6. Dezember 2022

Tierversuche in Österreich – Aktion auf den Stufen des Parlaments

In der Öffentlichkeit ist es noch nicht bekannt, aber in den nächsten Monaten wird ein neues Tierversuchsgesetz geschaffen werden, das uns auf absehbare Zeit unverändert erhalten bleiben wird. Für derart weitreichende Schritte ist eine breite öffentliche Diskussion notwendig. Der VGT hat gestern am 20. Juni 2012 mit seiner Aktion auf den Stufen des Parlaments versucht, diese Diskussion zu eröffnen. Zahlreiche Demos quer durch ganz Österreich – allein heute schon zwei in Wien, in der Früh am Grünen Berg und am Abend vor der Volksoper – sollen ebenfalls dazu beitragen, die Gesellschaft zu informieren und die Verantwortlichen zum Handeln zu bewegen.

Auf den Stufen des Parlaments gestern wurde ein kleines Tierversuchslabor errichtet, WissenschaftlerInnen mit weißen Kitteln und Atemmasken experimentierte an zwei Kaninchen mit Skalpell, Stromstößen und Infusionskanülen. Österreichweit wurden letztes Jahr 17.000 Kaninchen im Tierversuch „verbraucht“ und getötet, dazu 5.000 Meerschweinchen, 2.500 Schweine, 1.300 Vögel und 1.100 Hamster. Der Rest der 188.000 Versuchstiere von 2010 sind zum Großteil Mäuse und zu 5% Ratten. Weltweit sterben ca. 60 Millionen Wirbeltiere in Tierversuchen pro Jahr, mit zusätzlichen 70 Millionen jährlich für gentechnische Experimente.

Das Genehmigungsverfahren für Österreich funktioniert überhaupt nicht. Ein Bericht des Rechnungshofes 2002 fand, dass statt der vorgeschriebenen jährlichen Kontrolle aller 400 Bundesinstitute, die Tierversuche durchführen, nur 8 tatsächlich durchgeführt worden waren, und dass Beanstandungen dabei nicht geahndet, ja nicht einmal behoben wurden. Auch die Genehmigungspraxis ist katastrophal, praktisch alle Anträge für Tierversuche werden genehmigt, und spricht sich die Kommission gegen einen Versuchsantrag aus, dann wird er trotzdem vom Ministerium durchgewunken und findet einfach statt. Die meisten der jährlich ca. 20.000 Versuchsanträge werden den Kommissionsmitgliedern gar nicht zur Kenntnis gebracht, dazu reichen Zeit und Personal nicht.

Grundsätzlich gibt es nach dem momentan gültigen Tierversuchsgesetz keine ethische Schaden-Nutzen Abwägung von Tierversuchen, die beantragt wurden. Vielmehr wird von den Kommissionen nur untersucht, ob der Tierversuch wissenschaftlich vernünftig ist und ob dazu keine tierfreien Alternativverfahren existieren. Selbst der unnötigste Versuch muss genehmigt werden, wenn diese beiden Kriterien erfüllt sind. Aus Tierschutzgründen kann kein Tierversuch in Österreich untersagt werden.

Eine internationale Studie untersuchte die Genehmigungsverfahren für Tierversuche in verschiedenen Ländern und fand, dass sich der Entscheidungsprozess sowohl individuell als auch im Kommissionsbereich sehr inkonsistent gestaltete. Die AutorInnen schlagen eine Objektivierung des Entscheidungsprozesses vor, wie er durch einen Evaluierungskatalog erfolgen könnte.

Quelle: Varga O et al. 2012: Assessing the animal ethics review process, in „Climate change and sustainable development“, herausgeg. von Potthast T und Meisch S,  Wagening Academic Publishers, Seite 462.

Der VGT fordert deshalb

  • eine ethische Schaden-Nutzen Abwägung aller Tierversuche,
  • objektiviert durch einen Evaluierungskatalog und
  • kontrolliert durch eine Tierschutzombudsschaft.

Ein Gedanke zu “Tierversuche in Österreich – Aktion auf den Stufen des Parlaments

  1. Bin strikt gegen weitere, unnötige Tierversuche in Medizin und Kosmetika …. es gibt genügend Probanten die sich zur Vefügung stellen … wir haben nicht das Recht , Tiere ständig zu MISSBRAUCHEN , stellen Sie das bitte ein…. sofort !!!

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