Hitler, Tierschutz, Vegetarismus und Speziesismus

Kürzlich hat mich einmal wieder ein Tierschutzgegner mit dem alten Hut belästigt, dass Hitler doch Vegetarier und Tierschützer gewesen sei. Da wüsse man, aus welcher Ecke diese Gedanken kommen. Vor nun schon bald 20 Jahren habe ich mir einmal die Mühe gemacht, die Hitler-Monologe nach Tierschutzbemerkungen zu durchstöbern. Diese Monologe sind Hitlers Aussagen bei privaten Abendessen, die ohne sein Wissen von Martin Bormann aufgezeichnet wurden. Bormann wollte damit diese seiner Ansicht nach offenbar tiefen Weisheiten für die Nachwelt erhalten. Meine Schlussfolgerung damals: Hitler hat bestenfalls einzelnen deutschen Schäferhunden gegenüber ein Mitgefühl entwickelt, aber er begegnete den Forderungen des Tierschutzes nur mit Unverständnis. Tierrechte stehen seiner Weltanschauung diametral entgegen. Hier ist mein Artikel, den ich dazu verfasst hatte:

HITLER UND SPEZIESISMUS

Auf die Frage, was er von Vegetarismus halte, antwortete der Moderator einer ORF-Sendung „Hitler war Vegetarier – muss ich mehr dazu sagen?“. Verschiedene andere AutorInnen lehnen die Tierrechtsphilosophie ohne sich ihr vorher näher zu widmen explizit ab, weil Hitler Tierschützer oder gar Tierrechtler gewesen sein soll. Hitler hat sich allerdings auch an vielen Stellen z.B. für den Kinderschutz, für den Schutz von RadfahrerInnen und für die Verwendung erneuerbarer Energiequellen, sowie gegen sexuelle Belästigung von Frauen, gegen das Rauchen und gegen den Kapitalismus ausgesprochen.

Einerseits könnte man sagen, ganz unabhängig davon, was Hitler gemacht hat oder nicht, müssen Gründe für oder gegen ethische Einstellungen oder Gesellschaftssysteme gefunden werden, bevor man sie befürwortet oder ablehnt. Das ist zweifellos richtig. Andererseits fragt man sich doch, was Hitler dazu bewogen haben könnte, Vegetarier zu sein, wo er doch gleichzeitig ohne mit der Wimper zu zucken in ihrer Dimension unvorstellbare Massenmorde in Auftrag gab. Wie stand er zum Status nicht-menschlicher Tiere?

Es gibt bereits unzählige Hitlerbiographien. Bei vielen wird Hitlers Vegetarismus erwähnt, bei manchen relativiert, d.h. es wird davon gesprochen, dass er Weißwürste und Rindsuppe gegessen habe. Im Folgenden beziehe ich mich ausschließlich auf Hitlers Monologe im Führerhauptquartier von 1941-1944 als verlässlichste Quelle, weil diese Worte direkt von Hitler stammen und nur für einen kleinen Kreis, also nicht für die Öffentlichkeit, gedacht waren. Entsprechend waren sie wahrscheinlich nicht verfälscht und geschönt, wie es in seinem Buch „Mein Kampf“ der Fall ist, das auch noch lange vor dem Zeitpunkt geschrieben worden war, an dem er seine absolute diktatorische Machtposition innehatte. Generell hat das Thema „Tiere“ Hitler aber praktisch nicht beschäftigt, in seinen Monologen gibt es jedenfalls nur sehr selten Bezüge dazu.

Hitler als Vegetarier und Tierschützer

Im 177. Monolog am 20. 8. 1942 kommentiert Hitler ein Gefängnisurteil gegen einen Wilderer mit Missfallen. Ganze Ortsgruppen der NSDAP würden aus Wilderern bestehen. Rasch fügt er aber auch hinzu, dass er deshalb kein tiefer Verehrer der Wilderei sei: „ich lebe vegetarisch“. Allerdings leben nicht alle Personen, die sich als VegetarierInnen bezeichnen, wirklich vegetarisch, wie jede Studie zu diesem Thema belegt. Nähere Angaben zu seinen tatsächlichen Essgewohnheiten fehlen in den Monologen.

Wiederholt kritisiert Hitler auch die Jagd, wie z.B. im 193. Monolog am 2. 9. 1942: „Persönlich verstehe ich überhaupt nicht, wie man zum Vergnügen schießen kann! Ein Reh umbringen mit allen diesen Phrasen! Auf einen Hasen wird geschossen, nicht wenn er sitzt, sondern wenn er läuft, damit die Verwundungen größer sind! Der Tierschutzverein müsste sich hier der Jäger besonders annehmen! Einer der Hauptgründe für den Bauernaufstand war die Wut des Bauern über die Maßlosigkeit der Jagdherren. […] Ich kann schwören, dass ich nie im Leben einem Hasen etwas zuleide getan habe.“

Im 91. Monolog am 9. 1. 1942 äußert sich Hitler sogar für den Schutz der Wale: „Die Menschheit lebt heute von Wal-Öl. Ich glaube, dass die Zahl der Wale im Weltmeer nicht zunimmt, sondern abnimmt. An die Stelle des Wal-Öls wird für uns mehr und mehr eine Margarine aus den im Osten gewonnen Pflanzenfetten treten.“

Und im 56. Monolog am 11. 11. 1941 beschwört er als Zukunftsvision eine vegetarische Welt: „Die Zeitenwende des Untergangs der Kirchen ist gekommen. Es dauert noch einige Jahrhunderte, dann geschieht durch Evolution, was nicht durch Revolution geschieht. […] Es tut einem oft leid, dass man in einer Zeit lebt, in welcher einem noch nicht bewusst ist, wie die neue Welt aussehen wird. Eines aber kann ich den Fleischfressern sagen: Die neue Welt wird vegetarisch sein!“

Gründe für Hitlers Vegetarismus

Vegetarismus kann sehr viele verschiedene Motivationen haben. Von einer ethischen Überzeugung, die auf dem Respekt vor dem anderen basiert und auf dem Wunsch nach Gerechtigkeit, über Mitgefühl mit anderen leidensfähigen Wesen, bis zu religiös-esoterischen Gründen, oder Umweltschutz- bzw. Gesundheitsgründen, reicht eine weite Palette.

Im 53. Monolog am 5. 11. 1941 plädiert Hitler für die Rohkost, die den Vegetarismus praktisch miteinbezieht: „Es gibt ein interessantes Dokument aus der Zeit Cäsars, danach haben die Heere jener Zeit sich ohne Fleisch ernährt; […] Auch die Wikinger hätten, wären sie auf Fleisch angewiesen gewesen, ihre Riesenfahrten nicht unternehmen können. Es gibt ja keine Möglichkeit Fleisch zu konservieren. […] Die Menschen müssen einmal sehr lange gelebt haben. Die Wende trat ein in der Zeit, wo der Mensch vom Früchte-Esser sich darauf umstellte, Gekochtes zu sich zu nehmen. Der Mensch ist das einzige Wesen, das den Ernährungsprozess umstellt, indem er das Essen durch Kochen steril macht. […] Alle Wesen der Welt leben vom Leben. Dadurch, dass der Mensch die Substanz seiner Ernährung erst einem chemischen Prozess unterwirft, entstehen die Kulturkrankheiten, Krankheiten, die vom getöteten Leben kommen. Jetzt nimmt trotz unserer Kultur das Lebensdurchschnittsalter wieder zu. Wir haben die Rohkost wieder eingeführt. Die Rohkost war eine Revolution! […] Wir geben dem Körper eine Ernährung, die irgendwie entartet ist, und beruht der Krebs auch auf einer noch unbekannten Voraussetzung, so ist doch möglich, dass diese Voraussetzung nur wirksam wird, wenn der Körper nicht richtig ernährt ist.“

Im 71. Monolog am 28. 12. 1941 setzt er hinzu: „Als ich jung gewesen bin, haben die Ärzte gesagt, der Mensch muss Fleisch essen, weil er sonst keine Knochen bekommt. Das war falsch! Im Gegensatz zu den Polenta essenden Völkern haben wir schlechte Zähne. […] Neun Zehntel unserer Nahrung nehmen wir in einem Zustand zu uns, in welchem das Leben abgetötet ist.“

Im 104. Monolog am 22. 1. 1942 begründet Hitler den Vegetarismus noch deutlicher: „Einem Kannibalen beibringen, dass er den anderen nicht auffressen soll, das ist sehr schwer, er begreift das nicht: Für ihn ist das von Natur aus so! Aber [zu Admiral Frick] fürchten Sie nicht, dass ich durch eine Verordnung der Marine das Fleischessen verbieten will! Wir hätten den Nationalsozialismus in Deutschland nicht erfolgreich durchsetzen können, wenn ich die Fleischkost verboten hätte. Sofort wäre die Frage aufgetaucht, z’wegen was ist dann überhaupt eine Kalbshaxn da? Die Grundlage unserer Ernährung ist im Großen heute die Kartoffel. Nur 1% der ganzen deutschen Grundfläche dient aber als Kartoffelland. Wären es 3%, so hätte jeder mehr als genug zu essen! 37% sind Weide, und das Gras frisst nicht der Mensch, sondern das Vieh. Alle Fleischfresser unter den Tieren sind in der Leistungsfähigkeit den Pflanzenfressern unterlegen. Ein Löwe kann keine Viertelstunde Trab laufen, ein Elefant 8 Stunden. Die Affen, unsere Verwandten aus der grauen Vorzeit, sind reine Pflanzenfresser. Zu den stärksten Menschen gehören die japanischen Ringer, sie essen nur Pflanzenkost. Desgleichen die türkischen Lastträger, von denen einer ein Klavier heben kann! Ich habe, solange ich Fleisch gegessen habe, ungeheuer geschwitzt; […] Als ich Vegetarier geworden war, brauchte ich nur ab und zu einen Schluck Wasser!“

Die wesentlichen Motivationen für seinen Vegetarismus zieht Hitler also offenbar aus gesundheitlichen und ökologischen Überlegungen. Spielt Tierliebe bzw. Mitgefühl auch eine Rolle?

Im 105. Monolog am 22. 1. 1942 erzählt Hitler von seiner Liebe zu einem Hund namens Foxl, den er in den Schützengräben der Westfront im 1. Weltkrieg trifft: „Er saß neben mir, wenn ich gegessen habe, sah mir mit jedem Bissen zu. Habe ich ihm beim fünften, sechsten Bissen nichts gegeben, dann legte er die Pfoten rauf, schaute mich an mit einem Blick: ich bin doch auch da! Ich habe ihn so gern gehabt! Niemand durfte mich anrühren, da ist er rabiat geworden. Nur mir hat er gefolgt. […] Ich habe alles mit ihm geteilt, abends hat er bei mir geschlafen.“

Und im 112. Monolog am 25. 1. 1942 sagt Hitler: „Ich bin ein Tierliebhaber, und Hunde habe ich besonders gern. Aber zu einem Boxer z.B. habe ich kein inneres Verhältnis. Wenn ich einen Hund noch haben möchte, dann einen Schäferhund; am liebsten wäre mir eine Hündin. Es käme mir wie ein Treuebruch vor, wenn ich mir einen anderen Hund zulegen wollte. Was sind das für wunderbare Tiere! Scharf und ihrem Herrn anhänglich, tapfer, kühn und schön! Der Blindenhund ist eine der rührendsten Sachen. […] Er hängt am Menschen mehr als an seinesgleichen.“

Die Beziehung zum nicht-menschlichen Tier ist also sehr egoistisch geprägt. Der nützliche Blindenhund wird zwar gelobt, aber gleichzeitig als „Sache“ bezeichnet. Der deutsche Schäferhund ist „anhänglich, tapfer, kühn und schön“, den Boxerhund lehnt er grundsätzlich ab.

Hitlers Speziesismus und das Recht des Stärkeren

In keinen von Hitlers Äußerungen ist so etwas wie Respekt vor dem anderen oder gar ein Wunsch nach Gerechtigkeit nicht-menschlichen Tieren gegenüber herauszulesen. Vielmehr erhebt er den Speziesismus in Form der Erhaltung und Förderung – und damit Höherbewertung – der eigenen Art, zu seinem obersten Handlungsprinzip.

So sagt er im 64. Monolog am 1. 12. 1941: „Wenn ich an ein göttliches Gebot glauben will, so kann es nur das eine sein: die Art zu erhalten.“

Im 62. Monolog am 20. 11. 1941 meint er: „Das Bewusstsein, dass jede Pflichterfüllung zur Erhaltung der Art dient, hilft über die schwersten Entschlüsse hinweg.“

Und im 65. Monolog am 13. 12. 1941 äußert er sich so: „Ich strebe einen Zustand an, in dem jeder einzelne weiß, er lebt und stirbt für die Erhaltung seiner Art. Die Aufgabe ist, den Menschen zu erziehen, dass er der größten Verehrung würdig ist, wenn er Besonderes tut zur Erhaltung des Lebens der Art.“

Und die Forderung nach Arterhaltung bedeutet auch die gnadenlose Vernichtung von nicht-menschlichen Tieren, wenn sie in irgendeiner Form der Entfaltung der menschlichen Art im Weg stehen. Manchmal fügt Hitler sogar noch, angesichts seiner Verbrechen reichlich zynisch, hinzu: „ohne deshalb grausam zu sein“.

Im 148. Monolog am 27. 2. 1942 sagt er: „Ich habe noch nie Gefallen gefunden daran, andere zu schinden, wenn ich auch einsehe, dass es ohne Gewalt nicht möglich ist, sich zu behaupten. Es wird nur dem das Leben gegeben, der am stärksten darum ficht. Das Gesetz des Lebens heißt: Verteidige dich!“

Im 22. Monolog am 23. 9. 1941 wird Hitler deutlich: „und als Abschluss kann man nur sagen, dass der Stärkere siegt. Das ist doch die vernünftigste Ordnung; denn wäre es umgekehrt, so würde überhaupt nichts entstanden sein. Würden wir uns nicht den Naturgesetzen anpassen, uns mit dem Recht des Stärkeren durchsetzen, dann könnten eines Tages die wilden Tiere uns wieder auffressen, und später fräßen Insekten die wilden Tiere, und es blieben endlich nur die Mikroben.“

Im 28. Monolog am 10. 10. 1941 fügt er hinzu: „Das entspricht dem Prinzip der Natur, es ewig neu durch Kampf zur Auslese kommen zu lassen: das Gesetz des Daseins fordert ununterbrochenes Töten, damit das Bessere lebt.“ Im selben Monolog spricht er auch davon, dass in Wien der „Krieg […] gegen die Wanzen“ angefangen werden muss.

Dieses Prinzip wird auch im 22. Monolog am 23. 9. 1941 beschworen, wenn davon die Rede ist, dass sich entweder der Mensch auf Kosten des Tigers oder der Tiger auf Kosten des Menschen Lebensraum erkämpfen muss: „Die Erde läuft weiter, ob nun der Tiger stirbt, der sich an den Menschen heranmacht, oder ob der Mensch dem Tiger unterliegt. Der Stärkere setzt sich durch. Das ist das Naturgesetz und die Welt ändert sich nicht, diese Gesetze bleiben.“

Und ganz analog zu Aristoteles’ perfektionistischen Ideen sagt auch Hitler im 135. Monolog am 17. 2. 1942, dass es eine natürliche Ordnung von Überlegenen und Unterlegenen gibt, in die sich alle einzufügen haben. Die Überlegenen können dann ohne ethische Skrupel die Unterlegenen für ihren eigenen Vorteil dominieren und ausbeuten, wie der Mensch die Nutztiere.

Hitlers Tierbegriff: dem Menschen unendlich unterlegen

Diese speziesistischen Äußerungen hinsichtlich der Berechtigung andere Tierarten zu verdrängen und auszubeuten, weil sich alles dem obersten Prinzip der Erhaltung der eigenen Art zu unterwerfen hat, findet seinen Niederschlag auch in Hitlers Tierbegriff. Die eigene Überlegenheit und Herrlichkeit wird als so unerreichbar empfunden und so von allem „Tierischen“ abgegrenzt und unterschieden, dass eine nahe Verwandtschaft zu „Tieren“ bestenfalls eine Beleidigung ist. Hitler leugnet glatt die Evolution.

Im 112. Monolog vom 25. 1. 1942 sagt er: „Woher nehmen wir das Recht, zu glauben, der Mensch sei nicht von Uranfängen das gewesen, was er heut’ ist? Der Blick in die Natur lehrt uns, dass im Bereich der Pflanzen und Tiere Veränderungen und Weiterbildungen vorkommen, aber nirgends zeigt sich innerhalb einer Gattung eine Entwicklung von der Weite des Sprunges, den der Mensch gemacht haben müsste, sollte er sich aus einem affenartigen Zustand zu dem, was er ist, fortgebildet haben! […] Ich kann mir [die Sagen] nur so erklären, dass eine ungeheure Naturkatastrophe eine Menschheit ausgelöscht hat, die im Besitz einer höchsten Kultur gewesen ist. Was wir heute auf der Erde finden, mögen Überbleibsel sein, die dem Bild der Erinnerung nachlebend, allmählich zur Kultur zurückfinden. Wer sagt, dass das Steinbeil, welches wir in unseren Zonen finden, eine Erfindung seiner Träger war? Viel richtiger scheint mir, anzunehmen, dass man das in Stein nachgebildet hat, was man vordem in anderem Stoff besessen hatte. […] Ich neige der Welteislehre von Hörbiger zu.“

Der österreichische Maschineningenieur Hanns Hörbiger, 1860-1931, Vater der Schauspieler Attila und Paul Hörbiger, vertrat seit 1913 die wissenschaftlich unhaltbare Welteislehre (Glazialkosmogonie). Sie geht von der Vorstellung aus, dass Eis in den verschiedensten Formen und Größen für das Weltgeschehen ausschlaggebend ist und unser Sonnensystem durch die Explosion eines großen Weltkörpers entstanden sein muss.

1856 wurde im Neandertal, zwischen Düsseldorf und Elberfeld, ein menschliches Skelett geborgen, nach dem die Neandertaler benannt wurden. Hitler distanziert sich von diesen „Affen“ und leugnet jede Verwandtschaft, weil das die erhabene Größe des Menschen unterminieren könnte. Im 100. Monolog am 18. 1. 1942 sagt er: „Da wird irgendwo ein Schädel gefunden, und alle Welt sagt: So haben unsere Vorfahren ausgesehen! Wer weiß, ob der Neandertaler nicht ein Affe war! Jedenfalls haben dort unsere Vorfahren nicht gesessen in jener Zeit.“

Und auch Hitler liefert den „wesentlichen“ Unterschied, die differentia specifica, zwischen Mensch und Tier im 148. Monolog am 27. 2. 1942: „Das, was der Mensch vor dem Tier voraus hat, der vielleicht wunderbarste Beweis für die Überlegenheit des Menschen, ist, dass er begriffen hat, dass es eine Schöpferkraft geben muss. Man braucht nur durch ein Teleskop oder durch ein Mikroskop zu sehen: Da erkennt man, dass der Mensch die Fähigkeit hat, diese Gesetze zu begreifen.“

Hitlers Speziesismus in der Praxis

Allein der sprachliche Ausdruck zeigt schon, dass es mit Hitlers Respekt vor nicht-menschlichen Tieren offensichtlich nicht weit her sein kann. So bezeichnet er SittlichkeitsverbrecherInnen als „Tiere“, seine westlichen KriegsgegnerInnen fortwährend z.B. als „dumm wie die Hühner“, seine unterworfenen ArbeitssklavInnen als „Russenschweine“ und diejenigen Menschen, an denen er Genozid verübt, als „Ratten“. Im 46. Monolog am 30. 10. 1941 betont er, was für einen pathologischen Hass auf Ratten er immer schon hatte. Öfter erzählt er in den Monologen, wie er Ratten nachgestellt und getötet hat. Im 89. Monolog vom 8. 1. 1942 berichtet er z.B. davon, dass er zu seiner Schulzeit in Steyr „immer Ratten geschossen“ hat.

Aber auch die Ausbeutung der Nutztiere als Wirtschaftszweig bedeutet ihm kein Problem. In den Planungen fürs Nachkiegsdeutschland sagt er im 15. Monolog am 2. 8. 1941: „Bei der endgültigen Gestaltung der Wirtschaft werden wir darauf achten müssen, dass die animalischen Bestände an Umfang zunehmen.“ Die Nutztierhaltung soll also ausgebaut werden.

Ja, selbst seine ab und zu geäußerte Kritik an der Jagd hört sich in der Praxis ganz anders an. So schreit er im 46. Monolog am 30. 10. 1941: „Man hat zwei, drei Jahre die Füchse geschont. Was die für einen Schaden angerichtet haben! Es ist ein Wahnsinn: Auf der einen Seite verdanken wir der Hegung der Füchse einen Verlust von ich weiß nicht wie viel hundert Millionen Eiern, auf der anderen Seite macht man den Vierjahresplan!“

Auch das Gesetz gegen Tierquälerei ärgert ihn in dessen Anwendung bestenfalls. So sagt er im 177. Monolog am 20. 8. 1942: „Ich habe da gelesen, ein Mann hat 3 Monate Gefängnis wegen Tierquälerei bekommen, weil er ein fremdes Huhn, das in seinen Garten gekommen war, durch einen Schlag verletzt hatte. Ich finde das nicht richtig. […] Dass einen ein Hähndl, das da immer hereinkommt, wahnsinnig ärgern kann, das weiß ich. Wir hatten in meiner Jugend in Leonding einen Garten, daneben saß eine Frau, die jagte unentwegt ihre Hühner durch unseren Garten durch. Eines Tages habe ich einen alten Vorderlader geladen und habe da hereingeschossen. Nun habe ich gelesen, man hat in einem solchen Fall das Recht, das Hähndl einzufangen und erst gegen Schadenersatz zurückzugeben. Ein solcher Prozess wegen einem Sauhähndl!“

Wie die typischen GegnerInnen der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung hört sich Hitler an, wenn er im 60. Monolog am 16. 11. 1941 sagt: „Nach heutigem Recht kann sein, dass einer schwerer bestraft wird, wenn er einen Hasen als wenn er ein Kind tötet.“

Und im 193. Monolog am 2. 9. 1942 führt er näher aus: „Ein Fleischer hat einen bissigen Hund, den hat er auf Kinder gehetzt. Ein Bub wurde zerfleischt. Der Staatsanwalt hat ein paar Jahre Zuchthaus beantragt. Verurteilt wurde der Mann zu 2 Jahren 6 Monaten Gefängnis. Neulich hat ein anderer einem Hähndl draufgeschlagen, der hat 3 Monate gekriegt. […] Das ist nicht mehr tragbar. Hier wird ein Bub zerrissen: 2 Jahre 6 Monate Gefängnis, dort wird ein Hase umgebracht: 3 Jahre!“ Im letzteren Vergleich spielte Hitler auf ein Urteil gegen einen Wilderer an.

Zusammenfassend muss also die Sichtweise von Hitler als einem Tierschützer oder wenigstens Tierfreund sehr stark relativiert werden. Sein Vegetarismus, auch wenn er nicht streng eingehalten wurde, war offenbar in erster Linie durch gesundheitliche und ökologische Gründe motiviert. Aus seinen speziesistischen Ansichten zu nicht-menschlichen Tieren folgt unmittelbar, dass wenn die Fleischproduktion seiner Ansicht nach auch nur irgendeinen Vorteil für die Menschheit hat, Hitler der erste ist, der sie befürwortet. Selbst die Anwendung des Tierschutzgesetzes gegen Tierquälerei ging ihm zu weit. Dass obiges praktisch die vollständige Sammlung aller Bezüge zu nicht-menschlichen Tieren in den Hitler Monologen ist, belegt, dass Hitler bestenfalls einzelnen deutschen Schäferhunden gegenüber ein Mitgefühl entwickelt hat, aber den Forderungen des Tierschutzes nur mit Unverständnis begegnet ist. Tierrechte stehen seiner Weltanschauung diametral entgegen.

10 thoughts on “Hitler, Tierschutz, Vegetarismus und Speziesismus

  1. Franz de Paula says:

    @quark, sie missverstehen mich. ich verurteile den Nationalsozialismus aufs Schärfste! ABER: Breiter Britischer Tierschutz im 19. Jahrhundert beschenkte sich auf die Gestüte der Generäle und deren Schutz in Kriegszeiten sowie die Jagd des Hochadels usw. Konrad Lorenz und Bernhard Hellmann haben als 1. Tierethik im heutigem Sinne ins Weltbild gebracht – dann kamen die Nazis – und beide Seiten profitierten – nur kurz – , usw, … bis bekannt!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tierschutz#Tierschutz_in_der_Neuzeit

  2. quark says:

    Die ersten Tierschutzgesetze gab’s im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbritannien.
    .
    Die internationale Geschichte der Organisationen zu Vegetarismus und Tierschutz ist sehr interessant und äußerst heterogen. Die Nazis haben Aktivist_innen z.T. verfolgt – sei es aus „rassischen“ oder politischen Gründen -, die Vereine wurden aufgelöst oder gleichgeschaltet.
    .
    Ja, in einem Führerstaat ist es möglich, Gesetze einfach zu dekretieren ohne eine politische Auseinandersetzung darum führen zu müssen – anders gesagt: die politische Auseinandersetzung bestand in Verhaftung, Folter, Lager, Tod.
    .
    Die Idee der „Volksgemeinschaft“ der Nazis umfasste auch „deutsche“ Tiere, wo sie zum Wohle eben des „Volkes“ genutzt wurden – andere Tiere waren natürlich nach wie vor zu vernichtende „Schädlinge“.

    Das übrige kann sogar auf Wikipedia nachgelesen werden:
    >>
    Der nationalsozialistische Tierschutzgedanke implizierte eine radikale Verschiebung innerhalb der Mensch-Tier-Hierarchie, ausgewählten Tieren wurden als ideologischer Bestandteil einer „arisch-naturverbundenen Volksgemeinschaft“ Schutz gewährt, außerhalb dieser stehenden Menschen wurde dieser verwehrt.
    .
    Auf den Punkt brachte diese Einstellung Heinrich Himmler bei seiner Posener Rede am 4. Oktober 1943:
    .
    Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10.000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird. (…) Wir Deutsche, die wir als einzige auf der Welt eine anständige Einstellung zum Tier haben, werden ja auch zu diesen Menschentieren eine anständige Einstellung einnehmen, aber es ist ein Verbrechen gegen unser eigenes Blut, uns um sie Sorge zu machen…
    <<
    Sie selbst werden wohl am besten wissen, warum Sie demgegenüber unbedingt dem Nationalsozialismus eine positive Seite abgewinnen wollen.

  3. Franz de Paula says:

    … ein Teil des Textes ist nicht rübergekommen. Schon zum 2. x – ist etwas schwierig hier zu posten 🙁

  4. Franz de Paula says:

    Hi Quark – Richtig, >Durch Domestikation verursachte Störungen arteigenen Verhaltens (1940)Kant’s Lehre vom Apriorischen im Lichte gegenwärtiger Biologie (1941)Viktor Frankl / Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn (1985)Karl Popper-Konrad Lorenz / Die Zukunft ist offen (1985)< .
    Für jeden Menschen ist es natürlich schwierig, durch Millionen von Ermordeten den Nationalsozialismus uneingenommen zu überarbeiten. Es ist aber richtig, dass weder vom Adel der Monarchie, noch im Chaos der Ersten Republik, noch im Austrofaschismus und Bundesstaat Österreich, irgendein Tierschutz-Konzept entstand. Die Nazis waren tatsächlich die Ersten in Europa. Sry – Konrad Lorenz und sein jüdischer Freund Bernhard Hellmann waren es schon zuvor!

    PS: oben, ein eingeschlichener Fehler: Nicht Baumgarten sondern Hellmann!

  5. quark says:

    Für den NS waren auch Menschen Schädlinge oder Nützlinge und wurden dementsprechend ermordet. Die „Verhausschweinungsthese“ ist Lorenz‘ Naziideologievermächtnis und nicht haltbar. Auch seine Thesen zu Aggression sind ein schlechter Witz mit ewiggestrigem Beigeschmack.

  6. Franz de Paula says:

    … hab jetzt nicht den Artikel durchgelesen (sry). Fakt ist aber, dass unter der NSDAP Tierschutz in Europa zum ersten Mal WIRKLICH angedacht wurde.

    Für alle anderen Parteien in Österreich galt Tierschutz bis 1938 als Tabu. Für CS, GVP und Vaterländische Front war im besten Fall die Jägerschaft ein Richtwert und für SDAPÖ und Kommunisten die „kleinen“ Bauern. Tiere waren Schädlinge oder Nützlinge und wurden dementsprechend geschlachtet oder geschossen. Darwinismus (The Fittest of the Fittest) stärkte der nationalsozialistischen Doktrin den Rücken – und dann kam Konrad Lorenz! Leider sah er nicht über den politischen Tellerrand und „bezahlte“ mit dem Leben seines besten Freundes Eduard Baumgarten. Fakt ist, dass sowohl die Nachfolgestaaten des Deutschen Reiches, BRD, Österreich, als auch der kommunistische Erzfeind DDR, Teile des damaligen NS-Tierschutzgesetzes übernahmen.

    PS: Natürlich war Konrad Lorenz schon Tierschützer vor Adolf Hitler, aber Tierschutz um seines Willen kam erst zwischen 1938 und 1945 zur Anwendung in den versch. politischen Lagern!

    PS2: >Die 8 Todsünden der zivilisierten Menschheit< – der Beginn der GRÜN-Bewegung in Österreich!
    PS von PS2: In Wall-E wird das Thema der Verhausschweinung noch x deutlich!

  7. Veronika says:

    Wenn man nichts tun darf was Hitler tat, muss man sehr vorsichtig sein. Hitler war ein Büchernarr – seine Bibliothek umfasste 16000 Bände. Also bitte nichts mehr lesen, schon gar keine Bücher. Man durfte keine Schnittblumen in Vasen geben, weil er Totes nicht mochte. Er war ein großer Fan von Disney. So ist überliefert, dass der grausame Diktator unter anderem gerne „Schneewittchen“ gesehen hat. Angeblich soll Hitler auch selber gerne die Disney-Zwerge gemalt haben. Er hat die ersten Rauchverbote eingeführt, die Tabakwerbung eingeschränkt. Also bitte keine Rauchverbote mehr. Tierversuche gab es übrigens in der NS Zeit schon.

  8. Schnitzi says:

    Da hat gleich am Anfang wieder der Fehlerluzifer zugeschlagen:
    „Da wüsse man, als welcher Ecke…“
    LG, Schnitzi

  9. mella says:

    Habe den Artikel gleich einem Freund von mir weitergeleitet, der mich ebenfalls mit diesem Thema belästigt. Vielen Dank für die Arbeit!

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