Buchrezension „Alpengletscher“

Kürzlich erst fiel mir auf, dass ich schon eine ewige Zeit nicht mehr noch im Dunkeln aufgestanden bin, um im Hochgebirge einen Berg weit über 3000 m zu besteigen, vielleicht auf einer schwierigen Route, wie ich das früher so oft getan habe. Die Nervosität beim Losgehen im Dunkeln, das erste Sonnenlicht, das die Stimmung hebt. Und dann die unendliche Schönheit dieser Bergregionen, die ihre Ästhetik daraus beziehen, dass sie vom Menschen weitgehend unberührt sind. Schade, dass ich aufgrund meiner Vaterschaft momentan nicht mehr zum Hochgebirgsbergsteigen komme.

Da fiel mir das Buch „Alpengletscher“ vom Tyrolia-Verlag in die Hände. Es ist in erster Linie ein Buch mit unfassbar großartigen Fotos aus der vergletscherten Bergwelt der Alpen. Wunderschön aufbereitet, die Bilder einfühlsam ausgewählt, lässt einen das Buch in diese wilde Welt eintauchen. Und mich hat es in die Zeit meiner vielen Touren zurück versetzt.

Bernd Ritschel kann das, Berge zu fotografieren. Er hat bereits einige Bildbände zu den Bergen herausgebracht und hält Vorträge und Fotoworkshops. Seine Bilder zeigen nicht nur das Können eines Profis, sondern auch die Liebe eines naturaffinen Menschen zu dieser Landschaft.

Die Gletscher verschwinden. Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Ich selbst habe noch Eiswände in den Hohen Tauern erklettert, die heute nicht mehr existieren. Und auf der Übergossenen Alm am Hochkönig oder auf den Gletschern des Dachsteins, beides Berge unter 3000 m, verschwindet die Eiswelt so rasch, dass man allen nur empfehlen kann, noch einen letzten Blick darauf zu werfen, bevor sie endgültig weg sind.

Die Hintergründe zu dieser Entwicklung, vom Klimawandel bis zur Gletscherforschung, werden auch in diesem Buch beleuchtet. Andrea Fischer ist als Wissenschafterin die für diese Einsichten verantwortliche Autorin. Zwar stehen die Fotos in diesem Buch bei weitem im Vordergrund, doch hat man, nachdem man die Texte gelesen hat, ein bisschen mehr Verständnis für das, was man auf den Fotos sieht.

Mich hat dieses Buch jedenfalls davon überzeugt, dass ich mir wieder die Zeit nehmen will, ins Hochgebirge zu gehen. Wenigstens einige wenige Tage im Jahr.

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