Bohrn-Menas „Konsumdialoge“ ohne Zivilgesellschaft

Über Bohrn-Mena musste ich hier in meinem Blog schon einiges berichten, siehe https://martinballuch.com/category/tierschutz/volksbegehren/. Das reicht von seltsamen Firmenkonstruktionen, die ihn finanzieren, über das Spendensammeln mit den Fakten aus Aufdeckungen ganz anderer Vereine, bis zur Käuflichkeit durch die Tierindustrie. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Bohrn-Mena, der ein Tierschutzvolksbegehren initiiert und damit doch hoffentlich Tierschutz betreiben sollte, lässt sich von der Tierindustrie sozusagen als Doppelagent bezahlen. Nach außen als Tierschützer auftreten, aber dann Geld von Gourmetfein z.B. beziehen, die einfach ihre Schweine auf Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu halten, also die Mieseste der miesen Haltungen betreiben. Aber damit nicht genug, biederte er sich der Geflügelindustrie an, um für sie zum Preis von € 250.000 eine Imagekampagne durchzuziehen. Der Mr. Tierschutzvolksbegehren, wohlgemerkt. Und für die Tierindustrie-Lobbygruppe „Land schafft Leben“ wollte er um € 6.000-8.000 monatlich als Berater oder Sprecher fungieren. Die Beweise für diese Aussagen findet man im obigen Link.

Dass er nicht zimperlich ist, Geld vom politischen Gegner des Tierschutzes zu nehmen, sieht man auch am obigen Bild: das Tierschutzvolksbegehren mit Raiffeisen-Werbung. Selbst für die konventionelle Salzburg-Milch hat er einen Werbefilm gegen Entgelt auf der Webseite des Tierschutzvolksbegehrens verbreitet. Er ist offensichtlich käuflich.

Ein Beispiel kürzlich. Zuerst kritisiert Bohrn-Mena das Möbelhaus XXXLutz scharf:

Wenig später ein Artikel von Bohrn-Mena, in dem er XXXLutz in den Himmel lobt. Und darunter das Bekenntnis: der Artikel ist eine entgeltliche Werbung:

Das scheint Bohrn-Menas Geschäftsmodell, keine eigene Meinung, sondern für Großbetriebe mit viel Kapital Werbungen schalten, nachdem er sie vorher kritisiert hat. Eine Werbung aber, die kaum als solche zu erkennen ist. Wie könnte ein Tierschutzvolksbegehren für einen Schweine-Vollspaltenbetrieb, einen konventionellen Milchvermarkter oder die Geflügelindustrie werben? Diese Umstände hat die Presse in einem Artikel, der ebenfalls im Link ganz oben zu lesen ist, aufgedeckt. Bohrn-Mena tönte gleich, er werde klagen und habe dabei sogar einen Etappensieg gelandet. Doch davon ist verdächtig wenig zu hören in letzter Zeit. Offenbar hatte die Presse doch gut recherchiert.

Jetzt veranstaltet Bohrn-Mena mit € 40.000 aus Ministerien der Grünen Partei einen sogenannten „Konsumdialog“, für den der Begriff „Monolog“ passender wäre, da die gesamte Zivilgesellschaft wohlweislich ausgespart wurde. Weder irgendeine Tierschutz- noch eine Umweltschutzorganisation wurde eingeladen. Kein Wunder, sind das doch idealistische Gruppierungen, die sich, im Gegensatzu zu Bohrn-Mena, nicht kaufen lassen. Stattdessen redet dort das Who is Who der großen Tierindustrie und ihrer Lobbygruppen, von der AMA über die Landwirtschaftskammern bis zu den Geflügel- und Schweinebranchenvertretungen. Haben also auch die Grünen Bohrn-Mena gekauft?

Wie bekannt, soll demnächst eine Reform des Tierschutzgesetzes und seiner Verordnungen in Begutachtung gehen. Das wird ein Kompromiss der Grünen mit der ÖVP, wobei die Grünen es natürlich als Erfolg verkaufen müssen, weil bisher ist in Sachen Tierschutz in dieser Legislaturperiode noch gar nichts geschehen. Kern der geplanten Reform ist die Einführung des sogenannten dänischen Systems in der Schweinehaltung für alle Neu- und Umbauten ab 2023. Das dänische System sieht vor, dass auf einem Drittel der Vollspaltenbodenbucht nur mehr die Hälfte der Spalten sein dürfen. In der Praxis sieht das so aus:

Wer erkennt den Unterschied zum bisherigen System? Wohl nur die wahren Spezialisten. Von denen Bohrn-Mena offenbar einer ist. Er stößt ins selbe Horn wie die Schweineindustrie und die Grünen, und posaunt überall herum, dass damit der Vollspaltenboden Geschichte ist – freilich dank seines Einsatzes:

Die Grünen freuts – und sie zahlen Bohrn-Mena € 40.000 für einen Tierindustrie-Werbeevent, ein klassisches Greenwashing, weil die Werbung dabei als Konsumdialog kaschiert ist. Kritische Stimmen zur Tierindustrie kommen überhaupt nicht zu Wort. Dabei distanzieren sich auch die allermeisten Grünen schon längst von Bohrn-Mena, seine Rückgratlosigkeit ist ja mittlerweile überall bekannt. Doch die Connection zu den Grünen dürfte die umtriebige Irmi Salzer aus dem Kabinett von Leonore Gewessler sein, war sie doch besonders in der Vorwahlzeit Lieblingsinterviewpartnerin von Bohrn-Mena: https://www.oe24.at/tierschutz/tierschutz-politik-gespraech-irmgard-salzer/390665959

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