25. September 2022

Klimawandel ist … wenn Anfang Dezember schon die Schneerosen blühen

Und das auf einer Seehöhe von 1400 m, wo in Ostösterreich zu dieser Jahreszeit normalerweise bereits 50 cm Schnee liegen, die bis weit in den Mai halten würden. Schneerosen gibt es hier nie früher. Doch die Zeiten ändern sich, offensichtlich.

P1020772kleinWir sind wieder 2 Tage in den Ostalpen unterwegs. Ich liebe den Herbst, doch jetzt hält er schon sehr lange an. Unten im Tal die Nebel, oben Sonnenschein. Völlige Stille, die meisten Vögel sind schon weggezogen. Alles wartet auf den Schnee.

Letztes Jahr lag hier den gesamten Winter über so wenig Schnee, wie ich das noch nie in meinem ganzen Leben gesehen habe. Heuer gibt es nicht einmal den wenigen Schnee, sondern überhaupt keinen. Nur wer hier heraußen umherstreift, kann das einschätzen: niemals war das auch nur ansatzweise so extrem wie momentan. Da bahnt sich eine unfassbare Entwicklung an, deren Auswirkungen kaum abzuschätzen sind.

P1020779kleinWir sind durch ein Schotterbett am Fuß von Bergabhängen entlang gegangen. Hier sprudelt das Wasser in der Schneeschmelze. Ohne Schnee wird aber kein Wasser mehr kommen. Das war der letzte Schotter, der noch bewegt worden ist. Wie wird das alles hier in wenigen Jahren ausschauen?

Es ist der Winterschnee, der bis in den Sommer die Gletscher vor dem Abschmelzen durch die Sonneneinstrahlung schützt. Ohne Schnee werden die Gletscher bald verschwunden sein.

Ich bin kein Biologe, aber die Fichte, die fast den gesamten Baumbestand in Österreich ausmacht, ist nicht wärmeresistent. Wenn das Klima so rasant kippt, dann werden wir irgendwann demnächst keine Fichten mehr haben. Steht dann noch ein Wald?

P1020665kleinWärmeresistent bin ich übrigens auch nicht. Zeit für mich zu gehen? Was waren das für schöne Zeiten, als noch Schnee fiel! Ich erinnere mich an den Winter 2008/2009, als wäre er vor 100 Jahren gewesen. Damals lag auf 1400 m Höhe in Ostösterreich im Hochwinter mehr als 2 m Schnee. Wird das der letzte echte Winter gewesen sein? Noch 10 Jahre davor war das praktisch die Norm. Damals mussten wir noch Schneeschaufeln, und 5 Mal pro Jahr den Schnee vom Dach des Hauses abtragen, weil es sonst eingestürzt wäre.

Werden die nächsten Generationen hierzulande wirklich ohne Winter aufwachsen? Kein Rodeln, keine Schneewanderungen, kein Eisklettern, kein Schneemannbauen, keine Schneeballschlachten, keine Schitouren? Ich komm mir vor wie ein Zeitzeuge längst vergangener Tage. Es gibt in Österreich keine einzige Nordwand in den hohen Bergen mehr, die noch im Sommer begehbar ist. Überall, auch weit über 3000 m Seehöhe, schmilzt das Eis völlig ab. Bald werden wir Schnee nur noch aus den Geschichtsbüchern kennen – und aus den Fotoalben von Dinosauriern, wie mir.

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