglich mit der Flasche ernährt. Ich war letztes Wochenende dort und habe die entzückenden kleinen Tiere streicheln und liebkosen dürfen. Das Foto oben ist dabei entstanden.

Der Betreiber des Tierparadieses Schabenreith war als Kind mit seinem Vater, der Jäger war, bei Baujagden auf Füchse dabei. Er hat mir erzählt, dass sie damals Terrier in die Fuchsbauten haben hinein laufen lassen. Diese sollten die Füchse unter der Erde stellen und aus dem Bau jagen, wo man sie dann töten kann. Doch insbesondere wenn ganze Fuchsfamilien mit Kindern unter der Erde wohnen, dann verteidigt die Mutter ihre Kleinen bis zum Ende. Es kommt zu einem Kampf mit dem Terrier. Der Mann hat erzählt, dass sie damals oft viele Meter tief unter die Erde graben mussten, um die Terrier wieder heraus zu bekommen. Die Fuchskinder, die dabei zutage befördert wurden, hat man eiskalt mit der Schaufel erschlagen. Ein entsetzliches Verhalten!

Ich muss daher sagen, auch wenn das pathetisch klingt, ich liebe Füchse sehr und habe eine jahrzehntelange besondere Beziehung zu ihnen.

Ist das Verhalten der Füchse ethisch verwerflich? Beutegreifer müssen Tiere töten, um zu überleben. Das ist natürlich für sie, es bleibt ihnen keine andere Wahl. Man kann ihnen daraus keinen ethischen Vorwurf machen. Das beginnt beim kleinen Mauswiesel und geht bis zum Wolf. Es gibt einiges an wissenschaftlicher Literatur zu Füchsen. Füchse vermehren sich nicht ungebremst, sondern sie leben territorial. Wenn eine Familie – oft bestehend aus Vater, Mutter und Kindern, zuweilen auch mit Onkeln und Tanten – ein Territorium besetzt, dann kommen dort keine neuen Füchse hinein. Die Fuchsdichte hängt also nur von der Territoriumsgröße der Fuchsfamilien ab, und die wiederum von der Verfügbarkeit von Nahrung. In der Stadt Wien z.B. ist die Fuchsdichte am höchsten in Österreich, weil die Füchse dort mehr Nahrung finden. Und zwar nicht etwa in den Waldgürteln am Stadtrand, sondern mitten im voll verbauten Stadtbereich. Die Füchse zeigen sich dabei intelligent genug, den Straßenverkehr zu verstehen.

Füchse essen in der Sommerzeit sehr viele Regenwürmer. Das ist zeitweise, besonders in feuchten Monaten, ihre Hauptnahrung. Zusätzlich isst ein Fuchs im Mittel 7000 Mäuse pro Jahr. Wo also Füchse erbarmungslos verfolgt werden, explodiert oft die Mäusepopulation. Natürlich ist der Tod von den Mäusen in gewissem Sinn brutal – obwohl ich glaube, dass sie aufgrund des Stresses und ihres Adrenalinpegels beim Fang durch den Fuchs nicht oder nicht lange leiden. Aber davon unabhängig ist dieses Fuchs-Maus Verhältnis Teil des Ökosystems. Gäbe es nicht Beutegreifer, die Mäuse fangen, dann würde die Mäusepopulation rasch überhand nehmen, weil Mäuse vermehren sich schnell und leben nicht territorial. Füchse essen aber auch Obst wie Zwetschgen und Kirschen, und auch Aas. Sie sind keine reinen Karnivoren, wie die Katzen.

Füchse spielen im Ökosystem eine wichtige Rolle. Ja, manchmal gelingt es Füchsen, Rauhfusshühner wie Auerhühner oder Schneehühner zu fangen, oder Hasen. Dass Füchse ausgewachsene Rehe töten, halte ich für ein Märchen. Beim Rehkitz mag es manchmal anders sein, aber ich habe Rehmütter gesehen, die Füchse aktiv vertrieben haben. Doch warum sich mehr um das Rehkitz sorgen, als um den Fuchs und dessen Kinder, die auch ernährt werden müssen? Hasen, ob Feld- oder Schneehasen, sind auch freudig bei der Vermehrung und können große Schäden in der Landwirtschaft anrichten. Ist es da in gewissem Sinn nicht gut, dass der Fuchs als Hasenjäger für ein gewisses ökologisches Gleichgewicht sorgt?

Neben dem Fuchs gibt es noch einige andere Beutegreifer, die z.B. Hasen und Rehkitze jagen, darunter vor allem die Greifvögel bis zum Steinadler. Aus mir unerfindlichen Gründen ist es zwar richtigerweise verboten, Greifvögel zu töten, aber Füchse werden in Österreich fast überall wie besessen verfolgt und vernichtet. Wussten Sie, dass die Jägerschaft hierzulande mehr Füchse als Hirsche tötet? Es gibt einen regelrechten Hass auf die Füchse unter den Jägern und Jägerinnen, und das ist mir vollkommen unbegreiflich. Der Fuchs ist ein ganz wesentlicher Teil des Ökosystems und für eine intakte Natur wertvoll und unersetzbar. Wenn nun jemand behauptet, man müsse die Fuchspopulation kontrollieren, weil sie sonst zu groß wird, so ist das, wie gesagt, falsch. Erstens hat die Stadt Wien im Jahr 2015 beschlossen, auf ihren 58.000 ha Grund, ein Gutteil davon in der Obersteiermark am Hochschwab und in NÖ an der Rax (Quellenschutzgebiete), keine Füchse mehr zu bejagen. Das ist jetzt 6 Jahre her und es zeigt sich, dass das Ökosystem besser funktioniert und die Fuchspopulation nicht überhand nimmt. Zweitens leben Füchse eben territorial, woraus sich dieses Ergebnis erklärt. Und drittens sind Füchse in der Lage, zur Not Ausfälle von 70 % in einem Jahr durch mehr Nachwuchs zu ersetzen. Verfolgt man also Füchse, dann reproduzieren sie mehr. Ich bin sehr froh, dass Füchse so reagieren, weil sonst wären sie in Österreich längst ausgerottet worden – wie Wolf, Bär und Luchs.

Ich hatte einmal eine enge Freundschaft mit einem durch einen Jäger verletzten Fuchs, der in einem Wildtierspital untergekommen ist. Durch seine schwere Verletzung konnte er sich nur im Rollstuhl bewegen. Außer im Wasser, da war er nicht mehr behindert. Der Fuchs namens Eddy war sehr liebevoll und anhänglich, und liebte es, zu kuscheln. Faktum ist, dass Füchse ähnlich wie Hunde reagieren und mit ihnen eine zweiseitige Beziehung möglich ist. Ein Buch über Füchse, das mich sehr begeistert hat, ist jenes von David MacDonald „Running with the Fox“. Ich halte gerade ein weiteres instruktives Buch aus dem Bayrischen Nationalpark über den Fuchs in der Hand, das „Rotfuchs und Dachs“ heißt. Ich bin überzeugt, dass Sie auch die Füchse liebgewinnen würden, wenn sie sich mit ihnen beschäftigen. Auf der Fölzalm am Hochschwab hat ein „Hausfuchs“ gelebt, der völlig frei war, aber jeden Tag mitten durch den Schankraum in die Küche gewandert ist und dort Essen bekommen hat.

Die Gewalt, die Füchse ihren Beutetieren gegenüber ausüben, relativiert sich rasch, wenn wir uns anschauen, was wir Menschen den Tieren antun. Wie brutal lebt und stirbt das typische Tier, dessen Fleisch hierzulande gegessen wird? Stichworte Tierfabrik, Tiertransport, Massenschlachthof. Sehr grausam. Aber selbst wenn Menschen vegan leben, sind sie für deutlich mehr Gewalt gegen Tiere verantwortlich, als jeder Fuchs. Alleine ein Windrad zur Energieproduktion tötet pro Tag 32 Vögel. Der Strom, den wir nutzen, bringt in Wahrheit maßloses Leid über die Tierwelt, ob kalorisch, Wasser- oder eben Windkraft. Wenn wir mit dem Auto fahren, töten wir nicht nur versehentlich Tiere, sondern allein schon durch den Straßenbau wurden zahlreiche Tiere getötet. Wenn Nahrung angebaut wird, werden Tiere getötet, nicht zuletzt durch den Einsatz von Pestiziden. In jeder Stadt werden Ratten und Mäuse vom Kammerjäger zu Millionen vergiftet. Die Liste ist endlos. Wir Menschen, selbst wenn wir sehr vorsichtig sind, bringen viel mehr Leid über die Tierwelt, als jeder Fuchs das je könnte. Wir sollten daher zuerst vor der eigenen Türe kehren. Wer im Glashaus sitzt, sollte keine Steine werfen.

Ich würde Sie daher sehr bitten, den Fuchs auch aus seinen Augen zu betrachten. Dass er überleben will, dass er seine Kinder füttern will. Er hat es meiner Meinung nach verdient, von uns Menschen in Ruhe und Frieden gelassen zu werden.

Illegaler Mord an Bär Arthur in Rumänien

Arthur war ein großer Bär. Es heißt, der größte in Rumänien und vielleicht sogar in der EU. Er hatte das für einen Bären in freier Wildbahn stattliche Alter von 17 Jahren. Woher man das weiß? Weil Arthur seit Jahren beobachtet und betreut wird. Und zwar von der Naturschutzorganisation Agent Green, die sich auch gegen die illegale Abholzung der letzten Urwälder in den Karpaten Rumäniens einsetzt. Von Agent Green stammt auch das Foto von Arthur oben.

Arthur lebte im Natura 2000 Schutzgebiet Oituz-Ojdula nordöstlich von Brasov, früher Kronstadt, abseits von menschlichen Behausungen. Ein Bär seiner Größe hat ein fixes Revier, man weiß also, wo man ihn antreffen kann. Aber nicht nur Agent Green war der Aufenthaltsort von Arthur bekannt. Auch eine andere Organisation hatte es auf Arthur abgesehen. Nur eine weniger bärenfreundliche. Ein Jagdreisenorganisator. Man wollte eine fette Prämie von einem reichen westeuropäischen Schnösel für seinen Abschuss.

Der Plan dürfte in etwa so gelautet haben. Zuerst beschwert sich ein Bauer über einen Bären, der bei ihm einen landwirtschaftlichen Schaden anrichtet. Tatsächlich sagt der Bürgermeister von Ojdula, das am Rande der Wälder der Karpaten liegt, dass im Sommer 2020 einige Beschwerden über eine kleine Bärin mit Jungtieren eingegangen seien. Nichts Aufregendes, es wurde auch nie ein Schadenersatz bezahlt. Ende Jänner 2021 dann forderte ein Bauer von Ojdula, dass diese Bärin abgeschossen werden soll, weil sie störe. Dazu verfasst er einen handschriftlichen Brief an das zuständige Ministerium:

Agent Green hat diesen Bauern besucht. Er meinte, als ihm sein Brief vorgelegt wurde, dass er das wohl geschrieben haben müsse. Im weiteren Gespräch stellte sich aber heraus, dass er gar nicht lesen kann. Hat man ihn einfach als Ausrede benutzt, um eine Abschussgenehmigung zu erhalten? Tatsächlich stellt das Ministerium Mitte Februar 2021 eine solche aus:

Emanuel Liechtenstein, der sich Prinz von und zu nennt und aus der Monarchenfamilie des Fürstentums Liechtenstein stammt, aber in der Steiermark in der Riegersburg wohnt, erhält diese Genehmigung. Es wird ihm erlaubt zwischen 12. und 16. März 2021 diese „Problembärin“, die ja sogar Kinder führt, zu töten.

Schon am 13. März ist es soweit. Emanuel Liechtenstein hat einen Bären erschossen. Nur war es Arthur:

Wie ist das möglich, in nur zwei Tagen den Bären zu lokalisieren und vor die Flinte zu bekommen? Ganz einfach. Ich war selbst in den Südkarpaten und habe gesehen, wie das läuft. Das ist gar nicht romantisch, da sitzen tapfere Jäger:innen nicht monatelang auf ihrem Ansitz und warten auf den einen Moment. Da wird einfach angefüttert. Dazu wird ein Jagdstand auf eine Lichtung gestellt, der nur ein kleines Fenster zum Schießen hat und sonst völlig verschlossen ist. Das sieht so aus:

In sicherer Schussdistanz werden tote Schweine an den Boden gekettet. In der Dämmerung tauchen dann Bären auf und essen daran. Jetzt kann man sie bequem abknallen.

So ähnlich muss es auch mit Arthur abgelaufen sein. Er wurde mit einer kleinen Bärin mit Jungtier „verwechselt“. Emanuel Liechtenstein ließ den toten Arthur als Trophäe nach den Standards der internationalen Jagdorganisation CIC bewerten:

Arthur erhielt 592,80 von 600 CIC Punkten. Der stolze Schütze lässt ihn ausstopfen und wartet auf seiner steirischen Riegersburg auf die Lieferung. Doch die dürfte sich verzögern. Agent Green hat zusammen mit dem VGT den Fall an die Öffentlichkeit gebracht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Rumänien und Arthurs Leiche wird hoffentlich beschlagnahmt.

Herr Liechtenstein war tagelang für die Medien nicht erreichbar. Dann ließ er verlauten, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Mitnichten. Das Gegenteil ist der Fall, wenn auch die Unschuldsvermutung gilt.

Die Trophäenjagd ist ein echtes Krebsgeschwür im Naturschutz. Um das Jahr 2000 gab es in meiner Region in der Obersteiermark etwa 30 Bären. Ausgelöst durch den „Ötscherbären“, der bereits in den 1970er Jahren an die Südseite des Ötschers gewandert war und sich dort niedergelassen hatte, etablierte sich durch Aussetzen von mehreren weiblichen Tieren eine kleine Population. Die Hoffnung war groß, dass endlich wieder wilde Bären bei uns leben können, statt der armseligen gefangenen Tiere, wie z.B. in der Mittelstation der Gemeindealpe mitten im Bärengebiet. Dort musste ein Bär nämlich in einer Grube leben, um sich von Tourist:innen angaffen zu lassen. Er wurde schließlich von Tierschützer:innen gerettet und in einen Lebenshof gebracht.

Im Juni 1997 sah ich meinen ersten Bären am Hochschwab. Ich war total begeistert und folgte noch lange seinen Spuren. Später fuhr ich über viele Jahre zum Wandern mit Zelt in die Südkarpaten und traf dort mehr als 20 Mal wilde Braunbären von Angesicht zu Angesicht. Doch zu Hause sollte es keine Begegnung mehr geben. Alle 30 Bären wurden von Jäger:innen illegal abgeknallt. Einer nach dem anderen. Diesen Menschen gehen die Sicherungen durch, wenn sie eine wandelnde „kapitale Trophäe“ sehen. So auch offenbar Herrn Liechtenstein beim Anblick von Arthur.

Das einzige, was wir in Österreich dagegen tun können, ist die Trophäenjagd zu ächten, Verbote zu erwirken und die Einfuhr von Jagdtrophäen nach Österreich grundsätzlich zu verbieten. Dazu haben wir eine Petition eingerichtet: https://vgt.at/trophaenjagd

Ekelhafter Wolfshass in Deutscher Jagdzeitung

In der Deutschen Jagdzeitung erschien am 15. Februar 2021 ein Artikel mit dem Titel „Notwehr gegen Wolf – Handlungsempfehlungen“. Der Autor, ein Jurist dieser Zeitung und natürlich Jäger, hasst den Wolf so abgrundtief, dass ich mich wirklich fragen muss, wie das zustande kommt. Woher stammt dieser unbändige Hass? Ich dachte Jäger:innen lieben doch die Natur und da gehören die Beutegreifer dazu. Wie kann man ein Tier so hassen, das mit unseren Hunden ganz eng verwandt ist und jederzeit fruchtbare Nachkommen zeugen könnte?

Der Autor lässt im Text durchblicken, warum er Wölfe so hasst. Er nennt die Tiere „jagdliche Mitesser“ und schreibt, dass die Jagdstrecke wegen der Wölfe immer dürftiger würde. Ist das nicht natürlich? Seit wann ist natürlich doch nicht mehr gut im Sinne der Jagd? Argumentieren die Jäger:innen nicht immer, sie müssten „leider“ Rehe und Hirsche töten, weil es keine Beutegreifer mehr gibt und sie müssten diese ersetzen? Kaum gibt es sie, werden sie als „jagdliche Mitesser“ und Jagdstreckenreduzierer zutiefst gehasst und vernichtet. Einmal mehr wird klar: Argumente für die Jagd sind immer vorgeschoben, in Wahrheit geht es um die Freude am Töten und sonst gar nichts.

Der wirklich abartige Artikel beginnt mit einem Vergleich zwischen pornografischen Videos und Videos, in denen Wölfe erschossen werden. Beides erregt den Autor offenbar ähnlich, zumindest anfangs:

Dieser seltsam veranlagte Autor lässt dann seinem Hass auf Wölfe freien Lauf. Er sagt sogar, dass er sich freut, wenn Wölfe Opfer von Verkehrsunfällen werden:

Genau so über Menschen gesprochen, wäre das als Hetze strafbar. Warum ist das dann bei Tieren ok? Noch dazu, wenn das dahingehend real ist, dass dieser Mensch für Menschen schreibt, die tatsächlich Wölfe lynchen?

Dann versucht der Autor Szenarien zu finden, in denen er den Jäger:innen empfehlen kann, Wölfe zu töten. Da fällt ihm Notwehr ein. Das ist für ihn gegeben, wenn jemand einen Wolf trifft, der nicht gleich wegläuft. In seinen Augen reicht es, wenn eine Situation jederzeit „in Schaden umschlagen“ kann. Und das sei bei der Präsenz von Wölfen der Fall.

Ich war 15 Jahre in den rumänischen Südkarpaten wandern. Natürlich immer ohne Waffe. Immer wieder bin ich Bären begegnet, die nicht unbedingt gleich weggelaufen sind. Und einmal Wölfen. Nie ist mir etwas passiert oder war ich gefährdet, auch wenn ich alleine und mit dem Zelt unterwegs war. Eine Notwehrsituation in der beschriebenen Form ließe sich ganz leicht konstruieren.

Doch weil die Wölfe dafür vermutlich dem Menschen nicht nahe genug kommen, schlägt der Autor zusätzlich vor, den Wolf zu töten, weil er den eigenen Hund gefährden würde:

Er selbst würde jedenfalls einen Wolf in diesem Fall sofort töten. Aber ganz traut er der Rechtslage nicht. Also kommt die Empfehlung, den Wolf zu töten und dann tief zu vergraben und es niemandem zu erzählen:

Ich bin in den Karpaten auch mit meinem Hund Wölfen begegnet. Sie waren 70 m entfernt und sind nicht davon gelaufen. In der Nacht umkreisten sie im 50 m Abstand unser Zeit, wie ich durch die Spuren sehen konnte. Nie fühlte ich mich in Gefahr, niemand hat meinem Hund etwas zuleide getan. Aber diese „Notwehrsituation“ zu konstruieren und absichtlich herbei zu führen, wäre ganz einfach. Solche Menschen sollten keine Waffen trafen dürfen!

Diese Vorschläge stehen in einem offiziellen Jagdmagazin! Da darf ein Mensch gegen Wölfe hetzen, sich über ihre Leiden freuen und ihre rechtswidrige Ermordung empfehlen! Unfassbar!

Bohrn-Mena droht Kritiker:innen mit Klagen

Oben ein Foto einer österreichischen Massentierhaltung, die es laut dem alleinigen Sprecher des Tierschutzvolksbegehrens, Bohrn-Mena, überhaupt nicht gibt. Und weil dieser Mensch so dubios vorgeht, einmal das und einmal das Gegenteil sagt, und niemandem in seine Finanzgebarung Einsicht gibt, ist es besonders auffällig, dass er ständig Kritiker:innen mit Klagen droht. Mir wurden sehr viele solche Geschichten zugetragen. Hier nur die Spitze des Eisbergs.

Auf diesem Screenshot kritisiert jemand in einer Nachricht an Florian Klenk, dass Bohrn-Mena auf seiner Facebookseite innerhalb von 2 Stunden 2000 Likes aus Asien, Afrika und Indien bekommen hat.

Diese Menschen können nicht einmal deutsch, liken aber Bohrn-Menas Seite, auf der nur deutsch geschrieben wird? Als die Kritik laut wurde, dass es sich um gekaufte Likes von sogenannten Klickfarmen gehandelt haben könnte, drohte Bohrn-Mena sofort mit Klagen. Dabei kam es, wie man hört, zu einer außergerichtlichen Einigung, die auch Stillschweigen über die Vereinbarung selbst umfasste. Wieso sich in so kurzer Zeit so viele Menschen aus fernen Ländern ausgerechnet für Bohrn-Mena interessieren, blieb er allerdings schuldig zu erklären.

Ein Beispiel von vielen. Eine ehemalige Mitarbeiterin packt aus:

Daraufhin kam prompt die Klagsdrohung von Bohrn-Mena:

Und die Reaktion der Whistle Blowerin:

Ich habe vor Bohrn-Mena und seinen Klagsdrohungen keine Angst. Ich habe mir seine Prüfberichte angeschaut, die seit 2018 „durchgehend“ online sein sollen. In Wahrheit sind nur die Prüfberichte von 2018 und 2019 online. Im Prüfbericht von 2019 findet sich das:

Kein Wort davon, wer entscheiden darf, wofür Geld ausgegeben wird. Kein Wort davon, wer Fahrt- und Reisekostenzuschüsse wem wann bewilligt hat. Es gibt ja auch kein Spendengütesiegel. Miete zahlt das Tierschutzvolksbegehren auch? Wofür und an wen? Fürs Home Office bei Bohrn-Mena zu Hause vielleicht? Miete für die Benützung seines eigenen Schreibtischs? Aus dem Prüfbericht kann man jedenfalls nicht entnehmen, was damit gemeint ist. Für mich ist daraus gar nichts ersichtlich. Außer, dass € 17.500 für die Gründung einer Gesellschaft ausbezahlt worden sind, die Unternehmen berät, Herrn Bohrn-Mena als Geschäftsführer bezahlt und auf den ersten Blick absolut nichts mit Tierschutz zu tun hat. Trotzdem das Volksbegehren nun vorbei ist, wird diese Gesellschaft mit dem Geld des Volksbegehrens weitergeführt und Bohrn-Mena wird weiterhin als Geschäftsführer bezahlt. Das soll eine durchsichtige Finanzgebarung sein?

Ein weiteres Beispiel von einem absolut unfassbaren Vorgehen des Herrn Bohrn-Mena gegen Kritiker:innen:

Was ist das, bitte schön, für ein Stil? Wer macht sowas? Unfassbar!

Besonders ekelerregend finde ich diese Art von Postings des Herrn Bohrn-Mena an jemanden aus der SPÖ:

Wie niveaulos kann man sein!

Und warum er sich von allen NGOs distanziert, hat er in diesem Post kürzlich dargestellt:

Offenbar ist er der Meinung, er ist nicht weiß. Sollte einmal in den Spiegel schauen. Aber selbst wenn. Österreich hat eben in der Vergangenheit keine Persons of Colour aus Kolonien als Sklav:innen ins Land gebracht. Daher gibt es erst seit relativ kurzem relevant große Minderheiten von PoCs, weshalb sie in den NGOs noch nicht wirklich vertreten sind. Dieser „Vorwurf“ ist also nur ein weiterer Versuch, die Tierschutz- und Umwelt-NGOs, die durchwegs Bohrn-Mena durchschauen und sich distanzieren, zu diffamieren.

Das Tierschutzvolksbegehren ist vorbei. Man hofft in der Szene, dass Herr Bohrn-Mena, der ja von sich sagt, kein Tierschützer zu sein, nun weiterwandert und andere soziale Bewegungen belästigt. Doch so schnell sind wir ihn offenbar noch nicht los:

Liebe Leute, die ihr für Tierschutz spenden wollt. Bitte spendet direkt an diejenigen Organisationen, die selbst etwas tun. Und nicht an Menschen, die Geld sammeln, um es anderen zu geben, die etwas tun. Weil solche Zwischenschritte bedeuten in der Regel, dass nicht alles an Spendengeld auch wirklich bei denen ankommt, die damit Tieren helfen. Fragt Euch doch, warum sammelt jemand Geld, der selbst nicht Tieren hilft, sondern es anderen geben will, die das tun? Wozu ist das gut?

Bohrn-Mena hat bereits ein zweites Standbein, das Lieferkettengesetz. Wieder platzt er in eine etablierte NGO-Szene rücksichtslos hinein, wie beim Tierschutz, ohne auf die Menschen zu hören oder sie zu beachten, die da bereits seit langem aktiv sind. Auf entsprechende Kritik reagiert er wie wir das im Tierschutz ununterbrochen gesehen haben: er schafft sich seine eigene Bubble, indem er Kritiker:innen rigoros löscht:

Und die altbekannte Masche, sich an die Arbeitgeber:innen von Kritiker:innen zu wenden, wird auch wieder angewandt:

Ich kann der Zivilgesellschaft nur empfehlen, frühzeitig und sehr deutlich öffentlich klar zu machen, was für ein Spiel Bohrn-Mena spielt!

Antwort auf Tierindustrie-Propaganda in einem Falter-Artikel

Bianca Blasl hat laut Linkedin bis Ende 2020 für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Ökosozialen Forums unter Stephan Pernkopf gearbeitet. Für einen doppelseitigen Artikel im Falter mit dem Titel „Per Blitz in die Welt der Bauern“, 6/21 Seite 52, hat sie sich als unbedarfte Wienerin gegeben, die einmal bei „Bauern“ arbeiten will, um zu wissen woher das Fleisch kommt, das sie so gerne isst. Das Resultat war die in meinen Augen schlimmste Anti-Tierschutz Propaganda der letzten Jahre.

Bianca Blasl tut so, als würde sie völlig neutral sein, als empathische junge Städterin einmal den Bauernhof ausprobieren. Sie will dadurch objektiv wirken. Und dann gehts los. Sie ist begeistert von der Tierhaltung, tötet ein Schwein, das ein saugutes Leben hatte, wundert sich über den Vorwurf der Massentierhaltung (auf einem Biohof) und meint, alle Landwirt:innen lieben ihre Tiere, ausnahmslos. Kein Wort der Kritik am Umgang mit den Tieren, kein Wort über die Tierindustrie, die ja das Gros der Tierproduktion ausmacht.

Am Foto oben ein Landwirt, der gerade seine Schweine liebt. Als Kontrapunkt, @vgt.

Von ihrem Probejahr kommt sie ganz begeistert zurück und sagt uns allen: keine Sorge, ich hab vorurteilsfrei nachgeschaut, und alles ist bestens in Österreich. Die Landwirt:innen lieben ihre Tiere und man kann – ja soll, damit die Landwirt:innen es besser haben – Fleisch fressen bis zum Abwinken. Also los liebe Leute, lassts Euch nichts einreden von den verrückten Tierschützer:innen. Ich habe alles objektiv angeschaut und sage euch, wie es wirklich zugeht. Auch ich habe ein Tier getötet und das war gut. Voller Respekt, keine Sorge, ich hab eh geweint, aber wie die Indianer, beim Kontakt zur inneren Natur ist alles bestens, bitte keine Gedanken mehr darüber machen ob Tiere Rechte haben oder so, es ist alles gut und wunderbar und bitte ohne nachzudenken Tierprodukte fressen, fressen, fressen. Das ist die Metabotschaft, die vermittelt wird, auch wenn das nicht explizit im Text steht.

Ich habe Ihr geschrieben und sie hat geantwortet. Hier ist mein erneutes Email:

Sehr geehrte Frau Blasl,

vielen Dank für Ihre Antwort, der ich entnehme, dass Sie mein Anliegen nicht verstanden haben. Ich versuche es in einem einfachen, kurzen Satz: Wo in Ihrem Erfahrungsbericht kommt die Sicht der Tiere vor? Haben Sie irgendwann das ganze System der Tiernutzung aus Sicht der Tiere betrachtet? Ich mache das, ununterbrochen. Und deshalb habe ich ganz andere Erfahrungen als Sie. Ich gehe in einen Vollspaltenbetrieb und setze mich mit den Schweinen in ihre Bucht. Ich frage mich, was fühlen sie? Was hat dieses Schwein für einen Charakter, und was für einen dieses? Wo ist ihre Mutter? Was ist mit ihr geschehen? Warum ist sie nicht mehr da? Wie hat sie empfunden, als man ihre Kinder nahm? Wie hat sie empfunden, als sie in einen Kastenstand gesperrt wurde? Als man sie gegen ihren Willen künstlich befruchtet hat? Ich frage mich, wie sich das anfühlt, in so einer Bucht, mit 0,55 m2 pro 85 kg schwerem Mastschwein, ohne Frischluft, ohne Stroh, ohne grüne Pflanzen, ohne Sonne. Wie fühlt sich das an, auf so einem Boden zu liegen? Ich habe es ausprobiert: 24 Stunden auf einem Vollspaltenbodenelement. Haben Sie das auch? Nein. Sehen Sie, DAS geht mir in Ihrer Geschichte der Bewusstwerdung wo Fleisch herkommt ab: Sie haben die Sicht der Opfer vollkommen ausgeklammert. Die kommen bei Ihnen überhaupt nicht vor. Sie kämen nicht auf die Idee, sich auf einen Vollspaltenboden zu legen.

Und genau da verorte ich Ihre Kälte bei der Tötung dieses Schweins. Sie weinen, aber rein egoistisch. Sie bemitleiden sich selbst. Das Schwein als Subjekt eines reichen emotionalen Lebens bleibt völlig außen vor. Sonst hätten Sie sich für das Leben dieses konkreten Tiers interessiert. Was war mit seiner Mutter? Wo ist die? Wie hat es sich gefühlt, als es getrennt wurde? Hatte es Freunde und Freundinnen? Wie ging es denen, nachdem Sie ihren Freund umgebracht hatten? Was wollte das Schwein noch tun, am Tag seiner Tötung, oder am nächsten? Wollte es gerade einen Freund auf der Weide besuchen, sich an ihn kuscheln? War es eher ein extro- oder introvertiertes Tier? War es exzentrisch? Hatte es Vorlieben? Sehen Sie, wenn ich jemanden bewusst umbringen will, dann ist es das Mindeste, mein Opfer zuerst sehr genau kennen zu lernen. Sonst ist daran gar nichts bewusst. Mein Eindruck ist: Sie wollten sich nur selbst beobachten, wie Sie dabei fühlen. Das Schwein spielte dabei nur die Rolle, ein Mittel für Ihre Introspektion zu sein. Sein Innenleben war Ihnen egal.

Sie wollen angeblich erreichen, dass sich die Konsument:innen mehr über ihre Tierprodukte, die sie konsumieren, bewusst werden. Aber dabei haben Sie 99 % der Thematik ausgeklammert. Sie interessieren sich nur für die Täter:innen, nicht für die Opfer. Vermutlich empfinden Sie es sogar als Zumutung, dass ich Landwirt:innen als Täter:innen bezeichne, aber vom Standpunkt der Tiere sind sie das natürlich. Da haben wir das Problem wieder: sie blenden die Sicht der Tiere, der Opfer, vollkommen aus. Und einer der Mechanismen dafür ist, die Landwirt:innen nicht als Täter:innen sehen zu können. Und vermutlich auch ganz radikal zwischen Mensch und Tier zu trennen. Nur hat das leider mit Bewusstwerdung nichts zu tun. Das ist das Gegenteil: das Betäuben der Empfindungen. Nur wenn ich keinen Vergleich zulasse mit Menschen, und wenn ich die Opferrolle der Tiere ausklammere, kann ich blind Tiere konsumieren „weil es mir schmeckt“. Wir alle haben Spiegelneuronen. Und es gibt gezielte Mechanismen, diese zu betäuben. Mit Ihrem Artikel und mit Ihrem Zugang betäuben Sie die Spiegelneuronen von Ihnen und Ihren Leser:innen. Sie blenden also aus, statt Bewusstsein zu schaffen.

Gehört zur bewussten Entscheidung nicht auch dazu, das Für und Wider zu kennen, abzuwägen und am Schluss jenen Weg einzuschlagen, für den man am besten argumentieren kann? Ich habe in Tierethik promoviert, mich also viel mit der Thematik auseinander gesetzt. In Ihrem Artikel zumindest, und in Ihrer Antwort, machen Sie das überhaupt nicht. Ich vermisse ein Abwägen, wenn sie das Schwein töten, ob das gerechtfertigt ist oder nicht. Ich vermisse, dass Sie sich die Frage stellen, was dafür spricht, das Schwein zu töten, und was dagegen. Ich vermisse, dass Sie zusammenfassen, was Sie dadurch zerstören, was Sie für einen Schaden anrichten, was Sie dem Tier nehmen. Nämlich alles, was es hat. In meinen Augen handeln sie völlig unbewusst diesbezüglich. Für Sie scheint es eine solche Diskussion gar nicht zu geben. Das Schwein ist dazu da, geschlachtet zu werden, und ich will Fleisch fressen oder daran Geld verdienen und Ende der Diskussion. Wieder kann ich nur sagen: Sie blenden den Standpunkt des Opfers zu 100 % aus. Sie betäuben diese Seite in Ihnen.

Oder Kuhmilch. Waren Sie einmal schwanger? Meine Partnerin ist es gerade zum zweiten Mal. Ich habe daher einen direkten Eindruck, wie man sich dabei fühlt. Vielleicht empfinden das nicht alle gleich, aber es ist in jedem Fall wahnsinnig belastend für den Körper. Wir muten das den Milchkühen zu, ununterbrochen. Und nicht nur das, wir nehmen ihnen auch noch ihre Kinder weg, nur um sie gleich wieder zu schwängern. Wie fühlt sich da die Kuh? Wie geht es ihr? Was denkt sie? Das blenden Sie auch zu 100 % aus.

Vielleicht haben wir deshalb auch eine diametral entgegengesetzte Sicht, wenn Sie sagen, alle Landwirt:innen, die Sie getroffen haben, lieben ihre Tiere. Also nach 35 Jahren Tierschutzarbeit würde ich sagen, fast allen Landwirt:innen, die ich getroffen habe, ist das subjektive Gefühlsleben ihrer Tiere egal. Würden Sie sagen, Ihre Ansicht gilt auch für Pelzfarmer:innen? Dass die auch ihre Tiere lieben? Die haben das auch immer behauptet. Oder Tierexperimentator:innen, die sagen das auch. Und die Leute, die Tiere für den Zirkus dressieren. Und die Jäger:innen lieben auch die Tiere, bevor sie sie über den Haufen schießen. Eine seltsame, ja pathologische Form von Liebe. Ich liebe meinen Hundefreund und das heißt, ich könnte ihm nie etwas antun, was für ihn persönlich nachteilig ist. Das heißt lieben. Ich habe für meinen Hundefreund eine Chemotherapie bezahlt, als er Leukämie bekam. 8.000 Euro, 14 Monate. Er hat den Krebs überstanden. Ich spritze meinem Hund seit 3 1/2 Jahren jede Früh und jeden Abend Insulin, weil er Diabetiker ist. Ich muss für meinen Hund an Medikamenten jedes Monat 500 Euro ausgeben. Aber weil ich ihn liebe, ist es mir das wert. Ein Biobauer, mit dem ich darüber gesprochen habe, hat mich für verrückt erklärt. Er hat gesagt, ich sollte meinen Hund einschläfern und mit dem Geld 30 andere Hunde retten. Aber genau das ist der Unterschied zwischen uns. Ich liebe meinen Hund, und das heißt, ich tue alles in meiner Macht stehende für ihn. Alles, was notwendig ist, um ihn zu retten, sodass es ihm gut geht. Er ist durch 30 andere Hunde, oder auch 30.000, nicht aufzuwiegen. Meinen Sie das, wenn Sie sagen, die Landwirt:innen lieben ihre Tiere? Ich habe gegenteilige Erfahrungen. Ich habe Landwirt:innen gesehen, die Ferkeln die Hoden ausreißen oder sie an die Buchtenwand knallen, oder einfach verrecken lassen. Ich habe Landwirt:innen gesehen, deren Schweine auf Vollspaltenboden von Wunden übersät waren, nicht mehr gehen konnten, die sich dafür aber überhaupt nicht interessiert haben. Ich habe Landwirt:innen gesehen, die männliche Milchkälber mit Schlägen auf einer Sammelstation abliefern, von wo aus sie letztlich im Libanon landen. Ich habe unzählige Male brutalste Gewalt von Landwirt:innen gegen ihre Tiere gesehen, totale Vernachlässigung, eiskaltes Kalkül der Profitmaximierung. Sie nehmen Landwirt:innen in Schutz, die vor 15 Jahren einen Vollspaltenboden eingebaut haben. Was war mit ihnen vor 15 Jahren? Haben Sie da nicht gewusst, was so ein Boden für die Tiere bedeutet? Wir vom VGT kritisieren den Vollspaltenboden seit 30 Jahren und fordern ein Verbot. Seit 30 Jahren!

Aber Sie liegen auch bei zahlreichen Fakten falsch oder stellen sie zumindest völlig falsch dar. Ein kleines Beispiel, der Wolf. Sie bringen subtil in Ihrem Artikel eine Anti-Wolf Position ein, ohne das explizit zu sagen, als ob Sie den Leser:innen das in ihrem Unterbewusstsein unterjubeln wollen. Das Gegenteil von bewusst Machen. Faktum ist, und ich war gerade auf einem Treffen von Schafhalter:innen, dass in Österreich etwa 10 % der Schafe während der paar Monate auf der Alm sterben. Wir haben 400.000 Schafe in Österreich. Das bedeutet, dass durch Unwetter, Krankheiten und mangelnde Behirtung mehr als 100 x mehr Schafe sterben, als durch den Wolf. Warum erwähnen Sie das nicht? Wollen Sie nicht, dass den Menschen dieser Aspekt bewusst wird? Oder wissen Sie das gar nicht? In meinen Augen ist Ihr Artikel im Falter Propaganda, vom ersten zum letzten Wort. Wohldurchdachte Propaganda. Der Wolf ist ein gutes Beispiel.

Aber noch ein paar Fakten, die Sie in meinen Augen falsch sehen:

  • Bioveganen Landbau scheinen Sie nicht zu kennen. Sie sind darauf nicht eingegangen und behaupten unten, man könne keine Biolandwirtschaft ohne die Kacke von Tieren betreiben. Bioveganer Landbau ist aber genau das. Ich war z.B. einige Zeit bei der Familie Langerhorst in OÖ. Leider ist der Jakobus bereits gestorben. Aber die betreiben seit langem bioveganen Landbau und haben Kinder in dritter Generation. Sie kompostieren ihren eigenen Kot. Und es gibt noch viel mehr dieser Betriebe. Warum gehen Sie nicht einmal dorthin? Deshalb hat die Tierhaltung keinerlei positive Rolle.
  • Sie suggerieren, dass Rinder sowieso nur Gras essen, wo man nichts anbauen kann. Das stimmt in der Praxis überhaupt nicht. Sie wissen sicher, dass die Milchleistungsrassen heute artwidrige Nahrung bekommen. Ich war bei Verhandlungen mit den ZZU-Biomilchbetrieben dabei, und die haben sich ausbedungen, dass 25 % der Nahrung artwidrig sein darf, damit die Milchleistung übernatürlich hoch ist. Konventionell ist es viel mehr. Abgesehen davon kommt das meiste Heu von Wiesen, die man auch anderweitig nützen könnte. Und die überdüngt werden, damit sie mehr Ertrag abwerfen. Und selbst das Landwirtschaftsministerium gibt zu, dass die Rinder in Österreich zu 10 % zum Klimawandel beitragen. Der Klimawandel wird uns noch alle umbringen, wenn wir nicht endlich von der Rinderhaltung abrücken.
  • Ein in meinen Augen unbestreitbarer Grundwert ist Natur, die vom Menschen möglichst unberührt und unbeeinflusst ist. Almen machen in Österreich 20 % der Bodenfläche aus. Und gerade die Almgebiete sind oft mitten in Naturräumen, die von Menschen unberührt sein könnten. Ich wohne seit 23 Jahren im Gebirge. Direkt über mir sind 3 Almen. Dort war noch vor 20 Jahren ein wunderschöner Lärchenwald. Er wurde weitgehend gerodet, um den Almboden zu erweitern. Immer wieder werden da oben Latschenfelder angezündet, um Almboden zu schaffen. Und eine dicke Forststraße führt hinauf und 10 Hütten stehen oben. Etwas weiter hinten im Gebirge sind mehrere Almen, die aufgegeben worden sind, zum Teil bereits vor 100 Jahren. Die Natur ist zurückgekommen und diese Orte sind Oasen der Wildnis, der Schönheit. Es ist unbeschreiblich erholsam, dort still zu sitzen. Almen sind für mich also kontraproduktiv, sie zerstören die Natur, sie vertreiben die Wildtiere, sie vernichten Urwald und urwüchsige Landschaften. Es wäre in meinen Augen ein großer Gewinn, würde die Almwirtschaft enden.
  • Ist Kuhkäse für Sie ein hoch verarbeitetes Produkt? Wenn ja, dann dürfen Sie Tofu auch so nennen. Wenn nein, dann aber nicht. Tofu oder Sojamilch herzustellen ist eine Kleinigkeit und benötigt keinerlei Industrie. Das kann man ganz einfach zu Hause machen. Und für Seitan gilt das noch viel mehr.
  • Ist Ihnen bekannt, dass man für jedes kg Schweinefleisch 10 kg Schweinekacke produziert? Wir importieren Soja aus gerodetem Regenwaldgebiet, um daraus Kacke zu machen! Wir verfüttern 2/3 unserer Ackerbauprodukte, um den Großteil davon in Kacke zu verwandeln. Die Tierproduktion ist eine gigantische Nahrungsmittelvernichtungsmaschinerie. Aus dem Weltraum betrachtet ist das nackter Irrsinn. Während 30 Millionen Menschen pro Jahr verhungern und 800 Millionen an Hunger leiden, wandeln wir gute Nahrungsmittel in Kacke um, statt sie zu essen. Jedes Weltraumprojekt, das bemannten Flug auf so weite Distanzen ins Auge fasst, dass die Nahrung im Raumfahrzeug hergestellt werden muss, geht von veganer Ernährung aus. Aber die Erde ist doch eigentlich auch nur ein Raumschiff. Dass wir so verrückt sind, unsere Nahrung in Kacke zu verwandeln, statt sie zu essen, ist nur durch die Altlasten aus einer Zeit zu erklären, in der uns die Erde noch unendlich groß erschien, weil wir nur ganz wenige Menschen waren. Heute kennen wir ihre Endlichkeit, und heute sind wir 8 Milliarden. Daher wird es Zeit, zur Vernunft zu kommen, und die Tierproduktion so rasch wie möglich aufzugeben. Denken Sie nicht?

Mit freundlichen Grüßen,

Martin Balluch

Wieviel Tierschutz steckt im „Tierschutz“volksbegehren?

Mit dem sogenannten „Tierschutz“volksbegehren habe ich mich in diesem Blog schon mehrmals befasst, siehe https://martinballuch.com/category/tierschutz/volksbegehren/. Jetzt ist es vorbei. Es hat mit 416.000 Unterschriften 6,5 % der momentan 6.396.812 Wahlberechtigten angesprochen. Das echte Tierschutzvolksbegehren von 1996 bekam 460.000 Stimmen von 8 % der damals 5.768.099 Wahlberechtigten. In 25 Jahren sind also 1,5 % der Unterstützer:innen abhanden gekommen. Man würde doch das Gegenteil erwarten, dass heute viel mehr Menschen für den Tierschutz sind. Wieso also diese retro Entwicklung?

Ein Unterschied fällt ins Auge: während das Tierschutzvolksbegehren von 1996 vier ganz konkrete Forderungen für alle Tiere hatte (Bundestierschutzgesetz, Tierschutz als Staatsziel im Verfassungsrang, eine Tieranwaltschaft und staatliche Förderung von Tierschutzorganisationen), liest sich das beim aktuellen Volksbegehren denkbar unkonkret: „[Wir] fordern (verfassungs-)gesetzliche Änderungen vom Bundesgesetzgeber. Diese sollen heimische BäuerInnen [und nicht etwa Tiere] stärken und sich positiv auf die Gesundheit [der Menschen und nicht der Tiere], Umwelt und Klima und auf die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder auswirken.“

Einen wesentlichen Unterschied gabs noch: 1996 haben alle Tierschutzorganisationen gemeinsam für das Tierschutzvolksbegehren geworben, 2021 war das Ganze eine One-Man-Show von und mit einem Herrn Bohrn-Mena.

Vor einigen Jahren sah sich dieser alleinige Sprecher und Chef des Tierschutzvolksbegehrens noch als politischer Fürsprecher des Veganismus und warb damit – auch durch Brandreden am Veganen Sommerfest – für Vorzugsstimmen in seinem Wahlkampf im Rahmen der SPÖ für das Rathaus:

Genau, von diesen Wendehälsen und Dampfplauderern haben wir genug in der Politik, die ihre Überzeugungen verleugnen. Es lacht sich tot, wer Bohrn-Mena heute reden hört. So macht er mit dem „Tierschutz“volksbegehren Werbung für konventionelle Tierprodukte ohne jede Verbesserung in der Tierhaltung. Dazu wurde er von der Zeitschrift Landwirt befragt:

Die Antwort:

Der mutige Fürsprecher für Veganismus ist plötzlich nicht mehr gegen Fleischkonsum. Und fordert nicht einmal – als alleiniger Sprecher eines „Tierschutz“volksbegehrens -, dass die Tiere freundlich behandelt werden.

Apropos töten von Tieren. Auch da hat Bohrn-Mena früher klare Worte der Verurteilung gefunden:

Das Töten von Tieren ist also unmoralisch, laut Bohrn-Mena. Folglich:

Im aktuellen NEWS sagt derselbe Bohrn-Mena im Interview:

Am 16. Jänner 2021 gibt Bohrn-Mena schließlich dem Landwirt ein ausführliches Interview unter dem Titel „Wir fordern nicht, dass die Tiere zu Tode gestreichelt werden“ über sein Volksbegehren. Darin zählt er die Forderungen des „Tierschutz“volksbegehrens auf:

Also, kein gentechnisch verändertes Soja aus Übersee als Schweinefutter, kein Glyphosat (ein Pflanzenschutzmittel), keine Importe lebender Tiere aus dem Ausland (die Exporte lebender Tiere aus Österreich sind offenbar irrelevant), 100 % AMA (die keine Kriterien für verbesserte Tierhaltung fordert) und Transparenz woher das Tierprodukt stammt. Nichts davon hat irgendetwas mit Tierschutz zu tun, außer vielleicht die Lebendimporte, obwohl die Lebendexporte von Tieren das viel größere Tiertransportproblem sind. Was wird hier eigentlich gespielt?

Die verwirrte Landwirt-Redakteurin fragt nun explizit nach. Steht das Verbot des Vollspaltenbodens in der Schweinehaltung nicht irgendwo als Forderung in den Beilagen des Volksbegehrens dabei?

In einem Leserbrief wiederholt er diesen Standpunkt:

Also: keine (sofortige) Abschaffung des Vollspaltenbodens in der Schweinehaltung. Was heißt sofort? Vermutlich, was die Tierschutz-NGOs, von denen sich Bohrn-Mena distanziert, fordern: maximal 5-10 Jahre Übergangsfrist. 10 Jahre! Nein, weil das die Arbeit der Bauern erschwere. Man schaue dazu dem obigen Schwein auf Vollspaltenboden ins Gesicht. Tut mir leid, wir können nichts für Dich tun, weil das die Arbeit der Bauern erschwert. Sagt der alleinige Sprecher des Tierschutzvolksbegehrens!

Apropos Distanzierung von Tierschutz-NGOs. Bohrn-Mena sagt hier, er distanziert sich von allen Tierschutz-NGOs. Also nicht etwa nur von den radikalen, sondern von allen. Ob Tierschutzverein gegen Tierversuche, für Katzenkastration oder zum Schutz von Wildtieren. Von allen diesen Tierschutzorganisationen distanziert sich das – man höre und staune! – „Tierschutz“volksbegehren, weil es deren Ideologie – also den Tierschutzstandpunkt! – nicht teile. An anderer Stelle in einem Leserbrief schreibt Bohrn-Mena dazu, das „Tierschutz“volksbegehren ist in Sachen Tierschutz neutral. Wieso heißt es eigentlich dann „Tierschutz“volksbegehren?

Im Interview mit der Zeitschrift Landwirt sagt Bohrn-Mena das noch einmal ganz deutlich:

Ganz langsam zum Mitdenken: Das „Tierschutz“volksbegehren ist keine Bewegung von Tierschützern. Er selbst ist also keiner.

Und das beweist er mit einer Aussage, die wirklich den sprichwörtlichen Vogel abschießt: in Österreich gäbe es keine Massentierhaltung. Der Landwirt fragt nach.

Das „Tierschutz“volksbegehren ist also der Ansicht, dass es keine Massentierhaltung in Österreich gibt. Was ist dann das:

64.000 Schweine, in der Südsteiermark.

Oder das:

Oder das:

Schweinefabriken in Niederösterreich. Oder das:

Masthühnerfabrik mit 100.000 Tieren. Alles keine Massentierhaltung, sondern nur kleinbäuerliche Idylle?

Führt man sich diese Zitate vor Augen, fragt man sich eher, wieso 6,5 % der Wahlberechtigten das überhaupt unterschrieben haben. Die Antwort ist klar: sie wurden durch den Namen „Tierschutz“volksbegehren getäuscht und betrogen.

Meine Mutter wollte gegen Ende der Eintragungswoche von mir wissen, wie sie unterschreiben kann. Ich fragte nach, was sie meinte, dass dieses Volksbegehren eigentlich fordert. Warum will sie unterschreiben? Sie antwortete, na dass es gegen die Massentierhaltung ginge. Weit gefehlt. Ich musste sie aufklären, dass der alleinige Sprecher dieses Volksbegehrens der Ansicht ist, dass es gar keine Massentierhaltung gibt. Sie war sprachlos.

Und genauso sprachlos wären vermutlich 99,9 % derjenigen, die das unterschrieben haben. Man darf sich eben nicht auf ein Wort verlassen, weil das kann leicht missbraucht werden. Vor allem von so rückgratlosen Wendehälsen und Dampfplauderern, die in einer Pressekonferenz ankündigen, als Abgeordnete jede Tierfabrik schließen zu wollen, um als Sprecher eines „Tierschutz“volksbegehrens zu sagen, sie wollen keine einzige Tierfabrik schließen, und abgesehen davon: es gibt ja gar keine.

Gülleausbringung auf der Alm: Anzeige

Nur ja nicht Almen kritisieren, das ist ein Sakrileg in Österreich. Die Alm sei „der natürliche Lebensraum“ der Kühe, wird mir gesagt. Aha. Warum sind sie dann nur 3-4 Monate pro Jahr oben? Und warum nur 10 %? Und was ist der natürlich Lebensraum einer anderen domestizierten Art, nämlich meines Hundes? Nur damit ich weiß, wo ich mit ihm hingehen soll. Und was ist mein natürlicher Lebensraum?

Seis drum. Faktum ist, dass Almen häufig überdüngt sind. Kriechbaum et al. (Kriechbaum, Splechtna, Pennerstorfer, Pröbstl und Seiberl 2019: „Wolf ODER Artenvielfalt auf Almen: Ist das die Frage?“, in „Der Wolf. Im Spannungsfeld von Land- & Forstwirtschaft, Jagd, Tourismus und Artenschutz“), krisitieren, dass zunehmend auf Almen Gülle ausgebracht werde, oft mit modernen Geräten auf den Zubringerstraßen, die mit Hochdruck den Kot 60 m weit auf große Flächen und steile Hanglagen verspritzen. Der Einsatz von Kraftfutter bei Milchkühen führt so zu einer völligen Überdüngung.

Auf meine diesbezügliche Kritik haben Almbäuer:innen gejohlt und gemeint, das sei doch gar nicht wahr. Ist des doch. Das Foto oben zeigt ein Beispiel. Dieser Link den Film dazu:

Die Anzeige gebe ich in Auszügen wieder:

Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas

Das Buch heißt „Verlorene Welten“, ist 2019 in zweiter Auflage im Klett-Cotta Verlag erschienen und vom Schweizer Aram Mattioli, Universitäts-Professor für Neueste Geschichte an der Uni Luzern, geschrieben. Der Spoiler gleich zu Beginn: ein großartiges Buch, das bei weitem Beste über die Geschichte der Indianer_innen Nordamerikas, das ich bisher gelesen habe. Ich kann es nur wärmstens empfehlen. Und zwar nicht, weil es so spannende Wild-West Geschichten erzählt, sondern weil es in deutlichen Worten klar macht, dass die Unterdrückung und weitgehende Vernichtung der Ureinwohner_innen Nordamerikas ein ungeheuerliches Verbrechen war und ist.

Zu Anfang reflektiert der Autor über 3 Seiten hinweg, welche Bezeichnungen er verwenden wird und welche nicht. So empfindet er das Wort „Stamm“ als abwertend und ersetzt es durch Nation. Auch das Amerikanische Wort „Indian“ oder „American Indian“ ist für ihn abwertend, deswegen verwendet er First Peoples, Native Americans oder das deutsche Wort „Indianer“. Letzteres wurde in seinen Augen nie abwertend verwendet. Deshalb bleibe auch ich bei „Indianer_innen“.

Das Buch rekonstruiert sehr schön den Werdegang der Westexpansion durch die USA. Unter dem englischen König wurden die Appalachen 1763 als westliche Siedlungsgrenze festgelegt. Nach der Revolution und der Unabhängigkeitserklärung der USA, legte die neue Regierung den Mississippi als neue Grenze fest. Bis 1824 wird ein Indianerbüro im Kriegsministerium gegründet. Zum dem Zeitpunkt sah man die Indianer_innen also als feindliche Macht außerhalb des eigenen Staates an. Mit dem „Indian Removal Act“ legte man sich auf die Linie fest, die Indianernationen auf amerikanischem Staatsgebiet über den Mississippi nach Westen zu deportieren.

Diese Deportationen waren richtige Todesmärsche über tausende Kilometer. Wer nicht mithalten konnte, wurde erschossen. Die Cherokee z.B. verloren auf diesem Marsch 1838 ein Viertel ihrer Nation. Auf diese Weise gründete man das „Indian Territory“ im heutigen Bundesstaat Oklahoma, das schließlich am 22. April 1889 durch den ersten „Oklahoma Land Run“ erst wieder unter weißen Siedler_innen aufgeteilt wurde. Das ist ein Vorgang, der ständig wiederholt wird: man gibt einer Indianernation per Vertrag eine Region, die zwar deutlich kleiner als ihr eigentliches Gebiet war, aber wo sie immerfort würden leben können. Und dann verkleinert man diese Region zu Reservaten, die später weiter verkleinert werden, bis die Indianer_innen völlig verelenden.

Im Goldrausch von Kalifornien, der 1849 beginnt, kommen die Indianer_innen der Pazifikküste unter die Räder. Ein Mob von Neusiedler_innen massakriert sie ohne jede staatliche Kontrolle. Mehrere Bundesstaaten erlassen sogar Gesetze, dass Weiße Indianer_innen jederzeit ungestraft töten dürfen, ja es wird sogar Kopfgeld auf Indianer_innen ausgesetzt. Wer den Beweis der Ermordung eines Indianers oder einer Indianerin erbringt, bekommt das Geld. Und Soldaten der US-Armee werden mit Preisgeldern belohnt, wenn sie an Massakern teilgenommen haben.

1853 schließlich entsteht die Idee, alle Indianernationen in Reservate zu zwängen. Das Indianerbüro wird vom Kriegs- ins Innenministerium verlegt. Die Indianer_innen werden also von jetzt ab als innerstaatliches Problem gesehen. Mit dem Homestead Act 1862 von Präsident Lincoln beginnt die radikale Unterwerfung der Prärie-Indianer_innen, die 1886 endet. Die US-Armee verübt dennoch am 29. Dezember 1890 ein letztes Massaker an einer Indianernation, den Lakota am Wounded Knee.

Gab es um 1500 in Nordamerika noch etwa 10 Millionen Indianer_innen und keine Weiße, so waren es 1750 nach zahlreichen großen Pandemien nur noch 1,5 Millionen Indianer_innen und bereits 1,25 Millionen weiße Siedler_innen. Im Jahr 1900 schließlich lebten nur mehr 237.000 Indianer_innen auf 2,3 % der Fläche der USA, während 76 Millionen Weiße den Rest beanspruchten. 1907 beantragten tausende Indianer_innen beim Kongress die Gründung eines eigenen indianischen Bundesstaates mit dem Namen „Sequoyah“. Doch Präsident Theodore Roosevelt, der Cowboy als Präsident und große Indianerhasser, lehnte ab. Er hatte 1886 in einer öffentlichen Rede gemeint: „Ich gehe nicht so weit zu sagen, nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer, aber das trifft auf 9 von 10 von ihnen zu, wobei ich mir den 10. lieber nicht zu genau anschaue.“

Wildes versus zivilisiertes Leben

Die Verfassung der USA von 1776 gilt als weltweit erste Menschenrechtsdeklaration. Und dennoch waren eigentlich und unausgesprochen nur Weiße gemeint. Es gab weiterhin Sklaverei von Schwarzen und es gab Massaker an Indianer_innen, die nicht als Personen gesehen wurden. Indianer_innen galten vor Gericht z.B. nicht als Zeug_innen. Die Begründung dafür war ein tief sitzender Rassismus, der in Essenz Indianer_innen (und Schwarze) mehr mit Tieren als mit Menschen gleich setzte. Der „primitive“ Mensch im wilden Naturzustand versus der „höherentwickelte“ Mensch in der Zivilisation.

Gutmeinende, aufgeklärte Bürger_innen der USA sahen die Lösung des „Indianerproblems“ in der Umerziehung zum zivilisierten Menschen. Tausende Indianerkinder wurden mit Gewalt ihren Eltern entrissen und in verschiedenen Internaten quer durch die USA zwangserzogen. Man schnitt ihnen die Haare – weil anständige Männer kurze Haare haben -, man steckte sie in Anzüge, man zwang sie nur noch englisch zu sprechen, man drillte sie militärisch, man bestrafte sie mit Gewalt und man versuchte ihnen elementare Bildung einzutrichtern. Allerdings ging man davon aus, dass sie eh nichts verstehen würden und in der Gesellschaft nicht aufsteigen könnten, und so beließ man es bei einem Minimum.

Dieser Ethnozid (O-Ton Autor Mattioli), dieser Versuch, das Indianische in den Indianer_innen zu töten und sie zu zwangsassimilieren, führte zu furchtbaren Tragödien, Selbstmorden und vielen missbrauchten Kinderseelen. Auf jeder dieser Schulen mussten große Friedhöfe für die gestorbenen Schüler_innen errichtet werden.

In der Tierrechtsbewegung gibt es das Ansinnen, alle Wildtiere zu zivilisieren, um die Gewalt unter den Tieren zu reduzieren. Diese Einstellung dürfte jener gegenüber den Indianer_innen damals ähnlich sein. Zweifelsohne wollten die Indianer_innen diesen „Segen“ der Zivilisation nicht. Ich gehe davon aus, dass es bei Wildtieren nicht anders ist.

Die Wildnis zivilisieren

In den publizierten Meinungsäußerungen damals schwingt ständig die Ansicht mit, die Wildnis sei lebens- und menschenfeindlich, sie müsse daher zivilisiert werden. Die große Prärie z.B. wurde gezielt in Acker- und Weideland umgewandelt, worauf man total stolz war. Endlich war das Land produktiv und nutzbar. Dafür mussten neben den Indianer_innen auch z.B. die Bisons und die Wölfe sterben. Die Bisons schoss man systematisch zusammen. Von zig Millionen noch vor 200 Jahren blieben lediglich 800 übrig, die man in einem rasch eingerichteten Reservat zu schützen begann. Aber nicht, um Wildtiere oder gar eine Wildnis zu erhalten. Sondern mit dem klaren Kalkül, sie als jagdbares Großwild für die Jägerschaft zu verfügbar zu halten. Präsident Theodore Roosevelt war stolzer Großwildjäger und auf ihn ging diese Idee zurück.

Dasselbe hat man in Österreich gemacht, ein paar 100 Jahre davor. D.h. man hat die Wildnis zivilisiert, indem man den Wald in den Bergen gerodet, Bison, Auerochse, Elch und Wisent, und später auch Luchs, Wolf und Bär ausgerottet und Almen errichtet hat. Und heute ist man darauf immer noch stolz.

Geschichte der Kampagne gegen die Jagd in Österreich 1980-1999

Leider ist es immer noch ziemlich selten, dass jemand eine akademische Arbeit über Tierrechte oder die Tierrechtsbewegung schreibt. Mit meiner Dissertation über Tierrechte im Jahr 2004 wollte ich für dieses Thema das Tor in die akademische Welt aufstoßen, obwohl es natürlich Vorgänger gab, wie Helmut Kaplan sogar bereits 1988. Doch nicht viele sind gefolgt. Deshalb freut mich die Masterarbeit von Stella Kubek in Geschichte mit dem etwas sperrigen Titel „Die Praxis der österreichischen Tierbewegung als neue soziale Bewegung in den 1980er und 90er Jahren am Beispiel des Kampfes gegen die Jagd“ umso mehr. Für einiges davon bin ich ja Zeitzeuge und wurde für die Arbeit auch interviewt.

In den 1980er Jahren war die Jagd noch felsenfest im Sattel. Der Jäger als Held in den Bergsagas stand außerhalb jeder Kritikmöglichkeit und hatte aufgrund des ausnahmslos positiven Images auch ein unendlich großes Selbstbewusstsein, das rasch in Gewalt umschlug. Ich erinnere mich noch an viele Vorfälle, bei denen ich am hellichten Tag mitten auf markierten Wanderwegen von Jäger_innen massiv angepöbelt und mit dem Erschießen bedroht worden bin, weil sie sich bei der Jagd gestört fühlten. Heute ist das ganz anders.

Spannend also, dass der Tieraktivismus (um Tierschutz und Tierrechte zu einem Begriff zusammen zu fassen, wie das die Autorin vorschlägt) in dieser Masterarbeit genau in den Jahrzehnten des Umbruchs im Jagdimage analysiert wird. Quellen für die Arbeit waren neben Interviews mit Zeitzeug_innen, 14 Zeitschriften von Tierschutzorganisationen, dem Archiv des Wiener Tierschutzvereins, dem TATblatt, dem Archiv der Sozialen Bewegungen Wien, dem Lauffeuer und der Zeitschrift HOWL insbesondere die mediale Berichterstattung. Letztere konnte auf der Basis von 4 Archiven einbezogen werden. Dort fanden sich 261 einschlägige Zeitungsartikel im fraglichen Zeitraum zum Thema.

Die Jagd war anfangs kein zentrales Thema der Tierbewegung in Österreich. 1981 unterschrieben 163.000 Personen eine Petition mit dem Titel „Auch Nutztiere sind Schutztiere“. 1982 entstand in Österreich die Initiative gegen Tierversuche und 1983 das Österreichische Komitee zum Schutz der Pelz- und Wildtiere. 1985 sind die ersten Tierbefreiungen aus Tierversuchslabors in Österreich verbürgt, nämlich Hunde aus den Instituten für Pharmakologie und Medizinische Physiologie der Uni Wien.

Und dennoch musste sich bereits 1983 „die Jägerschaft […] mit einzeln oder in Gruppen auftretenden Tierfreunden herumschlagen“, berichtete Rudolph Wojta am 29. 11. in der Wochenpresse. 1987 war der Umgang mit der Jagd eines der Themen am Österreichischen Tierschutzkongress. 1988 wurden der steirischen Landesregierung 10.000 Unterschriften gegen den Fallenfang übergeben. Neben 19 in den Quellen genannten Demos gegen die Jagd fand im November 1990 erstmals eine Jagdstörung statt. 15 Personen der Gruppe „Free Them – Recht für Tiere“ schritten in Vitis im Waldviertel gegen die Jagd auf ausgesetzte Zuchtfasane aktiv ein und stellten sich vor die Opfer. Die Jäger_innen attackierten die Tieraktivist_innen daraufhin und eine Frau wurde von einer Schrotkugel im Bauch getroffen. Der Schütze gab später an, er habe sie mit einem Fasan verwechselt. Wie üblich bei solchen Vorfällen, leider bis heute, gab es für den Gewalttäter kein gerichtliches Nachspiel.

Insgesamt sind in den Quellen 11 Berichte von Jagdstörungen im Zeitraum 1980-1999 zu finden. Darunter eine durch die Vier Pfoten im November 1995, bei der sich die Aktivist_innen mit Handschellen an Bäume ketteten, um der Festnahme durch die Polizei zu entgehen. 40 (!) Personen hatten an der Aktion teilgenommen. Im Herbst 1996 brachte wiederum der VGT eine Fasanjagd zum Abbruch. Weiters fanden sich in den Quellen 2 Blockadeaktionen gegen die Jagd, u.a. Anfang 1996 durch die Vier Pfoten im Eingang der Jagdmesse „Die Hohe Jagd“ in Salzburg.

Interessant ist, dass es in den 1990er Jahren, vermutlich aus schierer Verzweiflung gegen die scheinbare Unantastbarkeit der Jägerschaft, zu sehr vielen Straftaten gegen die Jagd kam. Zweimal wurden die Scheiben von Restaurants mit Wildwochen im Angebot, einmal die eines Jagdwaffengeschäfts und einmal die eines Jagdgeschäfts zerschlagen. Einmal wurde „Jagd ist Mord“ auf ein Jagdgeschäft gesprayt. 14 Mal kam es im Untersuchungszeitraum zur Zerstörung von Jagdständen, wobei bei jeder dieser Aktionen gleich mehrere Jagdstände unbrauchbar gemacht wurden, einmal sogar 40 in einer Nacht. Zusätzlich wurden Schlösser von 3 Jagdfahrzeugen verklebt und 4 Mal Stinkbomben in jagdaffine Räumlichkeiten geworfen.

Laut dieser Arbeit waren im Zeitraum 1980-1999 insgesamt 71 % der Aktionen gegen die Jagd Demos, 9 % Ziviler Ungehorsam alias Jagdstörung und 20 % Straftaten. 32 % der Aktivitäten gegen die Jagd hatten eine Gesetzesänderung zum Ziel, 18 % die Durchsetzung bestehender Schutzbestimmungen, 9 % die direkte Rettung von Tieren, 20 % Bewusstseinsbildung und 20 % einen finanziellen Schaden für die Jägerschaft.

Wenn ich mir diese Statistiken von heute aus, dem Jahr 2020, ansehe, dann wird mir klar, dass das damals eine ganz andere Zeit war. Die Organisationen waren viel kleiner, aber dafür wilder, lauter und radikaler. Der Tierschutz wurde bei weitem nicht so ernst genommen und politisch bekämpft, wie heute. Dafür gab es kaum messbare Erfolge, wie gesetzliche Verbesserungen. Die Straftaten von damals sind heute völlig verschwunden, stattdessen beschädigt die Jägerschaft Tierschutzfahrzeuge. Auch Jagdstörungen gibt es nur mehr sehr selten. Der Schwerpunkt heute liegt an der Dokumentation der Tierquälereien bei der Jagd und dem öffentlichen Druck auf die Landesregierungen, dagegen etwas zu unternehmen. Und das oft mit durchschlagendem Erfolg! Statt Herrn Mensdorff-Pouilly bei seinen infantilen Entenabschießbelustigungen zu behindern, und dabei von der Jägerschaft attackiert und der Polizei verfolgt zu werden, haben wir heuer ein Verbot erreicht. Jetzt schicken wir ihm die Polizei.

Die Tierbewegung hat sich über die Jahrzehnte entwickelt. Vom Sturm und Drang zur Professionalität. Mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen.

Klarstellung zu Foto: Kalbinnen aggressiv gegen 2 Jährige

Das obige Bild, bzw. ein sehr Ähnliches, hat einen Shitstorm auf Facebook ausgelöst, wie mir berichtet wurde. Die abenteuerlichsten Vermutungen und Interpretationen wurden dazu angestellt. Deshalb hier jetzt eine Klarstellung.

Warum dieses Bild veröffentlichen?

Die Erklärung ist ganz einfach. In meinem kritischen Blick auf Almen, siehe https://martinballuch.com/ein-kritischer-blick-auf-almen/, habe ich erwähnt, dass Rinder im Toten Gebirge erstaunlich aggressiv auf meine kleine 2 jährige Tochter reagiert haben. So aggressiv, wie ich das bisher nur von Situationen kenne, in denen ich mit einem Hund unterwegs bin. Auf diese Bemerkung hin wurden mir mehrere Emails von erbosten Almleuten geschickt, die versucht haben mich lächerlich zu machen, und geschrieben haben, die Rinder seien doch nur neugierig, aber nicht aggressiv, ich würde mich nicht auskennen. Ich kenne mich aber schon ausreichend mit Rindern aus, um sagen zu können, dass sie in diesem Fall tatsächlich aggressiv waren.

Als ich dann wenige Tage später in einem Dorf an einer Weide vorbeikam und die Kalbinnen aggressiv auf meine Tochter reagierten, habe ich das fotografisch festgehalten, um es zu beweisen. Erstens wollte ich damit sagen, dass die Almleute falsch liegen, weil ja, Rinder können durchaus auf 2 jährige Kinder wie auf Hunde reagieren, und, zweitens wollte ich diesen doch sehr interessanten Umstand jenen Eltern mitteilen, die mit ihren 2 jährigen Kindern Almen zu überqueren planen. Eigentlich also ein recht bescheidener Anspruch, möchte man sagen, und unmittelbar durch Falschaussagen von Almleuten motiviert.

Wie entstand das Foto?

Erstaunlicher Weise wurde wild spekuliert, dass meine Tochter im Foto die Rinder absichtlich für das Foto gereizt hätte, dass alles inszeniert sei, dass wir auf Privatgrund stünden und dass es sich um eine Alm handeln würde. Alles falsch. Ich ging, wie jeden Tag, mit meiner Tochter spazieren und kam dabei, wie häufig, an einer Weide mit 3 Kalbinnen vorbei. Wir befanden uns auf einer öffentlichen Straße eigentlich mitten in einem Dorf. Das Foto oben habe ich so gewählt, dass man diesmal sieht, dass es sich um eine Straße handelt, auch wenn das für meine Aussage, die ich mit dem Foto treffen wollte, völlig belanglos ist. Tatsächlich steht direkt hinter uns ein Haus, direkt rechts neben uns ebenfalls, und direkt links neben uns ist eine Kirche.

Beim Vorbeigehen haben 2 der 3 Kalbinnen aggressiv reagiert und auf meine Tochter gestarrt, die Dritte kam dann angerannt. Das habe ich gleich fotografiert. Meine Tochter war nie in Gefahr, weil zwischen den Rindern und ihr ein elektrischer Zaun aufgestellt war und weil ich mich keine 50 cm hinter meiner Tochter befand. Meine Tochter ist, einfach nur aus Spaß, einen Schritt gesprungen und dabei hat eine der Kalbinnen erschreckt reagiert, was für mich beweist, dass diese Rinder meine Tochter nicht für einen Menschen sondern eher für einen Hund gesehen haben. Wäre ich gesprungen, hätten die Kalbinnen kein Ohrwaschel gerührt.

Die Situation hat sich übrigens völlig entspannt danach, ich habe meine Tochter in den Arm genommen und wir haben über den Zaun hinweg die beiden Kalbinnen gestreichelt. Die waren zwar weiterhin nervös, aber ließen sich doch beruhigen. Keine Affäre also.

Klarstellungen

Dazu gab es dann, wie man mir mitgeteilt hat, eine Reihe von Behauptungen, Mutmaßungen und Unterstellungen, die ich nun klarstelle:

  • Nein, die Situation war nicht gefährlich.
  • Nein, meine Tochter hat sich überhaupt nicht gefürchtet (siehe Bild) und fürchtet sich auch weiterhin nicht vor Rindern. Im Gegenteil, meine Tochter liebt Rinder und wir können an keiner Weide vorbeigehen, ohne dass wir stehen bleiben und idealerweise die Rinder streicheln müssen.
  • Nein, selbstredend habe ich mich auch nie vor diesen Rindern gefürchtet. Ich war als Teenager sogar einmal 3 Monate lang Senn auf einer Alm im Gailtal in Kärnten und habe spätestens seit damals keinerlei Angst vor Rindern.
  • Nein, ich habe diese Weide dort mit keinem Wort kritisiert, sondern ich finde sie gut. Es handelt sich um keine Alm, die sich, im Gegensatz zu dieser Weide, mitten in der Wildnis abseits von menschlichen Behausungen befindet.
  • Nein, es lag definitiv nicht an der Kleidung meiner Tochter, dass die Rinder aggressiv reagiert haben. Meine Partnerin ist wenige Tage davor ebenfalls dort mit meiner Tochter in anderem Gewand vorbei gegangen und hat mir berichtet, dass die Rinder auch sehr aggressiv reagiert haben.
  • Nein, der Vorfall war weder inszeniert noch geplant. Es ist einfach passiert, ich hatte mich an die Falschaussagen der Almleute erinnert und daraufhin einige Beweisfotos aufgenommen.
  • Rinder können definitiv aggressiv auf kleine Kinder reagieren. Als diese 3 Kalbinnen auf die Weide gestellt wurden, traf ich die Bäuerin, in deren Verantwortung sich die 3 Kalbinnen befinden, habe mit ihr sehr freundlich gesprochen und sie hat mir sogar explizit gesagt, diese 3 Jungrinder seien noch unerfahren und wir sollten nicht über den Zaun steigen und mit meiner kleinen Tochter aufpassen, weil die Rinder aggressiv werden könnten.
  • Nein, ich bin nicht gegen Rinder. Ich liebe sie, wie alle Tiere (auch den Wolf und die Giftschlange!). Dennoch bin ich der Ansicht, wir in Österreich haben viel zu viele Rinder gezüchtet und sollten in Zukunft deutlich weniger züchten. Wir haben eine ungeheuerliche Überproduktion an Milchprodukten und exportieren relativ mehr Rinder als jedes andere EU-Land. Abgesehen davon geht mit jeder Rinderhaltung natürlich viel Tierleid einher (Tiertransporte von Kälbern, Schlachtung) und die Rinderproduktion hat eine sehr schlechte Klimabilanz.
  • Ja, ich bin der Ansicht, dass Rinder durchaus Menschen gefährlich werden könnten. Auch ich hatte auf Almen schon sehr brenzlige Situationen, wie ich sie z.B. in meinem Buch „Der Hund und sein Philosoph“ beschrieben habe, aber immer nur durch einen Hund. Praktisch nie ging es dabei übrigens um eine Mutterkuh, die ihr Kind schützen wollte. Das ist auch mehrheitlich Almpropaganda. Mutter mit Kalb gibt es auf Almen nicht häufig.
  • Ja, es ist in meinen Augen auch ein Argument (von sehr vielen anderen) gegen Almen, dass man von Hundehalter_innen zurecht verlangt, sie müssen sicherstellen, dass ihre Hunde keine Menschen gefährden, aber bei Rindern sind immer die anderen schuld. Noch einmal betone ich: das trifft nicht auf die obige Situation zu, weil da ja die Rinder auf einer umzäunten Weide im Dorf gestanden sind. Mein Punkt war: Freilandhaltung ja, aber nicht in der Wildnis. Die sollte Wildtieren gehören.
  • Ah ja, und zuletzt haben mir verwirrte Personen geschrieben, ich solle meinen Kindern Respekt vor Tieren beibringen. Also woraus diese Personen schließen, dass meine Tochter keinen Respekt vor Tieren hätte, ist mir ein Rätsel. Sie hat vermutlich wesentlich mehr Respekt vor Tieren, als jene Personen, die das gesagt haben. Sie lebt nämlich vegan, tut keinem Tier etwas zuleide, gibt auch keine Tiertötungen für sich in Auftrag und rettet jeden Regenwurm und jede Schnecke von einer Straße, wenn sie sie sieht. Aber dass viele Leute in den sozialen Medien irgendetwas vor sich hin brabbeln ist ja nichts Neues.

Fehlt noch etwas?