Gekündigt, weil er nicht „das Geheimnis Jesu Christi“ verkündet hatte

Die Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz (KTU) wird mit öffentlichen Mitteln gefördert. Das ist an den Anfang dieses Berichts zu stellen, weil es diese Uni dadurch auch der Öffentlichkeit gegenüber verantwortlich macht. An dieser Uni kann man auch Kunstwissenschaften und Philosophie studieren, Fächer, die an sich nichts mit Religion oder dem Christentum zu tun haben. Tatsächlich gibt es Studierende, die keinerlei Ambitionen haben, in irgendeiner Form in die Theologie zu gehen oder gar in der katholischen Kirche eine Funktion wie das Priesteramt anzustreben. Und diese Uni, so hört man, bewirbt sich nun dafür, die Ausbildung der EthiklehrerInnen für alle Gymnasien Oberösterreichs zu übernehmen. Dabei ist ja der Ethikunterricht als Alternative zu den Religionsunterrichten in den verschiedenen Bekenntnissen gedacht.

Gut, grundsätzlich ist es nicht ausgeschlossen, dass eine katholisch-theologische Universität keine gute Ethiklehrerausbildung durchführen könnte. Momentan hat diese die Pädagogische Hochschule OÖ übernommen und ich darf im Rahmen dieser Ausbildung den Tierethik-Teil übernehmen. Gerüchten zufolge hat der ÖVP-Landeshauptmann bereits grünes Licht für die Übernahme dieser Ausbildung durch die KTU gegeben. Leider ist davon auszugehen, dass an dieser Uni mit ihrem Kantianisch-christlichen Ethikschwerpunkt kein Platz mehr für meine Tierethik-Vorlesung sein wird.

Diese Befürchtung wird nun durch einen Vorfall genährt, der eine wesentlich breitere Öffentlichkeit verdienen würde. Artur Boelderl ist heute Universitätsdozent für Philosophie an der Alpen-Adria Uni Klagenfurt. Bis Ende letzten Jahres unterrichtete er noch Philosophie an der KTU in Linz, erhielt aber im Mai 2013 eine Kündigung. Und die hat es in sich. Vorgeworfen wird Boerderl nämlich, im Rahmen seiner Lehrtätigkeit nicht das Geheimnis Jesu Christi verbreitet zu haben – was auch immer das sein möge. Die KTU bezieht sich dabei auf ihre Studienordnung, in der steht:

StudienordnungKTULinz

Boerderl ging vor Gericht um diese Kündigung anzufechten. Er habe überhaupt keine Ausbildung in dieser Richtung um Geheimnisse Jesu Christi zu verbreiten und in seiner bisherigen Lehrtätigkeit an philosophischen Instituten weltlicher Universitäten sei sein Lehrinhalt nicht anders gewesen. Dazu die KTU in der Klagebeantwortung wörtlich: Eine derartige „Verweltlichung“ der Lehrinhalte war dem Kläger jedoch nicht erlaubt. […Dadurch] wurde eine Vertrauensunwürdigkeit und beharrliche Pflichtverletzung des Klägers offenbar, welche hiermit als Kündigungsgrund geltend gemacht wird. Dementsprechend hat die KTU also eine Art missionarische Rolle in der Gesellschaft, soll die Menschen für die Lehren der katholischen Kirche empfänglich machen und ihre Botschaften in die Welt hinaus tragen. Mit öffentlichen Steuergeldern. Und im Rahmen der Ethiklehrerausbildung.

Das Landesgericht Linz gab der KTU Recht, das Oberlandesgericht Linz bestätigte dieses Urteil nun im Februar 2014. Die KTU sei als „Tendenzbetrieb“ zu werten und deshalb nicht an Objektivität gebunden, und das sei rechtlich unbedenklich. Aus dem Urteil:

UrteilOLGLinzKTU2

Die KTU mag ein Tendenzbetrieb sein. Aber warum wird dieser Tendenzbetrieb mit öffentlichen Geldern gefördert? Warum darf ein Tendenzbetrieb eine Ausbildung in Philosophie und Kunstwissenschaften anbieten, die einem säkularen Uni-Abschluss entspricht? Und warum darf ein Tendenzbetrieb die Ausbildung der EthiklehrerInnen übernehmen? Hier scheint die Trennung von Staat und Kirche in einer Weise hintertrieben zu werden, die das nach außen hin nicht offenbar werden lässt. Dann haben wir PhilosophInnen und EthiklehrerInnen, die säkularen Unterricht übernehmen, aber dabei im Stillen die Mission verfolgen, das Geheimnis Jesu Christi in die Welt zu tragen und den Boden für die Lehren der katholischen Kirche zu bereiten. Und die Tierethik wieder aus der Ethik zu verbannen bzw. sie auf die wohlbekannten Floskeln des Kantianismus zu reduzieren, siehe https://martinballuch.com/warum-das-argument-fuer-autonomie-so-wichtig-ist/.

2 thoughts on “Gekündigt, weil er nicht „das Geheimnis Jesu Christi“ verkündet hatte

  1. Regina says:

    Das empört mich sehr und verdient wirklich eine breitere Öffentlichkeit. Wer beschließt öffentliche Förderungen für Unis? Wer beschließt, welche Ausbildungsstätten Ethik-Lehrer ausbilden dürfen? Das kann doch nicht bei den Landeshauptleuten liegen …..
    Wen kann man diesbezüglich anreden bzw. anschreiben?
    Danke

  2. Dean says:

    „…nicht das Geheimnis Jesu Christi verbreitet zu haben – was auch immer das sein möge.“
    Ja sehen Sie Herr Balluch, so geheim ist dieses Geheimnis, es entzieht sich dem Erkenntnisvermögen! Aber hat das was mit dem Konkordat zu tun, dass eine private Kath. Uni öffentliche Gelder genießt?

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