5 Stunden in einer Gefängniszelle in Innsbruck

In der Nacht von Sonntag auf Montag schlenderte ich mit einem Tierschutzaktivisten durch die menschenverlassenen Straßen von Innsbruck. Wir wollten uns die verschiedenen Denkmäler ansehen, um sie am kommenden Morgen zu erklettern und ein Transparent zum Tierversuchsgesetz daran aufzuhängen. Auch in Tirol sollte die Diskussion über dieses Thema wieder angekurbelt werden, mit besonderem Bezug, denn Wissenschaftsminister Töchterle ist ja auch bekennender Tiroler.

Was uns sofort auffiel, war die hohe Frequenz, mit der Polizeiautos langsam durch die Straßen fuhren. In nur 1 Stunde kamen sie gezählte 12 Mal an der Triumphpforte vorbei, 2 Mal davon hielten sie dort an und ein Beamter stieg aus und ging einmal um die Triumphpforte herum. Möglicherweise ist die Triumphpforte ein Tiroler Kleinod, das eines erhöhten Schutzes bedarf. Oder die Innsbrucker Polizei hat nur sehr wenig zu tun und ist kunstinteressiert. Oder die Ämter für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung hatten durch Telefonüberwachung mitbekommen, dass ich nach Innsbruck gekommen war, und man fürchtete eine Abseilaktion in der Art der letzten Woche!

Wir ließen uns aber nicht beirren. Nach 2 ½ Stunden Schlaf trafen wir uns um 4:30 Uhr in der Früh und gingen zum Befreiungsdenkmal am Landhausplatz. Dieses Monument ist mehr als 20 m hoch und für eine Bekletterungsaktion gut geeignet. Doch nach nur wenigen Minuten auf dem Weg hinauf sah uns eine Passantin, informierte lautstark den Nachtportier des Landhauses, und der wiederum die Polizei. Zwar gelang es uns, bis auf das Denkmal zu kommen und ein Transparent zu hissen, doch die Polizei reagierte offensichtlich vorbereitet. Nur wenige Minuten nach dem Alarm waren 6 Polizeiautos vor Ort, keine 12 Minuten später 2 große Feuerwehrkräne, und schon kam die COBRA und nahm uns fest. Mir wurden die Arme verdreht und die Hände dann in dieser verdrehten Haltung in Handschellen festgeklemmt. Anschließend wurde ich sehr schmerzhaft an diesen Handschellen und anderen Körperteilen von 6 BeamtInnen zu einem Arrestwagen getragen. Dort wurde ich mit roher Gewalt und ohne Umstände in eine enge Zelle dieses Wagens geworfen, egal ob ich dabei mit dem Rücken gegen die Stufen des Autos schlug. Die Zellentür schloss mit Gewalt und durch mehrere Schlägen gegen meine Beine.

Ein Polizist sagte bei meiner Festnahme, er sei sehr erfreut, mich festnehmen und diese Aktion vereiteln zu können. Ich fragte ihn warum und ob ihm die Tiere nicht leid täten. Er meinte, was wir da machen würden sei nur dumm, er esse am liebsten Hühner aus Massentierhaltung, das schmecke ihm. Ich antwortete, dass das der Unterschied zwischen uns sei: er denke egoistisch, ich altruistisch, ich würde mir das alles nicht für meinen Vorteil, sondern für andere antun. Wie ich dann auf dem Weg zum Arrestwagen zwischenzeitlich auf den Boden gedrückt wurde, lehnte sich dieser Polizist vor und flüsterte in mein Gesicht: „ich werde heute extra für dich Trottel 2 Hühner essen!“ Warum er sich über mich in meiner Situation noch mokiere, fragte ich ruhig zurück, warum ich ihm eigentlich nicht leid täte, und sah ihm dabei direkt in die Augen. „Weil du blöd bist“, antwortete er verächtlich, aber mit abgewandtem Gesicht, das Verunsicherung anzeigte.

Aber es gab auch andere Beamte. Einer davon sagte mir gleich zu Anfang, dass er leider seinen Einsatz nicht habe 30 Minuten hinauszögern können, obwohl er eigentlich Tierschutz für wichtig erachte und uns hätte Zeit geben wollen.

Nachdem die Tür zu meiner Zelle im Arrestwagen brutal geschlossen worden war, fuhr das Auto mit Höchstgeschwindigkeit zur Polizeistation. Ich hatte kein Fenster, und weder Sitz noch Sitzgurt, die Zelle war vielleicht 60 cm breit, 1,2 m lang und 1,5 m hoch. Bei jeder Kurve flog ich an die gegenüberliegende Wand. Dabei trug ich noch immer Handschellen, die meine beiden Arme verdrehten. Dennoch gelang es mir, mein Handy aus der Tasche zu holen und andere TierschützerInnen von der Situation zu unterrichten.

Nach meiner Ankunft in der Polizeistation wurde ich in einen winzigen Warteraum gesperrt und 2 Mal durchsucht. Dabei nahm man mir alle meine Habseligkeiten aus den Hosentaschen. Ich bekam die Häftlingsnummer 1476712 und wurde in Zelle 43 gesperrt. Diese Zelle war 4 m lang und 3 m breit, allerdings für 4 Insassen, die in jeweils 2 Stockbetten liegen mussten. Ein kleiner Tisch und 4 Schemel waren in den Boden geschraubt, ein winziger Waschtisch und eine Kloschüssel, die durch eine Schwingtür abgegrenzt war, komplettierten die Ausstattung. Das Fenster war mit dicken Betongittern versehen. Dahinter sah ich den Bereich, in dem die Häftlinge jene Stunde pro Tag verbringen dürfen, die sie nicht in der Zelle sein müssen: 4 m hohe Betonmauern, 20 Schritte lang und 8 Schritte breit, ohne Pflanzen.

Um 7 Uhr bekam ich 2 trockene Semmeln und einen Schluck schwarzen Kaffee in einem Tupperware Plastikbecher zum Frühstück. Sowohl die gefangenen Hausarbeiter, als auch die Wachebeamten, waren durchwegs nett und freundlich. Nach einigen Stunden wurde ich zu Anwalt Bernd Haberditzl gebracht, der durch die TierschützerInnen alarmiert worden und dankenswerter Weise sofort von seinem Wohnsitz in Tirol mit dem Zug nach Innsbruck gereist war. Er ist Mitarbeiter der Anwaltskanzlei Stefan Traxler in Wien, die uns immer wieder hervorragend unterstützt. Sein Anblick und seine freundlichen Worte waren eine große Hilfe. Er teilte mir mit, dass ich demnächst verhört werden würde, und dass er mir rate, keine Aussage zu machen und nichts zu unterschreiben. Dann wurde ich in meine Zelle zurückgebracht, nur um recht kurz darauf tatsächlich zum Verhör zu gehen. Ich machte keine Angaben und wanderte in meine Zelle zurück. Nach insgesamt 5 Stunden seit meiner Festnahme öffneten sich schließlich die Tore des polizeilichen Anhaltezentrums in Innsbruck für mich wieder. Etwa 2 Stunden später wurde auch mein Kletterpartner entlassen.

Mit unserer Aktion wollten wir nur die Gegenseite und das Wissenschaftsministerium dazu auffordern, mit uns in eine öffentliche Diskussion über die Reform des Tierversuchsgesetzes zu treten. Die Reaktion der Behörde darauf war, uns einzusperren.

9 thoughts on “5 Stunden in einer Gefängniszelle in Innsbruck

  1. der wilde Wolf says:

    Der Hass vieler „normaler Bürger“ gegen die „Aussenseiter“ wird immer größer…..Das Hamsterradleben was die Masse lebt muss ja zu Frust, Aggression, Neid und Missgunst führen…..In ihren Herzen wollen ja viele dieses leben nicht, nur sind diese zu gut erzogen von unserem „tollem“ System…..Ein Freund von mir wurde auch mal bei einer Aktion von Polizisten in einen Wald gefahren und brutalst niedergeschlagen, er hatte glücklicherweise einen Zeugen und diese Polizisten wurden bestraft….Allerdings war das schon lange her, ich glaube heute greift der Staat viel brutaler zu als vor 20 Jahren, auch ein Grund der „Wirtschaftskrise“, um jedes Aufkeimen von Protest sofort zu unterbinden….aber die Zeit wird kommen….

  2. e. h. says:

    diese Polizeimaffia handelt völlig verrückt: sie haben keine Ahnung dass nach Markeingumfragen 92% der Österreicher Tierfreundlich sind und jede Menge Geld (Milliarden im Jahr) für Tierfutter ausgeben.
    Sie kreieren auf diese Weise jede Menge Hass auf die, wie die Zivielbürger meinen, absolut unnötige und Aktionen der Exekutive, die sich wieder einmal als Feinde des Volkes positioniert.
    Zu dumm, dass strategisches und vernünftiges Vorgehen für diese Leute unbekannt ist. Durch schaffen von Märtyrern schafft man sich langfristig nur Probleme.
    Hat denn niemand von den Exekutivleuten einmal einen globaleren Blick versucht?
    Oder wird nur strur nach sinnlosen Einsatzbefehlen einiger Fanatikere gehandelt?
    Wie entschuldigt sich die Polizei zu den menschenunwürdigen unangepassten Übergriffen?
    Wäre Zeit für eine Säuberrungsaktion von Beamten mit menschenunwürdigen Verhalten – das fordert die Zivilgesellschaft zweifelfrei mit Recht!

  3. Martin C. says:

    Warum sollte die Polizei auch ihre Vorgangsweise gegenüber Tierschützern ändern? Wie sich immer wieder zeigt, genießen Polizeibeamte in Österreich offensichtlich Narrenfreiheit. Primitive und sadistische Polizeibeamte sind eine Gefahr für den Rechtsstaat, erst recht, wenn dieser nicht sauber funktioniert. Erinnert mich an ein Zitat aus dem Plädoyer eines Beschuldigten aus dem sogenannten Tierschützerprozess: Ich möchte zitieren, was der Herr Plessl zu meinem Mitstreiter K. gesagt hat: „Wenn wir mit dir fertig sind, wirst du auf allen Vieren nach Deutschland kriechen, und nie wieder nach Österreich zurückwollen.“
    Dieser SOKO-Beamte, Rudolf Plessl, schaffte den Sprung in den Nationalrat, u.a. ist er im Ausschuss für Menschenrechte (?).
    Erfreulich ist, dass es zumindest noch ein paar anständige Polizisten zu geben scheint.

  4. Dominik says:

    @julia Tierschutz geht aber gegen die Interessen der Wirtschaft und derer die sie lenken – und nur das ist es, was im Kapitalismus zählt. Gravierend ändern wird sich erst etwas, wenn dieses System endlich der Vergangenheit angehört.

  5. Heidi scherngell says:

    Schrecklich!!!! Wirklich bewundernswert, dass Ihr euch so einsetzt!!!

  6. julia says:

    Wie schrecklich. Ich vermute, in Österreich gibt es keine Kennzeichnungspflicht der Polizisten? Oder muss man sich Trottel nennen und beleidigen lassen, nur weil der andere Uniform trägt? Aber die Aktion zeigt auch, wie effektiv Ihr seid und wie wichtig diese AKtionen genommen werden!
    Ein Artikel über Polizeitwillkür in Deutschland hat mich sehr an die Tierschutzcause in Österreich erinnert:
    http://www.zeit.de/2012/40/DOS-Polizeigewalt-Deutschland
    Tröstlich zu lesen, dass die (Innsbrucker) Polizei im Guten wie im Bösen einen Querschnitt der Gesellschaft bietet – und in der ist das Thema Tierschutz doch offenbar angekommen. Es muss doch in die Köpfe der Regierenden gehen, dass Tierqual nicht dem mehrheitlichen Willen der Bevölkerung entspricht!

  7. Michaela Mandl says:

    ein skandal, wieder mal, als ob polizisten nichts anderes zu tun hätten. man behandelt tierschützer wie den letzten dreck.
    danke martin, dass ihr euch unermüdlich zum schutz der tiere einsetzt. traurig, dass man sich von seiten der exekutive auf so ein niveau runter lässt. zum trost….auch nelson mandela war immer wieder hinter gittern, für eine gerechte sache. tiere als haustiere verhätschel, unbekannte leiden lassen und menschen wie euch unwürdig behandeln. armes österreich! die kultur eines volkes zeigt sich nicht im besuch von oper und theater, sondern im umgang mit den geschöpfen, egal ob 2 oder 4 beine.

  8. elisabeth petschnig says:

    Ich glaube diese Menschen hassen Tierschützer so,weil sie irgendwie wissen im Unrecht zu sein.Seit den unermüdlichen Aktionen des VGT bin ich gsd Veganerin.
    Die Beschreibung der Festnahme und des Transportes ist unglaublich,tja das heilige Tirol……….

  9. Andrea says:

    Das liest sich ziemlich gruselig! 🙁 Diese enorme Überreakton in diesem Staat auf Tierschutz…dass das nicht mehr Leuten zum Denken gibt…!

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