Jagdfieber – im Jahr 2012 wurden 17 Personen bei der Jagd angeschossen

Ausschnitt einer Karikatur aus Bruno Haberzettls Buch "Brunos Jagdfieber"

Ausschnitt einer Karikatur aus Bruno Haberzettls Buch „Brunos Jagdfieber“

Er war Jäger im Bezirk Melk, NÖ, aber sein Jagdrevier hatte zu wenige Hirsche. Also fuhr er 60 km weiter nach Annaberg und schoss dort – als Wilderer – vom Auto aus Hirsche tot. Die lokale Jägerschaft fürchtete um ihre Trophäen und deshalb wurde eine eigene SOKO gegründet. Bei Vollmond wollte man dem Jäger/Wilderer auflauern und baute eine Straßensperre auf. Der schoss gleich, tötete 3 Polizisten und 1 Sanitäter, bevor er sich letztlich selbst umbrachte. Als jagdlich Außenstehender kann man nur staunen: was bewegt einen Menschen, sich so viele Schusswaffen zuzulegen, mit ihnen auf Tiere zu schießen, diese Jagd auf 60 km entfernte Reviere auszudehnen und dann gleich noch 4 Menschen zu töten, die ihn am Schießen hindern wollen? Der Mann soll den von ihm erschossenen Hirschen immer den Kopf abgeschnitten haben, alles andere ließ er liegen. Hat er im Blutrausch gleich auch die Menschen erschossen?

Die Jägerschaft tötet jährlich ca. 1 Million Tiere in Österreich. Laut parlamentarischer Anfrage an das Innenministerium haben JägerInnen bei der Jagd im Jahr 2012 insgesamt 17 Menschen angeschossen. 2 davon waren unbeteiligte Dritte, 1 ein Treiber und 14 waren JägerInnen, von denen sich 7 selbst angeschossen haben. 50% der Vorfälle geschahen bei Treibjagden. Wieviele JägerInnen zusätzlich noch mit ihren Jagdwaffen Morde begehen, wie dieser Jäger aus Melk, wird nicht separat erhoben, aber es müssen viele sein.

Man stelle sich vor, TierschützerInnen würden 17 Personen pro Jahr anschießen. Man stelle sich vor ein Tierschützer wäre bei einer Straftat von der Polizei ertappt worden und hätte 3 Beamte und 1 Rettungsfahrer erschossen. Würden ÖVP, Innenministerium und Landwirtschaftskammer nicht sämtliche Tierschutzvereine schließen wollen? Erstaunlich wie tolerant die Gesellschaft mit der Jägerschaft umgeht!

Ausschnitt aus einer Karikatur von Bruno Haberzettls Buch "Brunos Jagdfieber"

Ausschnitt aus einer Karikatur von Bruno Haberzettls Buch „Brunos Jagdfieber“

Bruno Haberzettl hat ein neues Buch zur Jagd veröffentlicht, „Brunos Jagdfieber“ im Ueberreuter Verlag. Er hat es mir dankenswerter Weise mit einer netten Widmung geschickt. Das Buch zeigt zahlreiche Jagdkarikaturen, die lustig sind, aber auch nachdenklich stimmen. Einige davon sind bereits Klassiker, wie der Hase, der mit Bertha von Suttners Friedensroman „Die Waffen nieder!“ einen Jäger umzustimmen versucht, oder der Hase als Selbstmordattentäter am Jägerball in der Hofburg. Letzteres wurde in der Jagdpresse als geschmacklos bezeichnet. Aber wie leicht ein Jäger vom Erschießen warmblütiger Tiere zum Erschießen von Menschen übergeht, hat der gestrige Tag gezeigt. So groß dürfte sich der Unterschied als Täter offenbar nicht anfühlen.

Ausschnitt aus einer Karikatur aus Bruno Haberzettls Buch "Brunos Jagdfieber"

Ausschnitt aus einer Karikatur aus Bruno Haberzettls Buch „Brunos Jagdfieber“

Problembär. Erst kürzlich hat der Kärntner Landwirtschaftskammerpräsident Johann Mößler wieder einmal zum Abschuss eines von ihm so bezeichneten „Problembären“ aufgerufen, weil dieser ein Schaf in den Bergen getötet hat. Im niederösterreichisch-steirischen Grenzgebiet haben die JägerInnen die dortige Bärenbevölkerung von ca. 30 Individuen in nur wenigen Jahren mit dieser Ausrede ausgerottet. In Bruno Haberzettls Buch werden daraus „Problemhasen“ und „Problemschnepfen“.

Im Nachwort seines Buches erzählt der Autor seine persönliche Geschichte im Zusammenhang mit der Jagd. Sie beginnt als Kind, als ein Jäger vor seinen Augen einen Star anschoss und dann mit dem Fuß zertrat. Dieses für mich zweifellos prägende Erlebnis ist so beispielhaft für die herz- und hirnlose Grausamkeit, die so oft mit dem Jagdsport einhergeht. Leider sollte es nicht das letzte bleiben. Ich muss eher sagen, dass sich alles Selbsterlebte oder mir von seriösen Quellen (Jägern!, Tierärzten, Grundbesitzern) Berichtete wie ein roter Faden durch mein Leben zieht. Das Ergebnis ist ein Buch, das ich nur wärmstens weiterempfehlen kann!

Übrigens findet sich auch im neuen „Bergauf“, der Zeitung des Österr. Alpenvereins 04/2013, ein 3-seitiger, jagdkritischer Artikel: Viele Probleme wurzeln in der Jagd selbst. Will man den Stördruck auf das Wild reduzieren, ist die Jagd der größte Hebel. Das wissen die Jäger auch. […] kurze Jagdzeiten, Intervall- und Schwerpunktjagden, Zonen mit ganzjähriger Jagdruhe u.a.m. Die Umsetzung allerdings scheitert daran, dass diese Maßnahmen mit der Jagd in ihrer derzeitigen Struktur nur schwer kompatibel sind.

Wie lange lassen wir uns noch von der Jägerschaft auf der Nase herumtanzen?

15 thoughts on “Jagdfieber – im Jahr 2012 wurden 17 Personen bei der Jagd angeschossen

  1. christian says:

    Habe den Artikel erst heute im Internet entdeckt. Der Artikel trägt schon einen Funken Wahrheit in sich und es sollten alle einmal darüber nachdenken. Habe das Drama von Annaberg hautnah als enger Angehöriger eines der Opfer erlebt. Ich frage mich wirklich, ob die dortigen Jäger und Jagdverantwortlichen entweder zu dumm oder zu feige waren das Problem mit dem Wilderer selbst zu lösen wie es früher von rechtschaffenen Jägern erfolgte. Ich habe noch dazu den Eindruck diese Vorgangsweise war Absicht, hätte ein Polizist den Wilderer erschossen so wäre dieser an den Pranger gestellt worden und die Jäger können ihre Hände in Unschuld waschen. In einigen Zeitungsberichten war zu lesen, das Vorgehen des Wilderers schade dem Ansehen der Jagd. Da kann ich nur darüber staunen, dass man so empfindlich sein kann, selbst aber kein Gefühl gegenüber den Hinterbliebenen Frauen und Kinder der Opfer zeigt. Es wurden weder Beileidsbekundungen an die Hinterbliebenen übermittelt noch einmal nachgefragt wie es ihnen jetzt geht oder ob sie vielleicht Hilfe benötigen, obwohl die Nutznießer der Tragödie die Jagdbesitzer und Jägerschaft der betroffenen Gebiete sind und sie dort wieder gefahrlos auf die Pirsch gehen können. Ich hoffe nur, dass diesen Kommentar viele lesen und jeder sich seine Meinung daraus bilden kann.

  2. Franz says:

    Habe den Artikel erst heute im Internet entdeckt. Der Artikel trägt schon einen Funken Wahrheit in sich und es sollten alle einmal darüber nachdenken. Habe das Drama von Annaberg hautnah als enger Angehöriger eines der Opfer erlebt. Ich frage mich wirklich, ob die dortigen Jäger und Jagdverantwortlichen entweder zu dumm oder zu feige waren das Problem mit dem Wilderer selbst zu lösen wie es früher von rechtschaffenen Jägern erfolgte. Ich habe noch dazu den Eindruck diese Vorgangsweise war Absicht, hätte ein Polizist den Wilderer erschossen so wäre dieser an den Pranger gestellt worden und die Jäger können ihre Hände in Unschuld waschen. In einigen Zeitungsberichten war zu lesen, das Vorgehen des Wilderers schade dem Ansehen der Jagd. Da kann ich nur darüber staunen, dass man so empfindlich sein kann, selbst aber kein Gefühl gegenüber den Hinterbliebenen Frauen und Kinder der Opfer zeigt. Es wurden weder Beileidsbekundungen an die Hinterbliebenen übermittelt noch einmal nachgefragt wie es ihnen jetzt geht oder ob sie vielleicht Hilfe benötigen, obwohl die Nutznießer der Tragödie die Jagdbesitzer und Jägerschaft der betroffenen Gebiete sind und sie dort wieder gefahrlos auf die Pirsch gehen können. Ich hoffe nur, dass diesen Kommentar viele lesen und jeder sich seine Meinung daraus bilden kann.

  3. Robert says:

    @dori: wenn die gesamtbevölkerung die informationen bekommen würde, die sich veganerInnen angeeignet haben, bzw. diese bildungsprozesse bereits im kindergarten beginnen würden statt streichel- und echte zoos zu besuchen, wären wir keine minderheit sondern die mehrheit. da aber massive geschäfts- und eigeninteressen (geschmack, bequemlichkeit, tradition, gewohnheit) vorherrschen lässt es sich sehr leicht auf MIR SAN DIE MEHRHEIT, MIR HAM RECHT zurückziehen. auch in politischen systemen hat offensichtlich die mehrheit gewissen unterdrückungspraktiken zugestimmt bzw es nicht gewagt sich aufzulehnen (war bis vor knapp 25 jahren 50 km von uns entfernt), war dies deshalb ok?

  4. Fred Weston says:

    Dori, die Menschheit muss eigentlich nur aufmerksam gemacht werden, dass es ein Verbrechen ist, seine Mitbewohner dieses Planeten zu ermorden und aufzufressen. Die meisten Leute nehmen es gar nicht wahr, dass sie mit einer Knackwurst ein umgebrachtes Lebewesen essen. Je mehr man sie aber über das damit verbundene Leiden aufklärt, denken sie nach und in vielen Fällen werden sie Vegetarier, was ein wunderbarer erster Schritt zur gewünschten veganen Lebensweise ist. Das Leiden ist übrigens doppelt, weil der Mensch durch Fleischkonsum auf Sicht auch krank wird. Höre Dir mal meinen Song: „Wenn das geschieht“ an. Leider ist dieses anfangs so große Erfolgslied, zwischenzeitlich beim ORF verboten. Hier wollte sich wohl keiner die Leberkässemmel mies machen lassen.

  5. dori says:

    Psychotest für Jäger-alle diese waffen wurden illegal angeeignet- somit kann man solche Taten schwer mit einem Test verhinder.

    „konsequenterweise gäbe es dann keine Jäger mehr, da ja schon das Töten ohne zwingenden Grund, auf ein schwerwiegendes Krankheitsbild hinweist“- nach ihrer Definition hat der Mehrheit der Österreicher ein schwerwiegendes Krankheitsbild, aus dem einfachen Grund: sie essen fleisch und dies ist medizinisch gesehen-Töten aus ohne zwingenden Grund!-Sie bemerken, Sie stellen eine Minderheit dar, die in einer Demokratie zwar eine Stimme aber kein Gewicht hat

  6. Fred Weston says:

    Martin C. Der Psychotest und seine Konsequenz ist genau die Lösung. Perfekt, Super!

  7. Martin C. says:

    Es ist naheliegend, dass die Gründung der „Trophäen-SOKO“ von den selben Leuten initiiert wurde wie die SOKO gegen die Tierschützer.

    Ein Psychotest für Jäger, von unabhängiger Stelle vorgenommen, könnte Abhilfe schaffen: denn konsequenterweise gäbe es dann keine Jäger mehr, da ja schon das Töten ohne zwingenden Grund, auf ein schwerwiegendes Krankheitsbild hinweist.

  8. Robert says:

    spannend ist ja auch dass jetzt bekannt wurde, dass der mörder/jäger auch für zahlreiche brandlegungen in jagdhütten verantwortlich sein dürfte, die ja bis jetzt auch den tierschützern unterstellt wurden, oder täusche ich mich?
    @dori: worin genau erblicken sie die ungeheuerlichkeit in herrn b.´s artikel? er stellt sehr schlüssig einen bezug zur situation der tierschützerinnen her. da kann man zum tierschutz stehen, wie man will, recht hat er. überhaupt wenn man bedenkt, welche delikte den tierschützerInnen angelastet werden, siehe verfassungsbericht.

  9. Norbert says:

    Herr,Fred Weston,
    Sie sprechen mir aus der Seele – Danke

  10. Fred Weston says:

    Es ist eigenartig, dass immer der Vergleich kommt, zwischen der Behandlung von Mensch und Tier und vor allem die Kinder werden gerne bei diesem Vergleich bemüht, um zu zeigen, dass man Tiere eigentlich ruhig ermorden darf.
    Niemand hat das Recht Leben zu töten und unsere Fürsorge soll natürlich den Kindern, aber nicht minder den Tieren gelten. Ein Aufrechnen ist unzulässig, drücken wir dabei doch aus, dass man Tiere ruhig umbringen darf. Diese Ansicht haben meist Leute, die ihren Hund streicheln, mit der Leberkäs Semmel in der anderen Hand. Kriege würde es nicht mehr geben, wenn die Gesellschaft vegan wäre . . .

  11. dori says:

    Herr Balluch, Ihr Artikel ist unerhört und schlicht eine Schweinerei!! Hier werden von einem gebildeten Menschen der es eigentlich besser wissen müsste, sinnloseste statistiken angeführt, schlagwörter verwendet und anmaßende schlussfolgerungen gezogen-
    Will ich so etwas hören gehe ich zu einer Wahlveranstaltung der FP oder lese die Heute.
    guten tag

  12. Takis says:

    Ich denke, man sollte schon ein wenig unterscheiden und nicht alle Jäger in einen Topf werfen.
    Es ist wohl so, dass gerade Menschen die zu Gewalt neigen zugänglich für eine solche Beschäftigung sind, aber Ursache und Wirkung muss man im Auge behalten.

    Zur Jagd generell: Ich halte es von einem rein rationalen Standpunkt (und nichts anderes sollte relevant sein) für verwerflicher, im Supermarkt ein Stück Fleisch aus Massentierhaltung zu kaufen als im Wald ein Tier zu erlegen.
    Trophäenjagd, das Ausrotten von Raubtieren und andere komplett sinnlose Gewalt gegenüber Lebewesen ist natürlich nicht zu rechtfertigen.

  13. chris says:

    Ein Autofahrer ist ein Autofahrer – egal ob mit oder ohne FS. Ein Jäger ist ein Jäger – egal ob mit oder ohne Lizenz. Wenn wir den Begriff Wilderer aus der Jägersprache einfach so ( wie die Medien ) verwenden, tun wir den Jägern einen Gefallen weil wir “ ihre“ Sprache und Werte indirekt weitertragen.

  14. margit hauer says:

    wie krank muß jemand sein, um tiere nur um der trophäen wegen zu töten. wie krank müssen alle anderen jäger sein! sind sie alle nur verhinderte mörder? töten sie tiere, weil das töten von menschen verboten ist?? ist die jagd ein ventil für abartige menschen?? was mich auch noch sehr wundert: wegen einiger gewilderter hirsche, kolportierter wert der throphäe 10 000,00 euro, wird eine SOKO gebildet!!! würde bei jeder entführung eines kindes eine SOKO gebildet, wäre die aufklärungsrate sicher höher. aber ein kind hat ja, so scheint es, keinen wert. mir kommt vor, irgendwo ist da der wurm drin! wäre bei der entführung der Natascha Kampusch auch so aufwändig ermittelt worden, hätte sie sicher keine 8 jahre im keller verbringen müssen. sicher tun mir der sanitäter und seine familie sehr leid, auch die polizisten, aber die kennen ja die risiken ihres berufes.

  15. Fred Weston says:

    Ja ja, wer zum Schwert greift, wird durch`s Schwert umkommen. Mir fehlt nur noch die Statistik, wieviele Fleischer im Zuge Ihres zweifelhaften Broterwerbes schaden erleiden . .

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