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Aktueller Bericht Nachtdienst in der Intensivstation und Covid19

Der folgende, erschütternde Bericht entstammt einer Serie von Twitter Nachrichten von Oberarzt Dr. Wolfgang Hagen, Facharzt für innere Medizin an der Klinik Hietzing in 1130 Wien, vom 22. März 2021, siehe https://twitter.com/docjosiahboone/status/1373972818115895304

Das ist die Situation der #COVID19 Intensivbetten in #Wien. Wir haben mit 165 belegten Betten den Höchststand von 162 vom 21.11.2020 übertroffen. Alleine in den letzten 2 Tagen kamen 27 ICU-Patienten dazu. Netto, wohlgemerkt. D.h. übers Wochenende wurde >27 neue ICUs gefüllt.
In dieser Situation hatte ich von gestern früh bis heute früh einen OA-Dienst. Er wird mich noch länger beschäftigen.

Es ist ein schmaler Grat zwischen Informieren und Schockieren. Deshalb habe ich lange überlegt, ob und wie ich darüber schreiben soll.
Ich tu es jetzt einfach.

Es begann damit, dass mir schon bei Dienstantritt mitgeteilt wurde, dass es in ganz Wien nur mehr ein einziges reguläres COV+ Intensivbett gebe + einzelne Notbetten ohne Personal dafür. Eines davon auf unserer an sich vollbelegten ICU.

Was also tun mit dem 70jährigen Diabetiker, der sich seit der Aufnahme vor ein paar Tagen progredient verschlechtert hatte und auf unserer Normalstation trotz auf Maximum eingestellter HFNC (siehe Werbefoto) nur mehr auf 85% sättigte?

Also nicht-invasive Maskenbeatmung (siehe Werbefoto), geht aber nur auf Überwachung oder ICU.
Der Patient: Komplett selbständig alleine lebend, aber 70 und Vorerkrankungen. D.h. schlechter Verlauf recht wahrscheinlich. Soll ich das Notfallbett opfern und dann „zu“ sein?

Entscheidung:
Nein, denn sonst habe ich keine Möglichkeit mehr, eine jüngere, nicht vorerkrankte Person auf der ICU zu versorgen.
Pulmo-Überwachung gibt ihr letztes freies Bett her, Transferierung dorthin.

Davor Gespräch mit Pat. der sich vor dem Ersticken fürchtet, Beruhigung, „wir tun alles für Sie“, was gelogen ist. Ich habe ihm die ICU verwehrt.
Telefonat mit der weinenden Tochter. Versteht nicht, warum der Papa jetzt so schlecht ist wegen „Grippe“. Obige Lüge auch für sie.

Zwischenzeitlich Visite, Gespräche, normale Aufnahmen, Routine.
Abends Anfrage von der Notfall. Patienten in den Schockraum bekommen, hochgradiger Vd. auf COVID. Wurde vom Ärztefunkdienst mit 50% Sättigung bei Raumluft angetroffen, bereits seit 2Wo zunehmende Symptome.

Das Rettungsprotokoll lässt die zunehmende Verzweiflung der Sanis und die Bettensituation in Wien erahnen.
„Leitstelle wird versucht bezüglich Überwachungsbett zu erreiche, RTW (Anm: Rettungswagen) wird mehrmals abgewimmelt, da alle bettenplätze belegt …

Nachdem sich die Bettengestaltung daher massiv verzögern wird, wird NEF (Anm: Notarzteinsatzfahrzeug) nachbeordert. … LST wird durch NEF Lenker nochmals telefonisch bezüglich Überwachungsbett kontaktiert. … Patient wird in der langen Wartezeit für Zielspital weiter…“

Jetzt ist der 67jährige ohne bekannte Vorerkrankungen also auf unserer Notfall, mit HFNC am Anschlag, alle NIV-Betten belegt, alle unsere ICU-Betten belegt außer das einzige Notfallbett fürs ganze Spital.
->Trotz HFNC am Anschlag Aufnahme auf unsere Normalstation.

Hoffen darf man. Dass sich aber angesichts so einer Lunge durch ein bisschen Cortison keine rasche Verbesserung erreichen lässt, überrascht nicht.
Über Nacht weitere langsame Verschlechterung. In der Früh Entscheidung, das Notfallbett zu „opfern“. Verlegung auf die ICU.

Fast gleichzeitig Anfrage der Pulmo, 57jähriger Mann mit Vorerkrankungen, noch an HFNC, rasche Verschlechterung, deren eigene Überwachungsstation brettlvoll.
Sorry, Pulmo, müssts in einem anderen Spital suchen.

Das ist der Bericht aus einem einzigen Spital. An einem Tag, als in Wien netto 13 zusätzliche COV+ ICU-Betten belegt wurden. Nur eines davon bei uns. Ich will mir gar nicht ausmalen, was in einigen anderen Spitälern los war.

Kann sein, dass mein Arbeitgeber unglücklich über meine Schilderung ist (wäre unnötig, denn der Gesundheitsverbund macht in dieser Krise einen großartigen Job, an ihm liegt es nicht). Kann sein, dass mir wer Preisgabe von Pat.details vorwirft.

Aber man kann nicht ruhig zusehen, wie wir nur mehr einen kleinen Schritt von London Dezember 2020 entfernt sind. Während über „kluge Öffnungen“ gesprochen wird und jeden 2.Samstag Coronaleugner durch Wien ziehen, bricht die Intensivversorgung gerade zusammen.

Wer will kann mir jetzt #Panikmache vorwerfen. Geschenkt.
Wer aber wieder mit irgendwelchen Grafiken kommt, laut denen nur 30% oder 40% der Intensivbetten belegt wären, wird kommentarlos geblockt.
Schluss jetzt.

Nach diesem Bericht hat die Triage in Wien also bereits begonnen. Mich verwirrt allerdings der Umstand, dass die ARGES sagt, es seien in ganz Österreich nur 40-50 % der Betten an Intensivstationen belegt. Dazu hat Alex Brosch, siehe seinen Blog https://woswasi.at/2021/03/21/die-auslastung-der-intensivstationen/, einen Artikel verfasst. Ich persönlich kann nicht beurteilen, ob dessen Inhalt stimmt. Ich gebe lediglich diese Information weiter:

In Medienberichten liest man, dass die Intensivstationen in Wien bereits voll sind, gleichzeitig zeigt das ages dashboard eine Auslastung für Wien von 50%. Wie passt das zusammen?

Grundsätzlich sind auf Intensivstationen immer ca. 90% der Betten belegt. Sie werden einerseits für akute medizinische Notfälle (Herzinfarkt, Unfälle, etc.) benötigt, andererseits für die Nachversorgung von Patient:innen nach einer Operation.
Da es in Österreich 2.000 Betten gibt, sind also normalerweise ca. 200 frei. Da im Moment 400 Personen alleine mit Covid-19 auf Intensivstationen liegen, ist das schon mehr als die Spitäler eigentlich hergeben.

Wie ist es dann möglich, dass 400 Personen auf Intensiv liegen, es eigentlich nur 200 freie Betten gibt, aber gleichzeitig das ages dashboard 483 zusätzlich verfügbare Intensivbetten anzeigt?

Da man den Menschen nur schwer weniger Herzinfarkte oder schwere Autounfälle verordnen kann, bekommt man Betten nur frei, indem man Operationen verschiebt (für deren Nachbetreuung man ja die Betten brauchen würde). Die im dashboard ausgewiesenen 883 Betten beinhalten also schon diese freien Betten, die es eigentlich überhaupt nicht gibt.

Das heißt, wir sind momentan schon in einer Situation, in der eine optimale Gesundheitsversorgung, wie in normalen Zeiten, nicht mehr gegeben ist (weil ja OPs verschoben werden müssen). Ob die Spitäler also jetzt schon überlastet sind, oder erst wenn die 883 voll sind und wirklich Patient:innen aussortiert werden müssen (wer wird aufgenommen und wen lässt man einfach sterben – das wäre dann harte Triage), ja das ist dann vielleicht Ansichtssache. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass es durch die derzeit 400 von Covid Patient:innen belegten Betten bereits gesundheitliche Kolateralschäden gibt (durch verschobene OPs), und dass hinter dieser Auslastung ja auch Menschen stehen: Einerseits das Personal in den Spitälern, das nicht mehr optimal arbeiten kann, andererseits die Patient:innen. Es sind auch viele junge Gesunde darunter.

Quellen:

https://www.sn.at/panorama/oesterreich/covid-19-intensivmediziner-markstaller-spricht-vom-aufbau-einer-dritten-welle-100777243

https://www.heute.at/s/alles-voll-wien-hat-keine-intensivbetten-mehr-100133415

https://covid19-dashboard.ages.at/dashboard_Hosp.html

Salzburg: Fiaker statt Taubenhaus?

In Salzburg war ein Taubenhaus geplant. Aufgrund der vielen Ausgaben öffentlicher Gelder im Rahmen der Corona-Krise wurde dieses Projekt gestoppt. Vom Bürgermeister hieß es, man könne nur noch „lebensnotwendige“ Projekte fördern. Und im gleichen Atemzug subventioniert man die „armen“ Fiakerunternehmen, die jetzt mangels Tourist_innen ihre Pferde nicht mehr in der größten Hitze durch den Betondschungel eines Großstadtverkehrs hetzen können. Dazu habe ich dem Bürgermeister den folgenden offenen Brief geschickt:

Neuer Termin für Verfassungsbeschluss Tierschutz: 4. Juni 2013

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Ständige Proteste seit vielen Monaten drängen die ÖVP dazu, endlich einem vernünftigen Wortlaut für eine Staatszielbestimmung Tierschutz zuzustimmen

Der Konflikt um die Staatszielbestimmung Tierschutz zieht sich wie ein Strudelteig. Nach ständigen Protesten, zahlreichen Protestemails besorgter BürgerInnen, dem Drängen der TierschutzsprecherInnen der Opposition und einem weiteren Präsidialbeschluss, endlich einen Unterausschusstermin festzulegen, einigte man sich auf den 6. Mai 2013. Doch der Tag verstrich ungenutzt, es gab keine Sitzung. Dafür wurde ein Termin für ein informelles Treffen der ReferentInnen der Parlamentsparteien im Verfassungsausschuss für den 15. Mai vereinbart. Dort waren alle Parteien bereit, den 4. Juni zu einem neuen fixen Sitzungstermin zu erklären, außer die ÖVP, die das von einer vorhergehenden Einigung abhängig machen wollte.

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5 Jahre Tierschutzcausa – was gibt es Neues?

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Martin Balluch bei der Verteidigung im Gerichtssaal während des 14 Monate andauernden Tierschutzprozesses

Heute sind es auf den Tag genau 5 Jahre, seitdem mich maskierte bewaffnete WEGA-Einheiten in der Nacht zu Hause unter dem Vorwand überfallen haben, ich sei Chef einer kriminellen Organisation im Tierschutz. Die Ermittlungen liefen zu diesem Zeitpunkt zwar bereits seit 19 Monaten, doch das war uns allen unbekannt. Es gab keinerlei Anhaltspunkte im Vorfeld, dass ein derartiger Polizeiübergriff bevorstehen würde. Weder hatte es besonders viele, noch besonders spektakuläre oder gar besonders bedrohliche Tierschutzaktionen gegeben, bei denen das Strafgesetz übertreten worden war. Alles schien mehr oder weniger gleichmäßig in gewohnten Bahnen zu laufen. Und plötzlich, aus heiterem Himmel, dieser Großangriff.

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Von Parkpickerl, € 600 pro Monat Mehrkosten und Demokratie

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Fiaker in Wien – trotz Grüne in der neuen Stadtregierung wird keine grundlegende Verbesserung im Sinne des Tierschutzes angegangen

Parkraumbewirtschaftung war das Stichwort, nach dem vor bald 1 Jahr von dem Grünen Teil der neuen Wiener Stadtregierung die Kurzparkzone weit über den Gürtel hinaus bis an den Stadtrand erweitert wurde. Die Stadt Wien möchte Geld für die Autos, die am Straßenrand abgestellt stehen. Und sie möchte, dass dort nur noch Autos von Menschen stehen dürfen, die da auch wohnen. Oder fast nur. Irgendwie hat man dabei die NGOs vergessen.

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Helfen oder hindern social media demokratiepolitische Prozesse?

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Sind physische Demos ein Ding der Vergangenheit und wird in Zukunft nur mehr auf facebook protestiert?

Zunächst war ich wirklich begeistert von den Möglichkeiten von facebook, Twitter und Co. Mit einem kostenlosen Klick sind tausende Menschen informiert, können sich engagieren, bei Aktionen und Demos teilnehmen, oder auch Protestemails abschicken und Petitionen unterschreiben. Zweifellos spielt aber der Funfaktor bei social media eine große Rolle, wenn man die Postings und die gefällt-mir Statistiken betrachtet. Kann politisches Engagement durch „Fun“ auch wirklich wirksam sein?

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Polizei in Innsbruck wegen Festnahme von TierschützerInnen verurteilt!

Das Urteil zur Verhandlung gegen die Innsbrucker Polizei am 3. April 2013 wegen der rechtswidrigen Festnahmen von TierschützerInnen (https://martinballuch.com/?p=2359) ist da: unserer Beschwerde wurde Folge gegeben und sowohl die Festnahme an sich, als auch das Tragen zum Polizeiauto und das Einsperren in einer Polizeizelle für rechtswidrig erklärt!

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Ag-Gag Gesetz, d.h. Verbot in Tierfabriken zu filmen, in Tennessee aufgehoben!

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Das Filmen in Tierfabriken soll in den USA zu einem „Verbrechen“ werden, das mit Gefängnis bestraft wird!

In Österreich mobilisiert die Landwirtschaftskammer gegen TierschützerInnen, die heimlich in Tierfabriken filmen und damit den Skandal über die Haltungsformen dort an die Öffentlichkeit bringen. Auch im Tierschutzprozess war ein wesentlicher Teil des Vorwurfs – konkret 2 der 27 Anklagepunkte nach §278a gegen mich – ich hätte in einer Legebatterie und einer Pelztierfarm heimlich gefilmt. Im Tierschutzprozess folgte der Freispruch, die Pressefreiheit, deren Kern die Veröffentlichung von Missständen dieser Art umfasst, konnte gegen den politischen Einfluss der Tierindustrie gewinnen.

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„Militante Tierschützer sind rechtlich gut geschult und begehen selten strafrechtliche Delikte“

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Eine Broschüre der Landwirtschaftskammer NÖ, finanziert vom EU-Landwirtschaftsfonds, der nö Landesregierung und dem Landwirtschaftsministerium

Dieser Satz erinnert an eine Aussendung des steirischen Amtes für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung, https://martinballuch.com/?p=1482, doch diesmal stammt er von der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Es bleibt die Frage – was macht diese TierschützerInnen denn zu „Militanten“ und einer Bedrohung für die Verfassung, wenn sie gar keine strafrechtlichen Delikte begehen? Ist es bereits militant, wenn man Verwaltungsübertretungen wie Falschparken in Kauf nimmt oder zivilrechtliche Klagen provoziert? Liest man den letzten Verfassungsschutzbericht, dann könnte man zu dieser Meinung gelangen, werden dort doch in einem Kapitel „Militante Tierrechtsgruppen“ 89 Verwaltungsübertretungen angeführt, siehe Wenn dem Verfassungsschutz die Tierschutzstraftaten ausgehen.

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„Sekte“ als historischer Kampfbegriff, ein menschenrechtliches Problem

Ein hostorischer Zeitungsartikel aus DDR-Zeit: die Losung der Regierung

Ein historischer Zeitungsartikel aus DDR-Zeit: die Losung der Regierung

Wikipedia: Sekte ist eine ursprünglich wertneutrale Bezeichnung für eine philosophische, religiöse oder politische Gruppierung, die sich durch ihre Lehre oder ihren Ritus von vorherrschenden Überzeugungen unterscheidet und oft im Konflikt mit ihnen steht. […] Aufgrund seiner Geschichte und Prägung durch den kirchlichen Sprachgebrauch bekam der Ausdruck abwertenden Charakter und verbindet sich heute mit negativen Vorstellungen, wie der möglichen Gefährdung von etablierten religiösen Gemeinschaften oder Kirchen, Staaten oder Gesellschaften. […] Im landläufigen Sprachgebrauch werden als Sekten oft religiöse Gruppen bezeichnet, die in irgendeiner Weise als gefährlich oder problematisch angesehen werden.

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