Hund ohne Leine trifft Hund mit

Mittlerweile sind mehr als 95 % aller Hunde, die meinem Hundefreund und mir begegnen, angeleint. Leider wirkt die gesetzliche Leinenpflicht. Leider deshalb, weil mir bei unseren Begegnungen völlig klar wird, wie sehr die Leine Hunde verändert und behindert.

Kuksi und ich sind immer ohne Leine unterwegs. Kommen in der Ferne ein Mensch und ein Hund auf uns zu, dann reißt der Mensch praktisch jedes Mal, wenn er uns sieht, reißt seinen Hund an der Leine zu sich her. Oft wechselt er noch schnell die Straßenseite.

Kommen wir den beiden näher, ist ein entsetzter Blick im Gesicht des Menschen mittlerweile die Norm. Manchmal drängt er seinen Hund hinter sich in einen Hauseingang und stellt sich davor. Oft brüllt er „Sitz! Platz! Ruhe!“ oder Ähnliches und lässt seine Emotionen an seinem Hund aus. Die Hunde selbst sind in der Mehrheit dieser Fälle ziemlich passiv und unbeteiligt.

Bei 60 % der Hundebegegnungen – Kuksi völlig leinenfrei oft viele Meter vor mir, der andere Hund eng gehalten und angeschrien – ist mein Hundefreund völlig desinteressiert und schnüffelt nicht einmal zu diesem anderen Hund hin. Er geht einfach vorbei, oft ganz knapp. In weiteren 39 % der Fälle schnüffeln sich die Hunde freundlich an und das wars. In wenigen Ausnahmesituationen gibt’s ein Gebelle. Aber Kuksi hat in seinen 7 ½ Jahren noch nie einen anderen Hund gebissen und ist bisher einmal gebissen worden, eine kleine, blutende Wunde am Ohr. Ist das die große Gefahr, die durch ständige Leinenhaltung vermieden werden soll?

Ich frage mich oft, was diese Menschen mit Hund denken, die uns da begegnen. Aus ihren fast schon ängstlichen Gesichtern schließe ich, dass die normale Begegnung mit anderen Hunden irgendwie sehr stressig ist. Kein Wunder, würde ich hinzufügen, mit Hunden an der Leine. Wenn sie aber sehen, dass Kuksi sich überhaupt nicht interessiert, was denken sie dann? Vermutlich entweder, dass das nur ihrem scharfen Einsatz gegen ihren eigenen Hund zu verdanken ist, oder, dass Kuksi die große Ausnahme aller Hunde darstellt, oder, dass Kuksi so wunderbar von mir konditioniert worden ist. Nichts davon ist wahr.

Ein Hund, der über Jahre hinweg täglich auf sich gestellt Hunden begegnet, wird sozial kompetent. Er weiß, wie er Konflikte entschärfen kann. Das wäre doch absurd, würde ein normaler Hund an jeder Straßenecke zu kämpfen beginnen. Aber ein Hund an der Leine ist nie dazu herausgefordert worden, eigenständig diesen sozialen Konflikt zu lösen oder zu umgehen. Er entwickelt keine soziale Kompetenz. Er bellt herum und erwartet, sowieso an der Leine zurückgehalten zu werden.

Wir sprechen hier nicht vom Sonderfall neurotischer Hund. Fast alle Begegnungen mit Hunden laufen so ab – und in der Stadt begegnen wir sicher 30 am Tag. Fast immer reißen die Menschen ihre Hunde an der Leine zurück, fast immer passiert dann in der Begegnung absolut überhaupt nichts. Ich lass mir nicht einreden, dass wenn der andere Hund nicht an der Leine wäre, irgendwie der große Titanenkampf ausbrechen würde, auf Leben und Tod. Im Gegenteil, ich bin davon überzeugt, dass 99 % der Hunde, denen wir begegnen, total davon profitieren würden, diese Begegnung leinenfrei durchführen zu können, und dass absolut überhaupt keine Aggression die Folge wäre. Es ist so unendlich traurig, dass diese Hunde nicht ihre Persönlichkeit entwickeln und sich selbständig mit anderen Hunden austauschen dürfen. Oft, wenn Kuksi und der andere Hund aneinander schnüffeln, reißt der Begleitmensch bald an der Leine und sagt „Genug! Weiter!“ oder so ähnlich. Es wird ihnen nicht einmal genug Zeit für die kleinste Begegnung gelassen.

In Diskussionen mit HundeexpertInnen wird immer davon gesprochen, dass es ja verhaltensauffällige Hunde gebe, dass man zu diesen keine anderen Hunde hinlassen dürfe, dass die Leine Hunden Sicherheit gebe und dass daher, alles in allem, offenbar die Leinenpflicht das Richtige sei. Auch die besonders intensiv konditionierten Hunde treffe ich, bemerkenswerter weise, dann doch an der Leine ihrer menschlichen BegleiterInnen. Wenn die so gut konditioniert sind, warum können sie dann nicht frei laufen? Vermittelt Konditionierung vielleicht doch keine Kompetenz für Selbständigkeit?

Ich kann nur noch einmal an alle Menschen, die mit Hunden zusammenleben, appellieren, ihren Hunden mehr zu vertrauen und ihnen die Freiheit zu geben, ihre Kompetenzen selbständig zu entwickeln. Die meisten Menschen glauben mir überhaupt nicht, dass Kuksi überall in der Stadt immer frei läuft, oft gute 70 m vor mir, und nie passiert irgendetwas. Das ist nicht unglaublich. Das ist ganz normal. Hunde sind keine Vollidioten und weder der Straßenverkehr noch die Begegnung mit anderen Hunden ist so komplex, dass ein Hund das nicht bewältigen könnte. Die Wildnis ist viel komplexer. Und dort haben sie zig Millionen Jahre als Wölfe überlebt!

33 thoughts on “Hund ohne Leine trifft Hund mit

  1. Anonymous says:

    ich finde diesen artikel sehr interessant. wenn ich sehe, dass im ausland die hunde als strassenhunde gelten und frei umherlaufen, zwar manchmal leid ertragen müssen aber es dort über generationen so normal ist und es ganz einfach in diese länder hinein gehört, dann nimmt man eigentlich dem hund, den man nach deutschland rettet, die freiheit und auch die weitere sozialisierung. mit einer leinenpflicht erreicht man das gegenteil, wo ich durchaus zustimmen muss. meine hündin kam 2014 zur adoption zu mir. 2 monate lernte sie die neue umgebung hier kennen. ich vertraute meinem hund und er mir. ich sah eine gruppe hunde auf der wiese spielen und fasste mir ein herz und löste die leine. statt hinzurennen, lief sie einen grossen bogen und schnupperte erstmal alles ab. dann kam ein hund spielend und wedelnd auf sie zu, dann der etwas grössere und dann war alles geklärt. schnell war das team komplett und es wurde ausgiebig gespielt. vorher stand mir auch ersteinmal das herz kurz still, aber ab dem tag läuft mausi ohne leine. nur über die strassen hefte ich sie kurz an, wegen dem verkehr. ich habe bis zum heutigen tag sehr gute erfahrungen gemacht und sie hat ihre freiheit bekommen. man sollte unbedingt gegen den leinenzwang kämpfen, denn im ausland laufen sie auch frei herum. es ist nur in deutschland eine prestige sache, dass, wenn leute ihren hund frei haben und das ordnungsamt begegnet ihnen, dass abgezockt wird. das ist im gleichen atemzug mit der hundesteuer abzocke auch so. nur wenn hunde freilaufen, können sie sich sozialisieren. das ist eine tatsache.

  2. Anonymous says:

    Hallo ,sehr informativ. Die Autos sind eine Gefahr, meiner wurde angefahren, er war Grad 7 Monate, lief vom Grundstück durchs offene Tor …. Ich war beschäftigt und hab1.nicht aufgepasst, und war 2, nicht schnell genug, als er was in der Nase hatte und wie der Blitz davon schoss ….
    Und dann gibt es Menschen mit panischer Angst vor Hunden. Solche Auseinandersetzungen mit denen sind für mich Stress, daher leine ich ihn in der Stadt immer an.

  3. Anonymous says:

    ich finde diesen artikel sehr interessant. wenn ich sehe, dass im ausland die hunde als strassenhunde gelten und frei umherlaufen, zwar manchmal leid ertragen müssen aber es dort über generationen so normal ist und es ganz einfach in diese länder hinein gehört, dann nimmt man eigentlich dem hund, den man nach deutschland rettet, die freiheit und auch die weitere sozialisierung. mit einer leinenpflicht erreicht man das gegenteil, wo ich durchaus zustimmen muss. meine hündin kam 2014 zur adoption zu mir. 2 monate lernte sie die neue umgebung hier kennen. ich vertraute meinem hund und er mir. ich sah eine gruppe hunde auf der wiese spielen und fasste mir 3in herz und löste die leine. statt hinzurennen, lief sie einen grossen bogen und schnupperte erstmal alles ab. dann kam ein hund spielend und wedelnd auf sie zu, dann der etwas grössere und dann war alles geklärt. schnell war das team komplett und es wurde ausgiebig gespielt. vorher stand mir auch ersteinmal das herz kurz still, aber ab dem tag läuft mausi ohne leine. nur über die strassen hefte ich sie kurz an, wegen dem verkehr. ich habe bis zum heutigen tag sehr gute erfahrungen gemacht und sie hat ihre freiheit bekommen. man sollte unbedingt gegen den leinenzwang kämpfen, denn im ausland laufen sie auch frei herum. es ist nur in deutschland eine prestige sache, dass, wenn leute ihren hund frei haben und das ordnungsamt begegnet ihnen, dass abgezockt wird. das ist im gleichen atemzug mit der hundesteuer abzocke auch so. nur wenn hunde freilaufen, können sie sich sozialisieren. das ist eine tatsache.

  4. Sibylle says:

    Wo es geht, kommt die Leine ab, am besten auch gleich das Halsband. Aber: es gibt Situationen, wo man Begegnungen mit anderen Hunden vermeiden möchte. Meine Hündin war sozial sehr verträglich, sie freute sich über jeden Hund, den wir trafen, besonders über Rüden, die sie sofort „anspielte“. Ab ca. 16 Jahren hatte sie Probleme mit dem Rücken, eine Runde spielen mit einem fremden Hund büßte sie und ich mit in den nächsten Tagen. Sie wurde 17 Jahre und 4 Monate alt (Schäfi-Collie-Mischling), hatte in den letzten Monaten gesundheitlich zu kämpfen und wackelte bis zuletzt gerne draußen rum. Aber in der letzten Zeit hätte ein Anstupser von einem anderen Hund genügt, und sie wäre umgefallen. Sie hatte grauen Star und war schwerhörig, für sie war die Leine zuletzt wie eine „Nabelschnur“ zu mir, grade bei Dämmerung sah sie sehr schlecht. Und ich wäre sehr wütend geworden, wenn ein anderer Hund da einfach ungestüm auf sie losgegangen wäre.

  5. nadja says:

    Ich muss meinen Hund anleinen, sagt das Gesetz! ja, es hat meinen hund verändert.. und mich.. ich traue meinem hund und vorallem unserer Bindung zu 100%.. aber ableinen und schwierigkeiten bekommen?.. frei laufende hunde sind nunmal eine herausforderung für hund und mensch die sich mit leine verbinden müssen.. deshalb wünsch ich mir verständnis dafür.. denn das der hund an der leine viell grantig reagiert eben viell weil er angeleint ist,… das kann ich nicht mehr ändern ( die leine) das wollten doch soviele? … weil listenhunde so gefährlich sind? und jetzt werd ich nicht verstanden weil sie an der leine bleibt um keine schwierigkeiten zu bekommen mit gesetz oder menschen die sofort belehrend auf einen einreden …und wenn das freie gegenüber einfach her kommt auch wenn ich darum bitte das nicht zu tun.. ja ohne leine wär die gefahr der konfrontation sehr gering, aber wer wollte denn dieses gesetz unbedingt? erst wurde ich verurteilt weil ich sie frei lies, jetzt werde ich belehrt warum ich sie nicht einfach ableine ( ICH DARF DOCH NICHT MEHR,BITTE RESPEKTIERE DAS …ICH KANN JA NICHTS DAFÜR) oder kopfschüttelnd “ die spielen doch nur“ die machen sich das aus“ ( absoluter schwachsinn, 2fremde Hunde die siche begegnen sind KEIN rudel und machen sichs auch nicht kurz aus) mit unverständnis gestraft.. aber liebe andere Hundefreunde… versteht doch auch uns die wir vom gesetz her gezwungen werden, dass das Risiko zu gross ist, einen Zwischenfall, der zu 90% gar keiner ist, aber vom „seinen hund freilaufenden, zu nahe kommenden Gegenüber“ so empfunden wird, kann mich die Liebe meines Lebens kosten eeil man sie mir wegnimmt oder ich keinen hund mehr haben darf… versucht auch diese seite zu sehen und „erzwingt“ nicht immer das eure hunde die frei sein dürfen einfach zu nahe kommen…DANKE

  6. Britta says:

    Grundsätzlich stehe ich dem Leinenzwang positiv gegenüber, aber nicht ausschließlich. Leider hatte ich mit meiner kleinen Hündin zwei schlechte Erlebnisse. Beide Male war der fremde Hund nicht angeleint, meine im ersten Fall ebenfalls nicht, im zweiten Fall schon (ich konnte sie aber nicht mehr schnell genug hoch nehmen). Anhand dieser Vorfälle muss ich sagen, dass alle schlauen Tipps, die man lesen kann, am Ende doch nichts taugen. Beide Hunde unangeleint und dann passiert nichts – das stimmt nicht! Mein Hündin wurde attackiert und lief in Todesangst davon, nachdem ich mich dazwischenwerfen und sie befreien konnte. Ich hatte Mühe, sie zurückzubekommen und konnte froh sein, dass sie nicht überfahren wurde, denn sie lief aus dem Wald heraus. Die Besitzer schauten dem ganzen einfach nur dämlich zu. Im zweiten Fall war meine angeleint, der andere nicht. Sein Herrchen war gesundheitlich angeschlagen und pustete nach Luft, sah mich nicht kommen (umso weniger verständlich, den Hund, der bei den Nachbarn als aggressiv bekannt ist, unangeleint laufen zu lassen!). Meine wollte umkehren, stand schon 3 Meter hinter mir und der andere nutzte den Moment, als ich mich zu ihr umdrehte, hetzte an mir vorbei und fiel sie förmlich im Flug an. Ich hätte sie einfach 5 Sek. früher auf den Arm nehmen sollen, dann wäre ihr nichts passiert. Sie schrie in Todesangst und ich warf mich sofort dazwischen, hatte sie endlich frei, aber bevor ich meine schnappen konnte, rappelte sich der andere auf und war sofort wieder an meiner dran. Der zweite Versuch, ihn wegzuwerfen, klappte dann und ich nahm meine sofort zu mir. Nach diesen beiden Ereignissen bin ich mehr als zuvor für Leinenzwang, denn man weiß nie, wie Hund und Halter beschaffen sind, die einem entgegenkommen. Fremde Menschen vertragen sich nicht zwangsläufig und fremde Hunde eben auch nicht. Ich lasse meine gern ohne Leine laufen, da wir ländlich wohnen, aber sobald von weitem ein Hund auftaucht, leine ich sie an, nehme sie auf den Arm oder sage dem Halter, er möge seinen anleinen. Ich gehe kein Risiko mehr ein.

  7. Lieber Martin Balluch,
    bist Du wieder mal in Innsbruck? Sehr gerne würde ich mit Dir über Hunde in Innsbruck sprechen. Ich habe wegen meiner freilaufenden Hunde Sunny und Sophie bereits über tausend Euro Strafe bezahlt.
    Herzlich Andreas Maislinger

  8. amor says:

    Wenn es einem allein das Diskutieren echt mühsam ist und keinen Sinn macht, dann kann ich mir schon vorstellen, wie wenig diese Person für den Tierschutz zu gebrauchen ist!

    Mich wundert`s, dass dieser ansonsten sehr innovative Beitrag von M. Balluch über die selbstverständliche Freiheit eines Hundes sein Leben ohne Leine zu führen, für so viele Kommentare gesorgt hat.

    Sagen wir mal so: wenn ich unfähig bin meinen Vierbeinigen Partner ohne Leine neben mich zu halten, das heißt nicht dass ich mich noch dazu bemühen sollte, Begleittheorien für meine Unfähigkeit zu entwickeln.
    Ich kann es nicht, heiße nicht, es ist auch richtig so, wie ich es mache.
    Zu mindestens für die aufgeklärte Front der Tierschützer.
    Das ist das Eine.

    Das andere ist, das man sich der Mentalität „Cosi fan tutti“ anschließt, und zieht vor, sich den tierfeindlichen Gesetzen zu gehorchen, um keinen Ärger mit System und Bürger zu haben.
    Auf Kosten anderer Wesen kriegt man immer Garantie auf Ruhe!
    Ich werde keine persönliche Beispiele hier erwähnen, absichtlich.

    Eins muss ich aber doch erzählen:
    Vor kurzem ging mir ein kleines (höchstens 4 Jahre altes) Kind fast in die Räder.
    Wie konnte das passieren?
    Weil seine blöde Mutter gerade am Handy sprach, das Kind hatte ein kleines Fahrrad, spielte damit auf dem Gehsteig während sie am Telefon schwätzte, und kam auf die „artgerechte“ Idee die Straße zu überqueren.
    Wenn ich nicht mit 30 gefahren wäre (war keine 30 Zone) hätte ich heute ein Kind, ohne meine Schuld, doch aufs Gewissen.
    Vollbremse, das Auto steht quer aber immerhin 50 cm vor das Kind.
    Mutters ‘Reaktion: leichte Beschimpfung, weiter am Handy reden, keine Entschuldigung an mich, fertig!

    Leinepflicht für Kinder im Straßenverkehr?
    Leinepflicht für Kinder, die auf öffentlichen Plätze Steine auf die Tauben werfen?
    Leinepflicht für aggressive Kinder, die in der Schule andere verprügeln?
    Dazu könnte ich auch einige merkwürdige Theorien entwickeln, aus eigener Erfahrung, eben.

    Spätestens nach diesem Fall, würde ich sagen, dass die Gesetzte die die Sicherheit zwischen Mensch-Tier im Alltagsleben „gewähren“, rein rassistisch funktionieren.
    Ich meine, gegen Tiere, mit allen Mitteln.

    Es bleibt nur noch jedem überlassen, (je nach Bewusstseinsgrad), ob er da kooperiert, und aus der eigenen Not eine Tugend macht.
    Amor

  9. Veronika says:

    Nachtrag:
    Etwas möchte ich noch zum Überfahren-werden sagen.
    In unserer Gesellschaft gibt es nun einmal Gesetze die sich negativ auf einen „Tierhalter“ (so nennt man das im juristischen Deutsch) auswirken können. . Ein frei laufender Hund kann auch einen Verkehrsunfall auslösen. Daran ist dann der Tierhalter mitschuldig und er kann deshalb belangt werden. Er ist verpflichtet seinen Hund ordentlich zu verwahren, also Unfälle zu verhindern.

    „Erschrickt der Hund vor spielenden Kindern oder sonstigen Geräuschen und läuft daraufhin auf eine befahrene Straße und verursacht einen Unfall liegt ebenfalls immer willkürliches Verhalten vor. Dieses unberechenbare Verhalten, ausgehend vom Tier, führt zwangsläufig stets zu einer Haftung des Tierhalters. Auch soll nach einem Urteil des Amtsgerichts Frankfurt der Tierhalter selbst dann haften, wenn sich jemand von seinem Hund bedroht fühlt, vor diesem wegläuft und hierbei zu Schaden kommt.“ http://www.hunderecht.eu/hundegesetz/deutsches-hunderecht/17-die-haftung-des-tierhalters

    Man kann natürlich auch in so einem Fall sagen: „Na ja, ist eben ein Risiko, aber bisher ist mir das noch nie passiert!“ Mir ist das auch noch nie selbst passiert, aber ich habe zugesehen wie ein Hund überfahren wurde. Nur ein einziges Auto fuhr gerade auf der Straße. Der Hund einer bekannten wurde auch überfahren und starb dabei. Auch da nur ein einziges Auto auf der Straße. Seit Jahren ging sie dort jeden Tag mit ihrem Hund – nie passierte etwas. In beiden Fällen hatten die „Tierhalter“ das Glück, dass nur der Hund überfahren wurde. Der Fahrer hätte aber auch erschrecken und sein Fahrzeug verreißen können. Es kommt vielleicht selten vor, aber es kommt vor. Warum soll man das Risiko eingehen, vielleicht die eigene Existenz zu vernichten? Abgesehen von den Schuldgefühlen wenn es Tote und Verletzte gibt.

  10. Veronika says:

    Ich habe nicht gesagt dass Hunde keine Entscheidungen treffen. Im Gegenteil – sie treffen sinnvolle Entscheidungen. Aber sie treffen keine „moralischen“ Entscheidungen im menschlichen/zivilisierten Sinne. Denn unsere angeblichen „Entscheidungen“ sind anerzogen und unnatürlich. Wir haben sie entwickelt, weil eine so große Gesellschaft gewisse Regeln braucht um funktionieren zu können. Eigentlich sind sie un-menschlich, weil auch wir Menschen für ein Leben in kleinen Horden konzipiert sind. Genauso wie Hunde. Ein Hund kann das deshalb nicht nachvollziehen.
    Würde ein frei lebender Hund auf Nahrung verzichten die einfach da ist, würde er bald verhungern. Deshalb wird er sicher zugreifen und was er nicht gleich fressen kann, vergräbt er. Von Krähen kennen wir, dass sie Nahrung ganz bewusst sogar vor Artgenossen verstecken. Menschen die in einer natürlichen Umgebung leben, machen das ja auch so. Wir verstecken halt das Geld, oder lassen es bewachen, weil Geld auch Nahrung ist.
    Was auf dem Tisch liegt, gehört sowieso faktisch niemandem – denkt der Hund. Also nimmt er es. Es sei denn man hat ihm klar gemacht, dass es „dem Boss“ gehört.
    Dieses „das gehört mir, das gehört dir“ ist immer eine Frage der Macht und der Möglichkeit. Wäre das in der Menschengesellschaft anders, bräuchten wir keine Gefängnisse.

  11. Martin Balluch says:

    @Canis Sapiens:
    Ich gehe klettern, in Fels und Eis, und es ist gefährlich. Ich wandere in die Wildnis und treffe Bären. Ich ziehe durch den Schneesturm über das Tote Gebirge. Natürlich kann da etwas passieren. Jeden Tag im Mittel stirbt ein Mensch in Österreichs Bergen und etwa 15 werden verletzt. Nur weil etwas passieren kann, mache ich das trotzdem alles. Und zwar nicht, weil ich denke, mir passiert schon nichts, sondern weil ich sage, auch wenn mir etwas passiert, war es das bei weitem wert. Ich möchte lieber wild und frei leben und daran jung sterben, als sicher und unfrei, und dafür alt werden, wenn das die Optionen sind.
    Genauso mit meinem Hundefreund. Ich meine, die Freiheit ist ihm sehr wichtig, und dass er daran sterben kann, ist mir bewusst. Aber das ist es wert. Selbst wenn Kuksi morgen von einem Auto überfahren würde, weil er einen Fehler gemacht hat – was mir genauso passieren kann – bleibe ich dabei: keine Leine auf der Straße war die richtige Entscheidung. Und lieber alles Essen und ein Risiko eingehen, als ständige Kontrolle. Und lieber Hunden frei begegnen und einmal einfahren, als ständige Kontrolle. Rein statistisch scheint ja nicht viel zu passieren. Immerhin gehe ich seit 30 Jahren so mit nun 3 Hunden um, und keiner davon ist im Autoverkehr oder an einem schlechten Essen gestorben oder war je in einen ernsten Hundekampf verwickelt. Also selbst wenn das jetzt passieren sollte, stehen 30 Jahre Freiheit gegen einen Unfall und das ist es in meinen Augen auf jeden Fall wert gewesen!
    Wer mit dem Auto fährt, überfährt früher oder später Wirbeltiere und letztlich auch einen Menschen. Diese Gefahr ist dem Autofahren immanent. Fahren wir deshalb nicht mehr? Nein. Wir fahren doch. Da ist uns diese Freiheit einfach wichtiger. Wir versuchen den Unfall zu vermeiden, aber auch wenn er passiert, ändert das meine Meinung nicht. Kürzlich habe ich leider eine Kröte überfahren. Das tut mir sehr leid, und ich möchte versuchen in Zukunft besser aufzupassen, aber Auto fahre ich trotzdem noch.
    Erwachsene Hunde sind nicht wie Kinder, sondern wie Erwachsene. Nein, ich würde ein z.B. 5 jähriges Kind nicht 10 Minuten alleine neben der Fahrbahn einer Autobahn stehen lassen, und auch nicht 8 Stunden alleine zu Hause lassen. Aber ein erwachsener, selbstsicherer Hund ist eben kein Kind. Der hat gelernt damit umzugehen. Ich vertraue ihm da voll und ganz.
    Aggression unter Menschen gibt es genauso. Ständig krachen die Leute aneinander. Ich möchte davor warnen, Hunde als „Tiere“ (die eben nunmal ständig kämpfen und aggressiv sind, das sei ihre Natur) und Menschen als ganz anders zu sehen. Und wenn Menschen ihre Aggression in der Begegnung auf der Straße beherrschen können, warum nicht auch Hunde? Also Kuksi ist jedenfalls sehr sehr wenig aggressiv und das scheint er zu sein, weil er in der Aggression keinen Sinn sieht. Wozu sollte er streiten?

  12. lieber martin,
    wer hat gesagt, dass tiere dauernd kämpfen? weil ich geschrieben hab, dass aggressionsverhalten zum normalverhalten gehört?
    martin, genau das ist der grund, weshalb es echt mühsam ist, zu diskutieren.
    aggressionsverhalten dient eben genau dazu, zu verhindern, dass kämpfe passieren. aber leider sind dir die subtilen signale in der hundekommunikation nicht bekannt, sonst würdest du das nicht „so“ fehlinterpretieren.
    in diesem sinne, ich bin hier raus. macht keinen sinn. 🙂
    alles liebe,
    canis sapiens

  13. „Selbst wenn Kuksi morgen von einem Auto überfahren würde, weil er einen Fehler gemacht hat – was mir genauso passieren kann – bleibe ich dabei: keine Leine auf der Straße war die richtige Entscheidung. Und lieber alles Essen und ein Risiko eingehen, als ständige Kontrolle. Und lieber Hunden frei begegnen und einmal einfahren, als ständige Kontrolle.“

    pfuh… no comment o.O

  14. Martin Balluch says:

    @Veronika:
    Ich fürchte, umgekehrt, Sie unterschätzen Hunde gewaltig. Mein Hundefreund Kuksi wurde nie darauf trainiert, sich nichts vom Tisch zu nehmen. Ja, jemand hat einmal eine Bio-Fleischwurst (Frankfurter) auf seinen Radbuggy gelegt, in seiner Nasenhöhe. Ich ging in den Supermarkt und kam 10 Minuten später heraus. Die Fleischwurst ist noch immer dort gelegen.
    Mein guter Hundefreund ist einfach sehr relaxed. Den kann nichts aufregen (oder fast nichts). Er nimmt das Leben locker, weil er weiß, dass er es im Griff hat.
    Nein, ich bin davon überzeugt, dass mein Hundefreund eigene Entscheidungen trifft und sich ganz bewusst an Regeln hält oder diese bricht. Wären Hunde, wie Sie es sehen, dann frage ich mich, wozu sie ein Bewusstsein hätten. Wenn sie selbst nichts entscheiden können, warum dann überhaupt bewusste Gefühle haben? Nein, nein. Unterschätzen Sie bitte Hunde nicht, die sind wesentlich selbständiger, als Sie offenbar denken.

  15. … noch eine kleine ergänzung …

    beurteile die fähigkeiten von fischen nicht daran, wie gut sie fliegen können … auch wenn es unter anderem welche gibt, die fliegen können … https://de.wikipedia.org/wiki/Fliegende_Fische

    in diesem sinne,
    schönes wochenende mit schwimmenden hunden 😉
    canis sapiens

  16. Veronika says:

    @Balluch

    Jetzt möchte ich mich kurz in eure Diskussion einmischen.

    „Noch eine konkrete Frage. Ein Hund sitzt vot einem Tisch, auf dem Essen steht, das er gerne hätte und das niemand gerade isst. Würdest Du sagen, das stresst ihn, und man sollte das Essen daher entfernen? Ich meine nämlich, dass man das nicht tun sollte. Der Stress ist gut, der Hund lernt damit, selbständig ein Problem zu lösen, in dem Fall sich zurück zu halten.“!

    Jeder normale Hund nimmt sich was er haben möchte, sobald er alleine ist. Wenn dein Hund das nicht tut, hast du ihn konditioniert und es ist NICHT seine Entscheidung. Außer es liegt etwas auf dem Tisch, was er nicht wirklich haben möchte. Vermutlich das was du ihm normalerweise fütterst.

    Zufällig habe ich vor einiger Zeit im Fernsehen einen „Test“ gesehen. Ein Journalist veranstaltete diesen Test. Bis auf einen Hund – den des Journalisten, der an sich eher langsam wirkte – griffen alle Hunde zu. Sogar die Polizei Hunde.

    Du interpretierst deine eigenen Wertvorstellungen in den Hund hinein und siehst ihn als Menschen in Gestalt eines Hundes. Tiere sind anders als Menschen. Das sollte man akzeptieren und auch respektieren.

    Ich wünsche dir weiterhin Erfolg bei deiner Arbeit als Tierschützer – und mehr echtes Verständnis für deinen Hund. 🙂

  17. Martin Balluch says:

    PS zu Canis Sapiens:

    Noch eine konkrete Frage. Ein Hund sitzt vot einem Tisch, auf dem Essen steht, das er gerne hätte und das niemand gerade isst. Würdest Du sagen, das stresst ihn, und man sollte das Essen daher entfernen? Ich meine nämlich, dass man das nicht tun sollte. Der Stress ist gut, der Hund lernt damit, selbständig ein Problem zu lösen, in dem Fall sich zurück zu halten. Er versteht, dass er nicht jedem seiner Impulse folgen muss. Dadurch wird der Hund gelassener, selbständiger, selbstbewusster und besser fähig, mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen.

    Wie also würdest Du in dieser Situation reagieren? Kannst Du meiner Analyse zustimmen? In der Wildnis erlebt der Hund ständig solche Situationen und wächst durch deren Bewältigung in seiner Persönlichkeit.

  18. lieber martin,
    zu deinem ps… das hängt vom hund ab… aber grundsätzlich sehe ich das so wie du. der hund kann und soll durchaus lernen, dass nicht immer alles so läuft, wie er/sie es sich wünscht. sich zurückhalten finde ich sogar ganz fundamental wichtig, nur das level, das der hund gerade bewältigen kann, ist eben individuell unterschiedlich – und hängt auch davon ab, wie geübt er/sie darin schon ist (und wie begehrt das essen auf dem tisch 🙂 ).
    lg
    ursi

  19. Finley says:

    Sehr geehrter Herr Balluch,
    das was Sie beschreiben erinnert mich an die 80er Jahre. Ich wuchs auch mit Hund auf, es wurde kein „G`schiss“ um den Hund gemacht, er war den ganzen Tag ums Haus und im Dorf unterwegs wie er wollte. Probleme gabs dann nur beim Sonntagsspaziergang mit Leine, wenn wir sozusagen durch die Territorien der anderen Hunde im Dorf gingen. Kein Jäger/Bauer kam damals auf die Idee den Hund gleich zu erschießen, nur weil er im Dorf seine Runde macht. ( Zur aktuellen Thematik heutezutage, sag ich nix, es hat mir gereicht als ich beruflich mit dieser „Menschenart“ zu tun hatte und einen Einblick in diese „irre Gedankenwelt“ bekam. )

    Heute schauts da anders aus: Egal wo ich spazieren gehe, wird man angemault, es gibt hier in meiner Umgebung genau einen Bereich wo ich den Hund ohne Leine laufen lassen kann, sonst gabs überall schon „Vorkommnisse“, aufgrund derer ich mit dem Hund nur mehr mit Leine gehe.
    Man kann den Hund ja nicht mal mehr in die Wiese „kaken“ lassen, weil da stehen dann schon wieder Schilder von den Bauern: Stichwort “ Du verunreinigst Dein Essen, oder Du tötest Käber“ Ersteres, ist ein Witz, weil wenn die die Gülle ausfahren, das Trinkwasser voller Nitrat ist, und ich muss den Dreck trinken, sag ich nur Bauer schäm dich, Zweiteres ist auch kein Argument, laut Veterinär Uni Wien Artikel . Gerade vor kurzem traf ich auf einen Bauern, der „BioHeu“ erzeugt, der mich gleich anmaulte, ich ihn dann den Fachartikel um die Ohren haute, und ihm noch mein „KakSackerl“ zeigte, er dann kleinlaut davon ging. Aber das ist eigentlich echt traurig, sich immer rechtfertigen zu müssen.

    In der Stadt wo ich jetzt wohne ist die Hundefeindlichkeit deutlich zu spüren, die Hundeverbotszonen mehren sich, man kriecht beim spazieren gehen „unter der Grasnarbe“ weil man jedem Radfahrer, jedem Jogger, jedem der einen böse anschaut, ausweicht, so gut es geht. Man entfernt jedes Häufchen sofort und trägt es demonstrativ zum Mülleimer damit auch jeder der Mitbürger sieht “ ja ich entsorge den Kot brav“.
    ( aber wenn Menschen an Bäume urinieren, oder Eltern mit ihren Kindern am Spielplatz nicht die aufgestellten Toiletten benutzen, sondern ihre Kinder in die Büsche pinkeln/kaken lassen, da darf man als HundeMensch nicht mal hinsehen und schon gar nix sagen. )
    Ich gehe deshalb mit Leine weil ich mich und meinen Hund schütze, vor dem ganzen Wahnsinn, abgesehen davon, dass die Polizei die Grünflächen abgeht und die „Freiläufer“ gleich abstraft.

    Ich wünschte ich könnte mit „meinem“ Hund ein freies selbstbestimmtes Leben führen, das endet aber leider, wenn ich die Wohnungstür verlasse. Und zu anfangs habe ich auf gekämpft, jetzt versuche ich auszweichen wo immer es geht, weil ich nicht mehr die Kraft habe, mich immer rechtfertigen zu müssen, für Dinge die eigentlich mal ganz normal waren, in einem sozialen Miteinander, das nicht mehr existent ist.
    Und die Sache ist die: ich vertraue meinem Hund, aber ich habe keinerlei Vertrauen mehr in die ferngesteuerten, von Konsum, Bödsinn und Propaganda verbeulten Hirne. Eigentlich ist das keine Welt mehr für unsere Weggefährten.

  20. lieber martin,

    immer wieder stoße ich leider auf deine texte zu hunden und muss dieser oberflächlichen schwarz-weiß-darstellung mal etwas entgegnen. an sich wollte ich wirklich davon ausgehen, dass du als doppel-doktor die welt doch differenzierter wahrnimmst, aber leider weit gefehlt offenbar.
    vor ein paar wochen habe ich dir ein angebot gemacht, mich mal bei meiner arbeit mit hunden zu begleiten, damit du einen einblick bekommst – bis dato keine reaktion von dir.

    anekdoten von kuksi (und vlt 2 kuksi-vorgängern) sind zwar entzückend zu lesen, du als wissenschafter solltest aber doch wissen, dass man von einer beobachtung (die eine interpretation ist!) nicht auf die allgemeinheit der hunde schließen kann. außerdem erzählst du in den kuski-episoden nur die interpretationen, die in dein bild passen… aber dazu später mehr.

    es gibt viele gründe, weshalb hundekontakt nicht in jeder lebenssituation für jeden hund eine gute idee ist:
    1. zu wenig platz
    2. angst vor anderen hunden
    3. angstaggression anderen hunden gegenüber
    4. spaß am andere hunde vermöbeln
    5. krankheit (auch infektiöse!)
    6. genetische faktoren
    7… etc.

    ad 1. hundekommunikation, vor allem bei fremdhundkontakt, braucht im normalfall platz. ein gehsteig mit hausmauer auf der einen seite und straße auf der anderen ist da oft nicht ideal. hunde sprechen mit ihrem körper. schade dass du das nicht siehst. und nur weil es hunde gibt (das bezweifelt niemand), die damit gut zurecht kommen, ist das kein argument, dass alle anderen hunde „gestört“ sind.

    ad 2. wenn hundekommunikation bereits einige male beängstigend nahe war, kein platz zum ausweichen (siehe 1.), wird die angst vor so einer situation für den hund immer größer. die hunde sind dann nicht unbeteiligt (schade, dass du das ausdrucksverhalten von hunden nicht lesen kannst), sondern starr vor angst unter umständen.

    ad 3. aus 1. und 2. wird schnell aggressionsverhalten, nach dem motto „angriff ist die beste verteidigung“. es gibt hunde, die dazu tendieren, andere wiederum gar nicht. wenn du mal so einen hund deinen kumpanen nennst, siehst du die (hunde-)welt glaub ich differenzierter.

    ad 4. ja es gibt sie. manche „tut-nix-hunde“, die von ihren menschen nicht notgedrungen eingeschränkt oder schlecht behandelt werden, sondern den hund „hund sein lassen“, finden es sehr spaßig, andere hunde zu vermöbeln – besonders die, die schon angst zeigen. da wären wir dann wieder bei 1., 2., 3… das hat nix mit verhaltensgestört oder -auffällig zu tun, der hund zeigt grundsätzlich „normalverhalten“, das er einfach gelernt hat und auch wieder umlernen kann – aber nicht durch „leine los“, sondern umsichtiges training. punkt und aus.

    ad 5. hunde können krank sein, schon mal was davon gehört? das muss nicht immer ganz deutlich sichtbar sein, ansteckende krankheiten sind auch für den eigenen „tut-nix“ nicht toll. und wenn der angeleinte „bitte-kein-kontakt-hund“ eventuell älter ist oder frisch operiert oder schmerzen hat (und/oder schon die erfahrung gemacht hat, dass andere hunde ihm weh tun), beginnt auch wieder 1.,2.,3.,

    ad 6. hunde sind so unterschiedlich wie menschen, und das von vorneherein. vlt differieren hunde innerhalb ihrer art mehr als menschen es tun. so viele unterschiedliche erscheinungsformen es gibt, so viele rassespezifische eigenschaften gibt es, die verhalten massiv beeinflussen – unabhängig vom „anderen ende der leine“. stichwort herdenschutzhunde, um nur ein bsp zu nennen. falls du mit herdenschutzhunden und deren verhalten nicht vertraut bist, informier dich doch mal.

    du siehst also, es gibt viele gründe, weshalb hunde (in manchen situationen) angeleint sind, was im vorbeigehen eben nicht zu erfassen ist. du beurteilst menschen, trainerInnen und deren arbeit, ohne überhaupt eine ahnung zu haben worum es geht, bringst immer wieder fehlinformation in umlauf (konditionierung = reiz-reaktions-apparat; da hat wohl jemand noch immer nicht verstanden) und gibst grob fahrlässige ratschläge.

    wenn ich so über dich (ab-)urteilen würde, aufgrund von dingen, die ich „im vorbeigehen“ bei dir und kuksi mitbekomme, wie du es mit anderen menschen tust (teilweise nimmst du ja einen satz, reißt ihn aus dem zusammenhang, interpretierst rein was dir grad passt und machst ihn lächerlich), dann komme ich zu folgenden schlussfolgerungen:

    1. kuksi hat wohl gelernt, am rande von straßen zu gehen, weil er mal „kontakt“ mit einem auto hatte, abseits des sozialen lernanteils.
    2. auf einer veganmania wurdest du gesehen, wie du kuksi, der burger-bettelnd zu menschen hingelaufen ist, gerufen und ihm direkt im anschluss essen von dir gegeben hast. böser konditionierer du!
    3. kuksis jagdleidenschaft mag inzwischen nicht mehr so ausgeprägt sein, aber ich kann mich entsinnen, dass kuksi mal völlig sinnlos auf einer deiner wanderungen zig lemminge getötet hat – ohne hunger zu haben, einfach aus spaß. autonomie – ja. aber die hört dort auf, wo die autonomie anderer eingeschränkt wird – der tod verhindert autonomie völlig, dafür ist nämlich leben notwendig. manchmal ist es besser, zu so „niederen hilfsmittel“ wie leine zu greifen, um schäden an anderen sicher zu verhindern. entweder du warst zu faul, kuksi anzuleinen oder hattest gar keine leine mit.
    4. kuksi hatte das „glück“, ungehindert blutige tampons bei „autonom-spaziergängen“ in sich hineinzustopfen (in den mund), musste im anschluss zum tierarzt, hatte angst davor, wand sich aus dem brustgeschirr und musste eingefangen werden. unschön, würde ich sagen. weder ein darmverschluss noch ein autounfall wegen eines vor angst weglaufenden hundes möchte ich verschulden, auch das empfinde ich als grob fahrlässig – sowohl der umwelt gegenüber als auch kuksi. und bitte, jetzt nicht damit kommen, dass er so gelernt hat, was genießbar ist und was nicht… musste kuksi auch mal töten, um zu „wissen“, dass es falsch ist? um beim tamponbeispiel zu bleiben… da bevorzuge ich dann doch, dass mein hund lernt, mir etwas anzuzeigen, bevor er in sich hineinstopft.

    … aber das ist alles bestimmt nicht so, hab ich recht?

    in diesem sinne,
    alles liebe,
    canis sapiens
    http://www.canis-sapiens.at

  21. Martin Balluch says:

    Liebe Canis Sapiens,

    vielen Dank für Deine detaillierte Stellungnahme, wenn auch vielerorts etwas zynisch und herablassend. Trotzdem bin ich über eine Diskussion zur Hundehaltung froh.

    Zunächst einmal geht meine Erfahrung über die drei Hunde hinaus, weil mir täglich Hunde begegnen und Kuksi bzw. die Hunde reagieren, wie im Artikel beschrieben. In mehr als der Hälfte aller Fällen ignorieren sie sich völlig, obwohl sie keine 50 cm aneinander vorbei gehen. Wie gesagt, das erlebe ich 30 Mal am Tag! Ich erlebe dabei auch, dass die Leute, die ihre Hunde an der Leine halten, jedes Mal total staunen. Und ich erlebe, dass Hunde, die ohne Leine laufen oder von der Leine gelassen werden, in der absolut großen Mehrzahl der Fälle wunderbar miteinander auskommen.

    Es mag Hunde geben, die leider irgendwie sozial gestört sind und sich bekämpfen müssen. Aber die meisten Hunde sind meiner Erfahrung nach total friedlich im Umgang miteinander, genauso wie Menschen, die sich begegnen.

    Aber abgesehen davon halte ich die Kernfrage für eine andere: Können Deiner Meinung nach Hunde unabhängig von Konditionierung Zusammenhänge verstehen und dadurch bewusst vernünftig handeln? Du nennst Dich Canis Sapiens, der weise Hund. Ein konditionierter Hund ist nicht weise, sondern ein Roboter – die kann man auch konditionieren. Ein weiser Hund ist vernünftig. Er lernt nicht durch negative Verstäkrung mit dem Straßenverkehr richtig umzugehen, sondern weil er versteht, dass eine Straße das ist, wo Autos daherkommen, dass diese schnell kommen, dass die sehr gefährlich sind und dass auf kleinen Straßen die Gefahr viel geringer ist, auf Schnellstraßen viel größer usw. Also meine Frage noch einmal: Kann Deiner Meinung nach ein Hund verstehen, was eine Straße ist, oder kann er ausschließlich durch Reizreaktionen – also „Wenn-Dann-Regeln“, die er durch blinden Versuch und Irrtum und nicht durch Nachdenken lernt – mit dem Straßenverkehr umgehen? Was macht Deiner Ansicht nach Hunde weise bzw. vernünftig? Oder sind sies nicht, sondern Du willst Dich mit dem Namen nur über jene lustig machen, die das glauben? Faktum ist, dass Kuksi so differenziert mit Straßensituationen umgeht, dass er niemals im langen Leben das alles durch Konditionierung gelernt haben kann. Oder eine konkrete Challenge: würden Deine gut konditionierten Hunde selbständig mit dem Straßenverkehr zurecht kommen oder würdest Du ihnen da nicht trauen? Kannst Du sie auf der Autobahnraststation aus dem Auto lassen, sagen, dass Du jetzt da rein gehst, 10 Minuten später wiederkommen, und sie haben sich vernünftig verhalten? Ich habe das mit Kuksi ohne Probleme schon unzählige Male gemacht. Ohne es je zu üben. Oder würdest Du Deinen Hunden zutrauen, 4 Stunden lang sicher alleine durch die Straßen der Stadt Wien zu gehen, wie das Kuksi 6 Monate lang täglich gemacht hat?

    Aber ich möchte weiter zur Vernunft fragen. Die Wildnis ist viel komplexer als die Stadt. Stimmst Du dem Gedankengang zu, dass Hunde in der Wildnis, wenn man sie selbständig agieren lässt, immer besser darin werden, unabhängig zu leben? Glaubst Du auch, dass solche Hunde weniger nach dem Bezugsmenschen schauen, wenn sie ein Problem haben, sondern selbstbewusst die Sache eigenständig angehen? Würdest Du daher dann auch zustimmen, dass solche Hunde ruhiger und weniger gestresst sind, weil sie das Selbstbewusstsein und die Selbstsicherheit haben, eigenständig Probleme lösen zu können? Würdest Du daher nicht mit mir schlussfolgern, dass Hund unbedingt, um ihre eigene Persönlichkeit und Selbständigkeit zu entwickeln, intensive Wildniserfahrungen brauchen? Und zwar selbstverständlich ohne Leine, weil sich angebunden niemals eine Selbständigkeit entwickeln kann.

    Der Behaviorismus ist eine abgrundtief tierfeindliche Ideologie. Er behauptet, Tiere könnten ausschliesslich durch Konditionierung lernen und seien daher lediglich Reizreaktions-Biomaschinen und nicht zu selbständigem Denken und bewusstem Entscheiden fähig. Der Behaviorismus ist die Grundlage der Tierindustrie. Ich wüsste gerne von Dir, wie Du Dich vom Behaviorismus abgrenzt oder ob Du Dich freimütig zum Behaviorismus bekennst. Ich habe von Dir noch nichts gehört, was nämlich letzterer Position widersprechen würde. Und das finde ich sehr alarmierend. Von weise – sapiens – kann da nämlich dann keine Rede sein.

    Ich hätte noch viele weitere Fragen und würde mich über Antworten freuen.

    Liebe Grüße,
    Martin

  22. lieber martin,
    ja, ich weiß, dass mein kommentar nicht die „feine“ art war. ich hätte es auch niemals so formuliert, wenn ich nicht das gefühl gehabt hätte, dass du wirklich sehr einseitig darstellst und dich „genauso“ lustig machst, ohne hintergründe zu ergründen.
    ganz grundsätzlich muss ich mal festhalten: aggressionsverhalten ist NORMALVERHALTEN unter hunden und hat nichts mit gestört zu tun! aggressionsverhalten dient dazu, beschädigungen in der familie zu verhindern und konflikte durch deeskalation zu lösen – vielfach werden hunde jedoch in konflikte hineingeführt (siehe 1.2.3…. meines ersten kommentars). das hat nichts mit gestört zu tun!
    um auf deine fragen einzugehen: ich bin früher mit meiner hündin sehr viel – auch an straßen – ohne leine gegangen. selbstverständlich hat das gut geklappt. als sie sich aber mal vor einem geräusch erschrocken hat, deshalb vom gehsteig gesprungen ist und fast von einem auto erwischt wurde (zum glück wenig befahrene straße), habe ich mein verhalten verändert. es ist schön und gut, wenns zu 80% klappt, für den fall zu den 20% zu gehören (sind jetzt irgendwelche prozentangaben), bringt mir und dem hund das auch nix.
    ansonsten mag ich lieber zeit mit meinen hunden verbringen, als mühsames internet-geplänkel und ausführungen zu schreiben, die vlt – aufgrund der verkürzten darstellung – falsch verstanden werden. aber nur kurz: mir geht es nicht um „meiner kann das, was deiner nicht kann“, sondern wichtig ist, dass es für den individuellen hund passt. und das ist eben unterschiedlich, manche sind einsteins, manche haben andere qualitäten, aber alle sind für sich einfach großartig, ohne „leistung“ oder „beweise“ erbringen zu müssen.
    nur kurz: ja, ich könnte meine hunde bei einer autobahnraststation einfach „draußen“ lassen, die würden dort warten, wo der „stützpunkt“ ist, also wo sie erwarten, dass ich wiederkomme. aber das wäre mir aus vielen gründen zu gefährlich (ekeliges am boden, grundsätzliches…). ich würde auch ein (klein-)kind nicht alleine auf der autobahnraststation auf mich warten lassen…
    behaviorismus ist die erste beobachtung bzw. erklärung von „basalen“ vorgängen, es wurden falsche schlüsse (reiz-reaktions-apparat) gezogen, von denen keine mir bekannte trainerin mehr spricht. wie gesagt, konditionierung hat nichts mit reiz-reaktions-apparat zu tun.
    ich verstehe deine ablehnung des alten behaviorismus völlig, aber wie gesagt, darum gehts doch schon lang nicht mehr.
    mein name „canis sapiens“ entspricht der überzeugung, dass hunde (und andere tiere natürlich) zu gaaanz viel fähig sind. aber dennoch sind sie keine kleinen menschen auf vier beinen mit fell.
    ich bin sehr für eine diskussion, nur würde ich die gerne weg vom schriftlichen verlagern, weil da einfach missverständnisse vorprogrammiert sind.

    alles liebe,
    ursi

  23. Veronika says:

    Es geht bei der Leinenpflicht aber nicht um den Schutz eines Hundes vor einem anderen, sondern um den Schutz der Menschen. In Wien gibt es auch keine Leinenpflicht (außer vielleicht dort wo sich sehr viele Menschen aufhalten) sondern eine Leine- oder Beißkorbpflicht. Der Ruf nach dieser „Pflicht“ erschallt immer dann, wenn gerade ein Kind von einem Hund schwer verletzt, oder sogar getötet wurde. Dabei handelt es sich bei diesen Fällen fast immer um Angriffe des eigenen Hundes, oder eines Hundes den das Kind gut kennt. Man kann sie nicht verhindern, weil man schließlich den Hund nicht zu Hause den ganzen Tag mit Beißkorb herum gehen lassen kann. Es gibt allerdings tatsächlich viele Beißattacken. Im Jahr 2010 wurden lt. Statistik 5900 Menschen von Hunden gebissen. Sehr oft sind das Kinder, Jogger, Briefträger. Auch da sind es jedoch oft die eigenen Hunde. Meiner hat mich auch einmal gebissen, weil ich die alte Hündin verteidigen wollte, gegen die er um das Futter kämpfte.
    °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
    „Im Rahmen einer „Hundebiss-Studie“, die vor kurzem im Kinderunfall-Forschungszentrum fertiggestellt wurde, sind insgesamt 341 Unfälle und 5.873 Akten aus dem städtischen Hunde-Register untersucht worden. 73% der analysierten Unfälle wurden durch einen bekannten Hund verursacht (Hunde von Freunden, Nachbarn etc.), davon allerdings nur 24% vom eigenen Hund und nur 15% durch einen fremden Hund. Besonders gefährlich sind „große“ Hunde (> 44 cm), sie haben 58% der Bisse zu verantworten. Was die Rassen betrifft, so waren an fast 40% der Unfälle ein Schäferhund oder Dobermann beteiligt – das heißt, dass diese die höchste „Beiß-Quote“ aufweisen. Der drittgefährlichste Hund ist der Spitz.“

    „Die Gefahr, einen Hundebiss zu erleiden, sinkt mit steigendem Alter der Kinder. 73% der betroffenen Kinder waren zum Zeitpunkt des Unfalls unter zehn Jahre alt. Zu 28% spielten die Kinder mit dem Hund als es zum Unfall kam, zu 14% gingen am Hund vorbei, zu 10% kuschelten sie mit dem Hund, zu 8% fütterten sie ihn. In 74% der Fälle ging dem Unfall eine Interaktion des Kindes mit dem Hund voraus. “
    http://www.vet-magazin.com/wissenschaft/mensch-tier-beziehung/Hundebiss.html
    °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

    Je spektakulärer dann so ein Fall ist, desto heftiger die Reaktionen der Medien. Die leben ja von der Sensation. Das schaukelt sich dann hoch und führt zu einer Panik bei Leuten die Angst vor Hunden haben. Dann werden die Hunde verdammt. Es gibt neue Gesetze, egal ob sie etwas taugen, oder nicht. Schließlich müssen die Politiker tun als täten sie etwas und wenn es um Tiere geht, können sie sich wichtig machen.

  24. Heidi says:

    Ein wunderbarer Artikel, mein Hund läuft ebenfalls ohne Leine und wir hatten noch nie eine
    unangenehme Begegnung mit anderen Hunden, im Gegenteil, meistens freuen sich die Hunde
    wenn sie miteinander spielen dürfen.
    Allerdings gehen wir da wo wenig Menschen unterwegs sind und ich leine meinen Hund
    prinzipiell an, wenn uns jemand ohne Hund entgegenkommt. Es gibt viele Menschen, die Angst vor Hunden haben und aus Respekt vor meinem Nächsten ist das für mich das Mindeste, was ich aus meinem sozialen, von Nächstenliebe geprägten Denken heraus machen kann. Nicht jeder hat Lust von einem Hund freudig begrüßt und womöglich abgeleckt zu werden.

    Hunde in der Stadt frei laufen zu lassen entbehrt für mich jeder Diskussion, weil ich es als unglaubliche Tierquälerei empfinde Hunde in der Stadt zu halten. Ich bin jedes Mal schockiert, wenn ich in der Stadt unterwegs bin und Hundebesitzer mit ihren traumatisierten und überforderten Tieren sehe. Auch Hunde in einer Wohnung zu halten ist absolute Tierquälerei.
    Wenn wir schon Tiere halten, dann sollte es zumindest so weit als möglich so erfolgen, dass die Bedürfnisse des Tieres beachtet werden. Das gilt für alle Tiere mit denen wir leben.

  25. Daniela says:

    @Heidi

    Mir wird schlecht wenn ich deinen Beitrag lese.
    Wie kommst du auf die Idee das Hundehaltung in der Stadt bzw. in einer Wohnung Tierquälerei ist? Eine unglaubliche Frechheit was du da behauptest.

    Ich lebe mit meiner Retrieverhündin in einer Wohnung in Linz direkt an der Donau. Wir sind sofort an Seen, Fluss, im Wald und auf Wiesen. Dort treffen wir viele Hunde, jedoch lasse ich sie nicht so einfach zu jedem fremden Hund hinbrettern. Und ich finde es verantwortungslos seinen Hund zu einem angeleinten Hund einfach so hinlaufen zu lassen oder sich generell nicht vorher mit dem Hundehalter abzusprechen.
    In der Wohnung gehe ich nicht spazieren. Sie ist zwar relativ groß, dient aber als Rückzugsort. Ich habe 5 große Zimmer mit großem Balkon und wo liegt mein Hund? Stets in meiner Nähe und Nachts in ihrem Körbchen. Die meisten Zimmer nutzt sie gar nicht weil sie nicht das Bedürfnis hat in der Wohnung rumzutoben oder so viel Platz zu beanspruchen. Wir sind tgl. 4 Std. in der Natur, an kalten Jahreszeiten oft mehr obwohl meine Hündin „schon“ 12 Jahre ist. Sie ist fit und gesund.
    Ich nehme meinen Hund direkt ins Zentrum sehr selten mit. Vielleicht einmal im Monat, wenn’s hoch kommt. Dann gehe ich höchstens zu Thalia ein Buch kaufen oder zum halbjährlichen Vorsorgecheck zum Tierarzt der seine Praxis in der Stadt hat. Das steht nicht an der Tagesordnung und selbst wenn, würde sie neugierig, ruhig und aufmerksam sein weil sie die Stadt als Junghund kennenlernte und ich sie nicht isoliert als Gartenzwerg in der Pampas halte. Überforderte Hunde sehe ich auch hin und wieder in der Stadt aber wer sagt dir, dass diese Hunde in der Stadt leben? Ich sehe mehr fette, unausgelastete Hunde am Gartenzaun hängen als überforderte Hunde in der Stadt. Falsche Hundehaltung passiert überall! Deine Ansicht ist mehr als veraltet. Ich fahr‘ jetzt mit meinem armen, gequälten Wohnungshund zum See.

  26. Heidi says:

    @Daniela,
    es geht mir in der Diskussion um den Hund nicht um den Menschen. Wir selbst haben Wälder, Wiesen und Felder, da kann unser Hund frei laufen, ich würde einen Hund weder in einer Wohnung noch in einem Haus mit Zaun halten. Und schon gar nicht in einer Stadt wo Maulkorb und Leine Pflicht sind. Auch nicht so wie Martin Balluch, der mit zweierlei Maß misst. Sein Hund wird in der Wohnung gehalten und bei anderen kritisiert Herr Balluch alles und jedes. Der Hund darf freilaufen, wo er andere gefährden kann aber in der Wohnung ist er eingesperrt. Hunde lieben die Freiheit. Wenn Sie meine Meinung als veraltert ansehen, sie als Frechheit bezeichnen erübrigt sich eine sinnvolle Diskussion. Schade. Aja, und per du sind wir eigentlich auch nicht. Wenn jemand einen Kommentar damit beginnt dass ihm schlecht wird fühlt er sich wohl betroffen. Und das ist jedenfalls immer eine gute Lernaufgabe.

  27. rennsauRO says:

    mein hund ista ngeleint. nicht kurzg ehalten, nicht rangezerrt, nicht angeschrien.
    dein hund kommt ohne leine auf uns zu.
    meiner mag deinen nicht, fängt an zu pöbeln.
    schick mir mal foto von euch, dann lass ich bei meinem mal die leine lang.
    aber jammer dann nicht, wenn von deinem fluffi hinterher nur noch ein paar haare übrig sind, DU wolltest es nicht anders. leute wie du sind es, denen mal ins gewissen geredet gehört, was leinenPFLICHT heisst, die es wegen leuten wir DIR geben MUSS.
    und komm jetzt nicht mit der masche erziehung, meiner IST erzogen UND nebenbei darf er hund sein, der in diesem fall seiner natur als schutzhund folgt. ein dobermann und ein g.retriever haben schon lehrgeld bezahlt bzw deren halter beim tierarzt.

  28. Endlich mal ein Artikel in dem sich gegen diesen fatalen, seit einigen Jahren zunehmenden Trend der Verhinderung von Sozialkontakten ausspricht. Und ja, es ist unglaublich aber wahr, auch an der Leine können Hunde lernen friedlich aneinander zu schnuppern und dann weiter ihres Weges zu gehen, sie müssen es nur von klein an lernen. Übrigens war das früher die Regel, bevor Hundehalter in der Hundeschule lernten Hunde nicht zusammen zu lassen, oder Hunde beim Anblick anderer Hunde „Sitz“ oder noch schlimmer „Platz“ machen zu lassen und so das höfliche Bogenlaufen verhindern. Sozialkompete Hunde sterben, Dank der vielen Hundeschulen, langsam aus.

  29. Das ist sicher richtig, bei einem Hund. Aber wenn man meherere Hunde hat, sieht die Sache wieder ganz anders aus. Das Rudel hält zusammen und rottet sich auch mal zusammen gegen einen anderen Hund. Das zu vermeiden oder gar wieder aufzulösen, ist sehr schwierig. Ein Hund allein ist easy, ich spreche hier aus eigener Erfahrung, „meine“Hündin war auch in Wien (damals war alles lockerer) immer ohne Leine, nie ein Problem. Mit zwei Hunden kann es noch gehen, ab drei Hunden wird es dann echt schwierig. Ganz zu schweigen mit vier oder fünf. Wie man sieht hat die Mehrhundehaltung Nachteile, aber auch sehr viele Vorteile. Ich würde nie mehr einen Hund alleine haben wollen, mindestens zwei. Es ist einfach besser für sie im Alltag, auch wenn sie nicht kuscheln und dauernd spielen, haben sie doch ihre Artgenossen, die ihnen Mensch niemals ersetzen kann (das beginnt bei der „nonverbalen“ Kommunikation – calming signals über wildes Spielen). Ich denke, jedes Tier, menschlich oder nichtmenschlich, hat das Recht auf einen Artgenossen. Immer, nicht nur wenn Mensch es will und man auf andere trifft. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, hier wie dort, die lieber alleine bleiben wollen. Aber man sollte die Hunde dies entscheiden lassen.

  30. Anke says:

    Hallo Martin,

    leider ist es denn doch nicht so einfach. Schön wäre es, wenn das so einfach zu lösen wäre … Aber unsere Welt besteht nicht aus schwarz und weiß, gut und böse, sondern aus vielen Farbfacetten. Und ebenso unterschiedlich wie die Farben, sind auch die Hund/Halter – Gespanne. Längst nicht jeder Hund benimmt sich so gesittet, längst nicht jeder Halter hat die entsprechende Hundefachkenntnis. Eine Verallgemeinerung gestaltet sich deshalb recht schwierig. Hinzu kommt ja noch, dass die Leine nicht nur dazu dient, Hund von anderen Hunden fernzuhalten. Sie dient ja z.B. auch der Sicherheit. Nicht jeder Hund ist in der Lage, sich im Straßenverkehr ohne Hilfe sicher zu bewegen. Und man kann es da auch leider nicht auf den Lerneffekt ankommen lassen. Es ist recht schwierig in unserer dicht besiedelten Welt prinzipiell auf eine Leine zu verzichten. Zumal dann eine Einigkeit herrschen müsste, also wenn schon, dann alle Hunde offline. Da unsere Welt auch nicht nur aus Hundeliebhabern besteht, ist dieser Gedankengang recht unrealistisch. Man kann es also im Endeffekt drehen und wenden wie man will und kommt trotzdem wieder zur Notwendigkeit einer Leine, zumal, wenn man aus seinem Hund eben keine Konditionierungsmaschine machen möchte. Ich habe z.B. eine Hündin aus dem Tierschutz. Diese kam zu mir mit dem fest etablierten Glauben, jeder fremde Hund ist ein Feind. Nun muss ich jederzeit damit rechnen, dass sie fremde Hunde attackiert. Für einen kleinen Hund könnte das schon mal böse ausgehen. Das Risiko kann ich wohl nicht eingehen. Also ist eine Leine nötig. Da würde alles vertrauen, das ich gerne in sie setzen würde, nichts nützen. Denn auf einen „Versuch“ kann ich es wohl schlecht ankommen lassen. Auch wenn an einem solchen „Problem“ gearbeitet wird, bleibt es trotzdem immer ein Risiko, das sich nicht einschätzen lässt. Wir leben nun mal in der Welt, in der wir nun mal leben. Auch wenn wir uns es anders wünschen würden. Und da muss man halt aus dem gegebenen das Beste machen …

    Trotzdem natürlich schöne Gedankengänge …

    Liebe Grüße
    Anke

  31. Sonja says:

    …möchte zu dem Artikel anführen, dass es bei dominanten Rüden nicht immer so einfach abläuft. Bei meinem (nicht kastrierten und doch ein wenig dominanten) Bordercollie-Rüden kommt es leider schon zu einem ernsten Kampf mit bösen Verletzungen, falls der andere Hund nicht unterwürfig bzw. desinteressiert an meinem ist. Mein Hund ist fast immer ohne Leine unterwegs, jedoch muss ich immer davon ausgehen, dass mir ein ebenfalls dominanter Hund entgegenkommt. Nur deswegen nehme ich ihn dann in der Folge vor der direkten Begegnung an die Leine (Mein Border legt sich davor von selber in die „Platz=-Position und fixiert das Gegenüber ab der Sicht bzw. von der Weite, da er weiß, dass ich keinen Kampf möchte!). Erst nach dem Beschnüffeln an der Leine lasse ich ihn wieder los, wenn ich die Reaktion des anderen beurteilen kann, und keine Aggression der Hunde erkennbar ist. Die Hormone bei Rüden müsste man bei dieser These schon berücksichtigen. Ansonsten sind Deine Argumente sicher zutreffend…

  32. Maria says:

    Balsam für die Seele, wieder einmal. Was tun Sie eigentlich, wenn Sie von Polizisten ermahnt werden? Ist Ihnen noch nie gedroht worden? Mir leider schon. Im Park(!!). Votivpark genauer gesagt. Natürlich in üblicher zynischer Manier. Und mit Ihrer Antwort auf die Frage in einem Ihrer letzten Berichte, was Sie tun würden, wenn Ihnen Jäger im Wald mit Anzeige wegen Leinenmissachtung drohen, wäre mir auch sehr geholfen.
    Wunderbarer Artikel jedenfalls.

  33. Kratzowski says:

    Der Artikel spricht mir aus der Seele, bin zwar aktuell ohne Hund, hab aber über Jahre zwei solche Freunde an meiner Seite gehabt und outdoor meist nur Menschen getroffen, von denen jeder und jede es immer besser weis und oft der Meinung waren, ein Hund brauche Führung im Sinne ’strenger Autorität‘. Grauslig. Und du schreibst: „Wenn die so gut konditioniert sind, warum können sie dann nicht frei laufen? Vermittelt Konditionierung vielleicht doch keine Kompetenz für Selbständigkeit?“ Konditionierung ist eher das glatte Gegenteil von Autarkie?!

Leave a Reply to Maria Cancel Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Ökomodernismus oder Mensch statt Natur – eine beängstigende Perspektive

Als Anthropozän soll jene erdgeschichtliche Epoche bezeichnet werden, in der der menschliche Einfluss die Natur zu bestimmen beginnt. Meinem Gefühl...

Kein Kapitel „Militante Tierrechtsgruppen“ mehr im Verfassungsschutzbericht

Bis in die 1990er Jahre war die politische Polizei, der sogenannte Verfassungsschutz bzw. die Ämter für Terrorimusbekämpfung, für mich kein...

Das radikale Eck

Tu felix Austria. Wer meint, ich sei radikal, im negativ konnotierten Sinn der bürgerlichen Gesellschaft, der hat noch nie wirklich...

Schließen