Neuer Überwachungssensor: streichholzgroß, Abhörung auf 25 m Distanz

Die Überwachungstechnologie entwickelt sich rasant. Nicht nur, was wir am Telefon sprechen, per SMS oder Email verschicken oder was zu Hause, im Büro oder im Auto gesprochen wird (Lauschangriff mittels verstecktem Mikrophon). Im New Scientist vom 28. September 2013 wird ein neuer Sensor der holländischen Firma Microflown Technologies mit erstaunlich kritischen Worten vorgestellt. Bisher musste man, steht in dem Artikel, wenn man sicher gehen wollte, nicht abgehört zu werden, mit den GesprächspartnerInnen irgendwo in den öffentlichen Raum gehen und unter vielen anderen Menschen miteinander reden. Um das abzuhören müsste sich die Polizei mit einer großen Parabolantenne in direkte Linie zu den abzuhörenden Personen setzen und die Antenne auf sie richten. Das ist allerdings ziemlich auffällig.

Der neue Sensor ist nur so groß wie ein Streichholz. In seinem Inneren befindet sich 2 parallele Platinumstreifen, jeweils 200 Nanometer tief, die auf 200 Grad Celsius aufgeheizt werden. Aus dem Strömungsmuster der Luft über die beiden Streifen errechnet ein Mikroprozessor das Schallwellenmuster. Ein jeweils in diesem Muster gefundenes Geräusch kann sofort exakt lokalisiert werden. Die Schallwellen von dieser Quelle werden dann verstärkt und von den anderen Störgeräuschen gesäubert aufgenommen. Auf diese Weise kann mit diesem winzigen Sensor ein normal laut geführtes Gespräch zwischen 2 Menschen, die 25 m entfernt unter vielen anderen Menschen miteinander reden, exakt abgehört und aufgenommen werden.

Der Firmengründer Hans-Elias de Bree schwärmt von der Anwendung: seine Sensoren könnten an Parkbänken oder auf Verkehrsampeln oder Straßenlaternen angebracht werden und permanent alle Gespräche in der Umgebung belauschen. Bei einem Stichwort, wie z.B. „Bombe“, könnte der Sensor sofort feststellen, wer es gesagt hat und wie das Gespräch dann weitergegangen ist. De Bree sieht auch die Möglichkeit, damit Demonstrationen zu überwachen und mittels Drohnen Verdächtige permanent zu verfolgen und abzuhören.

Das ist selbst New Scientist zu viel. Im selben Magazin findet sich ein kritischer Artikel über die automatisierte Überwachung aller Gesetze mit instantaner Bestrafung. Das würde zu einem Zusammenbruch der Gesellschaft führen, wie wir sie kennen, weil fast alle Menschen immer wieder kleinere Gesetzesübertretungen begehen und ohne Toleranzrahmen und einer gewissen Privatsphäre in der totalen Überwachung kein normales Leben mehr möglich wäre. Den neuen Sensor bezeichnet der Sicherheitsexperte im New Scientist als „unwelcome“, angesichts des Überwachungsskandals der NSA. Es ginge ja nicht nur um diesen einen Sensor, sondern diese neue Technologie in Kombination mit Drohnen, Signalverarbeitung und der automatisierten Personenerkennung an den Sprachcharakteristika, die praktisch flächendeckend eine Vollüberwachung jeder Lebensäußerung jedes Menschen ermöglicht.

3 thoughts on “Neuer Überwachungssensor: streichholzgroß, Abhörung auf 25 m Distanz

  1. Alice Berg says:

    Ein totalitäres Regime (eine Sonderform der Diktatur, wie sie im Dritten Reich bzw. auch in einigen kommunistischen Ländern der Fall war): Unbeschränkte Herrschaft, die alle Lebensbereiche des Menschen umfasst und kontrolliert. Noch nicht SO weit? Noch nicht? Ein Frosch, den man in kochendes Wasser setzt, springt raus. Ein Frosch, den man in lauwarmes Wasser setzt und die Temperatur dann stetig immer weiter erhöht, bleibt sitzen, bis er gekocht ist. Datenschutz, bürgerliche Freiheiten, Demokratie und das Recht auf politischen Widerstand sind zu inhaltsleeren Floskeln verkommen. Brauchst du nicht? Dir kann eh nichts passieren? Das dachte der Frosch im zweiten Beispiel auch. Eine Demokratie braucht keine Frösche, sie benötigt mündige, aktive Bürger, andernfalls wird aus einer Demokratie heutzutage ein von Lobbyisten gelenktes totalitäres Regime. (Du und auch staatl. Stellen dürfen nichts tun, was die Gewinne der Konzerne schmälern könnte. Auch nicht gegen genmanipulierte Lebensmittel protestieren) Glaubst nicht? siehe Freihandelsabkommen mit den USA. Weit weg? Siehe „Anzeige wegen Nötigung“ gegen Mitglieder des VGT. Was der deregulierte Turbo-Kapitalismus mit den Ländern der Dritten Welt angestellt hat, setzt er nun auch in Europa um. Sei kein Frosch – informiere dich und protestiere, solange das überhaupt noch möglich ist.

  2. Martin C. says:

    In Zukunft Persönliches dem/der Gesprächspartner/in nur noch mit abschirmender Hand leise ins Ohr flüstern und Diskussionen ausschließlich auf offenen Gewässern – mindestens 25m vom Ufer bzw. diversen Schwimmkörpern entfernt – führen.

    Und da soll einer nicht paranoid werden …

  3. Alle says:

    Shit! *augenverschliess*

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