Leopold Schneemann

Gatterjagd: Der Brief einer Mutter an LH Doskozil und LR Schneemann

Eine Wildschweinfamilie in Todesangst zusammengedrängt. Man hört die Hunderudel bellen und die Treiberkolonne schreien. In freier Wildbahn würden diese Wildschweine einfach davon laufen. Sie wissen im Jagdgatter aber ganz genau, dass sie das nicht können. In diesem Fall in einem mehrere Quadratkilometer großen Jagdgatter. Das Foto ist von außerhalb des Gatters durch den Zaun aufgenommen. Die Wildschweinfamilie ist also bis zum Zaun geflohen und dort in Panik erstarrt. Eine typische Szene einer Gatterjagd. Und diese völlig sinnlose Grausamkeit will die SPÖ im Burgenland wieder erlauben, nachdem sie selbst die Gatterjagd am 9. März 2017 verboten hatte. Das verstehe wer will. Obwohl, manche von uns haben einen Verdacht. Ja, die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Stichwort: Lex Esterhazy.

Ich habe jetzt den Brief einer Mutter erhalten, die sich in Sachen Aufhebung des Gatterjagdverbots an Landeshauptmann Doskozil und Landesrat Schneemann wendet. Ihre These, warum die SPÖ das macht, ist ganz anders. Lesenswert. Hier ist er:

Sehr geehrter Herr Schneemann und sehr geehrter Herr Doskozil!

In den letzten Wochen war ich stiller Beobachter Ihrer Diskussion mit Tierschützern zum Thema „Gatterjagdverbotaufhebung“ im Burgenland. Und ich gestehe, ich war auf der Seite der Tierschützer. Zu Beginn. Denn: Ein Tier zu jagen, welches zuvor von Menschen gefüttert wird und dann am Tag X von Jägern und Hunden gehetzt, verletzt und irgendwann, nach langer Zeit der Angst und Atemlosigkeit, erlegt wird, schien mir nicht fair zu sein. Entkommen gibt es nicht, da ja ein Zaun dies verhindert. So dachte ich mir: Das ist des Menschen nicht würdig, ein Tier so qualvoll sterben zu lassen. Unglaublich sich vorzustellen, die Eltern versuchen ihre Kinder zu beschützen und schaffen es nicht.

Eines Tages aber, es war nebelig und kalt, entdeckten meine Kinder (8 und 10) einen verletzten Vogel auf der Straße und sie nahmen ihn behutsam vom frostigen Boden und liebkosten ihn und wir brachten ihn schließlich zum Tierarzt. Auf dem Nachhauseweg, ich dachte ein wenig an die Tierarztkosten, fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen. Ich verstand, wovor Sie beide uns alle retten wollen: Vor diesem verdammten „Weicheitum“. Ja, wir erziehen unsere Kinder von der ersten Minute an zu Schwächlingen, zu Feiglingen. Ganz ehrlich, es beginnt doch mit den Kuscheltieren schon im Säuglingsalter. Schneeweißer (alles mit Schnee klingt generell sehr sauber, fast alles) Eisbär, Lieblingshasi, fetter Igel (auch Igi genannt), Katzi, Hundi, Mausi – mir wird ganz übel. Ohne vollgerotztem Schlafbärli verweigern diese herzhaft verwöhnten kleinen Kinder doch tatsächlich ein Essen oder einen Ausflug???!!!! Urlaub am Bauernhof wird den Kindern in den Ferien versprochen. Im Streichelzoo wird gefüttert, gekuschelt und geschmust, dass einem so richtig die Wut hochkommt. Und das ist noch nicht mal der Gipfel. Die Spitze unserer asozialen Gesellschaft ist dann noch die Ansage vieler Erziehungsberechtigter: „Wir nehmen einen Hund aus dem Tierheim. Ihr werdet mithelfen, dieses Tier zu versorgen und Verantwortung dafür übernehmen. Und das für mindestens 15 Jahre.“

Damit ist tatsächlich der letzte Schuss gefallen. Wie bescheuert sind wir, war ich bis vor kurzer Zeit auch noch, dass wir das zulassen? Mit solchen Menschen kannst du keinen Krieg gewinnen, sagt jetzt auch mein Mann. Wir haben uns aber zusammengerauft und eine völlig neue Richtung eingeschlagen. Harry Potter Poster wurde entfernt, Voldemort prangt nun in Übergröße im Zimmer meines stahlharten Sohnes. Sämtliche Pferdeposter landeten im Müll, stattdessen hängen Gatterpläne mit selbst gemalten, verängstigten Tieren darauf im Zimmer meiner Tochter. So proud. Unsere alte Bibliothek haben wir vernichtet, quasi rausgeschossen. Auf dem Postweg erwarten wir: „Bambi Bitch muss härter werden“, „Burgenländische Brutalobrüder im Anmarsch“, „Leo Lausemaus haut drauf“, „Eine Welt ohne Empathie“, „Die wilden Kerle im Gatter“, „Biene Maja schlägt den faulen Willi“, „Großer Wolf, kleiner Wolf schauen in die Bixn“ und einiges mehr. Was ich sagen will ist: Danke, ich habe Ihre Energie und Motivation hinter der Aufhebung des Gatterjagdverbotes verstanden. Wir alle müssen einfach härter werden. Für unsere Kinder! Keine Macht der Liebe. Ich kann es spüren. Es geht mir jetzt schon besser. Danke Leo! Danke Hans-Peter!

Gatterjagdverbot im Burgenland: warum lügt die SPÖ-Landesregierung so dreist?

Übermorgen, am Donnerstag dem 10. Dezember 2020, will die SPÖ-Alleinregierung im Burgenland das Gatterjagdverbot aufheben und die Gatterjagd wieder einführen. Exakt 3 Jahre und 9 Monate nachdem die Gatterjagd verboten worden ist. Von einer SPÖ-Regierung.

Die SPÖ-Regierung, allen voran Landeshauptmann Doskozil (der rechtswidrige Sperrzonen um das Jagdgatter von Mensdorff-Pouilly errichten ließ, um die Kameras von Tierschützer:innen fern zu halten) und Landesrat „Jungjäger“ Schneemann, haben keine einzige sachliche Begründung für diese Kehrtwendung vorgebracht. Es gibt auch keinen ersichtlichen – legalen – Anlass. Und eine große 76 % Mehrheit der Bevölkerung im Burgenland will das Gatterjagdverbot erhalten.

Wenn man keine Argumente aber die Macht hat, dann verweigert man jedes Gespräch und setzt einfach brutal den eigenen Willen durch, siehe Lukaschenko in Belarus. Genau so läufts im Burgenland, nur ohne Polizeigewalt. Die Regierung beantwortet keine Anfragen, verweigert Telefonate, hat für persönliche Treffen keine Zeit und verhinderte sogar meine Präsenz bei einer Pressekonferenz, obwohl ich mich mit Presseausweis rechtzeitig dafür angemeldet hatte. Die fadenscheinige Begründung war: es gäbe ein Coronarisiko. Siehe: https://martinballuch.com/was-fuer-ein-kasperltheater-pressekonferenz-lr-schneemann-zur-gatterjagd/

Und die SPÖ-Landesregierung verbreitet knallhart Lügen. Die Liste ist ziemlich lang, aber die größte Frechheit ist jetzt eine Aussendung der SPÖ-Regierung an alle Haushalte im Burgenland mit der Aussage, man habe die Treibjagd in Jagdgattern verboten:

So sieht aber das Gesetz, das übermorgen beschlossen wird, wirklich aus:

Nach Vorlage eines Jagdkonzeptes dürfen also 5 Treibjagden pro Jahr und Gatter stattfinden. 5 Treibjagden im selben umzäunten Gelände auf dieselben Tiere. Sieht so ein Verbot von Treibjagden aus?

Schneemann und Doskozil schicken also diese Lüge um ca. 40.000 Euro Steuergeld an alle Haushalte, um die Menschen zu verwirren. Sie wollen den Umstand nützen, dass die meisten Menschen einer Regierung vertrauen, vielleicht zu übertreiben, aber nicht so platt zu lügen. Und tatsächlich zeigt sich im Gespräch mit vielen Burgenländer:innen, dass der Plan aufgeht: sie sagen, wozu noch Widerstand gegen die Aufhebung des Gatterjagdverbots, wenn Treibjagden eh verboten werden? Und dann zeige ich Ihnen den Wortlaut im Gesetz und sie sind paff.

Schneemann und seine Regierungskolleg:innen haben nach all ihren Äußerungen zu urteilen überhaupt keine Ahnung von der Gatterjagd. Es hat sie bisher nicht interessiert und interessiert sie weiterhin nicht. Die Gatterjagd ist ihnen völlig egal. Warum, dann, wollen sie das Verbot aufheben? Den wahren Grund verschweigen sie. Und sie müssen ihn offenbar verschweigen, sonst würden sie ihn ja nennen. Wenn jemand Lügen verbreitet, um zu verschleiern, was er in Wahrheit tut, dann hat er etwas zu verbergen, dann geht da etwas nicht mit rechten Dingen zu. Gleichzeitig hören wir, es gibt einen Deal mit Esterhazy, die Stiftung Esterhazy zieht ihre Millionenklage zurück, und das Gatterjagdverbot wird aufgehoben, wobei Esterhazy das größte Jagdgatter im Burgenland betreibt. Ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

Was für ein Kasperltheater: Pressekonferenz LR Schneemann zur Gatterjagd

Plötzlich, für alle Beteiligten überraschend, schickt die SPÖ Regierung im Burgenland eine Novelle des Jagdgesetzes in Begutachtung, die das Gatterjagdverbot von 2017 ersatzlos aufheben will. Ich schreibe an Landeshauptmann Doskozil, Landesrat Schneemann, Landeshauptmannstellvertreterin Eisenkopf, Landtagspräsidentin Dunst und SPÖ-Landesgeschäftsführer Fürst. Nur der Letzte antwortet überhaupt, aber das lediglich kurz und inhaltsleer. Die anderen verweisen auf Schneemann oder hüllen sich in Schweigen. Der VGT hat auch die verschiedenen Personen angerufen, um ein Gespräch zu vereinbaren. Niemand war dazu bereit, auch Schneemann nicht. Sein Büro legte nicht nur sofort auf, wenn man sich mit „VGT“ vorstellte, die Telefonnummer des VGT wurde sogar auf eine Blacklist gesetzt, sodass sie grundsätzlich nicht durchgestellt wurde. Schneemann wollte mit niemanden vom Tierschutz sprechen. Den Landesjagdverband hat er aber sehr wohl angehört.

Heute erhalte ich ein Email, Landesrat Schneemann will eine Pressekonferenz zu seiner geplanten Jagdgesetznovelle inklusive Aufhebung des Gatterjagdverbots abhalten. Man kann sich anmelden:

Ich bin Journalist, habe einen Presseausweis. Ich bin sowohl Radiojournalist bei Radio Orange 94,0, als auch Chefredakteur der Zeitschrift „Tierschutz Konsequent“, und stehe daher auch im Pressehandbuch. Deshalb habe ich mich rechtzeitig angemeldet:

Daraufhin erhielt ich ein Email, dass ich aufgrund von Corona Einschränkungen in der Anzahl an Teilnehmer_innen nicht zur Pressekonferenz dürfe:

Ich wusste von diesem Email nichts, wurde aber vor Ort davon informiert. Nur, es waren gerade einmal 5 Journalist_innen anwesend. Und der Raum war riesengroß:

Ich ließ mich also nicht beirren, auch als mir mit einer gewaltsamen Räumung durch die Polizei gedroht wurde, und setzte mich hin. Die Zeit verging, kein Schneemann erschien. Dann kam eine Botin. Ich dürfe sitzen bleiben und ihm Fragen stellen, wenn ich meinen Rucksack entferne, keine Kamera dabei habe und kein_e andere_r Tierschützer_in anwesend ist. Ich fügte mich dieser Anordnung, voller Erwartung nun endlich Fragen stellen zu dürfen. Doch zu früh gefreut. Kurz darauf kam die Botin zurück und erklärte, Schneemann habe es sich anders überlegt, er werde in seinem Versteck bleiben. Man wolle die Pressekonferenz in einen anderen Raum verlegen.

Der ORF berichtete dann von dort und, siehe da, sehr viele Plätze blieben leer:

Da wären sich – am Tag vor dem Lockdown – noch sehr viele Babyelefanten zwischen mir und den anderen Personen ausgegangen. Offensichtlich wollte Schneemann nur um keinen Preis kritischen Fragen von jemandem ausgesetzt werden, der sich mit der Gatterjagd auskennt.

Schluss mit dem Kindergarten! Das darf doch nicht wahr sein! Schneemann und seine Landesregierung verhalten sich nicht wie verantwortliche Politiker_innen. Es ist kindisch und peinlich, was da für ein Kasperltheater abgezogen wird. 2016 hat mich die damals zuständige Landesrätin per Brief zur Mitarbeit am Gatterjagdverbot eingeladen. Ich konnte mehrmals mit ihr sprechen, habe 5 Fachgutachten vorgelegt, sowie 2 Dokumentationen der Gatterjagd im Burgenland. Und ich war mit dem Obmann des Ökologischen Jagdverbands und einem ehemaligen Burgenländischen Gatterjäger bei ihr, die ihr erklärten, warum die Gatterjagd zu verbieten ist.

3 1/2 Jahre nach Beschluss des Verbots plötzlich soll es wieder aufgehoben werden. Und diesmal wird man von jeder Diskussion ausgeschlossen, jede Stellungnahme und jedes Fachgutachten wird ignoriert, und selbst als kritischer Journalist wird man mit allen Mitteln vom Fragenstellen abgehalten. Ja, Schneemann schleicht sich sogar durch den Hintereingang in das Konferenzzentrum, um den Tierschützer_innen zu entgehen, die davor warten, um ihm eine Frage zu stellen.

Also wenn man ernsthaft keinen Anlass für die Aufhebung des Gatterjagdverbots nennen kann, keine sachliche Begründung, jeder Diskussion ausweicht, die Vertretung des Tierschutzes mit allen Mitteln ignoriert und auch einer 3 Viertel Mehrheit der Bürger_innen den Stinkefinger zeigt, dann ist man unreif für eine Regierungsfunktion. Mit Demokratie und Bürgerbeteiligung hat das jedenfalls nichts zu tun.