Vortrag von Martina Glatzl auf Putenmasttagung: „Tierschutz versus Politik“

Sie war bis vor wenigen Jahren noch Vizepräsidentin der Österreichischen Tierärztekammer und ist Obfrau der Österreichischen Qualitätsgeflügelvereinigung und als solche radikale Lobbyistin für die Geflügelindustrie. Ja, und sie hat sich zur Spezialistin für Tierschutz gemausert. So wurde sie bei einer Tagung der PutenmästerInnen eingeladen, zum Thema „Tierschutz und Politik“ zu sprechen: Martina Glatzl.

Der Schutz der Tiere sei die unwichtigste Nebensache für Tierschutzvereine, war sie überzeugt, „keinem geht’s zu keinem Zeitpunkt um das Tier“,  sondern mit Tierschutz würden die NGOs nur Geschäfte machen wollen. Das lasse sich schon daran erkennen, dass manche Tierschutzvereine bis zu 50% ihres Umsatzes aus der Zusammenarbeit mit dem Handel beziehen. „Die Kooperation is ned so ohne“, kommentierte sie das. Dabei würde jedeR meinen, er/sie könne „im Gebiet Tierschutz voll mitreden“. In Wirklichkeit sind offensichtlich nur sie und ihre FreundInnen aus der Tierindustrie dafür kompetent. Obwohl, „Agrarindustrie gibt es nicht in Österreich“, Tierindustrie auch nicht. Alles offenbar nur kleine familiäre Betriebe – mit 70.000 Hühnern und mehr.

Die Absurdität tierschützerischen Engagements erkenne man schon daran, dass jetzt gefordert werde, die männlichen Legehuhnküken nicht mehr zu vergasen. Wo käme man da hin, lacht Glatzl, wie absurd, da müsste man ja 6 Millionen „Gockel“ pro Jahr retten. Die könne man ja nirgends unterbringen! Dabei gibt es ja Projekte für Zweinutzungsrassen in Österreich, aber Glatzl will offenbar keinen Millimeter vom Profitmaximierungsprinzip abweichen. Der 4. Dezember 2014, so verkündete sie, sei ein schwarzer Tag gewesen, zugegeben. An diesem Tag hat die Tierschutzministerin entschieden, die geforderte Erhöhung der Besatzdichten bei Puten abzulehnen. Die Schlacht sei zwar verloren, aber der Kampf noch lange nicht, meinte dazu Glatzl und versprach dranbleiben zu wollen. Noch einige Hürden wären zu nehmen, dann werde es doch noch zu einer Erhöhung der Besatzdichten kommen.

„Unser alter Freund Balluch“, beginnt sie auf die Ursache ihrer Niederlage zu sprechen zu kommen. Sie habe ein 50 minütiges Interview mit mir gehört und habe dafür sehr viel Kaffee und Süßigkeiten gebraucht, um sich das anzuhören, „sonst platz ich“. Wir würden leider die Medienwelt dominieren und Meinungsmache betreiben. So finde man zum Thema „Schnabelkürzen“ im Internet nur grausliche Bilder, dabei hätte die Branche doch nichts zu verbergen! „Unsere Stallungen sind schön!“, rief sie in die Runde – und war dabei wahrscheinlich heilfroh, nicht selbst darin leben zu müssen. Insbesondere, dass in den Medien noch immer die Geflügelindustrie  für ihren hohen Antibiotikaeinsatz kritisiert werde, sei so schrecklich unfair, „als ob wir die einzige Branche sind“. Aber der Politik gehe es nur um ihr Image, man lichte sich mit Tieren im Freiland ab, und die wunderschönen österreichischen Putenmastfabriken lasse man links liegen. „Wissen die Politiker eigentlich, wovon sie reden?“, fragte sie rhetorisch. Aber ihr Kampf gelte nicht der Biohaltung. Nur, es müsse einen deutlichen Unterschied zwischen bio und konventionell geben.

Eine SPÖ-Abgeordnete habe sich im EU-Parlament über die Putenmast geäußert. Offenbar sei sich diese Frau nicht klar, polterte Glatzl, „was ihre Parteikollegen angerichtet haben“, indem sie die Besatzdichtenerhöhung verweigerten. Jetzt habe Österreich einen großen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Nachbarländern. Weltweit steige der Geflügelkonsum an, in den USA und in China werde die Produktion angekurbelt, nur in der EU hoffe man, überhaupt die Produktion halten zu können. So schaue es nämlich aus.

2 thoughts on “Vortrag von Martina Glatzl auf Putenmasttagung: „Tierschutz versus Politik“

  1. Martin C. says:

    Wenn sich jemand so engagiert und leidenschaftlich für Tierquälerei einsetzt, dann kann dies nur auf ein erhebliches Defizit an Emphatiefähigkeit zurückzuführen sein. Solche Menschen sind zum Fürchten. Außerdem: Realitätsnähe kann man ihr auch nicht wirklich unterstellen.
    Hoffentlich praktiziert sie nicht (mehr) nebenbei auch noch als Tierärztin …

  2. „Unsere Stallungen sind schön“, wo man über Unmengen an sterbenden Tieren stolpert, die, die es überleben, sitzen auf den eigenen Exkrementen, die Schwachen kommen gar nicht zu den Tränkeanlagen, wahrlich ein Traum. Und dieses Elend wird den KonsumentInnen als gesundes Hühner-und Putenfleisch verkauft. Wer jemals in solch einer Halle war, wird dies nie vergessen und niemehr derlei gepeinigte Lebewesen essen wollen.

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