„Da läuft einiges schief!“ – wie der ÖVP-Bauernbund das Mensch-Tier Verhältnis sieht

„Da läuft einiges schief“ heißt die Kolumne des Direktors des ÖVP-Bauernbundes in Salzburg, Josef Bachleitner, in der Bauernzeitung vom 8. November 2013. Gemeint ist, dass die Menschen ihre Haustiere viel zu lieb haben und daher sogar für deren Unterkunft per Versicherung vorsorgen, sollten sie vorzeitig sterben: Mit einer Einmalzahlung von 17.000 Euro für die Katze oder 30.000,- Euro für den Hund bist du dabei! Das Angebot einer bekannten Versicherung in Kooperation mit Gut Aiderbichl macht es möglich! Und wer nicht gerade so viel Geld auf einmal erübrigen kann, der kann z.B.: für sein liebes Kätzchen schon mit einem Beitrag ab 59,98 Euro und für den Hund mit 102,- Euro monatlich vorsorgen! „Sollten Sie sich einmal durch Unfall, Krankheit oder Tod nicht mehr um Ihr Haustier kümmern können, dann springt die VierbeinerVorsorge ein. Alle versicherten Tiere finden auf Gut Aiderbichl ein neues Zuhause, wo man sich liebevoll um sie kümmert – ein ganzes Tierleben lang“, so der Originaltext der Versicherung! Dass immer mehr Menschen Tiere auf die gleiche Ebene wie Menschen stellen, ist für mich jedoch eine extrem dekadente Entwicklung.

Nach Herrn Bachleitners Ansicht ist die Sache vermutlich klar: ist ein Tier noch am Leben, wenn sein „Besitzer“ gestorben ist, dann sollte man es einfach töten. Wozu am Leben erhalten? Es hat ja seinen Wert verloren. Der wäre schließlich nur durch Menschen bestimmt, die dem Tier einen Wert geben. An sich hätte es ja keinen.

Das kennt ÖVP-Bauernbunddirektor Bachleitner ja schon von den Nutztieren. Da berechnet man genau, ob sich eine tierärztliche Hilfe auszahlt: übersteigt sie den Verkaufswert des Tieres, dann weg damit. Oder einfach vor sich hin vegetieren lassen, vielleicht erfängt es sich ja noch und dann kann man es doch verkaufen.

Am Absurdesten scheint es Herrn Bachleitner, wenn man Haustiere und Nutztiere vermischt. Die einen sind dazu da, geliebt zu werden (aber nur nicht wie einen Menschen!), die anderen, gegessen zu werden. Aus seinem Kommentar: Durch die realitätsfremde Darstellung in der Werbung wird die Anforderung bei der Haltung von Nutztieren an jene von Haustieren gleichgestellt! Die fachgerechte landwirtschaftliche Nutztierhaltung wird immer wieder von Tierschutzorganisationen – die offensichtlich ein politisches Naheverhältnis zu den Grünen haben – unter Druck gesetzt! Dagegenhalten kann man nur mit einer ständigen Aufklärung der Konsumenten, wie Landwirtschaft in all ihren Facetten in der Praxis funktioniert!

Und wie diese „Aufklärung“ funktioniert zeigt uns gleich der nö Bauernbund in einer Werbeeinschaltung:

NÖBauernbundWerbungZuchtschweineklein

Mutterschweine in Kastenständen: „da schau’n wir drauf“, dass das so bleibt! Kastenstandverbot ab 2033? Papperlapapp. Bis dahin fließt noch viel Wasser die Donau hinunter und vielleicht ist schon ab Dezember das Tierschutzressort Teil des Landwirtschaftsministeriums und damit in ÖVP-Hand und dann wird alles ganz anders werden – bzw. so bleiben, wie es ist!

Da läuft tatsächlich einiges schief, beim ÖVP-Bauernbund. Er entfernt sich zunehmend weiter von der Mehrheitsmeinung zu Tieren in der Gesellschaft und manövriert sich in ein reaktionäres Eck.

5 thoughts on “„Da läuft einiges schief!“ – wie der ÖVP-Bauernbund das Mensch-Tier Verhältnis sieht

  1. Darum habe ich in der Einleitung offtopic geschrieben. Sehr wohl hat es indirekt mit der Sache zu tun. Die von mir angesprochene Dame ist schließlich eine von der ÖVP bestellte Ombudsfrau in der Steiermark. Da geht es nicht um Hund und Katz wie es abschätzig erwähnt wurde, hier geht es um die Geisteshaltung einer Partei. Eine Tierombudsfrau hat schließlich für alle Tiere ihre Stimme zu erheben.

  2. nora loschan says:

    die Forderung, dass Kühe auf der Weide gehalten werden hat mit Haustierhaltung wie Hund und Katz nichts zu tun.

  3. OffTopic aber doch nicht ganz:
    Dr. Barbara Fiala-Köck, steirische Tierschutzombudsfrau wird in der heutigen steirischen Kronen Zeitung wie folgt zitiert: „Hundekauf ist Vertrauenssache! Schauen Sie sich immer an, wie die Elterntiere leben!“
    So eine Aussage kann ja wirklich nur von einer ÖVP-Dumpfbacke kommen. So eine Dame ist Tierschutzombudsfrau im zweitgrößten Bundesland Österreichs. Ein wahrer Skandal! Wenn Ihr, so wie ich, Lust habt der Dame die Meinung zu sagen, dann tut dies unter dieser E-Mail Adresse: tierschutzombudsfrau@
    stmk.gv.at

  4. friederike ploechl says:

    man kann nur hoffen, dass auch von Seiten intelligenter und mitfühlender Landwirten, die es auch gibt – zur Zeit leider noch in der Minderzahl – die Tiere respektvoll behandeln, sich gegen diese rohe und widernatürliche Haltung der überkommenen Bauernschaft was unternehmen. das muss wohl von Innen heraus revolutioniert werden. nur von Aussen kritisiert werden diese Leute nur noch roher und abstoßender in ihrem Verhalten. Wir müssen Landwirte für unser Anliegen gewinnen, nur so werden wir rasch ans ZIel, nämlich eine tierleidfreie WElt zu schaffen, gelangen.

  5. Konrad Wurm says:

    Eine einzige Freakshow! Dümmer gehts nimmer!

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