Neue Schweinefabriken verhindern! – Samstag Demo in Graz

Tierfabriken sind Altlasten aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als der wirtschaftliche Aufbau alles galt und man unkritisch der Industrialisierung der Landwirtschaft vertraute, ohne jedem Gegengewicht durch Ethik und Tierschutz. Es waren Hühnerschlachthöfe, in denen die ersten Fließbänder der industriellen Fabriksproduktion installiert wurden. Das ultimative Ziel, Wohlstand, wurde mit der billigsten Massen“herstellung“ von Tierprodukten assoziiert. Fleisch, das Luxusprodukt von Adel und Geistlichkeit im Mittelalter, sollte für alle 3 Mal täglich erschwinglich werden. Schweinefleisch ist das einzige Produkt, das trotz Inflation heute billiger ist als in den 1950er Jahren.

Doch diese Altlasten aus der Tierschutzsteinzeit werden nicht etwa abgebaut und sukzessive durch eine Landwirtschaft mit mehr Lebensqualität für Mensch und Tier ersetzt, nein! Die Zentralisierung, Industrialisierung und Vergrößerung der Produktionskomplexe schreitet weiter fort. Erst kürzlich veröffentlichte die Statistik Austria im Rahmen ihrer Agrarstrukturerhebung die Entwicklung in den letzten 10 Jahren. Die Anzahl der Betriebe nahm in dieser Zeit um 20,3% ab, aber die durchschnittliche Bestandsgröße an Rindern nahm um 40% und die an Schweinen sogar um 143% zu! Die Tierfabriken werden immer größer und dominanter, laufend werden neue gebaut.

So auch jetzt eine in Attendorf bei Graz für 1080 Schweine. Dagegen gehen nun Tierschutzvereine wie der VGT und lokale Bürgerinitiativen gemeinsam vor. Als erster Höhepunkt des Widerstands wird diesen Samstag 30. Juni 2012 von 11-12 Uhr am Hauptplatz von Graz eine große Kundgebung stattfinden, in deren Rahmen ich auch eine Rede halten werde. 1080 Menschen werden erwartet – für diese wird der gleichgroße Bereich auf dem Hauptplatz abgesteckt, wie für die 1080 Schweine der geplanten Tierfabrik in Attendorf vorgesehen ist. Wie sich die Menschen wohl bei so geringem Platzangebot fühlen, das den Schweinen mit größerem Flächenbedarf pro Individuum zugemutet wird – zusätzlich zu Vollspaltenböden, unhygienischen Bedingungen, Krankheiten ohne ärztlicher Versorgung, keiner Frischluft, keiner Stroheinstreu, abgezwickten Schwänzen und Zähnen, und keinem Beschäftigungsmaterial.

Den Status von Schweinefabriken in der Steiermark hat David Richter vom VGT zusammen mit einem Sprecher einer Bürgerinitiative gegen die Attendorfer Tierfabrik am 26. Juni 2012 bei einer Pressekonferenz in Graz präsentiert. Dafür wurden 20 Betriebe dieses Bundeslands mit mehr als 7400 Schweinen in den letzten Wochen heimlich dokumentiert. Das Ergebnis war erwartungsgemäß ernüchternd:

  • In 95 % der Betriebe leben Schweine auf Vollspaltenböden
  • 99,7 % der Mastschweine haben keine Stroheinstreu zur Verfügung
  • 80 % der Betriebe wurden wegen unhygienischer Bedingungen angezeigt
  • 70 % der Betriebe hatten kein und/oder nur ungeeignetes Beschäftigungsmaterial
  • In 100 % der Betriebe haben die Schweine routinemäßig abgeschnittene Schwänze
  • Bei 65 % der Betriebe wurde wegen unversorgter oder nicht behandelter Verletzungen/Krankheiten der Tiere Anzeige erstattet

Am Montag dem 2. Juli 2012 wird der VGT ab 10 Uhr im Cafe Museum in Wien im Rahmen einer Pressekonferenz darüber hinaus detaillierte Ergebnisse von über 20 Tierschutzinspektionen in AMA-zertifizierten Schweinemastfabriken in ganz Österreich präsentieren. Bei allen Betrieben handelt es sich um „Bauernhofgarantie“-Betriebe, bei allen mussten Übertretungen des Tierschutzgesetzes zur Anzeige gebracht werden.

One thought on “Neue Schweinefabriken verhindern! – Samstag Demo in Graz

  1. miss viwi says:

    Viel Erfolg, bei all euren Vorhaben!
    Mögen viele Menschen endlich einsehen, was „österreichische Bauernhofgarantie“ wirklich bedeutet und auch danach handeln.

    liebe vegane Grüße, miss viwi

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