Coronavirus

Gesichterkennungssoftware der Polizei – oder doch lieber Masken?

Der Standard meldet, dass die Polizei Gesichtserkennungssoftware einsetzt und dafür die Überwachungskameras im öffentlichen Raum, so z.B. in den Verkehrsmitteln, verwendet, siehe: https://www.derstandard.at/story/2000119996329/polizei-nutzt-neue-gesichtserkennung-um-demonstranten-zu-identifizieren. Dabei werden auch Fotos von Sozialen Medien zum Abgleich verwendet. Und es geht nicht um Schwerverbrecher_innen, sondern auch um politische Aktivist_innen und insbesondere Tierschützer_innen.

Im Artikel steht wörtlich: Drohnen, Verbrechensvorhersage und nun Gesichtserkennung: Die österreichische Polizei greift immer mehr zu Mitteln, die man noch vor wenigen Jahren nur aus Hollywoodfilmen kannte. Mit Anfang August ist nun das Gesichtserkennungssystem des Innenministeriums nach einem mehrmonatigen Versuchs- in den Regelbetrieb übergegangen. Und es wird eifrig genutzt. So kam die Software zur Ausforschung von Demonstranten zum Einsatz, wie dem STANDARD vorliegende Dokumente zeigen. Dies wird auch vom Innenministerium bestätigt.

Und weiter: Die Software gleicht Bilder von Überwachungskameras oder anderen Quellen mit Fotodatenbanken der Polizei ab. Dabei können auch Fotos aus sozialen Medien für einen Bildabgleich genutzt werden, wie die Ermittlungen rund um die Demonstrationen in Favoriten zeigen. „Sollte es im Zuge von Erhebungen einen Hinweis auf eine tatverdächtige Person geben, so können weitere Ermittlungen auch in den sozialen Medien stattfinden. Hierbei können auch Fotos zu einem Vergleich herangezogen werden“, erklärt Sprecher Maierhofer. Etwa Fotos von Demonstranten, die auf Twitter veröffentlicht wurden. Das Innenministerium sieht die Nutzung der Fotos durch das Sicherheitspolizeigesetz gedeckt.

Wenn mir wer erzählen will, dass das doch kein Problem sei, weil man ja nichts zu verbergen habe, könne ja jeder Mensch wissen, wann man wo gegen was demonstriert hat, dann sage ich dazu, dass das schon sehr sehr naiv ist. Zwei Beispiele aus meiner Erfahrung. Eine Frau wollte bei der Polizei angestellt werden. Im Anstellungsgespräch eröffnet ihr die Polizei, dass sie 18 Mal auf Demos des VGT identifiziert worden sei und dass sie deshalb zur Arbeit im Staatsdienst nicht geeignet wäre. Also wenn die Polizei weiß, dass man mit dem VGT demonstriert hat, dann verliert man schon einmal die Option Staatsdienst. Egal ist das jedenfalls nicht. Und fair auch nicht.

Zweites Beispiel, noch eklatanter. Eine junge Frau wird in Salzburg um 1 Uhr früh von einem Taxifahrer festgehalten, weil sie ein Tierschutzpickerl auf einen Poller geklebt hatte. Die Polizei kommt, verschleppt sie auf die Wache und weckt die Kriminalpolizei. Zwischen 3 und 5 Uhr früh wird sie einvernommen. Dabei erzählt man ihr, dass sie für ihre böse Straftat mit bis zu 3 Jahren Haft zu rechnen habe – außer sie kooperiere. Daraufhin ließ die junge Frau die Kriminalbeamt_innen in ihr Handy und auf ihr Facebookprofil und nannte 17 Namen von Personen, die vielleicht auch Pickerl aufgeklebt haben könnten. Bei einigen Personen, sagte sie, wisse sie nur den Vor- oder einen Spitznamen. Jedenfalls sagte sie u.a., dass eine Anita, die 50 Jahre alt ist und Locken hat, ebenfalls Tierschutzpickerl aufgeklebt habe. Die Polizei durchforstete daraufhin ihre Datenbanken und fand eine Tierschützerin, auf die diese Beschreibung zutraf. Dass die besagte Frau seit 10 Jahren nicht mehr im Tierschutz aktiv war, störte niemanden. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen die vollkommen unschuldige Person wegen schwerer Sachbeschädigung. Sie wurde zwar freigesprochen, musste aber für ihren Anwalt und die Anreisekosten und den Ausfall ihrer Arbeit und ihren Stress natürlich selbst aufkommen.

Das sind sehr gute Gründe, dass die Polizei nicht erfahren soll, wie man heißt und auf welchen Demos man war. Da lob ich mir doch die Schutzmaske. Und die Aussage, ich würde trotzdem erkannt, zählt vielleicht nicht für eine Gesichtserkennungssoftware. Also mir ist lieber, ich kann eine Maske tragen.

New Scientist vom 15. August 2020 zum Coronavirus als Beispiel

Das renommierte Naturwissenschaftsmagazin New Scientist, das wöchentlich erscheint, versucht von den aktuellsten Entwicklungen in der Wissenschaft zu berichten, hat aber die Klimakrise seit vielen Jahren als prioritäres Thema. Nun hat sich das Coronavirus dazu gesellt und wird in praktisch jeder Ausgabe behandelt. Ich stimme ethisch (viel zu wenig Tierschutz) und auch philosophisch (viel zu positivistisch und technikgläubig) mit vielem aus der Redaktion dieses Magazins nicht überein, aber ich vertraue sehr auf die präsentierten Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Als Beispiel für die Coronaberichterstattung, zitiere ich hier aus einer einzigen Ausgabe, nämlich vom 15. August 2020.

Zunächst das Editorial:

Hier geht es um die mangelnde öffentliche Akzeptanz des hoffentlich demnächst fertigen Coronaimpfstoffes. Aber dabei sagt die Chefredaktion auch, dass eine signifikante Minderheit offenbar erschreckend resistent gegen wissenschaftliche Fakten ist, und meint damit diejenigen, die die Coronagefahr ideologisch kleinreden.

Es gibt 3 mehrseitige Artikel zur Coronaforschung. Da ist einmal jener über den Impfstoff:

Hier geht es nicht darum, ob und wann ein wirksamer Impfstoff kommen wird, sondern darum, dass dieser nicht nur den reichsten Ländern zumindest prioritär zur Verfügung gestellt werden darf. Tatsächlich gibt es offenbar eine globale Koalition von 170 Ländern mit zusammen 4,5 Milliarden Einwohner_innen, die eine faire Verteilung des Impfstoffes weltweit gewährleisten wollen. Die ärmsten 92 Länder sollen den Impfstoff kostenlos bekommen.

Die WHO sieht folgende Prioritäten vor:

Weiters gibt es einen langen Artikel über statistische Analysen der vorhandenen Coronadaten aus England und Wales vom 7. März bis zum 26. Juni 2020. Insbesondere ist dabei folgende Kurve interessant:

Es gibt einen sehr deutlichen exponentiellen Anstieg der Wahrscheinlichkeit mit dem Alter, an Covid19 zu sterben. Und zwar nicht, wenn man es einmal bekommen hat, sondern überhaupt, dass man es bekommt und dann daran stirbt. Alle 20 Altersjahre steigt die Wahrscheinlichkeit um einen Faktor 10, also 35 Jährige sterben um einen Faktor 10 wahrscheinlicher als 15 Jährige, 55 Jährige um einen Faktor 100, 75 Jährige um einen Faktor 1000 und 95 Jährige um einen Faktor 10.000. Männer sterben doppelt so wahrscheinlich wie Frauen. Von den über 90 Jährigen sind in dieser Zeitspanne 2 % an Covid19 gestorben, also jeder 50te. Das sind um 2/3 mehr Tote als ohne Corona im selben Zeitraum in anderen Jahren, d.h. eine ganz deutliche Erhöhung.

Aber es gibt auch einen Artikel, der die Isolationsmaßnahmen (aber nicht die Schutzmaske) kritisch betrachtet. Nicht dahingehend, ob die Isolation wirksam war, was eh selbstverständlich ist. Sondern dahingehend, dass soziale Isolation eine Kaskade von auch gesundheitlichen Problemen hervorrufen kann:

Dazu auch eine interessante Feststellung aus den USA:

Gemeinschaften mit mehr sozialem Zusammenhalt hatten zuerst einen höheren Anstieg von Coronafällen, dann aber auch einen schnelleren Rückgang, weil sie rascher Isolationsmaßnahmen umgesetzt haben.

Zuletzt die aktuellsten Zahlen aus Österreich:

Der Anstieg von Coronainfektionen in Österreich sieht schon ähnlich wie jener am Höhepunkt der Krise Ende März aus.

Die Gefahr durch das Coronavirus

Ich denke wir sitzen bei Corona alle im selben Boot: wir wollen keine gefährliche Krankheit riskieren, wir wollen aber auch keine möglicherweise sinnlosen Maßnahmen wie Lockdowns und sonstige Einschränkungen mitmachen. Klar ist, dass sich 99,99 % der Menschen bzgl. einer Einschätzung der Gefahr an die Expert_innen halten müssen, weil sie selbst keine sind. Aber an welche? Wie erkennt man die? Ich möchte hier 2 Beispiele von Aussagen von Medizinern zitieren, die direkt die Covid-19 Erkrankungen erleben und mich deshalb sehr beeindruckt haben. Beide Personen dürften real existieren, tatsächlich als Ärzte ständig mit Covid-19 Erkrankten in Berührung gekommen sein und definitiv nicht Teil einer Verschwörung sein, die uns irgendetwas vorgaukeln will.

Ramin Nikzad ist Arzt bei der Allgemeinmedizinischen Akutversorgung (AMA) des AKH in Wien. Er schrieb am 21. August 2020 folgenden Text (siehe https://www.facebook.com/wu.shu.99/posts/10157359355662466):

GRAUSTUFEN
Zu Beginn der Pandemie hatten wir so einen Schwarzweißblick auf Corona, auch wir Mediziner, so wie wir Menschen allgemein dazu neigen, neuartige Phänomene mit einem Schwarzweißblick zu betrachten.
Wir dachten: COVID-19 verläuft bei 90 Prozent der Infizierten entweder asymptomatisch, mit leichten Symptomen oder mit schweren Symptomen, aber ungefährlich.
Die restlichen 10 Prozent brauchen stationäre Behandlung, 5 Prozent sogar intensivmedizinische, und rund 1 Prozent verstirbt dennoch.
Unser Schwarzweißblick auf Sars-CoV-2 war: Für 9 von 10 ist es ein grippaler Infekt. Für 10 Prozent bedrohlich bis lebensbedrohlich.
Bei überlasteten Intensivstationen versterben also bis zu 5 Prozent und nicht 1 Prozent aller COVID-19-PatientInnen, da sie nicht mehr adäquat behandelt werden können, wie die herzzerreißenden Zahlen und Berichte aus Bergamo zeigen.
Im März und April 2020 hatte ich mir sogar insgeheim noch gedacht: „…Ich hätt‘ s am liebsten, dann hätt‘ ichs hinter mir und könnt’ entspannt meine Eltern treffen und entspannter zur Arbeit gehen…“
Heute denke ich: „Oh bitte nicht! Ich will es nicht kriegen! Niemals! Ich will gesund bleiben, bis es eine Impfung gibt!“
Denn in diesem ersten Halbjahr der Coronaviruspandemie hat sich unsere Sicht auf diese entsetzliche Seuche von diesem Schwarzweißblick zu einer Horrorshow in Graustufen gewandelt.
Wir wissen heute, dass COVID-19 keine Atemwegserkrankung, sondern eine Multiorganerkrankung ist.
Sie befällt die Lunge ebenso wie das Gehirn, das Herz, die Nieren, den Magen-Darmtrakt und das Gefäßsystem.
Wir auf der AMA im AKH sehen zum Beispiel mehr COVID-positive PatientInnen mit Benommenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall, oder ganz einfach nur bleierner Müdigkeit und Appetitlosigkeit, als den „klassischen“ fieberhaften Husten mit Kurzatmigkeit.
Die KollegInnen aus dem stationären und intensivmedizinischen Bereich berichten dementsprechend, dass bei weitem nicht alle COVID-19-PatientInnen von Lungenversagen bedroht sind oder letztlich daran versterben.
Viele kämpfen mit und versterben an Herzversagen, an Nierenversagen, oder thromboembolischen Ereignissen, also Blutgerinnseln, die sich aufgrund der Gefäßentzündung bilden, die Sars-CoV-2 auslösen kann.
Ich werde nie die 27-jährige Patientin vergessen, die völlig gesund und sportlich mit hohem Fieber kam, COVID-positiv getestet wurde, aufgrund einer schlechten Sauerstoffsättigung im Blut stationär aufgenommen wurde, zwei Tage darauf beatmungspflichtig wurde und auf der Intensivstation multiple Blutgerinnsel in ihren Handgefäßen entwickelte.
Ein Monat nach ihrer Entlassung kam sie über unsere AMA zur stationären Aufnahme an der Plastischen Chirurgie des AKH, da ihr die gesamte rechte Hand aufgrund dieser Blutgerinnsel schließlich abgestorben war und ihr die rechte Hand nun operativ entfernt werden musste.
Ich werde nie diese tote, kohlschwarze und regungslose Hand dieser jungen Frau vergessen.
Im Zuge dieser sechs Monate der Pandemie haben wir diese Grauschattierungen nach und nach gesehen, erkannt und in die wissenschaftliche Literatur zu COVID-19 aufgenommen.
Und tagtäglich fügen wir neue Graustufen hinzu:
Es zeigt sich dieser Tage zum Beispiel immer deutlicher, dass diese Folgeschäden nicht nur die Schwererkrankten betreffen, sondern auch die Leichterkrankten.
Anthony Fauci hat diese Woche sehr eindrücklich beschrieben, wie COVID-PatientInnen, die nur einige Tage leichte Symptome hatten, nach 3 bis 6 Monaten immer noch eine verminderte Lungenfunktion, eine verminderte Herzfunktion, Nierenfunktion oder auch eine beeinträchtigte Gedächtnis- und Merkfähigkeit hätten.
Und wir wissen heute noch nicht, wie lange diese Organschäden bestehen werden.
Meine Take-Home-Message ist:
Aus ethischer und epidemiologischer Sicht sollte jeder, egal wie alt und egal wie vorerkrankt, das Physical Distancing einhalten und einen Mundnasenschutz tragen, um alle Mitmenschen zu schützen.
Aber es erscheint zunehmend auch medizinisch ratsam, das Physical Distancing und den MNS ernst zu nehmen, um sich selbst vor lebenslänglichen Leiden und einer womöglich verminderten Lebenserwartung durch das neuartige Coronavirus zu schützen, egal wie jung und egal wie gesund man ist.

Schon deutlich früher, am 7. April 2020, schrieb Prof. Paul Vogt, Schweizer Chirurg und Hochschullehrer, Folgendes über seine Erfahrungen mit Covid-19 (https://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zuk%C3%BCnftigen-politischen-entscheidungen#gsc.tab=0):

Handelt es sich hier nur um «eine gewöhnliche Grippe», die jedes Jahr vorüberzieht und gegen die wir üblicherweise «nichts» unternehmen – oder um eine gefährliche Pandemie, welche rigide Massnahmen benötigt?

Um diese Frage zu klären, muss man bestimmt keine Statistiker fragen, die noch nie einen Patienten gesehen haben. Die reine, statistische Beurteilung dieser Pandemie ist sowieso unmoralisch. Fragen muss man die Leute an der Front.

Keiner meiner Kollegen – und ich natürlich auch nicht – und niemand vom Pflegepersonal kann sich erinnern, dass in den letzten 30 oder 40 Jahren folgende Zustände herrschten, nämlich dass:

  • ganze Kliniken mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose besitzen;
  • ganze Intensivstationen mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose aufweisen;
  • 25% bis 30% der Pflegenden und der Ärzteschaft genau jene Krankheit auch erwerben, welche jene Patienten haben, die sie betreuen;
  • zu wenig Beatmungsgeräte zur Verfügung standen;
  • eine Patientenselektion durchgeführt werden musste, nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil wegen der schieren Anzahl an Patienten schlicht das entsprechende Material gefehlt hat;
  • die schwerer erkrankten Patienten alle dasselbe – ein uniformes – Krankheitsbild aufgewiesen haben;
  • die Todesart jener, die auf der Intensivstationen verstorben sind, bei allen dieselbe ist;
  • Medikamente und medizinisches Material auszugehen drohen.

Aufgrund von 1-8) ist es klar, dass es sich um einen gefährlichen Virus handelt, der dieser Pandemie zugrunde liegt.

Die Behauptungen, eine «Influenza» sei genau gleich gefährlich und koste jedes Jahr gleich viele Opfer ist falsch. Zudem ist die Behauptung, man wisse nicht, wer «an» und wer «wegen» COVID-19 sterbe, ebenso aus der Luft gegriffen.

Vergleichen wir Influenza und COVID19: hat man das Gefühl, bei Influenza seien immer alle Patienten «wegen» Influenza gestorben und nie einer «mit»? Sind wir Mediziner im Rahmen der COVID-19-Pandemie nun alle plötzlich so verblödet, dass wir nicht mehr unterscheiden können, ob jemand «mit» oder «wegen» COVID-19 stirbt, wenn diese Patienten eine typische Klinik, typische Laborbefunde und ein typisches Lungen-CT aufweisen? Aha, bei der Diagnose «Influenza» waren natürlich alle immer hellwach und haben immer die ganze Diagnostik bemüht und waren immer sicher: nein, bei der Influenza sterben alle «wegen» und nur bei COVID-19 viele «mit».

Zudem: wenn es in einem Jahr in der Schweiz angeblich 1600 Influenza-Tote gab, so sprechen wir über 1600 Tote über 12 Monate – ohne präventive Massnahmen. Bei COVID-19 gab es jedoch 600 Tote in 1(!) Monat und das trotz massiver Gegenmassnahmen. Radikale Gegenmassnahmen können die Verbreitung von COVID-19 um 90% senken – man kann sich also vorstellen, welches Szenario ohne Gegenmassnahmen herrschen würde.

Zudem: in einem Monat wurden in der Schweiz >2200 Patienten wegen COVID-19 hospitalisiert und es wurden gleichzeitig bis zu 500 Patienten auf verschiedenen Intensivstationen hospitalisiert. Nie hat jemand von uns auch nur annähernd solche Zustände im Rahmen einer «Influenza» gesehen.

Im Rahmen einer «gewöhnlichen» Influenza erwerben ca. 8% der Betreuenden ebenfalls eine Influenza, aber niemand stirbt daran. Bei COVID-19 werden 25% bis 30% der Betreuenden infiziert und das ist mit einer signifikanten Mortalität verbunden. Dutzende von Ärzten und Pflegepersonen, die COVID-19 Patienten betreut haben, sind an derselben Infektion verstorben.

Zudem: suchen Sie einmal die harten Zahlen zu «Influenza»! Sie werden keine finden. Was sie finden, sind Schätzungen: ca. 1000 oder 1600 in der Schweiz; ca. 8000 in Italien; ca. 20’000 in Deutschland. Eine FDA-Studie (US Food and Drug Administration) hat untersucht, wie viele der 48’000 Influenza-Toten eines Jahres in den USA wirklich wegen klassischer Influenza-Pneumonie gestorben sind. Resultat: alle möglichen Krankheitsbilder wurden unter «Tod durch Pneumonie» subsummiert, so z.B. auch die Lungenentzündung eines Neugeborenen, der bei der Geburt Fruchtwasser in die Lunge aspiriert hat. Die Anzahl der effektiv «wegen Influenza verstorbenen» – Patienten sank in dieser Analyse dramatisch weit unter 10’000 ab.

[…]

Aufgrund des aktuellen Wissensstandes kann man insgesamt nicht von einer «gewöhnlichen Grippe» reden. Und deshalb ist die widerstandslose Durchseuchung der Gesellschaft auch kein Rezept. Ein Rezept, notabene, welches Grossbritannien, die Niederlande und Schweden versucht und nacheinander aufgegeben haben.

Und am 20. April 2020 ergänzte er:

27 führende Virologen aus 9 Ländern (USA, Europa, Australien) haben im «Lancet», einer renommierten, britischen Medizinzeitschrift einen Artikel verfasst («Statement in support of the scientists, public health professionals and medical professionals of China combatting COVID-19»). Weil die Aussage von Bedeutung ist, möchte ich sie hier zitieren:

«The rapid, open, and transparent sharing of data on this outbreak is now being threatened by rumours and misinformation around its origins. We stand together to strongly condemn conspiracy theories suggesting that COVID-19 does not have a natural origin. Scientists from multiple countries have published and analysed genomes of the causative agent, severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2), and they overwhelmingly conclude that this coronavirus originated in wildlife, as have so many other emerging pathogens.»

Dr. Gunnar Jeremias, der Biowaffen-Experte in der «Interdisziplinären Forschungsgruppe zur Analyse biologischer Risiken an der Universität Hamburg» erteilt «Verschwörungstheoretikern eine Absage: „So etwas kann man im besten Labor der Welt nicht herstellen!”

[…]

In Deutschland verstarben zwischen 2001 und 2019 5575 Personen an serologisch bestätigter Influenza und/oder Influenza-Subtypen, also durchschnittlich 310 pro Jahr und das bei einer Bevölkerung von rund 82 Millionen (Robert-Koch-Institut: «Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2018/2019»). In der Schweiz fielen innerhalb von nur 45 Tagen 1368 Patienten COVID-19 zum Opfer – bei einer 10x kleineren Bevölkerung als sie Deutschland besitzt und trotz eines Lock-down, wenn auch eines inkompletten.

Am 21. August 2020 sprach der Infektiologe Franz Allerberger, Leiter einer Forschergruppe, die für das Österreichische Gesundheitsministerium die Ausbreitung der Corona-Pandemie beobachtet, im ORF auf ZIB2 (https://www.youtube.com/watch?v=qjsAy6cEGTk&fbclid=IwAR2aXCOeZAM9SV_dlTUXMGwCH0NkW-MhDrqInLRk4CouIdFyi-UCFCtBzNM). Er glaubt, dass die Infektionen viel weiter verbreitet sind (bis 300.000 allein in Österreich), als bisher angenommen, und dass daher die Sterberate 0,25 % der Infizierten ist, also vergleichsweise sehr gering. Aber er bestätigt, dass Covid-19, auch wenn es symptomlos verläuft, schwere Schäden an vielen Stellen im Körper hervorrufen kann, die sehr lange anhalten: „Ganz anders als bei der Grippe haben wir hier Dauerschäden, die Tage, Wochen, Monate und Jahre anhalten können.“ Das Tragen von Schutzmasken im Freien hält er für unnötig, und auch in Innenräumen sei eine Wirkung bisher nicht nachweisbar.

Hier haben wir also einen recht scharfen Kritiker der momentanen Maßnahmen, von dem aber niemand sagt, dass er ein Verschwörungstheoretiker ist. Da gehört offenbar viel mehr dazu. Beim Zusehen habe ich nicht den Eindruck, Allerberger ist ideologisch motiviert, sondern er argumentiert wissenschaftlich. Offenbar geht das also doch!

Ich finde Schutzmasken super

Mein persönlicher Zugang zu dieser Coronakrise war und ist, dass ich mich in wissenschaftlichen Magazinen wie dem New Scientist über die Fakten informiert habe und als Laie in diesem Fach das Feld den Expert_innen überlasse. Wie wichtig Isolationsmaßnahmen bei infektiösen Pandemien sein können, sieht man z.B. an der Spanischen Grippe, die in Städten mit Schutzmaskenpflicht und Isolationsmaßnahmen deutlich weniger gewütet hat. So etwas kann also durchaus Sinn machen.

Ich persönliche habe die Isolationsmaßnahmen nur positiv empfunden. Es war eine Zeit im Grünen, eine Zeit mit der Familie, eine ruhige Zeit ohne hektischen Job (ich war in bezahlter Sonderfreistellung zur Betreuung meiner Tochter), eine Möglichkeit, das sich aufbauende Burn Out doch noch abzuwenden. Es gab kaum Verkehr, keine Flugzeuge mehr im Himmel, keine Hektik auf den Straßen, die Tourismushotspots waren vollständig menschenleer, die Supermärkte in meiner Region ruhig. Großartig! Noch dazu hat der Staat erstmals in seiner Existenz dem VGT ein Geld gezahlt – für Kurzarbeit und Sonderfreistellung der Angestellten.

Auch die Maskenpflicht und die physische Distanz zu anderen Menschen habe ich als sehr positiv empfunden. Die Maskenpflicht insbesondere auch, weil sie es einem ermöglicht, wieder anonym durch die Straßen zu gehen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Und anonym auf Demos zu gehen, ein mir ganz wichtiger Punkt.

Mir ist es deshalb immer sehr seltsam vorgekommen, dass es einige Menschen gibt, die sich so sehr wegen den Isolationsmaßnahmen und der Maskenpflicht aufregen. Ja, sogar die Grundrechte seien dadurch in Gefahr. Seltsam deshalb, weil genau das Gegenteil der Fall ist: das Verhüllungsverbot auf öffentlichen Straßen hat unsere Grundrechte eingeschränkt, aber sicher nicht die Pflicht, wieder anonym zu werden. Das Verhüllungsverbot hat besonders uns in der Tierschutzarbeit getroffen. Plötzlich waren Aktionen verboten, bei denen Aktivist_innen mit Kückenmaske in eine großen Schredder steigen, um gegen die Tötung männlicher Kücken zu protestieren. Plötzlich wurden Demos untersagt, wenn jemand eine Tiermaske trug. Plötzlich wurde ein Tierschützer festgenommen, weil er mit Kuhmaske Flugblätter verteilte, die die Milchindustrie kritisierten.

Aber die verbotene Verhüllung hat noch weitere negative Auswirkungen. So haben es sich sämtliche Vertreter_innen der Tierindustrie zur Strategie gemacht, alle Tierschützer_innen zivilrechtlich zu klagen, deren Identität sie feststellen können. Deshalb fotografieren sie Aktivist_innen auf Demos vor Tierfabriken oder beim Filmen von Jagden. Solche Zivilklagen sind nicht legitim, wie ich öfter schon ausgeführt habe, weil sie den demokratischen Prozess behindern. Kein normaler Mensch setzt sich freiwillig einer Klage vor Gericht aus, dem Stress und den Kosten, auch wenn er völlig im Recht ist. Daher wollen Tierschützer_innen lieber bei solchen Aktivitäten anonym bleiben. Das konnten sie früher. Bis zum Verhüllungsverbot. Und jetzt mit der Schutzmaskenpflicht können sies wieder. Großartig!

Ich nehme es niemandem ab, ernsthaft um unsere Grundrechte besorgt zu sein, wenn er jetzt gegen die Schutzmasken protestiert, aber früher nicht gegen das Verhüllungsverbot. Nein. Ich fürchte solche Personen sind in Wahrheit ideologisch motiviert. Sie wittern eine Verschwörung hinter allen Maßnahmen, die mit Corona zu tun haben. Ein Beweis: die Plattform Rubikon verstieg sich zur Behauptung, der Staat habe die Maskenpflicht eingeführt, um die Bürger_innen leichter erschießen zu können, weil das der Polizei bei Masken tragenden Menschen psychologisch leichter fallen würde. Da greift jemand wirklich nach dem letzten Strohhalm, um seine Ideologie zu verteidigen. Natürlich wurde niemand erschossen. Aber die Wahrheit ist genau anders rum. Der Staat will, dass seine Bürger_innen keine Masken tragen dürfen, damit er sie immer und überall überwachen kann, damit er immer weiß, wer wann wohin geht, weil er den gläsernen Bürger und die gläserne Bürgerin viel besser kontrollieren und dominieren kann. Wer ständig überwacht wird, traut sich nicht mehr zu protestieren.

Klar ist, die Coronamaßnahmen laufen sämtlichen Vorhaben von Bundeskanzler Kurz und seiner ÖVP zuwider. Er wollte ein Nulldefizit und hat jetzt einen Schuldenberg. Er wollte nie dem VGT Geld geben, jetzt musste er. Er wollte die totale Überwachung und jetzt muss er anonyme Bürger_innen dulden. Niemand kann mir erzählen, dass irgendwelche Mächtigen die Coronakrise erfunden haben, weil sämtliche Coronamaßnahmen allen Interessen der Mächtigen entgegengesetzt sind. Auch die Maskenpflicht.

Verschwörungstheorien

Ich habe vor einigen Jahren das Tagebuch einer Frau, die von 1638 bis 1700 hier bei mir am Hochschwab gelebt hat, gelesen und darüber auch einen Blogeintrag geschrieben: https://martinballuch.com/das-hausbuechl-der-stampferin-oder-was-tierschutz-mit-der-todesstrafe-zu-tun-hat/. Darin führt die Autorin aus, dass 1679 ein Bruder von ihr starb und genau zur selben Zeit eine seltsame Frau in der Gegend erschienen ist. Zufällige Koinzidenz würden wir heute sagen. Nicht aber die Leute damals, die von der Naturwissenschaft und deren Verständnis von Realität nicht viel wussten. Damals gingen einige Leute von einer Verschwörung zwischen dieser Frau und dem Teufel aus und überzeugten bald die anderen durch insbesondere die scheinbar mysteriöse Gleichzeitigkeit ihres Auftretens mit dem Tod des Mannes und durch ihr asoziales Verhalten. Die Frau wurde festgenommen und gefoltert. Dabei gestand sie, mit dem Teufel paktiert zu haben und wurde hingerichtet.

Das ist der klassische Fall einer Verschwörungstheorie. Voraussetzung dafür, ihr zu folgen, ist, dass man die naturwissenschaftliche Faktenlage verlässt, die rationale Vernunft hintan stellt und sich durch das reißerisch dargestellte und aufgeblähte, scheinbar Mysteriöse einer zufälligen Gleichzeitigkeit beeindrucken lässt. Dabei ist daran nichts mysteriös, wenn man genau hinsieht. Zu dieser Zeit starben ununterbrochen Menschen im Dorf der Autorin des Tagebuchs, und die Krankheiten waren für die Leute damals praktisch immer undurchschaubar. Dass also eine undurchschaubare Krankheit einen Mann tötet während diese Frau erstmals auftaucht, ist statistisch nicht unwahrscheinlich, ohne dass es einen Zusammenhang geben muss.

Ich kann dem ein moderneres Beispiel hinzufügen. Als wir 10 Tierschützer_innen im Rahmen des Tierschutzprozesses verhaftet und in die Justizanstalt Wr. Neustadt eingeliefert wurden, fiel just zu diesem Zeitpunkt der Fernsehempfang im gesamten Gefängnis aus. Und schon grölte ein Gefangener aus einer der Zellen ober mir, er werde uns „Veganer“ umbringen, wenn er uns trifft, und sollte er eine höhere Haftstrafe dafür bekommen, so sei ihm das wert, weil wir seinen Fernsehempfang mutwillig gestört hätten.

Ein letztes Beispiel: die Atomreaktor-Explosion in Tschernobyl. Die Wolke mit radioaktiven Teilchen kam relativ rasch nach Österreich. Ich war damals Physikstudent und experimentierte gerade zufällig mit Geigerzählern, die die Radioaktivität messen können. So konnten wir nachweisen, dass Kinderspielplätze kontaminiert waren. Andere hatten diese unabhängige Info aber nicht. Als die Regierung also nicht nur Kinderspielplätze sperrte, sondern ganze Augehverbote erließ, gab es eine Reihe von Personen, die eine Verschwörung vermuteten. Es gebe gar keine Radioaktivität – immerhin kann man sie ja mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen – oder zumindest keine Atomreaktorexplosion, und überhaupt wolle die Regierung nur die Grundrechte außer Kraft setzen. Damals hatten diese Verschwörungstheorien sehr wenig Effekt. Aber nicht, weil die Menschheit vernünftiger gewesen wäre, als heute, sondern weil es keine sozialen Medien gab. Die Verschwörungstheoretiker_innen damals waren alle isoliert und konnten sich nur mündlich ihrer Umgebung mitteilen. So gab es nie eine kritische Masse, die eine der Verschwörungstheorien zum Selbstläufer hätte werden lassen.

Nicht so jetzt im Fall des Coronavirus. Als ich seinerzeit am Institut für Astronomie der Uni Wien arbeitete, stellte ich mit großer Verwunderung fest, dass im regelmäßigen Abstand Personen auftauchten, die vollkommen überzeugt waren, dass die Quantenmechanik oder die Relativitätstheorie, oder auch die Schwarzen Löcher, nicht die Realität beschreiben würden, sondern internationale Verschwörungen wären. Da war ich Fachmann, das konnte ich leicht widerlegen. Im Fall von Corona bin ich nicht vom Fach. Wie kann ich also eine Verschwörungstheorie von einer echten Verschwörung unterscheiden, wenn ich dazu selbst kein Spezialwissen habe? Immerhin gibt es Letztere ja auch.

Ich denke das ist ziemlich leicht. Erstens weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die internationale Wissenschaftscommunity nicht global für eine Verschwörung zu haben ist. Es ist völlig undenkbar, dass sich alle Wissenschafter_innen eines Faches, von China bis in die USA, von Australien bis Europa, von Afrika bis Skandinavien, gemeinsam verschwören und bewusst einen Umstand erfinden oder einen real bestehenden Umstand leugnen. Ich lese also das Magazin „New Scientist“, das von unabhängigen Wissenschaftsjournalist_innen herausgegeben wird und das meinem Eindruck nach eine gesunde kritische Distanz zu allen Behauptungen einnimmt und sich am Stand der internationalen Wissenschaft orientiert. Zu Corona: das New Scientist hat weder diesen Virus noch seine Wirkung je infrage gestellt. Man muss im Internet echte von falschen Quellen für Fakten unterscheiden lernen.

Interessant ist ja, dass Verschwörungstheorien heute immer im Mäntelchen der Wissenschaft daher kommen. Man erfindet wissenschaftliche Autoritäten und behauptet fälschlich Forschungsergebnisse und präsentiert sich als Wissenschafter_in, sodass es auf den ersten Blick vielleicht nicht so leicht ist, Wissenschaft von Fake News zu unterscheiden. Aber nur auf den ersten Blick. Der zweite Blick ist auf die Wissenschaftsmagazine gerichtet, in denen publiziert wurde, oder auf die Methode, die angewandt wurde, und dann lässt sich leicht der Spreu vom Weizen trennen. Es ist nicht alles Wissenschaft, was so tut als ob. Zu Corona: für das wissenschaftlich geschulte Auge sind Auftritte des Herrn Wodarg zum Beispiel sehr leicht als Fake News zu durchschauen.

Zweitens würde ich, um eine Verschwörungstheorie einzuschätzen, immer fragen, wer soll sich da zu welchem Zweck verschworen haben. Verschwörungstheorien zeichnen sich zumeist dadurch aus, dass die Zwecke sehr weit hergeholt sind. Im Fall Corona: Es ist vollständig absurd zu glauben, dass sich alle Staaten der Welt gemeinsam verschworen haben, einen imaginären Virus zu behaupten, um ihre eigene Wirtschaft in den Abgrund zu treiben.

Und drittens ist ein gewisses Maß an vernünftiger Abwägung zwischen den entgegengestellten Thesen gefragt. Im Fall Corona: ist es wahrscheinlicher, dass der ORF die Massengräber in New York und die Totentransporte in Italien durch Schauspieler_innen darstellen lässt, oder reale Szenen gefilmt hat? Sind die Filmaufnahmen aus den Intensivstationen und die Erfahrungswerte zahlreicher Ärzt_innen eher simuliert oder zeigen sie doch die Realität? Ist es möglich, dass sämtlicher Expert_innen, die die Regierungen beraten, durchgehend lügen oder selbst hinters Licht geführt wurden, oder haben sie vielleicht doch ein bisschen eine Ahnung, wovon sie reden?

Ich kenne mich mit Viren nicht besser aus als ein durchschnittlich informierter Naturwissenschafter. Aber alles, was ich schon vor Corona gewusst und seither nachgelesen habe, z.B. über die Pandemie der Spanischen Grippe 1919, lässt mich im Großen und Ganzen zur Überzeugung gelangen, dass die österreichische Regierung in dieser Frage sehr vernünftig agiert hat. Deshalb trage ich sämtliche Maßnahmen freiwillig und gerne mit.

Was ist von Impfungen zu halten?

Anlässlich der Corona-Krise und der Diskussion über einen möglichen Impfstoff wurde ich mehrfach gefragt, was ich von Impfungen halte. Dazu stelle ich zunächst klar: ich spreche in dieser Sache, wie überhaupt auf diesem Blog, nur für mich und nicht für den VGT. Ich erlaube mir durchaus, andere Meinungen als der VGT zu haben. Das ist mir übrigens sogar per Bescheid garantiert worden: die Datenschutzbehörde hat in einem Verfahren explizit festgestellt, dass mein Blog eine Privatsache von mir ist und nichts mit dem VGT zu tun hat.

Ich bin Naturwissenschafter. Ich war zwar nur 12 Jahre meines Lebens Uni-Assistent in Mathematik, Physik und Astronomie und arbeite ja nun schon seit geraumer Zeit nicht mehr in der Forschung, aber ich bin von der naturwissenschaftlichen Doktrin überzeugt. D.h. ich glaube gar nichts, für das es keine Belege gibt, und ich übernehme, umgekehrt, jene Ansicht, die mir am besten begründet erscheint.

Das trifft auch für die Medizin zu. Auch in der Medizin kann man wissenschaftlich erforschen, ob und warum gewisse Mittel auf gewisse Weise wirken oder nicht. Zwar sind wir da vom mathematischen Ideal der Beweisbarkeit viel weiter entfernt als in der Physik, was dafür spricht, alle Erkenntnisse mit einer gewissen Vorsicht zu nehmen, aber dennoch muss man nicht mit Bauchgefühl vorgehen. Auch in der Medizin möchte ich also nur Heilmittel verwenden, die belegbar helfen.

Vieles in der Medizin ist Symptombehandlung. Eine Krankheit bricht aus, der kranke Körper zeigt Symptome, die ihn unter Umständen sehr belasten, und Medikamente versuchen diese zu lindern. Zweifellos wichtig, allerdings wäre es besser, die Ursache der Krankheit zu bekämpfen, und noch besser, die Krankheit prophylaktisch zu verhindern.

Ich lese gerade ein Buch über die Geschichte der Indianer_innen Nordamerikas mit dem Titel „Verlorene Welten“ vom Schweizer Geschichtswissenschafter Aram Mattioli. Er wiederholt auf Seite 37 was mir schon aus anderen Büchern bekannt war: „Eingeschleppte ‚Fieber‘ wie Pocken, Masern, Typhus, Diphterie und Influenza […] führten im östlichen Nordamerika in nur knapp 200 Jahren zu einem demografischen Kollaps unter den First Peoples.“ Letztlich starben von den anfangs 10 Millionen Indianer_innen gut 90 % daran. Und warum? Mattioli: „Eurasien und Amerika hatten Jahrtausende isoliert voneinander gelebt, sodass die Native Americans keine Resistenz gegen Krankheiten besaßen, [die in Eurasien häufig vorkamen].“ Die beste Geisterheilung hatte dagegen keine Mittel, weil die Indianer_innen schlicht mit den Krankheitserregern seit Generationen nicht in Berührung gekommen waren.

Das Immunsystem von Tieren und Menschen ist sehr adaptiv. Es kann lernen, mit gewissen Erregern umzugehen. Das beste Mittel gegen eine Krankheit ist also ein gutes Immunsystem, das die Krankheit vor dem Ausbruch verhindert. Und genau in diese Kerbe schlägt die Impfung. Die Idee ist genial: ein Immunsystem mit einem Krankheitserreger in Verbindung bringen, der aber möglichst entschärft ist, sodass er den Körper nicht krank macht, das Immunsystem aber den Erreger zu bekämpfen lernt. Natürlich ist damit die Gefahr verbunden, dass die Krankheit dennoch ausbricht. Aber wenn man diese Gefahr minimieren kann, ist die Idee einer Impfung grandios.

Tatsächlich haben Impfungen in Europa sehr viele Krankheiten zum Verschwinden gebracht, insbesondere viele jener, die in Nordamerika in den Indianernationen grassiert haben. Hätte man diese Menschen vorher durchgeimpft, wäre vermutlich viel Leid erspart worden.

Impfungen sind also in meinen Augen eine gute Idee, wenn die Impfstoffe entsprechend gut getestet sind. Bleibt die Frage, ob Impfungen nicht notwendigerweise Tierversuche voraussetzen. Bei der medizinischen Forschung an sich ist das nicht der Fall, also warum sollte es gerade bei der Entwicklung von Impfstoffen so sein? Aber ist es nicht in der Realität so, dass die vorhandenen Impfstoffe zumindest auch im Tierversuch getestet worden sind? Müsste da nicht ein ethisch handelnder Mensch Impfungen ablehnen?

Müsste er nicht. Ich habe auf meinem Blog in einigen Artikeln (siehe unten) gezeigt, dass auch Heilmethoden, die in grausamen Menschenversuchen entwickelt worden sind, heute für Menschen verwendet werden. Im New Scientist wurde das ethisch reflektiert, mit der Schlussfolgerung, dass es legitim ist, auch ein Wissen zu benutzen, das auf unethische Weise zustande kam. Wissen an sich ist wertfrei. Wenn es schon da ist, wäre es unvernünftig, so zu tun, als würde man es nicht kennen.

Hier die Links:
https://martinballuch.com/medizinische-versuche-an-menschen-resultate-werden-genutzt/
https://martinballuch.com/und-doch-die-wissenschaft-verwendet-daten-von-brutalen-menschenversuchen-ohne-zustimmung-der-betroffenen/
https://martinballuch.com/james-sims-menschenversuche-1845/

Ich habe daher mein Kind bzgl. allen Krankheiten impfen lassen, bzgl. denen mir das von unserem Kinderarzt angeboten wurde. Und halte es für mich ähnlich.

Corona-Isolation: 3 wunderschöne Monate im Wald!

Also für mich war die durch Corona erzwungene Isolation ein Segen. Ich durfte 3 wunderschöne Monate mit meiner Familie im Wald erleben. Das drohende Burn-out wurde verschoben. Wir haben nur noch rein biologische Zutaten selbst gekocht und daher viel gesünder gegessen. Plötzlich gabs nur noch gute Luft, kaum Autoverkehr, kein Lärm. Eine wohltuende Stille. Kein Kaufrausch mehr. Und keine Flugzeuge am Firmament. Durch eine Sonderfreistellung konnte ich die Karenzzeit mit meiner Tochter um einen Monat verlängern!

Jetzt bin zurück im 40 Stunden Job, seit einigen Tagen in Wien. Und es ist kaum auszuhalten. Nirgendwo etwas, das ich Wald nennen würde. Ein unglaublicher Lärm. Das fällt einem erst so richtig auf, wenn man aus dem stillen Wald kommt. Ein Rattern und Knattern, ein Geschrei, ein Autolärm ohne Ende. In der Nacht in unserer Waldhütte dagegen strahlen die Sterne am Himmel und der einzige Ton ist das Rauschen des Windes in den Baumwipfeln.

In den U-Bahnen oder beim Einkauf ein dichtes Gedränge. Wie sehne ich mich da nach einem social distancing. Und nach dem Wald. In alle Richtungen keine Spur von Menschen.

Der Gestank ist kaum auszuhalten. Erst wenn die Nase die frische Luft gewöhnt ist, riecht man die Autoabgase. Und sie sind praktisch überall. Es gibt kein Entkommen. Im Wald dagegen versprüht jede grüne Nadel und jedes grüne Blatt ununterbrochen frischen, von Feinstaub gefilterten Sauerstoff in die Luft!

Und wo sind die farbigen Blumen, die ich jeden Tag angeschaut habe. Und die Rinde von den Bäumen, so rau und harzig duftend. Und die ungeheure Weite, wenn man von einer Erhöhung in die Landschaft schaut.

Ich habe das Gefühl, psychisch und physisch nicht mehr in der Lage zu sein, auch nur wenige Tage hintereinander in der Stadt verbringen zu können. Ich ersticke. Und wenn ich an mein Töchterchen denke, packt mich fast schon die Panik. Nur die wunderbare vegane Kindergruppe hält uns hier in der Stadt. Ansonsten würde mich dieser stinkende, lärmende Betondschungel nur mehr zu Kurzbesuchen wiedersehen!