Ekelhafter Wolfshass in Deutscher Jagdzeitung

In der Deutschen Jagdzeitung erschien am 15. Februar 2021 ein Artikel mit dem Titel „Notwehr gegen Wolf – Handlungsempfehlungen“. Der Autor, ein Jurist dieser Zeitung und natürlich Jäger, hasst den Wolf so abgrundtief, dass ich mich wirklich fragen muss, wie das zustande kommt. Woher stammt dieser unbändige Hass? Ich dachte Jäger:innen lieben doch die Natur und da gehören die Beutegreifer dazu. Wie kann man ein Tier so hassen, das mit unseren Hunden ganz eng verwandt ist und jederzeit fruchtbare Nachkommen zeugen könnte?

Der Autor lässt im Text durchblicken, warum er Wölfe so hasst. Er nennt die Tiere „jagdliche Mitesser“ und schreibt, dass die Jagdstrecke wegen der Wölfe immer dürftiger würde. Ist das nicht natürlich? Seit wann ist natürlich doch nicht mehr gut im Sinne der Jagd? Argumentieren die Jäger:innen nicht immer, sie müssten „leider“ Rehe und Hirsche töten, weil es keine Beutegreifer mehr gibt und sie müssten diese ersetzen? Kaum gibt es sie, werden sie als „jagdliche Mitesser“ und Jagdstreckenreduzierer zutiefst gehasst und vernichtet. Einmal mehr wird klar: Argumente für die Jagd sind immer vorgeschoben, in Wahrheit geht es um die Freude am Töten und sonst gar nichts.

Der wirklich abartige Artikel beginnt mit einem Vergleich zwischen pornografischen Videos und Videos, in denen Wölfe erschossen werden. Beides erregt den Autor offenbar ähnlich, zumindest anfangs:

Dieser seltsam veranlagte Autor lässt dann seinem Hass auf Wölfe freien Lauf. Er sagt sogar, dass er sich freut, wenn Wölfe Opfer von Verkehrsunfällen werden:

Genau so über Menschen gesprochen, wäre das als Hetze strafbar. Warum ist das dann bei Tieren ok? Noch dazu, wenn das dahingehend real ist, dass dieser Mensch für Menschen schreibt, die tatsächlich Wölfe lynchen?

Dann versucht der Autor Szenarien zu finden, in denen er den Jäger:innen empfehlen kann, Wölfe zu töten. Da fällt ihm Notwehr ein. Das ist für ihn gegeben, wenn jemand einen Wolf trifft, der nicht gleich wegläuft. In seinen Augen reicht es, wenn eine Situation jederzeit „in Schaden umschlagen“ kann. Und das sei bei der Präsenz von Wölfen der Fall.

Ich war 15 Jahre in den rumänischen Südkarpaten wandern. Natürlich immer ohne Waffe. Immer wieder bin ich Bären begegnet, die nicht unbedingt gleich weggelaufen sind. Und einmal Wölfen. Nie ist mir etwas passiert oder war ich gefährdet, auch wenn ich alleine und mit dem Zelt unterwegs war. Eine Notwehrsituation in der beschriebenen Form ließe sich ganz leicht konstruieren.

Doch weil die Wölfe dafür vermutlich dem Menschen nicht nahe genug kommen, schlägt der Autor zusätzlich vor, den Wolf zu töten, weil er den eigenen Hund gefährden würde:

Er selbst würde jedenfalls einen Wolf in diesem Fall sofort töten. Aber ganz traut er der Rechtslage nicht. Also kommt die Empfehlung, den Wolf zu töten und dann tief zu vergraben und es niemandem zu erzählen:

Ich bin in den Karpaten auch mit meinem Hund Wölfen begegnet. Sie waren 70 m entfernt und sind nicht davon gelaufen. In der Nacht umkreisten sie im 50 m Abstand unser Zeit, wie ich durch die Spuren sehen konnte. Nie fühlte ich mich in Gefahr, niemand hat meinem Hund etwas zuleide getan. Aber diese „Notwehrsituation“ zu konstruieren und absichtlich herbei zu führen, wäre ganz einfach. Solche Menschen sollten keine Waffen trafen dürfen!

Diese Vorschläge stehen in einem offiziellen Jagdmagazin! Da darf ein Mensch gegen Wölfe hetzen, sich über ihre Leiden freuen und ihre rechtswidrige Ermordung empfehlen! Unfassbar!

4 thoughts on “Ekelhafter Wolfshass in Deutscher Jagdzeitung

  1. georg says:

    Der Berg die Natur waren zu erst da. fact.
    erst dann
    der Bauer.
    Ich bin ein moderner Bauer, der auf seien 1300 ha Alm und Wäldern, Platz für ein Wolfsrudel hat.
    Die lieben Schaffe, 700 stg, haben Hunde, und sind in einem 240 ha Gehege.
    Die lieben Kühe stehen tiefer.
    Bisher gab es keine Probleme.

    Und sog. Aufsitzjäger, klein und dick in ihren SUV, beobachte ich durch das Zeiss, das auf
    der Scar-17-s 308 Lapua montiert ist. Sehe ich so einen “ Fetten“ bekomme ich diese Leuchtspur-dauerfeuer-gefühle.. na ja.

    Die Natur war zuerst da.
    Wir sind Teil dieser.
    Und wenn wir es nicht kapieren, bald ohne uns, die Natur wird sich mit der Veränderung adaptieren, erholen und weiter geht es.. LG

  2. Lukas says:

    Lieber Herr Balluch.
    Sie haben ja im Laufe dieses Jahres mehrere kritische Beiträge zu Almen verfasst. Ich möchte ihnen dazu einige Dinge ans Herz legen. Die Almen gehören den Landwirten. Es ist ihr gutes Recht, dort Tiere zu halten, die den Naturraum pflegen und , oh Wunder, ihre Väkalien zu hinterlassen. Es ist ebenfalls ihr gutes Recht, Stacheldrahtzäune aufzubauen und nein, Wildtiere verunglücken nicht an solchen Zäunen. Zu ihren Freunden, die sie in diesem Artikel beschrieben haben, kann ich nur eins sagen : machen sie bitte ihre Augen auf und seien sie vorsichtig. Sie sind Gäste auf diesen Almen. Also halten Sie sich bitte an die Regeln. Sie haben in diesem Artikel auch über aggressive Kühe und Rinder gesprochen, während sie in diesem Artikel Wölfe und Bären gesehen haben, die anscheinend völlig passiv agiert haben. Das kann ich ihnen nicht glauben. In meinen Augen sind das erlogene Geschichten. Rinder und Kühe sind absolut passive Tiere, die höchstens dann aggressiv werden , wenn man sie erschreckt, von hinten an sie ranschleicht oder einen Hund am Berg dabei hat. Ein Hund hat am Berg nichts verloren. Ebenfalls ist es gefährlich, ein Kleinkind in die Nähe von Kühen zu lassen. Bitte informieren sie sich , und handeln nicht nacht dem Motto : „Ich brauch keine Fakten, ich hab schon eine Meinung“. Und tun sie sich und allen einen gefallen und lassen die kleinen Bauern in Ruhe. Auf einer alm leben nur glückliche Tiere, die kein Bisschen misshandelt werden. Gehen sie auf die Bauern die Tiere in Massentierhaltung halten, aber lassen sie die Alm- und Biobauern in Frieden. Und bitte bitte sehen sie ein , dass Vegane Ernährung keine Lösung sein kann. Wir können die ganze Welt gar nicht rein pflanzlich ernähren, genau so wenig wie wir die 2/3 der Landwirtschaftlich nutzbaren Fläche ackerbaulich nutzen können. Wenn sie noch offen für Gegenargumente sind, nicht aggressiv reagieren und bei einer großen Menge an Gegenargumenten nicht sagen: „Es gibt keine Berechtigte Kritik an meiner Wahrheit“
    Danke

  3. Martin Balluch says:

    @Lukas

    Ich bin Naturwissenschafter und als solcher gewöhnt, Argumente zu bringen und anderen Argumenten zu widersprechen. Und nein, das ist nicht „ich brauche keine Fakten ich habe schon eine Meinung“, sondern, im Gegenteil, das ist ein Fakten Präsentieren. Ich darf Sie z.B. auf den Fleischatlas hinweisen, den nicht ich geschrieben habe, der aber voller Fakten ist, die auch gegen jede Form der Rinderhaltung sprechen.

    Klar ist, und ich habe hier auf diesem Blog schon mehrfach die Fakten dazu genannt: das Rind ist ein Klimakiller.

    Nein, die Praxis der österreichischen Rinderhaltung ist weit davon entfernt, die Nutzung von Grasflächen zu sein, die anders nicht nutzbar wären. Auch dazu liegen die Fakten vor.

    Natürlich könnte man die Erde leicht rein vegan ernähren, wenn man nur will. Und, glauben Sies mir, das wird früher oder später auch passieren (müssen). Sei es in 50 Jahren, oder in 100. Warum sollte das nicht gehen. Statt Mais, Getreide und Soja in Tierkot zu verwandeln (und, JA, das machen auch österreichische Rinder!), sollten wir diese Pflanzen einfach essen und schon müssten wir wesentlich weniger davon anbauen. Einfach einmal ausprobieren und dann sehen wir weiter.

    Nein, nur weil jemand einen Berg besitzt, kann er nicht damit machen, was er will. Rein rechtlich reicht ein großes öffentliches Interesse an diesem Naturbereich und schon ist jede Einschränkung möglich. Beispiel Gatterjagd. Die Jagdgatter gehören auch irgendwem und trotzdem haben wir es geschafft, diesen Großgrundbesitzer:innen zu verbieten, Tiere in ihren Gattern zu züchten und zu bejagen. Fertig. Geht ganz einfach. Es kommt also rein juristisch darauf an, die Öffentlichkeit zu überzeugen, dass sie ein großes öffentliches Interesse daran entwickeln sollte, dass Almflächen besser eine Wildnis wären.

    Sie wissen sicher, dass in Österreich so 7.000 Murmeltiere pro Jahr abgeknallt werden, weil sie angeblich Almen zerstören. Ich mache darauf aufmerksam und sage, also ich finde die Murmeltiere sollten dort sein, statt den Menschen mit ihren Nutztieren. Ich hätte lieber Wölfe, Bären und Luchse dort. Und Goldschakale. Und Bisons. Neben den Gemsen, Hirschen und Rehen. Am besten auch Elche. Warum nicht? Eine echte Wildnis ist sicher absolut jedem Menschen lieber, als eine Nutztierlandschaft. Bisher wird das leider nicht so dargestellt. Eine Alm ist besser als ein zubetonierter Parkplatz, keine Frage. Aber eine Wildnis ist 1000x besser als eine Alm, zumal Almen immer mit Zufahrtsstrassen, vielen Almhütten, Zäunen und sonstigen Einrichtungen einhergehen, die mit Wildnis nicht kompatibel sind.

    Ich habe das schon anderswo geschrieben: mir ist der Park des Schlosses Schönbrunn lieber als eine Autobahn, und mir ist eine Alm lieber, als der Park Schönbrunn, aber genauso ist mir die Wildnis lieber, als die Alm. Das müsste doch für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit sein. Und diesem schönen Ideal, einen Gutteil der Natur in Österreich wieder den Wildtieren zurück zu geben und sie außer Nutzung durch den Menschen zu stellen, können wir uns durch eine möglichst vegane Lebensweise durchaus annähern. Vielleicht kann man Rinder auch wieder verwildern lassen. Warum nicht. Aber keine Rodungen in Naturgebieten, kein Straßenbau, keine Häuser, keine Zäune und keine Jagd. Das wäre doch wirklich wunderschön.

    Ich habe auch das schon mehrmals erwähnt: mir schwebt die Gründung einer Stiftung vor, die Land in Österreich aufkauft und außer Nutzung stellt. Zunehmend mehr, um Wildnisrefugien zu schaffen. Das ist im Sinne der Wildtiere und im Sinne der allermeisten Menschen. Notwendige Voraussetzung ist die Möglichkeit der Jagdfreistellung von Grundstücken. Aber die erstreiten wir gerade beim EGMR. Dann steht diesem Projekt nichts mehr im Weg.

    PS: Es gibt eine gewisse Entwicklung in diese Richtung. Die ÖBF stellen Grundstücke außer Nutzung, die Stadt Wien macht das auch. Man bekommt dafür sogar Förderungen. Es werden ja auch – erfreulich! – Almen aufgelassen. Das Ganze ist nur zu wenig koordiniert und zu wenig sichtbar und viel zu langsam und in zu kleinen Einheiten. Aber aufgelassene Almen sind wunderschöne Flecken Natur. Orte, an denen man wirklich sehr gerne verweilt und die unendliche Ruhe genießt! Orte, an denen man die Wildheit der Landschaft spürt und den alten Nomaden in unserer Menschenseele. Orte, an denen man wenigstens für kurze Zeit den Eindruck haben kann, dass die Menschheit sehr weit weg ist.

  4. Solche hasserfüllte Menschen sind auch gefährlich für Demokratien. Dieser Mensch wettert u. hasst gegen jagdliche Mitesser. Während der NS Zeit wurden behinderte und kranke Menschen
    als unwerte Mitesser vernichtet. Warum schreien die angeblich naturliebenden Jäger nicht
    dagegen auf? Für mich ein Beweis mehr, dass es solche nicht gibt. Für mich bedeutet Jagd
    töten aus Spaß 🙁 Wölfe, Luchse und Füchse würden für einen natürlichen und gesunden
    Wildbestand sorgen!!!!

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