Philosophie

Wenn ein Stier einen Torero tötet

Vorgesehen ist das offenbar nicht als möglicher Ausgang dieses lächerlich machohaften, tierquälerischen Spektakels, dass der Stier einmal den Torero tötet, statt umgekehrt. Warum sonst die Aufregung? Rasch wird nicht nur der „Mörder“, wie man den Stier in den spanischen Medien nennt, umgebracht, sondern auch seine Mutter, damit nicht weitere „Mörder“ geboren werden. So hart sind die Herren und Damen Toreros dann offenbar doch nicht.

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Leidminimierung bei Konflikten unter Wildtieren?

Kürzlich bei einer Konferenz über Effektiven Altruismus in Berlin hielt jemand einen Vortrag über das Leid von Wildtieren, wenn sie in der Kälte ohne Heizung in der Wildnis stehen, oder wenn sie sich gegenseitig töten und essen. Dieses Leid, so der Vortragende, sei wesentlich schlimmer weil von der Anzahl betroffener Tiere her größer, als das Leid der sogenannten Nutztiere in Tierfabriken. Seine Tierschutzgruppe würde deshalb wild lebende Paarhufer in Spanien im Winter füttern. Bei einem anderen Vortrag wurde sogar gesagt, es sei gut, wenn ein wilder Wald abgeholzt und zubetoniert werde, weil dann gibt es weniger Lebensraum für Wildtiere und diese leiden doch so viel, sodass es global gesehen weniger Leid bedeutet, wenn es weniger Wildtiere gibt.

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Computer Artificial Intelligence (AI) kann niemals zu Bewusstsein führen

Sie werden doch immer besser, die Computer. Jetzt hat kürzlich das Programm eines Supercomputers sogar einen der weltbesten Go-Spieler, ich glaube aus Südkorea, besiegt. Und ich erinnere mich noch gut, so Ende der 1990er Jahre, als der erste Computer den regierenden Weltmeister im Schach schlug. Na, wer so gescheit ist und so komplexe Probleme lösen kann – noch besser als Menschen – der muss doch Bewusstsein haben, oder?

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Autonomie der primäre Wert: das emotionale Argument

Es wirkt zunächst so plausibel: da leidet jemand, aber wer will schon leiden, also ist es besser, dieser Jemand leidet nicht oder weniger, also ist Leidvermeidung gut. Diese Schlussfolgerung setzt aber nicht nur voraus, dass kein leidensfähiges Lebewesen leiden will, sondern auch, dass es die ethische Verpflichtung gäbe, den Willen leidensfähiger Lebewesen zu ignorieren und sie zu ihrem Glück, nicht leiden zu müssen, zu zwingen, wenn man meint, es besser zu wissen.

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Autonomie der primäre Wert: das theoretische Argument

In letzter Zeit ist es immer öfter zu hören, obwohl ich es schon längst für völlig diskreditiert halte: der primäre Wert in der Ethik sei Leidvermeidung bzw. Leidminimierung. Wirklich seltsam, dass das so vielen Menschen so leicht über die Lippen kommt. Vielleicht minimieren gewisse Tierversuche das Gesamtleid aller Wesen auf der Erde, aber ist das den benutzten Tieren gegenüber gerecht? Warum schließen wir dann Menschenversuche zum Vorteil der Menschheit aus? Tierrechte schützen genau davor, unschuldig für den Vorteil anderer herhalten zu müssen. Tierrechte und Leidminimierung schließen sich also gegenseitig aus. Gar nicht zu reden von Tierbefreiung, d.i. die soziale Befreiung von menschlicher Dominanz und menschlichem Paternalismus. Nun, was soll es sein, Leidvermeidung oder Tierrechte bzw. Tierbefreiung? Ist das einfach Sache der persönlichen Vorliebe?

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Bemerkungen zum Utilitarismus: Leid ist nicht Leid

Wollen wir keine willkürlichen Werte definieren, und keine willkürlichen metaphysischen Annahmen voraussetzen, dann ist der unmittelbarste Zugang zu ethisch gut oder schlecht die Bewertung der Gefühle von Leiden und Glück. Leid fühlt sich definitionsgemäß schlecht an, Glück gut, also ist Leid universal schlecht und Leidvermeidung gut, ebenso wie umgekehrt die Behinderung von Glücksgefühlen schlecht und ihre Vermehrung gut ist. Das beschreibt, in aller Kürze, die scheinbar eingängliche Begründung des Utilitarismus.
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Beim Utilitarismus bleiben viele Fragen offen

Nick Cooney hat nun sein drittes Buch geschrieben. Ich finde den Zugang, statt politische Taktikunterschiede zu ideologisieren, sie wissenschaftlich zu untersuchen und zu vergleichen, sehr spannend. Aus Cooneys Büchern kann man diesbezüglich sicher einiges lernen. Doch andererseits strotzen seine Schriften von plattem Utilitarismus. Als er in Wien einen Vortrag über sein Buch „Change of Heart“ hielt, meinte er auf meine Frage ganz verwundert, dass es wohl allen AktivistInnen darum gehen müsse, möglichst viel Leid zu vermeiden. Das schien ihm völlig selbstverständlich und keiner weiteren Überlegung wert. So kommt er auf Forderungen, wie, man solle die Menschen dazu bringen, statt Hühnern Rinder zu essen, weil für dieselbe Menge Hühnerfleisch müssen viel mehr Tiere leiden als bei Rindfleisch, einfach weil Rinder größer sind. Also so etwas Seltsames als Kampagnenziel zu formulieren fiele mir nicht im Traum ein. PETA brachte es einmal auf den Punkt mit einer, wie ich glaube, ironisch gemeinten Forderung, nämlich Wal- statt Hühnerfleisch zu konsumieren, aus demselben Grund. Zu meinem Erstaunen traf ich in Cooneys Kielwasser kürzlich einige utilitaristisch denkende AktivistInnen in Wien. Das motiviert mich nun, darüber ein paar Worte zu verlieren.
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„Bedürfnis“, ein rein menschlicher Begriff? Ein Meinungsaustausch

Auf der Tagung „Ökonomien tierischer Produktion“ am Institut für Europäische Ethologie in Wien durfte ich an einer Podiumsdiskussion zur Frage einer Nutztierethik teilnehmen. Ich argumentierte u.a. mit meiner Beziehung zu meinem Hundefreund für Tierrechte und Autonomie. Da wurde mir die Frage gestellt, ob „Bedürfnis“ nicht nur ein menschlicher Begriff sei und wieso ich dieses Konzept so einfach auf nichtmenschliche Tiere anwende. Daraus entspann sich der folgende Emaildialog, den ich mit Zustimmung meines Diskussionspartners hier vollständug und unverändert wiedergebe:

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Anthropozentrismus in den Naturwissenschaften? Ein Leserbrief an New Scientist

An Letters@newscientist.com

Dear editors,

I am bewildered, to say the least, by the amount of naive anthropocentrism, which I came across reading your issues 3019 and 3020 from May 2015. It starts with an article suggesting that reality is a fiction of human consciousness. Well, reality might be a fiction of MY consciousness, but what could be so special about the consciousness of a particular group of apes that should give rise to reality collectively? What do all humans alive right now have in common that could merrit such a strange conclusion? I live with a dog, and quite frankly my conscious experience of nature, affection and social support has much more in common with his than with the one of most other humans I have ever met – not talking about those, which I have not met and will never meet, who live in totally different environments and cultures.
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Kant, die klassische Logik und die Quantenwelt

P1000379Das größte Mysterium dieser Welt war für mich immer schon die Frage, wieso die Mathematik so unheimlich gut in die physikalische Welt passt. Ja, meinem Eindruck nach scheint die Welt eher mathematisch als physikalisch zu existieren. Wer die mathematische Beschreibung nur für ein Modell der Wirklichkeit hält, das lediglich so ungefähr den Experimenten entspricht, den würde ich gerne Fragen ob z.B. die Erhaltungsgrößen Energie und Impuls nur so ungefähr oder nicht doch exakt erhalten sind. Ist da nicht die mathematische Gleichung, die diese Erhaltung exakt beschreibt, der Wirklichkeit näher, als das Experiment (also die Erfahrung), das immer mit einem Fehler behaftet ist?
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