Burgenland

Volksabstimmung: die 2. Hürde im Visier

Volksabstimmung ist das Einzige, was ich in den letzten Wochen denken kann. Volksabstimmung, Stimmen zählen, Unterschriften nummerieren, in Sackerln für jede Gemeinde aufteilen. Wussten Sie, dass man 2 kg (in Worten: 2 Kilogramm!) Heftklammern braucht, um eine Volksabstimmung im Burgenland zu erreichen? Und nicht nur das. Selbst mein kleines Töchterchen, siehe Foto, wird eingespannt. Für die Stimmübergabe bei der Landesregierung hat sie sich sogar ein Hirschgeweih gebastelt und ein Plakat gemalt. Das andere Plakat stammt von ihren Freund:innen aus ihrem Kindergarten.

Wenn ich so mit verschiedenen Personen spreche, wird mir klar, dass man sich von außen den Aufwand nicht vorstellen kann, den man sich mit dem Projekt Volksabstimmung einhandelt. Deshalb hier kurz eine Darstellung.

Zuerst muss man die Stimmen sammeln, zumeist auf der Straße, momentan in großer Kälte. Und aufgrund des harten Lockdowns praktisch ohne Menschen auf der Straße. Im Mittel sind 280 Unterschriften pro Tag notwendig, um nach 8 Wochen genügend Stimmen zu haben. Im harten Lockdown kommt ein Sammeltisch auf der Straße in 4 Stunden auf vielleicht 40 Unterschriften.

Diese Unterschriften landen letztlich in unserem Büro. Dort werden sie geprüft, es wird die Gemeinde und der politische Bezirk ausgefüllt und dann wird der Antrag auf Volksabstimmung (A6 Zettel) vom Antrag auf Wahlrechtsbestätigung (A4) getrennt. Beides wird separat in Sackerln gesteckt, für jede Gemeinde eines (oder mehrere, je nach Anzahl der Unterschriften). 171 Gemeinden gibts im Burgenland, also entstehen 171 Häufchen mit Unterschriften nebeneinander, wenn wir die gesammelten Unterschriften jeden Sonntag und Mittwoch aufarbeiten. Zum Glück hat unser Büro einen so langen Gang!

Dann werden die Sackerln mit den Wahlrechtsbestätigungen auf Gemeinderouten aufgeteilt. An einem Tag kann man bis zu 15 Gemeinden anfahren und die Bestätigungsanträge abgeben. Am nächsten Tag muss man dieselbe Route erneut fahren, um die Bestätigungen wieder abzuholen. Dabei stellt sich heraus, dass gut 10 % der Unterschriften von Menschen stammen, die sich entweder beim Ausfüllen verschrieben haben, oder die nicht wahlberechtigt sind. Es bleiben also nur 90 % übrig.

Wenn die Wahlrechtsbestätigungen aus den Gemeinden zurück kommen, dann werden sie wieder mit den zugehörigen Anträgen auf Volksabstimmung derselben Person zusammengeführt. Kein leichtes Unterfangen bei 1500 Zetteln im Mittel jede Woche. Die beiden Zettel, die Bestätigung des Wahlrechts und der Antrag auf Volksabstimmung, werden nun zusammengeheftet und nummeriert. Dann werden sie zur Landesregierung gebracht, die noch einmal 0,5 % davon für ungültig erklärt.

Was für ein ungeheuerlicher Aufwand! So sieht das aber das Volksabstimmungsgesetz im Burgenland vor, das aus einer Zeit stammt, als es noch keine Computer gab. Es arbeiten wirklich gut 100 Menschen an diesem Projekt, und müssen für Monate ihre Wochenenden und jede freie Minute opfern, damit die Arbeit bewältigt wird. Dabei ginge alles viel einfacher: online unterschreiben oder Unterschriften im Landhaus abgeben und das Amt der Landesregierung, das sowieso alles noch einmal prüft, checkt auch die Wählerevidenz. Seit es Computer gibt, sollte das sehr einfach gehen.

Und dennoch sind wir am Ball. Niemand hätte das anfangs für möglich gehalten, aber wir liegen knapp unterm Plansoll. Letzten Donnerstag haben mein Töchterchen und ich (siehe oben), zusammen mit der Sprecherin des Projekts, die das Foto aufgenommen hat, 7251 von den Gemeinden bestätigte Stimmen der Landesregierung überreicht. Und das trotz hartem Lockdown, der sich durch die gesamte Zeit des Stimmensammelns zieht, und trotz der denkbar ungünstigsten Zeit des Jahres über Weihnachten und Neujahr, wegen der Kälte, der vielen Feiertage und dem Weihnachtsurlaub. Der Schlüssel zum Erfolg: so viele idealistische Menschen, die sich engagieren, aber auch so viele Burgenländer:innen zu Hause, die von sich aus die Formulare ausfüllen, unterschreiben und uns zuschicken.

Das wird historisch, das wird das erste Mal in der Geschichte Österreichs, dass „von unten“ auf Landesebene eine Volksabstimmung erzwungen wird, und noch dazu über ein Tierschutzthema. Ich bin so gespannt, ob es gelingt, wie diese Volksabstimmung ablaufen wird und vor allem wie sie ausgeht.

Wer uns noch helfen und unterschreiben will, kann sich auf der Webseite https://gatterjagdverbot.at/ informieren und die Formulare runterladen oder sie sich von uns zuschicken lassen.

Stellungnahme des Ökologischen Jagdverbandes zur geplanten Aufhebung des Gatterjagdverbots

Im Rahmen der Begutachtung der geplanten Novelle des Jagdgesetzes im Burgenland, mit dem die SPÖ-Alleinregierung das Gatterjagdverbot von 2017 wieder aufheben will, hat auch der Ökologische Jagdverband eine Stellungnahme abgegeben. Dabei wird die Aufhebung des Gatterjagdverbots scharf kritisiert.

„Das Einsperren von Wildtieren widerspricht fundamental den natürlichen Bedürfnissen und führt letztlich zu einer Verkümmerung des Bestandes“, meint der Vorstand des Ökologischen Jagdverbandes. Ein jagdgatter könne niemals der Hege dienen, sondern einzig und allein dem Jagdvergnügen. Und die Gatterjagd wird als „makabre Jagdbelustigung“ bezeichnet. Ob Landeshauptmann Doskozil darauf hört?

Die SPÖ „begründet“ die Aufhebung des Gatterjagdverbots

Was geht in einer Partei vor, die im März 2017 ein Gesetz beschließt und es Ende 2020 ersatzlos wieder aufheben will. Und zwar nicht irgendein Gesetz. Sondern einen ganz wesentlichen Tierschutzstandard: das Gatterjagdverbot. Die Gatterjagd ist ein Überbleibsel aus der Zeit der Hetztheater und Tierkämpfe. Im Rahmen eines lustigen Gesellschaftsereignisses werden extra gezüchtete, kapitale männliche Tiere mit möglichst großen „Waffen“ (heißt Hörnen, Geweihen oder Zähnen) im umzäunten Gelände gehetzt, schwer verletzt oder auch getötet. Das Ekelhafte daran ist, dass die Täter und Täterinnen das aus perverser Lust am Töten machen. Und dass die Tiere dem hilflos ausgeliefert sind, weil man sie in ein Gehege gesperrt hat, aus dem es kein Entkommen gibt. Die Jagdgesellschaft weiß also bereits im Vorhinein, welche Tiere sie töten wird. Und entsprechend zahlt der Jagdgast.

Diese perverse Freizeitbeschäftigung einer sich als Elite sehenden Minderheit von ehemaligem Adel und Großgrundbesitz wurde in ganz Österreich verboten. So auch im Burgenland. Am 9. März 2017 wurde das Verbot beschlossen. Der § 170 (3) des Jagdgesetzes lautet seither:

Im Vorblatt zu dem Gesetz steht:

„Mit diesem Gesetz wird die Wildstandsregulierung den biologischen Gegebenheiten angepasst. Die naturnahe, nachhaltige Jagd auf freilebendes Wild wird noch mehr in den Mittelpunkt gestellt. Der Gesellschaft soll durch dieses Gesetz insbesondere durch die Aufnahme einer Präambel und durch die Zielbestimmungen in § 1 vermittelt werden, dass Jagd nur im Einklang mit der Natur stattfinden kann. […] Eine Bewilligung [von Jagdgattern] nach diesem Zeitpunkt [1. 2. 2023] ist nicht möglich. Um hier auch dem Tierschutz gerecht zu werden, werden die Bestimmungen angepasst […] um dem Tierschutzgedanken damit besser Rechnung zu tragen und damit eine höhere Akzeptanz in der Öffentlichkeit zu erreichen.“

In den Erläuterungen, die dem Gesetz beigefügt sind, steht zu § 170:

Es ist also ziemlich eindeutig, was die SPÖ Anfang 2017 bewogen hat, die Gatterjagd zu verbieten. Und zwar dieselben Beweggründe, die in ganz Österreich die Landtage überzeugt haben: Jagdethik, Natur ohne Zäune und Tierschutz.

Kurz nach Beschlussfassung des Gesetzes, nämlich am 16. März 2017, stellte der Landesgeschäftsführer der ÖVP eine offizielle Anfrage an die zuständige Landesrätin Verena Dunst von der SPÖ. Zur Gatterjagd sind die Fragen 9-11 relevant:

Verena Dunst und die SPÖ antworteten darauf sehr klar:

Also, die SPÖ war 2017 der Meinung:

  • Die Auflösung der bestehenden Jagdgatter ist verfassungskonform
  • Die Fachliteratur sieht die Gatterjagd kritisch
  • Die Gatterjagd widerspricht Erkenntnissen der Wildökologie
  • Das Verbot der Gatterjagd ist also rechtspolitisch möglich und sachlich gerechtfertigt
  • Ziel ist eine selbstreproduzierende Wildpopulation mit natürlichem Gen-Austausch und freier Ortswahl durch die Wildtiere
  • Die Gatterjagd widerspricht dem öffentlichen Interesse
  • Die Gatterjagd widerspricht dem Tierschutzgedanken in der Verfassung

Dem ist wenig hinzu zu fügen. Doch jetzt, Ende 2020, will die SPÖ das Gatterjagdverbot, genauer § 170 (3) des Jagdgesetzes, wieder ersatzlos streichen. Die Begründung dafür ist laut Vorblatt:

„Auf Grund der geltenden Bestimmungen wird bei umfriedeten Eigenjagdgebieten in rechtskräftige Bewilligungen eingegriffen und somit auch in die Rechtskraft von Bescheiden.“

Nach dem oben von der SPÖ Gesagten irrelevant. Und laut Erläuterungen:

„Mit dem zu bewilligenden Betrieb des umfriedeten Eigenjagdgebietes soll gewährleistet werden, dass bereits bestehende umfriedete Eigenjagdgebiete weiterhin betrieben werden können […]“

Also langsam: Mit dem zu bewilligenden Betrieb der Jagdgatter soll gewährleistet werden, dass die bestehenden Jagdgatter weitergeführt werden können. Noch langsamer: Durch den Betrieb wird der Betrieb weitergeführt. Verpass ich etwas oder steht da einfach nur ein tautologischer Unsinn? DAS ist die offizielle Erläuterung der SPÖ zu ihrem Gesetzesvorhaben? Wem ist denn das eingefallen? Da muss sich jemand vor Verfassen dieser Zeilen einiges an Uhudler hinter die Binde gegossen haben!

Alkohol beiseite. Konkret ist zu fragen:

  • Wie steht die SPÖ heute zu ihren Aussagen von 2017? Und wenn sie da jetzt eine andere Meinung hat, dann bitte ich um eine Erklärung, welche Fakten damals nicht bekannt waren aber heute bekannt sind, die diese 180 Grad Kehrtwendung begründen.
  • Die SPÖ will nur die Auflösungsverpflichtung bestehender Jagdgatter aufheben, aber nicht das Verbot, neue Jagdgatter zu errichten. Was spricht also für bestehende Jagdgatter, aber gegen neu zu errichtende? Entweder die Gatterjagd ist so toll, dass man sie unbedingt wieder erlauben muss, dann sollten doch auch neue Jagdgatter errichtet werden können, oder die Gatterjagd ist so schlecht, dass man keine neuen Jagdgatter errichten darf, aber dann sollte man die bestehenden auch schließen. Der seltsame Mittelweg beweist, dass alle ökologischen und tierschutzfachlichen Argumente gegen die Jagdgatter sprechen, dass aber ein „politisches Argument“ dafür spricht, die bestehenden Jagdgatter nicht aufzulösen. Was das wohl sein könnte?

Warum will Landeshauptmann Doskozil das Gatterjagdverbot im Burgenland kippen?

Die Gatterjagd ist ein ganz seltsames Relikt aus der Feudalzeit. Weil es insbesondere dem Adel zu langweilig geworden war, in freier Wildbahn auf Tiere zu warten und alle heiligen Zeiten einmal zu schießen, kam die Idee auf, Wildtiere einfach in umzäunten Gehegen zu züchten und dort gleich abzuballern. Das Jagdgatter war geboren und ist uns bis heute erhalten geblieben.

Insbesondere im Burgenland ist die Gatterjagd Tradition des ehemaligen Adels, von Esterhazy über Mensdorff-Pouilly bis Draskovich. Im Jagdgatter von Mensdorff-Pouilly findet man Käfige, abgegrenzte Untergatter für neu heran gekarrte Wildtiere und eine Arena wie im Kolosseum.

Besonders gefragt sind die großen kapitalen Trophäenträger. Da man diese Tiere gut 15 Jahre lang füttern muss, bevor sie kapital werden, sind sie an Menschen gewöhnt. Kommen dann die zahlenden Jagdgäste zur Gatterjagd, dann muss eine „Wildnis“ mit „wilden“ Tieren vorgetäuscht werden: man hetzt also die Tiere mit Treiberkolonnen auf und ab, bis auch der verschlafendste Jagdgast die bestellten Tiere geschossen hat. Die Tiere erleiden stundenlang Todesangst und weil sie im vollen Galopp flüchten, wenn sie beschossen werden, gibt es zahllose Verletzungen.

Das Jagdgatter von Esterhazy bietet sogar eine Preisliste für Abschüsse im Internet, siehe https://martinballuch.com/die-gatterjagd-im-tiergarten-esterhazy-im-burgenland/. Kapitale Rothirsche kosten bis zu 22.000 Euro! Man muss nur das Formular ausfüllen, benötigt nicht einmal ein Gewehr, und ist schon dabei, wenn man das Geld im vorhinein überwiesen hat.

Der VGT hat von 2015-2017 viele dieser Gatterjagden dokumentiert, die Zuchtgatter für die Wildtiere aufgedeckt, von wo aus sie in das Jagdgatter zum Abschuss transferiert werden, und insgesamt 5 Gutachten vorgelegt, dass die Gatterjagd Tierquälerei ist und verboten werden muss. Am 15. Mai 2017 war es dann endlich soweit: das Gatterjagdverbot, § 170 (3) des Jagdgesetzes, trat in Kraft. Es sah eine Übergangsfrist bis zum 1. Februar 2023 für bestehende Jagdgatter vor.

Ab da war alles auf Schiene. Der Kompromiss mit der Jägerschaft war die lange Übergangsfrist. Dass die Gatterjagd in den Mistkübel der Geschichte zu wandern habe, war eigentlich allen Beteiligten klar. Diese Ansicht hatte auch die Große Mehrheit der Bevölkerung hinter sich.

Dann wechselte der Landeshauptmann. Hans-Peter Doskozil übernahm von Hans Niessl. Die SPÖ hatte die absolute Mehrheit und konnte allein regieren. Da brachte die Landesregierung überraschend und ohne Vorwarnung eine Änderung des Jagdgesetzes in Begutachtung. Das Gatterjagdverbot soll ersatzlos gestrichen werden:

Unfassbar! In 35 Jahren Tierschutzarbeit habe ich noch nie erlebt, dass ein mühsam jahrelang ausgehandelter Kompromiss, der bereits 3 1/2 (!) Jahre Gesetzeskraft hat, einfach so mir nichts dir nichts wieder entfernt werden soll. Ohne ersichtlichen Grund. Oder nicht?

Doskozil ist kein unbeschriebenes Blatt in der Gatterjagd. Als wir vom VGT die Gatterjagd von Mensdorff-Pouilly vom öffentlichen Grund außerhalb des Gatters filmen wollten, wurden wir durch eine Sperrzone überrascht, die ein gewisser Hans-Peter Doskozil, damals Landespolizeikommandant, erlassen hatte. Diese Sperrzone wurde von 7 polizeilichen Straßensperren überwacht, die keine Tierschützer_innen durchließen. Tierschutzkameras durften nur bis auf 200 m, später sogar 2 km, an das Jagdgatter heran kommen. Und das bei jeder einzelnen Jagd des Herrn Mensdorff-Pouilly. Wie erklärt sich das?

Mensdorff-Pouilly wurde dazu im Untersuchungsausschuss zum Tierschutzprozess mehrfach befragt. Er gab zu, mit Doskozil über das „Problem“ Tierschutzaktivist_innen des VGT gesprochen zu haben:

Diese Sperrzone war allerdings rechtswidrig. Das jedenfalls hat nach eine Berufung des VGT das Landesverwaltungsgericht Eisenstadt entschieden:

Das Platzverbot bzw. diese Sperrzone war selektiv gegen Tierschutzaktivist_innen gerichtet und hatte keine objektive Begründung, die den Gesetzen entsprechen würde. Die wahre Begründung war ja nur, zu verhindern, dass Filmmaterial von der Gatterjagd an die Öffentlichkeit dringt. Und das hatte das Gericht rasch durchschaut, weil Doskozil keine vernünftige Begründung für seine Sperrzone vorbringen konnte. Doskozil hatte also nach einem Gespräch mit Mensdorff-Pouilly eine rechtswidrige Sperrzone verordnet, um eine Aufdeckung über die Tierquälerei bei der Gatterjagd von Mensdorff-Pouilly zu verhindern.

Nun, dann kam dennoch das Gatterjagdverbot. Trotz Doskozils Interventionen. Esterhazy lag zu dieser Zeit mit der Landesregierung in mehrfacher Hinsicht im Konflikt. Da ging es um die Umfahrung von Schützen im Gebirge, wo Esterhazy enteignet werden sollte. Da ging es um die Oper im Steinbruch, wo Esterhazy der Landesregierung den Pachtvertrag nicht verlängerte. Und dann ging es um das Schloss Esterhazy, das dem Land vermietet war und für dessen Renovierung Esterhazy 11 Millionen Euro von der Landesregierung haben wollte und zu klagen bereit war.

Plötzlich, die Einigung. Wer zieht dabei die Fäden? Doskozil:

Eine Einigung setzt ein Entgegenkommen von beiden Seiten voraus. Was bekam Esterhazy dafür, das Land doch nicht zu klagen? Da wird es schon Gegenleistungen gegeben haben. Auffällig ist nur, dass Esterhazy das größte Jagdgatter im Burgenland betreibt und das just derselbe Doskozil nun das Gatterjagdverbot aufheben will. Ohne offizielle Begründung. Ersatzlos. Einfach so. Nachdem es 3 1/2 Jahre bereits in Kraft war. Knapp vor Ende der Übergangsfrist für die bestehenden Jagdgatter, darunter jenes von Esterhazy.

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Nur ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Vielleicht sollte es auch einen Untersuchungsausschuss Esterhazy und nicht nur Novomatic im Parlament geben?

Ende der Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten im Burgenland – oder doch nicht?

Wieviele Jahrzehnte beobachte ich jetzt schon die infantile Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten, insbesondere im Burgenland und dort insbesondere bei Alfons Mensdorff-Pouilly im Süden und an der Leitha samt Nebenflüssen im Norden! Eine alte Tradition der Großgrundbesitzer_innen und Adeligen.

Was das Aussetzen von Zuchtenten betrifft, erübrigt sich jede Diskussion. Stockenten sind nicht am Aussterben und brauchen definitiv keine Bestandsstütze. Sie zu züchten und dann auszusetzen, um sie wieder abzuknallen, dient also ausschließlich der seltsamen Lust am Töten dieser Tiere. Im Bereich der Leitha im Nordburgenland waren es tausende Enten, die zunächst in einer Voliere und dann an den Flüssen noch flugunfähig hingesetzt und massenweise gefüttert wurden. Eigens angestellte Personen hielten sie dort, töteten alle Beutegreifer der Umgebung, um die hilflosen Enten in möglichst großer Zahl zu erhalten, und fütterten, fütterten, fütterten. Wie oft sah ich dort täglich, wie riesige LKW-Ladungen von Mais ausgeschüttet wurden. Ratten zuhauf und ein verseuchtes Wasser waren die Folge. Und dann dokumentierten wir den Abschuss. Ein unfassbares Verhalten erwachsener Menschen. Die Tiere, die nicht sehr scheu sind und eigentlich gar nicht auffliegen wollen, werden von Hunden gehetzt, bis sie endlich fliegen, und dann mit Schrot beschossen, sodass sie aus dem Himmel fallen, um dann verletzt von Jagdhunden „apportiert“ zu werden. Die Dressur von Jagdhunden zur Entenjagd haben wir in der Steiermark dokumentiert: Zuchtenten mit zusammengeklebten Flügeln werden ins Wasser gesetzt und von schwimmenden Hunden verfolgt. Eine furchtbare Tierquälerei und total sinnlos, in jeder Hinsicht.

Bei Mensdorff-Pouilly im Südburgenland aber war die Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten noch ein bisschen absurder. Die Enten wurden mit dem Tiertransport aus Ungarn gebracht und auf 2 künstlichen Ententeichen, die mit Elektrozäunen umgeben waren, ausgesetzt. Dann dressierte man die Vögel darauf, nach dem Pfiff mit einer Trillerpfeife aus dem Wasser zu kommen und dem pfeifenden Menschen zu Fuß zu folgen. Der führte die Tiere zu einer Voliere im nahen Wald, wo sie Futter bekamen. Zum Jagdtermin wurden die Enten wiederum in die Voliere gelockt, aber dann dort zurückgehalten. Nachdem die Jagdgesellschaft um den Ententeich Aufstellung genommen hatte, wurden die Enten einzeln freigelassen und zum Rückflug aufgescheucht. Die Tiere wurden dann aus dem Himmel geschossen und von Jagdhunden zumeist verletzt apportiert.

Jahr für Jahr haben wir diese Aktivitäten dokumentiert und an die Öffentlichkeit gebracht. Jahr für Jahr versuchten Bezirkshauptmannschaften und Polizei massiv uns an dieser Tierschutzarbeit zu hindern. Es gab Sperrzonen, die dann vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden, gesetzwidrige Blockaden unserer Fahrzeuge durch die Polizei, wie vom Landesverwaltungsgericht Eisenstadt festgestellt, und Strafen durch die BHs. Unsere Anzeigen dagegen versandeten.

Doch unsere Kampagne hatte Auswirkungen. Zuerst wurde die Zeit bis zum Aussetzen der Zuchttiere verlängert, dann, im Frühsommer 2020, kam auch im Burgenland das Verbot, Zuchttiere für die Jagd auszusetzen. Nach Wien, Vorarlberg, Salzburg und dem Aussetzverbot jedenfalls für Zuchtenten in der Steiermark (wo das Aussetzen von Fasanen und Rebhühnern leider weiter explizit erlaubt blieb).

Und haltet sich die Jägerschaft im Burgenland daran? Man kennt das ja, in den Augen dieser Zuchttierjäger_innen sind Gesetze nur für andere Menschen da, ihnen sind sie egal. Im Nordburgenland wurden tatsächlich die Fasanerien abgebaut, aber es wurden wiederum Zuchtenten an der Leitha ausgesetzt, wenn auch in viel kleinerem Rahmen. Und es wird massiv gefüttert, um erwachsene Enten von anderswo anzulocken.

Bei Mensdorff-Pouilly ist es umgekehrt. Da sind wieder Fasane in den Volieren, aber keine Zuchtenten mehr in den Kunstteichen. Bei einem der Teiche wurde sogar der Elektrozaun bereits abgebaut. Und die Voliere, aus der die Enten zu den wartenden Jäger_innen getrieben worden sind, hat ein umgestürzter Baum vernichtet.

Wir kennen das ja. Ein neues Gesetz zum Schutz der Tiere wird zunächst ignoriert und nicht exekutiert. Doch wir bleiben dran, haben wieder Anzeige erstattet. Mit ausreichend öffentlichem Druck könnte tatsächlich das Ende der Jagd auf ausgesetzte Zuchtvögel im Burgenland vor der Tür stehen!

Das Bild ganz oben zeigt den westlichen der Kunstteiche von Mensdorff-Pouilly früher (rechts) und heute (links). Der Elektrozaun ist weitgehend abgebaut, Enten wurden nicht ausgesetzt.

Anders auf der Leitha. Auch hier früher (rechts) und heute (links). Ein gewisser Fortschritt, nur mehr 10 % der Anzahl von früher. Aber auch das muss enden!

Entenaussetzen an der Leitha 2020 (links) und 2019 (rechts)