Tierversuche

Veterinärmedizinische Tierversuche an Hunden in Österreich

Weil es offenbar Menschen gibt – vornehmlich, wie man hört, Angestellte und Studis der Veterinärmedizin -, die behaupten, veterinärmedizinische Tierversuche an Hunden wären eh nur ein Klacks, kleine Lächerlichkeiten, den Hunden ginge es super, und überhaupt, alles notwendig, die Versuchshunde hätten beste Familienbindung und würden schließlich an Pflegestellen vermittelt, hier eine rein faktische Auflistung der VETERINÄRMEDIZINISCHEN TIERVERSUCHE an Hunden in Österreich. Ich behaupte dabei nicht, dass diese Tierversuche an der Vet Uni Wien stattgefunden haben, stelle aber fest, dass es nur eine einzige Vet Uni in Österreich gibt.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass veterinärmedizinische Tierversuche absolut überhaupt keine ethische Rechtfertigung haben. Bei Tierversuchen bemüht man üblicherweise als Rechtfertigung die Wichtigkeit für die menschliche Gesundheit, und Menschen seien schließlich wichtiger als Tiere. Wie dem auch immer sei, dieses klassische Argument lässt sich auf Tierversuche in der Veterinärmedizin nicht anwenden. Versuchshunde sind nicht weniger wichtig oder wertvoll als Familienhunde, nur weil sie niemand liebt.

Schauen wir uns die Fakten an. Ich wähle willkürlich das Jahr 2017, weil ich von dem gerade die nichttechnischen Projektzusammenfassungen vorliegen habe. Insgesamt waren in diesem Jahr Tierversuche an 247 Hunden genehmigt. Nur 50 davon waren Versuche, bei denen die Hunde als Modell für den Menschen verwendet wurden, also in der Humanmedizin. 197 Hunde wurden für veterinärmedizinische Tierversuche verwendet:

  • 31 Hunde wurden für Versuche in der Ausbildung von Studierenden verwendet. Diese Hunde wurden manipuliert und es wurden Eingriffe geübt. Darunter fallen auch das Üben von Injektionstechniken und das Setzen von Harnkathetern.
  • An 116 Hunden wurden verschiedene neue Mittel zur Anästhesie getestet. Dafür schloss man die Tiere an ein EKG an, setzte ihnen Venenkatheter und verabreichte eine Prämedikation. Die Tiere wurden dann anästhesiert und es wurden die physiologischen Reaktionen unter der Bewusstlosigkeit aufgezeichnet.
  • An 10 Hunden wurde die Augendurchblutung gemessen. Man setzte den Tieren Venenkatheter und maß dann mit Ultraschall die Durchblutung.
  • An 10 Hunden wurden neue Augentropfen getestet. Die Tiere waren gesund. Ihnen wurden 28 Tage lang die neuen Augentropfen täglich zweimal verabreicht, dabei wurden regelmäßig Blutproben genommen und auftretende Entzündungen aufgezeichnet.
  • 30 Hunde wurden für Tierversuche zur Krankheitsdiagnostik verwendet. Dabei wurde ein neuer Thromboelstograph eingesetzt, der die Blutgerinnung testet. Es wurde ein Lokalanästhetikum verwendet.

Wenn mir Angestellte, Tierpfleger_innen oder Studierende von Institutionen, in denen Tierversuche stattfinden, erzählen, wie gut es den Versuchstieren nicht geht, dann glaube ich ihnen kein Wort. Bisher war es noch immer so, dass die Proponent_innen der Tierversuchsindustrie ihre Tätigkeit in schillernden Farben loben, aber jede einzelne von Tierschützer_innen undercover durchgeführte Recherche zeigt, dass es in Tierversuchslabors abgrundtief brutal zugeht. Und das ist nachvollziehbar: wer einem Lebewesen regelmäßig weh tut und absolute Macht über dieses Wesen hat, der muss seine Mitgefühle unterdrücken, um nicht psychisch krank zu werden. Die Folge ist Gefühlskälte und Brutalität.

Wer sagt, die oben beschriebenen Tierversuche seien sowieso harmlos, soll sich doch selbst dafür zur Verfügung stellen. Warum sind genau solche Versuche an Menschen verboten? Aha, doch nicht so harmlos. Als Tierschützer_innen sehen wir die Situation aus den Augen der betroffenen Tiere. Und für die kann es niemals gerecht sein, so etwas mit ihnen zu machen. Hunde sind Wesen, die Familienanschluss brauchen, geliebt werden wollen, mit ihren Bezugsmenschen Tag und Nacht verbringen, und keinesfalls unnötig einem derartigen Stress ausgesetzt werden. Übrigens: laut Statistik sind 54 der Hunde wiederholt solchen Tierversuchen ausgesetzt worden. Eine absolute Horrorvorstellung.

Klar ist auch: wer invasive Tierversuche egal welcher Art, und insbesondere obiger, durchführt, hat keinerlei Berechtigung als Tierarzt oder Tierärztin später aufzutreten. Für Ärzt_innen gilt der Hippokratische Eid: „Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht“. Wer den bricht – und das geschieht definitiv bei obigen Versuchen, weil sie nicht im Sinne der betroffenen Hunde sind – hat die Berechtigung verloren, heilend zu wirken.

In der Helsinki Menschenrechtsdeklaration von 1964 zu Versuchen an Menschen ist das ethische Prinzip so formuliert:

Artikel 1.5: „Concern for the interest of the subject [in experimentation] must always prevail over the interest of science and society.“

Artikel 111.4: „In research on [sentient beings], the interest of science and society should never take precedence over considerations related to the well-being of the subject.“

Dem habe ich nichts mehr hinzu zu fügen.

James Sims: Menschenversuche 1845

Wie oft habe ich es schon gehört! Wer gegen Tierversuche ist, darf keine Medikamente nehmen, weil die alle irgendwann an Tieren getestet worden seien. Ob das jetzt stimmt oder nicht, Faktum bleibt, dass es doch hanebüchen wäre, bekanntes Wissen nicht zu nutzen, wenn das notwendig ist, egal wie man dazu gekommen ist. Wir müssen zukünftige Tierversuche vermeiden, vergangene können wir nicht mehr wieder gutmachen.

An dieser Stelle lächeln meine Gesprächspartner_innen zumeist überheblich, weisen auf ihre Einstellung zu Menschenrechten hin und sagen, sie würden solche Ergebnisse aus Menschenversuchen nie verwenden. Tja, stimmt nicht. Es gibt sehr viele Beispiele. Nicht nur, wie ich anderswo hingewiesen habe, dass man sogar Ergebnisse von Menschenversuchen im Dritten Reich verwendet hat, oder die unsäglichen Menschenversuche mit Geschlechtskrankheiten Mitte des 20. Jahrhunders, die zur Helsinki Deklaration der Menschenrechte 1964 geführt haben, die invasive Menschenversuche gegen den Willen der betroffenen Menschen als Versuchsobjekte ausschließen. In der Zeitschrift „New Scientist“ vom 26. Jänner 2019 bin ich auf ein weiteres Beispiel gestoßen.

James Marion Sims ist 1813 in den USA geboren worden und mit seiner Frau 1845 nach Montgomery in Alabama gezogen. Er gilt als Vater der modernen Gynäkologie. Und die entwickelte er an Sklavinnen, die er zum Teil sogar für seine Experimente kaufte oder sich ausborgte. An diesen „Versuchsobjekten“ hat er ohne Anästhesie (die kurz davor erfunden wurde) Operationen durchgeführt, weil er der Meinung war, dass Frauen mit schwarzer Hautfarbe weniger spüren würden als Frauen mit weißer Hautfarbe, und deshalb keine Anästhesie bräuchten. An manchen dieser Frauen führte er bis zu 30 Operationen durch. Und zwar schnitt er dabei vaginale Fisteln auf und versuche sie operativ zu entfernen. Dazu entwickelte er auch das Spekulum und verschiedene Operationspositionen, die heute noch seinen Namen tragen. Im Übrigen dürfte er zeitgenössischen Berichten zufolge freundlich und keinesfalls sadistisch im Umgang mit seinen Sklavinnen gewesen sein. Hätte man ihm von den 3R erzählt, wäre er sicher dafür gewesen. Jedenfalls waren seine Versuche erfolgreich, und vaginale Fisteln wurden durch ihn behandelbar. Offenbar wendet man seine Methode – mit Anästhesie – bis heute an.

Im „New Scientist“ wird diskutiert, ob man seine Ergebnisse angesichts dieser Menschenversuche überhaupt verwenden dürfe. Na klar, ist die Antwort. Es wäre doch absurd, ein bereits bekanntes Wissen nicht zu nutzen, wenn das anderen Menschen helfen kann. Aha!

Für Sims gibt es zahlreiche Denkmäler, auch Straßen sind nach ihm benannt und auf die Orte seiner Wohnhäuser wird mit Plaketten hingewiesen. Für seine „Versuchsobjekte“ gibt es kein Denkmal. Man kennt nicht einmal von allen die Namen. Lediglich ein paar Vornamen sind überliefert. Aus dem Central Park in New York hat man allerdings 2018 sein Denkmal entfernt und zu seinem Grab gestellt.

Tierversuche: da ist Licht am Horizont

Die Situation für die in Tierversuchen verwendeten Wesen in Österreich ist seit vielen Jahren eine einzige Katastrophe. Unser so konstruktiver Versuch, den Genehmigungsprozess für Projektanträge mittels eines Kriterienkatalogs zu objektivieren, um wenigstens die sinnlosesten Tierversuche auszuschließen, war insofern erfolgreich, als dass das Tierversuchsgesetz jetzt einen solchen Katalog vorschreibt. Nur leider ist er vollkommen nutzlos, weil nach einem mehrjährigen Projekt dreier extra dafür angestellter Wissenschafter_innen zwar ein detaillierter Katalog von 110 Fragen mit objektiv numerischer Zuordnung entstanden ist, dieser aber mit dem lapidaren Argument, er würde die Freiheit der Wissenschaft einschränken, auf 9 Fragen, die noch dazu nur zur Anregung dienen, reduziert wurde. Faktum bleibt leider weiterhin, dass ausnahmslos jeder noch so sinnlose Tierversuch in Österreich genehmigt wird. Und Faktum bleibt weiterhin, dass für diese Genehmigungen keine Kommissionen gesetzlich vorgesehen sind, wie in anderen Ländern, sondern jeweils einzelne Beamt_innen der Bundesländer. Und Faktum ist noch dazu, dass in der gesamten Zeit der Existenz eines Tierversuchsgesetzes noch nie irgendjemand wegen einer Übertretung zum Schaden der Tiere bestraft wurde. Das ist die Situation in Österreich.

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Marode Vet Uni Wien bezahlt Kosten für sinnlose Klagen von Tierexperimentator Hess

SLAPP nennt man Zivilklagen, von denen man eigentlich weiß, dass sie nicht gerechtfertigt sind, die man aber dennoch einbringt, um einen Kritiker bzw. eine Kritikerin mundtot zu machen. Das funktioniert, wenn man deutlich mehr Geld hat und daher keine Angst vor verlorenen Gerichtsverfahren. Eine gute Verteidigung kostet mehr, als man als Verteidigungskosten zurück bekommt, selbst wenn man gewinnt. Abgesehen davon bedeutet jeder Gerichtsprozess Stress und ist mit dem Risiko verbunden, eine_n Richter_in zu bekommen, die politisch ideologisch gegen jene Position eingestellt ist, die man vertritt.

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Endlich wieder ein vernünftiges Urteil: OLG Wien erlaubt Kritik an Tierexperimentator Hess

Nun ist es rechtskräftig und die Saga ist beendet. Hier zur vielschichtigen Vorgeschichte: https://martinballuch.com/?s=Hess. Kurz zusammengefasst: Ich hatte einen Antrag an die Bundestierversuchskommission gestellt, den Opfern von Tierversuchen ein Denkmal zu setzen. Weil ich als Beispiel eines Tierversuchs den Experimentator Hess und seine Putenversuche genannt hatte, klagte er mich auf Unterlassung und Widerruf. Die Richterin vom Handelsgericht Wien gab ihm sowohl in der Einstweiligen Verfügung als auch in der Klage in jeweils erster Instanz recht. Beides hat das Wiener Oberlandesgericht aufgehoben und die Klage in allen Punkten abgewiesen. Ein wichtiges Urteil, weil sonst kaum mehr Kritik an Tierversuchen möglich gewesen wäre. Das Gericht in erster Instanz hatte nämlich den Experimentator und Universitätsprofessor als unhinterfragbaren Experten für seine eigenen Versuche herangezogen. Ein perfider Trick, um Kritik auszuhebeln. Ich wünschte, bei Prozessen gegen Tierrechtsaktivismus würde ich als Experte für Tierrechtsaktivismus als unhinterfragbare Instanz vom Gericht betrachtet werden, welche Aktionen gerechtfertigt sind und welche nicht. Das wäre lustig. So lächerlich das klingen mag, aber es war der Richterin in der ersten Instanz selbstverständlich, z.B. zu sagen, dass wenn Hess seine eigenen Tierversuche als geringes Leid einstuft, dann ist das objektiv so, oder wenn Hess meint, seine Tierversuche aus Tierliebe durchzuführen, dann muss diese Motivation als Faktum akzeptiert werden und alles andere wäre üble Nachrede.

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Urteil: Richterin verbietet mir Kritik an Putenversuchen!

Die Mayr-Melnhof-Prozesse in Salzburg sind ja schon ziemlich ernüchternd, was den Glauben an den Rechtsstaat betrifft. Wie in meinen Berichten festgestellt – und durch die Befangenheitserklärung einer Richterin bestätigt – geht da nicht so alles mit rechten Dingen zu. Aber leider nicht nur in Salzburg. Am Handelsgericht Wien wurde nun ein Urteil erlassen, das wirklich absolut bemerkenswert einseitig ist. Um das zu unterstreichen, habe ich zunächst alle Argumente veröffentlicht, die ich im Gerichtsverfahren vorgebracht habe: https://martinballuch.com/sammlung-der-fakten-gegen-die-klage-von-tierexperimentator-michael-hess/

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Profil Tierversuchsartikel: dritter offener Brief

Mir wurde mitgeteilt, dass Menschen, die an Profil kritische Leserbriefe wegen des Artikels zu Tierversuchen schreiben und dabei Bezug auf meine offenen Briefe nehmen, die folgende Antwort erhalten:

eine Anmerkung zu Ihrem Schreiben, vielleicht gibt sie ja Anlass, Ihre Position zu überdenken bzw. zu hinterfragen, für welche Agenda Sie hier eingespannt werden
> sollen: Ich habe Herrn Balluch geantwortet, und zwar bereits zwei Mal. Allerdings hat er nicht mehr geantwortet, ich hab ich nie wieder was von ihm gehört. Die
> Behauptung, wir würden auf seine Schreiben nicht reagieren oder eine sachliche Debatte verweigern, ist also schlicht unwahr.

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Weiterer offener Brief an die Profilredaktion zu Tierversuchen

Sehr geehrter Herr Rainer,
sehr geehrter Herr Schönberger,
sehr geehrte Redaktion,

wie zu erwarten haben Sie auf mein untiges Email nicht geantwortet, obwohl Sie sehr wohl auf andere Emails antworten, die sich zu diesem Tierversuchsartikel kritisch äußern. Aber mir ist nicht entgangen, dass Sie ganz gezielt diese „Diskussion“ daran aufhängen, dass Sie Tierschützer_innen als emotional gesteuert darstellen wollen, während die Tiernutzungsseite (ob Tierversuche oder auch bei Ihrem Artikel zur Gatterjagd) als intellektuell und objektiv präsentiert wird. So macht man sich die eigene Realität zurecht. Das Email unten passt daher nicht in das Konzept Ihrer „Bubble“ und wird entsprechend einfach ignoriert.

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