Gesellschaft

Treibjagd im Gatter keine Tierquälerei? Anfrage im Justizministerium

Wir haben zahlreiche Gatterjagden wegen Tierquälerei angezeigt. Die Jagd ist zwar aus dem Tierschutzgesetz, nicht aber aus dem Strafgesetzbuch ausgenommen. Dort steht im § 222, dass mit bis zu 2 Jahren Haft zu bestrafen ist, wer einem Tier unnötig Qualen zufügt oder ein Tier mit dem Vorsatz auf ein anderes hetzt, dass dieses Qualen erleide. Im Jagdgatter Ernstbrunn z.B. beobachteten wir insgesamt 3 Rehe, die aus Angst vor der Jagdhundemeute im Gatter voller Verzweiflung mit solcher Wucht gegen den Gatterzaun gesprungen sind, dass sie sich selbst verletzten. Diese Rehe hatten zu diesem Zeitpunkt Schonzeit. Es wurden ihnen zweifellos Qualen zugefügt. Es wurden zweifellos andere Tiere, nämlich die Jagdhunde, auf sie gehetzt. Und das war zweifellos völlig unnötig, weil einerseits Treibjagden in einem Gatter unnötig sind und weil andererseits diese Tiere gar nicht bejagt werden durften. Und die TäterInnen mussten wissen, dass ihre Aktivität diesen Rehen Qualen zufügen wird, also war es vorsätzlich. Deshalb haben wir Anzeige wegen Tierquälerei erstattet: https://martinballuch.com/anzeige-tierquaelerei-gegen-gatterjagd-der-prinzhorn-kg-ernstbrunn-noe/

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Kein Verständnis für Tierschutz?

Als Tierschutzorganisation bekommt man immer wieder sehr aggressive und bösartige Emails, wie jenes oben. Es gibt offensichtlich einige ZeitgenossInnen unter uns, denen Tierschutz an sich ein Dorn im Auge ist. Die meisten dieser Menschen werden vermutlich selbst in die eine oder andere Form des Tiermissbrauchs involviert sein und uns daher als Bedrohung für die Art ihrer Lebensführung ansehen. Das ist, wenn man so will, noch irgendwie verständlich. Doch es gibt auch andere, die es einfach nur irrsinnig ärgert, dass wir uns mit Tierschutz befassen, dass wir uns einmischen, wenn Tiere misshandelt werden, dass wir das Leid und Schicksal der Tiere überhaupt zum gesellschaftlichen oder gar politischen Thema machen.

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Die Demokratieunreife der österreichischen Regierungspolitik

Demokratie ist eine historisch junge Errungenschaft, und sie bedarf nicht nur einer Reife des partizipierenden Volkes, sondern auch seiner Regierung. Gerade in repräsentativen Demokratien ist das Potenzial für Missbrauch sehr hoch. Leider ist man hier in Österreich noch immer nicht wirklich bereit, das Volk mitsprechen zu lassen. Zum Beispiel das Wissenschaftsministerium. Nur mit massivem öffentlichen Druck konnte etwas so harmloses und vernünftiges wie ein Kriterienkatalog für eine ethische Abwägung zwischen Schaden und Nutzen durchgesetzt werden, aber der Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Mitterlehner zerstört das Projekt eiskalt, und das, obwohl die Bevölkerung sehr tierversuchskritisch ist und eindeutig eine strenge Schaden-Nutzen Abwägung fordert. Dieser Wunsch der großen Mehrheit ist Mitterlehner aber völlig egal. Er lässt das Tierversuchsgesetz genau so schreiben, wie es Pharmaindustrie und Universitäten wollen, Punkt aus. Keine Mitsprache, kein Mitbestimmen, kein Mehrheitsentscheid.

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Ein historischer Moment: Pressekonferenz mit dem Forstdirektor von Wien

Heute war Pressekonferenz im vegetarischen Restaurant Yamm am Universitätsring in Wien. Heuer habe ich schon einige solcher Events hinter mich gebracht und war dementsprechend wenig nervös. Doch da war dennoch eine Besonderheit des Augenblicks, die ich empfand, die aber an den hektisch um mich hin und her laufenden Menschen vorbei zu gleiten schien. Neben mir wird der Forstdirektor der Stadt Wien sprechen, also der Chef des zweitgrößten Jagdanbieters von Österreich, verantwortlich auch für die Gatterjagd im Lainzer Tiergarten. Zugegeben, der Lainzer Tiergarten ist mit 2500 ha größer als jedes andere Gatter in Österreich und historisch als Jagdrevier des Kaisers gewachsen. Aber auch eine noch so große Länge einer Kette ändert nichts daran, dass der Hund, der daran hängt, ein Kettenhund ist. Da geht es ums Prinzip.

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Meine erste Tierbefreiung

Kürzlich half ich mit, 17 Rebhühner aus den Klauen eines Herrn Mensdorff-Pouilly zu befreien. Diese Tiere stammen aus Ungarn, dort wurden sie gezüchtet, um Schießbudenfiguren für eine besonders infantile Form der Jagd abzugeben, ihre einzige Bestimmung. Diese 17 Tiere leben jetzt im Wiener Tierschutzhaus und sind vor dem Zugriff der Jägerschaft sicher. Ich habe mich zu der Befreiung öffentlich bekannt, aber die Staatsanwaltschaft zog es vor, mich nicht zu verfolgen. Die Bevölkerung war in dieser Frage auf meiner Seite.

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Unsere Bewusstseinsarbeit trägt Früchte!

Etwa 80 % unserer Arbeit ist die Verbreitung von Information und kritischen Gedanken zum Umgang mit Tieren. Die restlichen 20 %, in denen wir uns z.B. für direkte Gesetzesreformen einsetzen, haben einen ähnlichen Effekt in der Öffentlichkeit. Bei jeder Aktion, bei jedem Flugblatt, bei jedem Medienbericht, bei jeder neuen Ausgabe unserer Zeitung usw. erreichen wir Menschen, die wiederum andere Menschen informieren, und so diffundiert unser Gedankenanstoß immer weiter durch die Bevölkerung. Selbst wenn wir nicht gleich überzeugen, es arbeitet. Und oft arbeitet es über Jahre oder Jahrzehnte. Und manchmal wächst der durch unser aller Arbeit gepflanzte Samen erst in der nächsten Generation. Aber er wächst.
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Meine wechselnde Perspektive auf die Jägerschaft

Als Teenager schon ging ich mit großer Begeisterung in den Wald und über die Berge. Damals vor 40 Jahren waren konfrontative Begegnungen mit JägerInnen wirklich Alltag. Ein Jäger im Wienerwald schrie mich an, weil die Abenddämmerung schon eingesetzt hatte und ich noch immer unterwegs war, ein anderer bedrohte in Annaberg meine Mutter und mich um 15:30 Uhr auf einer Forststraße mit dem Gewehr, weil wir seinen Hirsch vertrieben hätten, wiederum andere entfernten einfach die Markierungen auf Wanderwegen wie z.B. auf das Hennesteck bei Mariazell, oder sie verboten das Weitergehen auf Forststraßen weil es sich um eine Jagdsperre handle usw. Meine zunehmende Ablehnung und richtige Allergie gegen alles, was mit der Jagd zu tun hatte, führte mich schließlich dazu, in England 8 Jahre lang im Vorstand der Hunt Saboteurs Association aktiv zu sein. Zweimal pro Woche konfrontierte ich JägerInnen vor allem bei Hetzjagden, aber auch bei den Schüssen auf gezüchtete Moorhennen im englischen Hochland oder auf Fasane in East Anglia.
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Ich bremse auch für Tiere!

Kennen Sie den Aufkleber „Ich bremse auch für Tiere“? Er bezieht sich auf die Gerichtspraxis, dass AutofahrerInnen, die wegen eines Tieres notbremsen und dadurch einen Auffahrunfall verursachen, schuldig im Sinne der Straßenverkehrsordnung seien. Für Tiere zu bremsen sei eine Gefährdung von Menschen und daher zu unterlassen, außer das betreffende Tier ist so groß, dass ein Zusammenstoß seinerseits wieder Menschen gefährden würde. Tiere und ihr Schicksal spielen dagegen keine Rolle. Der Aufkleber soll nun dazu dienen, einerseits gegen diese Judikatur zu protestieren, und andererseits die hinterherfahrenden AutofahrerInnen darauf aufmerksam zu machen, dass man für Tiere notbremsen werde und daher mehr Abstand zu halten ist. Die Hoffnung dabei: kommt es trotz dieser Warnung zu einem Auffahrunfall, dann kann man argumentieren, dass die nachfolgenden AutofahrerInnen besser hätten achtgeben müssen.

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Ein subjektiver Rückblick auf das Tierschutzjahr 2014

In Österreich ist der Tierschutz im internationalen Vergleich eine Erfolgsstory. Noch vor 20 Jahren gab es praktisch keine Fortschritte im Tierschutzrecht, Veganismus war völlig unbekannt und die Szene war sehr unpolitisch, d.h. auf Tierheimarbeit konzentriert. Heute haben wir die vermutlich höchste Rate an VeganerInnen, ebenso an VegetarierInnen, wenn man von jenen Ländern absieht, die diesbezüglich religiöse Traditionen haben, wie Indien, wir haben die weltweit größte Vegane Gesellschaft, den weltweit größten Tierschutzverein (Vier Pfoten) und die relativ meisten politischen Tierschutzaktivitäten wie Demos, Aktionen und Infokundgebungen, aber auch Kongresse, Tierschutzläufe und Animal Liberation Workshops. Und wir haben, alles in allem, das beste Tierschutzgesetz der Welt.
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