Religion

Christlich-konservativer Extremismus

20130828_stitten-butter2kleinDer Attentäter von letzter Woche, mit Buttersäure gegen TierschützerInnen, stammt aus einem extremistischen christlich-konservativen Milieu. An und für sich halte ich die Bezeichnungen „radikal“ oder „extremistisch“ für nicht sehr sinnvoll, sie sind meist nur als Beleidigung gedacht. Wenn die christlich-konservative Presse z.B. vom Tierschutz berichtet, der über Tierschutzarbeit hinausgeht und politische Ansprüche stellt, hängt sie am liebsten ein „radikal“ oder „extremistisch“ an, um gleich klar zu stellen, was von diesem Tierschutz zu halten ist. Doch bei „extremistisch christlich-konservativ“ will ich eine Ausnahme machen. Das deshalb, weil sich christlich-konservative Personen selbst nie als radikal oder extremistisch sehen würden, ja, eigentlich überzeugt sind, dass das ein Widerspruch sei. Konservativ sei gemäßigt, christlich wiederum sei grundsätzlich gut und daher mit den negativ behafteten Eigenschaftsworten „radikal“ und „extremistisch“ nicht zu bezeichnen. Die reservieren wir lieber für den Islam. Es gibt ja auch kein Kapitel für christlich-konservativen Extremismus im Verfassungsschutzbericht. Christlich-konservativ ist eben die bürgerliche Elite, die Bewahrerin des Wahren, Schönen und Guten. Oder doch nicht?

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Wozu Provokation? – zu Anzeigen gegen die Kreuzigungsaktion

 

Wer, wie ich, sehr lange mit Versuchen beschäftigt war, gewisse politische Anliegen in der Gesellschaft umzusetzen, weiß, dass ein Umstand das schlimmste Hindernis dabei ist: ignoriert zu werden. Die einzelnen Menschen durch persönliche Gespräche, Argumente oder Empathie zu überzeugen ist zwar notwendig, aber nur ein Teil des Erfolgs, nicht ausreichend für eine Änderung der Gesellschaft, wie ich in meinem Buch „Widerstand in der Demokratie“ darlege. Solange in der Gesellschaft kein Konflikt herrscht, wird es keine Änderung geben. Erst ein Konflikt weckt in den Verantwortlichen ein Bedürfnis nach Änderung. Deshalb müssen soziale Bewegungen ihre Anliegen auch immer wieder in Form von Provokation und Konflikt vorbringen.

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Tierethik im Christentum?!

Im katholischen Katechismus von 1997 Absatz 2415 steht wörtlich: „Tiere […] sind von Natur aus zum gemeinsamen Wohl der Menschheit von gestern, heute und morgen bestimmt.“ Und weiter in 2418: „Auch ist es unwürdig, für [Tiere] Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.“ Nachzulesen unter http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P8H.HTM

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Der Dompfarrer des Wiener Stefansdoms, Toni Faber, ist Jäger

 

In einer Aussendung deklariert sich der Dompfarrer des Wiener Stefansdoms, Toni Faber, als Jäger, er habe gerade die Jagdprüfung bestanden. Er beschwert sich auch, dass es in der Öffentlichkeit so viele Vorurteile gegen die Jagd gebe. Keine PolitikerInnen würden sich heute noch öffentlich zu ihrer Jagdleidenschaft bekennen, im Gegensatz zur Generation von Austrofaschismus und Drittem Reich seinerzeit, die mit Gewalt groß geworden ist und auf ihre Jagdtätigkeit stolz war und sie öffentlich zur Schau trug. Ich habe Faber daraufhin angeschrieben und gefragt, ob er bereit wäre, mit mir öffentlich über die Jagd zu diskutieren. Seltsamerweise lehnte er das ab. Er selbst hat diesen Mut, sich öffentlich zu rechtfertigen, offenbar auch nicht und es ist ihm ebenso kein Anliegen, die „Vorurteile“ der Öffentlichkeit gegenüber der Jagd zu beseitigen. Warum, fragt man sich. In seinem Email an mich legt er nahe, dass es nur die Jägerschaft etwas anginge, wie die Jagd durchgeführt werde, dafür brauche sich niemand öffentlich zu rechtfertigen. Faber vergisst dabei, dass wir in einer Demokratie leben, in der die Mehrheit entscheidet, in diesem Fall die nichtjagende Mehrheit über das Jagdgesetz. Daher ist die Jägerschaft sehr wohl der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig, was sie tut. Dass sich alle JägerInnen, wie auch Faber, vor der öffentlichen Diskussion drücken, belegt ihre Schuldgefühle und dass sie selbst erkennen, dass ihre Jagdlust mit keiner modernen Ethik vereinbar ist.

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