Das Ergebnis unserer Kampagne gegen Kaninchenkäfige von 2007

Bei Tierschutzkampagnen sind wir ja mittlerweile so lange Übergangsfristen gewohnt, dass in Zukunft wahrscheinlich jene AktivistInnen, die den Fortschritt erkämpfen, dessen Umsetzung nicht mehr erleben werden. Beim Schweinekastenstand sind es ja 21 Jahre bis das Verbot in Kraft tritt. Bei den Kaninchen dürfen jene Tiere, die zur Fleischgewinnung gehalten werden, seit 1. Jänner 2012 nicht mehr in Käfigen, sondern in Buchten oder Freigehegen gehalten werden. Kaninchen zur Pelzerzeugung darf es in Österreich sowieso nicht geben und für Kaninchen zur Rassezucht oder als Haustiere müssen sich die HalterInnen an den neuen verbesserten Vorgaben (allerdings ohne Käfigverbot) erst ab 2020 orientieren.

Nun, was heißt das konkret? Zur Erinnerung, die Anlage 9 der 1. Tierhaltungsverordnung des Bundestierschutzgesetzes legt folgende Haltungsbedingungen für alle Kaninchen fest:
•    Die Verwendung von Drahtgitterböden ist verboten, aber Vollspaltenböden sind weiterhin erlaubt
•    Die Kaninchen zur Fleischproduktion müssen in Buchten oder Freigehegen gehalten werden, Kaninchen für Rassezucht oder als Haustiere können weiterhin in Käfigen bleiben
•    Den Tieren sind erhöhte Flächen oder ein zusätzlicher, räumlich getrennter Bereich zur Verfügung zu stellen
•    Falls eine Gruppenhaltung nicht möglich ist, muss zumindest akustischer und visueller Kontakt zu anderen Kaninchen bestehen
•    Mindestbodenfläche 6000 cm², also z.B. 60 cm x 1m
•    Bei Gruppengrößen über 40 Tieren reicht 1 A4-Seite pro Jungtier bis 1,5 kg, danach 2 A4-Seiten pro Tier
•    Bei Gruppengrößen unter 40 Tieren müssen es 2 für Jungtiere und ansonsten 2,5 A4-Seiten pro Tier sein

Aktuelle Fotos aus der Praxis 2013 in Österreich für die Haltung von Mastkaninchen zur Fleischproduktion:

MastBuchtEinstreu

Österreichische Mastkaninchenhaltung nach in Kraft Tretens des Käfigverbots

MastKäfig

Vorher Haltung von Mastkaninchen in Käfigbatterien statt Buchten

Manchmal leider auch mit Vollspaltenboden:

MastBuchtVollspalten

Und so sieht aktuell die Haltung von weiblichen Zuchttieren zur Fleischproduktion mit ihren Kindern aus:

ZuchtBucht1

Haltung der Zuchttiere nach dem Käfigverbot

ZuchtKäfig

Haltung der Zuchttiere vor dem Käfigverbot

 

Man mag über die magere Ausbeute des Gesetzestextes sagen, was man will, aber der Unterschied ist schon deutlich zu sehen. Dabei wird in unseren Nachbarländern, wie z.B. Deutschland, Ungarn und Italien, die Käfigbatteriehaltung für Kaninchen bisher vom Tierschutz nicht einmal laut thematisiert. Nur in der Schweiz gibt es auch keine Käfighaltung mehr, allerdings wäre sie dort noch erlaubt.

Wie kam es in Österreich zu diesem Verbot? Ich war 2006 auf einer Tierschutzkonferenz und hörte dort einen Vortrag einer englischen Tierschutzgruppe über die Kaninchenhaltung in Europa. AktivistInnen waren über viele Monate hinweg in verschiedenen europäischen Ländern in den Betrieben gewesen und hatten erschreckende Bilder von Käfigbatterien mitgebracht. Dort vor Ort beschlossen wir in kleiner Gruppe, ein Käfigverbot in Österreich zu erreichen. Dafür recherchierten wir zunächst die Zustände hierzulande und dann besuchte ich die Schweiz, um über die dortigen Alternativen informiert zu sein. Dann begann unsere konfrontative Kampagne und in weniger als 1 Jahr hatten wir das Verbot.

Ein optimistischer Lichtblick: eine kleine Gruppe von Menschen ohne jede politische Macht setzt sich zusammen, beschließt eine gesetzliche Verbesserung anzupeilen, gewinnt dafür die Unterstützung vieler AktivistInnen und in weniger als 1 Jahr ist die Änderung Realität. Natürlich war es nur ein Schritt, kein kleiner, aber dennoch nur einer. Die Schrittweite, die wir bei der Kampagne anvisierten, durfte eben nicht zu groß sein, um umgesetzt werden zu können. Aber wir hatten Erfolg und heute geht es den Kaninchen in Österreich unvergleichlich viel besser als vorher. Auch wenn sie nicht in Freigehegen leben und weiterhin gegessen werden.

2 thoughts on “Das Ergebnis unserer Kampagne gegen Kaninchenkäfige von 2007

  1. Chris says:

    Nun, wollen wir hoffen dass das Herzblut vom neuen Agrarminister nicht nur für die Agrarier schlägt sondern auch ein bisserl für die Haserl die sie dann zum Wiegefeste bzw. zum Fest der Liebe so gern essen tun.

    http://derstandard.at/1385171253561/Das-heilige-Herz-Jesu

  2. Martin C. says:

    Wahrlich eine durchaus beachtliche Verbesserung, vor allem für jene Kaninchen mit Einstreu in der Bucht. Jetzt müsste es nur noch gelingen, diese Haltungsbedingungen in andere Länder zu exportieren, damit auch dort das kurze Leben der Tiere erträglicher wird. Noch besser: Die Nutzung beenden …

    Viele Heimtier-Kaninchen können von solchen Verhältnissen nur träumen, denn gerade in der Heimtierhaltung fristen sie oft einsam, in winzigen Käfigen gehalten, (als Spielzeug) uninteressant geworden und verwahrlost ein trauriges Dasein.

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