Berger-Schinken

Gericht stellt fest: VGT hat seriös recherchiert

Der VGT hat Filme und Fotos aus einem Schweinebetrieb veröffentlicht, der seine Tiere an den Schlachthof der Firma Berger-Schinken liefert. So weit so normal. Doch der FPÖ Gemeinderätin des betroffenen Ortes, Melitta Linzberger, passte das irgendwie nicht und sie behauptete, wir hätten das alles nur inszeniert, und sie mutmaßte, die Filme und Fotos wären gefaked und kämen möglicherweise aus Rumänien (trotz niederösterreichischer Ohrmarken – offenbar eine aufwendige Inszenierung).

Nun, man kann über so etwas lachen oder weinen, oder man kann dagegen klagen. Normalerweise bin ich am anderen Ende von Zivilklagen auf Unterlassung und Widerruf, und das als Mittel, meine Kritik mundtot zu machen. In diesem Fall ist das aber keine Kritik, sondern eine in die Welt gesetzte Fake News, die den VGT seiner Glaubwürdigkeit berauben soll. Gibt es einen guten Grund, eine FPÖ-Politikerin wegen so einer Aussage nicht zu klagen?

In der ersten Runde, d.h. erste Instanz im Verfahren auf eine Einstweilige Verfügung, noch nicht rechtskräftig, haben wir einmal gewonnen:

Nach Betrachtung aller vorliegenden Fakten attestiert die Richterin also dem VGT, seriös gehandelt und lediglich wahre Tatsachen aufgedeckt zu haben. Die FPÖ-Politikerin konnte dagegen überhaupt keine Tatsachen vorweisen, die ihre Behauptungen bestätigt hätten.

Schweine: die erschütternde Vollspalten-Realität hinter dem Stroh-Vorzeigestall

In zweifacher Hinsicht wird mir übel, wenn ich diese Fotos, die man dem VGT zugespielt hat, durchsehen muss. Erstens, weil hier wieder jemand schamlos die Öffentlichkeit hinters Licht führt und so tut, als wäre in der Schweinehaltung in Österreich eh alles in Ordnung. Wir kennen das ja von unserer Landwirtschaftsministerin, wie vorbildlich Österreich nicht sei blabla, die Schweine lieben eh den Betonspaltenboden. So sind sie halt. Und zweitens wird mir beim Anblick dieser Fotos übel, wenn man das Leid der Schweine so direkt sieht. Ich werde mich nie daran gewöhnen. Diese fröhlichen Tiere am Lebenshof Rinderwahnsinn, und dann diese armseligen Gestalten in diesen furchtbaren Dreckslöchern, verletzt, verzweifelt, vergessen.

Die Firma Berger-Schinken mit einem Schweineschlachthof in Sieghartskirchen in Niederösterreich ist groß. Sie hat 4 Filialen und 3 Märkte, laut ihrer eigenen Webseite www.berger-schinken.at. Und sie darf seit einigen Jahren eine Ehrung der Republik Österreich tragen. Im letzten Jahr, so liest man, wurde ein Rekordumsatz von € 150 Millionen gemacht. Na, bei so viel Gewinn wird doch einiges in das Wohl der Schweine, die von den Partnerbetrieben an den Schlachthof geliefert werden, abfallen! Immerhin sind es diese Schweine, die solchen Reichtum ermöglichen.

Klickt man auf der Webseite auf den Reiter „Nachhaltigkeit“, sieht das Ganze so aus:

Regional-optimal, vom „Bauern nebenan“. Na Wahnsinn! Dann wird sogar einer der Betriebe genauer gezeigt:

Ja, warum in die Ferne schweifen, wenn man die Tierfabrik gleich nebenan hat. Oder ist es eine? Nähert man sich dem Betrieb, sieht man bald ca. 200 Schweine sich im Stroh wälzen, in einem offenen Bereich mit viel Luft und Sonne:

Bestens, was will man mehr? Doch dann – nur für die, die genauer schauen – sieht man noch 2 große Fabrikshallen im Hintergrund. Sind die für die Traktoren? Oder was wird dort produziert?

Ja, was? Genau! Dort wird das Schweinefleisch produziert. Dort, abseits der Augen der Öffentlichkeit, unsichtbar und unscheinbar hinter Fabrikstoren, dort sind die restlichen der ca. 2500 Schweine dieses Betriebs untergebracht, die das Gros der Schweinefleischproduktion von dort ausmachen. Genau da entsteht der Reichtum der Firma Berger-Schinken. Am Rücken armseliger Wesen.

Der erste Blick schon in diese Schweinefabrik reicht einem für den Rest des Lebens (siehe Beitragsbild und hier):

Grauenhafte Enge, grauenhafter Vollspaltenboden, grauenhafte Verletzungen, grauenhafte Reizarmut. Was sollen diese Tiere den ganzen Tag tun? Außer sich gegenseitig vor Verzweiflung zu verletzen? Was, bitte schön, ist das für ein Leben? Wie können wir ihnen das zumuten?

Und was sagt die Firma Berger-Schinken dazu? Von ihrer Webseite habe ich diesen Screenshot:

Da sind sie wieder, die Schweine im Stroh! Und Verantwortung übernimmt die Firma Berger-Schinken auch gleich. Sie haben sogar eine „Tierwohlinitiative“ und eine „tierfreundlich gestaltete Umgebung“ für die lustigen Schweinderln, und sie garantieren die „Einhaltung tierethischer Grundregeln“. Was, bitte schön, für eine Tierethik ist das? Das Recht des Stärkeren? Das Prinzip des menschlichen Primats über alles Tierliche? Das „wir nehmen uns, was wir kriegen können“? Das „Tiere sind Sachen“, Produktionsmittel, die man ans biologische Limit pressen kann, um maximalen Profit heraus zu holen? Wie schläft sichs eigentlich in der Firmenchef-Villa, während die armseligen Schweine, denen man diesen Reichtum zu verdanken hat, sich auf 0,55 m² (!) pro 85 kg (!) schwerem Schwein um ein bisschen nackten, verdreckten Betonboden mit scharfkantigen Spalten prügeln müssen?

So sieht es in Wahrheit aus:

Wie lange liegt dieses tote Schwein eigentlich schon dort? Schert sich da niemand? Woher kommen alle diese Maden? Fällt das niemandem auf? Ist das alles in die Kalkulation für Input in die Schweinefabrik und Output von Fleisch mit einberechnet, sodass der meiste Profit entsteht? Gehören da diese total verdreckten Futtertröge dazu? Ist das so viel billiger, dass die Schweine das eben ertragen müssen? Damit der Profit von € 149 Millionen auf € 150 Millionen steigen kann?

Da soll man nicht verbittern, als Tierschützer? Da soll man nicht die Menschheit zum Teufel wünschen? Da soll man nicht zu harten Worten greifen, um das zu kommentieren? Da soll man verständnisvoll und tolerant bleiben?

Lieber Leser und liebe Leserin mit Herz und Hirn, versetz Dich einmal, ganz kurz nur, in eines dieser Schweine, und sag mir, was Du fühlst. Sag mir, wie glücklich Du bist, zu leben. Sag mir, was Du noch vom Leben erwartest. Sag mir, was Du eigentlich den lieben langen Tag machst, und wie Du überhaupt Tag und Nacht unterscheidest. Sag mir, wie Du das aushalten und überleben kannst, ohne völlig zu verzweifeln. Und am Ende erwartet Dich ein brutaler Tiertransport und der Tod am Fließband. Ohne Mitgefühl, ohne Barmherzigkeit.

Wie lange wird das noch so weiter gehen! Wie lange werden sich die Konsument_innen betrügen lassen? Wie lange wird die Regierungspolitik diese Zustände weiterhin ignorieren und nichts tun, weil Österreich eh vorbildlich wäre? Wie lange werden wir den Tieren das noch antun?!?