Mensdorff-Pouilly

Ende der Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten im Burgenland – oder doch nicht?

Wieviele Jahrzehnte beobachte ich jetzt schon die infantile Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten, insbesondere im Burgenland und dort insbesondere bei Alfons Mensdorff-Pouilly im Süden und an der Leitha samt Nebenflüssen im Norden! Eine alte Tradition der Großgrundbesitzer_innen und Adeligen.

Was das Aussetzen von Zuchtenten betrifft, erübrigt sich jede Diskussion. Stockenten sind nicht am Aussterben und brauchen definitiv keine Bestandsstütze. Sie zu züchten und dann auszusetzen, um sie wieder abzuknallen, dient also ausschließlich der seltsamen Lust am Töten dieser Tiere. Im Bereich der Leitha im Nordburgenland waren es tausende Enten, die zunächst in einer Voliere und dann an den Flüssen noch flugunfähig hingesetzt und massenweise gefüttert wurden. Eigens angestellte Personen hielten sie dort, töteten alle Beutegreifer der Umgebung, um die hilflosen Enten in möglichst großer Zahl zu erhalten, und fütterten, fütterten, fütterten. Wie oft sah ich dort täglich, wie riesige LKW-Ladungen von Mais ausgeschüttet wurden. Ratten zuhauf und ein verseuchtes Wasser waren die Folge. Und dann dokumentierten wir den Abschuss. Ein unfassbares Verhalten erwachsener Menschen. Die Tiere, die nicht sehr scheu sind und eigentlich gar nicht auffliegen wollen, werden von Hunden gehetzt, bis sie endlich fliegen, und dann mit Schrot beschossen, sodass sie aus dem Himmel fallen, um dann verletzt von Jagdhunden „apportiert“ zu werden. Die Dressur von Jagdhunden zur Entenjagd haben wir in der Steiermark dokumentiert: Zuchtenten mit zusammengeklebten Flügeln werden ins Wasser gesetzt und von schwimmenden Hunden verfolgt. Eine furchtbare Tierquälerei und total sinnlos, in jeder Hinsicht.

Bei Mensdorff-Pouilly im Südburgenland aber war die Jagd auf ausgesetzte Zuchtenten noch ein bisschen absurder. Die Enten wurden mit dem Tiertransport aus Ungarn gebracht und auf 2 künstlichen Ententeichen, die mit Elektrozäunen umgeben waren, ausgesetzt. Dann dressierte man die Vögel darauf, nach dem Pfiff mit einer Trillerpfeife aus dem Wasser zu kommen und dem pfeifenden Menschen zu Fuß zu folgen. Der führte die Tiere zu einer Voliere im nahen Wald, wo sie Futter bekamen. Zum Jagdtermin wurden die Enten wiederum in die Voliere gelockt, aber dann dort zurückgehalten. Nachdem die Jagdgesellschaft um den Ententeich Aufstellung genommen hatte, wurden die Enten einzeln freigelassen und zum Rückflug aufgescheucht. Die Tiere wurden dann aus dem Himmel geschossen und von Jagdhunden zumeist verletzt apportiert.

Jahr für Jahr haben wir diese Aktivitäten dokumentiert und an die Öffentlichkeit gebracht. Jahr für Jahr versuchten Bezirkshauptmannschaften und Polizei massiv uns an dieser Tierschutzarbeit zu hindern. Es gab Sperrzonen, die dann vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurden, gesetzwidrige Blockaden unserer Fahrzeuge durch die Polizei, wie vom Landesverwaltungsgericht Eisenstadt festgestellt, und Strafen durch die BHs. Unsere Anzeigen dagegen versandeten.

Doch unsere Kampagne hatte Auswirkungen. Zuerst wurde die Zeit bis zum Aussetzen der Zuchttiere verlängert, dann, im Frühsommer 2020, kam auch im Burgenland das Verbot, Zuchttiere für die Jagd auszusetzen. Nach Wien, Vorarlberg, Salzburg und dem Aussetzverbot jedenfalls für Zuchtenten in der Steiermark (wo das Aussetzen von Fasanen und Rebhühnern leider weiter explizit erlaubt blieb).

Und haltet sich die Jägerschaft im Burgenland daran? Man kennt das ja, in den Augen dieser Zuchttierjäger_innen sind Gesetze nur für andere Menschen da, ihnen sind sie egal. Im Nordburgenland wurden tatsächlich die Fasanerien abgebaut, aber es wurden wiederum Zuchtenten an der Leitha ausgesetzt, wenn auch in viel kleinerem Rahmen. Und es wird massiv gefüttert, um erwachsene Enten von anderswo anzulocken.

Bei Mensdorff-Pouilly ist es umgekehrt. Da sind wieder Fasane in den Volieren, aber keine Zuchtenten mehr in den Kunstteichen. Bei einem der Teiche wurde sogar der Elektrozaun bereits abgebaut. Und die Voliere, aus der die Enten zu den wartenden Jäger_innen getrieben worden sind, hat ein umgestürzter Baum vernichtet.

Wir kennen das ja. Ein neues Gesetz zum Schutz der Tiere wird zunächst ignoriert und nicht exekutiert. Doch wir bleiben dran, haben wieder Anzeige erstattet. Mit ausreichend öffentlichem Druck könnte tatsächlich das Ende der Jagd auf ausgesetzte Zuchtvögel im Burgenland vor der Tür stehen!

Das Bild ganz oben zeigt den westlichen der Kunstteiche von Mensdorff-Pouilly früher (rechts) und heute (links). Der Elektrozaun ist weitgehend abgebaut, Enten wurden nicht ausgesetzt.

Anders auf der Leitha. Auch hier früher (rechts) und heute (links). Ein gewisser Fortschritt, nur mehr 10 % der Anzahl von früher. Aber auch das muss enden!

Entenaussetzen an der Leitha 2020 (links) und 2019 (rechts)

Anzeigen gegen Alfons Mensdorff-Pouilly: Tierquälerei und Jagdscheinentzug

Dass ein Jäger tausende Zuchtvögel hält, um sie abzuschießen, ist leider noch immer weder verboten noch gilt es als unwaidmännisch. Doch jetzt haben wir Alfons Mensdorff-Pouilly beim Aussetzen dieser Tiere in winzigen Kisten direkt vor seinen Jagdgästen erwischt. Nun habe ich Anzeige erstattet, und zwar wegen Tierquälerei nach dem Strafgesetzbuch:

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Zusätzlich habe ich die Bezirkshauptmannschaft in Güssing gebeten, endlich einzuschreiten und die illegal gehaltenen Tiere zu beschlagnahmen.

Und nicht zuletzt habe ich auch eine Disziplinaranzeige an die Burgenländische Landesjägerschaft geschickt, mit dem Antrag, dem Herrn Mensdorff-Pouilly den Jagdschein zu entziehen:

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[Der Sachverhalt bleibt gleich]

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Die Zucht von Fasanen für die Jagd

Im Mittelalter, als die Feudalherren ihre Jagdleidenschaft entdeckten, schaute man sich nach einem geeigneten Objekt für die Vogeljagd um. Es sollte langsam und schlecht fliegen, sodass es ein gutes Ziel abgibt, und lustig bunte Federn haben. Mangels eines ideal geeigneten Tiers züchtete man sich kurzerhand ein neues: den sogenannten Jagdfasan, eine Kreuzung von Kupferfasan, einem Waldvogel aus dem Schwarzmeergebiet, Ringfasan aus den Steppengebieten des westlichen China und Mongolfasan aus der Steppe Kasachstans. Das muss man sich einmal vorstellen: eine künstlich erzeugte Tierart, deren Name schon festlegt, dass sie als Kanonenfutter für schießwütige Menschen dient. Respektloser geht es kaum noch!
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