Burgenland

Warum will Landeshauptmann Doskozil das Gatterjagdverbot im Burgenland kippen?

Die Gatterjagd ist ein ganz seltsames Relikt aus der Feudalzeit. Weil es insbesondere dem Adel zu langweilig geworden war, in freier Wildbahn auf Tiere zu warten und alle heiligen Zeiten einmal zu schießen, kam die Idee auf, Wildtiere einfach in umzäunten Gehegen zu züchten und dort gleich abzuballern. Das Jagdgatter war geboren und ist uns bis heute erhalten geblieben.

Insbesondere im Burgenland ist die Gatterjagd Tradition des ehemaligen Adels, von Esterhazy über Mensdorff-Pouilly bis Draskovich. Im Jagdgatter von Mensdorff-Pouilly findet man Käfige, abgegrenzte Untergatter für neu heran gekarrte Wildtiere und eine Arena wie im Kolosseum.

Besonders gefragt sind die großen kapitalen Trophäenträger. Da man diese Tiere gut 15 Jahre lang füttern muss, bevor sie kapital werden, sind sie an Menschen gewöhnt. Kommen dann die zahlenden Jagdgäste zur Gatterjagd, dann muss eine „Wildnis“ mit „wilden“ Tieren vorgetäuscht werden: man hetzt also die Tiere mit Treiberkolonnen auf und ab, bis auch der verschlafendste Jagdgast die bestellten Tiere geschossen hat. Die Tiere erleiden stundenlang Todesangst und weil sie im vollen Galopp flüchten, wenn sie beschossen werden, gibt es zahllose Verletzungen.

Das Jagdgatter von Esterhazy bietet sogar eine Preisliste für Abschüsse im Internet, siehe https://martinballuch.com/die-gatterjagd-im-tiergarten-esterhazy-im-burgenland/. Kapitale Rothirsche kosten bis zu 22.000 Euro! Man muss nur das Formular ausfüllen, benötigt nicht einmal ein Gewehr, und ist schon dabei, wenn man das Geld im vorhinein überwiesen hat.

Der VGT hat von 2015-2017 viele dieser Gatterjagden dokumentiert, die Zuchtgatter für die Wildtiere aufgedeckt, von wo aus sie in das Jagdgatter zum Abschuss transferiert werden, und insgesamt 5 Gutachten vorgelegt, dass die Gatterjagd Tierquälerei ist und verboten werden muss. Am 15. Mai 2017 war es dann endlich soweit: das Gatterjagdverbot, § 170 (3) des Jagdgesetzes, trat in Kraft. Es sah eine Übergangsfrist bis zum 1. Februar 2023 für bestehende Jagdgatter vor.

Ab da war alles auf Schiene. Der Kompromiss mit der Jägerschaft war die lange Übergangsfrist. Dass die Gatterjagd in den Mistkübel der Geschichte zu wandern habe, war eigentlich allen Beteiligten klar. Diese Ansicht hatte auch die Große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

Dann wechselte der Landeshauptmann. Hans-Peter Doskozil übernahm von Hans Niessl. Die SPÖ hatte die absolute Mehrheit und konnte allein regieren. Da brachte die Landesregierung überraschend und ohne Vorwarnung eine Änderung des Jagdgesetzes in Begutachtung. Das Gatterjagdverbot soll ersatzlos gestrichen werden:

Unfassbar! In 35 Jahren Tierschutzarbeit habe ich noch nie erlebt, dass ein mühsam jahrelang ausgehandelter Kompromiss, der bereits 3 1/2 (!) Jahre Gesetzeskraft hat, einfach so mir nichts dir nichts wieder entfernt werden soll. Ohne ersichtlichen Grund. Oder nicht?

Doskozil ist kein unbeschriebenes Blatt in der Gatterjagd. Als wir vom VGT die Gatterjagd von Mensdorff-Pouilly vom öffentlichen Grund außerhalb des Gatters filmen wollten, wurden wir durch eine Sperrzone überrascht, die ein gewisser Hans-Peter Doskozil, damals Landespolizeikommandant, erlassen hatte. Diese Sperrzone wurde von 7 polizeilichen Straßensperren überwacht, die keine Tierschützer_innen durchließen. Tierschutzkameras durften nur bis auf 200 m, später sogar 2 km, an das Jagdgatter heran kommen. Und das bei jeder einzelnen Jagd des Herrn Mensdorff-Pouilly. Wie erklärt sich das?

Mensdorff-Pouilly wurde dazu im Untersuchungsausschuss zum Tierschutzprozess mehrfach befragt. Er gab zu, mit Doskozil über das „Problem“ Tierschutzaktivist_innen des VGT gesprochen zu haben:

Diese Sperrzone war allerdings rechtswidrig. Das jedenfalls hat nach eine Berufung des VGT das Landesverwaltungsgericht Eisenstadt entschieden:

Das Platzverbot bzw. diese Sperrzone war selektiv gegen Tierschutzaktivist_innen gerichtet und hatte keine objektive Begründung, die den Gesetzen entsprechen würde. Die wahre Begründung war ja nur, zu verhindern, dass Filmmaterial von der Gatterjagd an die Öffentlichkeit dringt. Und das hatte das Gericht rasch durchschaut, weil Doskozil keine vernünftige Begründung für seine Sperrzone vorbringen konnte. Doskozil hatte also nach einem Gespräch mit Mensdorff-Pouilly eine rechtswidrige Sperrzone verordnet, um eine Aufdeckung über die Tierquälerei bei der Gatterjagd von Mensdorff-Pouilly zu verhindern.

Nun, dann kam dennoch das Gatterjagdverbot. Trotz Doskozils Interventionen. Esterhazy lag zu dieser Zeit mit der Landesregierung in mehrfacher Hinsicht im Konflikt. Da ging es um die Umfahrung von Schützen im Gebirge, wo Esterhazy enteignet werden sollte. Da ging es um die Oper im Steinbruch, wo Esterhazy der Landesregierung den Pachtvertrag nicht verlängerte. Und dann ging es um das Schloss Esterhazy, das dem Land vermietet war und für dessen Renovierung Esterhazy 11 Millionen Euro von der Landesregierung haben wollte und zu klagen bereit war.

Plötzlich, die Einigung. Wer zieht dabei die Fäden? Doskozil:

Eine Einigung setzt ein Entgegenkommen von beiden Seiten voraus. Was bekam Esterhazy dafür, das Land doch nicht zu klagen? Da wird es schon Gegenleistungen gegeben haben. Auffällig ist nur, dass Esterhazy das größte Jagdgatter im Burgenland betreibt und das just derselbe Doskozil nun das Gatterjagdverbot aufheben will. Ohne offizielle Begründung. Ersatzlos. Einfach so. Nachdem es 3 1/2 Jahre bereits in Kraft war. Knapp vor Ende der Übergangsfrist für die bestehenden Jagdgatter, darunter jenes von Esterhazy.

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Nur ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Vielleicht sollte es auch einen Untersuchungsausschuss Esterhazy und nicht nur Novomatic im Parlament geben?

Ende der Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten im Burgenland – oder doch nicht?

Wieviele Jahrzehnte beobachte ich jetzt schon die infantile Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten, insbesondere im Burgenland und dort insbesondere bei Alfons Mensdorff-Pouilly im Süden und an der Leitha samt Nebenflüssen im Norden! Eine alte Tradition der Großgrundbesitzer_innen und Adeligen.

Was das Aussetzen von Zuchtenten betrifft, erübrigt sich jede Diskussion. Stockenten sind nicht am Aussterben und brauchen definitiv keine Bestandsstütze. Sie zu züchten und dann auszusetzen, um sie wieder abzuknallen, dient also ausschließlich der seltsamen Lust am Töten dieser Tiere. Im Bereich der Leitha im Nordburgenland waren es tausende Enten, die zunächst in einer Voliere und dann an den Flüssen noch flugunfähig hingesetzt und massenweise gefüttert wurden. Eigens angestellte Personen hielten sie dort, töteten alle Beutegreifer der Umgebung, um die hilflosen Enten in möglichst großer Zahl zu erhalten, und fütterten, fütterten, fütterten. Wie oft sah ich dort täglich, wie riesige LKW-Ladungen von Mais ausgeschüttet wurden. Ratten zuhauf und ein verseuchtes Wasser waren die Folge. Und dann dokumentierten wir den Abschuss. Ein unfassbares Verhalten erwachsener Menschen. Die Tiere, die nicht sehr scheu sind und eigentlich gar nicht auffliegen wollen, werden von Hunden gehetzt, bis sie endlich fliegen, und dann mit Schrot beschossen, sodass sie aus dem Himmel fallen, um dann verletzt von Jagdhunden „apportiert“ zu werden. Die Dressur von Jagdhunden zur Entenjagd haben wir in der Steiermark dokumentiert: Zuchtenten mit zusammengeklebten Flügeln werden ins Wasser gesetzt und von schwimmenden Hunden verfolgt. Eine furchtbare Tierquälerei und total sinnlos, in jeder Hinsicht.

Bei Mensdorff-Pouilly im Südburgenland aber war die Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten noch ein bisschen absurder. Die Enten wurden mit dem Tiertransport aus Ungarn gebracht und auf 2 künstlichen Ententeichen, die mit Elektrozäunen umgeben waren, ausgesetzt. Dann dressierte man die Vögel darauf, nach dem Pfiff mit einer Trillerpfeife aus dem Wasser zu kommen und dem pfeifenden Menschen zu Fuß zu folgen. Der führte die Tiere zu einer Voliere im nahen Wald, wo sie Futter bekamen. Zum Jagdtermin wurden die Enten wiederum in die Voliere gelockt, aber dann dort zurückgehalten. Nachdem die Jagdgesellschaft um den Ententeich Aufstellung genommen hatte, wurden die Enten einzeln freigelassen und zum Rückflug aufgescheucht. Die Tiere wurden dann aus dem Himmel geschossen und von Jagdhunden zumeist verletzt apportiert.

Jahr für Jahr haben wir diese Aktivitäten dokumentiert und an die Öffentlichkeit gebracht. Jahr für Jahr versuchten Bezirkshauptmannschaften und Polizei massiv uns an dieser Tierschutzarbeit zu hindern. Es gab Sperrzonen, die dann vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden, gesetzwidrige Blockaden unserer Fahrzeuge durch die Polizei, wie vom Landesverwaltungsgericht Eisenstadt festgestellt, und Strafen durch die BHs. Unsere Anzeigen dagegen versandeten.

Doch unsere Kampagne hatte Auswirkungen. Zuerst wurde die Zeit bis zum Aussetzen der Zuchttiere verlängert, dann, im Frühsommer 2020, kam auch im Burgenland das Verbot, Zuchttiere für die Jagd auszusetzen. Nach Wien, Vorarlberg, Salzburg und dem Aussetzverbot jedenfalls für Zuchtenten in der Steiermark (wo das Aussetzen von Fasanen und Rebhühnern leider weiter explizit erlaubt blieb).

Und haltet sich die Jägerschaft im Burgenland daran? Man kennt das ja, in den Augen dieser Zuchttierjäger_innen sind Gesetze nur für andere Menschen da, ihnen sind sie egal. Im Nordburgenland wurden tatsächlich die Fasanerien abgebaut, aber es wurden wiederum Zuchtenten an der Leitha ausgesetzt, wenn auch in viel kleinerem Rahmen. Und es wird massiv gefüttert, um erwachsene Enten von anderswo anzulocken.

Bei Mensdorff-Pouilly ist es umgekehrt. Da sind wieder Fasane in den Volieren, aber keine Zuchtenten mehr in den Kunstteichen. Bei einem der Teiche wurde sogar der Elektrozaun bereits abgebaut. Und die Voliere, aus der die Enten zu den wartenden Jäger_innen getrieben worden sind, hat ein umgestürzter Baum vernichtet.

Wir kennen das ja. Ein neues Gesetz zum Schutz der Tiere wird zunächst ignoriert und nicht exekutiert. Doch wir bleiben dran, haben wieder Anzeige erstattet. Mit ausreichend öffentlichem Druck könnte tatsächlich das Ende der Jagd auf ausgesetzte Zuchtvögel im Burgenland vor der Tür stehen!

Das Bild ganz oben zeigt den westlichen der Kunstteiche von Mensdorff-Pouilly früher (rechts) und heute (links). Der Elektrozaun ist weitgehend abgebaut, Enten wurden nicht ausgesetzt.

Anders auf der Leitha. Auch hier früher (rechts) und heute (links). Ein gewisser Fortschritt, nur mehr 10 % der Anzahl von früher. Aber auch das muss enden!

Entenaussetzen an der Leitha 2020 (links) und 2019 (rechts)