5 Männer in Bergnot

Am 31. August 2017 beschloss ich, mangels KletterpartnerIn, den Kettersteig auf den Kaiserschild zu gehen. Ein ziemlich sportlicher und exponierter Steig, laut Bergführermagazin sind dort bisher nicht nur 3 Personen bereits abgestürzt, regelmäßig soll es auch Rettungsaktionen mit dem Hubschrauber geben. Die Schwierigkeit ist mit D/E über 360 vertikale Meter senkrechter Wand angegeben.

Ein schöner Tag, der 31. August, allerdings ist eine Kaltfront mit schweren Unwettern und Hagel für den Spätnachmittag angesagt. Ich steige daher rasch auf, nach 1 Stunde 20 Minuten sind die 700 Höhenmeter Zustieg überwunden. Am Einstieg beginnen gerade 5 Männer mit der Kletterei, gut ausgerüstet zwar, aber auffallend langsam. Ich klettere zügig an ihnen vorbei und bin in etwas weniger als 2 Stunden oben am Gipfel. Von den 5 Klettersteigaspiranten ist nichts zu sehen.
 
Beim Abstieg komme ich wieder unter dem Klettersteig vorbei. Da sehe ich die 5. Drei von ihnen stehen gerade unter dem Beginn der Hauptschwierigkeiten, 2 sind noch einmal deutlich darunter, ohne sich zu bewegen. Ich setze mich und schaue ein bisschen zu. Der Unterste der 5 klettert ein Stückchen weiter – und fällt dann kopfüber in seinen Klettersteiggurt. „Braucht Ihr Hilfe?!“, rufe ich hinauf. „Nein, nein“, kommt als Antwort. „Oben wird es noch deutlich schwieriger!“, schreie ich. „Wir steigen eh schon ab“, sagen die Männer. Das schaffen sie aber nicht mehr, denke ich mir. Zu langsam, nach einem Sturz auch noch abklettern. Aber wenn sie keine Hilfe brauchen, warum sollte ich mich einmischen und die Bergrettung rufen? Ich wäge ab und gehe dann zurück ins Tal. Als das Unwetter ausbrach war ich bereits daheim.
 
Nicht so die 5 Männer. Von deren Schicksal erfuhr ich aus den Radionachrichten. 5 Männer seien am Kaiserschild Klettersteig in Bergnot geraten. Schliesslich hätten sie den Hubschrauber gerufen, aber viel zu spät. Er musste wegen des herannahenden Gewitters unverrichteter Dinge wieder abdrehen. Ein schweres Gewitter an einem exponierten Klettersteig ist kein Zuckerschlecken. Man ist in ein Stahlseil eingebunden, das vom Gipfel nach unten die Wand durchzieht. Ein Blitz, der irgendwo einschlägt, setzt den ganzen Klettersteig unter Strom. Doch die 5 hatten Glück. Laut Radiobericht wurden sie in der Nacht von Bergrettungsmännern, die zu ihnen aufgestiegen waren, abgeseilt und unversehrt gerettet.

2 thoughts on “5 Männer in Bergnot

  1. Martin Balluch says:

    @MMM

    Falls sie eines der 5 Notfallopfer waren und sich durch den Beitrag beleidigt fühlen, tut mir das leid. Ich wollte niemanden beleidigen und auch nicht besserwisserisch sein. Ich wollte lediglich von einem Bergunfall berichten, den ich persönlich erlebt habe, um daraus zu lernen.

  2. MMM says:

    und was willst Du uns mit diesem Beitrag sagen?

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