Klimawandel: Half Way to Hell

Das Wissenschaftsmagazin New Scientist publiziert in praktisch jeder Ausgabe die neuesten Hiobsbotschaften zum Klimawandel. Am 1. August 2015 wurde vermeldet, dass wir nun die 1° Erwärmung seit vorindustrieller Zeit erreicht haben. Der halbe Weg also zum Maximum von 2°, das als gerade noch vertretbar gilt. Ab dann, so die WissenschaftlerInnen, beginnt „die Hölle auf Erden“. Deshalb sollte es schnellstens politische Entscheidungen zur Gegensteuerung geben. In einer anderen Ausgabe des Magazins wird errechnet, dass effektive Klimamaßnahmen lediglich 15 Milliarden Euro kosten würden, ebensoviel wie das Apolloprojekt seinerzeit für den Flug zum Mond, und deutlich weniger, als an Klimakosten auf die Welt zukommen wird. Übrigens: der fossile Energiesektor der Wirtschaft bezieht jährlich weltweit 5300 Milliarden Euro an Subventionen und ist einer der Hauptverantwortlichen für den Klimawandel.

Am 23. Juli 2015 veröffentlichte einer der angesehensten Klimaforscher, James Hansen, eine Modellrechnung, nach der auch bei 2° Temperaturanstieg mit Superstürmen zu rechnen ist, einem generellen Anstieg an Schlechtwetterfronten großen Ausmaßes aufgrund der größeren Temperaturgradienten auf der Erde.

Erschreckend auch die New Scientist Berichte vom 13. Juni 2015. Danach ist bereits heute klar, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um etwa 5,5 m ansteigen wird. Das setzt sich aus 0,4 m aufgrund der geschmolzenen Gletscher, 0,8 m aufgrund der Ausdehnung des wärmeren Wassers in den Ozeanen und 3,3 m aufgrund des geschmolzenen Eisschildes der Westantarktik zusammen. Doch das wird definitiv nicht alles sein. Vor 4 Millionen Jahren war die Erde 2-3° wärmer als heute und damals lag der Meeresspiegel 70 m höher! Bei einem solchen Temperaturanstieg ist laut New Scientist mit weiteren 0,8 m Anstieg aufgrund der Wassererwärmung, 3,5 m aufgrund des geschmolzenen Eises des Ailkes Beckens, 5,1 m aufgrund des Eisverlustes des Aurora Beckens und weiteren 6,0 m durch das geschmolzene Eis von Grönland zu rechnen. Dazu würde es dann in den folgenden 100 bis 2000 Jahren kommen. Nur drastische Maßnahmen jetzt sofort könnten den Meeresanstieg auf lange Sicht unter 20 m halten, so die WissenschaftlerInnen. Eine Welt mit solchen Veränderungen wird massive Kriege um die verbleibenden Stücke Land mit sich bringen, die noch bewohnbar sind.

Eine weitere Folge des Klimawandels, so New Scientist vom 4. Juli 2015, ist die Ausbreitung tropischer Krankheiten nach Norden. Studien zeigen, dass jene Mücken, die Malaria und Gelbfieber übertragen können, bei einem 2° Anstieg bis nach Nordfrankreich und Süddeutschland vordringen werden. Das New Scientist vom 22. August 2015 berichtet, dass die Gletscher Asiens seit 1961 bereits 27 % ihrer Masse verloren haben. Bis 2050 sollen sie um weitere 50 % geschrumpft sein. Das Schweizer Gletscherinstitut meldet den größten, je gemessenen Eisverlust in den letzten Jahren. Das Problem dabei: viele Regionen hängen für ihr Trinkwasser vom Gletschereis ab.

Das New Scientist vom 25. Juli 2015 zitiert aus einer Forschungsarbeit über Eisbären, dass diese zunehmend verhungern und letztlich aussterben werden, wenn das Eis der Arktis schmilzt, was momentan dramatisch schnell geschieht. 30 der Tiere waren mit Messgeräten versehen worden, die zeigten, dass die Bären drastische Gewichtseinbußen erlitten. Das New Scientist vom 11. Juli 2015 wiederum schildert die totale Zerstörung einiger ausgewählter Naturreservate, die durch den Klimawandel zu erwarten ist. Auch ein Großteil der Korallenriffe der Erde bleicht aufgrund des wärmeren Wassers aus und ist am Absterben.

Vor dem Ozonloch und dem sauren Regen haben uns technologische Entwicklungen gerettet. Beim Klimawandel, so die WissenschaftlerInnen, ist das nicht zu erwarten. Und noch nie hat sich die Menschheit in Zurückhaltung geübt, wenn es um Luxus geht, solange die Auswirkungen genügend weit in der Zukunft liegen und mehrheitlich Wesen betreffen, die noch gar nicht geboren sind. Das New Scientist vom 18. Juli 2015 spricht von einer Renaissance der Kohlenproduktion in Entwicklungs- und Schwellenländern, die den niedrigen Weltmarktpreis nutzen. Geschieht hier nicht sofort ein Umdenken, wird der Temperaturanstieg mehr als 4° betragen. Der weltweite Kohlendioxyd Ausstoß nimmt nicht nur jährlich zu, sondern auch der jährliche Anstieg wird immer größer. War es zwischen 1990 und 2000 im Mittel noch ein Zuwachs von 1,3 %, so wurde das zwischen 2000 und 2010 zu 2,2 % pro Jahr. Und kein Ende in Sicht.

Aber war nicht in der Vergangenheit die Erde immer wieder einmal so warm wie heute, oder auch viel kälter? Und trotzdem gibt es Leben. Das stimmt. Doch was ist dabei mit dem Leben geschehen? Wieviele Arten sind ausgestorben? Und vor allem: wie schnell ist dieser Wandel eingetreten? Bäume leben sehr lange und haben nur sehr langsame Generationenwechsel. Wenn innerhalb von 100 Jahren die Temperatur so stark ansteigt, werden die Fichten z.B. einfach absterben und nur noch im Hohen Norden überleben. Die Evolution kann die Natur sich nicht so schnell adaptieren lassen, wie sich der Klimawandel heute vollzieht. Vor 55 Millionen Jahren war die Erde 8 ° wärmer als heute. Es gab damals eine ganz andere Tier- und Pflanzenwelt. Sollte das jetzt wieder geschehen, würde das zu einem Massenaussterben der Arten führen – und zu einem Megakrieg unter den Menschen um das nackte Überleben. Vor 700 Millionen Jahren wiederum war die Erde ein völlig eingefrorener Eisball. Damals haben überhaupt nur Einzeller überlebt. Also das Leben wird schon irgendwie weitergehen, falls das beruhigen sollte, aber nicht in der gewohnten Form.

Im New Scientist vom 11. Juli 2015 werden 33 Gründe aufgezählt, warum wir nichts gegen den Klimawandel unternehmen. 10 davon basieren auf der Irrationalität der Menschen, d.i. unsere Unfähigkeit über längere Zeiträume oder mehrere Kausalzusammenhänge hinaus zu denken. 4 Gründe beziehen sich auf Ideologien wie Religionen inklusive Gottvertrauen, weitere auf soziale Normen, simplen Egoismus usw. Bleibt noch ein Ausweg? Davon ist in diesem Wissenschaftsmagazin wenig zu finden. Im New Scientist vom 4. Juli 2015 wird von einem Gerichtsprozess in den Niederlanden berichtet. Die NGO ClientEarth klagte ihre Regierung darauf, von den Auswirkungen des Klimawandels geschützt zu werden. Und die RichterInnen gaben den KlägerInnen Recht! Die niederländische Regierung wurde dazu verurteilt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 25 % zu reduzieren. Angeblich würden in einigen weiteren Ländern in Europa ähnliche Prozesse anstehen. Wenn die Politik schon unfähig ist, entsprechend zu handeln, dann müsse man sie eben gerichtlich dazu zwingen – solange wir noch ein Rechtsstaat sind.

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