6. Oktober 2022

Greifvögel verwenden Feuer schon seit Millionen von Jahren!

Der Mensch sei das einzige und erste Wesen, das das Feuer für seine Zwecke seit rund 400.000 benutze, lernen wir in der Schule. Einer der angeblich so vielen großen Unterschiede zwischen Mensch und Tier. Doch, wie New Scientist vom 13. Jänner 2018 auf Seite 4 berichtet, ein weiteres Vorurteil gegenüber nichtmenschlichen Tieren, das sich irgendwie aufzulösen scheint. Anekdotische Beobachtungen von Vögeln in Australien, die absichtlich Feuer in der Savanne ausbreiten, gibt es schon lange. Feuerwehrmänner erzählen, dass sie Greifvögel dabei beobachtet haben, wie diese glühende Zweige aus dem Feuer griffen und in ein noch nicht entzündetes Gebiet flogen, um die Zweige dort fallen zu lassen und ein Feuer zu entfachen. Manchmal, so die Story, habe man 30 durch Vögel entzündete, neue Brandherde wieder löschen müssen. Jetzt hat eine wissenschaftliche Studie dieses Verhalten tatsächlich bestätigt.

Konkret geht es um den Habichtfalken, die Keilschwanzweihe und den schwarzen Milan. Individuen dieser 3 Greifvogelarten sind dabei dokumentiert worden, wie sie vorsätzlich Feuer mittels glühender Zweige gelegt haben. Das ist insbesondere dann aufgetreten, wenn natürliche Barrieren die Ausbreitung von Feuer verhindert haben. Die Vögel halfen sozusagen dem Feuer, Flussläufe, Straßen oder Felswände zu überwinden. Dass dieses Feuerlegen vorsätzlich sein muss, schließen die StudienautorInnen u.a. daraus, dass dieselben Greifvögel auch Brotkrumen ins Wasser werfen, um Fische anzulocken, die sie dann fangen und essen. Das Feuerlegen sei jedenfalls nicht Teil des genetischen Repertoirs der genannten Greifvögel, weil es nur wenige Individuen betrifft, die das tatsächlich tun. Der Sinn könnte darin bestehen, mit Hilfe des Feuers mögliche Beutetiere aus der Deckung zu treiben.

Anekdoten von feuerlegenden Vögeln gibt es auch aus Amerika, Afrika und Südasien. Die StudienautorInnen mutmaßen, dass die Vögel das Feuerlegen vor den Menschen “erfunden” haben, weil sie in mehr oder weniger unveränderter Form seit Millionen von Jahren auf der Erde leben. Die Menschen nutzen Feuer erst seit 400.000 Jahren.

Dass die Nutzung von Feuer durch Vögel nicht überraschen sollte, zeigen die vielen kognitiven Leistungen von Vögeln bei der Nutzung von Werkzeug, die in letzter Zeit ans Tageslicht kamen, wie unter anderem:

  • Geier in Ägypten nutzen Zweige, um geschorene Schafwolle in großer Menge aufzunehmen und zu ihrem Nest zu bringen, um dieses weich auszupolstern
  • Krähen schenken ihren PartnerInnen aber auch Menschen Gegenstände und merken sich, welche diese lieber haben und welche weniger
  • Krähen nahmen in Versuchen kurze Stöckchen, um damit an längere Stöcke heran zu kommen, mit denen sie dann eine Box öffnen konnten, um etwas zu bekommen, das sie wollten
  • Palmkakatus bearbeiten Zweige, sodass sie sie als Trommelschlägel benutzen können. Damit machen sie dann auf Baumstämmen Musik mit verschiedenen Rhythmen, die dazu dienen sollen, ihre SozialpartnerInnen zu beeindrucken.

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