Unfassbar: Die FPÖ hält Zuchtrinderexporte für gut!

Tiertransporte sind ein dankbares Thema für Parteien, die so tun wollen, als wären ihnen Tiere ein Anliegen. Das sage ich zunächst ganz wertfrei und allgemein. Wenn Parteien gegen Tiertransporte wettern, dann wettern sie meistens gegen die EU, wo schließlich die Gesetzgebungskompetenz für Tiertransporte liegt. Die FPÖ hat einen Entschließungsantrag zu Tiertransporten im Parlament eingebracht. Ein Entschließungsantrag ist ein Antrag ans Parlament, es möge die Regierung auffordern, etwas zu tun. In diesem Fall will die FPÖ vom Parlament, dass es die Regierung auffordert – 4 Tage vor ihrer Auflösung! – die EU aufzufordern, etwas zu tun. Ein Paradebeispiel von Heuchelei!

Dabei wäre es so einfach. Wie immer sollten wir zuerst vor der eigenen Haustiere kehren. Es gibt sehr viele Tiertransporte, die in Österreich beginnen und wahnsinniges Tierleid verursachen. Da gibts zunächst einmal die Schlachttiertransporte. Sie betreffen Rinder, die aus Österreich in ausländische Schlachthöfe gehen. Das kritisiert die FPÖ immerhin, allerdings ohne den wichtigen Schritt zu setzen, Schlachttiertransporte nur bis zum nächsten geeigneten Schlachthof zu erlauben. Wir hatten dieses Gesetz bereits 1995. Es wurde leider 1998 durch die EU aufgehoben. Aber warum nicht wieder einführen?

Ja, und dann gibt es noch die Zuchtrinderexporte. Im Jahr 2017 betraf das 50.000 Milchkühe, 71 % davon über die EU-Außengrenze hinaus. Österreich ist gemessen an seiner Rinderzahl der größte Exporteur von Zuchtrindern in Europa! Die Milchkühe sind alle beim Transport hoch schwanger und haben volle Euter. Die FPÖ hat auf eine Anfrage dazu folgendes zu sagen:

Und das ist tatsächlich unfassbar! In Österreich haben wir eine ganz große Überproduktion an Rindern und an Milchprodukten, etwa 160 %! Wohin werden diese Tiere transportiert?

Hauptsächlich gehts also in die Türkei, nach Aserbaidschan, und einige sogar nach Usbekistan. Neu ist, dass nun bald auch Zuchtrinder nach Ägypten und nach Turkmenistan exportiert werden sollen. Die Rinderindustrie frohlockt, ein neuer Markt tut sich auf. Aber für die Tiere ist das eine entsetzliche Perspektive.

In keinem dieser Länder gibt es Zuchtlinien österreichischer Rinder. Nein, sie werden nämlich in Wahrheit nach einem tagelangen Transport brutal geschlachtet, und zwar geschächtet. Ohne Betäubung, ohne jede Tierschutzmaßnahme. Zuerst gebären sie ihre Kinder und man nimmt die Milch, dann gehts auf die Schlachtbank. In Ägypten wurde dabei heimlich mitgefilmt: den Tieren hat man die Sehnen an den Beinen zerschnitten, sodass sie nicht mehr gehen können, und danach in die Augen gestochen. Dann erst rammte man ihnen das Messer in die Kehle – alles bei vollem Bewusstsein.

Aber auch der Transport alleine ist die Hölle. Bei unmenschlichen Temperaturen wurden Zuchtrinder in einem Tiertransport aus Österreich an der türkischen Grenze beobachtet. Tagelang standen sie dort, Tag für Tag verstarb eines der Tiere am Transporter.

Wenn also Zuchtrinderexporte für die FPÖ kein Problem darstellen, dann hat man dort entweder keine Ahnung von Tiertransporten, oder man schert sich genau gar nicht um Tierleid, wenn es um Profite geht.

Übrigens trennt die EU in Tiertransporte für Schlachtung, Zucht und „Produktion“. Letzteres sind die 80.000 männlichen Milchkälber, die Österreich Jahr für Jahr in den Süden bis nach Spanien schickt. Auch sie gehen oft nach wenigen Monaten mit dem Schiff weiter in den Nahen Osten, ebenfalls nach Ägypten, die Türkei oder den Libanon. Auch da könnte der österreichische Gesetzgeber einschreiten. Tut es aber nicht. Seit 20 Jahren dokumentieren wir diese Zustände, aber nichts, einfach gar nichts geschieht.

Es braucht einen echten Tierschützer im Parlament!

5 thoughts on “Unfassbar: Die FPÖ hält Zuchtrinderexporte für gut!

  1. Maria Sand says:

    Solange es billiger ist, lebende Tiere zu transportieren, anstatt tote, die man einfrieren muss, wird sich das nicht ändern. Solange Tiertransporte noch dazu subventioniert werden, wird sich das nicht ändern. Weil die Menschen die dafür verantwortlich sind, gierig sind und weil Tiere derzeit leicht zu vermehren sind. Was im Überfluss vorhanden ist, weiß man nicht zu schätzen. In China gibt es derzeit die Schweinepest. https://www.welthungerhilfe.de/welternaehrung/rubriken/krisen-humanitaere-hilfe/afrikanische-schweinepest-reduziert-bestaende-in-china/ Das macht das Fleisch teuer. Würde das jetzt überall passieren, müssten die Menschen umdenken. Dann könnte man nicht in kauf nehmen, dass ein Teil der Tiere auf dem Transport stirbt. Aber eine ordentliche Energiekrise würde auch etwas bewirken.

  2. fasthoffnungslos says:

    Die gesamten wahnsinnigen Tiertransporte sollten ein Ende haben!
    Es kann doch nicht sein, dass Fleisch in Supermärkten angeboten wird, welches über 1000km als Lebendtier aber auch schon als Endprodukt unterwegs war!
    Das gleiche gilt natürlich auch für Gemüse usw… Unsere Rohstoffe sind so dem internationalen Druck unterworfen, wo zb in der konventionellen Landwirtschaft viel lockere Bestimmugnen gelten als bei uns. Die zb vegane Bevölkerung sollte nur Podukte kaufen, die aus heimischen Soja hergestelt wird und nicht aus internationalem Soja…
    Das gleiche natürlich auch bei Bio Produkten… Biokartoffel aus Italien, Spanien, Ägypten usw… Nur weil Bio drauf steht, glauben alles das ist super!
    Aber um all diese Missstände und den Irrglauben und das gedankenlose Kaufverhalten der Konsumenten aufzuzeigen bzw. zu kritisieren muss ich weder vegan, noch extremer Tierschützer noch sonst was sein – einfach nur ein klar denkender Mensch mit Hausverstand. Darum oute ich mich auch als begeisterter Jäger, der aber natürlich die obskuren Jagdpraktiken mancher Menschen vollkommen iodiotisch und sehr fragwürdig findet.
    In diesem auf eine bessere Welt für unsere Nachkommen!

  3. Hugo says:

    Liebe sabri,
    .
    Die Grünen sind schon fix im Parlament und die FPÖ auch. Kurz ist fix der neue Kanzler.
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    Eine Stimme mehr für die Grünen, würde sie nicht zu einer besseren Tier- und Umweltschutzpartei machen – deswegen auch nicht zu einer besseren Opposition. Die Grünen in Ö haben zu viele Mitglieder aus der Landwirtschaft (proportional mehr als die ÖVP?). Die Grünen ignorieren die letzten UN IPCC Reports bzgl Fleisch.
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    Fleisch ist der größte Verschmutzter der Erde.
    https://www.theguardian.com/environment/2018/may/31/avoiding-meat-and-dairy-is-single-biggest-way-to-reduce-your-impact-on-earth
    Die UN sagt klar “less meat”.
    https://nature.com/articles/d41586-019-02409-7
    .
    Anpassung der Steuern ist essentiell und wird von Grün ignoriert
    https://www.theguardian.com/environment/2017/dec/11/meat-tax-inevitable-to-beat-climate-and-health-crises-says-report
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    https://zeit.de/politik/deutschland/2019-08/tierschutz-mehrwertsteuer-spd-gruene-fleisch-steuer
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    Niemand geht gegen die Korruption von ÖVP und FPÖ so effektiv vor, wie Pilz. Niemand bewegt in der Politik bzgl Landwirtschaft so viel wie Balluch (siehe Käfig-Eier Verbot).
    .
    Mit anderen Worten, sie können ihre Stimme gar nicht verlieren, sollten sie JETZT wählen. Irgendeine andere Partei zu wählen bringt 100% nichts. FPÖ und ÖVP und Grüne sind alle fix im Parlament. Wer die Minister stellt, ist für Gesetzgebung nicht so wichtig.
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    Eine Umfrage der Salzburger Nachrichten meinte, dass JETZT gut aufgeholt hat und immer bessere Chancen hat. Besser JETZT eine kleine Chance auf echte Lösung statt mit Sicherheit falsche Lösungen.
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    Ich habe mich bei der Wahl noch nie so gut gefühlt, wie dieses mal. Danke Martin und Liste JETZT!

  4. sabri says:

    Das wäre ein großer Schritt nach vorne und als Fortschrittsvorbild auch für andere Länder gut. Wahlprognosen kurz vor den Wahlterminen sollten tatsächlich verboten werden. Ein Underdogeffekt wirkt bei Tierschützern von alleine, weil sie den Schwachen helfen wollen, aber der Fallbeileffekt kann kleine Parteien das Mitregieren kosten. Man hat einfach Angst, seine Stimme zu verschenken. Da hilft es sehr, wenn man ein paar Informationen hat, zum Beispiel über vorliegende aktuelle Rohdaten und darüber, wie die Meinungsforschungsinstitute daraus ihre Hochrechnungen erstellen. Ich wäre mir als tierliebender Mensch keine Sekunde im Zweifel, wen ich als Tierschützer im Parlament haben wollte (und wen nicht), aber vielleicht hätte ich Sorge,.dass meine Stimme nichts nützt. Gibt’s da Informationen, um Mut zu machen?

  5. sabri says:

    Schade, dass Sie nicht eine Million Stimmen hatten, sondern eine!
    Ich habe mich das vor der Wahl nicht zu schreiben getraut, aber jetzt ist’s ja eh wurscht: Vor einigen Wochen habe ich etwas über fünfzig Kinder gefragt, alle tierlieb, etwa zehn Jahre alt, was sie von Martins Gang ins Parlament halten (das Gespräch ergab sich zufällig). Zu meiner großen Überraschung waren alle Kinder dagegen, und zwar sehr bestimmt. Wenn es schon die Möglichkeit gibt, seinen Vater für ein ganzes Jahr für sich zu haben, dann soll einem das nicht genommen werden! Politik muss man später machen. Kinder haben oft ihre eigene Sicht (und sollten deshalb ebenfalls Vertreter haben im Parlament) – und sie haben oft Recht…lg sabri

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