Jagd

Gatterjagd: das Märchen von der Gattergröße

Die SPÖ will die Gatterjagd im Burgenland wieder erlauben. Entgegen anderslautender Meldungen aus manchen Medien, wie z.B. der Kronenzeitung, ist die SPÖ weiterhin voll auf Kurs. Die Gatterjagd soll wieder erlaubt, § 170 (3) des Jagdgesetzes ersatzlos gestrichen werden. Dieser Paragraph verpflichtet alle Betreiber_innen bestehender Jagdgatter diese bis 1. Februar 2023 aufzulösen. Ab dann wird es im Burgenland keine Gatterjagd mehr geben. Oder hätte es keine mehr gegeben, wenn es nach dem Willen der SPÖ geht, die sie ja weiterhin bestehen lassen will.

Mangels Argumenten soll die Behauptung beeindrucken, die Gatter seien ja x Fussballfelder groß. Klingt das nach viel? Für eine Treibjagd, die 6-8 Stunden dauert? Betrachten wir ein nach dieser Diktion „großes“ Jagdgatter, jenes von Mensdorff-Pouilly in Bildein. Hier ein Satellitenbild:

Das Gatter ist ungefähr das rot umrandete Gebiet. Die inneren Umrandungen sind alles Untergatter, also ebenfalls abgezäunte Bereiche, die den Tieren entsprechend gar nicht zur Verfügung stehen.

Auf Feldwegen, die das Gatter durchschneiden, sieht man von einem Zaun zum anderen. Also nur wenn Bäume die Sicht verstellen, sieht man den Zaun nicht. Man stelle sich also vor, man ist Opfer einer Treibjagd in diesem Gatter. Natürlich kennt man die Gegebenheiten, kein Wildtier ist so doof, das eigene Revier nicht zu kennen. Die Tiere wissen also ganz genau, wo der nächste Zaun ist. Und jetzt kommt eine schreiende Treiberkolonne, ballern die Leute von den Hochständen. Wohin flüchten? Zum Zaun, weil dort wenigstens von einer Hälfte keine Schüsse und keine Gefahren drohen. Richtig: bei der Gatterjagd drängen sich die Tiere in gemischten Artengruppen, also z.B. Damhirsche und Wildschweine gemeinsam, den Gatterzaun entlang.

So groß sei das Gatter! Wenn ein Rothirsch an einem Punkt in diesem Gatter steht, der in allen Richtungen am weitesten von allen Zäunen entfernt ist, dann beträgt diese Distanz maximal 500 m. Viel? Ein Rothirsch rennt 67 km/h. Wird er also an diesem zaunfernsten Punkt in Todesangst versetzt und rennt Richtung Zaun, dann knallt er spätestens nach 26 (!) Sekunden in diesen hinein. In Worten: sechsundzwanzig Sekunden! Soll das groß sein? Für ein Wesen mit der Schnelligkeit der Wildtiere, die dort bejagt werden, sind die Distanzen in einem Jagdgatter absolut minimal. Noch dazu hat ein Rothirsch ein Revier von etwa 16.000 ha. Kein einziges Jagdgatter ist auch nur ansatzweise so groß.

Den Betreiber:innen von Jagdgattern ist deren Größe nicht wichtig. Die Dichte an Tieren darin, die ist wichtig. Man will, erstens, dass es möglichst viele männliche Tiere mit großen Trophäen gibt. Man will, zweitens, dass diese nicht ins Nachbarrevier abwandern, wenn man sie schon so mühsam herangezüchtet hat. Und man will, drittens, dass die Jagdgäste nach möglichst kurzer Zeit die kapitalen Trophäenträger vor die Flinte bekommen, die sie bestellt haben. Sonst kommen diese Kund:innen nicht mehr.

Man könnte Jagdgatter also ad absurdum führen, wenn man ihnen vorschreibt, dass die Wilddichte innen nicht diejenige außen übersteigen darf. Dann würden die Zäune obsolet. Was die SPÖ als Kompensation für die Aufhebung des Gatterjagdverbots anbietet, ist dagegen nur Makulatur. Lassen wir also § 170 (3) einfach bestehen und diese anachronistische Barbarei findet ihr Ende.

Anzeige gegen Mensdorff-Pouilly Gatterjagd: kein Coronaschutz

Am 7. November 2020 fand bei Mensdorff-Pouilly wieder einmal eine Gatterjagd statt. Mitten in der Coronakrise ballert eine Jagdgesellschaft ohne Mund-Nasen-Schutz in großer Gruppe fröhlich „im Bordell“. Es war eine Treibjagd. Stundenlang wurden die Tiere im Gatter hin und her gehetzt, bis alle Jagdgäste ihren Spaß gehabt haben. Nur für die Tiere war es wieder einmal die Hölle – dank der SPÖ, die das Gatterjagdverbot aufheben will.

Wir haben wieder Anzeige gegen Mensdorff-Pouilly erstattet. Diesmal weil die Coronaschutzmaßnahmen ignoriert worden sind. Übrigens: die Jägerschaft sah uns, kam sogar ganz nahe, um uns zu filmen, was „leider“ durch den Mund-Nasen-Schutz, den alle Tierschützer:innen natürlich trugen, nicht zur Identifikation der Menschen führen wird, rief aber nicht die Polizei. Als Doskozil noch Landespolizeikommandant war, wurden die Straßen gesperrt, um die Tierschützer:innen davon abzuhalten, am Gatterzaun zu stehen und zu filmen. Heute stehen wieder Tierschützer:innen da, aber man ruft nicht einmal mehr die Polizei. So gefährlich, wie damals behauptet, können wir also doch nicht sein!

Hier die Anzeige:

Anzeige gegen Mensdorff-Pouilly: Waldverwüstung im Jagdgatter

Die SPÖ-Landesregierung im Burgenland will das Gatterjagdverbot aufheben und die Gatterjagd wieder erlauben. Begründung wird keine genannt, aber man versucht die Proteste dadurch zu kalmieren, dass man davon spricht, die Treibjagd im Gatter zu verbieten. Dann sei doch alles ok, oder?

Das kann nur jemand sagen, der entweder nichts von diesen Dingen weiß oder dem die Natur egal ist. Jagdgatter zeichnen sich dadurch aus, dass sie umzäunt sind, und dass daher Wildtiere nicht ein- und aus wechseln können. Und man würde keinen Zaun aufstellen, wenn die Wilddichte innerhalb der außerhalb entsprechen würde oder wenigstens halbwegs durch das natürliche Nahrungsangebot zu erhalten wäre. Die Folge sind wahnsinnig hohe Wilddichten, die unweigerlich zur Zerstörung des Waldes innerhalb des Gatters führen. Ob Treibjagden veranstaltet werden oder nicht, ändert daran gar nichts. Und natürlich leiden die Wildtiere unter den unnatürlich hohen Dichten und der Zerstörung ihres Lebensraums.

Deshalb habe ich jetzt Anzeige gegen Alfons Mensdorff-Pouilly wegen Waldverwüstung erstattet. Landesrat Schneemann sollte sich diese Anzeige – und am besten das Jagdgatter – selbst ansehen. Falls er von einem intakten Wald nicht viel weiß, dann sollte da jemand mit Forstexpertise mitgehen, sodass ihm erklärt werden kann, woran man mit freiem Auge die völlige Vernichtung des Waldes und der Natur in diesem Gatter erkennen kann.

Was für ein Kasperltheater: Pressekonferenz LR Schneemann zur Gatterjagd

Plötzlich, für alle Beteiligten überraschend, schickt die SPÖ Regierung im Burgenland eine Novelle des Jagdgesetzes in Begutachtung, die das Gatterjagdverbot von 2017 ersatzlos aufheben will. Ich schreibe an Landeshauptmann Doskozil, Landesrat Schneemann, Landeshauptmannstellvertreterin Eisenkopf, Landtagspräsidentin Dunst und SPÖ-Landesgeschäftsführer Fürst. Nur der Letzte antwortet überhaupt, aber das lediglich kurz und inhaltsleer. Die anderen verweisen auf Schneemann oder hüllen sich in Schweigen. Der VGT hat auch die verschiedenen Personen angerufen, um ein Gespräch zu vereinbaren. Niemand war dazu bereit, auch Schneemann nicht. Sein Büro legte nicht nur sofort auf, wenn man sich mit „VGT“ vorstellte, die Telefonnummer des VGT wurde sogar auf eine Blacklist gesetzt, sodass sie grundsätzlich nicht durchgestellt wurde. Schneemann wollte mit niemanden vom Tierschutz sprechen. Den Landesjagdverband hat er aber sehr wohl angehört.

Heute erhalte ich ein Email, Landesrat Schneemann will eine Pressekonferenz zu seiner geplanten Jagdgesetznovelle inklusive Aufhebung des Gatterjagdverbots abhalten. Man kann sich anmelden:

Ich bin Journalist, habe einen Presseausweis. Ich bin sowohl Radiojournalist bei Radio Orange 94,0, als auch Chefredakteur der Zeitschrift „Tierschutz Konsequent“, und stehe daher auch im Pressehandbuch. Deshalb habe ich mich rechtzeitig angemeldet:

Daraufhin erhielt ich ein Email, dass ich aufgrund von Corona Einschränkungen in der Anzahl an Teilnehmer_innen nicht zur Pressekonferenz dürfe:

Ich wusste von diesem Email nichts, wurde aber vor Ort davon informiert. Nur, es waren gerade einmal 5 Journalist_innen anwesend. Und der Raum war riesengroß:

Ich ließ mich also nicht beirren, auch als mir mit einer gewaltsamen Räumung durch die Polizei gedroht wurde, und setzte mich hin. Die Zeit verging, kein Schneemann erschien. Dann kam eine Botin. Ich dürfe sitzen bleiben und ihm Fragen stellen, wenn ich meinen Rucksack entferne, keine Kamera dabei habe und kein_e andere_r Tierschützer_in anwesend ist. Ich fügte mich dieser Anordnung, voller Erwartung nun endlich Fragen stellen zu dürfen. Doch zu früh gefreut. Kurz darauf kam die Botin zurück und erklärte, Schneemann habe es sich anders überlegt, er werde in seinem Versteck bleiben. Man wolle die Pressekonferenz in einen anderen Raum verlegen.

Der ORF berichtete dann von dort und, siehe da, sehr viele Plätze blieben leer:

Da wären sich – am Tag vor dem Lockdown – noch sehr viele Babyelefanten zwischen mir und den anderen Personen ausgegangen. Offensichtlich wollte Schneemann nur um keinen Preis kritischen Fragen von jemandem ausgesetzt werden, der sich mit der Gatterjagd auskennt.

Schluss mit dem Kindergarten! Das darf doch nicht wahr sein! Schneemann und seine Landesregierung verhalten sich nicht wie verantwortliche Politiker_innen. Es ist kindisch und peinlich, was da für ein Kasperltheater abgezogen wird. 2016 hat mich die damals zuständige Landesrätin per Brief zur Mitarbeit am Gatterjagdverbot eingeladen. Ich konnte mehrmals mit ihr sprechen, habe 5 Fachgutachten vorgelegt, sowie 2 Dokumentationen der Gatterjagd im Burgenland. Und ich war mit dem Obmann des Ökologischen Jagdverbands und einem ehemaligen Burgenländischen Gatterjäger bei ihr, die ihr erklärten, warum die Gatterjagd zu verbieten ist.

3 1/2 Jahre nach Beschluss des Verbots plötzlich soll es wieder aufgehoben werden. Und diesmal wird man von jeder Diskussion ausgeschlossen, jede Stellungnahme und jedes Fachgutachten wird ignoriert, und selbst als kritischer Journalist wird man mit allen Mitteln vom Fragenstellen abgehalten. Ja, Schneemann schleicht sich sogar durch den Hintereingang in das Konferenzzentrum, um den Tierschützer_innen zu entgehen, die davor warten, um ihm eine Frage zu stellen.

Also wenn man ernsthaft keinen Anlass für die Aufhebung des Gatterjagdverbots nennen kann, keine sachliche Begründung, jeder Diskussion ausweicht, die Vertretung des Tierschutzes mit allen Mitteln ignoriert und auch einer 3 Viertel Mehrheit der Bürger_innen den Stinkefinger zeigt, dann ist man unreif für eine Regierungsfunktion. Mit Demokratie und Bürgerbeteiligung hat das jedenfalls nichts zu tun.

Stellungnahme des Ökologischen Jagdverbandes zur geplanten Aufhebung des Gatterjagdverbots

Im Rahmen der Begutachtung der geplanten Novelle des Jagdgesetzes im Burgenland, mit dem die SPÖ-Alleinregierung das Gatterjagdverbot von 2017 wieder aufheben will, hat auch der Ökologische Jagdverband eine Stellungnahme abgegeben. Dabei wird die Aufhebung des Gatterjagdverbots scharf kritisiert.

„Das Einsperren von Wildtieren widerspricht fundamental den natürlichen Bedürfnissen und führt letztlich zu einer Verkümmerung des Bestandes“, meint der Vorstand des Ökologischen Jagdverbandes. Ein jagdgatter könne niemals der Hege dienen, sondern einzig und allein dem Jagdvergnügen. Und die Gatterjagd wird als „makabre Jagdbelustigung“ bezeichnet. Ob Landeshauptmann Doskozil darauf hört?

VGT-Stellungnahme zur Jagdgesetzreform, durch die das Gatterjagdverbot aufgehoben werden soll

Mit 5. November 2020 endete die Begutachtungsfrist. Zwar haben sowohl Landesrat Schneemann als auch SPÖ-Landesgeschäftsführer Fürst bereits vor Ende der Frist deutlich gemacht, dass ihnen die Stellungnahmen im Begutachtungsverfahren egal sind und sie das Gesetz sowieso bringen werden. Doch dennoch hier, der guten Form halber, die Stellungnahme des VGT zur Jagdgesetzreform, mit der das Gatterjagdverbot im Burgenland aufgehoben werden soll. Traurig, wenn demokratische Meinungsbildungsprozesse durch eine mit autoritärem Selbstverständnis regierende SPÖ im Burgenland derart unterlaufen und ad absurdum geführt werden. Übrigens hat es fast 700 Stellungnahmen besorgter Bürger und Bürgerinnen zu diesem fatalen Gesetzesentwurf gegeben!

Strafanzeige gegen LH Doskozil wegen Bestechlichkeit

Links Stefan Ottrubay, Betreiber des größten Jagdgatters im Burgenland, und rechts der Burgenländische Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil, der im Begriff ist, ohne jede sachliche Begründung und gegen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung das Jagdgatter von Ottrubay aus dem generellen Gatterjagdverbot auszunehmen und für immer weiter zu erlauben.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Wieviele Menschen mir sogar aus der SPÖ, aus den Medien und anderen Quellen dazu Geschichten erzählt haben! Faktum ist: wir wissen, dass es einen Streit zwischen Esterhazy und Landesregierung gab, dass der Streit durch Ottrubay und Doskozil beigelegt wurde, dass es dazu eine Vereinbarung gibt, dass Geld geflossen ist und dass Esterhazy ein großes Interesse hat, seine Gatterjagd weiter zu betreiben, und dass Doskozil vollkommen aus dem Blauen, ohne jeden Grund genau jetzt durch Gesetzesänderung das Esterhazy-Gatter für immer weiter erlauben will.

Der VGT hat deshalb Anzeige wegen Bestechlichkeit gegen die beiden erstattet:

Burgenland: 76 % für Gatterjagdverbot!!

Die SPÖ-Alleinregierung will das am 9. März 2017 beschlossene Gatterjagdverbot ohne jeden sachlichen Grund und ohne Gespräch mit dem Tierschutz wieder aufheben. Genauer, es soll die Bestimmung zur Auflösung der bestehenden Jagdgatter ersatzlos gestrichen werden. Abgesehen davon, dass es nicht legitim ist, überhaupt eine Bestimmung ohne sachliche Begründung aufzuheben, wird hier diametral gegen den Willen der großen Mehrheit der Menschen gehandelt. Um das zu belegen, hat der VGT beim renommierten Gallup Meinungsforschungsinstitut ganz aktuell eine Umfrage in Auftrag gegeben. Das sind die Ergebnisse:

Die Frage ist völlig neutral gestellt und nicht suggestiv. Man hätte ja auch über das faktisch vorhandene Tierleid, über die Todesangst und über die 8 stündigen Treibjagden informieren können. Doch die Frage ist auf die Definition eines Jagdgatters eingeschränkt: Jagd in einem umzäunten Gelände. Das Ergebnis: 76 % der Burgenländer_innen sind sehr oder eher dagegen, nur 12 % sind sehr oder eher dafür.

Wieder eine neutrale, faktisch richtige Frage: was halten die Burgenländer_innen von dem derzeit noch bestehenden Gatterjagdverbot und von der Verpflichtung, dass die bestehenden Jagdgatter aufgelöst werden müssen. 75 % sind sehr oder eher dafür, aber nur 14 % sind sehr oder eher dagegen.

Und jetzt die Gretchenfrage. Was halten die Burgenländer_innen vom Plan der SPÖ-Landesregierung, die Bestimmung, dass die Jagdgatter bis 2023 aufgelöst werden müssen, wieder aufzuheben? Auch hier ist die Antwort eindeutig: 73 % sind dagegen, nur 15 % dafür.

Und wie stehen die Menschen zu diesem Meinungswechsel der Landesregierung? 76 % halten das Vorgehen der Landesregierung für inakzeptabel. Nur 9 % finden das ok.

Also, wir haben ein von der Landesregierung nach jahrelanger Diskussion mit allen Interessensvertretungen beschlossenes Gatterjagdverbot samt Auflösungsverpflichtung für bestehende Gatter. Dieses hat eine große 3/4 Mehrheit der Bürger_innen im Burgenland hinter sich. Die Landesregierung hat dieses Verbot sehr gut begründet und auf ÖVP-Anfrage hin detailliert verteidigt, siehe https://martinballuch.com/die-spoe-begruendet-die-aufhebung-des-gatterjagdverbots/. Jetzt will sie es dennoch ohne jeden sachlichen Grund und ohne mit dem Tierschutz zu sprechen wieder aufheben. Wiederum sind 3/4 der Burgenländer_innen gegen diesen Schritt und halten ihn sogar für inakzeptabel.

Und was macht die Landesregierung? Wird sie die große Mehrheitsmeinung ihrer Bürger_innen ernst nehmen?

Eckpunkte der Studie:

Und die Struktur der Stichprobe sieht so aus:

Der Fehlerbalken der Ergebnisse beträgt 3-4 %.

Die SPÖ „begründet“ die Aufhebung des Gatterjagdverbots

Was geht in einer Partei vor, die im März 2017 ein Gesetz beschließt und es Ende 2020 ersatzlos wieder aufheben will. Und zwar nicht irgendein Gesetz. Sondern einen ganz wesentlichen Tierschutzstandard: das Gatterjagdverbot. Die Gatterjagd ist ein Überbleibsel aus der Zeit der Hetztheater und Tierkämpfe. Im Rahmen eines lustigen Gesellschaftsereignisses werden extra gezüchtete, kapitale männliche Tiere mit möglichst großen „Waffen“ (heißt Hörnen, Geweihen oder Zähnen) im umzäunten Gelände gehetzt, schwer verletzt oder auch getötet. Das Ekelhafte daran ist, dass die Täter und Täterinnen das aus perverser Lust am Töten machen. Und dass die Tiere dem hilflos ausgeliefert sind, weil man sie in ein Gehege gesperrt hat, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Jagdgesellschaft weiß also bereits im Vorhinein, welche Tiere sie töten wird. Und entsprechend zahlt der Jagdgast.

Diese perverse Freizeitbeschäftigung einer sich als Elite sehenden Minderheit von ehemaligem Adel und Großgrundbesitz wurde in ganz Österreich verboten. So auch im Burgenland. Am 9. März 2017 wurde das Verbot beschlossen. Der § 170 (3) des Jagdgesetzes lautet seither:

Im Vorblatt zu dem Gesetz steht:

„Mit diesem Gesetz wird die Wildstandsregulierung den biologischen Gegebenheiten angepasst. Die naturnahe, nachhaltige Jagd auf freilebendes Wild wird noch mehr in den Mittelpunkt gestellt. Der Gesellschaft soll durch dieses Gesetz insbesondere durch die Aufnahme einer Präambel und durch die Zielbestimmungen in § 1 vermittelt werden, dass Jagd nur im Einklang mit der Natur stattfinden kann. […] Eine Bewilligung [von Jagdgattern] nach diesem Zeitpunkt [1. 2. 2023] ist nicht möglich. Um hier auch dem Tierschutz gerecht zu werden, werden die Bestimmungen angepasst […] um dem Tierschutzgedanken damit besser Rechnung zu tragen und damit eine höhere Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu erreichen.“

In den Erläuterungen, die dem Gesetz beigefügt sind, steht zu § 170:

Es ist also ziemlich eindeutig, was die SPÖ Anfang 2017 bewogen hat, die Gatterjagd zu verbieten. Und zwar dieselben Beweggründe, die in ganz Österreich die Landtage überzeugt haben: Jagdethik, Natur ohne Zäune und Tierschutz.

Kurz nach Beschlussfassung des Gesetzes, nämlich am 16. März 2017, stellte der Landesgeschäftsführer der ÖVP eine offizielle Anfrage an die zuständige Landesrätin Verena Dunst von der SPÖ. Zur Gatterjagd sind die Fragen 9-11 relevant:

Verena Dunst und die SPÖ antworteten darauf sehr klar:

Also, die SPÖ war 2017 der Meinung:

  • Die Auflösung der bestehenden Jagdgatter ist verfassungskonform
  • Die Fachliteratur sieht die Gatterjagd kritisch
  • Die Gatterjagd widerspricht Erkenntnissen der Wildökologie
  • Das Verbot der Gatterjagd ist also rechtspolitisch möglich und sachlich gerechtfertigt
  • Ziel ist eine selbstreproduzierende Wildpopulation mit natürlichem Gen-Austausch und freier Ortswahl durch die Wildtiere
  • Die Gatterjagd widerspricht dem öffentlichen Interesse
  • Die Gatterjagd widerspricht dem Tierschutzgedanken in der Verfassung

Dem ist wenig hinzu zu fügen. Doch jetzt, Ende 2020, will die SPÖ das Gatterjagdverbot, genauer § 170 (3) des Jagdgesetzes, wieder ersatzlos streichen. Die Begründung dafür ist laut Vorblatt:

„Auf Grund der geltenden Bestimmungen wird bei umfriedeten Eigenjagdgebieten in rechtskräftige Bewilligungen eingegriffen und somit auch in die Rechtskraft von Bescheiden.“

Nach dem oben von der SPÖ Gesagten irrelevant. Und laut Erläuterungen:

„Mit dem zu bewilligenden Betrieb des umfriedeten Eigenjagdgebietes soll gewährleistet werden, dass bereits bestehende umfriedete Eigenjagdgebiete weiterhin betrieben werden können […]“

Also langsam: Mit dem zu bewilligenden Betrieb der Jagdgatter soll gewährleistet werden, dass die bestehenden Jagdgatter weitergeführt werden können. Noch langsamer: Durch den Betrieb wird der Betrieb weitergeführt. Verpass ich etwas oder steht da einfach nur ein tautologischer Unsinn? DAS ist die offizielle Erläuterung der SPÖ zu ihrem Gesetzesvorhaben? Wem ist denn das eingefallen? Da muss sich jemand vor Verfassen dieser Zeilen einiges an Uhudler hinter die Binde gegossen haben!

Alkohol beiseite. Konkret ist zu fragen:

  • Wie steht die SPÖ heute zu ihren Aussagen von 2017? Und wenn sie da jetzt eine andere Meinung hat, dann bitte ich um eine Erklärung, welche Fakten damals nicht bekannt waren aber heute bekannt sind, die diese 180 Grad Kehrtwendung begründen.
  • Die SPÖ will nur die Auflösungsverpflichtung bestehender Jagdgatter aufheben, aber nicht das Verbot, neue Jagdgatter zu errichten. Was spricht also für bestehende Jagdgatter, aber gegen neu zu errichtende? Entweder die Gatterjagd ist so toll, dass man sie unbedingt wieder erlauben muss, dann sollten doch auch neue Jagdgatter errichtet werden können, oder die Gatterjagd ist so schlecht, dass man keine neuen Jagdgatter errichten darf, aber dann sollte man die bestehenden auch schließen. Der seltsame Mittelweg beweist, dass alle ökologischen und tierschutzfachlichen Argumente gegen die Jagdgatter sprechen, dass aber ein „politisches Argument“ dafür spricht, die bestehenden Jagdgatter nicht aufzulösen. Was das wohl sein könnte?

Warum will Landeshauptmann Doskozil das Gatterjagdverbot im Burgenland kippen?

Die Gatterjagd ist ein ganz seltsames Relikt aus der Feudalzeit. Weil es insbesondere dem Adel zu langweilig geworden war, in freier Wildbahn auf Tiere zu warten und alle heiligen Zeiten einmal zu schießen, kam die Idee auf, Wildtiere einfach in umzäunten Gehegen zu züchten und dort gleich abzuballern. Das Jagdgatter war geboren und ist uns bis heute erhalten geblieben.

Insbesondere im Burgenland ist die Gatterjagd Tradition des ehemaligen Adels, von Esterhazy über Mensdorff-Pouilly bis Draskovich. Im Jagdgatter von Mensdorff-Pouilly findet man Käfige, abgegrenzte Untergatter für neu heran gekarrte Wildtiere und eine Arena wie im Kolosseum.

Besonders gefragt sind die großen kapitalen Trophäenträger. Da man diese Tiere gut 15 Jahre lang füttern muss, bevor sie kapital werden, sind sie an Menschen gewöhnt. Kommen dann die zahlenden Jagdgäste zur Gatterjagd, dann muss eine „Wildnis“ mit „wilden“ Tieren vorgetäuscht werden: man hetzt also die Tiere mit Treiberkolonnen auf und ab, bis auch der verschlafendste Jagdgast die bestellten Tiere geschossen hat. Die Tiere erleiden stundenlang Todesangst und weil sie im vollen Galopp flüchten, wenn sie beschossen werden, gibt es zahllose Verletzungen.

Das Jagdgatter von Esterhazy bietet sogar eine Preisliste für Abschüsse im Internet, siehe https://martinballuch.com/die-gatterjagd-im-tiergarten-esterhazy-im-burgenland/. Kapitale Rothirsche kosten bis zu 22.000 Euro! Man muss nur das Formular ausfüllen, benötigt nicht einmal ein Gewehr, und ist schon dabei, wenn man das Geld im vorhinein überwiesen hat.

Der VGT hat von 2015-2017 viele dieser Gatterjagden dokumentiert, die Zuchtgatter für die Wildtiere aufgedeckt, von wo aus sie in das Jagdgatter zum Abschuss transferiert werden, und insgesamt 5 Gutachten vorgelegt, dass die Gatterjagd Tierquälerei ist und verboten werden muss. Am 15. Mai 2017 war es dann endlich soweit: das Gatterjagdverbot, § 170 (3) des Jagdgesetzes, trat in Kraft. Es sah eine Übergangsfrist bis zum 1. Februar 2023 für bestehende Jagdgatter vor.

Ab da war alles auf Schiene. Der Kompromiss mit der Jägerschaft war die lange Übergangsfrist. Dass die Gatterjagd in den Mistkübel der Geschichte zu wandern habe, war eigentlich allen Beteiligten klar. Diese Ansicht hatte auch die Große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

Dann wechselte der Landeshauptmann. Hans-Peter Doskozil übernahm von Hans Niessl. Die SPÖ hatte die absolute Mehrheit und konnte allein regieren. Da brachte die Landesregierung überraschend und ohne Vorwarnung eine Änderung des Jagdgesetzes in Begutachtung. Das Gatterjagdverbot soll ersatzlos gestrichen werden:

Unfassbar! In 35 Jahren Tierschutzarbeit habe ich noch nie erlebt, dass ein mühsam jahrelang ausgehandelter Kompromiss, der bereits 3 1/2 (!) Jahre Gesetzeskraft hat, einfach so mir nichts dir nichts wieder entfernt werden soll. Ohne ersichtlichen Grund. Oder nicht?

Doskozil ist kein unbeschriebenes Blatt in der Gatterjagd. Als wir vom VGT die Gatterjagd von Mensdorff-Pouilly vom öffentlichen Grund außerhalb des Gatters filmen wollten, wurden wir durch eine Sperrzone überrascht, die ein gewisser Hans-Peter Doskozil, damals Landespolizeikommandant, erlassen hatte. Diese Sperrzone wurde von 7 polizeilichen Straßensperren überwacht, die keine Tierschützer_innen durchließen. Tierschutzkameras durften nur bis auf 200 m, später sogar 2 km, an das Jagdgatter heran kommen. Und das bei jeder einzelnen Jagd des Herrn Mensdorff-Pouilly. Wie erklärt sich das?

Mensdorff-Pouilly wurde dazu im Untersuchungsausschuss zum Tierschutzprozess mehrfach befragt. Er gab zu, mit Doskozil über das „Problem“ Tierschutzaktivist_innen des VGT gesprochen zu haben:

Diese Sperrzone war allerdings rechtswidrig. Das jedenfalls hat nach eine Berufung des VGT das Landesverwaltungsgericht Eisenstadt entschieden:

Das Platzverbot bzw. diese Sperrzone war selektiv gegen Tierschutzaktivist_innen gerichtet und hatte keine objektive Begründung, die den Gesetzen entsprechen würde. Die wahre Begründung war ja nur, zu verhindern, dass Filmmaterial von der Gatterjagd an die Öffentlichkeit dringt. Und das hatte das Gericht rasch durchschaut, weil Doskozil keine vernünftige Begründung für seine Sperrzone vorbringen konnte. Doskozil hatte also nach einem Gespräch mit Mensdorff-Pouilly eine rechtswidrige Sperrzone verordnet, um eine Aufdeckung über die Tierquälerei bei der Gatterjagd von Mensdorff-Pouilly zu verhindern.

Nun, dann kam dennoch das Gatterjagdverbot. Trotz Doskozils Interventionen. Esterhazy lag zu dieser Zeit mit der Landesregierung in mehrfacher Hinsicht im Konflikt. Da ging es um die Umfahrung von Schützen im Gebirge, wo Esterhazy enteignet werden sollte. Da ging es um die Oper im Steinbruch, wo Esterhazy der Landesregierung den Pachtvertrag nicht verlängerte. Und dann ging es um das Schloss Esterhazy, das dem Land vermietet war und für dessen Renovierung Esterhazy 11 Millionen Euro von der Landesregierung haben wollte und zu klagen bereit war.

Plötzlich, die Einigung. Wer zieht dabei die Fäden? Doskozil:

Eine Einigung setzt ein Entgegenkommen von beiden Seiten voraus. Was bekam Esterhazy dafür, das Land doch nicht zu klagen? Da wird es schon Gegenleistungen gegeben haben. Auffällig ist nur, dass Esterhazy das größte Jagdgatter im Burgenland betreibt und das just derselbe Doskozil nun das Gatterjagdverbot aufheben will. Ohne offizielle Begründung. Ersatzlos. Einfach so. Nachdem es 3 1/2 Jahre bereits in Kraft war. Knapp vor Ende der Übergangsfrist für die bestehenden Jagdgatter, darunter jenes von Esterhazy.

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Nur ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Vielleicht sollte es auch einen Untersuchungsausschuss Esterhazy und nicht nur Novomatic im Parlament geben?