Illegaler Mord an Bär Arthur in Rumänien

Arthur war ein großer Bär. Es heißt, der größte in Rumänien und vielleicht sogar in der EU. Er hatte das für einen Bären in freier Wildbahn stattliche Alter von 17 Jahren. Woher man das weiß? Weil Arthur seit Jahren beobachtet und betreut wird. Und zwar von der Naturschutzorganisation Agent Green, die sich auch gegen die illegale Abholzung der letzten Urwälder in den Karpaten Rumäniens einsetzt. Von Agent Green stammt auch das Foto von Arthur oben.

Arthur lebte im Natura 2000 Schutzgebiet Oituz-Ojdula nordöstlich von Brasov, früher Kronstadt, abseits von menschlichen Behausungen. Ein Bär seiner Größe hat ein fixes Revier, man weiß also, wo man ihn antreffen kann. Aber nicht nur Agent Green war der Aufenthaltsort von Arthur bekannt. Auch eine andere Organisation hatte es auf Arthur abgesehen. Nur eine weniger bärenfreundliche. Ein Jagdreisenorganisator. Man wollte eine fette Prämie von einem reichen westeuropäischen Schnösel für seinen Abschuss.

Der Plan dürfte in etwa so gelautet haben. Zuerst beschwert sich ein Bauer über einen Bären, der bei ihm einen landwirtschaftlichen Schaden anrichtet. Tatsächlich sagt der Bürgermeister von Ojdula, das am Rande der Wälder der Karpaten liegt, dass im Sommer 2020 einige Beschwerden über eine kleine Bärin mit Jungtieren eingegangen seien. Nichts Aufregendes, es wurde auch nie ein Schadenersatz bezahlt. Ende Jänner 2021 dann forderte ein Bauer von Ojdula, dass diese Bärin abgeschossen werden soll, weil sie störe. Dazu verfasst er einen handschriftlichen Brief an das zuständige Ministerium:

Agent Green hat diesen Bauern besucht. Er meinte, als ihm sein Brief vorgelegt wurde, dass er das wohl geschrieben haben müsse. Im weiteren Gespräch stellte sich aber heraus, dass er gar nicht lesen kann. Hat man ihn einfach als Ausrede benutzt, um eine Abschussgenehmigung zu erhalten? Tatsächlich stellt das Ministerium Mitte Februar 2021 eine solche aus:

Emanuel Liechtenstein, der sich Prinz von und zu nennt und aus der Monarchenfamilie des Fürstentums Liechtenstein stammt, aber in der Steiermark in der Riegersburg wohnt, erhält diese Genehmigung. Es wird ihm erlaubt zwischen 12. und 16. März 2021 diese „Problembärin“, die ja sogar Kinder führt, zu töten.

Schon am 13. März ist es soweit. Emanuel Liechtenstein hat einen Bären erschossen. Nur war es Arthur:

Wie ist das möglich, in nur zwei Tagen den Bären zu lokalisieren und vor die Flinte zu bekommen? Ganz einfach. Ich war selbst in den Südkarpaten und habe gesehen, wie das läuft. Das ist gar nicht romantisch, da sitzen tapfere Jäger:innen nicht monatelang auf ihrem Ansitz und warten auf den einen Moment. Da wird einfach angefüttert. Dazu wird ein Jagdstand auf eine Lichtung gestellt, der nur ein kleines Fenster zum Schießen hat und sonst völlig verschlossen ist. Das sieht so aus:

In sicherer Schussdistanz werden tote Schweine an den Boden gekettet. In der Dämmerung tauchen dann Bären auf und essen daran. Jetzt kann man sie bequem abknallen.

So ähnlich muss es auch mit Arthur abgelaufen sein. Er wurde mit einer kleinen Bärin mit Jungtier „verwechselt“. Emanuel Liechtenstein ließ den toten Arthur als Trophäe nach den Standards der internationalen Jagdorganisation CIC bewerten:

Arthur erhielt 592,80 von 600 CIC Punkten. Der stolze Schütze lässt ihn ausstopfen und wartet auf seiner steirischen Riegersburg auf die Lieferung. Doch die dürfte sich verzögern. Agent Green hat zusammen mit dem VGT den Fall an die Öffentlichkeit gebracht. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Rumänien und Arthurs Leiche wird hoffentlich beschlagnahmt.

Herr Liechtenstein war tagelang für die Medien nicht erreichbar. Dann ließ er verlauten, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Mitnichten. Das Gegenteil ist der Fall, wenn auch die Unschuldsvermutung gilt.

Die Trophäenjagd ist ein echtes Krebsgeschwür im Naturschutz. Um das Jahr 2000 gab es in meiner Region in der Obersteiermark etwa 30 Bären. Ausgelöst durch den „Ötscherbären“, der bereits in den 1970er Jahren an die Südseite des Ötschers gewandert war und sich dort niedergelassen hatte, etablierte sich durch Aussetzen von mehreren weiblichen Tieren eine kleine Population. Die Hoffnung war groß, dass endlich wieder wilde Bären bei uns leben können, statt der armseligen gefangenen Tiere, wie z.B. in der Mittelstation der Gemeindealpe mitten im Bärengebiet. Dort musste ein Bär nämlich in einer Grube leben, um sich von Tourist:innen angaffen zu lassen. Er wurde schließlich von Tierschützer:innen gerettet und in einen Lebenshof gebracht.

Im Juni 1997 sah ich meinen ersten Bären am Hochschwab. Ich war total begeistert und folgte noch lange seinen Spuren. Später fuhr ich über viele Jahre zum Wandern mit Zelt in die Südkarpaten und traf dort mehr als 20 Mal wilde Braunbären von Angesicht zu Angesicht. Doch zu Hause sollte es keine Begegnung mehr geben. Alle 30 Bären wurden von Jäger:innen illegal abgeknallt. Einer nach dem anderen. Diesen Menschen gehen die Sicherungen durch, wenn sie eine wandelnde „kapitale Trophäe“ sehen. So auch offenbar Herrn Liechtenstein beim Anblick von Arthur.

Das einzige, was wir in Österreich dagegen tun können, ist die Trophäenjagd zu ächten, Verbote zu erwirken und die Einfuhr von Jagdtrophäen nach Österreich grundsätzlich zu verbieten. Dazu haben wir eine Petition eingerichtet: https://vgt.at/trophaenjagd

5 thoughts on “Illegaler Mord an Bär Arthur in Rumänien

  1. Kasimir says:

    Bären werden nicht mit der Flinte bejagt.

  2. Nathan says:

    wenn das wirklich alles so war, wie Agent Green schreibt, dann sollte der Prinz v. u. z. Liechtenstein natürlich auch mit den rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Welche vielleicht sogar den Entzug der Ö-Jagdkarte sein könnte!
    Aber zumindest eine wirklich saftige finanzielle Buße…

  3. Hagen Jörg Waggershauser says:

    Die Büchse des Lichtensteiners hätte nach HINTEN losgehen sollen – dann wäre Arthur noch am leben. Unmöglich, was sich diese VON UND ZU so Alles erdreisten. !

  4. Immer, wenn ich solche Berichte höre, bleibt mir die Luft weg!!!
    Was sind Jäger oder Trophäenjäger für Menschen?
    In meinen Augen Bestien die mir Angst machen!!!
    Wann kapiert die Menschheit endlich, dass wir nur ein Teil der Natur sind und endlich
    damit beginnen sollen, mit ihr zu leben!!!

  5. Astrid Lehner says:

    Furchtbar, grausam, unnötig

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