Impfung

Was ist von Impfungen zu halten?

Anlässlich der Corona-Krise und der Diskussion über einen möglichen Impfstoff wurde ich mehrfach gefragt, was ich von Impfungen halte. Dazu stelle ich zunächst klar: ich spreche in dieser Sache, wie überhaupt auf diesem Blog, nur für mich und nicht für den VGT. Ich erlaube mir durchaus, andere Meinungen als der VGT zu haben. Das ist mir übrigens sogar per Bescheid garantiert worden: die Datenschutzbehörde hat in einem Verfahren explizit festgestellt, dass mein Blog eine Privatsache von mir ist und nichts mit dem VGT zu tun hat.

Ich bin Naturwissenschafter. Ich war zwar nur 12 Jahre meines Lebens Uni-Assistent in Mathematik, Physik und Astronomie und arbeite ja nun schon seit geraumer Zeit nicht mehr in der Forschung, aber ich bin von der naturwissenschaftlichen Doktrin überzeugt. D.h. ich glaube gar nichts, für das es keine Belege gibt, und ich übernehme, umgekehrt, jene Ansicht, die mir am besten begründet erscheint.

Das trifft auch für die Medizin zu. Auch in der Medizin kann man wissenschaftlich erforschen, ob und warum gewisse Mittel auf gewisse Weise wirken oder nicht. Zwar sind wir da vom mathematischen Ideal der Beweisbarkeit viel weiter entfernt als in der Physik, was dafür spricht, alle Erkenntnisse mit einer gewissen Vorsicht zu nehmen, aber dennoch muss man nicht mit Bauchgefühl vorgehen. Auch in der Medizin möchte ich also nur Heilmittel verwenden, die belegbar helfen.

Vieles in der Medizin ist Symptombehandlung. Eine Krankheit bricht aus, der kranke Körper zeigt Symptome, die ihn unter Umständen sehr belasten, und Medikamente versuchen diese zu lindern. Zweifellos wichtig, allerdings wäre es besser, die Ursache der Krankheit zu bekämpfen, und noch besser, die Krankheit prophylaktisch zu verhindern.

Ich lese gerade ein Buch über die Geschichte der Indianer_innen Nordamerikas mit dem Titel „Verlorene Welten“ vom Schweizer Geschichtswissenschafter Aram Mattioli. Er wiederholt auf Seite 37 was mir schon aus anderen Büchern bekannt war: „Eingeschleppte ‚Fieber‘ wie Pocken, Masern, Typhus, Diphterie und Influenza […] führten im östlichen Nordamerika in nur knapp 200 Jahren zu einem demografischen Kollaps unter den First Peoples.“ Letztlich starben von den anfangs 10 Millionen Indianer_innen gut 90 % daran. Und warum? Mattioli: „Eurasien und Amerika hatten Jahrtausende isoliert voneinander gelebt, sodass die Native Americans keine Resistenz gegen Krankheiten besaßen, [die in Eurasien häufig vorkamen].“ Die beste Geisterheilung hatte dagegen keine Mittel, weil die Indianer_innen schlicht mit den Krankheitserregern seit Generationen nicht in Berührung gekommen waren.

Das Immunsystem von Tieren und Menschen ist sehr adaptiv. Es kann lernen, mit gewissen Erregern umzugehen. Das beste Mittel gegen eine Krankheit ist also ein gutes Immunsystem, das die Krankheit vor dem Ausbruch verhindert. Und genau in diese Kerbe schlägt die Impfung. Die Idee ist genial: ein Immunsystem mit einem Krankheitserreger in Verbindung bringen, der aber möglichst entschärft ist, sodass er den Körper nicht krank macht, das Immunsystem aber den Erreger zu bekämpfen lernt. Natürlich ist damit die Gefahr verbunden, dass die Krankheit dennoch ausbricht. Aber wenn man diese Gefahr minimieren kann, ist die Idee einer Impfung grandios.

Tatsächlich haben Impfungen in Europa sehr viele Krankheiten zum Verschwinden gebracht, insbesondere viele jener, die in Nordamerika in den Indianernationen grassiert haben. Hätte man diese Menschen vorher durchgeimpft, wäre vermutlich viel Leid erspart worden.

Impfungen sind also in meinen Augen eine gute Idee, wenn die Impfstoffe entsprechend gut getestet sind. Bleibt die Frage, ob Impfungen nicht notwendigerweise Tierversuche voraussetzen. Bei der medizinischen Forschung an sich ist das nicht der Fall, also warum sollte es gerade bei der Entwicklung von Impfstoffen so sein? Aber ist es nicht in der Realität so, dass die vorhandenen Impfstoffe zumindest auch im Tierversuch getestet worden sind? Müsste da nicht ein ethisch handelnder Mensch Impfungen ablehnen?

Müsste er nicht. Ich habe auf meinem Blog in einigen Artikeln (siehe unten) gezeigt, dass auch Heilmethoden, die in grausamen Menschenversuchen entwickelt worden sind, heute für Menschen verwendet werden. Im New Scientist wurde das ethisch reflektiert, mit der Schlussfolgerung, dass es legitim ist, auch ein Wissen zu benutzen, das auf unethische Weise zustande kam. Wissen an sich ist wertfrei. Wenn es schon da ist, wäre es unvernünftig, so zu tun, als würde man es nicht kennen.

Hier die Links:
https://martinballuch.com/medizinische-versuche-an-menschen-resultate-werden-genutzt/
https://martinballuch.com/und-doch-die-wissenschaft-verwendet-daten-von-brutalen-menschenversuchen-ohne-zustimmung-der-betroffenen/
https://martinballuch.com/james-sims-menschenversuche-1845/

Ich habe daher mein Kind bzgl. allen Krankheiten impfen lassen, bzgl. denen mir das von unserem Kinderarzt angeboten wurde. Und halte es für mich ähnlich.