Ich bremse auch für Tiere!

Kennen Sie den Aufkleber „Ich bremse auch für Tiere“? Er bezieht sich auf die Gerichtspraxis, dass AutofahrerInnen, die wegen eines Tieres notbremsen und dadurch einen Auffahrunfall verursachen, schuldig im Sinne der Straßenverkehrsordnung seien. Für Tiere zu bremsen sei eine Gefährdung von Menschen und daher zu unterlassen, außer das betreffende Tier ist so groß, dass ein Zusammenstoß seinerseits wieder Menschen gefährden würde. Tiere und ihr Schicksal spielen dagegen keine Rolle. Der Aufkleber soll nun dazu dienen, einerseits gegen diese Judikatur zu protestieren, und andererseits die hinterherfahrenden AutofahrerInnen darauf aufmerksam zu machen, dass man für Tiere notbremsen werde und daher mehr Abstand zu halten ist. Die Hoffnung dabei: kommt es trotz dieser Warnung zu einem Auffahrunfall, dann kann man argumentieren, dass die nachfolgenden AutofahrerInnen besser hätten achtgeben müssen.

Hier ein Beispiel eines Urteils des Bezirksgerichts Mödling. Ein Mann wurde schuldig gesprochen, den Unfall zumindest mitverantwortet zu haben, weil er für ein Eichhörnchen gebremst hatte. Die Urteilsbegründung lautet so:

Eichhörnchenprozess1Eichhörnchenprozess2

Unfassbar! Und das, trotzdem Tiere nach § 285a ABGB keine Sachen mehr sind und §1 Tierschutzgesetz normiert, dass das Wohlergehen und Leben von Tieren zu schützen ist. Aber dieses Urteil wurde noch gefällt, bevor Tierschutz zum Staatsziel in der Verfassung wurde. Vielleicht tippt dieser Umstand, zusammen mit der ständig steigenden Wertschätzung von Tieren und von Tierschutz in der Gesellschaft, die Waage der Gerechtigkeit in die Gegenrichtung. Ich kann jedenfalls nur dazu aufrufen, in jedem Fall für Tiere zu bremsen und sich von derartig anachronistisch tierfeindlichen Urteilen nicht davon abhalten zu lassen.

5 thoughts on “Ich bremse auch für Tiere!

  1. Veronika says:

    Die „Wiener Linien“ bremsen auch für Tiere, wie ein Sprecher sagte. Gerade wurde ein Hund von den U-Bahn geleisen gerettet. 🙂

  2. dominik says:

    ach……..
    und wieviele Tiere mussten sterben, dafür das euer computer gebaut werden konnte (auf dem ihr eure Kommentare schreibt) und ganz zu schweigen von dem Strom der (hoffentlich) aus Wasserkraft oder anderer erneuerbarer Energie stammt…..
    no offend
    just food for thoughts

  3. amor says:

    Für den französischen Straßenverkehr gilt folgende Regel: „ich bin verantwortlich für das, was vor und nicht hinten mir passiert“!
    Es sagt nichts anderes, als das was auch mein Fahrschullehrer sagte:
    „ vorausschauend fahren, rechtzeitig bremsen und Abstand halten, dann kann nicht viel passieren“.
    Wenn ich plötzlich einen Wadenkrampf oder einen Herzstich bekomme, habe ich auch einen triftigen Grund voll zu bremsen.
    Bremst der Nächste rechtzeitig, dann ist gut, und wenn nicht, dann ist seine Schuld.
    Nicht die Vollbremsung ist die häufige Unfallursache, sondern der nicht eingehaltene Fahrabstand.

    Gerettete Tiere durch Vollbremse bei mir (bis jetzt):
    Drei Igel, vier Frösche, zwei Füchse, drei Katzen, ein blinder Hund.
    Übrigens: allein mit Vollbremse ist ein Tier noch nicht in Sicherheit.
    Die meisten werden geblendet und bleiben Mitte auf der Straße stehend.
    Der Igel muss wieder auf die Wiese, die Frösche so schnell wie möglich ins Wasser.
    Ich habe immer dabei: harte Handschuhe, einen kleinen Box, warme Decken und natürlich Tierfutter.
    Außerdem und als Ausrüstung für jeden Fall: Zange, Ferngläser, Aufnahmegerät, und natürlich Handy.
    Mit den Jahren, verlasse ich mich nicht nur auf meinen Ohren und Augen, ich habe einen sechsten Sinn entwickelt, mit dem ich einige Tiere retten konnte: die Intuition.
    Und weil ich Mitte im Wald wohne, bin ich immer auf das Schlimmste vorbereitet.
    Amor

  4. Tina says:

    Völlig idiotisch, ich bremse schon reflexhaft ab, wenn mir jemand ins Auto zu laufen droht, an die Rechtslage könnte ich sowieso erst nachher denken.

    Kann aber nur dazu aufrufen, mehr Fahrrad zu fahren, da wäre auch ein Eichkätzchen gefährlich und man „dürfte“ vermutlich ungestraft bremsen. Wobei man da dann wieder dazu neigt, Schnecken und Käfer zu umrunden, was dann wohl wieder strafbar wäre.

  5. Martin C. says:

    Mein Gewissen ließe mir ohnehin keine andere Wahl als zu bremsen, da kann im Gesetz stehen was will …

Leave a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Schnabelverstümmelung bei Puten in Österreich – der traurige Normalfall

Sie liegen in jeder Putenfabrik herum, diese Zangen. Das Küken wird ergriffen, der Schnabel mit Gewalt auseinander gezwungen. Dann schieben...

Legebatterien: wenn uns die Vergangenheit einholt

Anfang der 1990er Jahre, in den Kindertagen der modernen österreichischen Tierschutzbewegung, wurden praktisch ausnahmslos alle Legehühner in Käfigen gehalten. Diese...

Ein Blick auf den Hundeverstand

Ach könnte ich nur einmal mit einem Hund tauschen, um zu wissen was er denkt, seufzte ein Wissenschaftler im Gespräch...

Schließen