Neueste Zahlen zeigen erstmals Trendumkehr: weltweiter CO2 Ausstoß steigt langsamer als Wirtschaft

P1000377In Sachen Klimawandel kennen wir nur negative Berichte. Jetzt kam aber der „Trends in Global CO2 Emissions: 2013 Report“ der Environment Assessment Agency und des EU-Kommissions Joint Research Centre heraus. Das wesentliche Ergebnis: Während das Bruttosozialprodukt weltweit um 3,5% angestiegen ist, wuchs die weltweite CO2 Emission „nur“ um 1,1%. Das ist eine Trendumkehr, weil bisher die CO2-Emission direkt an die Wirtschaftsentwicklung gekoppelt war. Zwar fordert die Wissenschaft, dass der weltweite CO2-Ausstoß ab jetzt jährlich um 2,5% pro Jahr sinken muss, statt weniger steil anzusteigen, um eine maximale Erwärmung von 2° C nicht zu überschreiten, aber dennoch liefern die Zahlen einen Hoffnungsschimmer, dass doch noch die Vernunft einkehrt.

In der EU sinkt der CO2-Ausstoß seit 10 Jahren kontinuierlich, im Jahr 2012 sogar um 1,6%. Auch die USA, die zwar jede internationale Verpflichtung zur Reduktion verweigert, hat ihre Hausaufgaben gemacht: erstmals kam es zur Reduktion 2012, und zwar gleich um 4%. Selbst in China, mit einem 10% CO2-Ausstoß Zuwachs pro Jahr in der letzten Dekade, waren es 2012 nur 3% Zuwachs, obwohl die Wirtschaft um 8% zulegte. China ist mittlerweile für 29% des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, obwohl seine Wirtschaft nur 15% zum Gesamtbruttosozialprodukt beiträgt. Pro Person ist China nun für mehr CO2-Ausstoß verantwortlich als die EU. Gesamt ist die CO2-Emission in China fast doppelt so hoch wie in den USA, allerdings mit 4 Mal soviel BürgerInnen.

Die chinesische Regierung hat erst kürzlich begonnen ein Programm zur CO2-Reduktion zu erstellen. Und das wirkt. Im Jahr 2012 war geplant, den CO2-Ausstoß pro US-Dollar Bruttosozialprodukt um 3,5% zu reduzieren und es gelang sogar eine Reduktion um 4,3%! Hauptgrund für diese Einsicht der chinesischen Regierung ist allerdings der gesundheitsgefährdende Smog in chinesischen Städten. China hat in den letzten Jahren 2 neue Kohlekraftwerke pro Woche gebaut. Momentan sind es nur mehr 1 pro Woche. Statt Kohle setzt man auf Kernkraft, 32 Atomkraftwerke sind in Bau. Und von dem weltweiten Zuwachs an Energiegewinnung durch Wasserkraft von 39% geht die Hälfte auf neue Projekte in China zurück.

Sorgenkinder sind Indien und Japan, deren CO2-Ausstoß weiterhin an ihr Bruttosozialprodukt gekoppelt rapide anwächst. Dort gibt es bisher noch keine Programme zur Reduktion in der Zukunft.

Woher kommt nun der Rückgang an CO2-Ausstoß in den USA und Europa? In Amerika ist das vor allem auf den Wechsel von Kohle zu Erdgas zurückzuführen. Generell aber sind die Produktionsbedingungen energieeffizienter geworden. Der Bericht führt auch den Wechsel zu Energiesparlampen in Privathaushalten als Grund für den Rückgang in der EU an. Von 2006-2012 hat sich der Beitrag von Solar- und Windenergie zur Gesamtenergieerzeugung verdoppelt. Im Jahr 2012 wurde der Zuwachs an Energiegewinnung weltweit zur Hälfte von Wasserkraft abgedeckt. Und selbst die Regenwaldvernichtung, bisher ein Hauptfaktor für den CO2-Ausstoß, geht nun langsamer vonstatten: in den letzten 10 Jahren hat Brasilien die fortschreitende Urwaldzerstörung um 70% reduziert.

2/3 der weltweiten CO2-Emissionen würden laut Bericht nun nationalen Reduktionsprogrammen unterworfen sein. Zwar gab es keine Einigung bei den internationalen Verhandlungen in Warschau diese Woche, aber offenbar führen nationale Alleingänge auch in irgendeiner Form zu Ziel. Wir wollen es hoffen!

One thought on “Neueste Zahlen zeigen erstmals Trendumkehr: weltweiter CO2 Ausstoß steigt langsamer als Wirtschaft

  1. Roland says:

    Steht auch im Bericht, wieviel (Bruchteile von einem) Promill die Energieeinsparungen durch Energiesparlampen in Privathaushalten ausmachen? und wieviel Energie durch flächendeckende energiesparende, nicht-lichtverschmutzende Straßenbeleuchtungen eingespart werden könnte?
    Interessant wäre auch zu wissen, wieviele Menschen auf vegane Ernährung umsteigen müssten, um denselben Energiespareffekt, sowie wieviele um denselben totalen footprint-Effekt zu erzielen wie die „fuck se Energiesparlampe“ bewirkt? wieviel zusätzliche Energienachfrage die Energiesparlampen durch Energiesparlampen-bedingte Depressionen, sowie Herstellung, Entsorgung der Quecksilberlampen verursachen…?

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