Auch für Menschen gefährliche Tiere haben ein Recht auf Leben

Ein strahlend sonniger Tag bei uns in der Obersteiermark. Meine kleine Tochter springt fröhlich bloßfüßig um unsere Hütte herum. Da sehe ich eine Bewegung im hohen Gras, keine 5 m neben ihr. Ich schaue nach und, tatsächlich, eine Kreuzotter. Also eine Giftschlange. Tödlich für so 2-jährige Menschen, wenn sie zubeißt.

Diese Schlange wohnt keine 50 m von uns entfernt. Ich habe gesehen, wie sie dort in ein Loch kriecht. Naja, kein Wunder, Schlangen können ja nicht besonders weit wandern, an einem Tag. Das heißt sie wird sich bis auf Weiteres immer in Hüttennähe aufhalten. Da ist Vorsicht geboten!

Das Geschrei der Jägerschaft und der Tierhalter_innen, dass der Wolf unbedingt weg muss, wird oft damit begründet, dass er insbesondere für Kinder eine Gefahr sei. Zwar töten Rinder mehr Menschen als Wölfe, aber die Rinder bringen Geld, und da drückt man gerne ein Auge zu. Der Wolf bringt kein Geld. Der bringt gar nichts, in Geldbeträgen gesprochen, und was nichts nützt, das ist auch nichts wert, in unserer so netten Gesellschaft. Ist unsere Giftschlange eigentlich etwas „wert“?

Ich habe den Bürgermeister einer Osttiroler Gemeinde, der tapfer unsere Kinder vor Wölfen schützen will, und deshalb für deren Ausrottung plädiert, gefragt, ob er meint, mein Kind ist mehr durch den Wolf als durch diese Giftschlange bedroht. Immerhin bleibt sie immer in unsere Nähe und kann auch nicht besonders schnell weglaufen, d.h. man kann schon versehentlich drauf treten und dann wird sie beißen. Sollte unser tapferer Bürgermeister nicht schnellsten dafür sorgen, dass diese Giftschlange getötet wird? Seltsamerweise hat er nicht geantwortet. Ich glaube, er will gerne die Wölfe töten, aber die Giftschlangen sind ihm nicht wichtig. Offenbar geht es ihm doch nicht um unsere Kinder.

Nun, liebe Menschen, die ihr auch Wölfe töten wollt, um Kinder zu retten. Wie steht es mit Euch? Sollte diese Giftschlange getötet werden? Aber wenn wir diese töten, warum nicht die, die ein bissel weiter weg wohnen? Da geht mein Kind auch wandern. Eigentlich sind Giftschlangen doch überall gefährlich, oder nicht? Wie der Wolf!

Und darum gehts: sollten wirklich alle Tierarten ausgerottet werden, die uns keinen Nutzen bringen, oder die uns gar gefährlich werden könnten? Aber dann bitte nicht die Bienen vergessen, die töten in Österreich mehr Menschen als alle anderen Tiere. Und die Rinder! Aber halt, Bienen und Rinder sind ja zu etwas „nütze“.

Nein. Das ist nicht mein Zugang zur Natur. Jedes Tier hat ein Recht auf Leben, auch jene, die uns gefährlich werden können. Ich würde diese Giftschlange, die in der Nähe meiner Hütte lebt, niemals töten. Und die Wölfe natürlich auch nicht. Wir sollten den Wildtieren den Großteil der Natur in Österreich und anderswo zur freien Verfügung übergeben und endlich einmal zurück stecken. Zu was sind wir Menschen denn nütze?

One thought on “Auch für Menschen gefährliche Tiere haben ein Recht auf Leben

  1. sabri says:

    Das ist keine gute Lösung, ein für die Familie sehr gefährliches Tier in unmittelbarer Nähe muss dort fort, wenn schlimme Gesundheitsschäden oder der Tod absehbar sind, und das ist bei einem kleinen Kind, einem sehr alten Hund und einer Kreuzotter nebenan der Fall.
    Mit der Schlange reden, ob sie freiwillig freundlicherweise und vorsichtshalber umziehen wird. Antwort und Handlung abwarten. Falls sie wohnen bleibt, wegziehen oder die Schlange fangen und fortbringen.
    Bei einem diagnostizierten, infizierten Zeckenbiss gibt es noch Heilmittel und Lebenszeit – dann könnte man also auch die saugende Zecke leben lassen -, bei einem Kreuzotternbiss nicht.
    Nein, der Bürgermeister will und wird Kind und Hund nicht schützen. Aber die Großen der eigenen Familie sollten es tun.

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