Sebastian Bohrn-Mena

Extremistischer VGT? – ein Herr Bohrn-Mena macht sich zum Kasperl

In Zeiten von Corona und Home-Office war guter Rat teuer, wie der Tierschutzaktionismus des VGT weitergeführt werden könnte. Die Idee: „Home-Office-Demos“. Viele Menschen machen zu Hause ein Foto von sich mit einem Plakat und per Fotoshop wird das zu einer Demo zusammengesetzt, und am besten noch an einen Ort in der Öffentlichkeit verlegt, der im Hintergrund zu sehen ist. Das war die Corona Fotochallenge, die der VGT auf seinen sozialen Medienkanälen seit Corona jede Woche durchgeführt hat. Das Thema der letzten Woche war die Auslösung von Pandemien durch den massenweisen Fleischkonsum.

So wie viele andere Menschen auch, stellte sich eine Person mit einer Art „Pestmaske“ vor einen gleichmäßigen Hintergrund und hielt ein zu diesem Thema selbst gebasteltes Plakat: „eure MASSENTIERHALTUNG führt zu PANDEMIEN! GO VEGAN OR DIE!“. Dann ließ sie sich fotografieren.

Man braucht nicht viel Hirn, um die Botschaft zu verstehen: solange die Menschen weiterhin so viele Tierprodukte konsumieren, sind wir alle durch Pandemien mit dem Tod bedroht. Man könnte auch anfügen: nicht nur durch Pandemien. Wenn nicht bald viel mehr Menschen aus dem Tierkonsum aussteigen, werden wir an der Antibiotikaresistenz von Bakterien, an unserem viel zu großen ökologischen Fußabdruck und am Klimawandel zugrunde gehen.

Wie bei jeder Corona-Fotochallenge, wurde die Person und ihr Plakat nun per Computerprogramm in einen Demozusammenhang gestellt, in diesem Fall als Fotomontage vor den Hintergrund einer Fleischtheke:

Irgendwie normal, lustig, ernsthaft, zum Nachdenken anregend – und ohne die große Konsequenz. Eintritt Bohrn-Mena. Das ist jener Mensch, der das völlig daneben gegangene sogenannte „Tierschutz“-Volksbegehren initiiert hat. Bis vor wenigen Jahren hatte man von diesem Herren überhaupt nichts gehört, und schon gar nicht im Tierschutz. Da kam er plötzlich, um Tierschutzstimmen zu keilen. Er wolle mit der SPÖ ins Wiener Rathaus, ließ er uns wissen, sei sehr veganfreundlich, sogar 95 % selbst vegan. Leider würde ihn die SPÖ aber nicht an wählbare Stelle setzen, also brauche er Vorzugsstimmen. Und zwar aus dem Tierschutz.

Wir im Tierschutz greifen politisch ja nach jedem Strohhalm, also wurde seine Wahlkampagne unterstützt. Ich bewarb seine Kandidatur für ihn im Internet. Doch genug Stimmen bekam er nicht. Der Vorhang fällt.

Nächster Auftritt, diesmal für eine andere Partei, die Liste PILZ. Wieder wollte er Vorzugsstimmen, um diesmal ins Parlament zu kommen, aber nicht mehr mit der SPÖ, sondern mit Peter Pilz. Wieder generierte er sich als Tierschützer und sagte in einer Pressekonferenz, wenn er gewählt würde, dann werde er jede Tierfabrik in Österreich schließen. Wieder unterstützte ich seine Wahl. War aber nichts. Zu wenig Stimmen, er kam nicht ins Parlament, obwohl er vorher allen Leuten weisgemacht hatte, dass er auf jeden Fall ins Parlament kommen werde, wenn die Liste PILZ ins Parlament kommt. Das war aber leider die Unwahrheit.

Dritter Anlauf, irgendwie wichtig zu sein. Er initiiert ein „Tierschutz“-Volksbegehren. Gegen den ausdrücklichen Wunsch sämtlicher Tierschutzorganisationen. Warum, habe ich anderswo ausgeführt: https://martinballuch.com/kommentar-zum-tierschutz-volksbegehren/

Das allein dürfte ihn schon sehr geärgert haben, wollte er doch der neue Wunderwuzzi im Tierschutz werden. Als sich dann die konkreten Forderungen im Volksbegehren als leere Phrasen entpuppten und sich praktisch alle Tierschützer_innen von ihm abwandten, drehte er sich plötzlich um 180 Grad. Das „Tierschutz“-Volksbegehren wurde zu einem „Pro-Österreichische-Tierindustrie“-Volksbegehren. Im TV sagte er, er wolle keine einzige österreichische Tierfabrik schließen, auch wenn dort noch so viele Missstände herrschten. Dass er noch kurz davor als Anwärter fürs Parlament das Gegenteil gesagt hatte, kümmerte ihn nicht. Das zeichnet Populist_innen aus: keine Inhalte, nur Schein.

Aus Ärger über die versagte Unterstützung begann er plötzlich insbesondere mich und auch den VGT als „militant“ zu beschimpfen. Auf meine höfliche Frage warum, antwortete er doch glatt, dass das ja nur „kämpferisch“ heiße, also eh eine positive Bezeichnung sei. Na klar! Das war der Zeitpunkt, an dem ich die Kommunikation mit ihm abbrach.

Das sogenannte „Tierschutz“-Volksbegehren entwickelte sich zum totalen Flop. Logisch. Wenn man den Tierschutz vergrault, wer soll sich dann noch die Mühe machen, das zu unterschreiben? Die Tierindustrie jedenfalls nicht, die ist allergisch auf das Wort „Tierschutz“. Vor etwas mehr als 20 Jahren haben wir vom VGT zusammen mit anderen Tierschutzorganisationen ein echtes Tierschutz-Volksbegehren durchgeführt und 460.000 Unterschriften bekommen. Um zu verhindern, dass der Eindruck entsteht, dass der Tierschutz heute viel weniger Unterstützung in der Öffentlichkeit genießt als damals, habe ich genau erklärt, warum ich meine, dass dieses Volksbegehren floppt: https://martinballuch.com/warum-ist-das-tierschutzvolksbegehren-so-ein-flop/

An mangelnder Unterstützung für Tierschutzforderungen liegt es jedenfalls nicht. Bohrn-Mena steigerte seine Angriffe auf den VGT und mich, insbesondere in der Vorwahlzeit 2019, weil jetzt die Katze aus dem Sack war und er seine Felle davonschwimmen sah. Zeit, ein paar Fragen über die Finanzgebarung dieses seltsamen Vereins zu stellen, mit dem sich Bohrn-Mena offenbar finanziert hat: https://martinballuch.com/was-macht-das-tierschutzvolksbegehren-mit-seinen-spenden/

Bemerkenswert: zu den Vorwürfen Stellung genommen hat er lieber nicht. Sondern versucht, sie totzuschweigen. Zumal es sich nicht um Vorwürfe, sondern um Fakten handelt, die ich da veröffentlicht habe.

Stattdessen setzt er weiterhin auf die Karte, uns militant zu nennen. Nicht nur uns. Auch Attila Hildmann. Das ist besonders lustig, weil Attila Hildmann und Bohrn-Mena viel mehr miteinander gemein haben, als jeder der beiden mit echten Tierschützer_innen. Beide haben ein großes Ego, beide sind extrem narzisstisch, beide hatten versucht, Tierschutz bzw. Veganismus für die eigene Bekanntheit zu nutzen, beide haben dafür viele Shitstürme aus der Szene erhalten und beide schimpfen daher wie die Rohrspatzen bei jeder Gelegenheit über die militanten, extremen, unerträglichen Veganer_innen. Und die beiden schauen sich auch noch sehr ähnlich. Aber das nur am Rande.

Und jetzt kommt wieder der Herr Bohrn-Mena zum Vorschein, sieht obiges Bild der Person mit der Pestmaske und dem Plakat und legt los:

Da hat er sich aber ganz schön zum Kasperl gemacht, der Herr Bohrn-Mena:

  • Das Plakat spricht davon, dass WIR als Menschheit sterben, wenn nicht ausreichend viele Menschen vegan werden, weil sonst immer öfter Pandemien ausbrechen, die nun einmal mehrheitlich durch Massentierhaltung entstehen. Von einer Drohung ist da nichts zu sehen.
  • Darauf angesprochen, meinte er, es ginge darum, dass dieses Plakat vor einer Fleischtheke öffentlich gezeigt worden sei, und das könnten ja Kinder sehen! Kinder, die englisch sprechen? Von welchem Alter ist da die Rede? Wer bereits ausreichend englisch kann, wird sich im Internet ganz andere Plakate anschauen.
  • Der Witz: Herr Bohrn-Mena hat im Überschwang völlig verschlafen, dass dieses Plakat in der Home-Office Corona-Isolation zu Hause gehalten und fotografiert, und dann vor eine Fleischtheke rein retouchiert worden ist!
  • Abgesehen davon: wenn man kurz ein Foto mit einem Plakat vor einer Fleischtheke macht, dann ist das in 3 Sekunden vorbei und kein Kind hats gesehen.
  • Und überhaupt: was ist genau das Problem, wenn ein Kind dieses Plakat lesen und verstehen sollte? Wenn es geschockt wird, dann durch die Maske, aber sicher nicht durch diesen Spruch. Herr Bohrn-Mena dürfte keine Kinder kennen.

Danke an Corona, dass dieses Theater um das Volksbegehren bald ein Ende hat. Vermutlich wird es eh in der Versenkung verschwinden und gar nicht zur Abstimmung kommen. An Tierschutz dürfte Bohrn-Mena sowieso nicht interessiert sein. Echte Tierschützer_innen legen nämlich Designerschuhe, Designeranzug und Designersonnenbrille ab und stellen sich zu den Tieren in den Kot, um sie auszumisten, oder gehen in Tierfabriken, um das Tierleid zu dokumentieren, oder leisten die harte Knochenarbeit an sämtlichen Frontlinien des Kampfes gegen Tiermissbrauch. Und mit einem Flop dieses Volksbegehrens schadet er bestenfalls seinen hohen Ambitionen, doch noch ganz wichtig und berühmt zu werden, ohne irgendeine besondere Befähigung zu haben.

Ich war die letzten 13 Monate in Karenz und habe mich ausschließlich um meine Tochter gekümmert. Eine tolle Zeit, ich habe viel gelernt und hoffentlich auch dazu beigetragen, meine Tochter sanft in diese Welt einzuführen. Das würde ich Herrn Bohrn-Mena auch empfehlen, sich um sein Kind zu kümmern, statt öffentlich so ein Kasperltheater zu machen. Obwohl – ob er dazu die Befähigung hätte? Auch mit einem Kind sollte man das Designergewand ablegen, sonst kann keine Nähe entstehen. Mit derart noblem Auftreten wird meistens nur inhaltliche Leere kaschiert. Ehrliche Menschen haben das nicht nötig.

Auf an Kaffee mit Sebastian Bohrn-Mena

Vor etwas mehr als 20 Jahren hatte ich mein erstes Treffen mit PolitikerInnen im Namen des Tierschutzes. Zunächst schien mir dieser Personenkreis in erster Linie einfach beschwichtigen zu wollen. Von ihrem Standpunkt aus war das Ziel des Treffens uns den Wind aus den Segeln zu nehmen. Dafür nickten sie einfach freundlich, boten uns Kaffee an, stimmten uns zu wie schlecht nicht die Welt ist und taten selbst – nichts! Noch etwas später erkannte ich, dass PolitikerInnen selbst unter großen äußeren Zwängen standen und quasi gar nicht anders konnten. Naja, außer sie wären bereit gewesen, Konflikte mit vor allem der Wirtschaft und oft auch ihrer Partei einzugehen. Das betrifft jedenfalls jene PolitikerInnen, die an solchen Machtpositionen sitzen, an denen sie überhaupt etwas ändern könnten.
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