James Sims: Menschenversuche 1845

Wie oft habe ich es schon gehört! Wer gegen Tierversuche ist, darf keine Medikamente nehmen, weil die alle irgendwann an Tieren getestet worden seien. Ob das jetzt stimmt oder nicht, Faktum bleibt, dass es doch hanebüchen wäre, bekanntes Wissen nicht zu nutzen, wenn das notwendig ist, egal wie man dazu gekommen ist. Wir müssen zukünftige Tierversuche vermeiden, vergangene können wir nicht mehr wieder gutmachen.

An dieser Stelle lächeln meine Gesprächspartner_innen zumeist überheblich, weisen auf ihre Einstellung zu Menschenrechten hin und sagen, sie würden solche Ergebnisse aus Menschenversuchen nie verwenden. Tja, stimmt nicht. Es gibt sehr viele Beispiele. Nicht nur, wie ich anderswo hingewiesen habe, dass man sogar Ergebnisse von Menschenversuchen im Dritten Reich verwendet hat, oder die unsäglichen Menschenversuche mit Geschlechtskrankheiten Mitte des 20. Jahrhunders, die zur Helsinki Deklaration der Menschenrechte 1964 geführt haben, die invasive Menschenversuche gegen den Willen der betroffenen Menschen als Versuchsobjekte ausschließen. In der Zeitschrift „New Scientist“ vom 26. Jänner 2019 bin ich auf ein weiteres Beispiel gestoßen.

James Marion Sims ist 1813 in den USA geboren worden und mit seiner Frau 1845 nach Montgomery in Alabama gezogen. Er gilt als Vater der modernen Gynäkologie. Und die entwickelte er an Sklavinnen, die er zum Teil sogar für seine Experimente kaufte oder sich ausborgte. An diesen „Versuchsobjekten“ hat er ohne Anästhesie (die kurz davor erfunden wurde) Operationen durchgeführt, weil er der Meinung war, dass Frauen mit schwarzer Hautfarbe weniger spüren würden als Frauen mit weißer Hautfarbe, und deshalb keine Anästhesie bräuchten. An manchen dieser Frauen führte er bis zu 30 Operationen durch. Und zwar schnitt er dabei vaginale Fisteln auf und versuche sie operativ zu entfernen. Dazu entwickelte er auch das Spekulum und verschiedene Operationspositionen, die heute noch seinen Namen tragen. Im Übrigen dürfte er zeitgenössischen Berichten zufolge freundlich und keinesfalls sadistisch im Umgang mit seinen Sklavinnen gewesen sein. Hätte man ihm von den 3R erzählt, wäre er sicher dafür gewesen. Jedenfalls waren seine Versuche erfolgreich, und vaginale Fisteln wurden durch ihn behandelbar. Offenbar wendet man seine Methode – mit Anästhesie – bis heute an.

Im „New Scientist“ wird diskutiert, ob man seine Ergebnisse angesichts dieser Menschenversuche überhaupt verwenden dürfe. Na klar, ist die Antwort. Es wäre doch absurd, ein bereits bekanntes Wissen nicht zu nutzen, wenn das anderen Menschen helfen kann. Aha!

Für Sims gibt es zahlreiche Denkmäler, auch Straßen sind nach ihm benannt und auf die Orte seiner Wohnhäuser wird mit Plaketten hingewiesen. Für seine „Versuchsobjekte“ gibt es kein Denkmal. Man kennt nicht einmal von allen die Namen. Lediglich ein paar Vornamen sind überliefert. Aus dem Central Park in New York hat man allerdings 2018 sein Denkmal entfernt und zu seinem Grab gestellt.

One thought on “James Sims: Menschenversuche 1845

  1. Maria Sand says:

    Bei manchen Berufsgruppen ist der Anteil an Psychopathen und/oder Sadisten besonders groß. Dazu gehören medizinisches Personal, Polizei und Manager. Was die Manager – und dazu zähle ich auch die Politiker, denn hier geht es um Macht und Geld – betrifft, wurde das bereits wissenschaftlich untersucht. Ich glaube so an die 40% beim medizinischen Personal sind Psychopathen, oder Sadisten. Das erklärt, weshalb gerade Politiker und Manager gerne jagen gehen. Sie sind nicht fähig, Gefühle für andere Lebewesen zu empfinden. Im Grunde genommen sind es arme Menschen, denn ihnen fehlt es etwas sehr Wichtiges. Das wissen sie wahrscheinlich schon. Deshalb verbrämen sie ihre sadistischen Neigungen, bzw. ihre emotionale Kälte, indem sie sich wichtig geben. Sie reden uns ein, Retter der Menschheit zu sein. Etwa indem sie Tiere zu tode quälen. Das müssen sie verteidigen und darin sind diese Leute sich alle einig. Argumente schmettern sie dann eben mit solchen Bemerkungen ab: „Ohne diese Quälerei wäre die Medizin nicht dort, wo sie heute ist. Wenn ihr etwas dagegen habt, nehmt keine Medikamente!“ Dabei sterben durch diese Medikamente sehr sehr viele Menschen. Und viele führen ein elendes Leben, wegen dieser Medikamente. Stichwort Alzheimer. Man muss irgendwann, irgendwie für alles bezahlen, was man tut. In Wahrheit ist es außerdem so, dass jedes Medikament auch an Menschen getestet wird. Das macht man in den armen Ländern mit Menschen, die vielfach nicht begreifen was man mit ihnen macht. Und diese Psychopathen die Tiere quälen, würden jederzeit dasselbe mit Menschen machen. Das wurde ihnen verboten, also sperren sie die Testpersonen nicht in Käfige und schläfern sie nicht ein, nachdem man sie behandelt hat – oder eben nicht. Aber das Prinzip ist dasselbe. Andererseits testet man Gifte an Tieren. Im Prinzip stellt man eigentlich nur fest, wie viel Gift ein bestimmtes Tier ertragen kann, bis es daran stirbt. Menschen reagieren ja ganz anders. Wir Menschen essen zwar nicht so hohe Dosen Gift, wie man sie Tieren verabreicht, dafür aber unzählige verschiedene, über einen langen Zeitraum hinweg. Im Prinzip sind wir alle Versuchstiere. Wir wissen es nur nicht. Erst wenn die Kinder mit fehlenden Gliedern auf die Welt kommen, oder irgendwo viele Krebsfälle auftreten, wird uns das bewusst. Wir bezahlen für die Schuld, an der wir partizipieren. Jetzt, oder in unserem nächsten Leben. Wir sind in diesem Kreislauf von Verbrechen und Schuld gefangen. Deshalb greifen viele Menschen heute zu Globuli, statt zu echten Medikamenten. Auch wenn es ihnen vielleicht nicht bewusst ist: sie wollen nicht schuldig sein und weigern sich deshalb, Medikamente zu nehmen. Die Homöopathie erscheint ihnen als ein Ausweg. Würden sie offen Medikamente verweigern, kämen sie sich wie Selbstmörder vor. So aber glauben sie, ihrem Körper zu helfen. So stehlen sie sich aus dem psychischen Dilemma.

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