7 schwerverletzte AktivistInnen erinnern an die Gewalt gegen Tierschutz

Wussten Sie eigentlich, dass Robert Lutschounig, zur Tatzeit Agrarsprecher der ÖVP Kärnten, mir bei einer vom VGT angemeldeten Versammlung gegen Legebatterien im März 2004 einfach ins Gesicht geschlagen hat, weil ihm unsere Botschaft nicht passte? Zwar musste er mir € 700 Schadensersatz zahlen, aber seiner Karriere innerhalb der ÖVP hat das keinen Abbruch getan. Was wäre gewesen, wenn, umgekehrt, ich einem ÖVP-Funktionär so ins Gesicht geschlagen hätte, dass ihm für immer eine Narbe zurückgeblieben wäre?

Wussten Sie, dass ein Jäger bei einer Protestaktion gegen die Jagd einem Tierschützer einfach eine Schrotladung in den Bauch geschossen hat – Sie lesen richtig: in den Bauch – und danach einfach behauptete, er hätte ihn für einen Fasan gehalten!?

Wussten Sie, dass ein Schweinefabriksbesitzer seinen Betrieb mit einer Schrotflinte in der Hand betrat, weil er Blitzlicht durch die Fenster gesehen hatte, und dann einfach im geschlossenen Raum voller Schweine in die Luft ballerte, als er fotografierende TierschützerInnen sah!? Eine Aktivistin wurde dabei vom Schrot in den Oberschenkel getroffen. Der Tierfabriksbetreiber sagte später, er habe geglaubt, die TierschützerInnen mit Fotoapparaten in der Hand seien ungarische Schweinediebe. In beiden Fällen dieser vorsätzlichen Schüsse auf friedliche Personen wurden die Verfahren durch die Staatsanwaltschaft eingestellt, weil sie davon ausging, es habe sich um einen Unfall gehandelt.

Wussten Sie, dass ein Zirkusdirektor unserem damals 60 jährigen Rechtsanwalt einfach ins Gesicht schlug, ihn umwarf und sogar mit dem Fuß mit voller Wucht ins Gesicht trat, und ihm dabei die Nase brach und ein Cut über dem Auge zufügte, nur, weil er sich durch die friedliche und angemeldete Kundgebung gegen Zirkustierleid provoziert gefühlt hatte!? Das ist der einzige unserer 7 Fälle, in denen es zu einer Verurteilung kam. Der Angreifer wurde zu € 2000 Strafe verurteilt. Beim gleichen Vorfall schlug ein Zirkusangestellter insgesamt 12 Mal mit der Faust auf meinen Kopf – das ist auf einem Video eines 10 jährigen Passanten eindeutig zu sehen –, doch der zuständige Richter verurteilte zwar den Mann, gab ihm aber lediglich eine bedingte Geldstrafe von € 80 (in Worten: achtzig, und das bedingt!).

Wussten Sie, dass in Maishofen in Salzburg kleine Haflingerfohlen versteigert werden, um in italienischen Schlächtereien zu landen? Und wussten Sie auch, dass bei einer Aktion von uns, in deren Verlauf sich einige AktivistInnen mit Fahrradschlössern um den Hals an das Geländer der Auktionsarena ketteten, die HaflingerverkäuferInnen durchdrehten und auf die friedlichen TierschützerInnen einschlugen!? Und wussten Sie auch, dass dabei an einem der Tierschützer, die mit dem Hals an dem Geländer hingen, so gerissen wurde, dass sich einer seiner Halswirbel verschob und er letztlich  mit der Rettung ins Spital gebracht werden musste und eine zeitlang die ernste Gefahr bestand, er würde gelähmt bleiben? Wiederum geschah den AngreiferInnen nichts, die Staatsanwaltschaft stellte alle Verfahren ein. Aber nicht nur das. In der Nachrichtensendung „Salzburg heute“ im ORF seinerzeit sagte ein Kommentator dazu, dass die TierschützerInnen „eine Ohrfeige“ verdient hätten und sich darüber nicht wundern dürften, wenn sie „die braven Bauern“ in dieser schändlichen Weise am Verkauf der Tierkinder hindern!

Und können Sie sich noch an den Singvogelfänger erinnern, der über einen Tierschützer mit der Kamera so erbost war, der völlig legal auf öffentlichem Grund mitten im Wald seine Fallen filmte, dass er einen Prügel nahm, auf ihn einschlug und ihm den Arm brach? Dieser Tierschützer war gerade 2 Wochen vorher aus der U-Haft entlassen worden und sitzt jetzt nächste Woche vor Gericht, angeklagt Tierquälerei begangen zu haben. Er habe die Türen einer Schweinefabrik geöffnet. Der Angreifer ist bis heute nicht vor Gericht gekommen.

Ich vermute, die meisten dieser Fälle – exemplarisch für viele weitere dieser Art – werden Ihnen unbekannt sein. Aber wer hat nicht davon gehört, dass doch angeblich Kleider Bauer mit Buttersäure bespritzt, Pelzmäntel mit Farbe besprayt und Jagdstände angesägt worden sein sollen? Die AngreiferInnen gegen uns haben Namen und Adressen, die den Behörden bekannt sind. Für diese angeblichen Straftaten gegen Jägerschaft und Tierindustrie gibt es nur Behauptungen der Gegenseite ohne jeden Beweis. Und trotzdem wird von einem nichts berichtet, vom anderen viel mehr als geschehen ist, die bekannten TäterInnen im einen Fall bleiben unbehelligt, im anderen sitzen die bekannten TierschützerInnen unschuldig Monate in U-Haft. Dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird ist unübersehbar. Darauf haben wir heute mit unserer Aktion hingewiesen.

Siehe auch: https://vgt.at/presse/news/2014/news20140507y_2.php

2 thoughts on “7 schwerverletzte AktivistInnen erinnern an die Gewalt gegen Tierschutz

  1. Jakob says:

    Es ist wirklich bewundernswert, dass euch aktiven Tierschützern bei soviel Ungerechtigkeit und Gewalt, die euch widerfährt, nicht der Mut und die Bereitschaft verlassen aktiv für Tierschutz einzutreten. Danke dass ihr das macht!

  2. Ein Jaeger, der nicht zw. Fasan und Mensch unterscheiden kann, soll bitte seine Jagdlizenz verlieren…

    Wurde der Jaeger zur Verantwortung gezogen?

    Karen

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