Corona

Coronavirus: Clemens Arvay widerlegt

Die zweite Infektionswelle des Coronavirus rollt, wie vorhergesagt. Hat sich der Tanz nach dem Hammer doch nicht als so leicht herausgestellt. Eine Reihe von Ländern ist zurück in den Lockdown gegangen, zuletzt Irland, und das total.

Doch manche unserer Mitbürger_innen scheinen infrage zu stellen, ob es überhaupt eine zweite Infektionswelle gibt. 2 % der mit dem PCR-Test geprüften Personen würden ein falsches positives Ergebnis zeigen, also je mehr getestet wird, desto mehr Infizierte. 2 % ist ziemlich viel in diesem Zusammenhang. 10.000 Tests zeigen dann immerhin 200 Infektionen an, die es gar nicht gibt. Ist die gesamte zweite Infektionswelle ein Hoax?

Leider ist das wieder nur ein Beispiel, wie man mit Pseudowissenschaft die Leichtgläubigen unter uns hineinlegen will. Stimmt nicht, sagt Molekularbiologe Martin Moder, und erklärt in einem Video sehr genau und leicht verständlich, warum der PCR-Test praktisch überhaupt keine falschen positiven Testergebnisse liefert: https://youtu.be/LNCRV03-79c

Kurz zusammengefasst: Moder zeigt auf, dass sich der 2 % Fehler nur auf eine Gensequenz bezieht. Wenn man aber 2 oder noch mehr Gensequenzen bei dem Test sucht, dann hat man 2 % von 2 %, oder sogar 2 von 2 von 2 % falsche positive Resultate, also praktisch Null.

Ein anderer Coronaleugner hat mir erklärt, irgendein anderer Pseudowissenschafter hätte gesagt, die Menschen in Bergamo seien alle an Luftverschmutzung gestorben. Ah ja, zuerst stirbt niemand an Luftverschmutzung, dann kommt das Coronavirus aus China nach Italien, plötzlich sterben alle an Luftverschmutzung in Bergamo, indem sie am Bauch liegend künstlich beatmet werden müssen, dann gibts Isolationsmaßnahmen, das Virus geht wieder und die Luftverschmutzung ist wieder zuende. Sehr überzeugend. Aber Harvard hätte durch eine Studie bestätigt, dass die Luftverschmutzung einen Einfluss habe und daher sei diese Behauptung wissenschaftlich bestätigt. Ist sie nicht. Na no na hat die Luftverschmutzung irgendeinen Einfluss auf eine Atemwegserkrankung, aber deswegen wäre noch lange niemand an Luftverschmutzung in Bergamo gestorben, hätte es kein Coronavirus gegeben.

Man kann schon Coronamaßnahmen kritisieren und auch wissenschaftliche Erkenntnisse gegeneinander abwägen. Aber bitte mit Vernunft und fundiert, nicht absichtlich wissenschaftliche Arbeiten missinterpretieren, um eine Ideologie zu bestätigen, die sich in Wahrheit so nicht bestätigen lässt.

Clemens Arvay hat mir geschrieben. Er fühle sich durch meine Aussagen beleidigt. Er habe ein objektiv wissenschaftliches Buch geschrieben, ich sei ideologisch verbohrt. Lustig, weil ich habe überhaupt keine Meinung zu Corona. Ich höre mir nur an, was die verschiedenen Wissenschafter_innen und Politiker_innen sagen. Wenn Corona gefährlich ist, dann mache ich bei den Isolationsmaßnahmen mit. Wenn nicht, dann nicht. Und wenn man zunächst glaubt, das Virus ist gefährlich, und dann stellt sich heraus, es ist nicht gefährlich, dann ist mir das auch recht. Besser man irrt sich auf der sicheren Seite und überschätzt statt unterschätzt die Gefahr.

Clemens Arvay dagegen ist gar nicht wurscht, wie gefährlich Corona ist und ob Schutzmasken etwas helfen. Er hat eine Agenda und ignoriert dafür wissenschaftliche Erkenntnisse. Das hat er mir persönlich bestätigt.

Christian Drosten hat in seinem Blog eine wissenschaftliche Meta-Studie zur Gefährlichkeit des Coronavirus analysiert. Diese Studie kommt zum Schluss, dass Corona 16x (!) tödlicher als die herkömmliche Grippe ist. Bei 85 Jährigen ist die Infektion für eine von vier Personen tödlich.

Ich habe Clemens Arvay gefragt, warum er diese Studie nicht zitiert. Es gibt nur 3 Möglichkeiten:

  • Er hält sie für falsch und meint, er kenne sich besser aus als Drosten oder die Autor_innen der Studie – krankhafte Überheblichkeit
  • Er meint, Drosten und die Autor_innen der Studie würden absichtlich falsche Ergebnisse verbreiten – krankhafte Verschwörungstheorie
  • Oder das Ergebnis passt nicht zu dem, was er gerne hätte, dass wahr ist, und deshalb ignoriert er die Studie

Nun, ich habe ihn gefragt, und er hat gesagt, er zitiere nur jene Studien, die vom Mainstream und den konventionellen Medien ignoriert werden. Aha, ist das ein geeignetes Kriterium, um qualitativ hochwertige wissenschaftliche Arbeiten zu finden? Offensichtlich nein. Klar ist also, Clemens Arvay agiert nicht wie ein objektiver Wissenschafter, als der er sich darstellen will. Ein objektiver Wissenschafter hat entweder eigene Forschungsergebnisse, die er präsentiert, oder er fasst Arbeiten anderer zu einem Thema zusammen, dann aber so, dass alle relevanten Arbeiten und deren Ergebnisse einbezogen werden. Alles andere ist nicht wissenschaftlich objektiv, sondern ideologisch. Und für mich daher uninteressant. Ich möchte unvoreingenommen die Wahrheit erfahren, und nicht ein ideologisches Wunschdenken.

So wird auch argumentiert, die Schutzmasen würden nichts helfen. Ich kann das, wie gesagt, überhaupt nicht beurteilen. Hier das Ergebnis einer Studie über die Effektivität von Schutzmasken:

Nach völlig ineffektiv schaut das nicht aus. An der spanischen Grippe, die in 3 Infektionswellen kam, starben etwa 50 Millionen Menschen. Auch dieser Pandemie versuchte man mit Schutzmasken zu entgehen. Und auch da zeigte sich, wo es mehr Schutzmaßnahmen gab, war die Pandemie wesentlich weniger virulent.

„Wear a mask or go to jail“ hat die Dame auf ihrem Plakat stehen. Gab es schon damals den Streit mit Personen, die aus welchen Gründen auch immer unbedingt keine Maske tragen wollten?

Meine Tochter findet das Maskentragen übrigens lustig, obwohl sie nicht muss:

Und die Animal Liberation Front auch:

Die meisten Menschen sind offenbar überzeugt, dass das Tragen von Schutzmasken sinnvoll ist (und Corona eine gefährliche Pandemie), weil man sieht fast jeden Menschen eine tragen. Und nicht nur das. An der roten Ampel stehen 30 Personen, alle freiwillig im 1 m Abstand voneinander. Und unsere Tierschutztagung müssen wir wegen Corona verschieben. Nicht, weil wir es für zu gefährlich gehalten hätten oder die Behörde es verboten hätte. Sondern weil die allermeisten Menschen, die sich angemeldet und bereits bezahlt haben, aus Angst vor einer Ansteckung nicht mehr kommen wollen. Ich halte das unter den gegebenen Umständen bei den bestehenden Informationen für sehr vernünftig.

Einige Personen haben mir geschrieben, dass ich meine Glaubwürdigkeit einbüßen würde, wenn ich nicht auch die Gefahr herunterspiele und die Schutzmaske für ineffektiv halte. Diese Menschen dürften in ihrer eigenen Bubble leben und nur noch von Menschen mit gleicher Ideologie umgeben sein. Weil hier heraußen, außerhalb dieser Bubble, sind weit über 90 % anderer Meinung. In Wahrheit hätte ich keine Glaubwürdigkeit, würde ich die wissenschaftlichen Erkenntnisse für eine fragwürdige Ideologie zu opfern bereit sein.

Verschwörungstheorien

Ich habe vor einigen Jahren das Tagebuch einer Frau, die von 1638 bis 1700 hier bei mir am Hochschwab gelebt hat, gelesen und darüber auch einen Blogeintrag geschrieben: https://martinballuch.com/das-hausbuechl-der-stampferin-oder-was-tierschutz-mit-der-todesstrafe-zu-tun-hat/. Darin führt die Autorin aus, dass 1679 ein Bruder von ihr starb und genau zur selben Zeit eine seltsame Frau in der Gegend erschienen ist. Zufällige Koinzidenz würden wir heute sagen. Nicht aber die Leute damals, die von der Naturwissenschaft und deren Verständnis von Realität nicht viel wussten. Damals gingen einige Leute von einer Verschwörung zwischen dieser Frau und dem Teufel aus und überzeugten bald die anderen durch insbesondere die scheinbar mysteriöse Gleichzeitigkeit ihres Auftretens mit dem Tod des Mannes und durch ihr asoziales Verhalten. Die Frau wurde festgenommen und gefoltert. Dabei gestand sie, mit dem Teufel paktiert zu haben und wurde hingerichtet.

Das ist der klassische Fall einer Verschwörungstheorie. Voraussetzung dafür, ihr zu folgen, ist, dass man die naturwissenschaftliche Faktenlage verlässt, die rationale Vernunft hintan stellt und sich durch das reißerisch dargestellte und aufgeblähte, scheinbar Mysteriöse einer zufälligen Gleichzeitigkeit beeindrucken lässt. Dabei ist daran nichts mysteriös, wenn man genau hinsieht. Zu dieser Zeit starben ununterbrochen Menschen im Dorf der Autorin des Tagebuchs, und die Krankheiten waren für die Leute damals praktisch immer undurchschaubar. Dass also eine undurchschaubare Krankheit einen Mann tötet während diese Frau erstmals auftaucht, ist statistisch nicht unwahrscheinlich, ohne dass es einen Zusammenhang geben muss.

Ich kann dem ein moderneres Beispiel hinzufügen. Als wir 10 Tierschützer_innen im Rahmen des Tierschutzprozesses verhaftet und in die Justizanstalt Wr. Neustadt eingeliefert wurden, fiel just zu diesem Zeitpunkt der Fernsehempfang im gesamten Gefängnis aus. Und schon grölte ein Gefangener aus einer der Zellen ober mir, er werde uns „Veganer“ umbringen, wenn er uns trifft, und sollte er eine höhere Haftstrafe dafür bekommen, so sei ihm das wert, weil wir seinen Fernsehempfang mutwillig gestört hätten.

Ein letztes Beispiel: die Atomreaktor-Explosion in Tschernobyl. Die Wolke mit radioaktiven Teilchen kam relativ rasch nach Österreich. Ich war damals Physikstudent und experimentierte gerade zufällig mit Geigerzählern, die die Radioaktivität messen können. So konnten wir nachweisen, dass Kinderspielplätze kontaminiert waren. Andere hatten diese unabhängige Info aber nicht. Als die Regierung also nicht nur Kinderspielplätze sperrte, sondern ganze Augehverbote erließ, gab es eine Reihe von Personen, die eine Verschwörung vermuteten. Es gebe gar keine Radioaktivität – immerhin kann man sie ja mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen – oder zumindest keine Atomreaktorexplosion, und überhaupt wolle die Regierung nur die Grundrechte außer Kraft setzen. Damals hatten diese Verschwörungstheorien sehr wenig Effekt. Aber nicht, weil die Menschheit vernünftiger gewesen wäre, als heute, sondern weil es keine sozialen Medien gab. Die Verschwörungstheoretiker_innen damals waren alle isoliert und konnten sich nur mündlich ihrer Umgebung mitteilen. So gab es nie eine kritische Masse, die eine der Verschwörungstheorien zum Selbstläufer hätte werden lassen.

Nicht so jetzt im Fall des Coronavirus. Als ich seinerzeit am Institut für Astronomie der Uni Wien arbeitete, stellte ich mit großer Verwunderung fest, dass im regelmäßigen Abstand Personen auftauchten, die vollkommen überzeugt waren, dass die Quantenmechanik oder die Relativitätstheorie, oder auch die Schwarzen Löcher, nicht die Realität beschreiben würden, sondern internationale Verschwörungen wären. Da war ich Fachmann, das konnte ich leicht widerlegen. Im Fall von Corona bin ich nicht vom Fach. Wie kann ich also eine Verschwörungstheorie von einer echten Verschwörung unterscheiden, wenn ich dazu selbst kein Spezialwissen habe? Immerhin gibt es Letztere ja auch.

Ich denke das ist ziemlich leicht. Erstens weiß ich aus eigener Erfahrung, dass die internationale Wissenschaftscommunity nicht global für eine Verschwörung zu haben ist. Es ist völlig undenkbar, dass sich alle Wissenschafter_innen eines Faches, von China bis in die USA, von Australien bis Europa, von Afrika bis Skandinavien, gemeinsam verschwören und bewusst einen Umstand erfinden oder einen real bestehenden Umstand leugnen. Ich lese also das Magazin „New Scientist“, das von unabhängigen Wissenschaftsjournalist_innen herausgegeben wird und das meinem Eindruck nach eine gesunde kritische Distanz zu allen Behauptungen einnimmt und sich am Stand der internationalen Wissenschaft orientiert. Zu Corona: das New Scientist hat weder diesen Virus noch seine Wirkung je infrage gestellt. Man muss im Internet echte von falschen Quellen für Fakten unterscheiden lernen.

Interessant ist ja, dass Verschwörungstheorien heute immer im Mäntelchen der Wissenschaft daher kommen. Man erfindet wissenschaftliche Autoritäten und behauptet fälschlich Forschungsergebnisse und präsentiert sich als Wissenschafter_in, sodass es auf den ersten Blick vielleicht nicht so leicht ist, Wissenschaft von Fake News zu unterscheiden. Aber nur auf den ersten Blick. Der zweite Blick ist auf die Wissenschaftsmagazine gerichtet, in denen publiziert wurde, oder auf die Methode, die angewandt wurde, und dann lässt sich leicht der Spreu vom Weizen trennen. Es ist nicht alles Wissenschaft, was so tut als ob. Zu Corona: für das wissenschaftlich geschulte Auge sind Auftritte des Herrn Wodarg zum Beispiel sehr leicht als Fake News zu durchschauen.

Zweitens würde ich, um eine Verschwörungstheorie einzuschätzen, immer fragen, wer soll sich da zu welchem Zweck verschworen haben. Verschwörungstheorien zeichnen sich zumeist dadurch aus, dass die Zwecke sehr weit hergeholt sind. Im Fall Corona: Es ist vollständig absurd zu glauben, dass sich alle Staaten der Welt gemeinsam verschworen haben, einen imaginären Virus zu behaupten, um ihre eigene Wirtschaft in den Abgrund zu treiben.

Und drittens ist ein gewisses Maß an vernünftiger Abwägung zwischen den entgegengestellten Thesen gefragt. Im Fall Corona: ist es wahrscheinlicher, dass der ORF die Massengräber in New York und die Totentransporte in Italien durch Schauspieler_innen darstellen lässt, oder reale Szenen gefilmt hat? Sind die Filmaufnahmen aus den Intensivstationen und die Erfahrungswerte zahlreicher Ärzt_innen eher simuliert oder zeigen sie doch die Realität? Ist es möglich, dass sämtlicher Expert_innen, die die Regierungen beraten, durchgehend lügen oder selbst hinters Licht geführt wurden, oder haben sie vielleicht doch ein bisschen eine Ahnung, wovon sie reden?

Ich kenne mich mit Viren nicht besser aus als ein durchschnittlich informierter Naturwissenschafter. Aber alles, was ich schon vor Corona gewusst und seither nachgelesen habe, z.B. über die Pandemie der Spanischen Grippe 1919, lässt mich im Großen und Ganzen zur Überzeugung gelangen, dass die österreichische Regierung in dieser Frage sehr vernünftig agiert hat. Deshalb trage ich sämtliche Maßnahmen freiwillig und gerne mit.

Salzburg: Fiaker statt Taubenhaus?

In Salzburg war ein Taubenhaus geplant. Aufgrund der vielen Ausgaben öffentlicher Gelder im Rahmen der Corona-Krise wurde dieses Projekt gestoppt. Vom Bürgermeister hieß es, man könne nur noch „lebensnotwendige“ Projekte fördern. Und im gleichen Atemzug subventioniert man die „armen“ Fiakerunternehmen, die jetzt mangels Tourist_innen ihre Pferde nicht mehr in der größten Hitze durch den Betondschungel eines Großstadtverkehrs hetzen können. Dazu habe ich dem Bürgermeister den folgenden offenen Brief geschickt: