Polen: Dorf blockiert seit 10. Juli 2013 Lieferung von Nerzen zu Pelzfarm – Nötigung?

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Die DorfbewohnerInnen blockieren seit 2 Wochen Tag und Nacht die Zufahrt zu einer Pelzfarm, um die Lieferung neuer Zuchtnerze zu verhindern!

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Selbst die lokale Feuerwehr beteiligt sich an der Blockade

Nach dem OLG-Urteil im Tierschutzprozess ist es eine Nötigung, wenn die BürgerInnen eines Landes auf die gesellschaftlichen Zustände anders als durch ihre persönliche Einzelkaufentscheidung und durch Stimmabgabe für die Parlamentswahlen Einfluss nehmen wollen. Und nach diesem OLG-Urteil ist die Forderung, mit dem Pelzhandel aufzuhören, sittenwidrig. Beides dürfte die 770 EinwohnerInnen des polnischen Dörfchens Przelewice, früher Prillwitz, in West-Pommern nahe der deutschen Grenze nicht beeindrucken. Sie blockieren seit Mittwoch, dem 10. Juli 2013, die Zufahrt zu einer Nerzfarm für die Pelzproduktion, die dort von einem dänischen Pelzfarmer errichtet werden soll. Die Blockade dauert nicht nur ungebrochen seit nunmehr 2 Wochen Tag und Nacht an, selbst die lokale Feuerwehr beteiligt sich und die Polizei wirkt nicht bereit, einzugreifen. Siehe http://radioszczecin.pl/serwis_informacyjny/pliki/2013/2013-07-11_1373498381.mp4

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Der Transporter mit den Zuchtnerzen des dänischen Pelzfarmers

Diese Aktion kommt nur 1 Monat nachdem Mitte Juni 2013 durch einige Demonstrationen und zivilen Ungehorsam in Brzeście nahe Krakau der Bau einer neuen Pelzfarm für 185.000 Nerze verhindert wurde. In diesem Fall kam der Betreiber aus Holland. Beeindruckend bei diesen Kampagnen ist nicht nur der tatkräftige Einsatz so vieler Personen, sondern auch der Umstand, dass es sich um Menschen ohne Erfahrung mit Tierschutzkampagnen handelt, die einfach keine Pelzfarmen in ihrer Region wollen, und dagegen mit selbstgemachten Anti-Pelz Plakaten protestieren.

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Auch in Polen gehen viele Menschen gegen Pelz auf die Straße. Hier Mitte Dezember 2012 in Warschau.

Am 25. Jänner 2013 wurde aufgedeckt, dass ein polnischer Parlamentarier eine Pelzfarm besitzt. Auch da war die Medienresonanz sehr pelzkritisch. Zwischen Oktober 2011 und Oktober 2012 hatten TierschützerInnen 52 polnische Pelzfarmen heimlich gefilmt und das Material Mitte Dezember veröffentlicht. Eine Reaktion war die größte Tierschutzdemo, die dieses Land je gesehen hat. Kurztrailer zum Film über die Zustände in den Pelzfarmen: http://www.youtube.com/watch?v=4VSQLcYcv1c.

Als anständiger Bürger bzw. als anständige Bürgerin im Sinne des OLG-Urteils, freut man sich über diese Entwicklung oder muss man sie als eine Bedrohung des Rechtsstaates und als eine unzulässige Einflussnahme allgemein auf die Ausgestaltung des (sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens haltenden) Warensortiments als Ausfluss der Autonomie des Unternehmers (Zitat OLG-Urteil) betrachten? Jedenfalls gelingt es so diesen „autonomen Unternehmern“ aus den Ländern, in denen ihre Machenschaften verboten werden, nicht nach Osteuropa zu flüchten, um weitere Pelze zu produzieren, die dann in österreichische Modehäuser gelangen. Eines Tages wird es keinen Platz mehr für sie auf der Erde geben.

Unterdessen denkt die Elite in England um. Eine PETA-Umfrage bei 23 BürgermeisterInnen englischer Städte ergab, dass alle entweder ihre traditionellen Pelzroben abgelegt haben, mit Kunstpelz besetzen ließen oder gerade eine entsprechende Veränderung andenken. Wenn BürgermeisterInnen Pelzroben tragen würde das den englischen Grundwerten von Tierschutz widersprechen. In England, Wales und Nordirland wurden Pelzfarmen im Jahr 2000 verboten, weil es, wie es in den offiziellen Erläuterungen zum Gesetz heißt, „overwhelming public support to end the practice“ gab.

Wie war das doch gleich: die Forderung nach einem Ende des Pelzhandels wäre sittenwidrig? Vielleicht im Mittelalter, heute sicher nicht mehr.

19 thoughts on “Polen: Dorf blockiert seit 10. Juli 2013 Lieferung von Nerzen zu Pelzfarm – Nötigung?

  1. Dorothea Gmeiner-Jahn says:

    Die Einzigen, die stolz Pelz tragen sollten, sind die Tiere, die einen Pelz haben. Und danke für diese hochinteressanten und ermutigenden Nachrichten aus Polen!

  2. Gudrun Enders says:

    Ich gratuliere den Dorfbewohnern zu ihrem Mut, sich gegen Handlungen zur Wehr zu setzen, die als tierschutzwidrig bewiesen sind, finde ihren Widerstand großartig und wünsche ihm viel Erfolg. Dem OLG dagegen wünsche ich die Einsicht, dass gesprochenes „Recht“ nicht immer richtig ist. Wenn Recht zu Unrecht wird, ist Widerstand Bürgerspflicht

  3. Ute Spielmann says:

    Bravo!!! Haltet durch.Ich bete für euch.

  4. malu says:

    Das nenne ich Zivilcourage! Mein tiefer Respekt an diesen anständigen und verantwortungsvollen Menschen.

  5. Jacqueline says:

    BRAVO! nach Przelewice 🙂
    Alle Geschäftemacherei mit Tierquälerei müssen abgeschafft werden. – Hoffe wir haben am kommenden Samstag, 3. August auch die ganze Stadt Port-Louis auf der Strasse zum ersten Protest Marsch – „NEIN zu TIERVERSUCHEN in MAURITIUS“.

  6. Lilette Huschka says:

    …finde diese Einstellung super! Endlich wachen die Menschen auf und wie man sehen kann auch in anderen Ländern. Meinen Respekt haben sie 🙂

  7. elisabeth bakavos says:

    Das ist wahrer Einsatz und Verantwortungsbewusstsein. Liebe Bürger von Przelewice ihr seid einfach toll! Von Herzen danke für das Zeichen, das ihr mit dieser Aktion setzt. Kann sich jeder ein Beispiel dran nehmen….

  8. Lothar says:

    Haltet durch ihr lieben Polen.
    In Dänemark werden schon jährlich 12 Millionen Nerze im Jahr gequält , last dieses Verbrechen nicht in Eurem Lande zu !!

  9. Dagmar Oest says:

    Meine Hochachtung diesen mutigen Menschen. Macht weiter so, das ist einfach klasse und zeigt, was eine Gemeinschaft bewirken kann…

  10. Lilia zymny says:

    Ja!!!!! Super!!! Danke !!! Ihr sind Toll!!!! Respekt !!

  11. Nadine says:

    Danke! Vielen Dank an diese Mitbürger. Bleibt stark….ihr zeigt was zusammenhalten bedeutet! Super!!! dziękuję

  12. Ehrengard Becken-Landwehrs says:

    Die Polen haun mich immer wieder um! Eine umwerfende Gemeinschaft, wenn sie etwas durchsetzen wollen. Einfach toll. Da sollten wir Deutsche uns eine dicke Scheibe von abschneiden, denn wir haben keine Gemeinschaft und jeder kocht sein eigenes Süppchen.
    Ein holländischer Investor? Wie interessant! Von dem Gesocks haben wir in D leider viel zu viele, denn im eigenen Land dürfen sie ja nicht!

  13. Silvia Granold says:

    Pelztiere haben ihre eigene Existenzberechtigung! Sie sind von der Natur mit einem wärmenden und schützenden Pelz ausgestattet, der für ihr Überleben in der Natur unentbehrlich ist. Wildtiere existieren um ihrer selbst willen und stehen nicht als Felllieferanten für den Menschen zur Verfügung.
    Pelztierfarmen sind Hochburgen schlimmster Tierquälerei und müssen sofort weltweit verboten werden! Dies gilt selbstverständlich auch für den grausamen Fallenfang!

  14. carmen says:

    Ich wünsche den menschen die dort mitmachen weiterhin viel kraft! ich bin beeindruckt! großartig!

  15. Paula says:

    Das ist es: ”Jedenfalls gelingt es so diesen „autonomen Unternehmern“ aus den Ländern, in denen ihre Machenschaften verboten werden, nicht nach Osteuropa zu flüchten, um weitere Pelze zu produzieren, die dann in österreichische Modehäuser gelangen.“
    Vielen ist der Zusammenhang nicht klar, dass es nicht „einfach Pelz“ ist, der hierzulande verkauft wird.

    Danke für den Bericht, ich wusste nichts davon, dass Industrielle auf andere Länder ausweichen, wenn die Pelzfarmen im eigenen Land verboten sind.

  16. Bernd says:

    Eine Kriminelle Vereinigung von knapp 1000 Polen und die Polizei macht genau nichts!

    Polen darf nicht Österreich werden!

    Dank für die Nachricht.
    Bernd

  17. Joe Luis says:

    Von diesem Dorf in Polen kann man noch etwas lernen. Respekt. Es erinnert an ein kleines Dorf in Gallien …

  18. Grand Blanc says:

    Die Bewohner eines anderen polnischen Dorfs haben vor ein paar Jahren die amerikanischen Betreiber eines, vom Bürgermeister über ihren Köpfen zugesagten Frackingprojekts auf ähnliche Weise aus der Gegend verjagt.

  19. susanne v. says:

    In Polen gibt es offensichtlich viele anständige Menschen. Respekt!

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