Peter Singer

Beim Utilitarismus bleiben viele Fragen offen

Nick Cooney hat nun sein drittes Buch geschrieben. Ich finde den Zugang, statt politische Taktikunterschiede zu ideologisieren, sie wissenschaftlich zu untersuchen und zu vergleichen, sehr spannend. Aus Cooneys Büchern kann man diesbezüglich sicher einiges lernen. Doch andererseits strotzen seine Schriften von plattem Utilitarismus. Als er in Wien einen Vortrag über sein Buch „Change of Heart“ hielt, meinte er auf meine Frage ganz verwundert, dass es wohl allen AktivistInnen darum gehen müsse, möglichst viel Leid zu vermeiden. Das schien ihm völlig selbstverständlich und keiner weiteren Überlegung wert. So kommt er auf Forderungen, wie, man solle die Menschen dazu bringen, statt Hühnern Rinder zu essen, weil für dieselbe Menge Hühnerfleisch müssen viel mehr Tiere leiden als bei Rindfleisch, einfach weil Rinder größer sind. Also so etwas Seltsames als Kampagnenziel zu formulieren fiele mir nicht im Traum ein. PETA brachte es einmal auf den Punkt mit einer, wie ich glaube, ironisch gemeinten Forderung, nämlich Wal- statt Hühnerfleisch zu konsumieren, aus demselben Grund. Zu meinem Erstaunen traf ich in Cooneys Kielwasser kürzlich einige utilitaristisch denkende AktivistInnen in Wien. Das motiviert mich nun, darüber ein paar Worte zu verlieren.
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