3 x Tierschutzfilme auf dem Globale Filmfestival in Berlin

globaleberlinVon 11. – 17. April 2013 läuft noch das Globale Filmfestival in Berlin. Diese Veranstaltung wird bereits seit 10 Jahren durchgeführt und konzentriert sich auf Dokumentarfilme mit politischer Kritik am System. Zumindest heuer werden die Filme in zwei Kinos gezeigt, dem Regenbogen und der Eiszeit, beide in Kreuzberg, die aus der Hausbesetzerbewegung der frühen 1980er Jahre stammen. Mittlerweile gibt es natürlich längst Verträge mit den GrundbesitzerInnen und die Projekte sind abgesichert. An das Regenbogenkino sind ein Cafe und eine Kindertagesstätte angeschlossen. Beide Kinos machen den Eindruck, sehr kompetent und politisch reflektiert geführt zu werden.

Die Globale wird mittlerweile sogar staatlich subventioniert, was ein bisschen widersprüchlich klingt, da die gezeigten Filme ja eine staatskritische Botschaft haben. Doch so lassen sich nicht nur Filme aus der ganzen Welt zur Globale bringen, sondern auch die RegisseurInnen und ProtagonistInnen einladen, mit denen jeweils im Anschluss an die Filmvorführung diskutiert wird.

Sehr erfreulich daher, dass die OrganisatorInnen heuer mich zu ihrem Festival einluden, um zu drei verschiedenen Zeitpunkten mit den BesucherInnen zu sprechen. Auf dem Programm standen zwei Vorführungen des preisgekrönten Dokumentarfilms „Der Prozess“ sowie der Film „Unter Menschen“, der von der Rehabilitation der Schimpansen handelt, die aus den ehemaligen Tierversuchslabors der Firma Immuno, die heute Baxter gehören, stammen. Als Hauptangeklagter war ich natürlich in den Tierschutzprozess von der ersten Reihe aus involviert und mit den Schimpansen hatte ich ebenfalls direkt etwas zu tun, von den Protesten vor dem Labor über Jahre hinweg bis zur Rehabilitation ab 2002. Abgesehen davon sollte der Schimpanse Mathias „Hiasl“ Pan 1982 in dieses Labor kommen, der dann im Wiener Tierschutzhaus landete und für den ich den Sachwalterschaftsprozess bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geführt habe.

Es ist sehr erfreulich, dass mit diesen beiden Filmen auch die Diskussion über Tierschutz und Tierrechte in die Globale eingebracht werden konnte. Die BesucherInnen schienen jedenfalls sehr interessiert, jeweils wurden die Diskussionen danach noch im kleinen Rahmen weitergeführt. Bei der ersten Vorführung von „Der Prozess“ durfte ich mit Anne Roth diskutieren. Ihr Partner wurde vom deutschen Verfassungsschutz verfolgt, weil seine Publikationen zu politischen Themen in der Wortwahl ähnlich gewesen seien, wie die von Bekennerschreiben der sogenannten „Militanten Gruppe“. Ein linguistischer Gutachter, möglicherweise genauso kompetent wie Wolfgang Schweiger, der mich im Tierschutzprozess der Autorenschaft zahlreicher Schriftstücke fälschlich bezichtigte, hatte das festgestellt. Das führte auch zu U-Haft, letztlich wurde das Verfahren gegen Annes Partner aber eingestellt. Die Diskussion verlief sehr spannend, Anne hat sich zu den Vorfällen und ihrer politischen Dimension sehr viele interessante Gedanken gemacht.

Im Regenbogenkino gab es auch eine Ausstellung unter dem Titel „vermummt und gewaltbereit“ über die Gewalt, die von der Polizei in Deutschland gegen friedliche DemonstrantInnen ausgeübt wird. Einige andere Filme als „der Prozess“, wie z.B. die Filme „Black Block“ und „riot and wrong“, beschäftigten sich mit demselben Thema. So war das Globale Filmfestival auch wieder eine Möglichkeit für die politischen Opfer von Polizeigewalt sich auszutauschen und zu vernetzen. Mein Gesamteindruck von der Veranstaltung über die fast 4 Tage, die ich anwesend war, ist jedenfalls sehr gut gewesen. Ich kann den Besuch nur empfehlen, sei es noch heuer oder nächstes Jahr:

http://www.globale-filmfestival.org/

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